Schlagwort: film

the fast and the furious

rob cohen, USA 2001
bevor ich anfange: es muss klar sein, dass ich von dem film keine tiefenanalytischen erkenntnisse über die rolle der frau in der autobranche erwartet habe.
dennoch finde ich einige dinge an diesem filmgewordenen werkstatt-kalender bemerkenswert.
zum einen: trotz massenweise angehäufter klischees gelingt es dem film, sympathien für seine protagonisten zu wecken und in der autojagd zum höhepunkt echte spannung zu erzeugen. ich habe sogar zeitweise mein strickzeug ruhen lassen…
zum anderen fällt aus dem rahmen, dass michelle rodriguez, die sonst gerne in der rolle der verkappten oder auch offenen butch-lesbe besetzt wird, hier nicht nur wie immer die smurfette, sondern sogar den love interest von vin diesel spielen darf.
überhaupt ist das smurfette-prinzip in diesem (und auch den nachfolge-filmen) extrem ausgeprägt. es ist (fast… i’m looking at you, part 4!) immer eine frau dabei, die sich ebenso für autos interessiert, ebenso eine technikerin ist und ebenso gut autofahren kann wie die männlichen protagonisten. diese frauen unterscheiden sich sowohl im gehabe wie auch in ihrer kleidung auffällig vom stöckelwild, das die asphaltweiden des films sonst begrast. die frage, die mich dabei bewegt: gibt es diese frauenfiguren, um die weiblichen begleitpersonen der im publikum angesprochenen männer zu besänftigen? oder tatsächlich, um die randzielgruppe der schraubenden frauen anzusprechen? beides wäre in irgendeiner form wohl begrüßenswert…
(dass dem smurfette-prinzip auch eine gewisse realitätsnähe zuzusprechen ist, sage ich jetzt mal in klammern, weil ich mich damit nicht so lang auseinandersetzen will.)
worüber ich mir nicht im klaren bin: ob ich michelle rodriguez dafür applaudieren soll, die übliche tough broad auch in einem solchen male-gaze-vehikel* darzustellen (für die leidenschaftliche szene mit vin diesel applaudiere ich ihr, definitiv, ungefragt, unangefochten)? oder ob ich es nicht traurig und doof finde, dass sie sich diese rolle nicht für weniger sexistische, techno-erotische sci-fi- und ähnliche actioner aufhebt und sich diesem wirklich zum teil ekligen männer-frauen-bild zum werkzeug macht. andererseits: sie darf halt auch vin diesel küssen…
*male gaze: es fällt schon stark ins auge, dass die kamera ihre liebkosenden, intimen aufnahmen immer auf stromlinien-ebene der autos entlangfährt, wo sich zufälliger- und praktischerweise auch die brüste (oben) und hintern (unten) der frauen befinden, während ihre köpfe im limbo des bildschirmrandes verschwinden. die werden damit nicht nur zu gesichtsloser fleischmasse, sondern auch unverhohlen reduziert zu gebrauchsgegenständen und statussymbolen, wie autos eben. das ist mit sicherheit keine neue und bestechende erkenntnis, ich will es aber nicht unerwähnt lassen.
mein mann streift in seiner rezension auch immer wieder das unausweichliche, in diesem film wirklich aufdringliche thema der  geschlechterklischees, natürlich ohne sich darauf zu beschränken. er hat auch die weiteren teile 2 fast, 2 furious und the fast and the furious: tokyo drift besprochen. zu der anmerkung seinerseits, dass letzterer eine von den frauen über die ressource sex kontrollierte welt darstellt, möchte ich anmerken, dass diese welt aber auch die frauen nicht glücklicher machen kann – es handelt sich um eine absolute lose-lose-situation. denn ich sehe keine einzige frau, die weniger als kleidergröße 0 trägt oder im alter mehr als die zahl 2 vorne stehen hat – ganz abgesehen davon, dass die schwanzkontrolle auch nur funktioniert, wenn sich die frauen an die erwartungen der männer anpassen, wovon sie sich kontrollieren lassen. im overall, mit fettigen haaren und unrasierten beinen wird keine frau die kerle in dem film zu irgendwelchen tollkühnen rennen verführen können. wir können also als fazit festhalten: in der welt von tokyo drift ist eigentlich nur der/diejenige glücklich, der gerade im mondschein über japanische serpentinen driftet. und wer kann das schon die ganze zeit tun?

