frauenfiguren

KW 51/2013: Margaret Mead, 16. Dezember 1901

Margaret Mead

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Margaret Mead verdanken wir, dass über das Sozialverhalten von Männern und Frauen nicht mehr als biologische Gegebenheit, sondern als kulturell beeinflusstes Ergebnis der Gesellschaft gesprochen wird.

So scharf ihre Arbeit über das Sexualverhalten kritisiert wurde, so sehr wurde sie auch verteidigt – und so oder so führte allein der Gedanke, dass Frauen nicht per se monogam leben müssen, mit zur sexuellen Revolution. (Dass diese zunächst auch wiederum eher positiv bestärkend für die Männer verlief, sei hier nicht Thema. Immerhin können wir doch auf Basis der freien Liebe nun auch als Frauen über unseren sexuellen Genuss und alle Bereiche, die davon tangiert sind, sprechen.)

Die Kritik an ihrer Arbeit – unter anderem, dass sie bestimmte Ziele verfolgte, ihre Ergebnisse mithin schon formuliert waren, und sie zum Teil leichtgläubig und vorurteilsbehaftet forschte – sind durch zahlreiche Gegenkritiken inzwischen nicht mehr (wie der deutsche Wikipedia-Artikel den Anschein gibt) der letzte Stand der Frage. Meines Erachtens ist es jedenfalls wichtiger, Variationen zu akzeptieren und tolerieren, als genauestens zu wissen, ob sich Menschen aus biologischen oder kulturellen Gründen verhalten wie sie sich verhalten.

Bild: Von Smithsonian Institution from United States – Margaret Mead (1901-1978)Uploaded by Fæ, No restrictions

KW 50/2013: Ada Lovelace, 10. Dezember 1815

Ada Lovelace

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Ada Lovelace war, unwahrscheinlicherweise als einziges eheliches Kind des berühmt-berüchtigten Lord Byron, eine Mathematikerin und die erste Computerprogrammiererin der Geschichte.

Dank ihrer alleinerziehenden Mutter, die mathematisch begabt war und Geografie und Astronomie studiert hatte, wurde Adas intellektuelle Neigung gepflegt und gefördert. Und sie hatte das Glück, einen Mann zu heiraten, der ihre Bildung nicht nur akzeptierte, sondern sogar unterstützte, indem er Mitglied der Royal Society wurde, nur um für sie mathematische Artikel aus der Bibliothek zu kopieren – die sie als Frau nicht betreten durfte (ganz davon abgesehen, dass sie als Frau nicht selbst Mitgleid werden konnte). Dennoch war sie unglücklich, da selbst unter diesen günstigen Voraussetzungen nach ihrem Empfinden zu viel Zeit ihres Lebens in Kindererzieung und Haushalt investiert werden musste statt in ihre geliebte Mathematik.

Als der Mathematiker Charles Babbage begann, eine Rechenmaschine zu planen, die die Bernouille-Zahlen ermitteln könnte, arbeitete Ada Lovelace eng mit ihm zusammen an der Programmierung dieser Maschine. Der erste Computer der Geschichte scheiterte zu diesem Zeitpunkt nicht an den Fähigkeiten seiner Entwickler, sondern an den Feinheiten der Technik, die handwerklich noch nicht hergestellt werden konnten.

Als die Technologie schließlich weit genug fortgeschritten war, benannte der Erfinder der ersten nutzbaren Programmiersprache diese ihr zu ehren Ada. Das rheinlandpfälzische Mentoring-Netzwerk zur Förderung von Frauen in MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik)-Fächern nennt sich das Ada-Lovelace-Projekt.

Bild: Von Margaret Sarah Carpenter – Art Work Details page.Original upload was at English wikipedia at en:File:Ada_Lovelace.jpg, Gemeinfrei

