Schlagwort: vor dem 19. jahrhundert

KW 43/2016: Anna Göldi, 24. Oktober 1734

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Anna Göldi war bereits vor ihrem 21. Lebensjahr zweimal unehelich Mutter geworden und für den Kindsmord an ihrem Erstgeborenen (für ein tatsächliches Verbrechen gibt es allerdings weder Beweise noch Widerspruch) verurteilt und bestraft. Ihr Zweites hatte sie in unbekannte Adoption gegeben.

Mit 21 kam sie aus ihrer Heimat Sennwald in Dienst im Kanton Glarus. Ihr Dienstherr Johann Jakob Tschudi war ein einflussreicher Arzt und Richter, die Tschudis eine der reichsten Familien des Kantons. Sie hatte auch Kontakt mit dem Schwager ihres Dienstherren, Ruedi Steinmüller, der ebenfalls gut betucht, aber mit den Tschudis in einen Erbschaftsstreit verwickelt war.

Wohl, um ein Verhältnis mit seiner Magd zu vertuschen, klagte Tschudi Anna Göldin der Hexerei an. Sie habe seiner Tochter Nägel in das Brot und die Milch gehext und damit ihr Leben in Gefahr gebracht. Anna Göldin floh zunächst, konnte aber wegen einer in der Züricher Zeitung ausgeschriebenen Belohnung für ihrer Erfassung verhaftet werden. Sie und ihr angeblicher Komplize Steinmüller wurden unter Androhung von Folter inhaftiert.

Steinmüller erhängte sich in seiner Zelle, bevor er gefoltert werden konnte – was als Schuldeingeständnis verstanden wurde. Anna gestand, unter Folter wenig überraschend, mit dem Teufel in der Gestalt eines schwarzen Hundes im Bunde zu sein und das Kind verhext zu haben. Sie wurde von einem rein evangelischen Glarner Gericht zum Tod durch Enthauptung verurteilt, das Urteil umgehend vollstreckt.

Nicht nur hätte ihr Fall von einem anderen, überkonfessionellen Gericht verhandelt werden müssen, da sie als Zugewanderte als „ausländische Person“ im Glarus lebte. Sie wurde außerdem im Prinzip für Hexerei verfolgt – ein Straftatbestand, der im Urteil tunlichst nicht genannt wurde (hier wurde sie als Giftmörderin behandelt), aber trotz Geheimhaltung der Akten in Europa bekannt wurde. Schon zu ihrer Zeit löste dies Empörung aus, ihre Hinrichtung wurde von August Ludwig von Schlözer, (dem Vater von Dorothea Schlözer) als Justizmord bezeichnet. Der Gerichtsschreiber des Prozesses, der spätere Senator Johann Melchior Kubli, gab die Akten heraus und befeuerte somit die harsche Kritik der Zeitungen an Anna Göldis Verurteilung und Hinrichtung. Anna Göldi gilt aufgrund dieser Umstände als die letzte Person, die legal als Hexe verurteilt wurde.

Erst im Jahr 2007, also 225 Jahre nach ihrer Hinrichtung, wurde Anna Göldis Fall im Glarus neu betrachtet, nachdem der Publizist Walter Hauser bisher unbekanntes Material dazu untersuchen konnte. Auf sein Betreiben hin wurde Anna Göldi 2008 nach anfänglicher Ablehnung durch die Kantonsregierung sowie des reformierten Kirchenrates des Glarus vom Landrat rehabilitiert, des Giftmordes freigesprochen und ihre Hinrichtung offiziell als Justizmord bezeichnet.

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Von 137 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 24 (inklusive Anna Göldi) Frauen:
25.10.1442 Anna von Lichtenberg
30.10.1492 Anne d’Alençon
26.10.1529 Anna von Hessen
30.10.1563 Sophie von Braunschweig-Lüneburg
29.10.1606 Margareta I. von Dassel
29.10.1647 Amalia von Degenfeld
28.10.1667 Maria Anna von der Pfalz
30.10.1668 Sophie Charlotte von Hannover
29.10.1688 Amalia Pachelbel
25.10.1692 Elisabetta Farnese
28.10.1706 Louise Marie Madeleine Fontaine
26.10.1714 Maria Viktoria Pauline von Arenberg
24.10.1739 Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel
30.10.1741 Angelika Kauffmann
29.10.1753 (getauft) Eleonore Sophie Auguste Thon
25.10.1759 Sophie Dorothee von Württemberg
28.10.1767 Marie von Hessen-Kassel
29.10.1784 Vincenza Gerosa
30.10.1789 Louise Charlotte von Dänemark
25.10.1792 Jeanne Jugan
30.10.1796 Friederike von Preußen
30.10.1797 Henriette Alexandrine von Nassau-Weilburg
30.10.1799 Luise von Anhalt-Bernburg

