Kategorie: Europa

12/2018

2. Dezember 1083: Anna Komnena

Die Tochter des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos mit dessen Frau Irene Dukaina kam als ältestes von sieben Kindern in der Porphyra zur Welt, dem aus rotem Gestein erbauten Gebäude innerhalb des Großen Palastes in Konstantinopel, das für die Geburten der kaiserlichen Nachkommen vorbehalten war. (Es ist nicht klar zu benennen, ob der Begriff der Purpurgeburt – einer Geburt innerhalb der Herrschaft des Vaters – auf dieses Gebäude zurückgeht oder ob das Gebäude deshalb aus purpurem Gestein gebaut wurde, weil diese Farbe die kaiserliche Herrschaft symbolisierte.)

Direkt nach der Geburt wurde sie mit Konstantin Dukas verlobt, der als Sohn des Michael VII. zu diesem Zeitpunkt noch Mitkaiser und Thronfolger war. Diese Verbindung sollte vor allem die Rechtmäßigkeit der Herrschaft Alexios‘ I. untermauern, der den Thron vom Vorgänger usurpiert hatte; die adelige Dukas-Familie hatte mehrere byzantinische Kaiser gestellt. Wie für ihre Kultur üblich, wuchs Anna im Haus ihrer Schwiegermutter auf – Maria von Alanien, der pikanterweise ein Verhältnis mit Alexios I. nachgesagt wird. Als jedoch Annas Bruder Kaloioannes geboren wurde, gab es einen blutsverwandten Thronfolger: Alexios I. entzog Konstantin die Regentschaft und schickte Maria von Alanien ins Kloster (möglicherweise auch, weil sie Intrigen spann, ihn zu entmachten). Konstantin nahm diese Entscheidungen nicht übel und zog sich dem Kaiser weiterhin wohlgesonnen nach Zentralmakedonien zurück.

Anna wurde entgegen den eigenen Vorstellungen mit Nikephoros Bryennios, einem Militär und Geschichtsschreiber, verheiratet. Sie genoss eine ausführliche Bildung in Naturwissenschaften, Philosophie und Musik und war mehr an eigenen Projekten interessiert als an der Ehe. Ihr Vater hatte ihr die Leitung eines Krankenhauses und Waisenhauses anvertraut und sie unterrichtete dort auch; außerdem war sie eine Expertin für Gicht und pflegte ihren daran erkrankten Vater. Von ihren Lehrern und Zeitgenossen wurde sie als gebildete und intelligente Person hoch geschätzt.

Nicht ganz so uninteressiert war sie jedoch an ihrem eigenen Status, da sie gegen ihren Bruder und, seit dem Alter von fünf Jahren, offiziellen Thronfolger Kaloioannes („der schöne Johannes“) eine Abneigung pflegte und mit ihrer Mutter darauf hinarbeitete, ihm den Thron vorzuenthalten. Über die Weigerung ihres Mannes, gegen den inzwischen bettlägerigen Kaiser Alexios I. und seinen Thronfolger zu intrigieren, klagte sie, ihre Geschlechter seien vertauscht, da er von ihnen beiden die Frau hätte sein sollen. Kaloioannes erhielt jedoch – auf welche Weise auch immer – den Siegelring seines Vaters und wurde nach dessen Tod zum Kaiser gekrönt. Obwohl Anna und ihre Mutter erneut versuchten, Nikephoros zur Usurpation zu bewegen, scheiterte ihr Vorhaben und Kaloioannes verbannte die beiden Frauen in Kloster.

In dieser politisch stillgelegten Situation übernahm sie, nachdem ihr Mann starb und ein unvollständiges Werk über die byzantinische Geschichte hinterließ, die Geschichtsschreibung über die Regierungszeit ihres Vaters. Vieles in der 15 Bücher starken Alexiade konnte sie nur aus Erzählungen und Augenzeugenberichten zusammentragen, wobei sie natürlich vor allem das gute Bild ihres Vaters als Befehlshaber und Kaiser im Sinn hatte. Dennoch ist ihr Werk historisch unschätzbar wertvoll, da es die einzige Nacherzählung des Ersten Kreuzzuges aus Sicht der Byzantiner darstellt.

Anna Komnena starb in den frühen 50er Jahren des 12. Jahrhunderts und hinterließ mit der Alexiade ein auch literarisch hochwertiges Geschichtswerk, in dem sie in attischem Griechisch, mit Zitaten aus der Bibel und von Homer gespickt, nicht nur historische Ereignisse schildert, sondern auch Einblicke in ihre eigene Gedanken- und Gefühlswelt gibt.

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8. Dezember 1880: Rokeya Sakhawat Hussain

Geboren wurde Rokeya mit dem Nachnamen Khatun in dem Teil von Britisch-Indien, das heute Bangladesch ist. Ihre Eltern waren wohlhabende, gebildete Moslems und zogen es vor, Persisch oder Arabisch zu sprechen, Bengalisch war zwar die Sprache der Massen, aber eben darum auch in der Oberschicht verpönt. Als ihre ältere Schwester Karimunnesa, später ebenfalls Schriftstellerin, Bengalisch studieren wollte, untersagten ihre Eltern dies; der älteste Bruder Ibrahim jedoch unterrichtete seine beide Schwesten in der Sprache und hatte damit großen Einfluss auf ihre Entwicklung und ihren Erfolg.

Mit 16 heiratete Rokeya Khan Bahadur Sakhawat Hussain, einen Friedensrichter, der selbst Urdu, die „Sprache des gebildeten Hofes“ sprach. Wie ihr älterer Bruder, so ermunterte sie auch ihr Mann in ihrer Bildung und literarischen Entwicklung. Auf seinen Vorschlag hin schrieb sie ihr erstes Buch, „Pipasa“ (Durst), auf Bengalisch, sodass sie eine breite Bevölkerung erreichen konnte. Unter anderem schrieb sie danach ein Buch namens Sultanas Traum, das sich von seiner Zusammenfassung liest wie eine frühere, bengalische Version von Gerd Brantenbergs „Töchter Egalias“: die Geschlechtervorzeichen sind verdreht, die Frauen das dominierende Geschlecht.

Nach 13 Jahren Ehe starb ihr Mann. Zu Lebzeiten hatte er ihr ermöglicht, Geld für eine Schule zur Seite zu legen, an der sie muslimische Mädchen unterrichten könnte. Nach seinem Tod schritt sie zur Tat und gründete das Sakhawat-Denkmal-Mädchengymnasium in der Heimatstadt ihres Mannes Baghalpur. Nach Erbstreitigkeiten mit der Familie ihres Mannes musste sie die Schule aus dem urdusprachigen Gebiet in die bengalische Stadt Kolkata verlegen; dort ist die Schule noch heute eines der beliebtesten Gymnasien der Stadt.

Sakhawat Hussain schrieb neben ihren Romanen auch vielseitige Formate zur Verbreitung ihres islamischen Feminismus. Sie legte besonderes Augenmerk auf die Unterdrückung bengalischer Frauen und vertrat die Ansicht, dass Frauen Allah am besten die Ehre erweisen könnten, wenn sie sich ganz als Person entfalten dürfen. Nur mit der freien Berufswahl der Frauen könnte die Entwicklung der gesamten muslimischen Bevölkerung des indischen Subkontinents voranschreiten. Sie gründete den Anjuman-e-Khawateen-e-Islam, den islamischen Frauenverband, der sich mit Konferenzen und Podiumsdiskussionen für diese Sache einsetzte.

Sie starb mit auf den Tag 52 Jahren an einem Herzleiden. Ihr Todestag, der 9. Dezember, wird in Bangladesch zu ihren Ehren gefeiert.

