frauenfiguren

it's about choice

man lernt jeden tag was neues. ich habe gelernt, dass die frau von neil gaiman eine musikerin und kabarettistin namens Amanda Palmer ist. erfreulich daran: ihre ansicht, was feminismus eigentlich ist, deckt sich mit dem, was sich so gerade an fragen, möglichkeiten und hoffnungen in meinem kopfherz bewegt.
ich für meinen teil weiß auch nicht, ob feminismus unbedingt männerhass und geschlechterkampf sein muss; wenn, dann kann ich auf die bezeichnung „feministin“ verzichten. bevorzugen würde ich, wenn feminismus bedeutet, dass ich als frau frei bin davon, dass mir aufgrund meines geschlechtes bezüglich äußerem, verhalten und vorlieben vorschriften gemacht werden. sowohl von seiten der konservativen rollenklischees wie auch der kämpferinnen für den „guten kampf“. diese freiheit würde ich dann selbstverständlich auch für männer ersehnen – eine kommentatorin des verlinkten artikels sagt sehr treffend, dass es beim feminismus ursprünglich um die gleichen rechte für frauen wie für männer geht; das heißt, dass er auch beinhaltet, die männer von ihren nachteiligen zwängen zu befreien. von daher ist das wort feminismus dann tatsächlich irreführend, aber bis jemand mit einem besseren wort kommt, dass sich durchsetzt, bleiben wir halt dabei. (vielleicht suche ich auch nur eine entschuldigung dafür, warum ich nicht widerstehen kann, meiner tochter auch die zehennägel zu lackieren, wenn sie „will auch!“ sagt. nach meinem gefühl jedenfalls geht es nicht darum, sich als frau so oder so verhalten zu müssen, sondern die freiheit der wahl zu haben, die freiheit, ein individuum zu sein. also: lackierte zehennägel zu haben, aber lieber turnschuhe als highheels zu tragen. als beispiel.)

KW 33/2012: Laura Mulvey, 15. August 1941

Laura Mulvey

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Laura Mulvey hat den bahnbrechenden feministisch-filmtheoretischen Artikel Visual Pleasure and Narrative Cinema geschrieben. Ich hole die Lektüre derzeit nach, aber der Inhalt des Artikels ist für dieses Blog auch gar nicht so sehr interessant – wie die meisten wissenschaftlichen Arbeiten stehen die Thesen jederzeit zur Diskussion. Sie selbst hat die Aussage später wohl in einem weiteren Artikel gemildert und umformuliert, als Erstschlag einer feministischen Betrachtungsweise in der von der männlichen Betrachtungsweise dominierten Welt des Films, der Wissenschaft und der Filmwissenschaft hat der Artikel jedoch seine ursprünglichste Existenzberechtigung.

Der Artikel ist die Quelle eines Begriffsrahmens, der mir nicht nur bei der Benennung, sondern zum Teil überhaupt erst beim Erkennen eines Gefühls hilft, das ich des öfteren beim Filmekucken habe: Nämlich die irritierende Wahrnehmung des männlichen Blicks. Gerade in meinem Lieblingsgenre, dem Horrorfilm, werden Frauen ja sowohl als Sexualobjekt wie Mordopfer – eine psychoanalytische Identität beider Rollen dahingestellt – bevorzugt und ihre Darstellung ist oft genug eine exploitative. D.h.: Die Mädels sind im Film so, wie Mann sie gerne sieht. Für mich als weibliche Zuschauerin ergibt das ein merkwürdiges Emotionsgemisch, da ich mich tatsächlich (dies ist valide Kritik an Mulveys Artikel) auch als Frau mit dem jeweiligen Protagonisten bzw. dem angesprochenen männlichen Zuschauer identifizieren kann – der „männliche“ Spaß am Film mithin auch meiner ist. Gleichzeitig jedoch identifiziere ich mich per default auch mit dem weiblichen Objekt/Opfer, was mich nicht nur in meiner Identifikation mit dem gesehenen Filmbild ins Dilemma stürzt, sondern sich auch in einer merkwürdigen Paranoia niederschlägt, die urplötzlich alle im Kinosaal (oder Wohnzimmer) befindlichen Männer zu (potentiellen) Spannern und/oder Aggressoren macht.

