Schlagwort: erster weltkrieg

10/2018

10. Oktober 1928: Leyla Gençer

Die Tochter eines türkischen Vaters und einer polnischen Mutter wuchs auf der kleinasiatischen Seite Istanbuls auf; sie begann eine Gesangsausbildung am Konservatorium von Ankara, brach diese jedoch ab und setzte den Gesangsunterricht privat fort. Sie war mit einem Banker verheiratet und sang zunächst als Chorsängerin am Türkischen Staatstheater.

1953 begann sie ihre Karriere in Neapel, nur vier Jahre später sang sie zum ersten Mal an der Mailänder Scala. Bis zum Jahr 1987 trat sie an der Scala in 19 Rollen auf und baute ihr Repertoire auf über 70 Partien aus. Die „türkische Diva“ sang Hauptrollen in den USA und Europa, unter den berühmtesten Dirigenten ihrer Zeit. Besondere Erfolge feierte sie mit ihren Interpretationen von Donizetti, einem zwischenzeitlich in Vergessenheit geratenen Komponisten des Belcanto.

Nach dem Ende ihrer Bühnenkarriere war Gençer noch vielseitig in der Opern- und Musikbranche tätig. Ihr zu Ehren findet seit 1996 der Leyla Gençer Gesangswettbewerb statt. Die Sängerin starb 2008 80jährig an Herzversagen, ihre Asche wurde wunschgemäß in den Bosporus verstreut.

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12. Oktober 1873: Nadezda Petrović

Die serbische Malerin des Expressionismus und Fauvismus nahm anfangs privaten Zeichenunterricht in Belgrad. 25jährig kam sie nach München und wurde zunächst Schülerin des slowenischen Malers und Lehrers Anton Azbe; Petrović liebte alles Russische und besuchte auch den Salon von Marianne von Werefkin, wo sie russischen Künstlern begegnete. Ihre Vorliebe für die farbenfrohe russische Kunst brachte sie als Schülerin zum „Farbenfürst“ Julius Exter nach Übersee am Chiemsee.

Petrović vereinte ihre lebenslange Treue zum Azbe-Stil mit der Farbigkeit des Expressionismus. Sie reiste als Künstlerin durch ganz Europa und stellte in den 1910er-Jahren mehrfach in Paris aus. In ihrem Heimatland Serbien ist sie auch aufgrund ihres politischen Engagements beliebt: Sie unterstützte die Bevölkerung in Mazedonien in den türkischen Pogromen und gründete die erste serbische Künstlerkolonie. In den Balkankriegen und dem Ersten Weltkrieg malte sie in ihrer Heimat Landschaft, Soldaten und Bauern, verpflichtete sich jedoch auch als freiwillige Krankenpflegerin. Im Rahmen dieser Tätigkeit zog sie sich den Flecktyphus zu und verstarb 43jährig in einem Lazarett.

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14. Oktober 1938: Farah Pahlavi

Die spätere Ehefrau des iranischen Schahs wurde als Tochter eines aserbaidschanisch-stämmigen Offiziers in Teheran geboren, der starb, als sie zehn Jahre alt war. Farah Diba besuchte in Teheran zunächst eine italienische, später zwei französische Schulen; mit 19 Jahren schrieb sie sich in Paris an einer Hochschule für Architektur ein.

Da viele iranische Studenten staatliche Unterstützung in ihren ausländischen Studien erhielten, wurden stets einige in die Botschaft geladen, wenn der Schah dort weilte. Im Rahmen eines solchen Treffens lernte Farah Mohammed Reza Pahlavi Shah kennen. Es erfolgten einige weitere Treffen, bis nach etwa einem halben Jahr die Verlobung des Schah mit dem 19 Jahre älteren Monarchen bekanntgegeben wurde. Farah wurde die dritte und letzte Ehefrau des iranischen Staatsoberhauptes und schenkte ihm in zehn Jahren vier Kinder.

Nach der Hochzeit war ihr Titel zuerst Malakeh, aus dem Arabischen für „Königin“. Zwei Jahre, nachdem sie durch die Ehe diesen Titel erhalten hatte, erhöhte der Schah per Dekret ihre Stellung: Er verlieh ihr den Titel Schahbanu, Persisch für „Gemahlin des Schah“. Damit betonte er nicht nur ihre persische Herkunft, sondern wertete ihre Position – und damit intediert die Stellung der Frau in der iranischen Gesellschaft – auf eine der Gleichberechtigung nähere.

Farah Pahlavi Schahbanu setzte sich in ihrer politischen Position vielseitig für die Menschen und die Kultur im Iran ein, mit einem Büro, das sich in vier Themenbereich engangierte: Medizin und Gesundheit, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur udn Soziale Angelegenheiten. So gründete sie z. B. als erste ein Dorf, in dem Leprakranke und ihre Familien nicht nur medizinisch versorgt, sondern auch gesellschaftlich rehabilitiert wurden – bis dahin führte die Erkrankung zur lebenslänglichen Verbannung nicht nur des Betroffenen, sondern auch derer Familien aus dem heimatlichen Verbund. Gesellschaften unter ihrer Schirmherrschaft verbesserten die Versorgung von Krebskranken, Brandopfern, Kindern und die Zusammenarbeit mit der WHO. Farah Pahlavi gründete mehrere Waisenhäuser, Fachschulen und Institutionen für die Teilhabe von körperlich Beeinträchtigten; die ehemalige Pfadfinderin förderte auch die Organisation der Pfadfinderinnen im Iran. Außerdem förderte sie mit Schrimherrschaften die Literatur, das Theater und Museumslandschaft im Iran, insbesondere mit Fokus auf Kinder und die persische Sprache. Farah unternahm Inspektionsreisen in abgelegene Gebiete ihres Landes und begleitete ihren Mann bei Staatsbesuchen rund um die Welt, unter anderem auch den 1967 in Deutschland.