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15. Dezember 1948: Patricia Cowings

Die afroamerikanische Tochter eines Lebensmittelhändlers und einer Kindergärtnerin kam in der Bronx (New York) zur Welt, zu einem Zeitpunkt, als diese sich von einem Bezirk der Mittelschicht in ein Arbeitviertel verwandelte. In den 1960er Jahren, als Cowings schulpflichtiger Teenager war, galt die Bronx dann als sozialer Brennpunkt und war berüchtigt für ihre hohe Kriminalitätsrate. Cowings Eltern legten daher als Ausweg aus diesem Umfeld großen Wert auf ihre schulische Bildung. Sie entdeckte früh ihre Liebe zu den Naturwissenschaften und studierte Psychologie, später auch Psychophysiologie an einer Universität in New York; ihre Tante, die einen Doktortitel innehatte, inspirierte und motivierte sie dabei, sodass auch Cowings schließlich mit einem Doktortitel abschloss.

In einem Ingenieurskurs, der den Aufbau des Space Shuttles zum Inhalt hatte, machte sie mit ihren spezifischen Beiträgen aus psychologischer Sicht Eindruck, und entdeckte sie ihre Begeisterung für die Raumfahrt. Sie wurde als erste Afroamerikanerin als Wissenschaftsastronautin ausgebildet, kam aber nie zum praktischen Einsatz. Stattdessen jedoch trug sie maßgeblich zur Verbesserung der Gesundheit von Astronauten bei: Sie entwickelte erfolgreich ein System autogenetischer Feedback-Übungen (AFTE, autogenetic feedback training exercises), mit dem die Menschen in der Schwerelosigkeit innerhalb von sechs Stunden lernen konnten, bis zu 20 Körperfunktionen zu erkennen und zu beeinflussen, die für die Raumkrankheit verantwortlich sind. Mit Hilfe dieser Übungen können die Astronauten die unangenehmen Symptome wie Übelkeit, Schwindel und Ohnmacht vermeiden.

Cowings Übungssystem hilft inzwischen auch Krebspatienten, die unter Chemotherapie mit den gleichen Nebenwirkungen zu kämpfen haben.

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19. Dezember 1875: Mileva Marić

Als Kind wohlhabender Eltern in Titel, damals Österreich-Ungarn, heute Serbien, genoss Marić eine gute schulische Ausbildung, die ihr Vater während mehrer Orts- und Schulwechsel besonders förderte. Vor allem ihre Noten in Mathematik und Physik waren ausgezeichnet. Nach einer Krankheit, die sie in der Schweiz auskurierte, legte sie mit 21 Jahren in Bern ihre Matura ab und begann ein Medizinstudium in Zürich. Nach einem Semester jedoch wechselte sie an das Polytechnikum, um dort als einzige Frau ihres Jahrgangs Mathematik und Physik zu studieren. Sie besuchte die gleichen Kurse wie Albert Einstein, mit dem sie sich bald anfreundete. Während er seine zweite Diplomprüfung bestand, fiel sie beim ersten Versuch durch – beim zweiten Versuch, ein Jahr später, war sie im ersten Trimester mit Einsteins Tochter schwanger und fiel erneut durch. Für die Geburt von „Lieserl“ kehrte sie in die Vojvodina zurück; das Kind erlitt dort mit einem Jahr eine Scharlacherkrankung, über ihr weiteres Schicksal herrscht Unklarheit.

Zurück in der Schweiz, heiratete Marić Einstein, obwohl seine Familie sie ablehnte. In den folgenden elf Jahren gebar Marić Einstein zwei Söhne und folgte ihm an jeden Ort, an den ihn sein Lehrberuf verschlug. Doch schon bevor sie ihn 1914 auch nach Berlin begleitete, hatte er einen Briefwechsel und wahrscheinlich auch eine Affäre mit seiner Cousine Elsa begonnen – die auch seiner Familie eine lieber gesehene, weil standesgemäße Partnerin war. Die räumliche Nähe des unfreiwilligen Liebesdreiecks führte bald zum Bruch und Marić kehrte mit ihren beiden Söhnen nach Zürich zurück. Aber erst fünf Jahre später, nachdem Einstein ihr das Preisgeld des Nobelpreises zusicherte, den bald gewinnen würde, willigte Marić in die Scheidung ein. Nur wenige Monate danach heiratete Einstein in Berlin Elsa, obwohl das Züricher Gericht, das die Scheidung rechtskräftig erkläret hatte, ihm eine zweijährige Heiratssperre auferlegt hatte.

Mit dem Geld des Nobelpreises, den Einstein tatsächlich 1922 gewann, erwarb Marić drei Mietshäuser; in einem davon lebte sie, die anderen dienten dem Unterhalt. Doch als ihr Sohn Eduard 1932 mit Schizophrenie diagnostiziert wurde, schmolzen ihre Ressourcen bald dahin: Sie musste zwei Häuser verkaufen, eines überschrieb sie ihrem Ex-Ehemann, behielt aber die Vollmacht darüber. Einstein sorgte zwar, inzwischen in den USA lebend, weiterhin für seinen Sohn und sie, doch es reichte nur für bescheidene Verhältnisse. Marić starb mit 72 in einer Züricher Privatklinik.

Während Marić selbst keine wissenschaftlichen Arbeiten hinterließ, ist umstritten, wie sehr sie an den Arbeiten Einsteins beteiligt war, die ihn ihm Wunderjahr 1905 berühmt machten. Die Vermutung basieren vor allem auf den Formulierungen von „unserer Arbeit“, die Einstein in Briefen verwendet, sowie darauf, dass der Name des Autors dreier der Arbeiten, deren Originale verschollen sind, Einstein-Marity (der ungarischen Form von Marić) lautete. Beweisen lässt es sich nicht, doch sind einige Vorlesungsunterlagen Einsteins in Marićs Handschrift verfasst. Schließlich ist es nicht unmöglich, dass eine Frau, die selbst offensichtlich so interessiert und gebildet in Mathematik und Physik war wie Marić, zumindest als verständige Zuhörerin und ebenbürtige Gesprächspartnerin an der Entstehung seines Genies in immaterieller Form beteilig war. Im Einklang mit diesem Gedanken wurde Mileva Marić 2005 von ihrer ehemaligen Hochschule, inzwischen die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich und der Gesellschaft zu Fraumünster als „Mitentwicklerin der Relativitätstheorie“ geehrt.

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23. Dezember 1983: Máret Ánne Sara

Die samisch-norwegische Künstlerin nahm 2017 an der documenta 14 teil, mit einer Weiterentwicklung ihrer ersten Installation, „Pile o’Sápmi“: Einer Installation aus Rentierschädeln mit Einschusslöchern. Der erste „Pile o’Sápmi“ entstand 2016, kurz bevor ihr Bruder vom Obersten Gerichtshof in Norwegen gezwungen wurde, sein Rentierzucht per Tötung zu reduzieren. Die Rentierzucht gehört traditionell zur Lebensweise der Samen und wird von der norwegischen Regierung stark reguliert – aufgrund der Überweidung der Finnmark, sagt die Regierung, wegen der Gier nach Bodenschätzen, die gehoben werden können, wenn keine Rentiere mehr dort weiden, sagt Saras Bruder.

Der Titel des Werkes nimmt Bezug auf ein Foto (Link englischsprachig), das einen Berg Büffelschädel zeigt, den Cree-Indianer im kanadischen Regina zusammengetragen hatten. Sie zog damit die Parallele zwischen der Vertreibung der amerikanischen Ureinwohner und der Unterdrückung der Samen in den Gesellschaften der Länder, über deren Gebiet sich der Lebensraum der Samen erstreckt.