Eine ausgesprochen grafische Versinnbildlichung der Situation weiblicher Zuschauerinnen bei der Beanspruchung des männlichen Blicks findet sich übrigens in Katheryn Bigelows Strange Days, in der ein Vergewaltiger seinem Opfer den Livestream der Vergewaltigung aus seiner Sicht ins Hirn spielt. Ein mise-en-abyme aus Ausgeliefertsein, Schuldgefühl und sexueller Lust, bei dem sich mir persönlich der Magen umdreht.

Ein anderer Film, der mir in diesem Assoziationsraum einfällt und zu differenzierter Betrachtung einlädt, ist Neil Marshalls The Descent. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich ihn gesehen habe, daher will ich nicht zu sehr ins Detail gehen, aber zu Überlegungen anregen, inwieweit dieser Film auch einen männlichen Blick einsetzt. Ist denn der Blick der Kamera per se männlich? Was würde das für diesen, in meiner Erinnerung ausgesprochen emanzipierten Film bedeuten? Mit seinen sechs weiblichen Hauptfiguren, die sich auch, aber nicht nur über ihre Beziehungen zu Männern unterhalten (womit der Film den Bechdel-Test mit Bravour besteht) und die als starke, aktive und kompetente Charaktere gezeichnet werden, habe ich ihn damals als eine ausgesprochene Wohltat im ansonsten sehr auf männliche Interessen und Vorlieben ausgelegten Horrorgenre erlebt. Nichtsdestotrotz lässt sich das Absteigen in eine dunkle Höhle, in der dann tödliche Gefahr lauert – nicht nur von der zu erwartenden Seite – als männliche Angst vor der Vagina dentata lesen. Ist dies also auch nur die intellektualisierte, verklausulierte Version eines „typisch männlichen“ Horrorszenarios? Oder – noch schlimmer – eine filmische Misogynie, die ihresgleichen sucht? Die ausschließlich weibliche Besetzung bedeutet ja für einen solchen Horrorfilm, dass alle Getöteten Frauen sind (zumindest auf der Protagonistenseite)!
Wenn also der Blick der Kamera per se männlicher Blick ist, dann ist dieser Film nicht emanzipiert, sondern auf höchster Ebene frauenverachtend. In meiner wohlwollenden Interpretation hingegen ist der Blick der Kamera zunächst neutral, doch durch das mise-en-scene und die gezeigten Objekte kann er explizit männlich werden. Im Falle von The Descent ist es eben die wenig klischeehafte und eben nicht objektifizierende Darstellung, die es nicht zulässt, diesen Film auf diese Art zu lesen.

Eine (anscheinend) lesenswerte Erörterung von Mulveys Essay kann man hier lesen.

Bild: Von Mariusz Kubik – Eigenes Werk, CC BY 3.0

KW 32/2012: eine Möbeldesignerin, eine Keramikdesignerin

Eileen Gray, 9. August 1878
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Eileen Gray Google-Ergebnis Frauenfiguren

Margerete Heymann-Loebenstein-Marks, 10. August 1899
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Margarete Loebenstein-Marks Google-Ergebnis Frauenfiguren

Sie interessiert mich nicht nur wegen ihrer umwerfenden schönen, klaren und farbenfrohen Designs, sondern auch, weil die Geschichte um ihre Enteignung im Dritten Reich und die anderen Frauen, die dabei eine Rolle spielten, nämlich Hedwig Bollhagen und Gretel Schulte-Hostedden (die 2 Tage und 3 Jahre später, am 12. August 1902 geboren wurde und also auch ein Geburtstagskind dieser Woche ist), mich fesselt. Die Frage, die mich dabei beschäftigt, ist, wie problematisch ich das sehe, dass die beiden anderen Designerinnen von dieser Enteignung so profitiert haben – auch wenn Gretel Schulte-Hostedden sich ganz klar gegen das Naziregime geäußert hat. Da sind so viele Grauzonen drin, dass ich mit meinen Überlegungen zu keinem Schluss kommen kann.
Übrigens gibt es einen schönen Beitrag über sie bei Margaret Almon, bei dem ich auch die Bilder oben gefunden habe.

