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14/2020: Sophie Germain, 1. April 1776

Sophie Germain wurde in Paris geboren, ihr Vater war wahrscheinlich Textilkaufmann, in jedem Fall wohlhabend. Als die Französische Revolution ausbrach, war Sophie 13 – und durch die gewaltvollen Vorgänge in den Straßen dazu gezwungen, in ihren eigenen vier Wänden zu bleiben. Ihr Vater wurde einer der Vertreter der Bourgeoisie in der Nationalversammlung. In der Zeit der politischen Unsicherheit wandte sich Sophie der Sicherheit in der Bibliothek ihres Vaters zu. Eines der Bücher mit dem größten Einfluss auf ihre spätere Karriere war Histoires des mathématiques (Geschichte der Mathematik) von Jean-Étienne Montucla, die Geschichte von Archimedes und seinem Tod beeindruckte sie besonders.

Ihre Faszination für die Mathematik wurde von ihren Eltern zunächst nicht begrüßt, da sich dies zur damaligen Zeit für eine junge Dame nicht schicke. Sie versuchten, sie von weiterer Beschäftigung damit abzuhalten, indem sie ihr Zimmer nachts nicht mehr heizten und beleuchteten – doch Sophie setzte sich mit mehreren Decken und Kerzen an ihren Schreibtisch. Morgens fanden die Eltern sie schlafend am Schreibtisch, der mit mathematischen Formeln bedeckt war, die Tinte gefroren im Glas. Dieser Entschlossenheit wollten sie sich nicht mehr entgegenstellen und gestatteten ihr das Studium der Mathematik, ihre Mutter unterstützte sie schließlich aktiv in ihrer Bildung. Sophie Germain brachte sich zusätzlich auch Latein und Griechisch bei, um die Werke von Isaac Newton und Johann Albrecht Euler lesen zu können.

1794, noch vor Ende der Revolution, wurde die École polytechnique gegründet – doch der inzwischen 18-jährigen Germain war es wegen ihres Geschlechts nicht erlaubt, die Schule zu besuchen. Ein befreundeter Student der Schule, Antoine-Auguste LeBlanc, beschaffte ihr die Vorlesungsunterlagen. Als LeBlanc in den Auseinandersetzungen der Revolution starb, setzte sie ihr Studium ohne seine Unterstützung fort. Sie verwendete den Namen LeBlanc, um Lösungen für die mathematischen Probleme einzureichen, die der Professor Joseph-Louis Lagrange seinen Studenten stellte. Von der Intelligenz seines ‚Schülers‘ LeBlanc angetan, wollte er ‚ihn‘ treffen und war zwar überrascht, aber nichtsdestotrotz begeistert von Sophie Germain. Er wurde einer ihrer ausdauerndsten Unterstützer und Förderer.

Aufgrund der Veröffentlichung eines Essays zur Zahlentheorie von Adrien-Marie Legendre begann sich auch Germain für diesen Bereich der Mathematik zu interessieren. Sie nahm Kontakt mit ihm auf, um sich auszutauschen. Einige Zeit später veröffentlichte Carl Friedrich Gauß die Disquisitiones Arithmeticae (Zahlentheoretische Untersuchungen); nachdem sie sich drei Jahre mit den Aufgaben und Fragen beschäftigt hatte, sie sein Werk aufstellte, begann sie unter dem Pseudonym LeBlanc auch mit ihm eine Korrespondenz. Als 1806 Braunschweig von Napoleon besetzt wurde, war Germain um den dort lebenden Gauß besorgt und nutzte ihre gesellschaftliche Stellung, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Der französische Kommandant Penetry war ein Freund der Familie, ihn bat sie, Gauß vor einem archimedischen Schicksal zu schützen. Als er dies gegenüber dem Schützling Gauß erwähnte, konnte dieser mit dem Namen Sophie Germain nichts anfangen, da er sie als Antoine-Auguste LeBlanc kannte. Erst drei Monate später offenbarte Germain Gauß ihre Identität, dessen Anerkennung daraufhin wuchs, denn schließlich hätten Frauen weit größere Hürden zu überwinden bei der Verfolgung ihrer wissenschaftlichen Ziele. Doch obwohl er ihre Arbeit schätzte, war die Korrespondenz meist einseitig, Gauß erwähnte keine von Germains Schriften in seinen Arbeiten und auch der Briefwechsel endete kurze Zeit nach Germains Offenbarung.

Stattdessen wandte sich Germain zunächst dem Thema der Elastizität zu, anlässlich einer Preisausschreibung der Académie des sciences, angeregt von Ernst Florens Friedrich Chladnis Experimenten mit schwingenden elastischen Platten. Die Herausforderung war, zu diesen Schwingungen eine mathematische Theorie zu entwickeln. 1809 begann Sophie Germain an diesem Problem zu arbeiten, zunächst mit nur einem Konkurrenten um den Preis, Siméon Denis Poisson, der jedoch noch vor dem Ablauf des Wettbewerbs in die Académe aufgenommen wurde und somit vom Mitstreiter zum Preisrichter aufstieg. Germains Einreichung 1811 war die einzige, doch die Jury empfand ihre Gleichungen als nicht hinreichend begründet und verlieh den Preis nicht; Joseph-Louis Lagrange war allerdings auf der Basis von Germains Berechnungen in der Lage, eine Gleichung zu erstellen, die ‚unter bestimmten Voraussetzungen‘ gültig war.

