Kategorie: Tanz

07/2017: Lola Montez, 17.2.1821

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Lola Montez

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Bis aus Elizabeth Rosanna Gilbert die Lola Montez wurde, die in die Geschichte einging, verbrachte die Tochter eines schottischen Vaters und einer irischen Mutter mehrere Jahre ihrer Kindheit in Indien, dann in Schottland und England, bis sie mit 16 wiederum mit ihrem jungen englischen Ehemann nach Indien ging. Die Ehe scheiterte innerhalb der ersten fünf Jahre, und aus Elizabeth James, née Gilbert, wurde bei ihrer Ankunft in London 1843 die spanische Tänzerin Lola Montez.
Schon kurz nach ihrem Debut wurde sie als Engländerin enttarnt und floh nach Paris. Wie ein freigeistiger Tornado in Frauengestalt hinterließ sie Liebhaber mit mehr oder weniger Schaden, darunter wahrscheinlich Franz Liszt (der den freizügigen Damen offenbar zugeneigt war, mit der Duplessis verkehrte er auch), Alexandre Dumas – sowohl der Ältere wie der Jüngere (der auch mit der Duplessis verbandelt war) – und ein Zeitungsherausgeber und Theaterkritiker namens Dujarier, mit dessen Hilfe sie ihre Tänzerinnenkarriere neu startete und der später bei einem Duell um ihre Gunst erschossen wurde.
All dies lag bereits hinter ihr, als sie 1846 nach Münschen kam und dank ihrer charismatischen Auftritte die Geliebte des bayerischen Königs Ludwig I. wurde. Man kann Lola Montez nicht allein die Verantwortung für die folgenden Umbrüche zuschreiben – soziale Unzufriedenheit und die anti-revolutionäre Politik Ludwigs I. hatten die bestehende Gesellschaftsordnung bereits Jahre zuvor zermürbt. Dennoch übte sie als Mätresse des Königs einigen Einfluss aus und das unverfrorene Ausnutzen der Gunst des Königs für ihre eigene finanzielle Sicherheit und ihren sozialen Status verärgerte viele unterschiedliche Bevölkerungs- und Regierungsgruppen. So ließ sie sich vom König nicht nur zur Gräfin von Landsfeld erheben, ließ sich vertraglich Unterhalt zusichern für so lange, wie sie unverheiratet blieb, erhielt Residenzen zum Geschenk und beeinflusste den König im Sinne liberaler Politik. Ludwig wollte sie zur bayerischen Staatsbürgerin machen, was ihm gegen den Widerstand der Minister dagegen, bis hin zur völligen Auflösung des Kabinetts, gelang. Als sie Ende 1847 für ihre selbstverliebt inszenierten Auftritte in der Öffentlichkeit, mit Zigarre und Dogge, eine Studentencorps als Leibwache engagierte, kam es zu offenen Auseinandersetzungen zwischen Studenten, und Ludwig I. ließ Anfang 1848 die Universitäten zeitweise schließen. Es kam zu heftigen Protesten, die Lola schließlich zur Flucht in die Schweiz bewegten. An der im März 1848 beginnenden Märzrevolution hatte sie schon keinerlei Anteil mehr.
Lola hoffte, in der Schweiz lebend, noch einige Zeit auf eine Wiedervereinigung mit Ludwig und bezog auch noch weiterhin Unterhalt von ihm. Doch das schon abkühlende Verhältnis kam zu seinem Ende mit Ludwigs Erkenntnis, dass Lola nicht nur zu ihm intime Verbindungen gepflegt hatte, sondern auch mit Herren, die sich ihre Fürsprache beim König erhofft hatten, und vor allem mit einem der Corpsstudenten. Im folgenden Jahr 1849 ging sie wieder nach London, heiratete einen Engländer in Bigamie (ihr zweiter Mann ertrank, nachdem diese Ehe nach zwei Jahren bereits gescheitert war) und floh wiederum nach Europa und weiter in die USA. Dort konnte sie ihre Bühnenkarriere tatsächlich noch einmal aufleben lassen, indem sie sich selbst in einer Broadwayrevue (Lola Montez in Bavaria) spielte, und beide Küsten sowie eine Tour in Goldgräberstädten Australiens bespielen. Nachdem sie down under noch einmal mit ihrem down under für einen Skandal gesorgt hatte, setzte sie sich mit ihrem dritten, legitimen Ehemann in einer kalifornischen Kleinstadt zur Ruhe. In ihrer noch verbleibenden Zeit fand sie – scheinbar – zu Gott, gab Lesungen für einen protestantischen Geistlichen und kümmerte sich um „gefallene Mädchen“. Einen Monat vor ihrem 40. Geburtstag verstarb sie, wohl an den tertiären Folgen einer Syphilis (TW Bild).

