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Hatschepsut

ca. 1495 – 14. Januar 1457 v. Chr.

Hatschepsut war – wie bei den Regierenden des Alten Ägypten üblich – Halbschwester und Ehefrau des Pharaos Thutmosis II.; beide waren Kinder des Thutmosis I., doch Thutmosis II. wurde von ihm mit einer Nebenfrau gezeugt, während Hatschepsut Tochter der ersten Ehefrau Ahmose war (Thutmosis I. hatte tatsächlich nur durch die Eheschließung mit ihr, einer Tochter eines Pharaos, die Legitimation als Herrscher erhalten). Hatschepsut jedoch berief sich auch auf eine göttliche Herkunft ähnlich der griechischen Halbgötter, nämlich dass Amun-Re in Gestalt des Thutmosis I. zu ihrer Mutter gekommen sei und sie gezeugt habe. Thutmosis II. starb jung, im Jahr 1479 v. Chr. mit 20bis 30 Jahren. Der gemeinsame Sohn Thutmosis III. war zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind, die Forschung ist sich nicht einig, ob etwa 3 bis 4 Jahre oder bereits 7 Jahre alt. Hatschepsut nahm daher für ihn den Pharaonenthron ein und regierte 21 oder 22 Jahre erfolgreich. 1457 v. Chr. starb sie mit etwa 35 Jahren eines natürlichen Todes (mögliche Ursachen könnten Krebs oder Diabetes gewesen sein).

Die Erinnerungen an Hatschepsut als Pharao – ihre Namenskartusche auf Reliefs und Statuen – wurden irgendwann in der Folgezeit zu großen Teilen zerstört; ihr Sohn war zunächst im Verdacht, ihm wurde ein Groll gegen seine Stiefmutter unterstellt, weil sie so lange statt seiner geherrscht habe. Da die Zerstörungen inzwischen aber genauer datiert werden konnten und jüngeren Datums sind, wird derzeit angenommen, dass ein späterer Regent die Erinnerung an eine weibliche Pharao, noch dazu mit derartigen Errungschaften, wie sie Hatschepsut zu verzeichnen hat, nicht ertragen konnte. (Dieses Phänomen nennt sich Damnatio memoriae, wie ich just lerne.)

Auf dem Zeitstrahl der Frauen in der Wissenschaft hat Hatschepsut einen Platz als erste Initiatiorin einer botanischen Expedition. In ihrem neunten Regierungsjahr entsandte sie ihren Schatzmeister mit Gefolgschaft nach Punt – einem an Boden- und pflanzlichen Schätzen reichen Land, von dem heute nicht sicher ist, wo es genau lag. Wahrscheinlich östlich von Ägypten am Meer, die heutigen Erkenntnisse über die Einwohner Punts beschränken sich darauf, dass sie nach ihren Frisuren und Kleidern zu urteilen in drei Bevölkerungsgruppen geteilt waren und in Pfahlbauten lebten. Hatschepsuts Expeditionsgruppe kehrte vor allem mit Myrrhe, Zedern, Weihrauch und Ebenholz nach Ägypten zurück; an der Wand einer Pfeilerhalle in Hatschepsuts Totentempel ist die Expedition raumgreifend dargestellt.

Auf diesem Relief ist auch Ati, die Königin des Landes Punt dargestellt, deren Körperform auf den Bildern, so die englische Wikipedia, „verhältnismäßig groß und großzügig proportioniert, mit großen Brüsten und Speckrollen am Körper“ ist. Aufgrund dieser Bilder wird von manchen angenommen, dass sie eine Steatopygie hatte. Nun ist schon der deutsche Begriff dafür, „Fettsteiß“, unschön, die Annahme, dass es sich um etwas pathologisches oder abnormes handelt, noch mehr. Interessant bei der Suche nach einem Bild der afrikanischen Königin fand ich bei academia.edu die Synopsis einer Arbeit, die Ati „ent-hottentottisieren“ möchte. Außerdem auch noch einen Blogbeitrag, der die Lage Punts etwas enger einzugrenzen behauptet.

KW 42/2015: Alexandrine Tinné, 17. Oktober 1835

Alexandrine Tinné

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Alexandrine Tinné ist ein Beispiel dafür, was die Freiheit von sozialen Normen für einen Unterscheid in den Entfaltungsmöglichkeiten machen. Mit 10 Jahren wurde sie durch den Tod ihres sehr alten Vaters (er war 63 bei ihrer Geburt) zur reichsten Erbin der Niederlande – und konnte sich so über die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen hinwegsetzen.

Schon ihre Mutter – die ebenfalls forsch gewesen sein muss – war mit ihr viel gereist. Mit 26 ließ sich Alexandrine mit Familie und Gefolge in Kairo nieder und verfolgte von dort ihren Jugendtraum, die Quellen des Nils zu entdecken. Mehrere Forschungsreisen unternahm sie, bei denen sie unter anderem ihre Mutter verlor, wofür sie sich lange die Schuld gab.

Als sie sich 1869 wieder auf eine Expedition zur Durchquerung der Sahara begab, geriet sie schließlich selbst – nach der wahrscheinlichsten Erklärung – zwischen die Fronten in einer politischen Intrige der Tuareg. Sie wurde wohl mit zwei Männern aus ihrem Gefolge ermordet, um den Tuareg-Fürsten zu diskreditieren, unter dessen Schutz sie stand.

Von ihren Forschungsreisen sind in Liverpool, Den Haag und Stuttgart verschiedene Dokumente und Sammlungen zurückgeblieben, wenn auch zum Teil durch den Zweiten Weltkrieg zerstört.

Bild: By Robert Jefferson Bingham – Digitaal Vrouwenlexicon van NederlandRKDimages, Art-work number 182409., Public Domain

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