Schlagwort: chemie

Marie Meurdrac

* vor 1613 • † ~ 1680

Marie Meurdrac kennen wir heute als Autorin des Buches La Chymie Charitable et Facile, en Faveur des Dames oder kurz La Chymie des Dames aus dem Jahr 1666.

Bei ihrem Geburtsjahr herrscht Unstimmigkeit, etwa 1610, auf jeden Fall vor 1613 kam sie als Tochter eines Notars in Mandres-les-Roses bei Paris zur Welt. Mit etwa 15 Jahren heiratete Marie Meurdrac einen Kommandanten der Garde des Charles de Valois namens Henri de Vibrac. Mit ihm lebte sie auf Château de Grosbois, wo sie gegen Ende der 1650er Jahre die Comtesse de Guiche (oder Guise) kennenlernte, die Ehefrau von Armand de Gramont. Die beiden Frauen standen sich wohl sehr nah, denn der Comtesse gilt die Widmung in La Chymie des Dames.

Meurdrac war Autodidaktin, doch aufgrund ihrer sozialen Stellung und des Vermögens der Familie ein gut ausgestattetes Labor und Zugang zu allen möglichen, auch exotischen und damit wertvollen Zutaten. Sie stand in der paracelsischen Tradition der Iatrochemie, ihre alchemistischen Experimente dienten der Ermittlung und Herstellung von Heilmitteln, im Gegensatz zum Beispiel zur alchemistischen Suche nach dem Stein der Weisen, der alle Stoffe zu Gold machen könne.

La Chymie des Dames ist ein Buch von 334 Seiten, aufgeteilt in sechs Teile. Im ersten Teil erläutert Meurdrac das alchemistische Handwerkszeug, bespricht Apparate und Gewichte, außerdem zählt sie 106 alchemistische Symbolde auf. In weiteren vier Teilen beschäftigt sie sich mit den heilkundlichen Wirkungen verschiedener Elemente: Teil Zwei beschäftigt sich mit pharmazeutischer Botanik, also mit Heilpflanzen, in Teil Drei mit der Medizin aus tierischen Produkten, in Teil Vier mit den Metallen – wobei sie diesen eher zurückhaltend gegenüberstand wegen ihrer Nebenwirkungen – und Teil Fünf befasst sich mit Arzneien, die aus den verschiedenen Stoffen der vorangegangenen Teile zusammengesetzt sind. Im letzten Teil geht sie besonders auf kosmetische Chemie ein, die den Frauen helfen soll, ihre Schönheit zu steigern oder zu erhalten.

In der Einleitung erzählt Meurdrac, dass das Buch als Notizensammlung für ihren eigenen Gebrauch begann; sie habe alle Experimente, Heilmittel und Kosmetika selbst erprobt. Sie spricht auch von dem „inneren Ringen“, das sie empfunden habe: Zwischen dem Ideal der Frau ihrer Zeit, von der erwartet wurde, „still zu sein, zuzuhören und zu lernen, ohne das eigene Wissen laut darzulegen“ und ihrem Empfinden, dass es eine „Sünde gegen die Wohltätigkeit sei, die Gott mir gegeben hat und die der Welt nützen kann“. Sie wisse, dass sie sich gegen die traditionelle Rolle ihres Geschlechtes wende, aber sie wolle ihr Wissen an andere Frauen und mittellose Schichten weitergeben. Denn schließlich sei sie nicht die erste Frau, die diese Aufgabe übernahm – sie nimmt insbesondere Bezug auf Maria Prophitessa – und dass „les ésprits n’ont point des sexe“, der Geist habe kein Geschlecht. Mit dieser ungewöhnlichen Aussage für diese Zeit gilt Marie Meurdrac auch als Protofeministin.

Ihr Buch erlebte bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hinein in Frnakreich fünf Neuauflagen, sechs in Deutschland und auch eine italienische Übersetzung. Marie Merudrac war mit großer Wahrscheinlichkeit eine Inspiration für Molières Die gelehrten Frauen.

Caterina Vitale

16. – 17.Jhdt.

Die in Griechenland geborene Caterina Vitale heiratete den Apotheker des Hospitalerordens auf Malta, Ettore Vitale – welcher der Hospitalerorden, darüber sind sich die deutsche und die englische Wikipedia nicht einig. Die deutsche Wikipedia verweist auf den Souveränen Malteserorden, die englische Wikipedia auf den Johanniterorden.

In jedem Fall starb Ettore Vitale 1590 und Caterina übernahm die Apotheke, sie musste das Recht darauf, dieses geschäftliche Erbe anzutreten, allerdings beim Zivilgericht einklagen. Mit der Apotheke übernahm Vitale auch die regelmäßigen Medikamentenlieferungen an das Ordens-Krankenhaus Sacra Infermeria in Valletta, sie damit die erste Pharmazeutin und Chemikerin Maltas und die erste weibliche Apothekerin des Ordens.