Im gleichen Jahr, 1967, war Farah Pahlavi mit ihrer Schwägerin, der Zwillingsschwester ihres Mannes, an einer Veränderung des Familienrechts beteiligt. Sie selbst wurde von ihrem Mann ein weiteres Mal in ihrer Stellung gehoben: Sie wurde zur Vizekönigin und das Mindestalter, in dem der Sohn des Schah würde regieren dürfen, wurde auf 20 angehoben – Farah wurde damit in Abwesenheit oder im Todesfall des Schahs zur gleichberechtigten Übergangs-Regentin. Dies war ein umwälzender Schritt für die Gleichstellung der Frau in der iranischen Gesellschaft. Die gleichzeitige Gesetzesänderung, dass Frauen das Recht zur Scheidungseinreichung verliehen wurde und Männer sich nicht mehr ohne Angabe von Gründen von ihren Frauen scheiden lassen konnten, sowie die Einwilligung der ersten Ehefrau und einen Nachweis für die Versorgungsicherung benötigten, um eine Zweitfrau zu heiraten, sollte diese fortschrittliche Entwicklung zementieren. Der Ajatollah Chomeini, damaliger religiöser Führer des Islam im Iran, war alles andere als begeistert; dieser Schritt nach vorn verstärkte die gegenläufige Reaktion und trug zur Spaltung des Landes bei, die in der Islamischen Revolution und schließlich dem Sturz des Schahs 1979 ihren Höhepunkt fand.

Nachdem der Schah und seine Frau den Iran verlassen hatten, suchten sie an verschiedenen Stellen sowohl Exil wie auch medizinische Versiorgung für die Krebserkrankung des Monarchen. Einige Politiker, die sie vor kurzem noch als Staatsgäste empfangen hatten, wiesen sie nun ab. Nach Aufenthalten in Ägypten, Marokko, den Bahamas und Mexiko wurde der Schah einige Zeit in amerikanischen Krankenhäusern behandelt; es folgten weitere Aufenthalte in Panama und wiederum Ägypten, wo der Schah 1980 an den Folgen des Krebs verstarb.

Farah Pahlavi lebt derzeit abwechselnd in Frankreich und den USA, sie engagiert sich weiterhin bei der UNESCO für Kinderbildung. Zwei ihrer Kinder musste sie nach Selbstmorden beerdigen: Ihre jüngste Tochter nahm 2001 31jährig Schlaftabletten und Kokain, ihr jüngster Sohn erschoss sich 2011 mit 44 Jahren.

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21. Oktober 1925: Celia Cruz

Celia ‚Azúcar‘ Cruz gilt als Queen of Salsa, „la reina de salsa“. In einfachen Verhältnissen in Havana, Kuba, aufgewachsen, begann sie eine Ausbildung zur Lehrerin, um einen „anständigen“ Beruf zu haben, doch sang sie schon seit ihrer Kindheit und hoffte auf eine wirtschaftlich und sozial vielversprechendere Zukunft als Sängerin. Sie gewann in zahlreichen Gesangswettbewerben, doch ihren wirklichen Durchbruch schaffte sie mit 25, als die vorherige Sängerin der kubanischen Band Sonora Matancera in ihre Heimat Puerto Rico zurückkehrte. Die Band gab Celia Cruz eine Chance und stand bald im Schatten ihres Ruhms.

Celia befand sich mit der Band gerade in Mexiko, als Fidel Castro 1959 auf Kuba die Macht ergriff, und sie blieben alle im Exil. Castro verbot Cruz zwei Jahre später sogar die Einreise zur Beerdigung ihrer Mutter. Cruz wurde amerikanische Staatsbürgerin und feierte in den USA und Mexiko Erfolge, die ihr auch gelegentliche Ausflüge ins Filmfach gewährten. Sie gewann im Laufe ihres Lebens drei Grammys und vier Latin Grammys.

Sie starb 2003 mit 77 Jahren an den Folgen eines Hirntumors.

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27. Oktober 1922: Ruby Dee

Die afro-amerikanische Schauspielerin wuchs in Harlem auf, wo ihre Eltern nebenbei eine Pension für afro-amerikanische Reisende betrieben, die nicht in „weißen“ Hotels aufgenommen wurden. Sie spielte bereits in der Highschool Theater und während des College am American Negro Theater in Harlem, wo sie schon früh mit späteren Stars wie Sidney Poitier und Harry Belafonte auf der Bühne stand. Von dort erarbeitete sie sich ihre Karriere über Off-Broadway-Produktionen an den Broadway. Sie besuchte das Actors Studio unter Lee Strasberg und erreichte über erste Produktionen afro-amerikanscher Filme auch Hollywood. Sie spielte bis zum Ende ihres Lebens in Theater und Filmen, unter anderem in mehreren Werken von Spike Lee. Mit 83 Jahren erhielt sie ihre einzige Oscarnominierung für ihre Rolle als Denzel Washingtons Mutter in American Gangster; sie ist die einzige im 21. Jahrhundert für diese Auszeichnung nominierte Person, die auch bereits gestorben ist.

Gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann Ossie Davis galt Ruby Dee als „Erstes Ehepaar der Bürgerrechtsbewegung“. Die beiden waren mit ihren Schauspielkollegen politisch aktiv und mit den Bürgerrechltern Martin Luther King Jr. und Malcolm X befreundet. Noch bis ins hohe Alter nahm sie an politischen Kundgebungen und Demonstrationen teil und betrachtete ihre prominente Stellung as Schauspielerin als Möglichkeit, für die Rechte der afro-amerikanischen Bevölkerung einzutreten.

Ruby Dee starb mit 91 Jahren; die Lichter am Broadway wurden am Freitagabend nach ihrem Todestag für eine Minute gedimmt, um ihrer zu gedenken.

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28. Oktober 1879: Luisa Capetillo

Luisa Capetillo wurde in Puerto Rico geboren, als Tochter eines Basken und einer Korsin, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben auf die karibische Inselgruppe ausgewandert waren. Liberal erzogen und von den Eltern im Lesen und Schreiben unterrichtet, fand sie ihre erste berufliche Beschäftigung als Vorleserin in einer amerikanischen Zigarrenfabrik – sie las dort den Arbeitern Zeitungen und Romane vor. Über diese Tätigkeit kam sie auch in Kontakt mit Gewerkschaften.

Geprägt von den philosophischen und literarischen Vorlieben ihrer Eltern, las sie Tolstoy, Zola und Hugo; in Kombination mit der harschen Realität ihrer kolonialen Umgebung entwickelte sie sich zur Anarchistin und weiblichen Stimme der Arbeiterbewegung. Sie beteiligte sich zwar nicht an Organisationen der Frauenrechtsbewegung, aber dies nur, weil sie der Meinung war, diese müsse eingebunden werden in den Klassenkampf. 1904 veröffentlichte sie ihr eigenes Essay, „Mi Opinión“, in dem sie die Frauen des Proletariats aufforderte, für ihre Rechte – als Frauen und als Arbeiterinnen – zu kämpfen. Mit der Veröffentlichung dieses Textes in Gewerkschaftszeitungen und der Teilnahme an Arbeiterstreiks gelangte Capetillo bald an die Spitze der FLT (Federación libre de trabajadores), der puerto-ricanischen Arbeiterbewegung, und setzte sich in dieser Position für die Bildung und Rechte der Arbeiterfrauen ein. Mit ihrer Überzeugungsarbeit für das Frauenwahlrecht gilt sie als die erste Suffragette Puerto Ricos.

