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KW 27/2016: Artemisia Gentileschi, 8. Juli 1593

Artemisia Gentileschi

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Artemisia Gentileschi war die talentierte Tochter eines Barockmalers, der wie damals verbreitet von Caravaggios Stil beeinflusst war. Sie zeigte schon früh mehr Können als ihre Brüder und wurde von ihrem Vater gefördert.

Mit 18 wurde sie von einem Kollegen und Freund ihres Vaters, der sie unterrichten sollte, vergewaltigt. Da der Mann ihr versprach, sie zu heiraten – was ihre Ehre hätte retten können –, unterhielt sie weiterhin ein auch sexuelles Verhältnis zu ihm. Als sich nach mehreren Monaten herausstellte, dass ihr Vergewaltiger bereits verheiratet war und niemals vorhatte, sie zu ehelichen, zeigte ihr Vater ihn an. Im folgenden Prozess, bei dem es vornehmlich darum ging, dass er ihre Jungfräulichkeit geraubt hatte, aber auch, dass er Bilder aus dem Haus Gentileschi gestohlen habe sollte, wurden Artemisia Daumenschrauben angelegt und musste sie sich einer peinlichen gynäkologischen Untersuchung unterziehen – denn natürlich war die Glaubwürdigkeit der Überlebenden das, was am meisten zu bezweifeln war. Schließlich wurde der Täter zu acht Monaten Haft (für alle angezeigten Taten) verurteilt, von denen er allerdings keinen einzigen im Gefängnis verbrachte. Artemisias Ruf in Rom war nun angegriffen, weshalb sie nach Florenz ging, wo sie eine lange und erfolgreiche Karriere als Malerin begann.

Artemisia gilt als eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Malerin des Barock; ihre Werke sind von körperlich und seelisch starken, entschlossenen und wenig zimperlichen Frauen dominiert. Theoretisch wird das Frauenbild ihres Werkes auch auf ihre eigene Lebensgeschichte zurückgeführt – eines ihrer bekanntesten Werke, „Judith und Holofernes„, zeigt, so kann man sich vorstellen, ihre eigene Phantasie, was sie mit ihrem Vergewaltiger gerne getan hätte. Auch kann man in der Vertrautheit und engen Zusammenarbeit mehrerer Frauen auf ihren Bildern ihren Wunsch nach starker schwesterlicher Gemeinschaft lesen – ein Wunsch, der geprägt ist von dem Vertrauensbruch einer mütterlichen Freundin (Artemisias Mutter starb, als sie 12 war), die die Vergewaltigung wohl hätte verhindern oder zumindest bezeugen können, die sich aber lieber nicht einmischte (der englische Wiki-Artikel geht auf diese Details und diese Lesart ausführlicher ein).

Ein interessanter Kommentar zum Werk und der Historie Artemisias Gentileschi ist das Portmanteau „Susanna and the Elders: Restored“ von Kathleen Gilje, dem ich gerade erst einmal als echtes Röntgenbild aufgesessen bin. Eine spannende Sache.

Bild: By Artemisia Gentileschi – The Athenaeum: Home – info – pic, Public Domain

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Von 139 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 14 (inklusive Artemisia Gentileschi) Frauen:
7.7.1207 Elisabeth von Thüringen
5.7.1321 Johanna Plantagenet
6.7.1387 Blanka, Königin von Navarra
7.7.1528 Anna von Österreich
5.7.1532 Anna von Tecklenburg-Schwerin
5.7.1554 Elisabeth von Österreich
10.7.1640 Aphra Behn
5.7.1670 Dorothea Sophie von der Pfalz
5.7.1755 Sarah Siddons
9.7.1764 Ann Radcliffe
9.7.1766 Johanna Schopenhauer
5.7.1773 Johanna Elisabeth Bichier des Ages
8.7.1792 Therese von Sachsen-Hildburghausen