KW 42/2016: Constantia von Cosel, 17. Oktober 1680

Anna Constantia von Cosel

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Constantia von Brockdorff war die Tochter eines Ritters und einer Bürgerlichen, die dank des Standes ihres Vaters eine gute Bildung erhielt und mit 14 Jahren Hofdame der Tochter des Schleswiger Herzogs wurde. Zunächst blieb sie mit ihrer Dame an deren heimatlichen Hof Schloss Gottorf, dann begleitete sie diese nach Wolfenbüttel an die Welfen-Residenz. Sie lernte hier ihren zukünftigen Mann Adolph Magnus von Hoym kennen, wurde jedoch zunächst schwanger (wahrscheinlich vom jüngeren Sohn des Welfen-Herzogs) und gebar 22jährig ein Kind; nach der Geburt kehrte sie – ohne Kind – zunächst in ihr Elternhaus zurück.

Ein Jahr später heiratete sie von Hoym. Der zwölf Jahre ältere Mann erfuhr wahrscheinlich erst im Laufe des folgenden ersten Ehejahres von ihrer Vorgeschichte und strebte bald bereits wieder die Scheidung an. Constantia war eine forsche und extravagante Frau, er bezeichnete sie in seinem Scheidungsbestreben als „herrschsüchtig und hinterhältig“, es darf aber angenommen werden, dass ihre voreheliche Schwangerschaft mindestens eine ebenso große Rolle gespielt haben dürfte wie ihr Charakter.

Es vergingen drei Jahre, bevor die Scheidung vollzogen wurde. In dieser Zeit begegnete Constantia auf Schloss Burgscheidungen, ihrem Heimathof, August dem Starken, der trotz warnender Worte ihres baldigen Ex-Ehemannes starkes Interesse an ihr zeigte. Augusts offizielle Ehefrau hatte sich schon auf ihren Witwensitz zurückgezogen, er hatte auch bereits eine Mätresse. Sein Interesse an Constantia war jedoch so groß, dass er ihr das Versprechen gab, sie im Falle des Todes seiner Gattin zur morganatischen „Frau zur Linken“ zu machen, also sie zu ehelichen und mit einer ausreichenden finanziellen Versorgung zu versehen. Ihre Lage als Mutter eines unehelichen Kindes und geschiedene Frau war gesellschaftlich prekär genug, mit dem Dokument aus Augusts Hand wollte sie sich ihr Auskommen für die Zukunft sichern.

In den folgenden neun Jahren hatte Constantia eine sichere Position als Mätresse Augusts des Starken. Er ließ sie vom Kaiser zur Gräfin von Cosel ernennen, sie gebar ihm drei Kinder und konnte am sächsischen Hof mit entsprechendem Ansehen leben. Sie war keine sehr liebenswerte Persönlichkeit, aber klug und politisch versiert. August wollte die polnische Krone wiedererlangen und ließ sich dafür sogar zum Katholiken taufen, doch Constantia, die Protestantin und Kaisertreue, sah dies kritisch und riet ihm davon ab, unter anderem, weil die politischen Händel in Polen für August gefährlich werden konnten. Nachdem sich ihre Warnungen bewahrheitet hatten, war August von seiner gar zu klugen Mätresse nicht mehr so angetan. Außerdem hatte er sich im Zuge seines Strebens nach der Krone eine weitere, polnische Mätresse zugelegt, womit wiederum Constantia nicht zurechtkam.