immortals

tarsem singh, USA 2011
anlässlich der sichtung dieses finster-raphaelitischen gemäldes von einem film möchte ich mal über eine frau sprechen, deren arbeit im film, wenn man es weiß, unverkennbar und unabdingbar für die tarsem-ästhetik ist.
eiko ishioka ist die kostümbildnerin von tarsem singh für the cell, the fall, immortals und mirror, mirror gewesen. davor hat sie als kostümbildnerin schon coppolas bram stoker’s dracula optisch geprägt. davor hat sie paul schraders mishima – a life in four chapters ausgestattet. und bevor sie kostümbildnerin beim film wurde, hatte sie sich bereits in japan mit werbung und modedesign einen namen gemacht. leider ist sie anfang diesen jahres verstorben, wie ich bei der recherche bei der new york times lesen musste. kurze artikel zu ihr gibt es auch bei Wiki deutsch und Wiki englisch.
über jemanden, dessen lebenswerk so im visuellen besteht, will ich aber nicht weiter schreiben, lieber bilder teilen. nur kurz sei gesagt: wegen der phantastischen kostüme, aber auch der gesamten inszenierung, fand ich immortals unglaublich stark und die wirkung seiner bilder über seine dauer hinweg anhaltend. die liberal gehandhabte griechische mythologie beiseite, ist die merkwürdig tableauartige bildgestaltung, die mich manches mal an luxuriös ausgestattete bühnenbilder erinnerte, im nachhinein der einzig denkbare weg, mythologie, archtypen und kulturelle memes im film darzustellen. alles ist gewichtig und gravitätisch, mit einer unglaublichen wucht, die einem jedes einzelne jahr des pergamon-altars und des ischtar-tores auf die seele legt. mein mann ist da relativ d’accord, wie ich meine.

werbung für parco, idee und design von eiko ishioka:

kostüme und production design für mishima- a life in four chapters:

bram stoker’s dracula:


the cell:


the fall:


immortals:

KW 33/2012: Laura Mulvey, 15. August 1941

Laura Mulvey

Wiki deutsch Wiki englisch
Laura Mulvey hat den bahnbrechenden feministisch-filmtheoretischen Artikel Visual Pleasure and Narrative Cinema geschrieben. Ich hole die Lektüre derzeit nach, aber der Inhalt des Artikels ist für dieses Blog auch gar nicht so sehr interessant – wie die meisten wissenschaftlichen Arbeiten stehen die Thesen jederzeit zur Diskussion. Sie selbst hat die Aussage später wohl in einem weiteren Artikel gemildert und umformuliert, als Erstschlag einer feministischen Betrachtungsweise in der von der männlichen Betrachtungsweise dominierten Welt des Films, der Wissenschaft und der Filmwissenschaft hat der Artikel jedoch seine ursprünglichste Existenzberechtigung.

Der Artikel ist die Quelle eines Begriffsrahmens, der mir nicht nur bei der Benennung, sondern zum Teil überhaupt erst beim Erkennen eines Gefühls hilft, das ich des öfteren beim Filmekucken habe: Nämlich die irritierende Wahrnehmung des männlichen Blicks. Gerade in meinem Lieblingsgenre, dem Horrorfilm, werden Frauen ja sowohl als Sexualobjekt wie Mordopfer – eine psychoanalytische Identität beider Rollen dahingestellt – bevorzugt und ihre Darstellung ist oft genug eine exploitative. D.h.: Die Mädels sind im Film so, wie Mann sie gerne sieht. Für mich als weibliche Zuschauerin ergibt das ein merkwürdiges Emotionsgemisch, da ich mich tatsächlich (dies ist valide Kritik an Mulveys Artikel) auch als Frau mit dem jeweiligen Protagonisten bzw. dem angesprochenen männlichen Zuschauer identifizieren kann – der „männliche“ Spaß am Film mithin auch meiner ist. Gleichzeitig jedoch identifiziere ich mich per default auch mit dem weiblichen Objekt/Opfer, was mich nicht nur in meiner Identifikation mit dem gesehenen Filmbild ins Dilemma stürzt, sondern sich auch in einer merkwürdigen Paranoia niederschlägt, die urplötzlich alle im Kinosaal (oder Wohnzimmer) befindlichen Männer zu (potentiellen) Spannern und/oder Aggressoren macht.