partners

james burrows, USA 1982
auf die – wenigen – frauenfiguren im film will ich gar nicht eingehen, die sind sowieso nur den helden charakterisierendes beiwerk oder plot point. da es in dem film auch vor allem um homosexualität, homophobie und hetero-vorurteile geht, ist das völlig in ordnung.
aber eine szene fand ich für dieses blog sehr interessant. der unwillentlich in eine vorgetäuschte homo-beziehung gesteckte vollblut-hetero und weiberheld benson lässt sich zwecks ermittlung in einem mordfall von einem getäuschten und interessierten homosexuellen begrapschen. nicht nur sieht man ihn unter der objektifizierung sichtlich versteinern, seine erschütterung und seine äußerung in der anschluss-szene haben mir den film für den rest seiner laufzeit sympathisch gemacht (abgesehen davon, dass ich den vorwurf der homophobie nicht nachvollziehen kann).
leider kann ich das wortgetreue zitat nirgendwo finden. im prinzip äußert benson (gespielt von ryan o’neal) seine plötzliche und überwältigende einsicht, wie es sich für frauen anfühlen muss, beständig als freiverfügbares objekt gesehen zu werden, vielleicht sogar noch mit der erwartung, sich geschmeichelt fühlen zu sollen, wenn ungewollte berührungen stattfinden.
diese äußerung brachte ein neues gewicht in ein gespräch, das ich mit meinem mann darüber geführt habe, wie wenig männer verstehen können, was das leben als frau ausmacht. mich selbst hat eine wahrheit erst mit der geburt meiner tochter getroffen: dass ich sie nicht davor werde bewahren können, dass sie aufgrund ihres geschlechtes die erfahrung sexueller übergriffe machen wird. statistisch überhaupt nicht untermauert, bin ich überzeugt, dass jede frau in ihrem leben in irgendeiner form ein erlebnis hatte, in dem sie wegen und an ihrem geschlecht körperlich angegangen wird – die eine traumatisch, die andere in verkraftbarem maß. gemein ist allen frauen, dass ihre primären und sekundären geschlechtsmerkmale für männer offenbar freiwild sind, also ohne mit der authorität rücksprache zu halten zu erlegen gestattet. eine authorität über den weiblichen körper gibt es mithin nicht – ihre eigene bestimmungsgewalt darüber wird komplett negiert.
ich will und wollte nie leugnen, dass die herrschenden rollenklischees und -erwartungen auch heranwachsenden männern unangenehme erfahrungen bescheren. doch ich meine immer noch, es ist ein entscheidender unterschied zwischen den geschlechtern, wie sexualität dabei instrumenatlisiert wird – ich bin noch nicht ganz in der lage, den finger darauf zu legen. nur eins ist sicher: sexualität ist für frauen (und, wie der film partners zeigt, wohl auch für homosexuelle) kein ausschließlich angenehmer aspekt des lebens. sie ist nicht nur quelle der freude und lust – wie es im idealfall sein sollte – sondern immer auch eine verletzliche stelle, die es zu schützen und abzuschirmen gilt, die mit scham und schuld besetzt ist.
was es bedeutet, als person auf einen körper reduziert zu sein, der zur freien verfügung angesehen wie auch als mittel zum zweck eingesetzt wird, bringt diese szene schön auf den punkt.
mein mann nimmt darauf auch bezug.

KW 31/2012: Gerda Taro, 1. August 1910

Gerda Taro-Anonymous

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Mal wieder eine Fotografin… Dieses Mal aber nicht nur wegen des schnellen Artikels mit wenig Text, sondern weil sie mich an eine der wenigen Lektüren in meinem Studium erinnert, bei der ich wirklich ein „Schuppen von den Augen“-Gefühl hatte, was politische Geschichte angeht. Aber dazu gleich.

