Kategorie: Königin

10/2018

10. Oktober 1928: Leyla Gençer

Die Tochter eines türkischen Vaters und einer polnischen Mutter wuchs auf der kleinasiatischen Seite Istanbuls auf; sie begann eine Gesangsausbildung am Konservatorium von Ankara, brach diese jedoch ab und setzte den Gesangsunterricht privat fort. Sie war mit einem Banker verheiratet und sang zunächst als Chorsängerin am Türkischen Staatstheater.

1953 begann sie ihre Karriere in Neapel, nur vier Jahre später sang sie zum ersten Mal an der Mailänder Scala. Bis zum Jahr 1987 trat sie an der Scala in 19 Rollen auf und baute ihr Repertoire auf über 70 Partien aus. Die „türkische Diva“ sang Hauptrollen in den USA und Europa, unter den berühmtesten Dirigenten ihrer Zeit. Besondere Erfolge feierte sie mit ihren Interpretationen von Donizetti, einem zwischenzeitlich in Vergessenheit geratenen Komponisten des Belcanto.

Nach dem Ende ihrer Bühnenkarriere war Gençer noch vielseitig in der Opern- und Musikbranche tätig. Ihr zu Ehren findet seit 1996 der Leyla Gençer Gesangswettbewerb statt. Die Sängerin starb 2008 80jährig an Herzversagen, ihre Asche wurde wunschgemäß in den Bosporus verstreut.

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12. Oktober 1873: Nadezda Petrović

Die serbische Malerin des Expressionismus und Fauvismus nahm anfangs privaten Zeichenunterricht in Belgrad. 25jährig kam sie nach München und wurde zunächst Schülerin des slowenischen Malers und Lehrers Anton Azbe; Petrović liebte alles Russische und besuchte auch den Salon von Marianne von Werefkin, wo sie russischen Künstlern begegnete. Ihre Vorliebe für die farbenfrohe russische Kunst brachte sie als Schülerin zum „Farbenfürst“ Julius Exter nach Übersee am Chiemsee.

Petrović vereinte ihre lebenslange Treue zum Azbe-Stil mit der Farbigkeit des Expressionismus. Sie reiste als Künstlerin durch ganz Europa und stellte in den 1910er-Jahren mehrfach in Paris aus. In ihrem Heimatland Serbien ist sie auch aufgrund ihres politischen Engagements beliebt: Sie unterstützte die Bevölkerung in Mazedonien in den türkischen Pogromen und gründete die erste serbische Künstlerkolonie. In den Balkankriegen und dem Ersten Weltkrieg malte sie in ihrer Heimat Landschaft, Soldaten und Bauern, verpflichtete sich jedoch auch als freiwillige Krankenpflegerin. Im Rahmen dieser Tätigkeit zog sie sich den Flecktyphus zu und verstarb 43jährig in einem Lazarett.

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14. Oktober 1938: Farah Pahlavi

Die spätere Ehefrau des iranischen Schahs wurde als Tochter eines aserbaidschanisch-stämmigen Offiziers in Teheran geboren, der starb, als sie zehn Jahre alt war. Farah Diba besuchte in Teheran zunächst eine italienische, später zwei französische Schulen; mit 19 Jahren schrieb sie sich in Paris an einer Hochschule für Architektur ein.

Da viele iranische Studenten staatliche Unterstützung in ihren ausländischen Studien erhielten, wurden stets einige in die Botschaft geladen, wenn der Schah dort weilte. Im Rahmen eines solchen Treffens lernte Farah Mohammed Reza Pahlavi Shah kennen. Es erfolgten einige weitere Treffen, bis nach etwa einem halben Jahr die Verlobung des Schah mit dem 19 Jahre älteren Monarchen bekanntgegeben wurde. Farah wurde die dritte und letzte Ehefrau des iranischen Staatsoberhauptes und schenkte ihm in zehn Jahren vier Kinder.

Nach der Hochzeit war ihr Titel zuerst Malakeh, aus dem Arabischen für „Königin“. Zwei Jahre, nachdem sie durch die Ehe diesen Titel erhalten hatte, erhöhte der Schah per Dekret ihre Stellung: Er verlieh ihr den Titel Schahbanu, Persisch für „Gemahlin des Schah“. Damit betonte er nicht nur ihre persische Herkunft, sondern wertete ihre Position – und damit intediert die Stellung der Frau in der iranischen Gesellschaft – auf eine der Gleichberechtigung nähere.

Farah Pahlavi Schahbanu setzte sich in ihrer politischen Position vielseitig für die Menschen und die Kultur im Iran ein, mit einem Büro, das sich in vier Themenbereich engangierte: Medizin und Gesundheit, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur udn Soziale Angelegenheiten. So gründete sie z. B. als erste ein Dorf, in dem Leprakranke und ihre Familien nicht nur medizinisch versorgt, sondern auch gesellschaftlich rehabilitiert wurden – bis dahin führte die Erkrankung zur lebenslänglichen Verbannung nicht nur des Betroffenen, sondern auch derer Familien aus dem heimatlichen Verbund. Gesellschaften unter ihrer Schirmherrschaft verbesserten die Versorgung von Krebskranken, Brandopfern, Kindern und die Zusammenarbeit mit der WHO. Farah Pahlavi gründete mehrere Waisenhäuser, Fachschulen und Institutionen für die Teilhabe von körperlich Beeinträchtigten; die ehemalige Pfadfinderin förderte auch die Organisation der Pfadfinderinnen im Iran. Außerdem förderte sie mit Schrimherrschaften die Literatur, das Theater und Museumslandschaft im Iran, insbesondere mit Fokus auf Kinder und die persische Sprache. Farah unternahm Inspektionsreisen in abgelegene Gebiete ihres Landes und begleitete ihren Mann bei Staatsbesuchen rund um die Welt, unter anderem auch den 1967 in Deutschland.