Google-Ergebnisse Máret Ánne Sara

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26. Dezember 1926: Marija Atanassowa

Kurz und knackig zum Schluss: Die Bulgarin war die erste Zivilpilotin ihres Landes, die erste weibliche Kapitänin für schwere Flugzeugtypen und die erste Frau, die ein Verkehrsflugzeug auf dem Flughafen London Heathrow landete.

გილოცავ საქართველო!

Salome Zurabishvili

Von Salome Zourabichvili – Diese Datei ist ein Ausschnitt aus einer anderen Datei: Salome Zurabishvili.jpgoriginal file, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72838702

Herzlichen Glückwunsch, Georgien, zur Wahl des ersten weiblichen Staatsoberhauptes!

In Frankreich geboren, arbeitete Salome Surabischwili bereits für den französischen Staat, zuletzt als französische Botschafterin in Tiflis. Anschließend war sie georgische Außenministerin. Ab 2005 war sie mit ihrer selbstgegründeten Partei „Georgiens Weg“ in der Opposition. Für die Präsidentschaftswahl ging sie nun parteiunabhängig in die Wahl, hatte jedoch Unterstützung von Seiten der Regierung.

Sie verortet sich selbst Mitte-rechts, war allerdings stets eine Befürworterin Europas.

Die andere Seite von Allem

Mila Turajlić (Serbien/Frankreich/Qatar, 2017)

Full Disclosure: Der deutsche Verleih JIP Film und Verleih ist an mich herangetreten und hat mir den Film für diese Rezension zugänglich gemacht; kein weiteres Honorar wurde vereinbart. Der Text spiegelt meine unbeeinflusste Meinung wieder.

Belgrad, 1947: Eine Tür wird abgeschlossen, die Wohnung der bürgerlichen Familie Turajlić in zwei Hälften aufgeteilt, auf Befehl der regierenden Kommunistischen Partei. Die Familie Turajlić lebt von nun an in der einen Hälfte, eine Familie aus dem Proletariat in der anderen. In diesen geteilten Räumen wächst Srbijanka Turajlić auf und auch ihre Tochter Mila, die Regisseurin des Dokumentarfilms. Auf ihrer Seite der Tür durchleben sie die Krisen, Kriege und Bürgerkriege, die Belgrad und Serbien unter seinen unterschiedlichen Namen und Staatsformen nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute nicht zur Ruhe kommen lassen.

Mila Turajlić erzählt sehr persönlich und intim davon, wie Politik ins Private dringt und wie Menschen sich dazu verhalten. Vom dreimaligen Klingeln der alten Freunde, mit dem sie sich noch immer zu erkennen geben, obwohl es den Geheimdienst, der nur einmal klingelte, inzwischen nicht mehr gibt. Vom Blick aus der Wohnung auf brennende Botschaften und Polizeiaufgebote. Und von Volkszählungen, in denen Srbijanka die Antwort auf ihre Nationalität und ihre Religion noch immer verweigert, während die alte Nachbarin, die Proletarierin, sich frei heraus als Serbin und Atheistin vermerken lässt.

In den Bildern, die abgesehen von Nachrichtenbildern sich fast vollständig im Haus der Familie Turajlić oder um es herum bewegen, vollzieht die 37-jährige Regisseurin die Geschichte ihres Landes und ihrer Familie nach. Schon ihr Urgroßvater war bei der Gründung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen anwesend, wie ein Gemälde beweist, das verschwunden ist und wieder auftaucht. Die Mutter Srbijanka war als Professorin an der Belgrader Universität eine treibende Kraft bei den Demonstrationen gegen Milošević und aktiv in der Organisation Otpor!, die diesen schließlich zu Fall brachte. In Gesprächen, die Mutter und Tochter über mehrere Jahre miteinander und mit Besuchern in der geteilten Wohnung führen, stellen sie sich schwere Fragen: Ist es die Verantwortung der Eltern, in einem repressiven System, überhaupt am Leben zu bleiben, um für die Kinder zu sorgen – oder ist es ihre Verantwortung, gegen das System zu rebellieren und sich selbst zu gefährden? Ist es wichtiger zu bleiben und zu kämpfen oder zu gehen und arbeiten zu können?

Wir können hier in Deutschland vom Glück sprechen, seit dem Zweiten Weltkrieg eine politisch (verhältnismäßig) ruhige und wirtschaftlich (verhältnismäßig) sichere Zeit erlebt zu haben. Erschütternd im Gegensatz dazu, wie Srbijanka erzählt, dass sie 1996 aufgrund der Inflation nicht mehr genug Geld hatte, um ihre Familie für die nächste Woche zu ernähren – und in den Supermärkten auch gar nichts mehr vorhanden war, was sie hätte kaufen können. Dass in einem jetzt europäischen Land zu dem Zeitpunkt, als ich Abitur machte, Eltern entscheiden mussten, nichts zu essen, damit ihre Kinder (Mila Turajlić ist zwei Jahre jünger als ich) nicht hungern müssen. Doch trotz dieser entscheidenden Unterschiede, die die geografische Nähe der unserer Länder Lügen strafen, hat Mila Turajlićs Film auch für das deutsche Publikum höchste Relevanz. Auch in unseren Familien sind die Folgen eines totalitären Regimes noch spürbar, liegt es doch für einige nur zwei, höchstens drei Generationen zurück – für andere noch weniger. Und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit oder deren Verweigerung bestimmt auch in unserem Land noch immer, wohin sich Politik und Gesellschaft entwickeln.

Die Frage, ob wir auf die Straße gehen, um uns für das einzusetzen, was wir für richtig halten, müssen wir uns leider heute auch wieder wieder stellen. Srbijanka Turajlić hat in ihrem Leben reichlich gekämpft und ist müde, resigniert; sie fragt ihre Tochter, ob diese es in sich spürt, den Kampf fortzusetzen. Doch die Räume sind schon so lange getrennt, dass niemand so recht weiß, wie sie noch wieder betreten werden können, selbst, wenn die Türen geöffnet werden.

Der Film hinterlässt diese Unsicherheit, zwischen Hoffnung und Resignation; er bindet die beiden Frauen, Mutter und Tochter, ein in die Geschichte, die vor ihnen begann und nach ihnen weitergeht, ohne zu einem Schluss zu kommen, wie sehr sie den Lauf der Dinge beeinflussen können. Er lässt mich berührt zurück, ein wenig beschämt darüber, wie wenig ich über all das wusste, bewegt vom Mut und Entschlossenheit der Hauptfigur und ihrer Familie.

„Die andere Seite von Allem“ erhielt bereits zahlreiche internationale Filmpreise und läuft ab heute in ausgewählten Kinos. Die Termine können auf der Seite des Verleihs abgerufen werden.

