Kategorie: Kalender

45/2017: Qiu Jin, 8.11.1875

English below
Wiki deutsch
Über Qiu Jin habe ich bereits 2013 einmal geschrieben – aber damals nur unter einem Aspekt. Deshalb bin ich heute so frei, mit veränderten Vorzeichen, sie noch einmal vorzustellen.

In einer höheren Beamtenfamilie in Xiamen großgezogen, mit einer für Mädchen außergewöhnlichen Bildung im Lesen und Schreiben, aber auch körperlichen Betätigungen wie Reiten, wurde Qiu Jin mit 21 Jahren dennoch mit einem Mann verheiratet, mit dem sie nicht glücklich werden konnte.

Nach acht Jahren und zwei Kindern brach sie aus, versetzte ihren Schmuck und ging nach Japan, um zu studieren und Lehrerin zu werden. Während des Studiums kam sie in Kontakt mit den Geheimgesellschaften, die den Sturz der mandschurischen Qing-Dynastie in China vorbereiteten. Sie reiste in den kommenden zwei Jahren zwischen Japan und China hin und her, war an der Gründung einer rein weibliche Abteilung der revolutionären Organisation beteiligt und erlernte Kampfkunst und die Herstellung von Sprengstoffen.

Sie schrieb ein Manifest über die Unterdrückung der Frauen durch die arrangierte Ehe und die Tradition der Lotusfüße – sie selbst hatte bereits aufgehört, ihre Füße zu binden. Dank des Erfolgs dieses Manifests konnte sie sich auch als Journalistin und Rednerin etablieren. Schließlich übernahm sie die Leitung einer Sportlehrer-Akademie in Shaoxing, die jedoch nur ein Deckmantel war für die Ausbildung einer revolutionären Armee, mit der die Qing-Regierung gestürzt werden sollte.

Nachdem ihr Cousin Xu Xilin En Ming, den Mandschu-Gouverneur der Provinz Anhui, ermordet hatte, wurden er und Qiu Jin verhaftet und ihr geplanter Aufstand verhindert. Ihre Schriften wurden als Beweismittel für ihre aufrührerische Tätigkeit gegen sie verwandt, sie wurde verurteilt und kurz darauf, im Alter von 32 Jahren, geköpft. Heute ist sie eine etwas an den Rand geratene chinesische Nationalheldin der Volksrepublik China.
Dass sie auch Gedichte schrieb, gerät vor diesem politischen Treiben in den Hintergrund. Hier ein Versuch meinerseits, einen ihrer Texte (Quelle: Wikipedia, siehe unten) aus dem Englisch zu übersetzen:

Sonne und Mond geben kein Licht mehr, die Erde liegt im Dunkeln;
Unserer Frauen Welt ist so tief versunken, wer kann uns helfen?
Den Schmuck verkauft für diese Reise über das Meer,
Von meiner Familie verstoßen, verlasse ich mein Heimatland.
Mit der Befreiung meiner Füße reinige ich mich vom Gift tausender Jahre,
Mit erhitztem Herzen entfache ich den Geist aller Frauen.
Jedoch, dies zarte Tuch
Ist befleckt halb mit Blut, und halb mit Tränen.

*

Wiki english
I’ve written about Qiu Jin in 2013 already – but only in German and with a specific focus. So today I’m allowing myself to present her once more under a different aspect.

Raised in the family of a well-to-do civil servant in Xiamen, with an education in literacy uncommon for girl, but also in physical activities such as hirse-riding, Qiu Jin was nonetheless given into marriage with a man with whom happiness was unobtainable.

After eight years and two children she ran away, pawned off her jewelry and went to Japan to study towards becoming a teacher. During her time at university she came in contact with the secret societies that where preparing the downfall of the Manchurian Qing dynasty in China. In the following two year she traveled between Japan and China, participated in the founding of an all-female revolutionary organisation and learned martial arts and how to manufacture explosives.

She wrote a manifesto on the oppression of women by arranged marriage and the tradition of bound feet – she herself had already stopped binding her feet. Thanks to the success of this manifesto she was able to establish herself as a journalist and orator. Finally she took the position as head mistress at an academy for gym teachers, which actually was a cover for the formation of a revolutionary army to topple the Qing government.
After her cousin Xu Xilin had assassinated En Ming, the Manchu gouverneur of the Anhui province, he and Qiu Jin were arrested and their planned uprising was thwarted. Her writings were held against her as proof of her inflammatory activities, she was sentenced and beheaded shortly after, at the age of 32. Today she is a slightly marginalised national hero of the People’s Republic of China.