Sie war eine erfolgreiche Geschäftsfrau und konnte ein großes Vermögen anhäufen, mit dem sie wiederum die Karmeliter:innen unterstützte. Die maltesische Historikerin Christin Muscat (Link Englisch zur Times of Malta) allerdings beschreibt sie in ihrem Artikel von 2007 im Malta Independent (Englisch) auch als rücksichtlose, grausame Person. Sie habe auch Prostitution betrieben und die Freier, Ordensritter mit hehren Tugendidealen, hinterher mit deren Besuchen bei den Prostituierten erpresst. Es soll mehrere Klagen ihrer Sklaven gegen sie gegeben haben, die sie auspeitschte, und auch mit ihrer Tochter, die in einem Kloster lebte, hatte sie kein liebevolles Verhältnis. Nach dem gleichen Artikel habe Caterina allerdings auch mit 12 Jahren geheiratet und zwei Jahre später sei ihr Ehemann gestorben. Dies stimmt nicht mit den Daten bei Wikipedia überein; die korrekten Daten kann ich mit meinen bescheidenen Ressourcen nun nicht ermitteln.

16/2020: Esther Afua Ocloo, 18. April 1919

Esther Afua Ocloo kam unter dem Mädchennamen Nkulenu in der Region Volta zur Welt, ihre Eltern gehörten zum Volk der Ewe. Ihr Vater war Schmied, die Mutter Töpferin und Bäuerin, beide waren Analphabeten. Die Unterstützung und Fürsorge ihrer Großmutter ermöglichte Esther den Besuch einer presbyterianischen Grundschule in der Nähe. Als weiterführende Schule bot sich nur ein Internat an, in dem Esther unter der Woche lebte, doch für die Mahlzeiten dort hatte die Familie kein Geld. Stattdessen nahm sich das Kind am Wochenende Lebensmittel mit in die Schule, die sie sich dort selbst zubereitete. Mit 17 Jahren erhielt Afua Nkulenu ein Stipendium für die Achimota School (Link Englisch) (die wir bereits von Agnes Yewande Savage und Matilda J. Clerk kennen), die sie fünf Jahre besuchte und mit einem Cambridge School Certificate abschloss.

Nachdem sie mit diesem Abschluss ein Jahr arbeitslos geblieben war, eröffnete sie 1942 ein kleines Unternehmen, in dem sie Orangenkonfitüre und Saft herstellte. Sie war damit die erste afrikanische Gründerin an der Goldküste. Die Tatsache, dass eine Absolventin einer Eliteschule nun „im Straßenverkauf“ arbeitete, wurde in der Presse missbilligend veröffentlicht, doch die Artikel über sie führten schließlich dazu, dass sie nicht nur für ihre ehemalige Schule, sondern auch für die RWAAF (Link Englisch) produzierte und somit ihren Umsatz steigern konnte. Nach sieben Jahren als Unternehmerin ermöglichten ihre eigenen Mittel sowie das Sponsoring durch die Achimota School ihr ein Studium im Vereinigten Königreich. Von 1949 bis 1951 besuchte sie zunächst das Good Housekeeping Institut in London, das sie als erste Person afrikanischer Herkunft mit einem Diplom abschloss, danach schloss sie ein Aufbaustudium an der Universität Bristol an, an der sie im Bereich der Lebensmittelkonservierung promovierte.

Nach ihrer Rückkehr nach Ghana heiratete sie unter dem Namen Ocloo, in der Ehe bekam sie vier Kinder. Vor allem aber baute sie ihr Unternehmen aus und wurde in der Organisation der ghanaischen Wirtschaft aktiv. Sie gründete eine Herstellervereinigung und beteiligte sich an einer Messe mit ghanaischen Produkten. Für zwei Jahre war sie die Präsidentin des Zusammenschlusses, der später die Federation of Ghana Industries werden sollte. In den 1960er Jahren erweiterte sie die Produktion ihres Unternehmen auf Batiktextilien, 1964 wurde sie die erste weibliche Executive Chairman des ghanaischen National Food and Nutrition Boards.

In den 1970er Jahren begann sie, international zu arbeiten. Für die Stärkung der wirtschaftlichen und sozialen Positionen der Frauen in kolonialisierten Ländern richtete sie Workshops ein, in denen Frauen lernten, ihre Lebensmittelprodukte zu konservieren, um ihren Umsatz steigern zu können. Sie übernahm beratende Rollen für die Regierung Ghanas und die Vereinten Nationen bei der Ersten Weltfrauenkonferenz in Mexiko 1975. Außerdem begann sie im Bereich der Mikrokredite zu arbeiten und gründete 1979 die Weltfrauenbank, der sie bis 1985 als Vorsitzende diente. Mit diesen Mikrokrediten wurden zahlreiche Frauen wirtschaftlich unterstützt und konnten die Lebenssituation ihrer Familien und ihre soziale Position verbessern; leider gerieten Mikrokredite in den letzten Jahren schließlich doch in die Kritik, weil ihre Wirksamkeit nicht belegbar ist und sich die Kreditinstitute schließlich nicht unterstützend, sondern aggressiv gegenüber ihren Gläubigern verhielten.