Der Wettbewerb wurde um zwei Jahre verlängert und Germain machte sich gleich an eine Überarbeitung ihrer Schrift. Während sie in der ersten Runde noch die Unterstützung von Adrien-Marie Legendre gehabt hatte, war sie nun auf sich allein gestellt, und ihre zweite Einreichung 1813 war voller Berechnungsfehler. Sie erhielt eine ehrenhafte Erwähnung, doch der Wettbewerb wurde ein weiteres Mal um zwei Jahre verlängert.

Dieses dritte Mal ließ sie sich zunächst von Poisson beraten, doch dieser veröffentlichte 1814 eine eigene Arbeit zum Thema, in der er mit keinem Wort erwähnte, dass seine Berechnungen in Zusammenarbeit mit Germain zustande gekommen waren und er als Mitglied der Académie Zugang zu ihren Vorarbeiten gehabt hatte. Sophie Germain sollte ihren dritten Versuch 1815 schließlich auch unter ihrem eigenen Namen einreichen und endlich 1816 als erste Frau in der Geschichte einen Preis der Académie des sciences gewinnen. Aus Protest gegen die Behinderung und Herabsetzung, die sie von einigen der Preisrichter hatte hinnehmen müssen, blieb Germain der Preisverleihung fern. Und einen Zugang zu den Versammlungen der Académie verschaffte ihr der gewonnene Preis auch nicht – den hatten nur die ausschließlich männlichen Mitglieder und deren Ehefrauen. Erst sieben Jahre später konnte die preisgekrönte Mathematikerin an den Sitzungen teilnehmen, weil Joseph Fourier, mit dem sie sich angefreundet hatte, ihr Eintrittskarten organisierte.

Ihre gekürte Arbeit zur Elastizität veröffentlichte sie 1821 auf eigene Kosten, um ihre Beteiligung an Poissons Schrift von 1814 zu verdeutlichen, eine überarbeitete Fassung erschien fünf Jahre später.

Nachdem der Preis zum Thema Elastizität verliehen war, schrieb die Académie einen Preis aus für den Beweis des Satzes von Fermat. Damit wandte sich auch Germain diesem Bereich der Zahlentheorie zu und sie nahm nach zehn Jahren des Schweigens die Korrespondenz zu Gauß wieder auf. In ihrem Brief an ihn beschrieb sie eine Strategie für den Beweis des Satzes, der zeigt, dass sie einer Lösung für das Problem auf der Spur war; doch Gauß antwortete nie auf ihren Brief. Germain schrieb stattdessen ein Manuskript, das jedoch nie veröffentlicht wurde; darin bewies sie, dass der 1. Fall des Fermat’schen Satzes für bestimmte Primzahlen zutraf. Ihre Beweisführung wurde nur dadurch überhaupt bekannt, dass Legendre diesen Beweis in einer Fußnote seiner eigenen Arbeit erwähnte. Diese Primzahlen, mit denen Germain ihren Beweis erbrachte, heißen heute Sophie-Germain-Primzahlen.

Sophie Germain arbeitete noch einige Jahre an diesem und anderen mathematischen Themen, ebenso beschäftigte sie sich mit Philosophie und Psychologie. Ihr Anliegen war es, mathematische Methoden auch auf diese Bereiche anwendbar zu machen. 1829 erhielt sie eine Brustkrebsdiagnose und 1831 starb sie mit 55 Jahren an der Krankheit. Trotz seiner Zurückhaltung im Briefwechsel mit ihr klagte Gauß sechs Jahre nach ihrem Tod, dass sie eine Ehrendoktorwürde der Universität Göttingen verdient hätte: „Sie bewies der Welt, dass sogar eine Frau etwas erwähnenswertes erreichen kann in der exaktesten und abstraktesten Form der Wissenschaft.“ (Quelle: Wiki)

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Ebenfalls diese Woche

2. April 1647: Maria Sybilla Merian
Über die „Mutter der Entomologie“ schrieb ich 2016.

3. April 1943: Jane Goodall
Mit dem Jane-Goodall-Institut setzt sich die britische Verhaltensforscherin für den Schutz von Primaten und der Erhalt ihrer Habitate ein.

4. April 1868: Philippa Fawcett
Die britische Mathematikerin war 1890 die erste Frau, die beim Mathematical Tripos von Cambridge die höchste Punktzahl erreichte; siehe auch Hertha Ayrton.

Zulema l’Astròloga

13. Jhdt., um 1229

Zulema (Link Englisch) war ebenfalls eine maurische Astrologin, die auf Mallorca in Madina Mayurqa lebte, wie Palma de Mallorca zu ihren Lebzeiten hieß. Sie war wohl die Mutter eines Mannes, die Jakob I. bei der Eroberung von Mallorca half, dafür durfte die Sarazenin auf der nun aragonisch regierten Insel verbleiben. Die mallorquinische Geschichte soll voller Anekdoten über die gebildete Frau sein, leider findet sich keine davon im Internet. Der Turm von Sant Elm bei Andratx soll ihr astronomischer Aussichtpunkt gewesen sein.

Der katalanische Chronist Bernard Desclot (Link Englisch) erwähnt sie in seinem Teil der vier großen katalanischen Chroniken.