Ihre Eifersucht und der Unwille, sich gütlich von August dem Starken abservieren zu lassen, führte schließlich zu ihrer Verbannung nach Schloss Pillnitz. August forderte das Dokument von ihr zurück, in dem er ihr die Ehe und finanzielle Versorgung zugesichert hatte – dieses befand sich jedoch im preußischen Berlin. Um es wieder in ihre Hände zu bekommen, verstieß Constantia gegen die Verbannung und reiste nach Berlin. Offiziell galt dies als Flucht und August verhandelte, um sein Gesicht zu wahren, mit dem preußischen Hof über den Austausch der Gräfin von Cosel gegen einige preußische Deserteure. Entgegen der Regel versprach der preußische König Friedrich Wilhelm I. , die Deserteure nicht hinrichten zu lassen, sodass August dem Austausch schließlich zustimmen konnte, ohne sich zu blamieren. Constantia wurde festgenommen und nach Burg Stolpen verbannt, wo sie ihre restlichen 49 Lebensjahre verbrachte. Ihre Kinder mit August wurden am sächsischen Hof bestens versorgt und gebildet, sie selbst kehrte trotz späterer Aufhebung ihrer Strafe nicht mehr an den Hof zurück.

Bild: By Unidentified painter18th-century portrait painting of women, with Unspecified, Unidentified or Unknown, artist and year. – Rembrandt i inni. Królewska kolekcja obrazów Stanisława Augusta Warszawa 2011, Public Domain

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Von 140 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 4 (inklusive Constantia von Cosel) Frauen:
23.10.1550 Maria Andreae
17.10.1720 Maria Teresa Agnesi Pinottini
19.10.1775 Kamma Rahbeck

KW 41/2016: Anna Waser, 16. Oktober 1678 (Taufdatum)

Anna Waser

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Anna Waser war Kind eines Züricher Amtsmannes, der dank seiner eigenen Bildung das Talent seiner Tochter erkannte und förderte. Bereits mit 14 Jahren verließ sie ihre Familie und Heimat, um in Bern bei Joseph Werner zu lernen. Sie blieb vier Jahre als einzige weibliche Schülerin bei ihm und kehrte dann zunächst nach Zürich zurück, bereits mit einem Ruhm bis über die Stadtgrenzen hinaus ausgestattet.

Drei Jahre später wurde sie von einem kunstinteressierten Adligen in ein kleines Städtchen in Hessen, Deutschland berufen: Wilhelm-Moritz von Solms-Braunfels lud sie nach Braunfels ein, wo sie als Hofmalerin ihre Karriere hätte fortsetzen können. Leider kam es anders: Ihre Mutter erkrankte und ihr Bruder, der bis dahin als Hauslehrer ebenfalls in Braunfels tätig gewesen war, ging als Feldprediger nach Holland. So musste Anna Waser nach Zürich zurückkehren, um ihre Mutter zu pflegen und den Haushalt des Vater zu übernehmen. Neben diesen „weiblichen“ Pflichten blieb ihr wenig Muße für ihre Kunst, nur kleinere Arbeiten konnte sie noch ab und an ausführen. Als auch ihre Eintragung in ein Künstlerlexikon mit Autobiographie, Selbstportrait und anderen Werken fehlschlug, verlor sie offenbar den Kampf gegen eine Depression. In einer Chronik wird über die verhinderte Künstlerin gesagt: „Mit 30 Jahren verlor sie ihre Leibs- und Gemütskräfte.“ Fünf Jahre später bereits starb sie an den Folgen eines Sturzes.

Bild: By Anna Waser (1678-1714) – Kunsthaus Zürich, Public Domain

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Von 172 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 18 (inklusive Anna Waser) Frauen:
15.10.1290 Anna Premyslovna
16.10.1456 Ludmilla von Podiebrad
13.10.1498 Claude de France
11.10.1523 Eleonore von Fürstenberg
15.10.1607 Madeleine de Scudéry
13.10.1630 Sophie von der Pfalz
12.10.1664 Praskowja Fjodorowna Saltykowa
13.10.1679 Magdalena Augusta von Anhalt-Zerbst
13.10.1690 Katharina Opalińska
13.10.1710 Anna Charlotte Amalie von Nassau-Dietz-Oranien
11.10.1727 Elizabeth Griffith
11.10.1730 Hannah Lightfoot
13.10.1785 Maria Anna Amalie von Hessen-Homburg
11.10.1797 Emilie Linder
13.10.1797 Ida Pfeiffer
11.10.1798 Ida Arenhold
11.10.1799 Paula Montal Fornés

KW 40/2016: Marie de Gournay, 6. Oktober 1565

Marie de Gournay

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Als ältestes von sechs Kindern des königlichen Schatzmeisters wurde Marie de Gournay zwar der offizielle Zugang zu Bildung versagt, sie brachte sich selbst jedoch in der Bibliothek ihres Vaters Latein und Griechisch bei, soweit, dass sie später als gebildetste Frau ihrer Zeit galt.