07/2017: Lola Montez, 17.2.1821

lola_montez

Lola Montez

English below
Wiki deutsch
Bis aus Elizabeth Rosanna Gilbert die Lola Montez wurde, die in die Geschichte einging, verbrachte die Tochter eines schottischen Vaters und einer irischen Mutter mehrere Jahre ihrer Kindheit in Indien, dann in Schottland und England, bis sie mit 16 wiederum mit ihrem jungen englischen Ehemann nach Indien ging. Die Ehe scheiterte innerhalb der ersten fünf Jahre, und aus Elizabeth James, née Gilbert, wurde bei ihrer Ankunft in London 1843 die spanische Tänzerin Lola Montez.
Schon kurz nach ihrem Debut wurde sie als Engländerin enttarnt und floh nach Paris. Wie ein freigeistiger Tornado in Frauengestalt hinterließ sie Liebhaber mit mehr oder weniger Schaden, darunter wahrscheinlich Franz Liszt (der den freizügigen Damen offenbar zugeneigt war, mit der Duplessis verkehrte er auch), Alexandre Dumas – sowohl der Ältere wie der Jüngere (der auch mit der Duplessis verbandelt war) – und ein Zeitungsherausgeber und Theaterkritiker namens Dujarier, mit dessen Hilfe sie ihre Tänzerinnenkarriere neu startete und der später bei einem Duell um ihre Gunst erschossen wurde.
All dies lag bereits hinter ihr, als sie 1846 nach Münschen kam und dank ihrer charismatischen Auftritte die Geliebte des bayerischen Königs Ludwig I. wurde. Man kann Lola Montez nicht allein die Verantwortung für die folgenden Umbrüche zuschreiben – soziale Unzufriedenheit und die anti-revolutionäre Politik Ludwigs I. hatten die bestehende Gesellschaftsordnung bereits Jahre zuvor zermürbt. Dennoch übte sie als Mätresse des Königs einigen Einfluss aus und das unverfrorene Ausnutzen der Gunst des Königs für ihre eigene finanzielle Sicherheit und ihren sozialen Status verärgerte viele unterschiedliche Bevölkerungs- und Regierungsgruppen. So ließ sie sich vom König nicht nur zur Gräfin von Landsfeld erheben, ließ sich vertraglich Unterhalt zusichern für so lange, wie sie unverheiratet blieb, erhielt Residenzen zum Geschenk und beeinflusste den König im Sinne liberaler Politik. Ludwig wollte sie zur bayerischen Staatsbürgerin machen, was ihm gegen den Widerstand der Minister dagegen, bis hin zur völligen Auflösung des Kabinetts, gelang. Als sie Ende 1847 für ihre selbstverliebt inszenierten Auftritte in der Öffentlichkeit, mit Zigarre und Dogge, eine Studentencorps als Leibwache engagierte, kam es zu offenen Auseinandersetzungen zwischen Studenten, und Ludwig I. ließ Anfang 1848 die Universitäten zeitweise schließen. Es kam zu heftigen Protesten, die Lola schließlich zur Flucht in die Schweiz bewegten. An der im März 1848 beginnenden Märzrevolution hatte sie schon keinerlei Anteil mehr.
Lola hoffte, in der Schweiz lebend, noch einige Zeit auf eine Wiedervereinigung mit Ludwig und bezog auch noch weiterhin Unterhalt von ihm. Doch das schon abkühlende Verhältnis kam zu seinem Ende mit Ludwigs Erkenntnis, dass Lola nicht nur zu ihm intime Verbindungen gepflegt hatte, sondern auch mit Herren, die sich ihre Fürsprache beim König erhofft hatten, und vor allem mit einem der Corpsstudenten. Im folgenden Jahr 1849 ging sie wieder nach London, heiratete einen Engländer in Bigamie (ihr zweiter Mann ertrank, nachdem diese Ehe nach zwei Jahren bereits gescheitert war) und floh wiederum nach Europa und weiter in die USA. Dort konnte sie ihre Bühnenkarriere tatsächlich noch einmal aufleben lassen, indem sie sich selbst in einer Broadwayrevue (Lola Montez in Bavaria) spielte, und beide Küsten sowie eine Tour in Goldgräberstädten Australiens bespielen. Nachdem sie down under noch einmal mit ihrem down under für einen Skandal gesorgt hatte, setzte sie sich mit ihrem dritten, legitimen Ehemann in einer kalifornischen Kleinstadt zur Ruhe. In ihrer noch verbleibenden Zeit fand sie – scheinbar – zu Gott, gab Lesungen für einen protestantischen Geistlichen und kümmerte sich um „gefallene Mädchen“. Einen Monat vor ihrem 40. Geburtstag verstarb sie, wohl an den tertiären Folgen einer Syphilis (TW Bild).

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Wiki english
Before Elizabeth Rosanna Gilbert became the Lola Montez who went down in history, the daughter of a Scottish father and an Irisch mother spent several years of her childhood in India, then Scotland and England, until at 16 years she went back to India with her young English husband. The marriage failed within its first five years, and Elizabeth James, née Gilbert, became Lola Montez the Spanish dancer upon her arrival in London in 1843.
Shortly after her debut she was exposed as an Englishwoman and she fled to Paris. Like a free-spirited tornado in female form she left lovers behind with more or less damage, such as probably Franz Liszt (who seems to have had a disposition for promiscuous ladies, he consorted also with the lady Duplessis), Alexandre Dumas – père as well as fils (who was also an item with Duplessis) – and a newspaper editor and theatre critic by the name of Dujarier, who helped her restart her dancing career and was later shot in a duel over her favour.
All of this was already behind her when she came to Munich in 1846 and, grace of her charismatic appearances, became the mistress of the king Ludwig I. of Bavaria. She can not be made responsible for all of the following upheavals – social discontentment and the anti-revolutionary policy of Ludwig’s had eroded the established social orderfor years already. Still, she exercised quite some influence over the king as his mistress, and her blatant exploit of his favour for her own financial security and social status disgruntled various groups in the populace and the administration. For instance, she had him lift her into nobility as Countess of Landsfeld, ensured herself a contract over a maintenance for as long as she remained unmarried, reveived residences as gifts and influenced the king in favour of liberal policies. Ludwig strove to make her a Bavarian citizen, which he succeeded in against the resistance of his ministers, going so far as to disband the entire cabinet. When at the end of 1847, she recruited a student fraternity as bodyguards for her narcissistically staged public appearances with cigar and her Great Dane, it led to open altercations between students, and Ludwig I. had universities closed temporarily at the beginning of 1848. There were some vehement protests, that moved Lola to flee to Switzerland, finally. She had no share in the revolutions of 1848 starting in March that year.
Living in Switzerland, Lola held up hope for a while to be reunited with Ludwig, and she still drew a maintenance from him. The relationship had already cooled down before it ended with his discovery that she had had intimate relationships not only with him, but also with gentlemen who hoped for her advocacy towards him and notably one of the fraternity students. The following year, 1849, she went back to London, bigamously married an Englishman (her second husband drowned two years after the marriage had already failed) and again fled to Europe and further, to the United States. Indeed, she could revive her career on stage by playing herself in a Browadway revue (Lola Montez in Bavaria), and manage tours on both coasts and several gold-mining towns in Australia. After creating a scandal again down under with her own down under, she settled in a Californian town with her third, legitimate husband. For the rest of her years she – seemingly – found God, gave lectures for a protestant Reverend and took care of „fallen women“. A month short of her 40th year she died, probably due to tertiary effects of syphilis (TW graphic image).