13/2020: Regina Fleszarowa, 28. März 1888

Regina Fleszarowa (Link Englisch) wurde unter ihrem Mädchennamen Danysz auf einem kleinen Hof in Wiśniew geboren und wuchs dort auch auf. Nach der Grundschule setzte sie ihre Bildung in Warschau und Kiew fort. In Zürich begann sie sich auf die Geografie zu konzentrieren, mit 19 Jahren ging sie 1907 nach Paris, um dort Vorlesungen in Geographie und Geologie zu besuchen. An der Universität von Paris machte sie 1910 ihren Bachelor, doch setzte ihr Studium fort mit dem Ziel zu promovieren. Als Doktorarbeit lieferte sie eine ‚Kritische Studie einer alten Landkarte von Polen aus der Hand von Stanislas Staszic‘ über dessen topologische Untersuchung der Karpaten. Mit dieser Dissertation erlangte sie 1913, mit 25 Jahren, als erste polnische Frau einen Doktortitel in Naturwissenschaften.

Sie unterrichtete zunächst Topologie, dann forschte sie mit einem ukrainischen Kollegen zu atmosphärischen Niederschlägen über Polen. Nach der Veröffentlichung ihrer Studie zog sie nach Zakopane, wo sie im Polnischen Frauenrat tätig war, Albin Fleszar heiratete und einen Sohn bekam. 1916 starb ihr Mann bereits und sie ging mit ihrem Sohn nach Warschau. Dort gründete sie zwei Jahre später die Polnische Geographische Gesellschaft, ein weiteres Jahr später wurde sie leitende Bibliothekarin am Nationalen Geologischen Institut in Warschau. In dieser Position blieb sie bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges und baute den Bestand der Bibliothek in dieser Zeit um 30.000 Bände aus. Sie schrieb außerdem im Lauf ihres Leben mehr als 100 Artikel und Arbeiten zur Wissenschaftsgeschichte und Geographie Polens.

1935 wurde Fleszarowa eine der Senator:innen der Zweiten Polnischen Republik und setzte sich für die bessere Organisation wissenschaftlicher Arbeit sowie für die Bürgerrechte ein. Als Deutschland 1938 in Polen einmarschierte, ging sie in den Untergrund und wurde Mitglied der Polnischen Heimatarmee, wo sie unter anderem half, polnische Juden zu verstecken. Auch im Widerstand lag ihr die Wissenschaft und das Bibliothekswesen am Herzen, sie organisierte geheime Treffen, um die Archive der Polnischen Bibliothekarischen Vereinigung vor den Deutschen zu retten. Nachdem 1944 der Warschauer Aufstand der Heimatarmee von den Deutschen niedergeschlagen worden war, floh Fleszarowa nach Lublin. Im dort gegründeten Polnischen Komitee der Nationalen Befreiung wurde sie Leiterin der Abteilung für Bibliotheken im Bildungsministerium. Als 1945 der Krieg beendet war, wandte sie sich im innenpolitischen Bereich der Neuorganisation des polnischen Frauenbund zu. Gleichzeitig wurde sie im Außenministerium eingesetzt als eine der Kartograf:innen, die die Westgrenze Polens festlegten. Anschließend war sie bis 1948 im Warschauer Stadtrat tätig.

1951 schließlich begann sie am Museum der Erde in Warschau zu arbeiten, das zur Polnischen Akademie der Wissenschaften gehört. Zwischen ihrem Antritt dort und ihrer Pensionierung 1958 trug sie eine Bibliografie zu den Geowissenschaften in Polen zusammen, die in fünf Bänden 200 Jahre polnische erdkundliche Forschungen abdeckte. Der erste Band erschien 1957 und umfasste die Literatur des 20. Jahrhunderts, der letzte, der Material bis ins Ende des 19. Jahrhunderts enthielt, erschien 1966 mit der Unterstützung ihrer Nachfolger:innen am Museum.

Regina Fleszarowa blieb auch im Ruhestand noch im Frauenbund und den Akademie der Wissenschaften aktiv, bis sie 1969, am 30. Juni oder 1. Juli, bei einer Schiffsreise auf der Weichsel plötzlich verstarb.

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Ebenfalls diese Woche

23. März 1882: Emmy Noether
Über die Mathematikerin habe ich 2013 geschrieben.

24. März 1884: Chika Kuroda (Link Englisch)
Als erste Japanerin, die 1916 ihren Bachelor of Science machte, und zwar ebenfalls in Chemie, ist sie eine Wegbereiterin für Katsuko Saruhashi. Sie forschte zu natürlichen Pigmenten.

24. März 1891: Kathleen E. Carpenter (Link Englisch)
Die britische Ökologin untersuchte in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts die Schwermetallbelastung von walisischen Flüssen und schrieb mit Life in Inland Waters das erste Buch, das sich vollständig mit der Ökologie von Süßwasser befasste.

27. März 1724: Jane Colden (Link Englisch)
Obwohl sie botanischen Fachschriften keine Anerkennung fand, galt und gilt die Amerikanerin als erste Frau, die in ihrem Land in diesem Fachgebiet arbeitete. Sie hinterließ ein unbetiteltes Manuskript zur Flora der Region New York.

Herrad von Landsberg

zwischen 1125 und 1130

Auch Herrad von Landsberg war eine Nonne im 12. Jahrhundert und damit eine Zeitgenossin und Kollegin Hildegards von Bingen. Während diese in ihrer Physica das erstmal das naturheilkundliche Wissen ihrer Zeit in deutscher Sprache niederschrieb, war Herrad von Landsberg nachweislich die erste Frau, die eine Enzyklopädie in lateinischer Sprache verfasste.