Von Michel de Montaignes Essais begeistert, entwickelte sie erst eine Brieffreundschaft zu ihm, aus der bald ein Besuch bei ihm in Paris zustande kam, was wiederum zu einer alles außer offiziellen Adoption der jungen Frau durch den Philosophen  führte. Sie wurde zur Verwalterin seines literarischen Nachlasses und von seiner Witwe erhielt sie den Auftrag, die dritte Auflage seiner Essays zu veröffentlichen.

De Gournay fand viele Freunde und Befürworter im Adel und in wissenschaftlichen Kreisen: Justus Lipsius stellte sie in ganz Europa als gebildete Frau vor, sie schrieb für die Königinnen von Frankreich Margarete von Valois und Maria de’Medici, sowie für deren beider Mann Heinrich IV und den nachfolgenden König Ludwig XIII. Dennoch oder gerade deswegen sah sie sich auch harscher Kritik ausgesetzt – eher an ihrer Person, doch auch ihrer Arbeit, wobei letzteres auch eher Gründe vornehmlich in ihrem Geschlecht als ihrer tatsächlichen Tätigkeit hatte.
Sie übersetzte Werke mehrerer Philosophen ins Französische und schrieb selbst über Philosophie, Moral, Theologie und zum Thema der Frauenrechte, weshalb sie als eine der Mütter des Feminismus gilt. Am Höhepunkt der Hexenverbrennungen in Europa verwies sie auf die systematische Unterdrückung der Frauen durch die Verweigerung von Bildung:

Frauen sind das Geschlecht, dem man alle Güter versagt […] um ihm als einziges Glück und ausschließliche Tugend die Unwissenheit, den Anschein der Dummheit und das Dienen zu bestimmen.
Quelle: Wikipedia

Zum Zeitpunkt ihres Todes mit 79 Jahren hatte sie 1.000 Seiten Material geschrieben – als Autodidaktin. Sie gilt heute als erste weibliche Literaturkritikerin und erste Person, die für die Gleichberechtigung von Mann und Frau argumentierte.

Bild: By Unknown – Self-scanned, Public Domain

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Von 114 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 7 (inklusive Marie de Gournay) Frauen:
4.10.1585 Anna von Österreich-Tirol
5.10.1640 Françoise-Athénaïs de Rochechouart de Mortemart, marquise de Montespan
5.10.1658 Maria Beatrice d’Este
7.10.1675 Rosalba Carriera
9.10.1772 Mary Tighe
9.10.1791 Amalie Schoppe

KW 39/2016: Gertrud von Altenberg, 29. September 1227

Gertrud von Altenberg

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Gertrud war die jüngste Tochter der Heiligen Elisabeth von Thüringen und wurde als kleines Kind bereits an das Kloster Altenberg bei Wetzlar gegeben. Im Erwachsenenalter veranlasste sie als Meisterin des Konvents die Gründung von zwei Siechenhäusern. Dank ihr liegt im Kloster Altenberg die Armreliquie der Heiligen Elisabeth.

Das Kloster Altenberg liegt an der B49, die Straße, an der entlang sich im Prinzip meine Jugend abgespielt hat.

Bild: By Cherubino – Own work, CC BY-SA 3.0

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Von 167 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 16 (inklusive Gertrud von Altenberg) Frauen:
29.9.1328 Joan of Kent
26.9.1329 Anna von der Pfalz
1.10.1461 Amalie von Brandenburg
2.10.1470 Elisabeth von Spanien
1.10.1577 Ehrengard von Isenburg
2.10.1591 Margarita Gonzaga
1.10.1639 Ida Hedwig von Brockdorff
27.9.1657 Sofia Alexejewna
29.9.1680 Luise von Brandenburg
29.9.1700 Caroline von Erbach-Fürstenau
2.10.1755 Hannah Adams
29.9.1766 Charlotte Auguste von Großbritannien, Irland und Hannover
29.9.1766 Louise Humann
29.9.1787 Johanna Neumann
29.9.1794 Rose de Freycinet