Zwischen 1912 und 1919 wirkte sie mit an Streiks der Tabakarbeiter in New York und Tampa (FL), außerdem schrieb sie weiterhin Essays und brachte ihr erstes Werk ein weiteres Mal heraus. 1915 wurde sie auf Kuba verhaftet, weil sie Hosen trug – damals für Frauen eine tatsächliche Straftat. Sie hatte bereits vor ihrer politischen Tätigkeit mehrere Kinder bekommen, ohne verheiratet zu sein, und war auch Verfechterin der „freien Liebe“ in dem Sinne, dass Frauen sich ihre Partner frei wählen können sollten.

In den Jahren vor ihrem Tod durch Tuberkulose 1922 war sie 1916 und 1918 noch einmal an den größten Arbeiterstreiks der puertoricanischen Geschichte beteiligt.

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30. Oktober 1902: María Izquierdo

Der Anfang ihres Lebens schien der mexikanischen Künstlerin zunächst nichts Gutes zu versprechen. Als sie fünf Jahre alt war, starb ihr Vater und sie lebte in der Obhut ihrer Mutter und Großmutter in einem Dorf im Norden Mexikos. Gemäß der streng katholischen Traditionen auf dem Land wurde sie mit 14 Jahren in die Ehe mit einem viel älteren Offizier gezwungen und bekam innerhalb der nächsten drei Jahre drei Kinder. Als die mexikanische Revolution endete, zog sie mit ihrer Familie nach Mexiko-Stadt. Dort begann sie, ihre Malerei professioell zu entwickeln und ließ sich schließlich mit 26 Jahren wieder scheiden, um ihrer Leidenschaft nachzukommen. Sie schrieb sich an der Academia de San Carlos ein und begeisterte bei einer Schülerausstellung deren Direktor, Diego Rivera, frisch verheirateter Mann von Frida Kahlo. Aufgrund verschiedener Differenzen mit den anderen Schülern der Akademie beendete sie ihr Studium dort, blieb aber mit dem wenig älteren Kommilitonen und Mentor Rufino Tamayo in engem künstlerischen und persönlichen Kontakt. Ihr primitivistischer und surrealistischer Stil machte sie einzigartig unter den mexikanischen Künstlern ihrer Zeit und sie feierte nicht nur in ihrem Heimatland Erfolge: Sie war die erste mexikanische Künstlerin mit einer Ausstellung in den USA, die allein ihre Werke zeigte.

Sie zog einen weniger politischen Ausdruck in der Kunst vor als die meisten ihrer zeitgenössischen Kollegen und war im Inhalt stark von den vor-christlichen und katholischen Einflüssen ihrer frühen Prägung beeinflusst. In den 1940er Jahren erreichte ihre Karriere ihren Höhepunkt und 1944 wurde sie Kulturbotschafterin ihres Landes. Kurz darauf erlitt sie jedoch einen Schlaganfall, außerdem begannen sich ihre früheren Förderer, die männlichen Künstler Mexikos, gegen sie zu wenden und sie zu diskreditieren. Sie erlitt einen weiteren Schlaganfall und starb 1955.

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51/2017: Käthe Paulus, 22.12.1868

Käthe Paulus Fallschirmspringer parachutist

Käthe Paulus


English below
Wiki deutsch
Als letzte Frauenfigur dieses Jahr – zwischen den Jahren mache ich Pause – eine Dame mit regionalem Bezug: Käthe Paulus, die schon als Kind hoch hinaus wollte, im rein physischem Sinn, und mit der unwahrscheinlichen Vorbildung als Schneiderin eine große Rolle in der Luftschifffahrt spielen sollte. Sie startete die Ballonfahrt, von der aus sie ihren ersten Fallschirmabsprung beging, in Krefeld (gesprungen ist sie dann über dem heutigen Wuppertaler Stadtteil Elberfeld). Leider verwitwete sie ein Jahr später auch in Krefeld, als ein Fallschirm-Ballon-Experiment mißglückte und ihr Ehemann vor ihren Augen – sie schwebte sicher mit Fallschirm herab – haltlos zur Erde stürzte; die Umwandlung eines Heißluftballons zu einem Fallschirm war nicht erfolgreich vonstatten gegangen.
Während sie selbst in vielen Jahren der Ballonfahrt und der Fallschirmsprünge sich nie mehr als einen Beinbuch zuzog, verlor sie neben dem Ehemann auch noch, kurz darauf, ihren vierjährigen Sohn an die Diphtherie. Paulus war aus der Krise nach dem Tod ihres Ehemannes gestärkt hervorgegangen und so überwand sie diese nächste Krise mit Konzentration auf ihre Arbeit und ihre öffentlichen Auftritte. Sie verkaufte sich geschickt als wagemutige, kesse Luftakrobatin und füllte die Flugfelder mit Publikum, wenn sie ihre Kunststücke in der Luft darbot.
Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges zog sich Paulus aus dem Luftraum zurück, übergab ihre Ballone und Fallschirme der Heeresleitung und pausierte für zwei Jahre. 1916 jedoch begann sie in ihrer Wohnung die Fertigung von Fallschirmen für das Preußische Kriegsministerium – zunächst alleine, später mit wachsender Nachfrage, mit angestellten Näherinnen. Das Zuschneiden der Seide jedoch und der anderen Stoffe, die verwandt werden mussten, als Seide knapp wurde, betrachtete sie stets als ihre eigene verantwortungsvolle Aufgabe. Sie hatte das Konzept des Paketfallschirms entwickelt, das nun den Fliegern des deutschen Heeres das Leben rettete, und erhielt dafür das Verdienstkreuz für Kriegshilfe.
Nach dem Ende des Krieges verlor sie während der Inflation ihr Vermögen und außer den Spenden ihrer Memorabilia an die deutsche Luftfahrtsammlung hörte man nichts mehr von ihr. Als sie 1935 starb, fielen die Beerdigungsfeierlichkeiten eher klein aus, wenn auch die beiden bekannten deutschen Fliegerinnen Elly Beinhorn und Hanna Reitsch anwesend waren.