The fact that she also wrote poetry is overshadowed by her political actions. Here’s a poem of hers translated to English (source: Wikipedia):

日月无光天地昏,
沉沉女界有谁援。
钗环典质浮沧海,
骨肉分离出玉门。
放足湔除千载毒,
热心唤起百花魂。
可怜一幅鲛绡帕,
半是血痕半泪痕。
Sun and moon have no light left, earth is dark;
Our women’s world is sunk so deep, who can help us?
Jewelry sold to pay this trip across the seas,
Cut off from my family I leave my native land.
Unbinding my feet I clean out a thousand years of poison,
With heated heart arouse all women’s spirits.
Alas, this delicate kerchief here
Is half stained with blood, and half with tears.

There’s a more detailed biography on Don Tow’s Website.

44/2017: Ruth Gordon, 30.10.1896

Ruth Gordon

English below
Wiki deutsch
Ruth Gordon war nicht nur bereits in ihrer Jugend eine erfolgreiche Broadway-Schauspielerin, und nicht nur in höherem Alter unter anderem Oscar-nominierte Film-Schauspielerin – in Rosemaries Baby oder unvergessen in Harold und Maude. Sie war auch in den zwanzig Jahren zwischen diesen Schauspieler-Karrieren erfolgreiche Drehbuchautorin. Was ich immer wieder vergaß und nun nie wieder vergessen will: Sie schrieb (mit ihrem 16 Jahre jüngeren Ehemann) das Drehbuch zu Pat and Mike, meinem Lieblingsfilm mit Katherine Hepburn und Spencer Tracy. Dieser ist ein Plädoyer dafür, dass sich ehrgeizige Frauen nur an den Mann binden sollten, der erträgt, dass sie erfolgreich sind.

*

Wiki english
Ruth Gordon was not only a successful Broadway actress in her youth, and not only a successful, Academy Award nominated movie actress in her later years – in Rosemary’s Baby and unforgettable in Harold and Maude. She was also, in the twenty years between those actor’s careers, a successful screen writer. I always forgot and don’t want to forget ever again: She wrote the script (with her husband, 16 years her junior) to Pat and Mike, my favourite movie with Katherine Hepburn and Spencer Tracy. It is a plea for ambitious women to only attach themselves to men who can bear them to be successful.

Bild: By George Grantham Bain Collection (Library of Congress) – This image is available from the United States Library of Congress’s Prints and Photographs division under the digital ID cph.3b27119.This tag does not indicate the copyright status of the attached work. A normal copyright tag is still required. See Commons:Licensing for more information., Public Domain

43/2017: Marianne North, 24.10.1830

Marianne NorthEnglish below
Wiki deutsch
Marianne North reiste dank eines beträchtlichen Erbes in der zweiten Hälfte ihres Lebens durch die ganze Welt und zeichnete Blumen und Pflanzen. Ihr Werk ist deshalb so maßgeblich, weil sie vor der Erfindung der Fotografie detailreich die Artenvielfalt dokumentierte, die sich schon seit ihrer Lebenszeit im Schwinden befindet.

Google-Ergebnisse für Marianne North botanische Kunst botanic Art

Google-Ergebnisse für Marianne North botanische Kunst botanic Art

*
Wiki english
Marianne North traveled the world in the second half of her life, thanks to a considerable inheritance, and drew flowers and plants. Her work is of significance as  before the invention of photography, she documented ecological diversity that was already in the decline during her own lifetime.

Bild: By Julia Margaret Cameron (1815-1879), Public Domain

41/2017: Mary Kingsley, 13.10.1862

Mary Kingsley

English below
Wiki deutsch
Mary Kingsley wuchs in eher unglücklichen Verhältnissen auf: Sie war das Ergebnis einer unstandesgemäßen Affäre eines Arztes mit seiner Köchin, die vier Tage vor Marys Geburt mit einer Eheschließung amtlich gemacht wurde. Es folgte ihr noch ein Bruder, doch ihre Mutter und sie wurden von der Familie ihres Vater nicht akzeptiert.