Eine ausgesprochen grafische Versinnbildlichung der Situation weiblicher Zuschauerinnen bei der Beanspruchung des männlichen Blicks findet sich übrigens in Katheryn Bigelows Strange Days, in der ein Vergewaltiger seinem Opfer den Livestream der Vergewaltigung aus seiner Sicht ins Hirn spielt. Ein mise-en-abyme aus Ausgeliefertsein, Schuldgefühl und sexueller Lust, bei dem sich mir persönlich der Magen umdreht.

Ein anderer Film, der mir in diesem Assoziationsraum einfällt und zu differenzierter Betrachtung einlädt, ist Neil Marshalls The Descent. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich ihn gesehen habe, daher will ich nicht zu sehr ins Detail gehen, aber zu Überlegungen anregen, inwieweit dieser Film auch einen männlichen Blick einsetzt. Ist denn der Blick der Kamera per se männlich? Was würde das für diesen, in meiner Erinnerung ausgesprochen emanzipierten Film bedeuten? Mit seinen sechs weiblichen Hauptfiguren, die sich auch, aber nicht nur über ihre Beziehungen zu Männern unterhalten (womit der Film den Bechdel-Test mit Bravour besteht) und die als starke, aktive und kompetente Charaktere gezeichnet werden, habe ich ihn damals als eine ausgesprochene Wohltat im ansonsten sehr auf männliche Interessen und Vorlieben ausgelegten Horrorgenre erlebt. Nichtsdestotrotz lässt sich das Absteigen in eine dunkle Höhle, in der dann tödliche Gefahr lauert – nicht nur von der zu erwartenden Seite – als männliche Angst vor der Vagina dentata lesen. Ist dies also auch nur die intellektualisierte, verklausulierte Version eines „typisch männlichen“ Horrorszenarios? Oder – noch schlimmer – eine filmische Misogynie, die ihresgleichen sucht? Die ausschließlich weibliche Besetzung bedeutet ja für einen solchen Horrorfilm, dass alle Getöteten Frauen sind (zumindest auf der Protagonistenseite)!
Wenn also der Blick der Kamera per se männlicher Blick ist, dann ist dieser Film nicht emanzipiert, sondern auf höchster Ebene frauenverachtend. In meiner wohlwollenden Interpretation hingegen ist der Blick der Kamera zunächst neutral, doch durch das mise-en-scene und die gezeigten Objekte kann er explizit männlich werden. Im Falle von The Descent ist es eben die wenig klischeehafte und eben nicht objektifizierende Darstellung, die es nicht zulässt, diesen Film auf diese Art zu lesen.

Eine (anscheinend) lesenswerte Erörterung von Mulveys Essay kann man hier lesen.