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(no English Wiki)
As the last woman of this year – I will taking a break between Christmas and New Year’s – I chose a lady with regional relevance (for me): Käthe Paulus, who aimed high in a purely physical sense as a child already, and who with the improbable education as a sea,stress would play a grat role in aeronautics. She started the balloon ride, from which she did her first parachute jump, in my hometown Krefeld (the actual jump took place over Elberfeld, today a part of Wuppertal). Sadly, she was also widowed in Krefeld a year later, when a parachute-balloon-experiment went awry and her husband – with her floating downwards gently in her parachute – plunged to earth without restraints before her eyes; the transformation from hot air balloon to parachute had not been successful.
While she herself never suffered more than a broken leg in many years of balloon riding and parachuting, apart from her husband she also, shortly after, lost her four year old son to diphtheria. Paulus had emerged from the crisis after her husband’s death with newfound strength, and so she overcame this next crisis by concentrating on her work and her public appearances. She cleverly presented herself as a pert and daring aerial acrobat and filled the airfields with her audience, when she performd her stunts in the air.
With the beginning of World War I, Paulus retreated from airspace, handed over her balloons and parachutes to the ary command and paused her career for two years. In 1916 though she began manufacturing parachutes for the Prussian Ministry of War in her flat – on her own at first, she later employed seamstresses with growing demand. Tailoring of the silk and the other fabrics which had to be used, when silk became rare, she always saw as her own responsible task. She had developed the concept of the packaged parachute, which now saved the lives of German pilots, and received the Merit Cross for War Aid for this achievement.
After the end of the war she lost her whole fortune to the inflation and apart from her donating her memorabilia to the German Aviation Collection, she wasn’t heard about anymore. When she died in 1935, her funral celebration was small, even though the two well-known female pilots Elly Beinhorn and Hanna Reitsch were present.

46/2017: Sara Josephine Baker, 15.11.1873

Sara Josephine Baker

Sara Josephine Baker


English below
(kein deutsches Wiki)
Für alle Links zu Krankheitsthemen gilt: Warnung, Bilder!
Sara Josephine Baker begann ihre Ausbildung zur Medizinerin mit 16 Jahren, um die Familie ernähren zu können, nachdem ihr Vater und ihr Bruder an Typhus verstorben waren. Sie wurde Schülerin von Elizabeth Blackwell und begann mit 25 Jahren ein Arztpraktikum am New England Hospital for Women and Children, das von einer anderen Protegée Blackwells, Dr. Marie Zakrzewska, gegründet worden war (women lift up women). Mit 28 Jahren bestand sie ihr Examen für den Staatsdienst und qualifizierte sich als Inspektor bei der Gesundheitsbehörde in New York. Bei den Kollegen war sie bekannt als Dr. Joe, da sie Männerkleidung trug.
Sie übernahm die Aufgabe, die Sterblichkeitsrate im schlimmsten Slum der Stadt zu senken, in Hell’s Kitchen. Dort starben wöchentlich 4.500 Personen, davon 1.500 Säuglinge. Wöchentlich. Viele davon wurden Opfer der Shigellenruhr, doch vornehmlich war die Unkenntnis der Eltern und die generelle mangelnde Hygiene das Problem. Baker, deren Interesse seit einer verhauenen Prüfung zum Thema „Das normale Kind“ sich vor allem auf die Kindergesundheit konzentrierte, führte unterschiedliche, sehr erfolgreiche Maßnahmen ein, um die Sterblichkeits- und Krankheitsrate der Kinder in Hell’s Kitchen zu senken.
Mit einigen Krankenschwestern zusammen begann sie, die Mütter in Säuglingspflege zu unterrichten: Von der richtigen Kleidung, um Überhitzung zu vermeiden, zur richtigen Ernährung bis hin zur Hygiene und der Vermeidung des Erstickens im Schlaf.
Sie gaben gute, saubere Milch aus, da die sonst erhältliche Milch oft nicht sauber oder mit Kreidewasser versetzt war, um die Profite zu erhöhen.
Außerdem entwickelte sie eine Mixtur aus Wasser, Kalziumkarbonat, Kuhmilch und Laktose, die Mütter ihren Kindern geben konnten, wenn sie arbeiten mussten, um die Familie am Leben zu erhalten (Mini-Exkurs zur Tatsache, dass Stillen-Können sowohl ein körperliches wie ein wirtschaftliches Privileg ist).
Sie verbesserte die Methode, mit der Silbernitrat gegen Augeninfekte gelagert und verabreicht wurde, wodurch sie innerhalb von zwei Jahren die Rate des Erblindens bei Säuglingen von 300 auf 3 pro Jahr senkte.
Sie sorgte dafür, dass Hebammen ausgebildet und lizensiert wurden, da ein großer Teil der Säuglingssterblichkeit vor allem auf riskante Geburtssituationen zurückzuführen war, weil Hebammen nicht immer auf dem neuesten Stand waren und zum Teil mit gefährlichen „traditionellen“ Methoden hantierten.
Nebenbei eliminierte sie Kopfläuse und Trachome vollständig aus der Population im Schulalter und richtete die (immer noch nachahmenswerte) Position der permanenten Schulärzte und -krankenschwestern ein, sodass Kinder wenn schon nicht zu Hause, dann doch in der Schule auf Infekte und gesundheitliche Mangelerscheinungen geprüft wurden.
Sie fing auch zwei Mal die berüchtigte „Typhoid Mary“ Mallon, die Köchin, die ohne eigene Symptome der Krankheit mehrere Familien mit Typhus ansteckte und für drei Todesfälle verantwortlich war.
Dank all dieser Erfolge wurde Baker eingeladen, an der New York University School of Medicine Vorlesungen zu halten. Sie willigte ein unter der Bedingung, auch selbst dort studieren zu können – daraufhin ließ die Schule das Angebot zunächst fallen. Erst, als sie keinen Mann finden konnten, der Baker in ihrem Erfahungsbereich das Wasser reichen konnte, willigten sie ein. So kam sie dazu, mit 44 Jahren noch ihren Doktor in „Volksgesundheit“ zu machen.
Als die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, errang Baker höchste Bekanntschaft mit dem Kommentar gegenüber einem Reporter der New York Times, dass es „sechsmal sicherer“ sei, als Soldat in den Schützengräben Frankreichs zu liegen, als als Baby in den Vereinigten Staaten geboren zu werden. Die neugewonnene Popularität ermöglichte es ihr, ein Ernährungsprogramm für Schulen einzurichten. Ein wenig bitter schmeckt jedoch die Tatsache, dass sie mit der hohen Rate an nicht-wehrfähigen jungen Männern argumentierte, um ihr Gesundheitsprogramm fördern zu lassen.
Im Laufe ihres Lebens wurden Baker verschiedene hohe Positionen in den USA, England und Frankreich angeboten. Sie lebte mit der „frauen-orientierten Frau“ I. A. R. Wylie, einer australischen Autorin, zusammen, die sie wohl auch bei der Erstellung ihrer Biografie „Fighting for Life“ half. Die beiden zogen zusammen mit einer dritten Freundin, Louise Pearce, nach New Jersey. Baker wurde die weibliche Vertreterin des Völkerbundes und schrieb über die Jahre vier Bücher, ihre eigene Biografie und 250 Artikel. Sie starb mit 72 Jahren an Krebs.