Mary Kingsley lernte autodidaktisch mit der Bibliothek ihres Vaters, der fast nie zu Hause war, und pflegte ihre kranke Mutter; eine weitere Bildung oder soziale Kontakte blieben ihr zunächst fast gänzlich verwehrt. Nur Deutschunterricht erhielt sie, damit sie ihrem Vater bei seinem Hobby, der Ethnologie, unterstützen konnte. Erst mit 26 Jahren trat sie nach einem Umzug von Islington nach Cambridge in der Gesellschaft um ihren Vater in Erscheinung, indem sie die kranke Mutter als Gastgeberin vertrat. Vier Jahre später verlor sie innerhalb kürzester Zeit beide Eltern und war schlagartig wohlhabend und frei von Pflichten, Zwängen und Beschränkungen.

Sofort begann sie, ihr Leben in völlig andere Bahnen zu lenken – sie machte eine Ausbildung zur Krankenpflegerin in Kaiserswerth und reiste dann, inspiriert von ihrer bisherigen Lektüre und eventuell dem Hobby ihres Vaters, nach Westafrika.

In der Folge wurde aus ihr eine erfolgreiche und berühmte Reiseautorin; ihre Rolle in der Geschichte der Kolonialismus und auch des Feminismus ist zwiespältig. Sie sah sich in keiner Weise als Frauenrechtlerin, sondern war von der generellen Überlegenheit „des Mannes“ überzeugt, ebenso von der Überlegenheit der „Weißen“ über die Afrikaner. Dennoch ließ sie sich von der Erwartung an die Frau als solche nicht an ihrer Reisetätigkeit und ihrem kolonialpolitischen Auftritt hindern. Sie wurde eine lautstarke Fürsprecherin für die Einwohner des afrikanischen Kontinents, brachte ein wesentlich differenzierteres Bild der „Wilden“ zurück in ihre Heimat als es bisher galt, und verteidigte die „unzivilisierten“ kulturellen Praktiken der afrikanischen Stämme gegen die Missionsarbeit der Kirche. Trotz kontroverser Überzeugungen waren ihre Reiseberichte erfolgreich, dank eines bildreichen und lakonisch selbstironischen Stils, der ihre gewagten Thesen mit Humor vermittelte.

Bei Ausbruch des zweiten Burenkrieges in Südafrika sagte sie eine Reise nach Westafrika ab, reiste nach Kapstadt und arbeitete dort als Krankenschwester. Sie starb ebenda 37jährig an Typhus (Warnung: Bildmaterial).

*

Wiki english
Mary Kingsley grew up in rather unhappy circumstances: She was the result of an unbefitting affair of doctor with his cook, which was made official by marriage four days before her birth. A brother followed later in the marriage, but she and her mother were never accepted by her father’s family.

Mary Kingsley taught herself autodidactically with the help of her father’s library, while he was almost never home and she nursed her invalid mother; further education or social interactions were almost completely denied to her. She only received German lessons so she could support her father in his pastime, ethnology. At last at 26 years old, she made an appearance in society surrounding her father after a move from Islington to Cambridge, where she replaced her ill mother as a hostess. Four years later she lost both parents in a very short time and was precipitously wealthy and free of duties and constraints.

At once she began steering her life into an utterly different path – she trained as a nurse in Kaiserswert by Duesseldorf and then, inspired by her former reading and maybe her father’s pastime, travelled to West Africa.
In the following years she became a successful and popular author of travelogues; her role in the history of colonialism and feminism is ambivalent. In no respect did she see herself as a womens‘ rights activist, but was convinced of the general superiority of „man“, much the same the superiority of the „whites“ over Africans. Still, she did not let herself be constricted by the expectations towards women in her travels and her appearance in colonial politics. She turned out a vocal advocate for the African population, brought back home with her a far more differentiated image of the „savages“ as was common and defended the „uncivilised“ cultural practices of the African tribes against the Church’s missionary work. Despite her controversial convictions, her travelogues were successful, thanks to a flowery and laconically self-depricating style which conveyed her daring presumptions with humour.

When the Second Boer War broke out in South Africa, she cancelled a trip to West Africa, went to Capetown and worked as a nurse there. She died of typhus (CW: graphic images) near Capetown at the age of 37.

Bild: By Unknown, Public Domain

40/2017: Florence B. Seibert, 6.10.1897

Florence B. Seibert

English below
Wiki deutsch
Auf Florence B. Seibert geht das noch heute von der Weltgesundheitsorganisation als Standardtest anerkannte Diagnosemittel für Tuberkuloseinfektion zurück.