Gerda Taro war eine Fotografin, die sich vor allem durch ihre Bildzeugnisse aus dem Spanischen Bürgerkrieg einen Namen machte und die erste (?) Kriegsreporterin, die diesem Konflikt im weiteren Sinn zum Opfer fiel (sie wurde in einem Unfall eines Krankentransportes mit einem Panzer tödlich verletzt).

Sie hat dieses eine Foto geschossen, dass (nicht nur) ich ganz besonders toll finde – ohne mich dabei für bewaffnete Konflikte aussprechen zu wollen (schon aber pro Revolution, wenn die Umstände es verlangen).

Vom Spanischen Bürgerkrieg habe ich mir erst so richtig ein Bild machen können, als ich George Orwells Homage to Catalonia (Mein Katalonien) gelesen habe. Mit Sicherheit nicht eines seiner literarisch besten Bücher, aber ein erschütternder Einblick in die zerrütteten Verhältnisse der Linken im damaligen Europa. Inklusive der Erkenntnis, dass es den Alliierten beim Krieg gegen Hitler nicht so sehr um seine Rassen- als vielmehr um die Expansionspolitik ging… das war mir bis zu dem Zeitpunkt nie so klar gewesen, dass da rein wirtschaftliche Interesse der Antrieb waren. Die im isolierten Spanien keine Rolle spielten, in dem doch auch massenweise Menschen aufgrund ihrer politischen Orientierung (oder auch ihrer Religion, von anderer Seite, dies soll nicht verschwiegen werden) umgebracht wurden. Dass der Faschist Franko noch jahrelang Kommunisten und Regimekritiker umbringen konnte, ohne dass ihm die Alliierten auch nur auf die Finger gehauen hätten, hing dann natürlich auch noch mit dem Kalten Krieg zusammen. George Orwells Desillusionierung im Spanischen Bürgerkrieg ist jedenfalls dann 1984 geschuldet. Wenige Bücher haben meine politische Meinungsbildung aber so sehr geprägt wie sein Erfahrungsbericht aus Katalonien.

Eine Erläuterung, warum Taro so lange unbekannt im Schatten ihres Kollegen und Geliebten Robert Capa blieb, bietet ein Artikel beim Telegraph. Und die Bildersuche nach Gerda Taro hat mich zu diesem ausgesprochen interessanten und differenzierten Artikel gebracht, der die Frage stellt, ob Männer und Frauen unterschiedliche Fotos machen… eine Frage, die mit vielerlei Argumenten unbeantwortet bleibt.

Bild: By Anonymous (icp.org) [Public domain], via Wikimedia Commons

ScissorSheldon.com

sarah silverman – um bei den wichtigen punkten anzufangen: sie ist klug und witzig. sie hat eine meinung (die ich günstigerweise oft teile). und – das ist ja ebenso wichtig, um aus einer erfolgreichen, starken frau keinen pseudo-mann zu machen: sie ist attraktiv und weiß sich „feminin“ in szene zu setzen.
sie hat jetzt eine seite gestartet – ernsthaft betrachtet: um darauf hinzuweisen, wie die konservativen milliardäre in den USA ihr geld in die wahlkampagnen des republikaners mitt romney pumpen. da werden natürlich klare interessen erkennbar.
es ist ihr humor, der das ganze so unschlagbar macht und die unterstützer der unterschiedlichen parteien so klar gegeneinander stellt: sie macht einem der milliadäre ein angebot, das er eigentlich kaum ausschlagen kann…

hier auch gleich der link zur seite!
PS: hier ein kritischer text dazu. jedes ding hat zwei seiten – ich find’s trotzdem noch lustig.

mann, konstruiert

am donnerstag, 19. juni, läuft die gender-experiment-dokumentation Man For A Day von Katarina Peters in den kinos an. Peters hat einen workshop von gender-aktivistin Diane Torr in berlin mit der kamera begleitet, in dem frauen sich, zunächst äußerlich, in männer verwandeln konnten. sicher eine interessante erfahrung, dabei gewesen zu sein. den film zu sehen, könnte daher auch interessant sein.

Diane Torr hat natürlich auch eine eigene webiste.

WEG MIT
§218!