KW 38/2016: Elisabeth von Adlerflycht, 23. September 1775

Rheinpanorama von Elisabeth von Adlerflycht

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Zu Elisabeth von Adlerflycht gibt es kein Bild und nicht viel zu sagen, aber ich brauchte einfach eine Pause von den ganzen Adligen und wollte gerne etwas machen, das mir naheliegt. Das von Elisabeth von Adlerflycht erfundene Rheinpanorama ist sozusagen meine heutige Heimat, und die Darstellungsform finde ich gleichzeitig so skurril wie naheliegend, dass mich ihr Erfunden-werden-müssen amüsiert.

Elisabeth von Adlerflycht war die Tochter eines Frankfurter Malers und zeichnete auf einer Rheinfahrt im Jahr 1811 ein Panorama des Rheins zwischen Nahe und Mosel. Daraus entstand im Laufe der Zeit der im praktischen Leporelloformat herausgebrachte Rheinfahrtbegleiter.

Bild: By Elisabeth Susanna Maria Rebecca von Adlerflycht (1811): Historisches Museum Francfort, Public Domain

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Von 141 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 13 (inklusive Elisabeth von Adlerflycht) Frauen:
21.9.1051 Bertha von Savoyen
21.9.1154/55 Sancha von Kastilien
21.9.1457 Hedwig Jagiellonica
22.9.1515 Anna von Kleve
21.9.1568 Salome Alt
23.9.1598 Eleonora Gonzaga
22.9.1601 Anna von Österreich
22.9.1634 Christiana von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg
22.9.1701 Anna Magdalena Bach
23.9.1740 Go-Sakuramachi
23.9.1780 Clara Anschel
25.9.1799 Luisa Cáceres de Arismendi

KW 37/2016: Maria von Ungarn, 17. September 1505

Maria von Ungarn

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Maria von Ungarn, auch von Habsburg, von Kastilien oder von Österreich, wurde als Einjährige mit dem noch ungeborenen Kind des Königs von Ungarn und Böhmen verlobt. Die von der „Osmanischen Bedrohung“ beeinflusste Ehepolitik der europäischen Großmächte drängte auch auf eine frühe Schließung der Ehe, sodass Maria und Ludwig Jagiello als Neunjährige bei der Wiener Doppelhochzeit vermählt wurden.

Maria verlebte dann allerdings noch prägende Jahre mit ihrer Schwester in Innsbruck, wo sie begann, sich für Musik und die Jagd zu interessieren. Mit 16 Jahren schließlich wurde sie mit ihrem 15jährigen Ehemann in Bratislava (damals Preßburg) vereint und verliebte sich wohl heftig in ihn. Auch von seiner Seite war die Beziehung glücklich – obwohl Maria nicht die Schönste gewesen zu sein scheint und für ihre Zeit unüblich forsch und burschikos auftrat. Sie beriet ihren Mann politisch, ohne die Interessen ihrer Habsburger Familie zu vergessen; dennoch war seine Regentschaft überschattet. Tatsächlich wurde Ungarn von Magnaten regiert und der junge König hatte wenig politische Handlungsmacht. Sein nationalistischer Reichsverweser Johann Zápolya hielt die Zügel in der Hand, der Konflikt zwischen ihm und der pro-habsburgischen Fraktion des ungarischen Adels schwächte das Land mehr und mehr. Als schließlich die Osmanen in Ungarn einfielen, unterließen auch Marias Brüder ihre zuvor versprochene Hilfeleistung für ihren Schwager; in der Schlacht bei Mohács kamen die meisten politischen und religiösen Führungspersonen des Landes um, auch Ludwig starb in der Konsequenz dieser Schlacht.

Maria hatte danach in Ungarn keine Macht mehr. Zápolya als Verwalter des osmanischen Sultans, ihre habsburger Verwandtschaft sowie der osmanische Sultan selbst teilten sich die Gebiete untereinander. Maria konnte sich weiteren Heiratsvorschlägen widersetzen und wurde als Witwe mit politischer Erfahrung zur Statthalterin der Niederlande.

