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1/2019: Elisabeth Trube-Becker, 4. Januar 1919

Elisabeth Trube-Becker promovierte mit 23 Jahren, mitten im Zweiten Weltkrieg, als Doktorin der Medizin und erlangte neun Jahre später am Institut der Rechtsmedizin der Universität Düsseldorf ihre Habilitation. Schon kurz darauf erhielt sie als erste Frau in diesem Fachbereich den Ruf auf eine Professur ebenda.

Gleich zu Beginn ihrer Arbeit am Institut, noch vor Ende der 1940er Jahre, hatte sie erreicht, dass die Leichname von Kindern, die offensichtlich durch Misshandlung zum Tode gekommen waren, im Institut obduziert wurden und die Befunde rechtsmedizinisch dokumentiert wurden. Nachdem sie Professorin geworden war, erweiterte sie diese Neuerung auf alle Fälle, in denen die Todesursache des Kindes ungeklärt war. Dank ihrer Beharrlichkeit und ihrem Willen, sich mit den schrecklichen und traurigen Seiten des Familienlebens zu befassen, wurde das Thema Kindesmissbrauch und -misshandlung in Medizin und Medien bewusster und sensibler betrachtet.

Trube-Becker wollte nicht nur Aufmerksamkeit für die Opfer, sie wollte auch verstehen, was die Täter*innen ausmacht – um dort mit einer Vorsorge angreifen zu können, die die möglichen Opfer beschützt. So bildete sie sich im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie fort; dabei baute sie auch negative und positive Vorurteile ab, als sie festhielt, dass Kindesmisshandlungen und Missbrauch kein Phänomen sind, das auf ärmere oder bildungsfernere Familien beschränkt ist. Überforderung der Eltern als ausschlaggebendes Moment in Gewaltsituationen hat nichts mit Status oder Einkommen zu tun, sondern mit dem gesellschaftlichen Druck einerseits und der individuellen Ausgangslage andererseits.

Die Ärztin hatte selbst eine große Patchwork-Familie und schrieb neben nach ihren medizinischen Veröffentlichungen auch ihre Biografie und Gedichte. Sie starb 2013 im Alter von 94 Jahren in Neuss.

Elisabeth Trube-Becker ist unter anderem auch in Antje Kahnts Buch „Düsseldorfs starke Frauen“ im Droste-Verlag vertreten.

KW 2/2016: Jakobe von Baden-Baden, 16. Januar 1558

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Als in protestantischem Hause geborene, aber katholisch erzogene Waise wurde Jakobe von Baden mit 27 in eine politisch motivierte Ehe mit Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg gedrängt – einem an psychischen Erkrankungen leidenden, wahrscheinlich impotenten Sohn Wilhems V. von Jülich-Kleve, der nur durch den Tod seines älteren Bruders zum Thronfolger wurde und vom ebenfalls an Paranoia und/oder Altersstarrsinn leidenden Vater verabscheut und vernachlässigt wurde. Ihre zum Scheitern verurteile Verbindung wurde in der Güligschen Hochzeit inmitten des Truchsessischen Krieges ausufernd gefeiert.

Im Moment des Regentschaftsantritts sieben Jahre später war Johann Wilhelm bereits in seiner Tobsucht und Melancholie soweit fortgeschritten, dass er von Jakobe inhaftiert gehalten wurde. Sie selbst kam in ihrer Regentschaft aufgrund ihrer Herkunft auch nicht zu einer Entscheidung für eine der Konfessionen, außerdem nahm sie sich in Amtmann Dietrich von Hall zu Ophoven einen jüngeren Liebhaber aus niedrigem Stand; dass sie noch dazu dem Regenten keinen Nachfolger gebar, lag höchstwahrscheinlich an ihrem Gatten, der auch mit ihrer Nachfolgerin trotz ausführlicher Exorzismen (!) keine Kinder zeugte.

Die Summe der Enttäuschungen, die Jakobe von Baden für die Erwartungen der Familie und der Kirche darstellte, führte zu ihrer Inhaftierung im Turm des Düsseldorfer Schlosses. Als der Versuch erfolglos blieb, ihr vor dem Kaiser den Prozess zu machen, wurde sie – wohl auf Betreiben ihrer Schwägerin Sybille – der Beweislage nach erdrosselt.

Als „Weiße Frau“ soll sie noch heute im Düsseldorfer Schlossturm spuken.

Bild: By Ernst Karl Gottlieb Thelott – ZVAB.com, Public Domain

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Von 249 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 15 (inklusive Jakobe von Baden) Frauen:
14.01.1273 Johanna I.
15.01.1449 Katherina von Baden
14.01.1507 Katharina von Kastilien
13.01.1610 Maria Anna von Österreich
16.01.1622 Anna Margareta Wrangel
13.01.1672 Lucia Filippini
15.01.1714 Sidonia Hedwig Zäunemann
14.01.1751 Corona Schröter
11.01.1753 Charlotte Buff
12.01.1760 Friederike Bethmann-Unzelmann
14.01.1767 Maria Theresia von Österreich
14.01.1773 Catherine Pakeham
11.01.1778 Henriette Jügel
11.01.1793 Johanna Stegen