Das 1890 von Robert Koch gefundene und 1907 von Clemens von Pirquet als Tuberkulose-Haut-Test eingeführte Tuberkulin ließ sich nicht rein heranzüchten und führte daher unverhältnismäßig häufig zu falsch-negativen Ergebnissen. Seibert, als Assistentin von Esmond R. Long an der University of Chicago und der University of Pennsylvania tätig, verbesserte die Qualität des Proteinextraktes mit Ammoniumsulfat und veränderten Filtern über einige Jahre mehrfach, bis sie schließlich 1940 eine Charge des Stoffes herstellte, der unter der Bezeichnung PPD-S heute noch als internationaler Referenzstandard für das Diagnosemittel verwendet wird.

*

Wiki english
Florence B. Seibert developed the means of diagnosing tuberculosis that is still today recognised by the WHO as a standardised test.

The form of tuberculin discovered by Robert Koch in 1890 and introduced as a skin test by Clemens von Pirquet in 1907 could not be cultured with pure results and led to a disproportionate number of false negatives. Seibert, working as an assistant to Esmond R. Long at the University of Chicago and the University of Pennsylvania, improved the quality of the purified proteins several times over a few years by use of ammonium sulfate and different filters, until in 1940 she finally generated a batch of the protein isolate which is still the international standard reference for the diagnostic substance.

Bild: By Smithsonian Institution – Flickr: Florence Barbara Seibert (1897-1991), Public Domain

39/2017: Charlotte Wolff, 30.9.1897

English below
Wiki deutsch
Charlotte Wolff war eine jüdische Medizinerin, die sich auch mit Psychologie befasste. Schon im Studium lebte sie offen homosexuell und trug bevorzugt Männerkleidung. 1938 wurde sie stellvertretende Direktorin am Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin, ein Jahr später konnte sie diese Position aufgrund der Verfolgung durch die Nazis nicht mehr halten.

Sie lebte zunächst in Frankreich, dann in England und arbeitete als Chirologin, unter anderem für Thomas Mann und Aldous Huxley. Sie legte die deutsche Staatsbürgerschaft ab und nannte sich, nachdem sie Jahre später die britische angenommen hatte, „internationale Jüdin mit britischem Pass“.

In den 1960er Jahren war sie dann die erste, die sich sexualwissenschaftlich mit der Homosexualität der Frau auseinandersetzte. Sie veröffentlichte die Ergebnisse ihrer empirischen Studie zum Lesbianismus 1971 und zur Bisexualität 1977. Es waren diese Forschungen, die dazu führten, dass sie 1978 zum ersten Mal seit seit ihrer Vertreibung deutschen Boden betrat. Ihr letztes und wichtigstes Werk war eine Biografie des Sexualforschers Magnus Hirschfeld.

Sie starb mit 89 Jahren in London.
*
Wiki english
Charlotte Wolff was a Jewish doctor who also worked in psychology. Even during her time at university she lived her homosexuality openly and preferred men’s clothing. In 1938 she was appointed deputy director at the Rudolf-Virchow-hospital in Berlin, a year later she already could not hold that position due to prosecution by the Nazis.

She lived in France at first, then in England and worked as a chirologist, for Thomas Mann and Aldous Huxley among others. She gave up her German citizenship and called herself, after taking on the British citizenship, an „international Jew with a British passport“.

During the 1960s she was the first to adress homosexuality of women as a field of sexology. She published the findings of her empirical studes on lesbianism in 1971 and on bisexuality in 1977. It was this research that led to her putting foot on German soil again for the first time after her expulsion in 1978. Her last and most important work was the biography of sexologist Magnus Hirschfeld.

She died in London at the age of 89.

38/2017: Hedwig Dohm, 20.9.1831

Hedwig Dohm

English below
Wiki deutsch
Hedwig Dohm war eine self-made woman. Nachdem sie zunächst nur die für Mädchen dieser Zeit typische geringe Schulausbildung genießen konnte, um mit 15 Jahren gänzlich auf den Haushalt im Elternhaus beschränkt zu werden, besuchte sie drei Jahre später ein Lehrerinnenseminar und heiratete mit 22 Jahren den intellektuellen Satiriker Ernst Dohm.