Ihr Hortus Deliciarum entstand als Handschrift etwa um 1175 – dieser Zeitpunk ist aus dem Grund sicher, weil die darin enthaltene Papstliste mit Lucius III. endet. Das Original, das mit 344 Miniaturen illustriert war, verblieb im Kloster auf dem Odilienberg bis zu einem Brand 1546, bei dem das Kloster beinahe vollständig zerstört wurde. Danach trat es eine Reise durch mehrere verschiedene Klosterbestände an und landete schließlich in der Straßburger Distriktbibliothek. Von dort wurde es 1870 kurzfristig an die Universitätsbibliothek Straßburg verliehen, wo es bei der Belagerung Straßburgs während des Deutsch-Französischen Krieges in der Nacht vom 24. auf den 25. August verbrannte. Seither existieren nur noch Abschriften, in denen einige der Miniaturen fehlen, andere nur als Umrisszeichnung erhalten sind.

Beim Blick zurück auf den bisherigen Zeitstrahl fällt auf: Im abendländisch-christlichen Kulturkreis fehlen zwischen Hypatia (und ihrer Zeitgenossin Kleopatra der Alchemistin) und Hildegard von Bingen die namentlich bekannten Wissenschaftlerinnen. In Asien und im Nahen Osten traten zumindest noch Alchemistinnen und Astrologinnen auf, doch wie ich es bei Hypatia zitierte, starb mit ihr die antike, weibliche Beteiligung an Wissen und Wissenschaft parallel zum Erstarken der christlichen Kirche aus. Und die beiden Frauen, die im 12. Jahrhundert nun als Wissenschaftlerinnen auftreten, haben eines gemeinsam: Einen Lebensweg innerhalb der Kirche, der ihnen Zugang zu Bildung gewährte und die Freiheit, unverheiratet zu bleiben. Zum Preis des religiösen Überbaus ihrer wissenschaftlichen Arbeit und der selbstbestimmten Gestaltung ihres romantischen und sexuellen Lebens.

Nur eine Beobachtung.

12/2020: Katsuko Saruhashi, 22. März 1920

Katsuko Saruhashi (Link Englisch) beobachtete einmal als Kind, wie sicher wir alle, wie die Regentropfen auf einer Fensterscheibe nach unten liefen, sich vereingiten und stets neue Muster entwarfen. Bei Saruhashi führte dies zu einem wissenschaftlichen Interesse für das Wetter und die Natur. Nachdem sie zunächst bei einer Versicherung gearbeitet hatte, begann sie 1941 im Alter von 21 Jahren ein Studium der Chemie an der Toho University (Link Englisch). Dieses beendete sie zwei Jahre später nach dem ‚grundständigen Studium‚ (Englisch: undergraduate degree). Im Anschluss daran begann sie, beim Meteorologischen Forschungsinstitut zu arbeiten.

1955 schrieb sie eine Arbeit über das Gleichgewicht von Kohlensäuren in natürlichen Gewässern; daraus abgeleitet entstand die Saruhashi Tabelle, die es Meereskundler:innen ermöglicht, mit Hilfe der Messungen von Temperatur, pH-Wert und Chlorinität die Werte dreier verschiedener Kohlensäuren in Meerwasser zu ermitteln. Im Folgejahr widerlegte Saruhashi mit ihrem Mentor und Kollegen Miyake Yasuo die bis dahin gültige Annahme, dass erhöhte Kohlensäure und Alkalinitätswerte in Meerwasser allein eine Folge von darin aufgelöstem kohlensaurem Kalk sei. Sie lieferten empirische Werte dafür, dass Meerwasser tatsächlich doppelt soviel Kohlendioxid abgibt wie es aufnimmt; infolgedessen konnte nicht mehr angenommen werden, dass die globale Erwärmung dadurch gemildert werden könne, dass die Ozeane CO2 aufnehmen würden.

Anschließend nahm Saruhashi mit 37 Jahren erneut das Studium auf, dieses Mal an der Universität Tokio, wo sie schließlich die erste Frau Japans werden sollte, die einen naturwissenschaftlichen Doktortitel errang.

Ihr größter Erfolg wurden jedoch ihre Untersuchungen zu den langfristigen und globalen Folgen der Kernwaffentest werden, die die Vereinigten Staaten im Bikini-Atoll durchführten. Im Auftrag der japanischen Regierung suchten Saruhashi und Miyake am Central Meteorological Observatory nach neuen Methoden, radioaktiven Niederschlag zu messen. Im Verlauf ihrer Forschung stellten die beiden wesentlich erhöhte Werte von Caesium-137 und Strontium-90 im pazifischen Meerwasser fest, beides sekundäre Spaltprodukte zum Beispiel von Nuklearbomben. Ihr Fund wies also auf schwerwiegende Folgen der Tests auf dem Bikini-Atoll für den gesamten pazifischen Ozean hin.

Ihre Ergebnisse wurden von amerikanischen Forschern in Frage gestellt, unter anderem aufgrund der Standards für das Vorkommen von Caesium-137 im Meerwasser, doch auch das politische Klima zwischen den USA und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg spielte eine Rolle. Die US Atomic Energy Commission stellte die Gelder zur Verfügung, damit Saruhashi für sechs Monate an der Scripps Institution of Oceanography an der University of California, San Diego gemeinsam mit Kollege Ted Folsom forschen und Ergebnisse vergleichen konnte. Die beiden unternahmen ihre Messungen nach ihren jeweiligen Methoden und bemühten sich, die Proben zur gleichen Zeit unter den gleichen Umständen zu nehmen, um die Vergleichbarkeit möglichst hoch zu gestalten. Obwohl ein gewisser Unterschied zwischen den Proben und damit den Ergebnissen unvermeidbar war, stellte sich am Ende ihres Forschungszeitraumes nur eine Diskrepanz von 10% zwischen ihren Ergebnissen heraus. Dies bedeutete nicht nur, dass sowohl Saruhashis Methode wie auch ihre Messergebnisse über jeden Zweifel erhaben waren. Es hieß auch, dass diese Befunde über den Zustand des Meerwassers im Pazifik als Grundlage verwendet werden konnten, um weitere überirdische Kernwaffentests der Vereinigten Staaten zu verbieten.