Im gleichen Jahr, 1967, war Farah Pahlavi mit ihrer Schwägerin, der Zwillingsschwester ihres Mannes, an einer Veränderung des Familienrechts beteiligt. Sie selbst wurde von ihrem Mann ein weiteres Mal in ihrer Stellung gehoben: Sie wurde zur Vizekönigin und das Mindestalter, in dem der Sohn des Schah würde regieren dürfen, wurde auf 20 angehoben – Farah wurde damit in Abwesenheit oder im Todesfall des Schahs zur gleichberechtigten Übergangs-Regentin. Dies war ein umwälzender Schritt für die Gleichstellung der Frau in der iranischen Gesellschaft. Die gleichzeitige Gesetzesänderung, dass Frauen das Recht zur Scheidungseinreichung verliehen wurde und Männer sich nicht mehr ohne Angabe von Gründen von ihren Frauen scheiden lassen konnten, sowie die Einwilligung der ersten Ehefrau und einen Nachweis für die Versorgungsicherung benötigten, um eine Zweitfrau zu heiraten, sollte diese fortschrittliche Entwicklung zementieren. Der Ajatollah Chomeini, damaliger religiöser Führer des Islam im Iran, war alles andere als begeistert; dieser Schritt nach vorn verstärkte die gegenläufige Reaktion und trug zur Spaltung des Landes bei, die in der Islamischen Revolution und schließlich dem Sturz des Schahs 1979 ihren Höhepunkt fand.

Nachdem der Schah und seine Frau den Iran verlassen hatten, suchten sie an verschiedenen Stellen sowohl Exil wie auch medizinische Versiorgung für die Krebserkrankung des Monarchen. Einige Politiker, die sie vor kurzem noch als Staatsgäste empfangen hatten, wiesen sie nun ab. Nach Aufenthalten in Ägypten, Marokko, den Bahamas und Mexiko wurde der Schah einige Zeit in amerikanischen Krankenhäusern behandelt; es folgten weitere Aufenthalte in Panama und wiederum Ägypten, wo der Schah 1980 an den Folgen des Krebs verstarb.

Farah Pahlavi lebt derzeit abwechselnd in Frankreich und den USA, sie engagiert sich weiterhin bei der UNESCO für Kinderbildung. Zwei ihrer Kinder musste sie nach Selbstmorden beerdigen: Ihre jüngste Tochter nahm 2001 31jährig Schlaftabletten und Kokain, ihr jüngster Sohn erschoss sich 2011 mit 44 Jahren.

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21. Oktober 1925: Celia Cruz

Celia ‚Azúcar‘ Cruz gilt als Queen of Salsa, „la reina de salsa“. In einfachen Verhältnissen in Havana, Kuba, aufgewachsen, begann sie eine Ausbildung zur Lehrerin, um einen „anständigen“ Beruf zu haben, doch sang sie schon seit ihrer Kindheit und hoffte auf eine wirtschaftlich und sozial vielversprechendere Zukunft als Sängerin. Sie gewann in zahlreichen Gesangswettbewerben, doch ihren wirklichen Durchbruch schaffte sie mit 25, als die vorherige Sängerin der kubanischen Band Sonora Matancera in ihre Heimat Puerto Rico zurückkehrte. Die Band gab Celia Cruz eine Chance und stand bald im Schatten ihres Ruhms.

Celia befand sich mit der Band gerade in Mexiko, als Fidel Castro 1959 auf Kuba die Macht ergriff, und sie blieben alle im Exil. Castro verbot Cruz zwei Jahre später sogar die Einreise zur Beerdigung ihrer Mutter. Cruz wurde amerikanische Staatsbürgerin und feierte in den USA und Mexiko Erfolge, die ihr auch gelegentliche Ausflüge ins Filmfach gewährten. Sie gewann im Laufe ihres Lebens drei Grammys und vier Latin Grammys.

Sie starb 2003 mit 77 Jahren an den Folgen eines Hirntumors.

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27. Oktober 1922: Ruby Dee

Die afro-amerikanische Schauspielerin wuchs in Harlem auf, wo ihre Eltern nebenbei eine Pension für afro-amerikanische Reisende betrieben, die nicht in „weißen“ Hotels aufgenommen wurden. Sie spielte bereits in der Highschool Theater und während des College am American Negro Theater in Harlem, wo sie schon früh mit späteren Stars wie Sidney Poitier und Harry Belafonte auf der Bühne stand. Von dort erarbeitete sie sich ihre Karriere über Off-Broadway-Produktionen an den Broadway. Sie besuchte das Actors Studio unter Lee Strasberg und erreichte über erste Produktionen afro-amerikanscher Filme auch Hollywood. Sie spielte bis zum Ende ihres Lebens in Theater und Filmen, unter anderem in mehreren Werken von Spike Lee. Mit 83 Jahren erhielt sie ihre einzige Oscarnominierung für ihre Rolle als Denzel Washingtons Mutter in American Gangster; sie ist die einzige im 21. Jahrhundert für diese Auszeichnung nominierte Person, die auch bereits gestorben ist.

Gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann Ossie Davis galt Ruby Dee als „Erstes Ehepaar der Bürgerrechtsbewegung“. Die beiden waren mit ihren Schauspielkollegen politisch aktiv und mit den Bürgerrechltern Martin Luther King Jr. und Malcolm X befreundet. Noch bis ins hohe Alter nahm sie an politischen Kundgebungen und Demonstrationen teil und betrachtete ihre prominente Stellung as Schauspielerin als Möglichkeit, für die Rechte der afro-amerikanischen Bevölkerung einzutreten.

