Schlagwort: kunst

KW 28/2012: Aiga Rasch, 9. Juli 1941

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Meine Gefühle für Aiga Rasch sind jenseits der Worte.

Aiga Rasch
Nur vier ihrer Coverkunstwerke für die drei ???. Sie hat eine eigene Website, es gibt natürlich eine ???-Fanseite und für mich als ursprüngliche ???-Leserin (!) ist diese Liste wichtig. Aufschlussreich für einige Popkulturreferenzen ist der Eintrag über die ??? beim englischen Wikipedia: Jupiter Jones ist der englische Justus Jonas.

Jetzt habe ich Lust, die Bücher alle noch mal zu lesen. Leider sind sie zum Teil einer Kellerüberschwemmung zum Opfer gefallen. (Mein Herz blutet, wenn mir das wieder einfällt.)

Bild: By Lapathia – Own work, CC BY-SA 3.0

KW 24/2012: zwei Künstlerinnen

Anni Albers, Textildesignerin/Weberin, 12. Juni 1899
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Es gibt eine Albers Foundation, einen Eintrag bei FemBio und auf der Bauhaus-Seite (Anni Albers, fotografiert von Lucia Moholy).

Google-Ergebnisse für Anni Albers Textile

Ilse Schüle, Typografin, 17. Juni 1903
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Ilse Schüle entwarf die Schrift Rhapsodie:

Google-Ergebnisse für Ilse Schüle Rhapsodie

Ich hatte noch nie eine Typografin im Kalender… Einige Informationen zur Schrift findet man auf Fraktur.de. Wenn man „Ilse Schüle Rhapsodie“ googlet, findet man unheimlich viele Bilder von wunderschönen bis irrwitzigen Schriften.

KW 21/2012: Katharina Szelinski-Singer, 24. Mai 1918

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Wenn ich so auf der Suche nach der Frau der anstehenden Woche durch die Geburtstagsliste auf Wikipedia klicke, überspringe ich „deutsche Bildhauerin“ meistens, weil mir bei dieser Wortkombination nur sperrige Beton-Kupfer-Skulpturen vorschweben, an denen man sich in Fußgängerzonen oder an  Parkwegen vorbeiducken muss, damit sie einem nicht das Auge oder die Leber ausstechen. Aufgrund völlig irrational bestehender gute Laune und entspannter Arbeitslage habe ich mir – schon gar bei dem Namen Szelinski-Singer – erlauben wollen, meine Vorurteile zu bestätigen.
Hat sich was. Katharina Szelinski-Singer hat nicht nur schöne Skulpturen gemacht, sie hat in ihrem Lebenswerk auch etwas mit mir bzw. diesem blog gemein, nämlich die Frauenfiguren. Dem kann ich selbstverständlich nicht widerstehen.
Am besten gefällt mir von ihr eine eher untypische Kleinplastik namens Die Last. Vielleicht, weil sie mich an meine Tochter erinnert, die auch gerne mit schweren Taschen und Köfferchen durch die Wohnung spaziert und dabei „Tschüß, bis heute abend!“ ruft. Vielleicht auch, weil die Haltung so natürlich ist, die getragene Last durch das unterstützende Knie sehr deutlich spürbar ist und dennoch der zur Balance ausgetreckte Arm der Figur etwas Leichtfüßiges, Schwebendes gibt.

Bild: Von Katharina Szelinski-Singer als Bildhauerin, Peter Trubiroha als Fotograf – photo taken by Peter Trubiroha, CC BY-SA 3.0

Bekannt, wenn man es so nennen kann, ist sie für ihre Skulptur Trümmerfrau in Berlin, der frühe (verfrühte?) Höhepunkt ihrer Karriere (siehe Wikipedia).

Bild: Von Lienhard Schulz – Eigenes Werk, CC BY 2.5

Der Tagesspiegel hat einen Nachruf auf sie geschrieben.

KW 16/2012: Minna Suoniemi, 17. April 1972

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In Betrachtung der Werke der finnischen Künstlerin würde ich sagen, sie stellt die Möglichkeit von Perfektion in Frage, und ganz sicher die Erwartungshaltung an das Weibliche.

Sie zeigt gnadenlos die Verzerrung des Fleisches in der Fliehkraft und vereint das Opfer Rotkäppchen mit dem Täter Wolf, lässt weibliches und männliches Prinzip miteinander ringen und bringt das Dämonische ins Unschuldige. Völlig offene Videokunst, umso faszinierender.
Ein nicht ganz einzusehendes Archiv ihrer Werke ist auf der Seite AV-arkki zu finden und sie hat eine eigene Website mit beeindruckendem CV.

KW 14/2012: Vivienne Westwood, 8. April 1941

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Eigentlich wollte ich Vivienne Westwood nicht als Frau/Geburtstagskind der Woche auswählen – wegen Schuhen wie diesen hier

…weil mit denen solche Sachen passieren können:

…und highheels ja generell eins der übelsten chauvinistischen Instrumente der Unterdrückung sind, die perfiderweise auch noch von Frauen selber perpetuiert werden…

…wenn man sie aber nicht als Modedesignerin sieht – also davon ausgeht, dass die von ihr designte Kleidung zum Tragen von echten Personen gedacht ist -, sondern als Künstlerin, deren Ausdrucksmittel Kleidungsstücke sind, dann darf man die Grand Dame der britischen Modewelt ruhig diese Woche feiern und ein paar Bilder zeigen. Zu diesem Zwecke also nur der Link zu ihren Werken im Victoria&Albert, the world’s greatest museum of art&design.