In der Ehe gebar sie zunächst fünf Kinder und nahm dann, als das jüngste „aus dem Gröbsten heraus“ war, ihre schriftstellerische Tätigkeit auf. In kürzester Zeit machte sie sich mit vier Essays in den frühen 1870ern zu einer bekannten Vertreterin des frühen Feminismus – sie wollte nicht nur im Kleinen die Verhältnisse für einzelne Personengruppen verbessern, sie wollte grundsätzlich die Rolle der Frau in der Gesellschaft verändern. Dazu gehörte, schon 1873 das Frauenwahlrecht zu fordern und das Recht auf die gleiche Bildung und Erwerbstätigkeit wie die Männer, um die Frauen aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit in der Ehe zu lösen.

Nach dem ersten Aufruhr beschränkte sie sich in der Folge auf Lustspiele und, nach dem Tod ihres Mannes, Novellen und Romane. Mit dem Erstarken des Feminismus in den 1880er Jahren wurde auch Hedwig Dohm wieder zu diesem Thema aktiv – sie beteiligte sich rege an der politischen Debatte in der Gesellschaft, forderte das Studienrecht für Frauen und gehörte zu den ersten, die die Begründung der traditionellen Geschlechterrollen in der „Natur“ in Frage stellte. Während des Ersten Weltkrieges bekannte sie sich vollständig zum Pazifismus.

Sie erlebte in ihrem letzten Lebensjahr noch die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland, bevor sie mit 87 Jahren in Berlin starb.
Auf der Seite Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern findet man eine Kostprobe ihres scharfzüngigen Witzes und ihrer fortschrittlichen Denkweise, im Pamphlet „Was die Pastoren von den Frauen denken“ von 1872.

Bild: Von unbekannt, PD-alt-100

Eine der Frauen, die mich zweimal begeistern konnten.

*

Wiki english
Hedwig Dohm was a self-made woman. After she was only allowed the typical restricted education for girl in those days, to be reduced to household chores in her family home at age 15, she visited a teachers‘ seminar three years later and married the intellctual satirist Ernst Dohm at age 22.

In this marriage she started out with giving birth to five children and then, when the youngest was „out of the woods“, picked up writing. In a short time she made herself one of the most notorious icon of early feminism over the first half of the 1870s – she not only wanted to improve the conditions for certain peer groups, she wanted to fundamentally change the role of women in society. That meant demanding the right to vote in 1873 already as well as the same rights to education and employment as men, to free women from economic dependence in marriage.

After the first uproar, she consequently limited herself to plays and, after her husband’s death, short stories and novels. With the rise of feminism in the 1880s, Hedwig Dohm became active on that behalf again – she participated briskly in the political debate in society, demanded the right to university studies for women and was one of the first to question the foundation of the traditional gender roles in „nature“. During the First World War she avowed herself completely to pacifism.

She saw women’s suffrage come into action in Germany during her last year, before dying in Berlin at age 87. On the website German History in Documents and Images a sample of her sharp wit and progressive thinking can be found, in the pamphlet „What The Pastors Think Of Women“ from 1872.

37/2017: Miriam Benjamin, 16.9.1861

Gong and Signal Chair von Miriam Benjamin

English below
{kein deutsches Wiki}
Miriam Benjamin war die frei geborene Tochter eines jüdischen Vaters und einer afro-amerikanischen Mutter in Charleston. Sie besuchte die weiterführende Schule in Boston und wurde zunächst Lehrerin.

Mit 27 Jahren erhielt sie dann in Washington D.C. das Patent für den „Gong-und-Signal-Stuhl für Hotels“ – ein Sitzmöbel mit Kingelknopf und Licht, der es dem Hotelgast ermöglichte, einen Kellner oder Pagen zu seinem Platz zu rufen, ohne winken, klatschen oder rufen zu müssen. Für das Hotel bedeutete dies, dass sie ihre Kosten reduzieren konnten, da durch das klare System weniger Angestellte benötigt wurden. Die Erfindung wurde vom Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten übernommen und ist noch heute in seiner weiterentwickelten Form jedem bekannt, der schon mal mit einem Flugzeug geflogen ist: aus dem Stuhl mit Gong und Signal wurde der Knopf, mit dem man die Flugbegleiter zum Platz rufen kann.

Miriam Benjamin besuchte daraufhin die Universität, zunächst um Medizin zu studieren. Als sie eine Prüfung zum Staatsdienst bestand, wendete sie sich dem Jurastudium zu und wurde schließlich Anwältin für Patentrecht. Als solche arbeitete sie in Boston mit ihrem Bruder zusammen, der ebenfalls als Patentanwalt und Erfinder tätig war. Sie starb dort 1947.