Ruby Dee starb mit 91 Jahren; die Lichter am Broadway wurden am Freitagabend nach ihrem Todestag für eine Minute gedimmt, um ihrer zu gedenken.

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28. Oktober 1879: Luisa Capetillo

Luisa Capetillo wurde in Puerto Rico geboren, als Tochter eines Basken und einer Korsin, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben auf die karibische Inselgruppe ausgewandert waren. Liberal erzogen und von den Eltern im Lesen und Schreiben unterrichtet, fand sie ihre erste berufliche Beschäftigung als Vorleserin in einer amerikanischen Zigarrenfabrik – sie las dort den Arbeitern Zeitungen und Romane vor. Über diese Tätigkeit kam sie auch in Kontakt mit Gewerkschaften.

Geprägt von den philosophischen und literarischen Vorlieben ihrer Eltern, las sie Tolstoy, Zola und Hugo; in Kombination mit der harschen Realität ihrer kolonialen Umgebung entwickelte sie sich zur Anarchistin und weiblichen Stimme der Arbeiterbewegung. Sie beteiligte sich zwar nicht an Organisationen der Frauenrechtsbewegung, aber dies nur, weil sie der Meinung war, diese müsse eingebunden werden in den Klassenkampf. 1904 veröffentlichte sie ihr eigenes Essay, „Mi Opinión“, in dem sie die Frauen des Proletariats aufforderte, für ihre Rechte – als Frauen und als Arbeiterinnen – zu kämpfen. Mit der Veröffentlichung dieses Textes in Gewerkschaftszeitungen und der Teilnahme an Arbeiterstreiks gelangte Capetillo bald an die Spitze der FLT (Federación libre de trabajadores), der puerto-ricanischen Arbeiterbewegung, und setzte sich in dieser Position für die Bildung und Rechte der Arbeiterfrauen ein. Mit ihrer Überzeugungsarbeit für das Frauenwahlrecht gilt sie als die erste Suffragette Puerto Ricos.

Zwischen 1912 und 1919 wirkte sie mit an Streiks der Tabakarbeiter in New York und Tampa (FL), außerdem schrieb sie weiterhin Essays und brachte ihr erstes Werk ein weiteres Mal heraus. 1915 wurde sie auf Kuba verhaftet, weil sie Hosen trug – damals für Frauen eine tatsächliche Straftat. Sie hatte bereits vor ihrer politischen Tätigkeit mehrere Kinder bekommen, ohne verheiratet zu sein, und war auch Verfechterin der „freien Liebe“ in dem Sinne, dass Frauen sich ihre Partner frei wählen können sollten.

In den Jahren vor ihrem Tod durch Tuberkulose 1922 war sie 1916 und 1918 noch einmal an den größten Arbeiterstreiks der puertoricanischen Geschichte beteiligt.

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30. Oktober 1902: María Izquierdo

Der Anfang ihres Lebens schien der mexikanischen Künstlerin zunächst nichts Gutes zu versprechen. Als sie fünf Jahre alt war, starb ihr Vater und sie lebte in der Obhut ihrer Mutter und Großmutter in einem Dorf im Norden Mexikos. Gemäß der streng katholischen Traditionen auf dem Land wurde sie mit 14 Jahren in die Ehe mit einem viel älteren Offizier gezwungen und bekam innerhalb der nächsten drei Jahre drei Kinder. Als die mexikanische Revolution endete, zog sie mit ihrer Familie nach Mexiko-Stadt. Dort begann sie, ihre Malerei professioell zu entwickeln und ließ sich schließlich mit 26 Jahren wieder scheiden, um ihrer Leidenschaft nachzukommen. Sie schrieb sich an der Academia de San Carlos ein und begeisterte bei einer Schülerausstellung deren Direktor, Diego Rivera, frisch verheirateter Mann von Frida Kahlo. Aufgrund verschiedener Differenzen mit den anderen Schülern der Akademie beendete sie ihr Studium dort, blieb aber mit dem wenig älteren Kommilitonen und Mentor Rufino Tamayo in engem künstlerischen und persönlichen Kontakt. Ihr primitivistischer und surrealistischer Stil machte sie einzigartig unter den mexikanischen Künstlern ihrer Zeit und sie feierte nicht nur in ihrem Heimatland Erfolge: Sie war die erste mexikanische Künstlerin mit einer Ausstellung in den USA, die allein ihre Werke zeigte.

Sie zog einen weniger politischen Ausdruck in der Kunst vor als die meisten ihrer zeitgenössischen Kollegen und war im Inhalt stark von den vor-christlichen und katholischen Einflüssen ihrer frühen Prägung beeinflusst. In den 1940er Jahren erreichte ihre Karriere ihren Höhepunkt und 1944 wurde sie Kulturbotschafterin ihres Landes. Kurz darauf erlitt sie jedoch einen Schlaganfall, außerdem begannen sich ihre früheren Förderer, die männlichen Künstler Mexikos, gegen sie zu wenden und sie zu diskreditieren. Sie erlitt einen weiteren Schlaganfall und starb 1955.