KW 8/2012: Mademoiselle Rachel, 21. Februar 1821

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Mademoiselle Rachel Die dunkle, kleine Person mit der merkwürdigen Stimme und den schwarzen Augen, die aus der Gosse kam, begann mit der Verkörperung der Camille in Pierre Corneilles Horace 1838 ihren steilen Aufstieg an den französischen Theaterhimmel. Die großen Geister ihrer Zeit überschlugen sich mit Lobhudeleien, sie bereiste Europa, Russland und Amerika und war alles im allem die Ikone ihrer Tage.
Mit ihrer eher realistischen, reduzierten Darstellungstechnik veränderte sie damals das Selbstverständnis der Theaterwelt. In einer Zeit des Aufruhrs war sie eine aus der niedrigsten Schicht in die gehobene Gesellschaft Aufgestiegene; auch deshalb wahrscheinlich höchst beliebt beim Volk. Das Zusammentreffen der politischen Umstände mit der Annäherung der darstellenden Kunst an die Wirklichkeit weckt Assoziationen zum italienischen Neorealismus im Film der 1940er-Jahre.

Kleine Abschweifung
Solche wiederkehrenden Muster in der Geschichte finde ich faszinierend. In der französischen Februarrevolution ging es um die Erhaltung der Republik, basierend auf einer starken Arbeiter- und Bürgerschicht, versus die Rückkehr zur Monarchie. Im Italien der 1940er-Jahre ging es um Marxismus, also auch die Interessen der Arbeiter, versus Faschismus, also die Interessen einer herrschenden Elite.  Sicher beeinflussten die politischen Umstände nicht unmittelbar Mademoiselle Rachels Darstellungsweise – aber führten doch dazu, dass diese im Gegensatz zum vorherrschenden Pathos und der Neigung zum Goutrieren (?) erfolgreich war und vom Publikum bevorzugt und gefeiert wurde. Auch veränderte sich in der französischen Februarrevolution das Material möglicherweise nicht so deutlich, das im Theater dargeboten wurde*, während sich im italienischen Film der 1940er auch in den Topoi die Hinwendung zum Realismus manifestierte. Mademoiselle Rachel und dem italienischen Neorealismus ist jedenfalls im Gesamtbild gemein: eine Abkehr von Blenderei mit großartigen Gesten und Effekten, Pathos und Monumental-Willen, eine Hinwendung zum Klaren, Schlichten, Reduzierten, auch: Echteren, mit der Lebenswelt des Massenpublikums Vereinbaren.
* Hier fehlt es mir an Information, wie stark Klassiker dominierten und wie sehr auch die Themen der neuen Stücke sich mit den politischen Umwälzungen veränderten.  Allerdings sagt mein gefährliches Halbwissen, dass die französische Revolution von 1789 auch mit der Kunst-Epoche der Aufklärung einherging. Eine ähnliche kulturelle Entwicklung im Zusammenhang mit dieser Revolution zu vermuten, liegt also nah.
Ende der Abschweifung

Mehr als für ihre Bedeutung in der Kunst ist sie für mich aber als Frau interessant. Nicht nur, dass sie nach gängigen Maßstäben nicht wirklich schön war, aber durch ihre Haltung, ihre Stimme und ihren Ausdruck faszinierte. Sie war ein Mädchen aus der Unterschicht und blieb selbst in ihren erfolgreichsten Zeiten frei von der Moralbeflissenheit des Adels und der Oberschicht. Sie blieb unverheiratet, hatte viele Affären – unter anderem mit sage und schreibe drei (!) Männern aus der Napoleon-Familie – und brachte zwei uneheliche Söhne zur Welt. Vom Vater ihres ersten Sohnes gerügt ob ihrer Untreue, äußerte sie die Worte, die nicht nur mein Lieblingszitat sein dürften: „Ich bin was ich bin; ich schätze die Mieter mehr als die Besitzer.“ („I am what I am; I prefer renters to owners.“)
Es gibt nicht viel zu finden über diese vielseitige Frau; dieser eine Text auf authorama.com über sie macht jedoch einiges wett – abgesehen von einer liebevollen Unsachlichkeit (im Vergleich zu den Wikipedia-Texten) füllt er das Bild der Mademoiselle Rachel auf mit charmanten Anekdoten und der mitfühlenden Analyse ihres Charakters und ihrer einzigen wirklichen Liebesgeschichte zum unehelichen Sohn Napoleon Bonapartes.
PS.: Von ganz persönlichem Interesse ist die Tatsache, dass es eine Strickmaschine gibt, die nach ihr benannt sein soll. Die Raschelmaschine.Raschelmaschine

Bild Mademoiselle Rachel: Von Josef Kriehuber – Eigenes Foto einer Originallithographie aus eigenem Besitz., Gemeinfrei
Bild Raschelmaschine: By Josef Worm – Die Wirkerei und Strickerei (Max Jänecke Verlag, Leipzig, 1920), CC0

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