In den 25 Jahren, die sie diese Position innehatte, vereinte sie die bisher separaten 17 Provinzen zu einem zentral regierten Gebiet und verteidigte dieses erfolgreich gegen französische Truppen sowie gegen ihren Schwager, der sie als Gegner schlicht aufgrund ihres Geschlechts unterschätzte. Sie förderte Handwerk und Kunst und brachte die Niederlande zu ihrem wirtschaftlichen und kulturellen Höhepunkt. Als ihr Bruder Karl V. 1556 abdankte, legte auch sie ihre Krone ab und zog sich mit ihren Geschwistern auf das Altenteil in Spanien zurück, wo sie zwei Jahre später verstarb.

Bild: By Hans Maler zu Schwaz – 2. unknown 1., Public Domain

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Von 187 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 9 (inklusive Maria von Ungarn) Frauen:
16.9. 16 Drusilla (Schwester des Caligula)
14.9.1485 Anna von Mecklenburg
18.9.1587 Francesca Caccini
15.9.1666 Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg
13.9.1683 Maria Victoria von Savoyen
16.9.1715 Charlotte Thouret
13.9.1752 Benedikte Naubert
13.9.1775 Laura Secord

KW 36/2016: Isabella Leonarda, 6. September 1620

Isabella Leonarda

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Isabella Leonarda ist eine der ersten Komponistinnen von Instrumentalstücken. Eine Tochter aus gutem Hause, ging sie mit 16 in ein Kloster und verbrachte dort den Rest ihres Lebens. Viel weiß man nicht über sie; sie hielt verschiedene Titel innerhalb des Klostersystems und unterrichtete die anderen Nonnen wohl in Musik. Sie schrieb unterschiedliche Formen von Musikstücken, die im Barock gängig waren. Die unten eingefügte Sonate Nr. 12 ist ihr bekanntestes Stück.

Bild: By Source (WP:NFCC#4), Fair use

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Von 243 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 22 (inklusive Isabella Leonarda) Frauen:
8.9.1413 Katharina von Bologna
5.9.1451 Isabella Neville
7.9.1457 Stephana Quinzani
5.9.1500 Maria (Jever)
7.9.1533 Elisabeth I.
8.9.1591 Angelika Arnaud
7.9.1633 Catharina Regina von Greiffenberg
10.9.1638 Maria Theresia von Österreich
11.9.1656 Ulrike Eleonore von Dänemark
7.9.1683 Maria Anna von Österreich
11.9.1699 Anna Maria von Liechtenstein
9.9.1739 Friderika Baldinger
8.9.1749 Marie-Louise von Savoyen-Carignan
11.9.1751 Charlotte von Sachsen-Meiningen
6.9.1761 Marie-Gabrielle Capet
11.9.1762 Joanna Baillie
5.9.1764 Henriette Herz
10.9.1771 Caroline Vanhove
8.9.1774 Anna Katharina Emmerick
6.9.1787 Émilie de Rodat
10.9.1788 Wilhelmine von Baden

KW 35/2016: Mary Shelley, 30. August 1797

Mary Shelley

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Bei Mary Shelley habe ich eigentlich Schreibhemmung – ein reiches, beeindruckendes, freies Leben voller Tragik und Erfolg, und eine Person, die kulturhistorisch, literaturwissenschaftlich und feministisch ausführlich untersucht und besprochen wurde.

Deshalb möchte ich versuchen, mich auf die wesentlichen Dinge beschränken. Sie war die Tochter von Mary Wollstonecraft, die bei ihrer Geburt starb. Sie wuchs unter dem Namen der Ägide ihres Vaters William Godwin auf, der ihr und ihrer älteren Halbschwester Fanny Imlay eine verhältnismäßig umfassende Bildung und seine politische Ausrichtung zum Anarchismus angedeihen ließ. Sie verliebte sich mit 16 in einen Bewunderer ihres Vaters, Percy Bysshe Shelley, der zu diesem Zeitpunkt noch verheiratet war, folgte ihm auf einer Reise quer durch Europa und kehrte nach zwei Jahren von ihm schwanger nach England zurück. Das Verhältnis der beiden, zumal seine damalige Frau sehr unter seiner Untreue litt, war ein Skandal, den auch ihr Vater nicht guthieß; Mary sah in ihrem Lebensstil wohl die reale Umsetzung der frühen Ideen ihres Vaters.