Esther Afua Ocloo erhielt 1990 noch gemeinsam mit Olusegun Obasanjo den ‚Großen Afrikapreis‘ für ihre Arbeit. Das Preisgeld, $50.000,-, investierte sie in die Sustainable End of Hunger Foundation, eine Organisation, die Nahrungsmittelspezialisten ausbildet, um das gelernte Wissen in die ländlichen Regionen zu bringen. In dieses Projekt brachte sie 1993 auch das Preisgeld ein, das ihr der Gottlieb-Duttweiler-Preis des gleichnamigen Instituts einbrachte. Zur gleichen Zeit richtete Ocloo eine Musterfarm für den biologischen Anbau von Getreide und Gemüse ein.

Zeit ihres Lebens war Esther Afua Ocloo auch in der presbyterianischen Kirche für Frauen tätig. Sie starb 2002 an einer Lungenentzündung.

Die Seite Ghana Web widmet ihr eine detaillierte Auflistung aller Positionen und Tätigkeiten. (Dort lässt sich auch die Corona-Situation für Ghana und benachbarte afrikanische Länder verfolgen.) Auch in der Encyclopedia Britannica hat sie einen eigenen Eintrag.

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frauenfiguren ida freund periodic table cupcakes
Ida Freund war die erste Person, die Periodic Table Cupcakes herstellte
Von Science History Institute, CC BY-SA 3.0

Ebenfalls diese Woche

15. April 1863: Ida Freund
In Wien geboren, wurde Ida Freund später die erste Universitätsdozentin im Vereinigten Königreich. Sie war Autorin zweier Chemielehrbücher und erfand eine Gasmessröhre, die nach ihr benannt wurde, doch heute nicht mehr in Gebrauch ist. Sie erfand auch die Periodic Table Cupcakes.

15. April 1961: Carol W. Greider
Die amerikanische Molekularbiologin erhielt für ihre Forschungen zum Enzym Telomerase 2009 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin.

16. April 1921: Mary Maynard Daly
Als erste Afro-Amerikanerin/WoC erlangte sie einen Doktortitel in Chemie an der Columbia University. Sie trug entscheidende Erkenntnisse bei zur Chemie der Histone, der Proteinsynthese, der Beziehung zwischen Cholesterin und Bluthochdruck und der Aufnahme von Kreatinen in Muskelzellen.

Isabella Cortese

16. Jhdt.

Von Isabella Cortese ist wieder einmal so gut wie nichts bekannt außer einem Schriftstück: I secreta de la Signora Isabella Cortese (Die Geheimnisse der Signora Isabella Cortese) erschien 1561 und enthält (al-)chemistische, heilkundliche und kosmetische Rezepte. Bis ins Jahr 1677 wurde es elf Mal wiederaufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt, zwei Ausgaben existieren auf Deutsch.

Von der Goldherstellung über die ‘Entgiftung‘ der Gesichtshaut, Zahncremes, Seife, Kleber und einem Mittel gegen erektile Dysfunktion trug Isabelle Cortese zahlreiche ‘Geheimnisse‘ zusammen; sie erwähnt, die Werke anderer Alchemisten, namentlich Geber, de Villanova und Llull, gelesen zu haben, doch hätte sie davon nichts gewonnen als die Wahrscheinlichkeit, früher zu sterben. Stattdessen habe sie ihre Erkenntnisse alle aus eigener Forschung gewonnen, ihren Leser:innen riet sie zum eigenen Vorteil, die aus der Lektüre gewonnenen Erkenntnisse nicht weiterzuerzählen.

Der englische Wikipedia-Beitrag zu Isabella Cortese ist hier zwar nicht biografisch ergiebiger, enthält jedoch eine interessante Abhandlung über die ‘Geheimnis-Kultur‘ der Wissenschaft im 16. Jahrhundert: Wie ‘geheim‘ und ‘Experiment‘ zu dieser Zeit im Prinzip synonym waren, ‘geheim‘ aber nicht hieß, dass niemand davon wusste, sondern, dass das Experiment funktionierte. Derartige wissenschaftlichen ‘Geheim-Experimente‘ konnten wie eine Art Währung verwendet werden, um Schulden zu begleichen, sich Vorteile zu verschaffen oder gar in höhere soziale Kreise aufzusteigen.

In einer Umkehrung der üblichen Geschlechtermimikri besteht bei Isabella Cortese die Möglichkeit, dass es sich beim Autor des Buches um einen Mann handelte. Während Männer Zugang zu Bildung und Wissenschaft hatten, blieb die Kenntnis über weibliche Anatomie und Gesundheit ein Privileg der Frauen; dies versetzte die gesamte weibliche Gesundheitsfürsorge in eine ‘unwissenschaftliche‘ Nische, doch von Interesse für die weniger gebildete (weibliche) Bevölkerung. Ein weibliches Pseudonym für die Geheimnisse der Isabella Cortese könnte also dem doppelten Zweck gedient haben, die enthaltenen Kenntnisse wissenschaftlich zu diskreditieren und gleichzeitig für die weiblichen Leser glaubwürdig zu machen.