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Wiki english
For all links relating to illnesses: warning, graphic images!
Sara Josephine Baker started her education to become a physiscian at 16 years old, to be able to support her family after her father and her brother had died of typhoid fever. She became a pupil of Elizabeth Blackwell and at 25 years old began her internship at the New England Hospital for Women and Children, which had been founded by another protegée of Blackwell’s, Dr. Marie Zakrzewska (women lift up women). At the age of 28 years she passed her civil servant’s exam and qualified herself as an inspector at the Department of Health in New York City. Her colleagues knew her as D. Joe, because she wore men’s clothing.
She took on the task of reducing the mortality rate in Hell’s Kitchen, the worst slum of the city. In one week 4.500 people died there, of which 1.500 were newborns. Every week. Many of them were victims of dysentery, but mainly parental ignorance and general lack of hygiene were to blame. Baker, who had focused on childrens‘ health after failing an exm on the topic of „The Normal Child“, introduced various very successful measures to lower the rate of mortality and illness of children in Hell’s Kitchen.
Together with several nurses she began teaching young mothers in baby care: from the right clothing to prevent overheating and healthy nourishment to hygiene and preventing the children from suffocating in their sleep.
They handed out good, clean milk, since the available milk in stores was often contaminated or stretched with chalk water for profits.
She also developed a formula from water, Calcium carbonate, cow’s milk and lactose, which mothers could give their babies when they had to work to keep the family afloat (mini excursion into the fact that being able to breastfeed is as much a privilege of physical as of economic ability).
She improved the way silver nitrate, used to prevent eye infections in children, was stored and administered, by which brought down the rate of blindess in babies from 300 to 3 per year within two years.
She ensured that midwives received an education and were licensed, because a large portion of newborn mortality was to be attributed to high-risk birthing situations, since midwives weren’t always up to date with scientific knowledge and sometimes worked with dangerous „traditional“ methods.
As a sideline she completely eliminated head lice and trachoma from the population of school age and installed the (still exemplary) position of school doctors and school nurses, so that children if not at home, at least would get checked for infections and health deficits in school.
She also caught „Typhoid Mary“ Mallon twice, the cook who infected several families with typhoid fever without suffering symptoms of her own, and who was responsible for three deaths because of that.
As a consequence of these successes, Baker was invited to lecture at New York University School of Medicine. She agreed under the condition that she would be allowed to study there as well – whereupon the school dropped its offer. It was only after they were unable to find a man who could hold a candle to Baker’s experience in the field, that they acceeded. So she arrived at achieving her doctorate in Public Health at the age of 44 years.
When the US entered World War I in 1917, Baker received further publicity  with her commentary towards a reporter of the New York Times that it’s „six times safer to be soldier in the trenches of France than to be a baby born in the United States“. Her newly gained popularity enabled her to set up a lunch program for schools. It does leave a bitter taste, though, that she reasoned with the high rate of young men being declared 4F (unfit for military service) to have her health program sponsored.
Over the course of her life, Baker was offered various important positions in the US; England and France. She lived with „women-oriented woman“ I. A. R. Wylie, an Australian writer, who probably helped her write her biography „Fighting for Life„. The two of them moved to New Jersey with a third friend, Louise Pearce. Baker became the first female professional representative of the League of Nations and over the years wrote four books, her own biography and 250 articles. She died of cancer at the age of 72.
 
 
 

38/2017: Hedwig Dohm, 20.9.1831

Hedwig Dohm

Von unbekannt – http://www.zeno.org/Literatur/I/dohmhpor, PD-alt-100, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=4590376

English below
Wiki deutsch
Hedwig Dohm war eine self-made woman. Nachdem sie zunächst nur die für Mädchen dieser Zeit typische geringe Schulausbildung genießen konnte, um mit 15 Jahren gänzlich auf den Haushalt im Elternhaus beschränkt zu werden, besuchte sie drei Jahre später ein Lehrerinnenseminar und heiratete mit 22 Jahren den intellektuellen Satiriker Ernst Dohm.
In der Ehe gebar sie zunächst fünf Kinder und nahm dann, als das jüngste „aus dem Gröbsten heraus“ war, ihre schriftstellerische Tätigkeit auf. In kürzester Zeit machte sie sich mit vier Essays in den frühen 1870ern zu einer bekannten Vertreterin des frühen Feminismus – sie wollte nicht nur im Kleinen die Verhältnisse für einzelne Personengruppen verbessern, sie wollte grundsätzlich die Rolle der Frau in der Gesellschaft verändern. Dazu gehörte, schon 1873 das Frauenwahlrecht zu fordern und das Recht auf die gleiche Bildung und Erwerbstätigkeit wie die Männer, um die Frauen aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit in der Ehe zu lösen.
Nach dem ersten Aufruhr beschränkte sie sich in der Folge auf Lustspiele und, nach dem Tod ihres Mannes, Novellen und Romane. Mit dem Erstarken des Feminismus in den 1880er Jahren wurde auch Hedwig Dohm wieder zu diesem Thema aktiv – sie beteiligte sich rege an der politischen Debatte in der Gesellschaft, forderte das Studienrecht für Frauen und gehörte zu den ersten, die die Begründung der traditionellen Geschlechterrollen in der „Natur“ in Frage stellte. Während des Ersten Weltkrieges bekannte sie sich vollständig zum Pazifismus.
Sie erlebte in ihrem letzten Lebensjahr erlebte sie noch die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland, bevor sie mit 87 Jahren in Berlin starb.
Auf der Seite Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern findet man eine Kostprobe ihres scharfzüngigen Witzes und ihrer fortschrittlichen Denkweise, im Pamphlet „Was die Pastoren von den Frauen denken“ von 1872.