KW 26/2016: Rose Bertin, 2. Juli 1747

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Rose Bertin erlernte sehr früh das Handwerk der Modistin und ging als solche bereits mit 16 Jahren von Abbeville nach Paris, wo sie zunächst in einem Modegeschäft arbeitete. Mit 23 Jahren eröffnete sie ihr eigenes Geschäft „Au Grand Mogol“, mit dem sie bald beim Adel erfolgreich war und schließlich zur Modistin und Hutmacherin für Marie Antoinette wurde. Sie verdiente königliches Geld mit ihren Kreationen und verstand sich mehr als Künstlerin denn als Handwerkerin; die einfach Schneiderei war nicht ihr Metier, sie schuf die künstlerischen, pompösen Verzierungen und Aufbauten von Kleidern und Hüten. Zu ihrer erfolgreichsten Zeit nahm sie das Hundertfache des Tageslohnes eines gelernten Arbeiters mit einem ihrer Werke ein.

Die französische Revolution beendete auch ihren großen Erfolg, indem sie die meisten ihrer Kundinnen als Hinrichtungsopfer forderte, und sie sah sich durch das nahe, vertraute Verhältnis zum Adel selbst, nicht zu Unrecht, gefährdet. Rose Bertin gelang es, ihr Vermögen über die Dauer der Revolution zu bewahren und in England zu arbeiten; als sie jedoch nach Ende der Revolution ins Napoleonische Frankreich zurückkehrte, war ihre Rokoko-Kunst so gut wie überflüssig geworden – der schlichte, ungeschmückte Empire-Stil war nun maßgeblich. Sie übertrug zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihr Geschäft auf ihren Neffen und verstarb 1813 in der Nähe von Paris.

Bild: By Jean-François Janinet – Gazette Drouot, Public Domain

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Von 138 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 13 (inklusive Rose Bertin) Frauen:
29.6.1136 Petronella
2.7.1473 Marie von Baden
29.6.1475 Beatrice d’Este
29.6.1482 Maria von Spanien
2.7.1574 Dorothea Maria von Anhalt
3.7.1576 Anna Von Preußen
30.6.1604 Margarete Elisabeth von Leiningen-Westerburg
1.7.1627 Anna Maria von Mecklenburg
2.7.1630 Marie-Madeleine de Brinvilliers
3.7.1709 Wilhelmine von Preußen
29.6.1774 Amalie von Hessen-Homburg
28.6.1799 Amalie von Nürnberg

KW 25/2016: Elena Lucrezia Cornaro Piscopia, 25. Juni 1646

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Elena Lucrezia Cornaro Piscopia war die erste Frau der Welt, der ein Doktortitel verliehen wurde.

Als fünftes uneheliches Kind einer Bäuerin mit einem paduanischen Prokurator (ihre Eltern heirateten später) erhielt sie bereits früh Unterricht in Griechisch und Latein, lernte bis zu ihrem 7. Lebensjahr auch noch Hebräisch, Arabisch, Französisch und Spanisch und verdiente sich damit den Titel Oraculum Septilingue (die siebte Sprach dabei ihre Muttersprache Italienisch). Ein Freund Galileis, Carlo Rinaldi, setzte sich dafür ein, ihr einen Doktortitel in Theologie zu verleihen, doch der Bischof von Padua vertrat die – gängige – Meinung, eine Frau habe in der Kirche zu schweigen, daher könne sie folglich auch keine Lehrbefugnis erhalten. In Philosophie hingegen war die Geschlechtertrennung nicht so streng, sodass sie im Juni 1678, nachdem sie eine Stunde lang in klassischem Latein komplexe Passagen aus dem Werk Aristoteles diskutiert hatte, ihren Doktortitel der Philosophie erhielt.

Sie widmete sich in den folgenden Jahren dem Studium und dem Schreiben, verstarb jedoch 38jährig an Tuberkulose.

Ein Einschlagkrater auf der Venus heißt nach ihr „Piskopia“.