15/2020: Mary Emilie Holmes, 10. April 1850

Mary Emilie Holmes (Link Englisch) kam als Kind eines presbyterianischen Priesters in Ohio zur Welt, ihre Mutter war ebenfalls in der Kirche tätig und leitete zwei Jahre lang ein theologisches Seminar für Frauen. Mary Emilie war sehr sprachbegabt und an Naturwissenschaften interessiert. Schon mit 5 Jahren legte sie ein erster Herbarium an. Sie hatte einen neun Jahre älteren Bruder, der jedoch früh starb.

Die Familie zog nach Rockford, Illionois, als Mary Emilie 13 Jahre alt war. Dort waren ihre Eltern politisch und in der Kirche aktiv darin, befreite Sklav:innen zu unterstützen, die nach dem Ende des Sezessionskrieges Bildung und Unterhalt benötigten. Mit 14 Jahren besuchte sie das Rockford Female Seminary, das heute die Rockford University ist. Vier Jahre später schloss ihre Ausbildung dort zunächst mit einem Zertifikat ab. Während sie noch zwei weitere Jahre für ein Zertifikat als Organistin studierte, unterrichtete sie nebenher Spencerian Penmanship. Nach ihrem zweiten Abschluss arbeitete sie mehrere Jahre mit ihren Eltern in der Sozialarbeit für befreite Sklav:innen der presbyterianischen Kirche.

1877 ging sie zurück an die Universität, um dort Botanik und Chemie zu unterrichten. Als das Seminar im Schuljahr 1881/82 auch den Bachelor-Grad einführte, strebte Holmes diesen an; einige Mitglieder der Fakultät waren der Ansicht, sie müsse unter den gegebenen Umständen, dass sie bereits seit Jahren als Lehrende tätig war, den Titel B.A. erhalten, ohne weitere Arbeiten und Prüfungen abzulegen. Da jedoch darüber keine Einigkeit herrschte, legte sie schließlich doch einige Examen ab und erhielt 1882 den Bachelor.

Drei Jahre später beendete sie ihre Lehrtätigkeit, um an der University of Michigan zunächst einen Master in Literatur zu machen, weitere zwei Jahre später errang sie mit einer Dissertation über die Morphologie der Korallen als erste Frau an dieser Einrichtung einen Doktortitel in einem geowissenschaftlichen Fach. Schon von 1887 an unternahm sie zahlreiche geologische Expeditionen, bei denen sie zahlreiche Proben verschiedener botanischer und biologischer Arten sammelte und katalogisierte. Als begabte Künstlerin fertigte sie auch Zeichnungen an.

Als sie 1889 als erste Frau Fellow der Geological Society of America wurde, stand sie schon beinahe am Ende ihrer naturwissenschaftlichen Karriere. Diese Ehre wurde ihr zuteil einerseits, da sie in diesem Gebiet einen Doktorgrad erlangt hatte, und andererseits als Würdigung ihrer wissenschaftlichen Forschungsarbeit. In dieser Funktion hielt sie 1892 noch eine Rede auf der World’s Columbian Exposition, bei der sie forderte, Geologie frühzeitig als Fach in der Schule einzuführen. Doch im gleichen Jahr wandte sie sich bereits vollständig ihrer kirchlichen Arbeit zu.

Bereits 1890, nachdem ihre Mutter gestorben war, hatte sie mit ihrem Vater die Planung einer Schule für junge afro-amerikanische Frauen (WoC) begonnen. Diesen Plan setzten die beiden nun im Rahmen ihrer Kirchenarbeit in die Tat um. Eine erste Schule, die sie eröffneten, wurde bald darauf wieder geschlossen, weil der Direktor Morddrohung erhielt. 1892 gründete Holmes nun das nach ihrer Mutter benannte Mary Holmes Seminary, an dem WoC in Literatur, Grammatik, Geschichte, Naturwissenschaften, Mathematik, Musik, Bibellehre und Haushaltslehre unterrichtet wurden. Die Schule überstand zwei schwere Brände, 1895 und 1899, und musste jeweils mit Spenden, für die Holmes sich einsetzte, wiederaufgebaut werden. 1959 öffnete sich das Seminar von einem privaten Institut mit ausgewählten Schülerinnen zu einem öffentlichen Institut, bis 2005 blieb es unter dem Namen Mary Holmes College in dieser Form geöffnet.

Mary Holmes starb bereits 1906 im Alter von 55 Jahren.

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Ebenfalls diese Woche

7. April 1782: Marie-Anne Libert
Die belgische Mykologin war die erste, die verschiedene Schlauchpilze beschrieb, die Pflanzen befallen können, außerdem das erste weibliche Mitglied der Société Royale des sciences Botaniques de Belgique.

12/2020: Katsuko Saruhashi, 22. März 1920

Katsuko Saruhashi (Link Englisch) beobachtete einmal als Kind, wie sicher wir alle, wie die Regentropfen auf einer Fensterscheibe nach unten liefen, sich vereingiten und stets neue Muster entwarfen. Bei Saruhashi führte dies zu einem wissenschaftlichen Interesse für das Wetter und die Natur. Nachdem sie zunächst bei einer Versicherung gearbeitet hatte, begann sie 1941 im Alter von 21 Jahren ein Studium der Chemie an der Toho University (Link Englisch). Dieses beendete sie zwei Jahre später nach dem ‚grundständigen Studium‚ (Englisch: undergraduate degree). Im Anschluss daran begann sie, beim Meteorologischen Forschungsinstitut zu arbeiten.