Im gleichen Jahr, 1958, gründete Saruhashi in ihrer Heimat die Society of Japanese Women in Science.

Nachdem sie ihren Doktortitel erlangt hatte, arbeitete sie in den 1970er Jahren zum pH-Wert des Regenwassers, wobei sie den steigenden Wert im Laufe der Dekade festhalten konnte. In den 1980er gewann sie mehrere Preise, namentlich den Avon Special Prize for Women im Jahr 1981 und – als erste Frau – den Miyake Priza für Geochemie 1985.

1981 rief Saruhashi einen eigenen Preis ins Leben, der seither japanischen Wissenschaftlerinnen bis 50 Jahre, die Beiträge in naturwissenschaftlichen Forschungen geleistet haben, $2.400 zukommen lässt. Gerne hätte Saruhashi den Gewinnerinnen mehr Geld zukommen lassen und sie auch bei Arbeiten im Ausland unterstützen, doch der Preis wird dafür zu gering finanziell unterstützt. Über ihre Beweggründe für die Preisverleihung sagte sie: „Der Mangel an gleichen Möglichkeiten ist eine Sache. Eine andere ist die Haltung der Gesellschaft, von Eltern und Lehrenden. Und die Beiträge von Wissenschaftlerinnen werden weniger anerkannt.

Am 29. September 2007 starb Katsuko Saruhashi im Alter von 87 Jahren an einer Lungenentzündung.

Dieser (englische) Beitrag zur Geochemikerin auf Massive Science hat noch einige Details zu den sexistischen und rassistischen Benachteiligungen, die sie insbesondere bei ihrer Forschung zu radioaktivem Niederschlag erleiden musste.

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Ebenfalls diese Woche

16. März 1750: Caroline Herschel
Über die Astrologin habe ich 2016 geschrieben, in dem Jahr, in dem mich auf Frauen vor dem 19. Jahrhundert konzentrierte.

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Anna Atkins‘ Cyanotypie eines Wald-Schachtelhalms
Gemeinfrei

16. März 1799: Anna Atkins
Eine starke Konkurrentin für die Frau dieser Woche, gilt sie doch als die erste Fotografin. Sie erlernte mit 40 Jahren innerhalb eines Jahres die Cyanotypie und veröffentlichte in Folge das erste Buch, das vollständig mit fotografischen Illustrationen auskam: Eine botanische Sammlung der in England vorkommenden Algen, British Algae: Cyanotype Impressions.

16. März 1866: Izabela Textorisowá (Link Englisch)
Als erste Botanikerin der Slowakei beschrieb sie in ihrem Herbarium mehr als 100 Pflanzenarten in der Region Turz.

20. März 1879: Maud Menten
Die Michaelis-Menten-Theorie der Enzymkinetik geht auf die kanadische Medizinerin zurück, die auch als eine der ersten Frauen Kanadas ein Medizinstudium abschloss.

20. März 1890: Elizabeth Rona
Gemeinsam mit Kasimir Fajans, George de Hevesy und Fritz Paneth entdeckte die österreichisch-ungarische Kernphysikerin die radioaktiven Tracer.

22. März 1920: Margaret Bastock (Link Englisch)
Die britische Zoologin und Genetikerin untersuchte die Zusammenhänge zwischen Verhalten, Genen und der Evolution; 1956 wies sie nach, dass die Veränderung eines einzigen Gens eine Verhaltensänderung bei Drosophila melanogaster auslösen konnte.

11/2020: Lady Hester Stanhope, 12. März 1776

frauenfiguren lady hester stanhope
Lady Hester Stanhope on horseback from her memoirs, as related by herself in conversations with her physician [C.L. Meryon]; comprising her opinions and anecdotes of some of the most remarkable persons of her time Rare Books Keywords: Hester Lucy Stanhope By Wellcomeimages.org Gallery: Wellcome Collection gallery (2018-03-30): CC-BY-4.0, CC BY 4.0

Lady Hester Stanhope kam als ältestes Kind des 3. Earl of Stanhope, Charles Stanhope, und seiner ersten Frau, der Viscountess Lady Hester Pitt (Link Englisch), in England auf die Welt. Ihre leibliche Mutter bekam noch zwei Töchter, doch nach der Geburt des dritten Kindes starb Hester Stanhope 24-jährig an einem Fieber. Im Jahr darauf heiratete Charles Stanhope Louisa Grenville (Link Englisch), die Cousine seiner ersten Frau, die in den folgenden Jahren drei Söhne gebar.

Mit 14 wurde sie ans andere Ende des Landes (von Kent nach Somerset) geschickt, um bei ihrer Großmutter mütterlicherseits Hester Pitt, Countess of Catham, zu leben. Drei Jahre später zog sie zu ihrem Onkel mütterlicherseits, William Pitt der Jüngere. Für ihn war sie als Haushaltsvorsteherin und Gastgeberin tätig, da er als Premierminister soziale Verpflichtungen hatte, aber keine Ehefrau, die diese übernehmen konnte. In dieser Funktion wurde sie für ihre Schönheit ebenso wie für ihre Konversationsführung gerühmt. Nachdem William Pitt von seinem Amt als Premierminister zurückgetreten war, diente Lady Hester im noch bis zu seinem Tod (am Durchbruch eines Magengeschwürs) als Privatsekretärin.