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Wiki english
Hedwig Dohm was a self-made woman. After she was only allowed the typical restricted education for girl in those days, to be reduced to household chores in her family home at age 15, she visited a teachers‘ seminar three years later and married the intellctual satirist Ernst Dohm at age 22.
In this marriage she started out with giving birth to five children and then, when the youngest was „out of the woods“, picked up writing. In a short time she made herself one of the most notorious icon of early feminism over the first half of the 1870s – she not only wanted to improve the conditions for certain peer groups, she wanted to fundamentally change the role of women in society. That meant demanding the right to vote in 1873 already as well as the same rights to education and employment as men, to free women from economic dependence in marriage.
After the first uproar, she consequently limited herself to plays and, after her husband’s death, short stories and novels. With the rise of feminism in the 1880s, Hedwig Dohm became active on that behalf again – she participated briskly in the political debate in society, demanded the right to university studies for women and was one of the first to question the foundation of the traditional gender roles in „nature“. During the First World War she avowed herself completely to pacifism.
She saw women’s suffrage come into action in Germany during her last year, before dying in Berlin at age 87.
On the website German History in Documents and Images a sample of her sharp wit and progressive thinking can be found, in the pamphlet „What The Pastors Think Of Women“ from 1872.

35/2017: Hilda Rix Nicholas, 1.9.1884

Hilda Rix Nicholas

By Unknown – http://www.portrait.gov.au/site/exhibition_subsite_hildarix.php, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33566962

English below
{kein deutsches Wiki}
Die Australierin war bereits vor dem Ersten Weltkrieg in Europa als Künstlerin erfolgreich. Wegen des Krieges emigrierte sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester von Frankreich nach England – wo ihre Schwester und kurz darauf ihre Mutter an Ruhr erkrankten und starben. Zwei Jahre später fand ein junger australischer Offizier die schwer niedergeschlagene Frau, der von ihr gehört und ihre Bilder bewundert hatte, die beiden heirateten während seines Fronturlaubs und verlebten drei Tage als Ehepaar, dann kehrte er nach Frankreich zurück und wurde fünf Wochen später im Gefecht getötet.
Nach einer Phase der Depression brachte sie ihre Verzweiflung und Trauer in einer Triade von Bildern zum Ausdruck, die leider in den 1930ern bei einem Brand zerstört wurden. Es existieren nur noch Skizzen oder Abbildungen der Originale. Die Bilder und mehr Details zu ihrer Biografie sind unter dem Link unten zu finden.
Hilda Rix Nicholas malte noch viele Jahre, heiratete wieder und hatte einen Sohn, der ebenfalls Künstler wurde. Sie starb mit 77 Jahren in ihrem Geburtsland.

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Wiki english
The Australian was already successful as a painter before World War I. Because of the war, she emigrated from France to England with her mother and sister – where her sister and shortly after also her mother fell ill with dysentery and succumbed to it. Two years later a young Australian officer found the heavily beaten-down woman, who had heard about her and admired her paintings, the two married and lived three days as a couple, then he went back to France and was killed in battle five weeks later.
After a phase of depression she expressed her despair and grief in a triad of paintings, which unfortunately were destroyed in a fire in the 1930s. Only sketches and reproductions of the originals exist. Those and more details on Rix Nicholas‘ biography can be found at the link below.
Hilda Rix Nicholas kept on painting for many years, married again and had a son who also became an artist. She died at 77 years of age in her birth country.
Meditations on loss

34/2017: Lydia Rabinowitsch-Kempner, 22.8.1871

Lydia Rabinowitsch-Kempner

By George Grantham Bain Collection (Library of Congress) – This image is available from the United States Library of Congress’s Prints and Photographs division under the digital ID ggbain.06697.This tag does not indicate the copyright status of the attached work. A normal copyright tag is still required. See Commons:Licensing for more information., Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5955965

English below
Wiki deutsch
Die im heutigen Litauen geborene jüdische Russin genoss die Bildung wohlhabender Familien, doch für ein Studium musste sie als Frau am Ende des 19. Jahrhunderts noch in die Schweiz gehen.
Sie arbeitete nach dem Abschluss zunächst als unbezahlte Assistentin mit Robert Koch an dessen Königlich Preußischen Institut für Infektionskrankheiten in Berlin, ging dann nach Amerika und wurde dort Professorin für Bakteriologie – dieser Titel wurde jedoch nur in den USA anerkannt.
Sie lernte Walter Kempner kennen und heiratete ihn, ihre Zusammenarbeit am Robert-Koch-Institut endete jedoch bald. Rabinowitsch arbeitete in den folgenden Jahren im Pathologischen Institut und konnte dort als wissenschaftliche Assistentin noch vor Robert Koch selbst Tuberkelbazillen in Rohmilch nachweisen. Dank dieser Forschung und ihrer zahlreichen Publikationen wurde ihr 1912 endlich auch der Professorentitel verliehen. Damit war sie die erste Frau in Berlin und die zweite in Preußen mit diesem Status. Eine Habilitation sollte allerdings erst nach dem Ersten Weltkrieg möglich werden.
Während des Ersten Weltkrieges übernahm sie die Leitung der Zeitschrift für Tuberkulose und arbeitete für das Militär in der Seuchenvorbeugung. 1920 wurde sie mit 49 Jahren zum ersten Mal in ihrem Leben für eine Tätigkeit so bezahlt, wie es ihrem Bildungsgrad angemessen war, als sie am Städtischen Krankenhaus Moabit die Leitung des Bakteriologischen Instituts übernahm. Sie verlor ihren Mann in diesem Jahr an eine Tuberkuloseform und zwölf Jahre später eines ihrer drei Kinder ebenfalls.
1934 wurde sie zwangspensioniert, ermöglichte ihren Kindern noch die Emigration aus Nazi-Deutschland und starb dann 1935 selbst an ungeklärten Ursachen in Berlin.

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The Jewish Russian, born in the region that is Lithuania today, enjoyed the education common for prosperous families, but to continue studies, as a woman at the end of the 19th century, she had to move to Switzerland.
After her studies, she worked as an unpaid assistant to Robert Koch at his Prussian Institute for Infectuous Deseases at first, then went to America and became a professor of bacteriology – the title alas was only accepted in the US.
She met Walter Kempner and married him, their cooperation at the Robert Koch Institute though ended soon after. Rabinowitsch worked at the Pathological Institute and was able, before Robert Koch himself was, to detect the tuberculosis bacillus in raw milk. Thanks to her research and her numerous publications, she was awarded the title of professor in 1912. She was only the first woman in Berlin and the second in Prussia to reach this status. Habilitation though was made possible only after World War I.
During Wolrd War I she was chief editor of the Journal for Tuberculosis and worked in disease prevention for the military. It was 1920 when at 49 years old she was paid a salary appropriate for her education for the first time, as head of the Bacteriological Institute at the Moabit hospital. She lost her husband to tuberculosis in that year and one of her three children as well, twelve years later.
She was forced to retire in 1934, helped her children to emigrate from Nazi Germany and died 1935 in Berlin under unknown circumstances.