In London wohnte Mary mit ihrer Stiefschwester Claire Clairmont zusammen, die sie auch auf der Europareise begleitet hatte, ihr Liebhaber und Vater ihres Kindes lebte wegen Schulden im Untergrund und war selten bei ihr. Ihr erstes Kind, eine Tochter, verstarb kurz nach der Geburt, was Mary in eine Depression stürzte. Sie wurde jedoch bald wieder schwanger und gebar einen Sohn, der mit ihr, Shelley und Clairmont an den Genfer See reiste. Das Ziel für den Sommerurlaub 1816 wurde entschieden, weil sich dort Lord Byron aufhielt, von dem Claire Clairmont schwanger war. Mit dessen Leibarzt John Polidori zu fünft, verbrachte die Gesellschaft den Sommer in der Villa Diodati, während der Säugling von einem Kindermädchen betreut wurde.

Die Geschichte darum, wie in diesem Sommer Mary Shelleys bekanntestes Werk, „Frankenstein„, zu Stande kam, ist halb Wahrheit, halb selbst gesponnene Legend. Tatsächlich war es wohl ein verregneter Tag, der die Gesellschaft im Hause festhielt, an dem Byron vorschlug, jeder von ihnen solle eine Schauergeschichte verfassen. Legende ist jedoch eher, dass Mary zunächst keine Idee hatte, aber von einem Wachtraum inspiriert wurde, in dem sie Frankensteins Monster neben seinem Schöpfer vor sich sah. Ihr eigenes Tagebuch dieses Zeitraums existiert nicht mehr, John Polidori notierte jedoch in seinem, dass alle außer ihm sofort an einer Geschichte arbeiteten.

Bevor Frankenstein allerdings veröffentlicht wurde, ließen sich Percy Shelley und Mary in England nieder, erlebten die Selbstmorde von Percys erster Ehefrau und Marys Halbschwester Fanny Imlay. Der junge Witwer und die erneut schwangere Autorin heirateten, eigentlich nur, um das Sorgerecht für Percys Kinder aus erster Ehe zu gewinnen, und Mary gebar eine zweite Tochter. Anfang 1818 kam Frankenstein zunächst ohne Angabe des Verfassers heraus, kurz darauf verließ die Familie Shelley England mit dem Gedanken, nie mehr zurückzukehren.

Die Familie reiste mit Kindermädchen durch Europa und fand überall Freunde und Unterstützer. Dann starben beide Kinder kurz hintereinander in Italien und Mary verfiel erneut in schwere Depression. Das Schreiben und die Geburt ihres vierten und letzten Kindes halfen ihr über den Schmerz hinweg; Percys Interesse für andere Frauen, das über den Rahmen einer offenen Beziehung hinausging, eine weitere Fehlgeburt und der Verlust eines adoptierten Mädchens (dessen Herkunft ungeklärt ist) hingegen trugen nur zum tragischen Verlauf ihres Lebens bei.

Nachdem Percy Shelley bei einem Bootsunfall im Mittelmeer ums Leben gekommen war, hatte Mary kein weiteres ernsthaftes Interesse an Bindung. Sie arbeitete weiterhin als Autorin und Verlegerin, hatte auch amouröse Begegnungen, aber die wichtigste Beziehung blieb die zu ihrem Sohn Percy Florence. Zu ihrer späteren Schwiegertochter entwickelte sie noch ein inniges Verhältnis, sie litt zum Zeitpunkt der Hochzeit ihres Sohnes jedoch bereits an Symptomen einer Erkrankung, bei der es sich vermutlich um einen Hirntumor handelte, an dem sie einige Jahre später 53jährig verstarb.
„Frankenstein“ blieb ihr wichtigstes Werk; eine Geschichte, die sich unter anderem mit elterlicher Verantwortung, Forscherdrang, Fortschrittsangst, Wissenschaftshybris, Identitätsfindung, Moralität und der Frage, was gutes Leben ist, beschäftigt, und nebenbei schon das Uncanny Valley entdeckte.