1955 schrieb sie eine Arbeit über das Gleichgewicht von Kohlensäuren in natürlichen Gewässern; daraus abgeleitet entstand die Saruhashi Tabelle, die es Meereskundler:innen ermöglicht, mit Hilfe der Messungen von Temperatur, pH-Wert und Chlorinität die Werte dreier verschiedener Kohlensäuren in Meerwasser zu ermitteln. Im Folgejahr widerlegte Saruhashi mit ihrem Mentor und Kollegen Miyake Yasuo die bis dahin gültige Annahme, dass erhöhte Kohlensäure und Alkalinitätswerte in Meerwasser allein eine Folge von darin aufgelöstem kohlensaurem Kalk sei. Sie lieferten empirische Werte dafür, dass Meerwasser tatsächlich doppelt soviel Kohlendioxid abgibt wie es aufnimmt; infolgedessen konnte nicht mehr angenommen werden, dass die globale Erwärmung dadurch gemildert werden könne, dass die Ozeane CO2 aufnehmen würden.

Anschließend nahm Saruhashi mit 37 Jahren erneut das Studium auf, dieses Mal an der Universität Tokio, wo sie schließlich die erste Frau Japans werden sollte, die einen naturwissenschaftlichen Doktortitel errang.

Ihr größter Erfolg wurden jedoch ihre Untersuchungen zu den langfristigen und globalen Folgen der Kernwaffentest werden, die die Vereinigten Staaten im Bikini-Atoll durchführten. Im Auftrag der japanischen Regierung suchten Saruhashi und Miyake am Central Meteorological Observatory nach neuen Methoden, radioaktiven Niederschlag zu messen. Im Verlauf ihrer Forschung stellten die beiden wesentlich erhöhte Werte von Caesium-137 und Strontium-90 im pazifischen Meerwasser fest, beides sekundäre Spaltprodukte zum Beispiel von Nuklearbomben. Ihr Fund wies also auf schwerwiegende Folgen der Tests auf dem Bikini-Atoll für den gesamten pazifischen Ozean hin.

Ihre Ergebnisse wurden von amerikanischen Forschern in Frage gestellt, unter anderem aufgrund der Standards für das Vorkommen von Caesium-137 im Meerwasser, doch auch das politische Klima zwischen den USA und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg spielte eine Rolle. Die US Atomic Energy Commission stellte die Gelder zur Verfügung, damit Saruhashi für sechs Monate an der Scripps Institution of Oceanography an der University of California, San Diego gemeinsam mit Kollege Ted Folsom forschen und Ergebnisse vergleichen konnte. Die beiden unternahmen ihre Messungen nach ihren jeweiligen Methoden und bemühten sich, die Proben zur gleichen Zeit unter den gleichen Umständen zu nehmen, um die Vergleichbarkeit möglichst hoch zu gestalten. Obwohl ein gewisser Unterschied zwischen den Proben und damit den Ergebnissen unvermeidbar war, stellte sich am Ende ihres Forschungszeitraumes nur eine Diskrepanz von 10% zwischen ihren Ergebnissen heraus. Dies bedeutete nicht nur, dass sowohl Saruhashis Methode wie auch ihre Messergebnisse über jeden Zweifel erhaben waren. Es hieß auch, dass diese Befunde über den Zustand des Meerwassers im Pazifik als Grundlage verwendet werden konnten, um weitere überirdische Kernwaffentests der Vereinigten Staaten zu verbieten.

Im gleichen Jahr, 1958, gründete Saruhashi in ihrer Heimat die Society of Japanese Women in Science.

Nachdem sie ihren Doktortitel erlangt hatte, arbeitete sie in den 1970er Jahren zum pH-Wert des Regenwassers, wobei sie den steigenden Wert im Laufe der Dekade festhalten konnte. In den 1980er gewann sie mehrere Preise, namentlich den Avon Special Prize for Women im Jahr 1981 und – als erste Frau – den Miyake Priza für Geochemie 1985.

1981 rief Saruhashi einen eigenen Preis ins Leben, der seither japanischen Wissenschaftlerinnen bis 50 Jahre, die Beiträge in naturwissenschaftlichen Forschungen geleistet haben, $2.400 zukommen lässt. Gerne hätte Saruhashi den Gewinnerinnen mehr Geld zukommen lassen und sie auch bei Arbeiten im Ausland unterstützen, doch der Preis wird dafür zu gering finanziell unterstützt. Über ihre Beweggründe für die Preisverleihung sagte sie: „Der Mangel an gleichen Möglichkeiten ist eine Sache. Eine andere ist die Haltung der Gesellschaft, von Eltern und Lehrenden. Und die Beiträge von Wissenschaftlerinnen werden weniger anerkannt.

Am 29. September 2007 starb Katsuko Saruhashi im Alter von 87 Jahren an einer Lungenentzündung.