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Before Elizabeth Rosanna Gilbert became the Lola Montez who went down in history, the daughter of a Scottish father and an Irisch mother spent several years of her childhood in India, then Scotland and England, until at 16 years she went back to India with her young English husband. The marriage failed within its first five years, and Elizabeth James, née Gilbert, became Lola Montez the Spanish dancer upon her arrival in London in 1843.
Shortly after her debut she was exposed as an Englishwoman and she fled to Paris. Like a free-spirited tornado in female form she left lovers behind with more or less damage, such as probably Franz Liszt (who seems to have had a disposition for promiscuous ladies, he consorted also with the lady Duplessis), Alexandre Dumas – père as well as fils (who was also an item with Duplessis) – and a newspaper editor and theatre critic by the name of Dujarier, who helped her restart her dancing career and was later shot in a duel over her favour.
All of this was already behind her when she came to Munich in 1846 and, grace of her charismatic appearances, became the mistress of the king Ludwig I. of Bavaria. She can not be made responsible for all of the following upheavals – social discontentment and the anti-revolutionary policy of Ludwig’s had eroded the established social orderfor years already. Still, she exercised quite some influence over the king as his mistress, and her blatant exploit of his favour for her own financial security and social status disgruntled various groups in the populace and the administration. For instance, she had him lift her into nobility as Countess of Landsfeld, ensured herself a contract over a maintenance for as long as she remained unmarried, reveived residences as gifts and influenced the king in favour of liberal policies. Ludwig strove to make her a Bavarian citizen, which he succeeded in against the resistance of his ministers, going so far as to disband the entire cabinet. When at the end of 1847, she recruited a student fraternity as bodyguards for her narcissistically staged public appearances with cigar and her Great Dane, it led to open altercations between students, and Ludwig I. had universities closed temporarily at the beginning of 1848. There were some vehement protests, that moved Lola to flee to Switzerland, finally. She had no share in the revolutions of 1848 starting in March that year.
Living in Switzerland, Lola held up hope for a while to be reunited with Ludwig, and she still drew a maintenance from him. The relationship had already cooled down before it ended with his discovery that she had had intimate relationships not only with him, but also with gentlemen who hoped for her advocacy towards him and notably one of the fraternity students. The following year, 1849, she went back to London, bigamously married an Englishman (her second husband drowned two years after the marriage had already failed) and again fled to Europe and further, to the United States. Indeed, she could revive her career on stage by playing herself in a Browadway revue (Lola Montez in Bavaria), and manage tours on both coasts and several gold-mining towns in Australia. After creating a scandal again down under with her own down under, she settled in a Californian town with her third, legitimate husband. For the rest of her years she – seemingly – found God, gave lectures for a protestant Reverend and took care of „fallen women“. A month short of her 40th year she died, probably due to tertiary effects of syphilis (TW graphic image).

auf nichts ist verlass / nothing is certain

weil die daten bei wikipedia nicht ordentlich geführt/verlinkt sind, habe ich einen ganzen beitrag geschrieben, links und alles, und dann festgestellt, dass die dame in diese woche gehört und nicht in die nächste. -_- deshalb gibt’s den clip jetzt einfach so, weil er so schön ist.
since the dates aren’t correctly sorted/linked on wikipedia, i wrote a whole post, links and all, only to find that this lady belongs in this week, not in the next. -_- so here’s the clip just so, because it’s so beautiful.
 

KW 40/2013: Ida Rubinstein, 5. Oktober 1885

Ida Rubinstein

By Agence Rol – This image comes from Gallica Digital Library and is available under the digital ID btv1b53087220p, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=43293089

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Wenn Igor Strawinski, ein Mann der ungeachtet seiner kompositionellen Erfolge ganz offenbar ein arrogantes, chauvinistisches Arschloch war, sie als „die dämlichste Frau der Kunstwelt“ bezeichnet, ist das eigentlich eine Adelung, etwas, was eine Frau wie Ida Rubinstein wie einen Orden am Revers tragen sollte.
Sie war keine ausgebildete Tänzerin, aber sie wurde in die Ballets Russes aufgenommen. Sie war groß und schlank und offenbar – typisch für eine Frau im frühen 20. Jahrhundert – künstlerisch und sexuell selbstbewusst. Sie war höchst gebildet und gleichzeitig die erste Frau – etwa 20 Jahre vor der skandalösen Josephine Baker – die fast nackt auf der Bühne unverhüllt erotisch tanzte.
Ida Rubinstein war die Tänzerin, für die Ravel den Boléro schrieb. Meine Lieblingsanekdote aus dem Wiki-Artikel: Wie Ravel auf den schockierten Ausruf einer Zuschauerin „Hilfe, ein Verrückter!“ erwiderte: „Die hat’s kapiert.“ So gut schreiben heute nicht mal mehr Drehbuchautoren.
Wer im Boléro nicht eine eindeutig sexuelle Komponente entdeckt, hat möglicherweise keinen Unterleib. Um es aber ganz deutlich zu zeigen, habe ich mich mal nach Performances des Boléro umgeschaut und bin dabei auf eine gestoßen von einer Ballerina (heißt das so oder ist das politisch inkorrekt?), die nicht nur sehr beeindruckend in ihrem Körperausdruck ist, sondern sogar, wie mir scheint, Ähnlichkeit mit Ida Rubinstein hat. Ihre Interpretation des Boléro – eine Choreographie für eine Frau und 20 (!) Männer – hat so viel Lebensenergie, Sex und Schwung, dass ich mir tatsächlich die vollen 15 Minuten am Bildschirm klebend angesehen habe. Wie ihr strenger Gesichtsausdruck höchster Konzentration sich in den letzten Minuten in einem befreiten Lachen voller Lust am Körper auflöst – das ist Weiblichkeit, wie sie erlebt werden sollte.