KW 51/2016: Anna von Sachsen, 23. Dezember 1544

Anna von Sachsen

Von Abraham de Bruyn – worldroots.com : Home : Info, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2516034

Wiki deutsch Wiki englisch
Diese Anna von Sachsen – die Dritte in einer chronologischen Liste von 12 Frauen, die Anna von Sachsen hießen, oder Anna hießen und einen Titel „von Sachsen“ hatten – liegt mir wegen zwei Dingen am Herzen: einmal, weil ihr übel mitgespielt wurde, und zweitens, weil sich große Teile ihres Lebens in und um meine eigene Heimat herum abspielten.
Anna war körperlich deformiert, aber von der Mutter besonders geliebt. Durch Erbschaft von ihrem Vater Moritz von Sachsen eine der reichsten europäischen Adeligen ihrer Zeit, stellte ihr Hinken und die schiefe Schulter kein Problem dar dabei, einen Ehemann zu finden. Allerdings war sie durch eine vom Verlust der Eltern belastete Kindheit und Jugend sowie durch ihre Intelligenz und Streitbarkeit auch eine Person, die es sich selbst und anderen nicht leicht machte.
Der Mann, den sie schließlich heiratete, tat dies allein aus finanziellen bzw. politischen Gründen – was natürlich üblich war –, doch war ihre Familie davon überzeugt, sie hätte es auch noch besser treffen können: Wilhelm von Oranien war nicht der ranghöchste Heiratskandidat und noch dazu stark verschuldet. Dass er aber auch ein Feind der Habsburger und Unterstützer der protestantischen Konfession war, gab letztendlich jedoch den Ausschlag für die Entscheidung für ihn.
Anna gebar ihm fünf Kinder, obwohl die Verbindung von Zwist und Dissonanz geprägt war. Er fand sie streitsüchtig und beschwerte sich schon früh nach der Hochzeit unter anderem bei ihrem Onkel über ihre zänkische Art. Sie verfiel nach der Totgeburt des ersten Sohnes (das dritte Kind nach einer ersten, tot geborenen, und einer zweiten Tochter) in Depressionen und fühlte sich durch die beständigen Anfeindungen und Ermahnungen, sich gefügiger zu zeigen, sicher nicht wohler in ihrer Lage. Sie flüchtete sich in den Alkohol. Die Geburt und das Überleben des ersten männlichen Nachkommens war überschattet von der Tatsache, dass Wilhelm im Kampf gegen die Spanier schwere territoriale Verluste erlitt und sich die wirtschaftliche Lage schlecht darstellte. Er ließ sie in Dillenburg, wohin sie sich aus den Niederlanden zurückgezogen hatten, bei ihrer nicht wohlgesonnenen Schwiegermutter zurück, um wieder in den Krieg zu ziehen.
Anna fühlte sich dort jedoch so unwohl, dass sie während der nächsten Schwangerschaft ihren Hofstaat aufraffte und nach Köln zog – allerdings konnte sie ihre beiden Kinder nicht mitnehmen, weil ihre Schwiegermutter diese nach Braunfels verbracht hatte, um sie vor einer umgehenden Seuche zu schützen. Es sollte ein Jahr dauern und einen offenen Konflikt mit ihrer Schweigermutter nötig machen, ihre Familie in Köln zusammenzubringen. Inzwischen war auch das fünfte Kind mit Wilhelm von Oranien auf die Welt gekommen. Doch waren seine territorialen Verluste inzwischen so groß, dass sich Anna dazu bemüßigt fühlte, ihr Wittum, also die ihr zustehenden Besitztümer durch die Ehe mit Wilhelm, einzufordern. Sie zog dafür den niederländischen Advokaten Jan Rubens hinzu, es blieben allerdings nur zwei Möglichkeiten, ihr Eigentum sicherzustellen: sich mit dem politische Gegner ihres Mannes zu einigen, der die Territotrien beschlagnahmt hatte, oder entsprechende Entschädigungen durch Wilhelms Familie, die diese nur mit großem Verlust hätten leisten können.
Ihre Hartnäckigkeit besiegelte ihr Schicksal. Nach einem eintägigen Treffen 1570 in Butzbach kamen Anna und Wilhelm noch einmal für längere Zeit im selben Jahr an ihrem Hof in Siegen zusammen – nach diesem Treffen war Anna erneut schwanger. Ihr Mann jedoch plante bereits, sich ihrer zu entledigen, und beschuldigte kurzerhand ihren Anwalt, eine Affäre mit ihr zu haben. Nachdem er inhaftiert worden war, gestand er unter Folter selbstverständlich alles, was Wilhelm hören wollte, und Anna wurde mit der Androhung seiner Hinrichtung dazu erpresst, ihre Schuld einzugestehen. Das Kind, das sie kurz darauf gebar, wurde von Wilhelm nicht anerkannt und erhielt den Namen „von Diez“; Anna unterzeichnete ihre Scheidung und stand nun ohne jeglichen Unterhalt da.
Ihre eigene Verwandtschaft und die ihres Mannes wollten sie als Ehebrecherin inhaftieren. Dann allerdings wurde klar, dass Wilhelm bereits neue Heiratspläne schmiedete, und ihre Verwandtschaft fühlte sich nun betrogen. Sie forderten, dass Wilhelm ihr entweder eines der Besitztümer, das ihr Wittum hätte werden sollen, übergab – sie hätte schließlich nicht bewiesenermaßen oder wenn, dann nicht als erste von beiden Ehebruch begangen – oder sie solle zumindest nach Sachsen überführt werden. Wilhelm war letzteres nur recht, und ihre Umsiedelung nach Dresden wurde geplant. Als Anna, inzwischen auch von ihrem jüngsten Kind getrennt, dies erfuhr, beging sie einen Selbstmord versucht, der mißglückte; sie wurde mit Gewalt nach Sachsen verfrachtet und dort in einer Kammer mit Versorgungsschlitz eingemauert. Zwei Jahre später, mit 33, starb sie an einer Erkrankung und wurde namenlos neben ihren Verwandten im Meißener Dom beerdigt.

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Von 172 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 14 (inklusive Anna von Sachsen) Frauen:
25.12.1281 Alice de Lacy
25.12.1424 Margarethe von Schottland
25.12.1461 Christina von Sachsen
25.12.1505 Christina von Sachsen
25.12.1584 Margarete von Österreich
22.12.1670 Anna Sophie von Sachsen-Gotha-Altenburg
19.12.1671 Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth
25.12.1719 Marie Elisabeth von Ahlefeldt
25.12.1720 Anna Maria Mozart
25.12.1742 Charlotte von Stein
25.12.1771 Dorothy Wordsworth
19.12.1778 Marie Thérèse Charlotte de Bourbon
24.12.1784 Helena Pawlowna Romanowa

KW 42/2016: Constantia von Cosel, 17. Oktober 1680

Anna Constantia von Cosel

By Unidentified painter18th-century portrait painting of women, with Unspecified, Unidentified or Unknown, artist and year. – Rembrandt i inni. Królewska kolekcja obrazów Stanisława Augusta Warszawa 2011, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17385410