Dieser (englische) Beitrag zur Geochemikerin auf Massive Science hat noch einige Details zu den sexistischen und rassistischen Benachteiligungen, die sie insbesondere bei ihrer Forschung zu radioaktivem Niederschlag erleiden musste.

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Ebenfalls diese Woche

16. März 1750: Caroline Herschel
Über die Astrologin habe ich 2016 geschrieben, in dem Jahr, in dem mich auf Frauen vor dem 19. Jahrhundert konzentrierte.

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Anna Atkins‘ Cyanotypie eines Wald-Schachtelhalms
Gemeinfrei

16. März 1799: Anna Atkins
Eine starke Konkurrentin für die Frau dieser Woche, gilt sie doch als die erste Fotografin. Sie erlernte mit 40 Jahren innerhalb eines Jahres die Cyanotypie und veröffentlichte in Folge das erste Buch, das vollständig mit fotografischen Illustrationen auskam: Eine botanische Sammlung der in England vorkommenden Algen, British Algae: Cyanotype Impressions.

16. März 1866: Izabela Textorisowá (Link Englisch)
Als erste Botanikerin der Slowakei beschrieb sie in ihrem Herbarium mehr als 100 Pflanzenarten in der Region Turz.

20. März 1879: Maud Menten
Die Michaelis-Menten-Theorie der Enzymkinetik geht auf die kanadische Medizinerin zurück, die auch als eine der ersten Frauen Kanadas ein Medizinstudium abschloss.

20. März 1890: Elizabeth Rona
Gemeinsam mit Kasimir Fajans, George de Hevesy und Fritz Paneth entdeckte die österreichisch-ungarische Kernphysikerin die radioaktiven Tracer.

22. März 1920: Margaret Bastock (Link Englisch)
Die britische Zoologin und Genetikerin untersuchte die Zusammenhänge zwischen Verhalten, Genen und der Evolution; 1956 wies sie nach, dass die Veränderung eines einzigen Gens eine Verhaltensänderung bei Drosophila melanogaster auslösen konnte.

9/2020: Marjorie Courtenay-Latimer, 24. Februar 1907

Marjorie Courtenay-Latimer kam als Tochter eines Eisenbahnbeamten im südafrikanischen East London zur Welt, zwei Monate zu früh, was sich während ihrer Kindheit nachhaltig auf ihre Gesundheit auswirkte. Dennoch überlebte sie einen Diphtherie-Infekt und war gerne und viel in der Natur unterwegs. Ihre Eltern förderten ihr Interesse an naturwissenschaftlichen Themen, ursprünglich wollte sie mit 11 Jahren Expertin für Vögel werden.

Nachdem sie ihre Schulbildung abgeschlossen hatte, begann sie mit einer Ausbildung zur Krankenschwester, doch kurz bevor sie diese beendete, hörte sie von einer offenen Stelle als Direktorin für das East London Museum. Sie bewarb sich und beeindruckte ihre Gegenüber im Museum so sehr mit ihrem naturkundlichen Wissen, dass diese sie trotz Mangel einer formellen Qualifikation einstellten. Courtenay-Latimer war zu diesem Zeitpunkt 24 Jahre alt, sie sollte den Rest ihres Arbeitslebens in dem Museum bleiben. Sie sammelte beständig alle möglichen Dinge, die für das Museum von Beduetung sein könnten, und war auch bei den Fischern am Hafen bekannt dafür, dass sie ungewöhnliche Exemplare in ihren Fangnetzen begutachten wollte.

Am 22. Dezember 1938 erhielt sie einen Anruf, dass ein merkwürdiger Fisch einem befreundeten Kapitän ins Netz gegangen war, und sie ging auf sein Boot, um sich ein Bild zu machen. Sie befreite das Tier, das bereits tot war, von mehreren Schichten Schlamm und Schleim und fand etwas vor, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Sie beschrieb das 150cm lange Tier als den schönsten Fisch, den sie je gesehen hatte, „von blassem, ins malve gehende Blau mit matten Tupfern weißer Flecken; es hatte einen irisierenden silber-blau-grünen Schimmer darüber. Es war mit harten Schuppen bedeckt, und es hatte vier gliederförmige Flossen und einen merkwürdigen Welpenschwanz“. (Übersetzung eines Zitats im englischen Wikipedia-Beitrag)

Sie schleppte den Fisch mit einem Taxi in ihr Museum und versuchte, eine Entsprechung in den Büchern zu finden. Sie wollte das Exemplar gerne konservieren, doch der örtliche Leichenbestatter weigerte sich, ihr zu helfen. Der befreundete Ichthyologe J. L. B. Smith, der an der Rhodes-Universität Chemie unterrichtete, war nicht zu erreichen, und so musste sie den Fisch widerwillig zu einem Tierpräparator bringen, der ihren Fund häutete und ausnahm.