Bild: By Unknown, Public Domain

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Von 138 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 11 (inklusive Elena Lucrezia Cornaro Piscopia) Frauen:
25.6.1242 Beatrix von England
24.6.1311 Philippa von Hennegau
23.6.1456 Margarethe von Dänemark
21.6.1646 Maria Francisca Elisabeth von Savoyen
23.6.1703 Maria Leszczyńska
20.6.1754 Amalie von Hessen-Darmstadt
23.6.1763 Joséphine de Beauharnais
20.6.1786 Marceline Desbordes-Valmore
20.6.1797 Karolina Gerhardinger
23.6.1800 Charlotte Birch-Pfeiffer

KW 24/2016: Fanny Burney, 13. Juni 1752

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Heute ist es also mal passiert – in Erwartung großer Veränderung im Alltag habe ich mein Augenmerk zu sehr auf die Vorbereitung der kommenden Monate gelegt und darüber die nächstliegende Priorität übersehen…

Fanny Burney war eine Schriftstellerin, die im England des 18. Jahrhunderts Bildungsromane schrieb, bevor diese als solche beliebt wurden. Jane Austen war eine Bewundererin ihrer Werke und von ihr beeinflusst; während sie Zeit ihres Lebens als Autorin erfolgreich war, wurde nach ihrem Tod ihr Schaffen vom Interesse an ihrem Privatleben – das sie in Tagebüchern ausführlich beschrieb – überschattet.

Neben ihren Werken verdanken wir ihr jedoch auch eine Beschreibung einer Mastektomie ohne Narkose. 1810 stellte sich bei Fanny Burney der Verdacht auf Brustkrebs ein, und um ihr Leben zu retten, unterzog sie sich dieser Behandlung – um später eindringlich darüber zu schreiben. Es folgt meine eigene Übersetzung (Originaltext auf der englischen Wikipedia-Seite), nicht für empfindliche Gemüter:

„Ich bestieg also ungefragt das Lager – und M. Dubois legte mich auf die Matter, & legte ein Batisttuch auf mein Gesicht. Es war jedoch durchsichtig & ich sah, dadurch, dass das Lager augenblicklich umkreist war von den 7 Männern und meiner Krankenschwester. Ich weigerte mich, festgehalten zu werden; doch als ich, hell durch das Batist, den Glanz des polierten Stahls sah – schloss ich meine Augen. (…) Jedoch – als der fürchterliche Stahl in die Brust gestoßen wurde – durch Venen, Arterien, Fleisch, Nerven schneidend – benötigte ich keine Anweisungen, meine Schreie nich tzu unterdrücken. Ich begann einen Schrei, der ununterbrochen andauerte über die ganze Dauer des Schnittes – und ich wundere mich fast, dass er mir nicht noch immer in den Ohren schallt? so quälend war die Pein. Als die Wunde gemacht war und das Instrument zurückgezogen wurde, schien der Schmerz ungemildert, denn die Luft, die plötzlich in diese empfindlichen Bereich trieb, fühlte sich an wie eine Masse winziger doch scharfer und spitzer Dolche, die die Ränder der Wunde zerrissen. Ich schloß, dass die Operation vorüber sei – Oh nein! sofort wurde das fürchterliche Schneiden wieder aufgenommen – & schlimmer als je, um den Boden, das Fundament der scheußlichen Drüse zu trennen von den Bereichen, an denen sie hing – Wieder wäre jede  Beschreibung müßig – jedoch wiederum war es nicht vorüber, – Dr. Larry ruhte nur seine Hand aus, & – Oh Himmel! – dann fühlte ich das Messer an das Brustbein gebracht, um es zu abzuschaben!“

Seien wir dankbar für die Zeit, in der wir leben dürfen.