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Constantia von Brockdorff war die Tochter eines Ritters und einer Bürgerlichen, die dank des Standes ihres Vaters eine gute Bildung erhielt und mit 14 Jahren Hofdame der Tochter des Schleswiger Herzogs wurde. Zunächst blieb sie mit ihrer Dame an deren heimatlichen Hof Schloss Gottorf, dann begleitete sie diese nach Wolfenbüttel an die Welfen-Residenz. Sie lernte hier ihren zukünftigen Mann Adolph Magnus von Hoym kennen, wurde jedoch zunächst schwanger (wahrscheinlich vom jüngeren Sohn des Welfen-Herzogs) und gebar 22jährig ein Kind; nach der Geburt kehrte sie – ohne Kind – zunächst in ihr Elternhaus zurück.
Ein Jahr später heiratete sie von Hoym. Der zwölf Jahre ältere Mann erfuhr wahrscheinlich erst im Laufe des folgenden ersten Ehejahres von ihrer Vorgeschichte und strebte bald bereits wieder die Scheidung an. Constantia war eine forsche und extravagante Frau, er bezeichnete sie in seinem Scheidungsbestreben als „herrschsüchtig und hinterhältig“, es darf aber angenommen werden, dass ihre voreheliche Schwangerschaft mindestens eine ebenso große Rolle gespielt hat wie ihr Charakter.
Es vergingen drei Jahre, bevor die Scheidung vollzogen wurde. In dieser Zeit begegnete Constantia auf Schloss Burgscheidungen, ihrem Heimathof, August dem Starken, der trotz warnender Worte ihres baldigen Ex-Ehemannes starkes Interesse an ihr zeigte. Augusts offizielle Ehefrau hatte sich schon auf ihren Witwensitz zurückgezogen, er hatte auch bereits eine Mätresse. Sein Interesse an Constantia war jedoch so groß, dass er ihr das Versprechen gab, sie im Falle des Todes seiner Gattin zur morganatischen „Frau zur Linken“ zu machen, also sie zu ehelichen und mit einer ausreichenden finanziellen Versorgung zu versehen. Ihre Lage als Mutter eines unehelichen Kindes und geschiedene Frau war gesellschaftlich prekär genug, mit dem Dokument aus Augusts Hand wollte sie sich ihr Auskommen für die Zukunft sichern.
In den folgenden neun Jahren hatte Constantia eine sichere Position als Mätresse Augusts des Starken. Er ließ sie vom Kaiser zur Gräfin von Cosel ernennen, sie gebar ihm drei Kinder und konnte am sächsischen Hof mit entsprechendem Ansehen leben. Sie war keine sehr liebenswerte Persönlichkeit, aber klug und politisch versiert. August wollte die polnische Krone wiedererlangen und ließ sich dafür sogar zum Katholiken taufen, doch Constantia, die Protestantin und Kaisertreue, sah dies kritisch und riet ihm davon ab, unter anderem, weil die politischen Händel in Polen für August gefährlich werden konnten. Nachdem sich ihre Warnungen bewahrheitet hatten, war August von seiner gar zu klugen Mätresse nicht mehr so angetan. Außerdem hatte er sich im Zuge seines Strebens nach der Krone eine weitere, polnische Mätresse zugelegt, womit wiederum Constantia nicht zurechtkam. Ihre Eifersucht und der Unwille, sich gütlich von August dem Starken abservieren zu lassen, führte schließlich zu ihrer Verbannung nach Schloss Pillnitz. August forderte das Dokument von ihr zurück, in dem er ihr die Ehe und finanzielle Versorgung zugesichert hatte – dieses befand sich jedoch im preußischen Berlin. Um es wieder in ihre Hände zu bekommen, verstieß Constantia gegen die Verbannung und reiste nach Berlin. Offiziell galt dies als Flucht und August verhandelte, um sein Gesicht zu wahren, mit dem preußischen Hof über den Austausch der Gräfin von Cosel gegen einige preußische Deserteure. Entgegen der Regel versprach der preußische König Friedrich Wilhelm I. , die Deserteure nicht hinrichten zu lassen, sodass August dem Austausch schließlich zustimmen konnte, ohne sich zu blamieren. Constantia wurde festgenommen und nach Burg Stolpen verbannt, wo sie ihre restlichen 49 Lebensjahre verbrachte. Ihre Kinder mit August wurden am sächsischen Hof bestens versorgt und gebildet, sie selbst kehrte trotz Aufhebung ihrer Strafe nicht mehr an den Hof zurück.

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Von 140 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 4 (inklusive Constantia von Cosel) Frauen:
23.10.1550 Maria Andreae
17.10.1720 Maria Teresa Agnesi Pinottini
19.10.1775 Kamma Rahbeck

KW 37/2016: Maria von Ungarn, 17. September 1505

Maria von Ungarn

By Hans Maler zu Schwaz – 2. unknown 1. http://www.sal.org.uk/paintings/235459.jpg/view, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6440746

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Maria von Ungarn, auch von Habsburg, von Kastilien oder von Österreich, wurde als Einjährige mit dem noch ungeborenen Kind des Königs von Ungarn und Böhmen verlobt. Die von der „Osmanischen Bedrohung“ beeinflusste Ehepolitik der europäischen Großmächte drängte auch auf eine frühe Schließung der Ehe, sodass Maria und Ludwig Jagiello als Neunjährige bei der Wiener Doppelhochzeit vermählt wurden.
Maria verlebte dann allerdings noch prägende Jahre mit ihrer Schwester in Innsbruck, wo sie begann, sich für Musik und die Jagd zu interessieren. Mit 16 Jahren schließlich wurde sie mit ihrem 15jährigen Ehemann in Bratislava (damals Preßburg) vereint und verliebte sich wohl heftig in ihn. Auch von seiner Seite war die Beziehung glücklich – obwohl Maria nicht die Schönste gewesen zu sein scheint und für ihre Zeit unüblich forsch und burschikos auftrat. Sie beriet ihren Mann politisch, ohne die Interessen ihrer Habsburger Familie zu vergessen; dennoch war seine Regentschaft überschattet. Tatsächlich wurde Ungarn von Magnaten regiert und der junge König hatte wenig politische Handlungsmacht. Sein nationalistischer Reichsverweser Johann Zápolya hielt die Zügel in der Hand, der Konflikt zwischen ihm und der pro-habsburgischen Fraktion des ungarischen Adels schwächte das Land mehr und mehr. Als schließlich die Osmanen in Ungarn einfielen, unterließen auch Marias Brüder ihre zuvor versprochene Hilfeleistung für ihren Schwager; in der Schlacht bei Mohács kamen die meisten politischen und religiösen Führungspersonen des Landes um, auch Ludwig starb in der Konsequenz dieser Schlacht.
Maria hatte danach in Ungarn keine Macht mehr. Zápolya als Verwalter des osmanischen Sultans, ihre habsburger Verwandtschaft sowie der osmanische Sultan selbst teilten sich die Gebiete untereinander. Maria konnte sich weiteren Heiratsvorschlägen widersetzen und wurde als Witwe mit politischer Erfahrung zur Statthalterin der Niederlande.
In den 25 Jahren, die sie diese Position innehatte, vereinte sie die bisher separaten 17 Provinzen zu einem zentral regierten Gebiet und verteidigte dieses erfolgreich gegen französische Truppen sowie gegen ihren Schwager, der sie als Gegner schlicht aufgrund ihres Geschlechts unterschätzte. Sie förderte Handwerk und Kunst und brachte die Niederlande zu ihrem wirtschaftlichen und kulturellen Höhepunkt. Als ihr Bruder Karl V. 1556 abdankte, legte auch sie ihre Krone ab und zog sich mit ihren Geschwistern auf das Altenteil in Spanien zurück, wo sie zwei Jahre später verstarb.

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Von 187 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 9 (inklusive Maria von Ungarn) Frauen:
16.9. 16 Drusilla (Schwester des Caligula)
14.9.1485 Anna von Mecklenburg
18.9.1587 Francesca Caccini
15.9.1666 Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg
13.9.1683 Maria Victoria von Savoyen
16.9.1715 Charlotte Thouret
13.9.1752 Benedikte Naubert
13.9.1775 Laura Secord

KW 32/2016: Théroigne de Méricourt, 13. August 1762

Théroigne de Méricourt

By Formerly attributed to Antoine Vestier – Reproduction in André Foulon de Vaulx, « Antoine Vestier. 1740-1824. Notes et Renseignements », Extrait du Carnet historique et littéraire, Paris, Émile Paul Éditeur, 1901, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6071340

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Théroigne de Méricourt ist ein bisschen das Gegenmodell zu Charlotte Corday; zumindest stand sie politisch die meiste Zeit auf der anderen Seite.