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09/2018

2. September 1838: Lili’uokalani

Die erste, einzige und letzte Königin Hawai’is wurde unter dem Namen Lili’u Loloku Walania Kamaka’eha geboren. Ihr Name bezieht sich wie alle hawaiianischen Namen auf ein Ereignis, das bei ihrer Geburt stattfand: Da die damalige Königin von Hawai’i, Kīna’u, zur Zeit der Geburt eine Augeninfektion hatte, wurde das Kind von ihr Brennen (Lili’u) Tränend (Loloku) brennender Schmerz (Walania) wunde Augen (Kamaka’eha) genannt. Wie ebenfalls in der hawaiianischen Kultur üblich, wurde die Tochter des Chief und Patriarchen des Hauses Kalākaua und seiner Frau direkt nach der Geburt von Freunden ihrer Eltern adoptiert, nämlich dem Chief Abner Pākī und Laura Kōnia, einer Verwandten des regierenden Königs Kamehameha III. ‚Ohana, das hawaiianische Wort für Familie, umschließt nicht nur die leiblichen Verwandten, sondern auch Wahlverwandtschaft und Adoptivfamilie; durch ausgeprägte Austauschen von Kindern, hana’i, schon im Säuglingsalter entstanden so enge Bindungen auch zwischen genetisch nicht verwandten Familien.

Während ihrer Schulzeit lebte sie im Haus des hawaiianischen Königs Kamehameha IV und dessen Frau. Sie war mit 19 Jahren für einige Zeit verlobt mit dem späteren, vom hawaiianischen Adel gewählten König Lunalilo, löste diese Verlobung jedoch wieder und heiratete mit 24 Jahren einen kroatischstämmigen Amerikaner. Ihr ehemaliger Verlobter Lunalilo starb bereits ein Jahr nach seiner Thronbesteigung und Lili’us Bruder Kalākaua wurde als sein Nachfolger bestimmt. Als dieser 19 Jahre später starb, wurde Lili’u mit 53 Jahren wiederum durch Erbrecht Königin von Hawai’i. Zu diesem Zeitpunk wählte sie den offiziellen Namen Lli’uokalani, „brennender Schmerz der königlichen Familie“.

Schon lange Zeit vor ihrer Regentschaft hatten sich die auf Hawai’i lebenden amerikanischen Besitzer von Bananenplantagen in die Politik des Inselstaates eingemischt, im wirtschaftlichen Interesse ihres Heimatlandes. Unter anderem Sanford Dole*, ein Jurist und Politiker ohne hawaiianische Wurzeln (er stammte von amerikanischen Missionaren ab), hatte 1887 mit der Unterstützung einer rein kaukasischen Militäreinheit auf Hawai’i, den Honolulu Rifles, einen Umsturz der hawaiianischen Monarchie herbeigeführt. Dieser Putsch endete damit, dass Kalākaua unter dem Druck angedeuteter Bedrohungen auf sein Leben eine Konstitution unterzeichnete, die die indigene Bevölkerung massiv benachteiligte: Die politische Macht des hawaiianischen Königshauses wurde zugunsten des Kabinetts eingeschränkt, Wahlrecht hatten nur noch Männer, die des Lesens mächtig waren – also auch dies hauptsächlich die Nachfahren der kaukasischen Einwanderer – oder war an ein Mindestmaß an Wohlhaben und Einkommen geknüpft, was die Ureinwohner zum größten Teil von politischer Teilhabe ausschloss. Diese kolonialistisch wirkende Verfassung wird die Bayonet Constitution genannt, da sie unter Waffengewalt eingerichtet wurde.

Lili’uokalani versuchte in ihrer zweijährigen Amstzeit, der ursprünglichen hawaiianischen Monarchie – und der  indigenen Bevölkerung – wieder mehr Macht und Mitbestimmung zu verschaffen. Als sie schließlich 1893 mit einer neuen Verfassung die Politik des Landes wieder in die Hände der Ureinwohner bringen wollte, gründeten die amerikanischen Plantagenbesitzer, unter ihnen Dole, das „Komitee für öffentliche Sicherheit“, auf dessen Betreiben hin US-Marines auf Hawai’i landeten und die Königin unter Hausarrest stellten. Im Folgejahr riefen die US-Besatzer die Republik Hawai’i aus, mit Dole als Präsident; nachdem 1895 einige indigene Royalisten eine Rebellion versucht hatten und inhaftiert worden waren, dankte Lili’uokalani zugunsten deren Freilassung offiziell ab. Es war ihr erlaubt, für die Sache ihres Landes und ihres Volkes vor dem US-Senat zu sprechen, jedoch ohne Erfolg. Im Zuge des Spanisch-Amerikanischen Krieges wurde Hawai’i wegen seiner strategischen Lage von den USA als „Hawai’i-Territorium“ annektiert.

Für die verbleibenden 19 Jahre ihres Lebens erhielt Lili’uokalani eine Rente und lebte im Haus ihres Schwiegervaters auf Honolulu, wo sie 79jährig an einem Schlaganfall verstarb.

Lili’uokalanai komponierte über 100 Lieder, das bekannteste davon: Aloah `Oe

*Die Dole Food Company verkauft heute noch immer Bananen.

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10. September 1922: Yma Sumac

Als Zolia Augusta Emperatriz Chavarri del Castillo geboren, gab sich die peruanische Folkloresängerin den Quechua-Künstlernamen Yma Sumac (ima sumaq: wie schön). Ihre Stimme umfasste an die fünf Oktaven (normales Register professioneller Sänger*innen: drei Oktaven), vom Bariton bis ins hohe Pfeifenregister. Sie begann ihre Karriere mit 20 Jahren im peruanischen Radio. Im gleichen Jahr, 1942, heiratete sie Moisés Vivanco, mit welchem sie und ihr Cousin die Folkloregruppe Imma Sumack and the Conjunto Folklorico Peruano gründeten. Vier Jahre später ging das Trio nach New York, konnte dort jedoch zunächst keine nennenswerten Erfolge verbuchen. 1949 gebar sie einen Sohn und ein Jahr später erhielt sie schließlich, unter dem letztgültigen Künstlernamen Yma Sumac, einen Plattenvertrag bei Capitol Records. Dort nahm mit dem Album Voice of the Xtabay ihre Karriere Fahrt auf, sie gab zahlreiche Konzerte in London und Paris und absolvierte weltweite Tourneen.