Bild: Scanned by Phrood; Original by Edward Francesco Burney (1760-1848) – Doody, Margaret Anne. Frances Burney: The Life in the Works. New Brunswick: Rutgers University Press, 1988., Public Domain

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Von 99 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 7 (inklusive Fanny Burney) Frauen:

13.6.1561 Anna Maria von Anhalt
15.6.1584 Anna Sophia von Anhalt
16.6.1644 Henrietta Anne Stuart
13.6.1672 Anna Maria Franziska von Sachsen-Lauenburg
15.6.1727 Charlotte Elisabeth Nebel
18.6.1754 Anna Maria Lenngren

KW 23/2016: Juliane von Hessen-Philippsthal, 8. Juni 1761

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Eine in allen Belangen traurige Woche, auch und ganz besonders in der Auswahl an wegweisenden Frauen, die vor dem 19. Jahrhundert geboren wurden… Auf gerade einmal sechs beläuft sich ihre Zahl, alle davon vor allem durch ihre Adelsfamilien und die Eheschließungen mit Regenten bzw. anderen Adeligen nennenswert.

Juliane von Hessen-Philippsthal ist immerhin für zwei Dinge erwähnenswert. Erstens ließ sie sich nicht so einfach die Regierungsgeschäfte entreißen, als ihr Mann Philipp II. Ernst von Schaumburg-Lippe verstarb und sie mit ihrem unmündigen Sohn zurückließ. Wilhelm von Hessen-Kassel wollte sich ihr Lehen unter den Nagel reißen (als „heimgefallenes Lehen“, was vermutlich so viel bedeutet wie „gerade ist kein ernstzunehmender Regent da“), sie schaltete den Reichshofrat ein und bekam militärische Unterstützung aus Hannover und Preußen.

Vor ihrem Tod führte sie ihr Lehen mit klugem Kopf, unter anderem war sie eine entscheidende Mitwirkende bei der Einführung der Pockenschutzimpfung (siehe Mary Wortley Montagu). Sie verstarb an einer schweren Erkältung, bevor ihr Sohn mündig wurde und die Regierung übernehmen konnte.

Bild: By Unidentified painter18th-century portrait painting of women, with Unspecified, Unidentified, Unknown or Anonymous artist, Public Domain

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Von 97 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 6 (inklusive Juliane von Hessen-Philippsthal) Frauen:

8.6.1318 Eleonore von England (Geldern)
11.6.1527 Anna Sophia von Preußen
12.6.1561 Anna von Württemberg
12.6.1653 Amalia von Kurland
10.6.1711 Amelia Sophie von Großbritannien, Irland und Hannover

KW 22/2016: Christiane von Goethe, 1. Juni 1765

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Ich versuche zu vermeiden, Frauen nur über ihre Beziehungen zu berühmten Männern zu definieren. Bei einem Mann wie Goethe und einer Frau wie seiner mache ich eine Ausnahme.

Christiane Vulpius war eine Frau von niederem Stand und die noch uneheliche Beziehung zum Geheimrat Goethe wurde in Weimar mit Ächtung gestraft. Sie gebar ihm einen Sohn, noch bevor er sie offiziell zur Frau nahm – doch lebte sie mit ihrer Schwester und Tante bei ihm und führte den Haushalt. In dieser Funktion rettete sie seinen Hausstand, als die Truppen Napoleons in Weimar einmarschierten: Christiane Vulpius stellte sich ihnen im Haus entgegen und konnte die Zerstörung abwenden, bis Goethe selbst mit dem Kommandanten verhandeln konnte. Danach erst steckte er ihr endlich einen Ring an den Finger. Er begann auch, sich für sie in der Weimarer Gesellschaft einzusetzen, und Schopenhauers Mutter zeigte sich gnädig mit den Worten: „Wenn er ihr seinen Namen gibt, werden wir ihr wohl eine Tasse Tee geben können.“