Die englische Regierung gestand ihr als Hinterbliebene des ehemaligen Premierministers eine Pension von jährlich 1.200£ zu. Sie verblieb nach dem Tode Pitts 1806 noch einige Zeit in London und zog dann nach Wales. 1809 starb bei der Schlacht bei La Coruña wohl nicht nur ihr Halbbruder, sondern auch John Moore, mit dem sie möglicherweise Heiratspläne gehabt hatte. (Dies entnehme ich dem englischen Wikipedia-Beitrag über Lady Hester Stanhope, den ich aus diversen Gründen lieber als den deutschen empfehlen möchte.) Dieser soll jedenfalls in seinen letzten Momenten zu Charles Banks Stanhope gesagt haben, er möge seine Schwester an ihn erinnern.

So schiffte sich Lady Hester Stanhope 1810, in Begleitung ihrer Zofe, ihres Leibarztes Charles Lewis Meryon, der ihre Memoiren schrieb, und des Abenteurers Michael Bruce (Link Englisch), der ihr Liebhaber wurde, in Richtung Athen ein. In Athen soll Lord Byron ins Meer gesprungen sein, um ihr entgegenzuschwimmen. Von dort reiste die Gruppe nach Konstantinopel und wollte weiter nach Kairo, das sich inzwischen von NapoleonsÄgyptischer Expidition“ erholt hatte. Doch auf dem Weg dorthin geriet ihr Schiff in einen Sturm und kenterte, die Schiffbrüchigen wurden auf der damals osmanischen Insel Rhodos angespült. Da ihr Hab und Gut im Mittelmeer versunken war, mussten sich die Reisenden Kleidung leihen. Lady Hester Stanhope weigerte sich, den Schleier einer osmanischen Frau anzulegen, und wählte stattdessen die Bekleidung eines Mannes, mit Turban, Kaftan und Pantoffeln. Auf der Weiterreise auf einer britischen Fregatte erstand sie die gesamte Ausstattung eines orientalischen Mannes: Einen samtenen Kaftan, eine bestickte Hose, Weste und Jacke, einen Sattel und einen Säbel. So ausstaffiert, schaffte sie es in Kairo bis vor den Pascha. In folgenden zwei Jahren bereiste sie – stets als Mann gekleidet – durch den Mittleren Osten.

Eine Wahrsagerin sagte ihr, dass sie dazu geboren sei, der neue Messias zu werden, daraufhin trat sie mit einem Heiratsangebot an den Imam der Wahhabiten, Saud I. ibn Abd al-Aziz, heran. Nachdem er abgelehnt hatte, beschloss sie, als erste westliche Frau Palmyra zu betreten, und setzte diesen Plan auch in die Tat um, trotz der feindlich gestimmten Beduinen, die in der Wüste um die Oasenstadt herrschten. Sie kleidete sich wie einer von ihnen und reiste mit 22 Kamelen an, vom Emir Mahannah el Fadel (Link Englisch) wurde sie als Königin Hester empfangen.

Zu einem unbestimmten Zeitpunkt kam Stanhope in den Besitz eines mittelalterlichen italienischen Manuskriptes, aus dem Fundus eines alten Klosters in Syrien. Demzufolge solle sich unter den Ruinen einer Moschee in Aschkelon ein großer Schatz befinden, der dort seit 600 Jahren verborgen läge. 1815 überzeugte Stanhope die ottomanische Verwaltung davon, sie dort nachforschen zu lassen, der Gouverneur von Jaffa, Muhammad Abu Nabbat (Link Englisch), wurde zu ihrer Begleitung abgestellt. Dies sollte die erste archäologische Ausgrabung in Palästina werden, was Lady Hester Stanhope zu einer Pionierin auf diesem Gebiet machte. Nach Meryons Aufzeichnungen hielten sie dabei auch stratigrafische Erkenntnisse fest, eine für die Zeit ungewöhnliche Vorgehensweise, wurden doch andernorts nur die Menge und der Reichtum einzelner Funde und nicht ihre Verortung in einer Chronologie festgehalten und ausgelobt.

Statt eines reichen Goldschatzes fand Stanhope jedoch eine zwei Meter hohe, kopflose Marmorstatue, wohl aus der grecoromanischen Zeit. Aus politischen Gründen ließ Stanhope diese Statue in tausend Stücke zerschlagen und im Mittelmeer versenken: Sie wollte dem ottomanischen Sultan damit beweisen, dass sie diese Ausgrabung nicht getätigt hatte, um ihrem Heimatland archäolgische Funde zukommen zu lassen. Gefundenes Gold hätte sie dem Sultan als ihm zustehenden Schatz ausgeliefert. Auch wenn sie bei der Ausgrabung methodisch vorging und der Fund der Statue detailliert dokumentiert wurde, zerstörte sie doch ein historisches Relikt, welches ihr Biograf Meryon für das Abbild eines vergöttlichten Königs, möglicherweise gar Alexander des Großen oder Herodes‚, hielt. Strategisch umsichtig, wissenschaftlich jedoch schwer verzeihlich. Nichtsdestotrotz gilt Lady Hester Stanhope mit dieser Ausgrabung den Weg bereiten für weitere archäologische Forschungen im Heiligen Land.