Als Smith acht Wochen später bei ihr eintraf und das ausgestopfte Tier sah, war ihm sofort klar, dass es sich dabei um einen Quastenflosser handelte, eine Knochenfischart, von der angenommen wurde, dass sie während der Kreidezeit vollkommen ausgestorben war. Bei seiner wissenschaftlichen Beschreibung gab er der gefundenen Art den Namen Latimeria chalumnae – nach der Finderin Latimer und dem Fluss Chalumna, in dessen Mündung das Exemplar gefangen wurde. Der Fund war eine Sensation und es sollte 14 Jahre dauern, bis an anderer Stelle eine weitere Quastenflosserart entdeckt werden sollte. Courtenay-Latimer hatte ein lebendes Fossil entdeckt und verhinderte geistesgegenwärtig auch den Verkauf ihres Fisches aus dem Museumsbestand nach Großbritannien.

Die Museumsdirektorin und Biologin aus Leidenschaft verstarb erst 2004. So konnte sie nicht nur auch den nächsten Fund – zwischen den Komoren und Madagaskar – miterleben, sie konnte 1987 auch die Bilder von den Tauchgängen der Geo sehen, auf denen erstmals Quastenflosser in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen waren. An dieses Ereignis erinnere auch ich mich noch, da unser begeisterungsfähiger Biologielehrer uns lebhaft davon berichtete. Auch die weitere Erforschung der Quastenflosser durch das Nachfolge-Tauchboot Jago fiel noch in die Lebenszeit der ersten Entdeckerin und Namenspatin dieser Tierart, die inzwischen vom Aussterben bedroht ist.

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Ebenfalls diese Woche

25. Februar 1670: Maria Margaretha Kirch
Sie war die erste Frau, die einen Kometen entdeckte. Als ihr Mann starb, setzte sie die gemeinsame astronomische Arbeit fort.

26. Februar 1785: Anna Sundström (Link Englisch)
Die Assistentin des schwedischen Mediziners und Chemikers Jöns Jakob Berzelius, der als Vater der modernen Chemie gilt, wird als erste Chemikerin Schwedens verstanden, da er sie als umfassend versiert in allen Handhabungen beschrieb.

28. Februar 1920: Marjorie Sweeting (Link Englisch)
Als erste westliche Wissenschaftlerin untersuchte und beschrieb die britische Geomorphologin die Karst-Landschaft Chinas.

28. Februar 1956: Penny Sackett (Link Englisch)
Die australische Astronomin war 2008 bis 2011 die Direktorin der Forschungsschule für Astronomie und Astrophysik an der Australian National University.

Fang

1. Jhdt. v. Chr.

Die Timeline of women in science listet unter diesem Namen eine „Frau, die unter dem Namen Fang bekannt ist“ und der die Entdeckung zugeschrieben wurde „wie Quecksilber in Silber verwandelt werden kann“, möglicherweise Beschreibung des chemischen Prozesses, Quecksilber bei der Gewinnung von Silber aus Erz einzusetzen.

Über einige Umwege – über den Beitrag über Alchemie, zum Hauptartiekl über Chinesische Alchemie und dessen englisches Gegenstück Chinese alchemy (Link Englisch) – findet sich schließlich ein Kapitel über Chinese women alchemists (Link Englisch), in dem Fang ebenfalls prominent erwähnt wird. Über ihr Leben schrieb mehr als 400 Jahre später der Autor und Alchemist Ge Hong. Er erzählt ebenfalls, dass es ihr gelungen sei, durch das Erhitzen von Quecksilber Silber aus Erz zu gewinnen, und dass ihr Mann Cheng Wei ihr Geheimnis so unbedingt erfahren wollte, dass er sie misshandelt habe; schließlich sei sie darüber wahnsinnig geworden und habe Selbstmord begangen.

Die Seite Women Alchemists widmet ihr auch einen Platz in der Liste der Chinese Women Alchemists.

4/2020: Gertrude B. Elion, 23. Januar 1918

Die Eltern von Gertrude B. Elion waren als Kinder in die USA eingewandert, ihre Mutter aus Polen, ihr Vater stammte aus einer jüdischen Familie in Litauen. Er war Zahnarzt in New York, verlor jedoch sein gesamtes Vermögen am Schwarzen Donnerstag, den 24. Oktober 1929 (dazu gehört in der Folge auch der Schwarze Dienstag, der 29.Oktober; dass dieses Ereignis in Deutschland als Schwarzer Freitag bekannt ist, liegt daran, dass durch die Zeitverschiebung der Absturz des Börsenkurses in unseren Breiten in den frühen Morgenstunden des Freitag stattfand). Doch da Getrude hervorragende Noten hatte, konnte sie ohne Studiengebühren am Hunter College Chemie studieren. Sie hatte bereits mit 15 beschlossen, in der Krebsforschung zu arbeiten, nachdem ihr Großvater an Krebs gestorben war. 1937, mit 19 Jahren, machte sie als einzige Frau vor 1939 ihren Bachelor an der New Yorker Universität. Da sie keine Anstellung als Chemikerin fand, schloss sie ein Studium zum Master of Sciences an, während sie tagsüber als High-School-Lehrerin arbeitete. Später äußerte sie die Vermutung, dass sie als junges Mädchen überhaupt nur eine Hochschulbildung genießen konnte, weil sie dank guter Noten umsonst studieren konnte – sie bewarb sich fünfzehn Male um finanzielle Unterstützung, doch alle wurden aufgrund ihres Geschlechtes abgelehnt. Sie hatte sich bereits in einer Schule für Sekretärinen eingeschrieben und diese sechs Wochen besucht, bevor sie eine bezahlte Stelle fand. (Quelle: Wikipedia) 1941 machte sie ihren Abschluss als M.Sc., im gleichen Jahr verlor sie ihren Verlobten durch eine bakterielle Endokarditis, eine Herzentzündung. Nach eigener Aussage verstärkte dies ihren Wunsch, Pharmakologin zu werden.