Christiane war Motiv und Gegenstand einiger der schönsten Gedichte Goethes. Als sie nur 51jährig an Nierenversagen starb, war er gebrochen und wohnte nicht einmal selbst ihrer Beerdigung bei. Schillers Ehefrau blieb wohl dem Dünkel verhaftet, als sie sich anderweitig schriftlich darüber wunderte, wie er nur über „dieses Objekt“ weinen könne. Es war ihre Lebenslust, Pragmatik, auch ihr Sinn für Ästhetik, den Goethe an Christiane liebte. Ihren Grabstein zieren die Worte: „Du versuchst, o Sonne, vergebens, durch die düstren Wolken zu scheinen. Der ganze Gewinn meines Lebens ist, ihren Verlust zu beweinen.“

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Von 107 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 9 (inklusive Christiane von Goethe) Frauen:
5.6.1420 Anna von Sachsen
31.5.1527 Agnes von Hessen
4.6.1604 Claudia de‘ Medici
2.6.1699 Marie Thérèse Rodet Geoffrin
3.6.1765 Friederike Brun
5.6.1777 Catherine Josephine Duchesnois
3.6.1779 Marie von Clausewitz
5.6.1782 Luise von Haugwitz

nur das nötigste

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diese brust ohne kopf und beine steht neben dem whirlpool im hotel georgshöhe auf norderney.

KW 21/2016: Mary Wortley Montagu, 26. Mai 1689

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Neben einer regen schriftstellerischen Tätigkeit, unter anderem mit Berichten aus den Frauenräumen des Osmanischen Reiches als Ehefrau des englischen Botschafter in Istanbul, als Lyrikerin und Verfasserin politischer Texte, war Mary Wortley Montagu eine Pionierin des medizinischen Fortschritts. Nachdem sie ihren Bruder an die Pocken verloren  und selbst eine Erkrankung mit deutlichen kosmetischen Schäden überlebt hatte, brachte sie aus dem Osmanischen Reich die Variolation (Inoculation) mit: das gezielte Infizieren durch die Erreger eines milden Falles der Pocken. Sie ließ dies nicht nur bei ihren beiden eigenen Kindern durchführen, nachdem sie die Erfolge der Osmanen damit gesehen hatte, sondern brachte auch den englischen König George I. und dessen Tochter Caroline dazu, ihre Kinder bzw. dessen Enkel so gegen die Pocken zu immunisieren – selbstverständlich erst, nachdem die Variolation zunächst an zum Tode verurteilten Verbrechern getestet wurde. Diese waren danach nicht nur gegen die Pocken immun, sondern auch wieder auf freiem Fuß. Die Variolation blieb für etwas 50 Jahre die Methode der Wahl für die Immunisiserung, bis die Impfung, wie wir sie heute kennen, entwickelt wurde.

Zu Mary Wortley Montagus literarischer Arbeit ist noch zu sagen, dass sie, wohl zu Recht, über die bisherigen Reiseberichte aus dem Orient recht gehässig sprach – dass dort Männer ihre Fantasien auslebten, weil sie schlicht nicht wüssten, was in den ihnen unzugänglichen Orten wirklich vorging. Es zirkulierten über die Frauenbadehäuser selbstverständlich Gerüchte und Vorstellungen davon, dass in diesen reinen Frauen-Räumen sexuelle Ausschweifung und Freizügigkeit herrschte – weil Frauen allein gelassen untereinander natürlich nichts als Sex im Kopf haben können. Lady Montagu rückte das Bild mit ihren eigenen Erfahrungsberichten gerade: dass dort schlicht das soziale Leben stattfand, ohne die störenden Einflüsse der Männer. Trotzdem fanden vor allem ihre Beschreibungen der orientalischen weiblichen Körper Beachtung und wurden wiederum für die Auswertung in erotischen künstlerischen Darstellungen verwendet.

Bild: By Charles Jervas – The Yorck Project (2002) 10.000 Meisterwerke der Malerei (DVD-ROM), distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH. ISBN: 3936122202., Public Domain

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Von 102 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 4 (inklusive Mary Wortley Montagu) Frauen:
29.5.1627 Anne Marie Louise d’Orléans
27.5.1653 Liselotte von der Pfalz
25.5.1775 Charlotte Joachime von Spanien

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