1955 wurde sie amerikanische Staatsbürgerin. Sie betätigte sich auch als Schauspielern, unter anderem 1957 im Film Das Geheimnis der Inkas neben Charlton Heston, nachdem sie sich als Star in der Musikszene etabliert hatte. Ihre Ehe zu Vivanco wurde geschieden, neu geschlossen und wieder geschieden, zwischendurch gingen die beiden mit einer gemeinsamen Band auf fünfjährige Welttournee.

Sumac blieb für den Rest ihres Lebens musikalisch aktiv, ihre umfangreiche Stimme und die markant folkloristischen Stücke finden sich auch heute noch regelmäßig in der Popkultur. 83jährig erhielt sie den Orden del Sol vom peruanischen Staat. 2008 starb sie 85jährig in Los Angeles.

 

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15. September 1977: Chimamanda Ngozi Adichie

Adichie wurde als fünftes von sechs Kindern eines nigerianischen Mathematikprofessors und der ersten weiblichen Registratorin an der Universität von Nigeria geboren. Sie begann ein Medizin- und Pharmaziestudium in Nsukka, an der Universität ihrer Eltern, arbeitete zu dieser Zeit aber bereits als Redakteurin eines Magazins. Mit 19 Jahren ging sie für das Studium der Kommunikations- und Politikwissenschaften in die USA, zunächst in Philadelphia, später in Willimantic, Connecticut, wo sie ihrer Schwester näher war, die in Coventry als Ärztin arbeitete.

Als Afrikanerin in Afrika aufgewachsen, war es ihr fremd, aufgrund ihrer Hautfarbe anders behandelt und beurteilt zu werden. Diese Erfahrung machte sie nun in den USA, wo z. B. ihre Zimmergenossin im Wohnheim sich wunderte, wie gut Adichie Englisch sprach und dass sie keine afrikanische Volksmusik hörte. Nachdem Adichie einen Master-Abschluss in Kreativem Schreiben gemacht hatte, begann sie zu schreiben und unter anderem diese Erfahrungen darin zu verarbeiten.

Seit 2002 hat Adichie mehrere Romane, Kurzgeschichten und Essays geschrieben und unzählige Nominierungen und Preise erhalten. Bekannt wurde sie einerseits mit ihrem TEDTalk „The danger of a single story (englischer YouTube-Clip), worin sie über die Gefahr spricht, andere Menschen und Kulturen nur über den einen Aspekt ihrer Geschichte zu verstehen, sich nur aufgrund dieses Aspekts sich ein Bild vom ganzen Menschen oder der ganzen Kultur zu machen. Sie parallelisiert ihre eigene Erfahrung mit der Wahrnehmung des afrikanischen Kontinents in der restlichen Welt: Ihre Familie hatte einen Pagen, von dem sie in ihrer Kindheit nur wusste, dass er und seine Familie arm waren. Das war das Bild, das sie sich von ihnen machte; als ihre Familie einmal den Pagen und seine Familie in dessen Heimat besuchten, war sie daher überrascht festzustellen, dass die Familie Körbe flocht – also etwas herstellte, nicht „nur“ arm, also passiv und arm war. Ebenso ergeht es dem afrikanischen Kontinent und Afrikanern in der Wahrnehmung der restlichen Welt: Der Gedanke an Afrika ist so eng verbunden mit den Bildern von hungernden Menschen, dass es oftmals für Überraschung sorgt, wenn sich herausstellt, dass Menschen in Afrika nicht alle arm sind – und die, die es sind, nicht nur arm sind –, sondern auch eine moderne Kultur pflegen und auch den Kulturen anderer Länder folgen können.

Ein anderer TEDTalk von ihr ist „Why we should all be feminists“ (englischer YouTube-Clip), in dem sie über ihre Erfahrung speziell als afrikanische Feministin spricht.

Adichie lebt in Nigeria und den Vereinigten Staaten, wo sie Kreatives Schreiben unterrichtet. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter, und hält Ehrendoktortitel an zwei Universitäten.

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21. September 1902: Toyen

Die tschechische surrealistische Künstlerin studierte zunächst bis 1920 in Prag und ging dann nach Paris, wo sie mit Jindrich Štyrsky einen Vorläufer der Informel-Stilrichtung schuf, den Artifizialismus. Sie zeichnete und malte oft erotische Motive; nachdem sie André Breton und den Surrealismus kennenlernte, gründete sie mit anderen tschechischen Künstlern die Tschechische Surrealisten Gruppe.

Während des Zweiten Weltkrieges galt ihre Kunst als „entartet“ und sie lebte im Untergrund, wobei sie ihrem jüdischen Partner auch Unterschlupf gewährte. Die beiden gingen 1947 gemeinsam nach Paris. Dort lebte sie bis 1980.

Toyen wurde als Frau geboren, würde sich heute jedoch wahrscheinlich als non-binär (enby) identifizieren, da sie sich nicht in binäre Genderrollen einfügte und sich auch mit männlichen Pronomen ansprechen ließ.

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25. September 1799: Luisa Cáceres de Arismendi

Die venezolanische Volksheldin wurde als Tochter eines kanarisch-stämmigen Intellektuellen in Caracas geboren. Während ihrer Kindheit usurpierte Napoleon Spanien und setzte seinen Bruder als König ein. Das spanische Volk im Land und in den Kolonien rebellierte; in Venezuela sahen die Kolonisten die Schwächung des Heimatstaats als Chance, ihre Unabhängigkeit zu erringen.