Afro-amerikanische Frauen erleiden den Matilda-Effekt potenziert, da sie nicht nur wegen ihres Geschlechts, sondern auch wegen ihrer Hautfarbe marginalisiert werden. Unten ein Link zu einer Liste mit immerhin fünf afro-amerikanischen Frauen, die als Gründerin oder Erfinderin in der Geschichte viel sichtbarer sein sollten. Außerdem ein etwas ausführlicherer Artikel zu Miriam Benjamin auf Thoughtco.

Bild: By Benjamin, Kaiser, Wood [1], Public Domain

*

Wiki english
Miriam Benjamin was the free born daughter of a Jewish father and an Afro-American mother in Charleston, SC. She went to highschool in Boston and worked as a teacher to begin with.

At age 27 she obtained a patent in Washington D.C. for the Gong and Signal Chair for Hotels – a seat with a bell button and a light, which enabled a hotel guest to call for a bellhop or a waiter to their place without having to wave, clap or call. For hotels this meant reduced costs, since less employees were needed thanks to the simple system. The invention was adapted by the United States House of Representatives and in its advanced form is still today known to anyone who has ever flown in an airplane: the chair with a gong and a signal became the button with which flight attendants are called to the seat.

Miriam Benjamin went on to university, at first to study medicine. When she passed a civil service examination, she turned to studying law and became a solicitor of patents. As such she worked in Boston with her brother, who was also working as an attorney for patents and an inventor. She died there in 1947.

Afro-American women endure the Matilda effect in potentiated form, since they are marginalised for their gender and the colour of their skin. Below a link to a list of as many as five Afro-American women who should be more visible in history as founders and inventors. Also a more detailed article on Miriam Benjamin on Thoughtco.

5 Black Women Founders and Inventors You Should Know
The Life and Inventions of Miriam Benjamin

36/2017: Marianne von Werefkin, 10.9.1860

English below
Wiki deutsch
Marianne von Werefkin hatte ihre erste künstlerische Hochphase bereits vor ihrem 30. Lebensjahr – die gutgebildete Tochter eines russichen Adligen und einer Ikonenmalerin galt damals mit ihrem Realismus als „russischer Rembrandt“. Nach 1890 veränderte sie ihren Stil hin zur Freilichtmalerei mit ersten Zügen von Impressionismus. Aus diesen Phasen existieren leider kaum noch Gemälde.

Mit 32 Jahren lernte sie einen vier Jahre jüngeren Maler kennen, der gerade in der Kunst anfing, und stellte ihre eigene Tätigkeit für ganze zehn Jahre zurück, um diesen Mann zu unterstützen und zu fördern. 1902 nahm von Werefkin ihre Kunst wieder auf – nachdem ihr fünfzehnjähriges Dienstmädchen ein Kind von ihrem Protegé bekommen hatte (wahrscheinlich nach mehreren Jahren des Missbrauchs).
In ihrer zweiten großen Schaffensphase trug Werefkin entscheidende Impulse zum Expressionismus bei, gründete mit anderen die Neue Künstlervereinigung München N.K.V.M. (aus der sich später Der Blaue Reiter abspaltete) und malte im Stil des Japonismus. Sie starb mit 78 Jahren in der Schweiz.

Der Verein Berliner Künstlerinnen vergibt alle zwei Jahre den Marianne-Werefkin-Preis an zeitgenössische Künstlerinnen.

*

Wiki english
Marianne von Werefkin had her first boom phase as an artist before she turned 30 years old – the highly educated daughter of a Russian noble man and painter of religious icons was known as the „Russian Rembrandt“ for her realism. After 1890 she changed her style to en plein air with first traits of impressionism.

When she was 32, she met a painter four years younger than her, who was only beginning his work as an artist, and put her own work on hold for ten whole years to support and promote this man. In 1902 Werefkin picked up her art – after her fifteen year old maid had given birth to child from her protegé (probably after several years of abuse).

During her second boom phase Werefkin contributed crucial impulses to the style of expressionism, formed the Neue Künstlervereinigung München N.K.V.M. with other artist (from which Der Blaue Reiter later seceded) and painted in the style of japonism. She died in Switzerland at the age of 78.

Marianne von Werefkin Google-Ergebnisse

WEG MIT
§218!