Kategorie: Rudelbeitrag FILMLÖWIN

invisible sue

am donnerstag startet ein deutscher kinderfilm in den kinos, den ich allen kindern, jugendlichen und auch erwachsenen superheld:innen-fans ans herz legen möchte. invisible sue von markus dietrich bezieht sich optisch deutlich auf die comic-genese des superheld:innen-prinzips, hat sichtbaren spaß an dynamik und popkulturellen referenzen und macht ganz einfach mal das geschlecht seiner protagonist:innen (fast komplett) zu einem unwesentlichen charaktermerkmal. bei FILMLÖWIN habe ich mir drei gedanken zu dem film gemacht.

unzertrennlich

für die FILMLÖWIN durfte ich Frauke Lodders Unzertrennlich besprechen – ein Film über die Geschwister von behinderten oder lebensverkürzt erkrankten kindern. ein sehr schöner film, der mein mutterherz gar nicht so sehr zu tränen gerührt als über die ähnlichkeit von geschwisterbeziehungen hat lächeln lassen.

reise nach jerusalem

arbeitslose akademikerin bewirbt sich erfolglos, nennt sich selbständig und versucht, ihrem leben mit to-do-Listen sinn und struktur zu geben – mein leben als film! Lucia Chiarlas Reise nach Jerusalem durfte ich für FILMLÖWIN sehen und besprechen. real talk: ich habe bei dem film so viel geweint wie bei Watership Down. es ist einfach zu wahr.

mary shelley

für die FILMLÖWIN durfte ich Mary Shelley besprechen – seit dem 9. Mai auf DVD/BD – ein sehr schöner film, der locker den bechdeltest besteht und (fast) alles richtig macht!

Wer sich vorher oder hinterher noch mal etwas zur echten Mary Shelley zu Gemüte führen möchte, kann ja noch meinen Beitrag von 2016 zu ihr lesen. Ihr Leben nach der Veröffentlichung von Frankenstein bekommt dort auch nicht sehr viel Raum, deshalb hier eine kurze Zusammenfassung ihres Lebens post-Frankenstein. Sie schrieb weitere Romane und Reiseberichte, vor allem aber arbeitete sie daran, das Werk ihres verstorbenen Mannes zu veröffentlichen. Davon, seine Biografie zu schreiben, hielt sie ihr Schwiegervater ab, der seine finanziellen Zuwendungen – auf die sie lange Zeit angewiesen blieb – davon abhängig machte, dass niemand von den radikalen Ansichten seines Sohnes erfuhr. Der Tod von Percys erstem Sohn mit Harriet Shelley machte Marys Sohn Percy Florence zum direkten Erben des Shelley-Vermögens und als der Schwiegervater später starb, waren Mutter und Sohn ihre wirtschaftlichen Sorgen halbwegs los.

Sie traf nach Percys Tod noch einige Männer, die ihr die Ehe antrugen, aber sie lehnte stets ab. Sie könne nach einer Ehe mit einem Genie nur ein weiteres heiraten, war ihre Begründung. Dafür half sie allerdings einem befreundeten Frauen*-Pärchen, in Frankreich wie Mann* und Frau* zusammenzuleben – sie half ihnen, den Pass einer der beiden zu fälschen, sodass diese dort unter ihrem männlichen Pseudonym leben konnte.

Sie wurde mehrfach Opfer von Erpressungsversuchen, die auf ihrer oder Percys „unmoralischer“ Lebensweise beruhten. Ein Mann erpresste sie damit, eine kritische Biografie Percy Bysshe Shelleys herausbringen zu wollen – worauf sie nicht einging, wohl, weil diese sie eventuell aus der Zensur durch ihren Schwiegervater befreit hätte. Sie fand allerdings ihren eigenen Weg, dennoch ihre eigene Sichtweise zu erzählen, indem sie Percys Gedichte mit ausführlichen Anmerkungen herausbrachte, die sehr ins biografische Detail gingen.

Noch etwas zu ihrem größten Werk, Frankenstein oder Der Moderne Prometheus. Es steht noch immer ein Film aus, der diese literarische Vorlage gänzlich von den filmischen Vorgängern frei und wirklich nach der Geschichte Shelleys erzählt. Als ich das Buch damals las, war ich immer wieder erschüttert, wie völlig anders Shelley den künstlichen Menschen charakterisiert, als es uns unsere popkulturellen Einflüsse glauben lassen. Ich kann nur empfehlen, sich dieses Werk auf die feministische Lektüreliste zu setzen.

Jetzt lest aber erst einmal meine Filmkritik auf FILMLÖWIN.