In den folgenden Kämpfen um die Herrschaft in Venezuela geriet die Familie Cáceres in die Kriegswirren. Ihr Vater wurde von Royalisten ermordet, ihr Bruderschloss sich einer Befreiungsaktion inhafterter Freiheitskämpfer an, wurde festgenommen und exekutiert. General Juan Arismendi, einer der Führer der republikanischen Revolution, verliebte sich (39jährig) in die 15jährige und bot ihrer verbleibenden Familie Unterkunft und Verpflegung auf der Isla Margarita. Dort heirateten die beiden schließlich. Juan Arismendi wurde als vorläufiger Gouverneur der Isla Margarita eingesetzt, musste jedoch vor den spanischen Truppen in die Berge fliehen. Daraufhin wurde Luisa mit 16 Jahren inhaftiert, um ihren Mann aus seinem Versteck zu locken oder die zur Preisgabe seines Aufenthaltsortes zu zwingen.

Die junge Schwangere wurde unter übelsten Bedingungen gefangengehalten und misshandelt. Sie lag in einer dunklen Zelle bei schlechter Ernährung und bewegte sich möglichst wenig, um ihre Kerkerwärter nicht auf sich aufmerksam zu machen. Ein Priester erbarmte sich ihrer schließlich und brachte ihr Licht und bessere Nahrung. Mit 17 Jahren brachte sie in der Gefangenschaft ein Kind zur Welt, dass aufgrund ihrer schlechten Lage während der Schwangerschaft kurz nach der Geburt verstarb. Nichtsdestotrotz blieb Luisa standhafte venezolanische Freiheitskämpferin und verriet nicht, wo sich ihr Mann aufhielt.

Sie wurde nacheinander in zwei andere Gefängnisse verlegt, blieb jedoch über diese ganze Zeit abgeschnitten von ihrer Familie. Als die republikanische Armee schließlich die Oberhand in Venezuela gewann, ließen ihre spanischen Geiselnehmer sie nach Cadiz in Spanien senden. Auf der Seereise dorthin erlitt sie Schiffbruch und strandete auf den Azoren; Anfang des Jahres 1817 erreichte sie endlich Cadiz und wurde dem dortigen andalusischen General vorgeführt. Dieser stimmte den Bestimmungen seiner südamerikanischen Kollegen nicht zu und setzte Luisa nur unter Hausarrest, mit einer Pension und unter der Obhut eines Arztes und dessen Frau. Sie blieb dort etwas mehr als ein Jahr, während dessen sie sich weigerte, ein Dokument zu unterzeichnen, in dem sie ihre Loyalität gegenüber dem spanischen König erklären sollte.

1818 gelang ihr mit Hilfe zweier Freunde die Flucht über den Atlantik. So kam sie schließlich 1819 über Philadelphia wieder auf die Isla Margarita und wurde mit ihrem Mann wiedervereint. Sie lebte den Rest ihres Lebens in Caracas und bekam noch elf Kinder. Als Nationalheldin gefeiert, findet sich ihr Abbild seit 2008 auf dem 20-Bs-F-Schein.

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30. September 1890: Higashiyama Chieko

Die japanische Schauspielerin möchte ich erwähnen, weil sie eine Hauptrolle im bekanntesten Film des japanischen Regisseurs Yasujirō Ozu spielt: Die Reise nach Tokyo. Die japanische Filmkultur ist noch voller Wunder und Juwelen.