Anschließend ließ sich Stanhope im Gebiet des heutigen Libanon nieder, zunächst in einem alten Kloster in der Nähe von Jezzine. Für einige Zeit lebten ihre Zofe und ihr Leibarzt Meryon dort mit ihr, doch ihre Zofe starb 1828, drei Jahre später verließ Meryon sie und kehrte nur einmal für ein Jahr zurück. Als er ihr zum zweiten und letzten Mal den Rücken kehrte, zog sie in ein anderes verfallenes Kloster in der Nähe von Joun (Link Englisch), das sie für seine günstige Lage auf einem Hügel schätzte, von welchem aus sie herannahende Fremde von allen Seiten früzeitig entdecken konnte. Ihre Residenz wurde bei den Dorfbewohnern bekannt als Deir el-Sitt (Brunnen der Herrin). Der im Gebiet herrschende Emir Bashir Shihab II (Link Englisch) begrüßte ihre Anwesenheit zunächst, doch mit den Jahren erlangte Stanhope in der Region um ihre Residenz eine Form der Herrschaft, die ihm durchaus unbequem war, außerdem mischte sie sich in die Uneinigkeiten zwischen den Drusenklans untereinander und dem ottomanischen Reich ein, indem sie einigen Gruppierungen in ihrer Residenz Zuflucht gewährte. Ihr Einfluss in dem Gebiet war soagr so groß, dass Ibrahim Pascha, ein osmanisch-ägyptischer General, sie um Neutralität ersuchte, als er in Syrien einmarschierte.

Lady Hester Stanhope war wohl nicht nur eine charismatische Person, die Menschen glaubten auch, sie könne die Zukunft vorhersagen; sie stand in schriftlichem Kontakt mit zahlreichen einflussreichen Persönlichkeiten und die Menschen in ihrer britischen Heimat verfolgten Berichte und Erzählungen von ihr mit Spannung. Schließlich häufte sie jedoch Schulden an, die sie versuchte mit ihrer Pension der englischen Regierung abzubezahlen. Nach und nach zog sie sich von der Öffentlichkeit zurück, ihre Bediensteten bestohlen und verließen sie; sie litt höchstwahrscheinlich an Depressionen und verlor den Überblick über ihren Haushalt. Möglicherweise wurde sie auch sehr früh senil. In jedem Fall empfing sie Besucher am Ende ihres Lebens nur noch in der Dunkelheit und ließ sie auch dann nur ihre Hände und ihr Gesicht unter einem Turban auf dem rasierten Kopf sehen. 1839 starb sie allein und verarmt. Als der englische Konsul anlässlich der Nachricht ihres Todes aus Beirut nach Deir el-Sitt kam, soll er sie nackt bis auf ihren Schmuck vorgefunden und unter Maulbeer-Feigen beerdigt haben.

Es lohnt sich in ihrem Fall, die Beiträge der englischen und der deutschen Wikipedia zu vergleichen. Die Perspektive auf diese ungewöhnliche Frau könnte unterschiedlicher nicht sein, in der Schilderung (und Auslassung) der entscheidenden Punkte ihres Lebens und in der augenfälligen Wortwahl.

Zu ihrem 240. Geburtstag sendete der WDR einen 15-minütigen Beitrag über die Abenteurerin (verfügbar bis 10.03.2026).

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Ebenfalls diese Woche

9. März 1903: Hertha Wambacher
Die österreichische Physikerin entdeckte gemeinsam mit ihrer Kollegin Marietta Blau „Zertrümmerungssterne“ auf Photoplatten, die auf 2.300m Seehöhe kosmischer Strahlung ausgesetzt waren, sternförmige Teilchenbahnspuren von Kernreaktionen, wenn Teile der kosmischen Strahlung auf die photografische Emulsion trafen.
Während ihre jüdische Kollegin Blau wegen des Anschlusses Österreichs 1938 nach Oslo auswandern musste, was einen tiefen Schnitt für ihre wissenschaftliche Karriere bedeutete, war Wambacher seit 1934 Mitglied der NSDAP.

Eupraxia Dobrodeia von Kiew

12. Jhdt.

Eupraxia Dobrodeia (Link Englisch) war die Tochter von Mstislaw I. von Kiew und seiner Frau Christina Ingesdotter von Sweden (Link Englisch).

Ungefähr 1122 heiratete sie Alexios Komnenos Porphyrogennetos, den derzeitigen byzantinischen Mitregenten, und wurde mit dieser Heirat Basilissa Irene (diesen Namen übernahm sie von ihrer Schwiegermutter Piroska von Ungarn, diese hatte mit ihrer Eheschließung diesen Namen mit dem orthodoxen Glauben angenommen). Sie kam auch in den Kreis intellektueller Frauen in Byzanz um Anna Komnena, der Tante ihres Mannes. Von diesen wurde sie ermutigt, ihr eigenes Fachgebiet zu finden und sich zu erarbeiten. Sie eignete sich das medizinische Wissen der Antike an und schrieb eine Abhandlung über Balsame und Salben, deren Zusammensetzung und Wirkungsweisen. Dieses Werk wird als erstes Traktat über Medizin von einer Frau angesehen, Fragmente davon befinden sich in der Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz. Sie befasste sich vor allem mit den Werken von Galenos und übersetzte einige seiner Texte ins Russische.

Sie starb am 16. November 1131 an unbekannter Ursache.

Dieses Blog dieses Unternehmens listet Eupraxia Dobrodeia als zweites nach Merit-Ptah unter den 10 Frauen, die die Welt gesünder gemacht haben sollen.