28/2017: Elsa von Freytag-Loringhoven, 12.7.1874

Elsa von Freytag-Loringhoven Frauenfiguren

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Elsa von Freytag-Loringhoven hatte bereits ein bewegtes romantisches Leben hinter sich, bevor sie die Mutter des Dadaismus wurde. In Swindemünde als Elsa Hildegard Plötz geboren, strebte sie offensichtlich schon immer ein freieres und künstlerisches Leben an als das ihrer einfachen Eltern. Mit 27 Jahren heiratete sie den Architekten August Endell und lebte mit ihm nach Berlin. Die Ehe öffnete sich für eine Beziehung Elsas mit Endells Freund Felix Paul Greve – das Trio lebte in Palermo zusammen, doch die Ehe überstand diese moderne Beziehungsform nicht. Die Endells ließen sich scheiden und Elsa heiratete Greve. Nachdem er in Deutschland einen Selbstmord vorgetäuscht hatte, ging er in die USA, nannte sich Frederick Philip Grove und entkam so seinen Schulden. Elsa folgte ihm und die beiden lebten eine Zeit von der Bewirtschaftung einer Farm. Dann ließ Greve auch sie sitzen und Elsa begann, als Model zu arbeiten.
Mit dieser Tätigkeit arbeitete sie sich aus dem ländlichen Kentucky bis nach New York vor, wo sie – zwar noch nicht geschieden von Grove, aber die Ehe war faktisch nicht mehr existent – schließlich ihren dritten und letzten Mann, Leopold von Freytag-Loringhoven, heiratete.
In New York avancierte sie, während sie sich finanziell mit der Arbeit in einer Zigarettendreherei über Wasser hielt, als Model, Lyrikerin und Künstlerin zur Dadaistin. Lange Zeit von der männlichen Dominanz in der Kunstszene an die Seite gedrängt, stellt sich inzwischen heraus, dass einige wichtige Werke der Ready-made Kunst eigentlich ihr Schaffen sind. Unter anderem „God„, das bisher Morton Livingstone Schamberg zugeschrieben wurde, und der Inbegriff des Ready-made, „Fountain„, von (bisher) Marcel Duchamp – von Freytag-Loringhoven hatte das Urinal mit R. Mutt unterzeichnet und ihm als Skulptur vorgestellt. Sie war in dieser Zeit auch (mindestens) befreundet mit Djuna Barnes und Peggy Guggenheim.
Ohne Zweifel von ihr ist die unten abgebildete Installation Portrait of Marcel Duchamp.
In der Hoffnung auf wirtschaftliche Besserung ging Freytag-Loringhoven kurz nach dem Ersten Weltkrieg zurück nach Berlin, wo sie jedoch in Armut und schlechter geistiger Verfassung lebte. Sie hielt sich einige Zeit mit der Hilfe von Freunden und ehemaligen LiebhaberInnen über Wasser und zog dann nach Paris, wo sich ihre Lage kurzfristig verbesserte. Dann jedoch erstickte sie in ihrer Wohnung, weil jemand die Gasleitung offen gelassen hatte.

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Elsa von Freytag-Loringhoven had already lived an eventful romantic life before becoming the mother of Dada. Born in Swinemünde as Elsa Hildegard Plötz, early on she obviously strove for a more free and artistic life than the one of her parents. At 27 years she married the architect August Endell and lived in Berlin with him. The marriage opened for an affair Elsa’s with Endell’s friend Felix Paul Greve – the trio lived together in Palermo, but the marriage did not survive this modern approach to relationship. The Endells divorced and Elsa married Greve. After staging his suicide in Germany, he went to the US, called himself Frederick Philip Grove and thus escaped his debts. Elsa followed him there and the two lived off the maintenance of a farm for a while. At last, Greve left her as well and she began working as a model.
In this capacity she worked her way from rural Kentucky to New York, where – not yet divorced, but the marriage had factually ceased to exist – she married her third and final husband, Leopold von Freytag-Loringhoven.
In New York she rose as model, poet and artist, all the while supporting herself financially by working in a cigarette factory, to becoming a dadaist. For the longest time eclipsed by the male dominance in the artistic scene, it turns out that some of the most important pieces of ready-made art were her creation. Among others ‚God‚, which used to be assigned to Morton Livingstone Schamberg, and the epitome of ready-made, ‚Fountain‚ by (hitherto) Marcel Duchamp – von Freitag-Loringhoven had signed the urinal with R. Mutt and send it to him as a sculpture. She was also friends, if not more, with Djuna Barnes and Peggy Guggenheim.
There is no doubt the installation pictured below, Portrait of Marcel Duchamp, is her work.
Hoping for economic improvement, von Freytag-Loringhoven went back to Berlin shortly after World War I, where she lived however in poverty and poor mental health. She was supported by some old friends and lovers and finally moved to Paris, where her situation improved shortly. Alas, she soon died of gas suffocation in her flat because someone had left open the gas pipe.

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Elsa von Freytag-Loringhoven: Portrait of Marcel Duchamp

 