KW 46/2016: Johanna I. von Kastilien, 14. November 1479

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Johanna die Wahnsinnige


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Johanna I. von Kastilien, genannt „die Wahnsinnige“, war die spanische Königin, mit deren Regentschaft Aragòn und Kastilien zu dem spanischen Reich vereint wurden, aus dem der heutige Staat entstand.
Sie war Tochter des Königs Ferdinand II. von Aragòn und Isabella I. von Kastilien, beide genannt „der resp. die Katholische“. Johanna war das dritte Kind, nach einem Sohn und einer Tochter der beiden, und hatte somit bei ihrer Geburt kaum Aussicht auf den Thron. Sie war eine stille Person, die eine umfassende Bildung genoss und sich bereits früh von der strengen Religiösität ihrer Eltern distanzierte. Dies machte sie vor allem ihrer Mutter suspekt, doch auch generell war sie in ihrer Ernsthaftigkeit und Sensibilität eine Außenseiterin.
Ihre mit 14 Jahren geschlossene Ehe mit dem Habsburger Philipp Erzherzog von Österreich, genannt „der Schöne“, diente urspünglich vor allem dem territorialen Einschluss Frankreichs mit habsburgischen Herrschaftsgebieten – mit der Eheschließung bildeten Spanien und Österreich eine Allianz gegen die erstarkende französische Macht. Nach zeitgenössischen Berichten verliebten sich die beiden jedoch bei ihrer ersten Begegnung gleich heftig ineinander. Johanna war bereits per Stellvertreterhochzeit mit Philipp in Valladolid vermählt worden; sie begegneten sich erstmals einige Monate später in Flandern, wo sie unverzüglich die offizielle Trauung vollzogen. Aus dieser Ehe sollten in neun Jahren sechs Kinder hervorgehen.
In den drei folgenden Jahren rückte Johanna durch Todesfälle in ihrer Familie unerwartet in der Thronfolge auf den vordersten Platz. Zuerst starb ihr Bruder, Johann von Aragòn und Kastilien, und kurz darauf wurde dessen Kind mit Margarete von Österreich, in der Thronfolge nächster Anwärter, tot geboren. Dann verstarb ihre ältere Schwester Isabella von Spanien bei der Geburt ihres Sohnes, Miguel da Paz, der schließlich auch keine zwei Jahre alt wurde. Plötzlich waren Johanna und ihr habsburgischer Mann die ersten Thronanwärter.
Isabella hatte Johanna trotz ihrer Differenzen über den Katholizismus testamentarisch als Nachfolgerin in der Regentschaft eingesetzt – jedoch mit der Klausel: so sie ihre Pflichten als Königin erfüllen will und kann. Als die spanische Königin 1504 starb, Johanna war 25, ernannte ihr Vater sie zwar zur Königin, hielt aber die Regentschaft inne und begann eine Kampagne bei den Cortes, dem spanischen Parlament, Johanna als ungeeignet für den Thron zu erklären. Als Begründung galt ihr „ungesundes“ Verhalten als Ehefrau: nicht nur zeigte sie starke Gefühle für den rein politisch gewählten Gatten, sie war auch für die Zeit ungewöhnlich eifersüchtig und akzeptierte es nicht, wie üblich, dass ihr Mann Mätressen und Nebenfrauen hatte. Sie versuchte sogar, ihn ganz von anderen Frauen fernzuhalten.
Ihr Mann Philipp derweil war ebensowenig bereit, von seinem ehelichen Anspruch auf die spanische Krone zurückzutreten. Bei der Übereinkunft von Salamanca einigten sich der Vater und der Ehemann auf einen Vertrag, nach dem Philipp als König anerkannt wurde, Ferdinand aber als Gouverneur weiterhin die spanischen Reiche regieren durfte, so lange sich Philipp und Johanna außer Landes befanden. Ferdinand heiratete Germaine de Foix, die Nichte des französischen Königs Ludwig XII., in dem Versuch, eine Einigung mit Frankreich zu erreichen, die ihn in als spanischen König stärken sollte. Er hegte auch die Hoffnung, die wesentlich jüngere Frau möge ihm einen Erben gebären, der Johanna in der Erbfolge zurücksetzen könnte. Seine Position in Spanien schwächte dies; zudem gelang es Johanna und vor allem Philipp, in dem sich andeutenden Krieg um den Thron den Großteil des kastilischen Adels hinter sich zu einen. Anstelle eines offenen Konfliktes wurde 1506 der Vertrag von Villafáfila geschlossen, mit dem geregelt wurde, dass Ferdinand auf die kastilische Regentschaft verzichtete. Allerdings unterzeichnete er kurz nach dem Vertrag heimlich auch gleich ein Dokument, das besagte, er habe den Vertrag wider Willen geschlossen, somit sei er im Prinzip nichtig.
Johanna und Philipp waren nun anerkannte Königin und König von Kastilien. Für Johanna bedeutete das jedoch nur, dass nun ihr eigener Ehemann die Kampagne gegen sie fortsetzte und sie als nicht zurechnungsfähig darstellte, um alleiniger Regent zu werden, wohl auf der gleichen Basis wie ihr Vater zuvor. Er scheiterte zwar damit, da sich die höchsten Adeligen von Kastilien für die ihnen geborene Königin aussprachen. Doch starb Philipp bereits kurze Zeit nach dem Vertragsschluss, im September 1506.
Nun machte sich für ihren Vater sowohl seine eigene Intrige wie Johannas Ablehnung des Katholizismus bezahlt. Entgegen ihrer ausgesprochenen Willigkeit, die Regentschaft über Kastilien zu übernehmen, schmiedeten Ferdinand und ein Erzbischof, dem ihr Mangel an Religiösität ein Dorn im Auge war, eine Intrige, den König von Aragòn auch auf dem kastilischen Thron zu reinstallieren. Nur mit der Weigerung, die Cortes einzuberufen – die Ferdinand als König legitimieren sollte – konnte Johanna die Regentschaft innebehalten.
Als ihr Vater im August 1507 nach Kastilien zurückkehrte, nachdem er in Neapel eine Verbindung Neapels mit Aragòn angestrebt hatte, kamen mehrere Dinge zusammen, die Johannas Schicksal besiegelten. Zum ersten war es ihr nicht gelungen, die finanziellen und politischen Mittel zu gewinnen, ihren Anspruch auf den Thron zu verteidigen. Hunger und die Pest geißelten das Land und schürten die Unruhe und Zweifel an ihrer Regierungsfähigkeit. Des weiteren wollte Johanna dem Wunsch ihres geliebten verstorbenen Ehemannes nachkommen und ihn in Granada beerdigen lassen – ihrem Vater gelang es, dies lange zu verhindern, weshalb Johanna mit dem Leichnam ihres Gatten durch Kastilien zog. Vor allem aufgrund dieser Episode wird ihr Wahnsinn historisch belegt angesehen. Angeblich soll sie den Sarg regelmäßig geöffnet haben, um sich zu versichern, Philipp schlafe nur. Tatsächlich war es ihre eheliche Pflicht, den Leichnam einmalig zu identifizieren. Es steht zur Debatte, dass diese Fakten in der Intrigenkampagne und der Geschichtsschreibung der Sieger zu den krankhaften Verwirrungen verdreht wurden, die Johanna ihren Beinamen gaben.
In jedem Fall überschrieb sie, mit einem letzten Aufbäumen, die Regierungsgeschäfte ihrem Vater, wenn auch ihre Signatur weiterhin als Königin unter all seinen Dokumenten gesetzt wurde. Nach einem letzten Ränkespiel um eine mögliche eheliche Verbindung des spanischen mit dem englischen Königshaus setzte Ferdinand seine Tochter 1509 im Palast in Tordesillas fest, wo sie den Rest ihres Lebens in faktischer Gefangenschaft verbrachte.
Ferdinand starb, ohne einen weiteren männlichen Erben, in dem Wissen, dass der „habsburgische“ Enkel den spanischen Thron übernehmen würde. Dieser Sohn Johannas, Karl V., setzte fort, was sein Großvater und Vater begonnen hatten: nach Ferdinands Tod ließ er sich als Regent von Johanna einsetzen. Dies gelang ihm, da beide Reiche de facto in der Hand der Handlanger seines Großvaters waren – Aragòn fiel zunächst an Alfons, Erzbischof von Saragossa, ein außerehelicher Sohn Ferdinands, Kastilien verblieb unter dem faktischen Regime des Kardinals Cisneros, der mit diesem gegen Johannas Thronbesteigung intrigiert hatte. Da Johanna seit Jahren ohnmächtig und für wahnsinnig erklärt in Arrest lebte, konnte ihr Sohn mit der Unterstützung seiner Schwester sämtliche Regierungsgeschäfte nach Art seines Großvaters an sich nehmen. Er hielt Johanna weiterhin in Tordesillas fest. Hätte sie jemals offiziell den Verstand wiedererlangt, wäre sie von den Cortes als Regentin eingesetzt worden und Karl hätte erst nach ihrem Tod den Thron besteigen können; um dies zu verhindern, hielt er bis zu ihrem Lebensende an ihrer Geistesgestörtheit fest. Unter oft gewalttätiger Aufsicht verblieb sie bis zu ihrem Tod mit 75 Jahren allein im Namen, doch völlig machtlos, die „wahnsinnige“ spanische Königin.