Bild: Von Mariusz Kubik – Eigenes Werk, CC BY 3.0

partners

james burrows, USA 1982
auf die – wenigen – frauenfiguren im film will ich gar nicht eingehen, die sind sowieso nur den helden charakterisierendes beiwerk oder plot point. da es in dem film auch vor allem um homosexualität, homophobie und hetero-vorurteile geht, ist das völlig in ordnung.
aber eine szene fand ich für dieses blog sehr interessant. der unwillentlich in eine vorgetäuschte homo-beziehung gesteckte vollblut-hetero und weiberheld benson lässt sich zwecks ermittlung in einem mordfall von einem getäuschten und interessierten homosexuellen begrapschen. nicht nur sieht man ihn unter der objektifizierung sichtlich versteinern, seine erschütterung und seine äußerung in der anschluss-szene haben mir den film für den rest seiner laufzeit sympathisch gemacht (abgesehen davon, dass ich den vorwurf der homophobie nicht nachvollziehen kann).
leider kann ich das wortgetreue zitat nirgendwo finden. im prinzip äußert benson (gespielt von ryan o’neal) seine plötzliche und überwältigende einsicht, wie es sich für frauen anfühlen muss, beständig als freiverfügbares objekt gesehen zu werden, vielleicht sogar noch mit der erwartung, sich geschmeichelt fühlen zu sollen, wenn ungewollte berührungen stattfinden.
diese äußerung brachte ein neues gewicht in ein gespräch, das ich mit meinem mann darüber geführt habe, wie wenig männer verstehen können, was das leben als frau ausmacht. mich selbst hat eine wahrheit erst mit der geburt meiner tochter getroffen: dass ich sie nicht davor werde bewahren können, dass sie aufgrund ihres geschlechtes die erfahrung sexueller übergriffe machen wird. statistisch überhaupt nicht untermauert, bin ich überzeugt, dass jede frau in ihrem leben in irgendeiner form ein erlebnis hatte, in dem sie wegen und an ihrem geschlecht körperlich angegangen wird – die eine traumatisch, die andere in verkraftbarem maß. gemein ist allen frauen, dass ihre primären und sekundären geschlechtsmerkmale für männer offenbar freiwild sind, also ohne mit der authorität rücksprache zu halten zu erlegen gestattet. eine authorität über den weiblichen körper gibt es mithin nicht – ihre eigene bestimmungsgewalt darüber wird komplett negiert.
ich will und wollte nie leugnen, dass die herrschenden rollenklischees und -erwartungen auch heranwachsenden männern unangenehme erfahrungen bescheren. doch ich meine immer noch, es ist ein entscheidender unterschied zwischen den geschlechtern, wie sexualität dabei instrumenatlisiert wird – ich bin noch nicht ganz in der lage, den finger darauf zu legen. nur eins ist sicher: sexualität ist für frauen (und, wie der film partners zeigt, wohl auch für homosexuelle) kein ausschließlich angenehmer aspekt des lebens. sie ist nicht nur quelle der freude und lust – wie es im idealfall sein sollte – sondern immer auch eine verletzliche stelle, die es zu schützen und abzuschirmen gilt, die mit scham und schuld besetzt ist.
was es bedeutet, als person auf einen körper reduziert zu sein, der zur freien verfügung angesehen wie auch als mittel zum zweck eingesetzt wird, bringt diese szene schön auf den punkt.
mein mann nimmt darauf auch bezug.

mann, konstruiert

am donnerstag, 19. juni, läuft die gender-experiment-dokumentation Man For A Day von Katarina Peters in den kinos an. Peters hat einen workshop von gender-aktivistin Diane Torr in berlin mit der kamera begleitet, in dem frauen sich, zunächst äußerlich, in männer verwandeln konnten. sicher eine interessante erfahrung, dabei gewesen zu sein. den film zu sehen, könnte daher auch interessant sein.

Diane Torr hat natürlich auch eine eigene webiste.

esmas geheimnis, 26.06. im kölner weisshaus-kino

morgen läuft im rahmen der kampagne „Einfach spenden. Doppelt helfen!“ der film esmas geheimnis im kölner weisshaus-kino.
die spenden kommen dem verein frauen gegen gewalt e.v. zugute, also bitte zahlreich erscheinen!
im film wird die geschichte einer mutter und ihrer tochter behandelt, die mit der tatsache leben müssen, dass die tochter bei einer vergewaltigung während des bosnienkrieges gezeugt wurde. die kinder, die aus den vergewaltigungen während der balkankrise hervorgingen, sind nun zwischen 21 und 13 jahre alt.

KW 26/2012: Ceán Chaffin, 26. Juni 1957

Wiki deutsch
Dies ist mal wieder ein „Hinter jedem großen Mann“-Eintrag. Ceán Chaffin ist nämlich die Frau, die hinter David Fincher steht, nicht im Sozialen, sondern viel wichtiger: als Produzentin. Das bedeutet, sie ist diejenige, die sich mit dem ganzen pekuniären, organisatorischen Scheiß herumschlägt, damit der Regisseur seine künstlerische Idee umsetzen kann.Wer es mal als Auteur versucht hat, weiß, wie wertvoll diese Person für selbst das kleinste Filmprojekt sein kann. „I’ll take care of it.“ („Ich kümmer‘ mich drum.“) dürfte der Satz ihres Lebens sein.