cat people

paul schrader, USA 1982
zunächst mal, um das offensichtliche aus dem weg zu räumen: die weibliche sexualität als unbezähmbare macht, als lebensbedrohliche gefahr für den partner – ein alter hut, aber immer wieder spannend und an sich für mich auch nicht verwerflich. immerhin räumt diese fantasie, diese neurose der frau macht ein.
der film mit seiner erotik und dem inszest-thema hätte für meinen geschmack aber gut dann zu ende sein können, als sich irena (nastassja kinski) mit dem zug in richtung norden aufmacht – auf die erfüllung ihrer liebe, aber auch ihres fluches verzichtend. ein tristes ende wäre das zwar, aber immerhin eins, das ihr ein restliches leben außerhalb ihrer sexuellen prädisposition gewährt hätte.
stattdessen gibt es ein deutliches übergewicht an kinski-brüsten im letzten drittel des films und eine entwicklung, die mir die haare zu berge stehen lässt. nicht nur darf die sexuell bedrohliche frau nicht leben, ohne ihrem „fluch“ anheim zu fallen – sie darf nicht mal, wie jeder anständige gestaltwandler im film, in würde sterben! jeder werwolf (mann) wird erschossen, um seinem leid ein ende zu setzen. auch im original – dem man aufgrund seiner entstehungszeit ja einiges nachsehen würde – darf die frau ein tragisches, aber integeres ende finden.
nein, irena wird in einer unangenehmen szene ans bett gefesselt und beschlafen, um sich dann als schwarzer panther im gehege im zoo wiederzufinden – wo oliver (john heard), der inzwischen mit der sympathischen, aber natürlich langweiligeren kollegin liiert ist, ihr zwischen frühstück und mittagspause ein paar brocken fleich hereinreicht, um sie mit sehnsüchtigen blicken zu liebkosen. dort wird sie jedenfalls keinen sex mehr haben.
mag sein, das ende ist weniger tragisch gemeint als der übliche „tod durch silberkugel“. mag sogar sein, der film soll genau dieses mein empfinden als das tragischste ende zeigen. mir erschien es leider, als solle dies das happiest ending unter den gegebenen voraussetzugnen sein, wozu ich nur sagen kann: nopenopenope. das ist die ulitmative domestizierung der frau, eine entzahnung der vagina dentata. einfach nur gruselig.

KW 49/2013: Ellen Swallow Richards, 2. Dezember 1842

Ellen Swallow Richards

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Ellen Swallow Richards war die erste Frau, die am MIT studierte; auf ihre Initiative hin wurde das Women’s Laboratory gegründet, an dem Frauen wissenschaftliche Studien absolvieren konnten, bevor die Universität im Ganzen sich für das Frauenstudium öffnete.

Außerdem war sie die erste, die mit einer Prüfung der Wasserqualität der Gewässer in Massachusetts beauftragt wurde, und ihre Untersuchungen führten zur Einführung eines Wasserqualitäts-Standards.

Ein etwas extensiverer Beitrag zu ihr ist auf Chemheritage zu finden.

Bild: Gemeinfrei

krankschreibung

in einem gut organisierten blog-haushalt sollte das natürlich eigentlich nicht vorkommen, und ich schwöre, ich habe schon kandidatinnen für die frau der woche gesichtet. leider haben es verschiedene umstände verhindert, dass ich ordentlich vorarbeiten konnte… und so stehe ich jetzt diese woche da und habe leider keinen beitrag für euch.
mit reizhusten, verschleimten nebenhöhlen und – aufgrund der umstände – keinerlei gestatteter medikation muss ich diese und wahrscheinlich nächste woche aussetzen.
mit besten absichten für den rest des jahres gelobe ich besserung. Vor allem meines gesundheitszustands.

the lords of salem

rob zombie, USA 2012
the lords of salem ist der erste film von rob zombie, den ich richtig richtig mag. house of 1000 corpses und devil’s rejects haben mich hauptsächlich abgestoßen, halloween war zwar stark, wenn ich mich richtig erinnere, hatte aber wenig mit mir zu tun. ein bisschen abgestoßensein gab’s auch, glaube ich.
the lords of salem ist dagegen geradezu ein frauenfilm. möglicherweise als ergebnis der dritten welle des feminismus, die rollt und rollt, tauchen verstärkt filme auf, in denen die mächtige frau, die hexe, eine umkehrung ihrer geschichte erfährt – die mächtige frau noch immer als bedrohung, aber im wesentlichen mit einem gerechtfertigten rachefeldzug und am ende obsiegend statt zur rettung der welt in ihre grenzen gewiesen. ein ähnliches beispiel dazu wäre für mich das remake von the wickerman.
ursprünglich wollte ich schreiben, dass die hexen von salem in diesem lichte gar nicht als die bösen erscheinen, aber nach einem kurzen realitäts-check muss ich revidieren: mir geht einfach die angst vor einer weltordnung ab, in der alte und  pummelige nackte frauen die herrschaft innehaben. lucifer hin oder her – auch wenn die alten hexen bedrohlich und zerstörerisch daherkommen, finde ich ihre schamlose selbstsicherheit im makelbehafteten körper ansprechend.
noch mehr gilt das für die drei ausführenden hexen der gegenwart. es ist fast sexy zu nennen, wie diese drei die machtverhältnisse in der verbalen und non-verbalen kommunikation umdrehen (und ich muss rob zombie ein lob für seine beobachtungsgabe aussprechen). zwei szenen, an denen ich das besonders fest mache:
als francis matthias (bruce davison) bei den drei schwestern lacey (judy gesson), megan (patricia „magenta“ quinn) und sonny (dee wallace) sitzt und in seiner freundlich-naiven art noch gar nicht versteht, wem er gegenüber sitzt. da sagt lacy etwas zu ihm und er lacht – unsicher, höflich, im glauben, ein gleichberechtigtes gespräch zu führen. lacey bringt ihn schnell und eiskalt auf den boden der tatsachen: „why are you laughing? i’m not laughing!“ sie bestimmt das gespräch, sie dominiert ihn und seine äußerungen. mehr noch, sie wird ihn mit den nächsten sätzen in eine unangenehme unterlegenheit zwingen, die sein geschlecht zum anlass von abscheu und ablehnung macht.
später will whitey (jeff daniel phillips) heidi (sheri moon zombie) abholen, und die drei hexen sitzen auf der treppe, die zu ihrem appartement führt. die bedrohlichkeit dieser situation mit umgekehrten vorzeichen ist festgeschrieben in die wahrnehmung jeder frau: an drei männer auf der treppe vorbeizugehen – die nicht platz machen, die taxieren und kommentieren – wird jede frau als unangenehm und bedrohlich wahrnehmen. die dominanz dieser frauen ist so deutlich, so unausweichlich, dass whitey so verletzlich wirkt wie ein teenager-mädchen, das an den alpha-männern eines sozialen wohnungsbaus vorbeigehen muss.
diese beobachtung und der schleichende, atmosphärische grusel, der nicht zuletzt durch das set design und das licht generiert werden, machen den film zu einem neuen lieblingsfilm.