Da sie keine Arbeit in der akademischen Forschung fand, arbeitete sie zunächst in der Lebensmittelforschung, namentlich bei der Supermarktkette A&P; dort prüfte sie als Qualitätsmanager den Säuregehalt der Gurken und Eidotter, die in Mayonaise verarbeitet wurden. Erst drei Jahre später, 1944, konnte sie bei Burroughs Wellcome & Company (heute GlaxoSmithKline) als Laborassistentin tätig werden. Sie arbeitete hier mit dem Biochemiker George Herbert Hitchings zusammen an „rationaler Wirkstoffplanung“: Statt sich auf trial & error zu verlassen, also zu experimentieren und aus den gescheiterten Experimenten zu lernen, untersuchte das Team aus Hitchings, Elion und James W. Black die Unterschiede zwischen menschlichen Zellen und Krankheitserregern, um von vorneherein Wirkstoffe herzustellen, die nur die Erreger zerstörten und nicht gesundes menschliches Gewebe angriffen.

In ihrer Zeit bei Burroughs Wellcome & Company, zwischen 1944 und 1983, war sie an der Entwicklung diverser Medikamente beteiltigt, etwa Zytostatika zur Behandlung von Leukämie, einem Mittel zur Behandlung von Malaria, und dem ersten Immunsuppressivum, das nach Organtransplantationen zum Einsatz kommt. Besonders hervorzuheben unter Elions Forschungsergebnissen ist jedoch Aciclovir, das bei Infektionen mit Viren der Art Herpes Simplex gegeben wird. Nachdem sie sich bereits als Mitarbeiterin von inzwischen GlaxoSmithKline zur Ruhe gesetzt hatte, war sie auch an der Weiterentwicklung von AZT (Zidovudin) beteiligt, das erste Medikament, das zur Behandlung von AIDS eingesetzt wurde und noch heute zur antiretroviralen Therapie bei HIV1-infizierten Patienten gehört.

1967 wurde sie zur Leiterin der Abteilung für Experimentelle Therapie bei GlaxoSmithKline. Sie machte auch erste Schritte hin zu einem Doktortitel, doch war ihr die praktische Forschung im Unternehmen wichtiger als der akademische Grad, und so promivierte sie nie. Nachdem sie jedoch 1988 gemeinsam mit Hitchings den Nobelpreis für Physiologie und Medizin (für die „Entdeckung zu wichtigen biochemischen Prinzipien der Arzneimitteltherapie“) erhalten hatte, verlieh ihr die Polytechnic University of New York 1989 die Ehrendoktorwürde, neun Jahre später folgte auch die Harvard University.

Die Liste ihrer Auszeichnungen ist lang. Im direkten Anschluss an ihre Pensionierung war sie Präsidentin der American Association for Cancer Research, und im beruflichen Ruhestand forschte sie weiter nach Mitteln gegen HIV und AIDS. Sie war die fünfte weibliche Nobelpreisträgerin für Medizin und die neunte weibliche überhaupt. Sie wurde in den Jahren 1990 und 1991 zum Mitglied der National Academy of Sciences, der National Academy of Medicine und der American Academy of Arts and Sciences, erhielt (unter anderem) die US-amerikanische National Medal of Science und wurde in die National Inventors Hall of Fame und die National Women’s Hall of Fame aufgenommen.

1999 starb sie im Alter von 91 Jahren.

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Ebenfalls diese Woche

21. Januar 1714: Anna Morandi Manzolini
Ihre ersten zwanzig Wachsmodelle von menschlichen Organen waren die unterschiedlichen Ausbildungen des Uterus während einer Schwangerschaft. Manzolini wurde weltbekannt für ihre exakten Wachsnachbildungen menschlicher Anatomie, später lehrte sie auch als Honorarprofessorin an der Universität Bologna.

22. Januar 1909: Tikvah Alper (Link Englisch)
Die südafrikanische Physikerin studierte 1930-1932 bei Lise Meitner. Sie entdeckte, dass der Scrapie-Erreger, bei uns auch Traberkrankheit, keine Nukleinsäuren enthält und sich nicht durch Strahlung vernichten lässt. Die Schlussfolgerung, dass es sich nicht um einen Virus handeln konnte, führte zur Entwicklung der Prionentheorie.

24. Januar 1904: Berta Karlik
Die österreichische Physikerin wies in den 1940er Jahren die drei Isotope 215, 216 und 218 des Elementes Astat nach.

26. Januar 1839: Rachel Lloyd
1886 war sie die erste Amerikanerin, die einen Doktortitel in Chemie erhielt – an der Universität Zürich – und die zweite Frau in diesem Gebiet überhaupt nach Julia Lermontowa.