Auf Chaffins Liste stehen die folgenden Finchers:
The Game
Fight Club
Panic Room
Zodiac
The Curious Case of Benjamin Button
The Social Network
The Girl with the Dragon Tattoo

Gone Girl
und die großartige Netflix-Serie Mindhunter

Vor der Zusammenarbeit mit Fincher war sie unter anderem Produzentin für eines der erinnerungswürdigsten Videos von Michael Jackson (mir jedenfalls ist dieses besonders in Erinnerung geblieben): Scream.

Kennengelernt haben sich die beiden in Japan, beim Dreh zu diesem Blade Runner-basierten Werbespot für Coca Cola:

zinda laash / da khwar lasme spogmay

im vor-urlaubs-heckmeck, em-trubel und jetzigem urlaubs-laissez-faire sind mir die ausstehenden einträge zur filmischen weltreise etwas entglitten. jetzt habe ich nur noch vage erinnerungen an das, was mir bei der sichtung durch den kopf ging… nun denn, die sache will’s.
kwaja sarfraz, pakistan 1967
selbstverständlich sind auch in der pakistanischen umsetzung von bram stokers dracula die frauen die vornehmlichen opfer des vampirs (interessant finde ich, dass das christlich-abendländische prinzip des gott-entsagens, das allen vampirgeschichten diesseits des urals zugrunde liegt, in pakistan – einem islamischen land, abgespalten von einem vornehmlich hinduistischen land – der vampirismus ein ergebnis der wissenschaft ist… aber das steht auf einem anderen blatt).
auch abgesehen davon bietet der film keine überraschungen, was frauen angeht – wenn man sich mit der kultur ein bisschen über den üblichen schleier-jungfrauenehe-unterwerfungs-tellerrand hinaus auseinandergesetzt hat. will sagen: eheleute und familien in pakistan sind nach diesem filmischen beispiel jedenfalls kaum von europäisch-christlichen zu unterscheiden. am stärksten vielleicht in ihrer tendenz, ihre freizeit und gesprächspausen mit gesangs- und tanzeinlagen zu füllen.
was mich zu der einen sache bringt, die ich tatsächlich bemerkenswert fand: die drei nymphomanen aus dem original sind in der pakistanischen umsetzung ersetzt durch die assistentin des vampirischen professors; in dieser funktion soll sie auch den pakistanischen jonathan harker verführen. sie tut dies mit einem teilweise deutlich provokativen tanz. das ist an sich noch keine große sache. was so schön daran ist: diese vampirin ist nach unseren von hollywood verzerrten körperbildern eigentlich mindestens zwei nummern zu üppig für diese bewegungen. da dies der erste pakistanische film war und die weiteren weiblichen opfer weder durch besondere fülle noch besondere verführungskünste auffallen, maß ich dem noch keine besondere bedeutung zu, außer eine gewisse vergnügtheit zu empfinden.
shenaz begum, pakistan 1997
und dann kam der katzenfrauen-rape&revenge-horror. mit einer frau als regisseurin und „haupt“darstellerin in personalunion. der film hat alles, was bollywood bietet und mehr. nein, ich habe nicht alles (eher: fast nichts) verstanden. nein, ein fest für die sinne war es nicht. nein, ich habe die 110 minuten nicht genossen. und nein, ich habe in diesem film nichts über die möglichkeit einer emanzipation gelernt. aber jedesmal, wenn eine frau auftrat, als katzenfrau oder mit der nächsten gesang- und tanzeinlage, waren es frauen mit kleidergröße 44+. oftmals fühlte ich mich an hairspray erinnert – sowohl im ausstattungsstil wie in der situation, dass sich ein „pummelchen“ so körperlich unbefangen, erotisch, frei und vergnügt bewegt. der ganze rest drumrum ist dann eigentlich egal: ich würde diesen film allen freundinnen ans herz legen, weil er zumindest während seiner dauer eine enthebung des ewigen dürren perfektionswahns mit sich bringt. der film bietet eine schlüssellochperspektive auf die berühmte welt ohne männer: lauter dicke, zufriedene frauen. so hat er sich einen platz in meinem herzen ergattert – einen kuschelig-plüschigen, mit herzkissen und pralinen-etagere ausgestatteten nischenplatz.
achso: mein mann hat natürlich auch ausführlich(er) über die beiden filme geschrieben.