Nach einem recht bewegten jungen Leben in Frankreich und England, während dessen sie einige Tätigkeiten erlernte und eine hochdotierte Schenkung eines abgewiesenen Freiers entgegennahm, kam sie 1785 nach Paris und wurde unter aktiver Teilnahme in die Wirren der französischen Revolution verstrickt. Sie schloss sich den Jakobinern an, entgegen mancher Behauptungen jedoch nahm sie nach eigenen Angaben weder am Sturm auf die Bastille noch am Marsch nach Versailles mit den Poissarden teil. Statt dessen lebte sie in Versailles, wo sie eine politische Gesellschaft, den „Klub der Menschenrechte“, gründete und sich in Männer-Reiterkleidung zeigte. Allein dies und ihre Unterstützung für gemischt-geschlechtliche und weibliche Patriotenvereine ließen sie in der damaligen Zeit fragwürdig und „lose“ erscheinen. Die Presse hetzte gegen sie und streute Gerüchte, außerdem wurde schließlich ein Haftbefehl gegen sie erlassen, sodass sie 1790 in ihre Heimat Lüttich floh; dort wurde sie von der kaiserlichen österreichischen Polizei festgenommen und ein Jahr in Kufstein in Tirol inhaftiert gehalten. Der Gefängnisaufenthalt hatte verheerende Auswirkungen auf ihre körperliche und geistige Gesundheit, unter denen sie den Rest ihres Lebens litt. Als klar wurde, dass sie mitnichten eine der Anführerinnen der Revolution war, entließ man sie nach Wien, wo sie ein weiteres Jahr lebte, bevor sie 1792 nach Paris zurückkehrte.

Während dieses zweiten Aufenthaltes in Paris wurde sie wegen ihrer Hafterfahrung als Heldin der Revolution gefeiert und war nun tatsächlich am Tuilleriensturm beteiligt. Sie erhielt die Bürgerkrone und sprach vor der Nationalversammlung und der Versammlung der Jakobiner von ihrer Zeit im Gefängnis. In dieser Zeit wurde sie als „Amazone der französischen Revolution“ bekannt, weil sie lautstark für das Recht der Frauen auf Bewaffnung eintrat. Sie näherte sich allerdings politisch stärker den Girondisten an, was ihr zum Verhängnis wurde: Am 15. Mai 1793 wurde sie von mehreren Frauen der Sansculotten-Bewegung (die den Jakobinern nahestanden) angegriffen, entkleidet und von Schlägen schwer am Kopf verletzt. Es war der Jakobiner Jean-Paul Marat, der ihr zu Hilfe eilte und zunächst das Leben rettete. Doch dieser Anschlag bedeutete das Ende ihrer politischen Aktivität, da sie nun unter Schmerzen und den seelischen Folgen der Attacke litt. Ihr Verhalten wurde unberechenbar und im September des Folgejahres, 1794, wurde sie in eine Anstalt eingeliefert, in der sie die letzten 23 Jahre ihres Lebens verbrachte.

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Von 216 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 34 (inklusive Théroigne de Méricourt) Frauen:
10.8.1439 Anne of York
14.8.1473 Margaret Pole, 8. Countess of Salisbury
10.8.1520 Madeleine von Frankreich
10.8.1549 Katharina von Brandenburg-Küstrin
12.8.1566 Isabella Clara Eugenia von Spanien
11.8.1582 Sabina Catharina
12.8.1591 Luise von Marillac
10.8.1597 Charlotte Louise von Hanau-Münzenberg
12.8.1629 Isabella Clara von Österreich
8.8.1646 Eleonore Charlotte von Sachsen-Lauenburg
12.8.1646 Luise Elisabeth von Kurland
12.8.1651 Margarita Theresa von Spanien
10.8.1658 Susanna Maria von Sandrart
11.8.1660 Henrietta Wentworth, 6. Baroness Wentworth
11.8.1667 Anna Maria Luisa de’Medici
9.8.1669 Jewdokija Fjodorowna Lopuchina
12.8.1674 Maria von Lothringen
12.8.1676 Dorothea Friederike von Brandenburg-Ansbach
12.8.1704 Karoline von Nassau-Saarbrücken
11.8.1706 Marie-Auguste von Thurn und Taxis
14.8.1727 Anne Henriette de Bourbon
14.8.1727 Marie Louise Élisabeth de Bourbon
11.8.1730 Charlotte Amalie von Hessen-Philippsthal
11.8.1737 Augusta von Hannover
9.8.1738 Anna Pestalozzi
13.8.1743 Marie Elisabeth von Österreich
13.8.1752 Maria Karolina von Österreich
11.8.1763 Louise Eleonore zu Hohenlohe-Langenburg
9.8.1764 Caroline Auguste Fischer
12.8.1767 Friederike Leisching
14.8.1767 Christine Englerth
8.8.1768 Elisabeth Eleonore Bernhardi
13.8.1781 Betty Gleim
13.8.1792 Adelheid von Sachsen-Meiningen