Bild: By Richard Rothwell from the National Portrait Gallery, Public Domain

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Von 230 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 13 (inklusive Mary Shelley) Frauen:
1.9.1286 Elisabeth Richza von Polen
29.8.1540 Elisabeth von Brandenburg-Küstrin
4.9.1557 Sophie von Mecklenburg
31.8.1629 Anna Margarete von Hessen-Homburg
1.9.1647 Anna Sophie von Dänemark
2.9.1648 Magdalena Sibylla von Sachsen-Weißenfels
4.9.1729 Juliane von Braunschweig-Wolfenbüttel
2.9.1763 Caroline Schelling
29.8.1769 Philippine Rose Duchesne
30.8.1798 Virgine Déjazet
30.8.1800 Auguste Gräfin von Harrach
4.9.1800 Pauline von Württemberg

KW 34/2016: Juliana Blasius, 22. August 1781

Juliana Blasius

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Leider, so ungern ich es tue, schreibe ich diese Woche wieder über eine Frau, die vor allem für ihre Verbindung zu einem Mann Bekanntheit erlangt. Das ist das weibliche  Leben im christlichen Abendland vor dem 19. Jahrhundert in seiner Essenz.

Juliana Blasius war die letzte (von neun) Räuberbraut des Schinderhannes. Die 15jährige (Halb-)Waise begegnete dem Gesetzesbrecher wahrscheinlich bei einem ihrer Auftritte als Bänkelsängerin und Geigenspielerin. Sie behauptete später, entführt worden zu sein, und nach heutigen Erkenntnissen über das Stockholm-Syndrom und andere Verhaltensweisen bekannter Entführungsopfer lässt sich eine solche Aussage nicht allein mit späteren Fluchtmöglichkeiten widerlegen. Dennoch besteht durchaus die Möglichkeit, dass sie diese Aussage nur machte, um schuldfrei aus ihrem Prozess zu kommen.

Jedenfalls lebte das „Julchen“ fortan mit dem Schinderhannes und seinen Räubern und nahm auch selbst, gelegentlich in Männerkleidung, an seinen Raubzügen und Überfällen teil; sie fiel dabei nicht als besonders unwillige Komplizin auf, im Gegenteil. Sie gebar dem Schinderhannes außerdem zwei Kinder, eine Tochter, die jung verstarb, und einen Sohn, der in Haft geboren und von einem redlichen Bürger adoptiert wurde. Juliana wurde aufgrund entlastender Aussagen des Schinderhannes nur für zwei Jahre in Gent in ein Korrektionshaus verwiesen, der Schinderhannes in Mainz hingerichtet.

Nachdem sie ihre Strafe abgesessen hatte, trat sie als beim Adoptivvater ihres Sohnes in Dienst, verließ diesen aber wegen Vorfälle sexueller Belästigung. Sie heiratete einen entfernten Verwandten, der als Polizeidiener arbeitete, und gebar diesem sieben Kinder, nur zwei allerdings wurden davon erwachsen. Sie verbrachte ihren Lebensabend als lebende Legende, die gerne auch mal unter Mithilfe alkoholischer Zungenlöser von ihrer besten Zeit als Räuberbraut schwärmte.

Bild: By K. H. Ernst – Stadtarchiv Mainz, Public Domain

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Von 228 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 26 (inklusive Juliana Blasius) Frauen:
25.8.1473 Margarethe von Münsterberg
27.8.1487 Anna von Brandenburg
24.8.1510 Elisabeth von Brandenburg
26.8.1557 Sibylle von Jülich-Kleve-Berg
26.8.1568 Antonie von Lothringen
25.8.1588 Elizabeth Poole
25.8.1610 Susanna Margarethe von Anhalt-Dessau
25.8.1611 Magdalene von Hessen-Kassel
27.8.1619 Anne Geneviève de Bourbon-Condé
23.8.1624 Anna Elisabeth von Sachsen-Lauenburg
27.8.1630 Maria van Oosterwijk
26.8.1666 Henriette Amalie von Anhalt-Dessau
28.8.1667 Louise zu Mecklenburg
27.8.1669 Anne Marie d’Orléans
28.8.1691 Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel
27.8.1708 Giovanna Maria Farussi
28.8.1744 Friederike Auguste Sophie von Anhalt-Bernburg
28.8.1748 Amalie von Gallitzin
24.8.1750 Laetitia Ramolino
23.8.1757 Charlotte Ackermann
26.8.1771 Karoline von Hessen-Homburg
28.8.1774 Elisabeth Anna Bayley Seton
28.8.1779 Antoinette von Sachsen-Coburg-Saalfeld
25.8.1785 Zoé Talon
28.8.1789 Stéphanie de Beauharnais

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