17/2017: Hertha Ayrton, 28.4.1854

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Hertha Ayrton


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Die Tochter einfacher polnisch-jüdischer Immigranten wurde nach dem Tod ihres Vaters zu ihrer Tante in Obhut gegeben, die eine Schule in London betrieb. Dort erhielt sie ihre frühe schulische Ausbildung. Mit 16 Jahren arbeitete sie zunächst als Gouvernante, mit 20 begann sie ihr Studium der Mathematik am Girton College, nach ihrem Abschluss sechs Jahre später arbeitete sie dort auch als Lehrerin. Sie entwickelte in dieser Zeit ein Sphygmomanometer (oder auch Blutdruckgerät). Neben vielerlei sozialem Engagement bestand sie auch mit 26 Jahren eine mathematische Prüfung für Studenten der University of Cambridge, aber die vergab zu dieser Zeit keinen akademischen Grad an Frauen, nur Zertifikate. Ein Jahr später erhielt sie jedoch von der Universität London einen Bachelor of Science für eine ähnliche Prüfung.
In London entwickelte sie auch ein Instrument, mit dem man Linien in gleichlange Teile zerlegen kann, das Künstler, Architekten und Ingenieure verwenden können. Die Eintragung des Patentes wurde von den Feministinnen Louise Goldsmid und Barbara Bodichon finanziell unterstützt. Es war das erste von 26 Patenten, die Ayrton im Lauf ihres Lebens eintragen ließ.
Mit ihrem Ehemann, der zuvor ihr Lehrer gewesen war, betrieb sie Studien in der Elektrotechnik, Mathematik und Physik. Sie schrieb mehrere Publikationen unter anderem über die Bogenlampen-Technik und deren Verbesserung. 1899 wurde sie schließlich als erste Frau Mitglied der Institution of Electrical Engineers (IEE), durfte aber dennoch – aufgrund ihres Geschlechts – ihre Schrift nicht selbst bei der Royal Society vortragen, ein männlicher Kollege musste dies für sie tun.
Nach ihrem Vortrag beim International Electrical Congress in Paris 1900 festigte sich ihr Ruf als Kompetenz in der Elektrotechnik. Ihr Beispiel veranlasste die British Science Association dazu, Frauen in Kommittees unterschiedlicher Fachbereiche zuzulassen. Erst 1905 durfte sie als Frau bei der Royal Society vortragen, Mitglied in dieser Vereinigung wurde sie jedoch nie. 1906 erhielt sie die Hughes-Medaille für ihre Arbeit zu Bogenlampen, damit war sie die fünfte Person, die diese Ehrung erhielt; erst 2008 erhielt wieder eine Frau, Michele Dougherty, diesen Preis.
Während des Ersten Weltkrieges entwickete Ayrton ein lebensrettendes Instrument zur Giftgasbeseitigung, den Ayrton Fan.
Die Agnostikerin setzte sich auch für die Frauenrechte ein und benannte ihr erstes Kind nach der Feministin Barbara Bodichon – diese wurde Member of Parliament für die Labour Party und Mutter des Künstlers Michael Ayrton, der den Namen der mütterlichen Linie für seine professionelle Identität wählte. Hertha Ayrton starb mit 69 Jahren an einer Blutvergiftung.

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The daughter of plain Polish and Jewish immigrants, after her father’s death, was committed into the care of her aunt who ran a school in London. She received her early education there. At the age of 16 she worked as a governess, at 20 she began her studies of mathematics at Girton College, after finishing her studies she also worked as a teacher there. During that time she developed a sphygmomanometer. Besides a lot of social engagement she also passed the Mathematical Tripos at the University of Cambridge at 26 years old, but they did not hand certificates only to women, not degrees. She did receive a Bachelor’s degree from the University of London for passing a similar exam.
In London she also invented an instrument to divide lines in equally long parts, which can be used by artists, architects and engineers. The patenting of this invention was supported financially by the feminists Louise Goldsmid and Barbara Bodichon.  It was the first of 26 patents Ayrton would register in her lifetime.
With her husband, who had been her teacher before, she worked on studies in electrical engineering, mathematics and physics. She penned several publications, among others about arc lighting and its improvement. In 1899 she became the first female member of the Institution of Electrical Engineers (IEE), but – because of her gender – was not allowed to read her work at the Royal Society, a male colleague had to read it for her.
After her lecture at the International Electrical Congress in Paris 1900 her reputation as a competence in electrical enginieering was consolidated. Her example prompted the British Science Association to allow women on committees of various topics. It was in 1905 only that she could speak before the Royal Society, but she was never registered as a member. In 1906 she received the Hughes Medal for her work on arc lighting, as the fifth person awarded this honour; only in 2008 this prize was won by a woman, Michele Dougherty, again.
During World War I Ayrton developed an life-saving instrument for the dispelling of poisoned gas, the Ayrton fan.
The agnostic also advocated for women’s rights and named her first child after Barbara Bodichon – she became a Member of Parliament for the Labour Party and mother to artist Michael Ayrton, who took the name of his mother’s family for his professional identity. Hertha Ayrton died of blood poisoning at 69 years of age.

KW 34/2015: Alice Schalek, 21. August 1874

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Es geht mir hier auf frauenfiguren ja nicht darum, Die Frau als das bessere menschliche Wesen darzustellen. Es geht mir hier darum, den Blick darauf zu lenken, dass Frauen ebensolche menschlichen Wesen sind wie Männer, die Großes leisten können – sich dabei in der Geschichte nur oft über größere Hürden hinwegsetzen mussten als Männer; dass Frauen das gleiche Potenzial innewohnt wie Männern, auch wenn sie eben in der Geschichtsschreibung und auch in der Gegenwart immer noch meist Nischenplätze und ihre separaten Podeste haben.
Eine spannungsreiche Figur und deswegen interessant unter dieser Prämisse ist Alice Schalek. Eine jüdische Frau, die sich als Journalistin und Kriegsberichterstatterin über die traditionellen Geschlechterrollen hinwegsetzte und – auf der anderen Seite – dabei eine Sichtweise auf den Mensch und den Krieg offenbarte, die Karl Kraus dazu veranlasste, sie eine Kriegstreiberin zu nennen. Eine Feministin, die in ihrer Anfangszeit die Emanzipation forderte, während des Krieges jedoch die Frauen selbst völlig in den Hintergrund stellte und die Männer, die im Krieg kämpften, idealisierte; nur um später wieder für die Frauenrechte einzutreten.
Die Frau als Mensch mit menschlichen Stärken und Schwächen zu sehen, sie aus der Dichotomie von „Hure und Heilige“ herauszuholen, ist ein wichtiger Schritt in der Emanzipation; statt eines schwarz-weißen Weltbildes, in dem der Feminismus ein Gegenteil vom Humanismus sei, weil er die Rollen umkehren wolle – also eine Dominanz der Frauen über die Männer anstrebe -, muss Feminismusgegnern der Wind aus den Segeln genommen werden, wenn sie meinen, mit Negativbeispielen die gesamte Bewegung diskreditieren zu können. Keine Frau ist perfekt, so wie kein Mann perfekt ist. Viele kluge Männer und Frauen haben in einem Bereich Großes und sich in anderen moralisch Fragwürdiges geleistet. Es geht nicht darum, eine Person oder ein ganzes Geschlecht idealistisch zu überhöhen, sondern Menschen egal welchen Geschlechts die gleichen Chancen zu gestatten.