KW 15/2016: Caterina de' Medici, 13. April 1519

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Caterina de‘ Medici


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Caterina de‘ Medicis Lebensgeschichte ist wieder einmal so voll mit Namen und Ereignissen, dass ich sie unmöglich sinnig verkürzt wiedergeben kann (große Regentinnen haben das so an sich). Ich konzentriere mich daher auf drei Einzelheiten.
Zunächst mal, als Beispiel, wie hart und schrecklich die Welt für alle, aber speziell junge Mädchen in vergangenen Jahrhunderten war, die Geschichte, wie Caterina als elfjähriges Kind von republikanischen Aufständischen in Florenz als Geisel gehalten wurde. Ihr Verwandter, Papst Clemens VII., lag im Konflikt mit dem Kaiser von Spanien und des römisch-deutschen Reiches; währenddessen bemächtigten sich Republikaner der Stadt Florenz. Caterina wurde zunächst in verschiedenen Konventen verwahrt. Als der Papst und der Kaiser einen Friedensvertrag schlossen, wurde wiederum Florenz von gemeinsamen Truppen des Papstes und des Kaisers belagert – Caterina befand sich jedoch noch immer in der Stadt und war für den Papst ein wichtiges Element für seine Politik, wollte er sie doch strategisch verheiraten. Florenz litt neben der Belagerung auch noch an Hunger und an der Pest; dennoch blieb Gelegenheit, über das Schicksal des Kindes zu diskutieren. Man wollte die ehrgeizigen Pläne des Papstes durchkreuzen, indem man unter anderem das Mädchen nackt in einem Korb über die Stadtmauer herabließe, sodass sie von den Kanonen der eigenen und kaiserlichen Truppen getroffen würde – oder sie in einem Bordell zur Prositution zwingen, sodass sie danach nicht mehr verheiratet werden könne. Sie war, ich betone es noch einmal, elf Jahre alt. Sie wurde schließlich nur in ein weiteres Konvent überführt und schließlich von den Truppen ihres Verwandten gerettet; die Medici übernahmen wieder die Regierung der Stadt Florenz.
Drei Jahre später hatte ihr Verwandter, der Papst, schließlich Erfolg mit seinen Heiratsplänen. Nach vielen vielversprechenden Angeboten wurde Caterina 14jährig an den ebenfalls 14jährigen jüngeren Sohn Heinrich des Königs von Frankreich, Franz II., verheiratet. Heinrich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Aussicht darauf König zu werden – sein älterer Bruder Franz (III.) war Dauphin – weshalb die Eheschließung mit einer, wenn auch reichen, Bürgerlichen unproblematisch erschien. Dann jedoch starb der Papst ein Jahr nach der Hochzeit, ohne die Versprechungen des Ehevertrages (sowohl territoriale wie finanzielle) erfüllt zu haben, sein Nachfolger wollte mit der ganzen Sache nichts zu tun haben. Caterinas Wert am Hof sank, doch sie verstand sich hervorragend mit ihrem Schweigervater, dem König, und konnte so ihre Ehe retten – obwohl ihr Mann ihr nicht zugetan war und eine enge Beziehung zu einer Mätresse pflegte.
Als der Dauphin ein weiteres Jahr später überraschend verstarb und Caterinas Mann 16jährig Thronanwärter wurde, sie aber noch keine zukünftigen Erben produziert hatte (warum bloß?!), gingen Caterinas Nachteile für den französischen Hof ins Bodenlose. Es war ausgerechnet die Mätresse ihres Mann, Diana von Poitiers, die sich für sie einsetzte – denn eine neue, besser angemessene Königin hätte ihre eigene Position geschwächt. (Man sollte sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen, dass Diana 20 Jahre älter war als ihr König: er war zu diesem Zeitpunkt 16, sie 36.) Als reife Frau, die scheinbar eigene Ziele für ihr Leben verfolgte, sorgte Diana dafür, dass Heinrich nicht nur mit Caterina verheiratet blieb, sondern auch regelmäßig mit ihr schlief, sodass schließlich, nach elf Ehejahren, das erste Kind Franz II. geboren wurde. Allerdings tat auch Caterina alles in ihrer Macht stehende, sich dem franzöischen Königshaus gefällig zu zeigen, unter anderem, indem sie sich  König Franz vor die Füße warf und nur darum bat, bei einer Neuverheiratung ihres Mannes als deren Hofdame bleiben zu dürfen. Diese (kalkulierte) Demütigung machte sie ihrem Schweigervater so sympathisch, dass alle Fragen nach einer Scheidung vom Tisch waren.
Caterine gebar in den folgenden 12 Jahren weitere 9 Kinder. Für drei von ihren fünf Söhnen (einer überlebte allerdings sein erstes Jahr nicht) musste sie nach dem Tod ihres Mannes im Alter von 40 Jahren die Regentschaft antreten – in einem Land, das finanziell geschwächt, politisch in unterschiedliche Konflikte verwickelt und von einem religiösen Konflikt zerrissen war. Entgegen der Behauptungen, sie sei verantwortlich für die Massaker an Protestanten in der französischen Bartholomäusnacht hat sie allerdings in der ganzen Zeit ihres politischen Einflusses auf Einigung und Kompromiss hingearbeitet. Wie es die Zusammenfassung des ausführlichen Artikels treffend sagt, schwelten die Konflikte zwischen den Konfessionen beständig und hatten sich in drei Kriegen bereits Bahn geschlagen, in den folgenden 30 Jahren sollten noch fünf weitere kriegerische Auseinandersetzungen folgen. Caterina hatte sich in allen diesbezüglichen Verhandlungen an Frieden und Entgegenkommen interessiert gezeigt; es waren die katholischen Teilnehmer an der Politik, die dies erschwerten. Schließlich war die Bartholomäusnacht auch die Hochzeitsnacht ihrer eigenen Tochter Margarete von Valois mit dem Hugenottenführer Heinrich von Navarra – mit dieser Eheschließung sollte gemeinsamer Boden geschaffen werden. Tatsächlich hatte Caterina nichts mit den Massakern zu tun, stattdessen kam bei der Ermordung tausender Protestanten in Paris und im folgenden in vielen anderen französischen Städten die Frustration des Volkes mit der religions-politischen Lage und den beständigen Notzuständen durch Kriege im Inneren und Äußeren zu ihrem blutigen Ausdruck. Ihr Sohn Karl IX. übernahm später die Verantwortung für die Ereignisse, als Reaktion auf ein Komplott zu seiner Ermordung.
Caterinas letzte Jahre waren schließlich auch weiterhin von den Hugenottenkriegen geprägt: während ihr Sohn Heinrich III., nach dem Tod seines Bruders zwei Jahre nach der Bartholomäusnacht auf den Thron gekommen, sich nicht so recht als französischer König positionierte, blieb sie in beständigen Verhandlungen mit ihrem Schweigersohn, der die Interessen der Hugenotten vertrat. Sie starb schließlich mit 70 Jahren.
Abgesehen von alle diesem ist sie auch noch verantwortlich für die Einführung des Damensattels, mit dem Damen auch tatsächlich reiten konnten, und vielerlei Eigenschaften dessen, was man heute gemeinhin als „französische Küche“ versteht, aber eigentlich seine Wurzeln in Caterinas italienischer Heimat hat.

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Von 163 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 10 (inklusive Caterina de‘ Medici) Frauen:

12.4.1432 Anna von Österreich
11.4.1492 Margarete von Navarra
14.4.1606 Juliane von Hessen-Darmstadt
13.4.1648 Jeanne Marie Guyon de Chesnoy
15.4.1684 Katharina I. (Russland)
16.4.1693 Anna Sophie von Reventlow
17.4.1724 Salomé de Gélieu
14.4.1765 Auguste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt
17.4.1799 Eliza Acton

KW 14/2016: Margarete, Jungfrau von Norwegen, 9. April 1283

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Margarete Jungfrau von Norwegen


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Margarete wurde nur sieben Jahre alt, und doch spielt sie eine große politische Rolle in der Geschichte Schottlands. Sie war die letzte lebende Verwandte von Alexander III. von Schottland, dessen Enkelin sie war.
Alexander hatte nach seiner Tochter Margrete, die bei der Geburt ihrer Tochter mit Erik II. von Norwegen verstarb, auch seinen jüngsten Sohn David verloren und schließlich auch noch seinen Thronfolger Alexander, den Prinzen von Schottland. Als Alexander III. 1284 gänzlich ohne Kinder dastand, überzeugte er die „Estates„, das schottische Parlament, seine dreijährige Enkelin Margarete als Thronfolgerin zu akzeptieren, sollte er nicht noch weitere Kinder mit seiner zweiten Frau Jolanda von Dreux zeugen. Als er zwei Jahre später bei einem Ritt von den Klippen stürzte und ums Leben kam, sah es zunächst so aus, als folge noch ein Kind – Jolandas Schwangerschaft führte aber nicht zu einem lebenden Nachkommen. Daher war nun die dreijährige Margarete die Königin von Schottland. Sie lebte mit ihrem Vater in Norwegen und sollte so rasch wie möglich ihre Position in Schottland einnehmen. Der König von England sah die Gelegenheit, sein Königreich mit Schottland zu vereinen, und drängte darauf, seinen zweijährigen Sohn Eduard II. mit Margarete zu verheiraten. Nachdem der Papst Dispens für die frühe Verheiratung erteilt hatte und die Schotten – ohne Regent und ohne Einfluss auf die Entscheidung, mit wem der König von Norwegen seine Tochter verheiraten dürfe – sich mit dem Versprechen, der englische König werde die Unabhängigkeit Schottlands respektieren, überzeugen ließen, schiffte Margarete siebenjährig nach Schottland ein – doch schon auf der Reise erkrankte sie und starb in der Nähe der Orkneys.
Der Tod der kleinen Prinzessin und die Unklarheit der Situation – sie war zwar als Königin deklariert, aber nicht gekrönt worden – sowie die Anzahl weiter hergeholter Anwärter auf den schottischen Thron führte auf lange Sicht, nachdem auch der König von England versuchte hatte, die Lage für seinen Machtgewinn auszunutzen, zum ersten schottischen Unabhängigkeitskrieg.

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Von 184 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 11 (inklusive Margarete) Frauen:

4.4.1436 Amalia von Sachsen
5.4.1447 Katharina von Genua
5.4.1472 Bianca Maria Sforza
5.4.1598 Anna Elisabeth von Anhalt-Dessau
5.4.1692 Adrienne Lecouvreur
7.4.1750 Maria Beatrice d’Este
10.4.1783 Hortense de Beauharnais
4.4.1785 Bettina von Arnim
9.4.1798 Giuditta Pasta
10.4.1798 Amalie Luise von Arenberg