mirror mirror / moonrise kingdom

ein krasseres kontrastprogramm, stilistisch gesehen, für einen kinotag dürfte schwer werden, bei einer gewissen thematischen nähe. (obwohl, theatre bizarre vereint die wiederkehrenden themen frauen und tod innerhalb eines films mit 6 episoden bei noch größerer stilistischer spannbreite. also, with a grain of salt.)
tarsem singh, usa 2012
optisch kommt mirror mirror mit singh’scher grandezza daher, ganz wie erwartet. ein fest für die augen, auf jeden fall.
erzählerisch gesehen kann man durchaus einige schwächen anmerken, auch der humor ist an manchen stellen etwas über das zuträgliche maß albern, was in dem ausgesprochen ästhetischen rahmen umso krasser heraussticht.
schneewittchen ist ja schon im ursprung ein recht weiblich-dominiertes märchen (wenn ich meinen beitrag zu märchen von müttern und töchtern schon geschrieben hätte, könnte ich den jetzt hier verlinken…), in dem das freundliche wesen schneewittchens, von ihrer machtgierigen (stief-)mutter verfolgt, eine bande räuber zum guten bekehrt (ja, im original-märchen sind es keine zwerge, sondern ausgewachsene räuber – dieses detail vor-grimmscher erzählung wird in mirror mirror elegant konsolidiert. in der grimm-variante ist wohl der bedrohliche sexuelle aspekt der erwachsenen männer auf die harmlosen, quasi ungeschlechtlichen „zwerge“ geschrumpft, dem film gelingt auch in dieser hinsicht eine wesentlich modernere sichtweise). es ist an sich schon bemerkenswert, wie stark die verschiedenen charakteristika von frauen in jeder form des märchens im vordergrund stehen, während die männer auf reine instrumente reduziert sind – instrumente der macht, die von den geschickten händen der frauen geführt werden.
die frauen in mirror mirror sind jedenfalls modern, zu meiner zufriedenheit besteht der film auch den bechdel-test (zumindest mit den dialog-zeilen mindestens einer szene). die böse stiefmutter ist zwar, wie in jeder form des märchen, ein zerrbild der gealterten schönheit, der es nicht gelingt, würdevoll in den nächsten lebensabschnitt überzugehen, aber von julia roberts dargestellt kann man in ihr auch das opfer eines allumfassenden schönheitswahnes sehen, der es nur hübschen, jungen, knackigen frauen gestattet, beliebt zu sein. in dieser lesart pinkelt sich der film übrigens gekonnt selbst ans bein, denn wenn er etwas ist, dann schön – und in die glatte, strahlende schönheit eines tarsem-filmes passt keine schloddrige, fleckige haut. anyway, jedenfalls ist die kalte königin auch all das, was männer an starken frauen ablehnen: zielstrebig, ehrgeizig, wortgewandt, politisch geschickt. wenn ich zu lange über die böse königin nachdenke, schreibe ich mich noch in eine negative kritik des films…
schneewittchen wird zwar unpassenderweise beständig „schneechen“ gerufen, aber wenigstens wird es ihr gestattet, nicht nur schön zu sein. sie ist eben auch klug, warmherzig, tapfer und kämpferisch; dabei werden ihr keine unglaubwürdigen körperlichen kräfte angedichtet, sondern, wie es auch die räuberischen zwerge tun, darf sie ihre natürlichen eigenschaften geschickt zu ihrem vorteil nutzen. wenn dazu gehört, mit einem augenaufschlag vom nächsten degenangriff abzulenken, then so be it. man muss eben mit dem arbeiten, was man hat. wenigstens wird ihr als outfit für den aufenthalt im wald eine hose zugestanden.