KW 46/2013: Henriette Arendt, 11. November 1874

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Henriette Arendt gilt als erste deutsche Polizistin. Nach einer Ausbildung zur Krankenschwester und verschiedenen Tätigkeiten in dem Bereich wurde sie 1903 als Polizeiassistentin bei der Untersuchung aufgegriffener Frauen eingesetzt.

Sie geriet schon 5 Jahre später mit ihrer Behörde in Konflikt – aufgrund „mangelnder Loyalität“, woraus man schließen kann, dass die Interessen der Frauen und Kinder mehr im Auge hatte als den Vollzug des Gesetzes.
Sie war auch die Tante der Politik-Philosophin Hannah Arendt.

KW 45/2013: Qiu Jin, 8. November 1875

Qiu Jin

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Qui Jin gilt als Martyrerin der Revolution gegen die Quing-Dynastie und der Frauenbewegung in China. Sie hatte das Glück, in einem Haushalt aufzuwachsen, in dem sie nicht nur intellektuell, sondern auch im physischen Ausdruck gefördert wurde.

Unter ihren Errungenschaften als Revolutionärin sticht für mich – als in fernöstlicher Politik nicht Versierte – vor allem der erfolgreiche Kampf gegen die Lotosfüße hervor. Diese sind ein Beispiel für die Perversionen, die archaische Schönheitideale hervorbringen – natürlich als Leidtragende wie so oft die Frauen. Beginnend wahrscheinlich mit einer Konkubine des Kaisers Li Yu im 10. Jahrhundert, die ihre Füße zunächst nur zum Tanzen bandagierte, setzte sich die verkrüppelnde Tradition bis ins 20. Jahrhundert fort, mit Qui Jins Einsatz in organisierten Elterngruppen als entscheidende Maßnahme.

Neugierige mit starken Nerven/Magen können sich die Praxis auf Wikipedia anschauen. Das lange Elend kurz gefasst: Kleinen Mächen zwischen 4-7 wurden die Zehen außer dem großen gebrochen und unter den Fuß gebunden, ebenso wurde die Ferse mit Bandagen, die bis zu täglich gewechselt werden mussten, zum vorderen Ballen hin gebunden. Ziel war eine Fuß“größe“ von 7cm. Je kleiner die Füße, desto schöner – allerdings auch: desto weniger beweglich die Frau. Ans Haus gefesselt zu sein und sich nur in Trippelschritten vorwärtsbewegen zu können, wurden – wie sollte es anders sein – zum auserkorenen Ideal und sexuellem Merkmal. Glücklich die Frauen, die aus armen Familien stammten, in denen jeder Fuß, egal welchen Geschlechts, für die Arbeit benötigt wurde. Achja, schlecht riechen tat es auch, weshalb die Bandagen auch nachts nicht abgenommen wurden – sonst wäre der Geruch zu streng geworden. Die Füße auszupacken hätte schließlich auch die erotische Fantasie zerstört – ein Lotusfuß sieht nur verhüllt „schön“ aus. Die schmerzliche Realität konnten meist nicht mal die Fetischisten verkraften.

Der wackelige Gang, der als Resultat der gebunden Füße als erotisierend galt, ist übrigens verwandt mit der unsicheren Balance, die hochhackige Schuhe mit sich bringen. Machen wir uns nichts vor: Auch bei uns kann eine Frau mit festem Stand nicht leicht zum Lustobjekt werden.

Bild: By Unknown, Public Domain

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