Mariam al-Asturlabi

etwa 900 n. Chr.

Die syrische Astronomin, deren eigentlicher voller Name Mariam al-`Ijliyyah bint al-`Ijliyy al-Asturlabiyy (Link Englisch) lautet, war vom damaligen Emir von Aleppo, Saif ad-Daula, als Herstellerin von Astrolabien eingestellt. Der inzwischen den geneigten Leser:innen des Zeitstrahls schon bekannte schiitische Gelehrte Ibn an-Nadīm, der den Beitrag der Frauen zur Wissenschaft offenbar zu schätzen wusste, bezeichnet sie als Schülerin des Nastulus (Link Englisch).

Es wurde ein Asteroid nach ihr benannt. Die Seite eslam.de, Enzyklopädie des Islam, führt eine ebenfalls kurze Biografie von Mariam al-Asturlabi. Auf YouTube finden sich zwei kleine Beiträge über sie, beide auf Englisch.

Beitrag von CABTV
Kurzer Ausschnitt aus „Library of Secrets“ von 1001 Inventions – mit Ben Kingsley

9/2020: Marjorie Courtenay-Latimer, 24. Februar 1907

Marjorie Courtenay-Latimer kam als Tochter eines Eisenbahnbeamten im südafrikanischen East London zur Welt, zwei Monate zu früh, was sich während ihrer Kindheit nachhaltig auf ihre Gesundheit auswirkte. Dennoch überlebte sie einen Diphtherie-Infekt und war gerne und viel in der Natur unterwegs. Ihre Eltern förderten ihr Interesse an naturwissenschaftlichen Themen, ursprünglich wollte sie mit 11 Jahren Expertin für Vögel werden.

Nachdem sie ihre Schulbildung abgeschlossen hatte, begann sie mit einer Ausbildung zur Krankenschwester, doch kurz bevor sie diese beendete, hörte sie von einer offenen Stelle als Direktorin für das East London Museum. Sie bewarb sich und beeindruckte ihre Gegenüber im Museum so sehr mit ihrem naturkundlichen Wissen, dass diese sie trotz Mangel einer formellen Qualifikation einstellten. Courtenay-Latimer war zu diesem Zeitpunkt 24 Jahre alt, sie sollte den Rest ihres Arbeitslebens in dem Museum bleiben. Sie sammelte beständig alle möglichen Dinge, die für das Museum von Beduetung sein könnten, und war auch bei den Fischern am Hafen bekannt dafür, dass sie ungewöhnliche Exemplare in ihren Fangnetzen begutachten wollte.

Am 22. Dezember 1938 erhielt sie einen Anruf, dass ein merkwürdiger Fisch einem befreundeten Kapitän ins Netz gegangen war, und sie ging auf sein Boot, um sich ein Bild zu machen. Sie befreite das Tier, das bereits tot war, von mehreren Schichten Schlamm und Schleim und fand etwas vor, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Sie beschrieb das 150cm lange Tier als den schönsten Fisch, den sie je gesehen hatte, „von blassem, ins malve gehende Blau mit matten Tupfern weißer Flecken; es hatte einen irisierenden silber-blau-grünen Schimmer darüber. Es war mit harten Schuppen bedeckt, und es hatte vier gliederförmige Flossen und einen merkwürdigen Welpenschwanz“. (Übersetzung eines Zitats im englischen Wikipedia-Beitrag)

Sie schleppte den Fisch mit einem Taxi in ihr Museum und versuchte, eine Entsprechung in den Büchern zu finden. Sie wollte das Exemplar gerne konservieren, doch der örtliche Leichenbestatter weigerte sich, ihr zu helfen. Der befreundete Ichthyologe J. L. B. Smith, der an der Rhodes-Universität Chemie unterrichtete, war nicht zu erreichen, und so musste sie den Fisch widerwillig zu einem Tierpräparator bringen, der ihren Fund häutete und ausnahm.

Als Smith acht Wochen später bei ihr eintraf und das ausgestopfte Tier sah, war ihm sofort klar, dass es sich dabei um einen Quastenflosser handelte, eine Knochenfischart, von der angenommen wurde, dass sie während der Kreidezeit vollkommen ausgestorben war. Bei seiner wissenschaftlichen Beschreibung gab er der gefundenen Art den Namen Latimeria chalumnae – nach der Finderin Latimer und dem Fluss Chalumna, in dessen Mündung das Exemplar gefangen wurde. Der Fund war eine Sensation und es sollte 14 Jahre dauern, bis an anderer Stelle eine weitere Quastenflosserart entdeckt werden sollte. Courtenay-Latimer hatte ein lebendes Fossil entdeckt und verhinderte geistesgegenwärtig auch den Verkauf ihres Fisches aus dem Museumsbestand nach Großbritannien.

Die Museumsdirektorin und Biologin aus Leidenschaft verstarb erst 2004. So konnte sie nicht nur auch den nächsten Fund – zwischen den Komoren und Madagaskar – miterleben, sie konnte 1987 auch die Bilder von den Tauchgängen der Geo sehen, auf denen erstmals Quastenflosser in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen waren. An dieses Ereignis erinnere auch ich mich noch, da unser begeisterungsfähiger Biologielehrer uns lebhaft davon berichtete. Auch die weitere Erforschung der Quastenflosser durch das Nachfolge-Tauchboot Jago fiel noch in die Lebenszeit der ersten Entdeckerin und Namenspatin dieser Tierart, die inzwischen vom Aussterben bedroht ist.

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