und man kann wohl über mirror mirror nicht schreiben ohne von augenbrauen zu schreiben. ja, auch ich stutzte, als schneewittchen das erste mal ins bild kam. nichts mit bleistiftdünnen linien. nein, da bleibt tarsem dem schönheitsideal seiner heimat (der heimat seiner vorfahren?) treu: ausdrucksstark wäre das, was mir als erstes einfiele. dass auch mein blick dorthin wanderte und überhaupt dieses detail meine aufmerksamkeit erregte, sagt viel aus über die tiefsitzende prägung des vorherrschenden schönheitsideals: frauen sollten so wenig haare – an anderer stelle als dem kopf – wie nur irgendmöglich haben. im laufe des films normalisiert sich der anblick, und ich kann nur hoffen, er normalisiert sich nicht nur im rahmen des films. denn eins ist sicher: die ausgeprägten augenbrauen tun lily collins schönheit keinen abbruch (und ihrem talent sowieso nicht).
(von meinen ursprünglichen 7, gar 8 von 10 bin doch abgekommen. aber 6 von 10 dürften es schon sein. mir hat der film zumindest in dem rahmen gefallen, dass ich ihn mir gerne mit meiner eines tages 12jährigen tochter noch mal ansehe, wenn sie will.)
wes anderson, USA 2012
über moonrise kingdom will ich eigentlich nicht viele worte verlieren. ich gehöre zu den flammenden anderson-fans, denen lifestyle-vorwürfe und „artifiziell“-gerede gepflegt gestohlen bleiben können. für mich ist das, was anderson macht, ein vorsichtiges, zärtliches herantasten an die schmerzlich-süßen erinnerungen und empfindungen, die auch mir innewohnen; die ausstattung und garderobe seiner filme versetzt ihre erzählung in eine zeit der unschuld, die zurückhaltende schauspielführung lässt mir frei, meine eigenen gefühle zu erkunden – ohne jedoch leere projektionsfläche zu bleiben.
moonrise kingdom ist die warmherzige erzählung über die erste liebe zwischen zwei jugendlichen, die sich in ihrer jeweiligen welt verloren fühlen und halt beieinander finden. das großartige gelingen ist es, dass diesen beiden, obwohl es ein film eher für erwachsene ist, ganz und gar ihre würde gelassen wird, manches vielleicht witzig und rührend, aber nichts niedlich oder lächerlich ist. wer im übrigen bei der kuss-szene den „pädophilen-alarm“ auslösen will, der hat den schuss nicht gehört: eine kurze körperliche begegnung zwischen zwei heranwachsenden gleichen alters, die mit erfrischender normalität und unbefangenheit über sich sprechen und den rahmen ihres interesses ausprobieren, hat aus sich heraus nichts anstößiges, unanständiges oder „erotisches“ – das kann allein der betrachter hinein-sehen. kinder und jugendliche sind auch sexuelle wesen – das ist normal und natürlich, besonders in der beginnenden pubertät. es ist nur der verklemmte, verzerrte oder pervertierte blick der erwachsenen, der das problem ist.
unsere heldin jedenfalls ist ein gerade erblühendes mädchen mit allen unsicherheiten, die diese lebensphase mit sich bringt. sie ist allein zwischen den eltern, deren ehe gemäß ihrer dauer einige fühlbare scharten aufzuweisen hat, und den brüdern, die nur als geschlechts- und alters-homogene gruppe auftauchen und ihre wahrnehmung der erwachsenenwelt naturgemäß nicht teilen können. sie spürt die hilflosigkeit gegenüber der ungerechten, verheißungsvollen und bedrohlichen erwachsenenwelt als unkontrollierbar aufwallende aggression in sich toben, und als scheinbar einziges beispiel für eine gelebte beziehung hat sie nur die ehe ihrer eltern – klar, dass sie es ganz anders machen will und sich nach mehr sehnt, als das trostlose festsitzen ihrer mutter auf einer insel mit einem, der sie nicht versteht. im laufe des films reift sie zu einer starken und schönen jugendlichen heran, die casablancas ingrid bergman in nichts nachsteht.
wem die royal tenenbaums, die tiefseetaucher und darjeeling limited gefallen haben, der wird moonrise kingdom lieben. meine ersten worte nach dem film waren jedenfalls: „10 von 10“. (aber auch dieser film besteht den bechdel-test nur mit gutem willen…)

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