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Von 140 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 14 (inklusive Johanna I. von Kastilien) Frauen:
16.11.1457 Beatrix von Aragón
15.11.1498 Eleonore von Kastilien
14.11.1501 Anna von Oldenburg
18.11.1567 Anna von Sachsen
19.11.1597 Elisabeth Charlotte von der Pfalz
15.11.1609 Henrietta Maria von Frankreich
20.11.1627 Charlotte von Hessen-Kassel
20.11.1656 Eleonore Charlotte von Württemberg-Mömpelgard
20.11.1727 Maria Josefa von Harrach
19.11.1769 Elise Bürger
19.11.1779 Luise Charlotte zu Mecklenburg
20.11.1784 Marianne von Willemer
17.11.1788 Elisa von Ahlefeldt

KW 37/2016: Maria von Ungarn, 17. September 1505

Maria von Ungarn

By Hans Maler zu Schwaz – 2. unknown 1. http://www.sal.org.uk/paintings/235459.jpg/view, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6440746

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Maria von Ungarn, auch von Habsburg, von Kastilien oder von Österreich, wurde als Einjährige mit dem noch ungeborenen Kind des Königs von Ungarn und Böhmen verlobt. Die von der „Osmanischen Bedrohung“ beeinflusste Ehepolitik der europäischen Großmächte drängte auch auf eine frühe Schließung der Ehe, sodass Maria und Ludwig Jagiello als Neunjährige bei der Wiener Doppelhochzeit vermählt wurden.
Maria verlebte dann allerdings noch prägende Jahre mit ihrer Schwester in Innsbruck, wo sie begann, sich für Musik und die Jagd zu interessieren. Mit 16 Jahren schließlich wurde sie mit ihrem 15jährigen Ehemann in Bratislava (damals Preßburg) vereint und verliebte sich wohl heftig in ihn. Auch von seiner Seite war die Beziehung glücklich – obwohl Maria nicht die Schönste gewesen zu sein scheint und für ihre Zeit unüblich forsch und burschikos auftrat. Sie beriet ihren Mann politisch, ohne die Interessen ihrer Habsburger Familie zu vergessen; dennoch war seine Regentschaft überschattet. Tatsächlich wurde Ungarn von Magnaten regiert und der junge König hatte wenig politische Handlungsmacht. Sein nationalistischer Reichsverweser Johann Zápolya hielt die Zügel in der Hand, der Konflikt zwischen ihm und der pro-habsburgischen Fraktion des ungarischen Adels schwächte das Land mehr und mehr. Als schließlich die Osmanen in Ungarn einfielen, unterließen auch Marias Brüder ihre zuvor versprochene Hilfeleistung für ihren Schwager; in der Schlacht bei Mohács kamen die meisten politischen und religiösen Führungspersonen des Landes um, auch Ludwig starb in der Konsequenz dieser Schlacht.
Maria hatte danach in Ungarn keine Macht mehr. Zápolya als Verwalter des osmanischen Sultans, ihre habsburger Verwandtschaft sowie der osmanische Sultan selbst teilten sich die Gebiete untereinander. Maria konnte sich weiteren Heiratsvorschlägen widersetzen und wurde als Witwe mit politischer Erfahrung zur Statthalterin der Niederlande.
In den 25 Jahren, die sie diese Position innehatte, vereinte sie die bisher separaten 17 Provinzen zu einem zentral regierten Gebiet und verteidigte dieses erfolgreich gegen französische Truppen sowie gegen ihren Schwager, der sie als Gegner schlicht aufgrund ihres Geschlechts unterschätzte. Sie förderte Handwerk und Kunst und brachte die Niederlande zu ihrem wirtschaftlichen und kulturellen Höhepunkt. Als ihr Bruder Karl V. 1556 abdankte, legte auch sie ihre Krone ab und zog sich mit ihren Geschwistern auf das Altenteil in Spanien zurück, wo sie zwei Jahre später verstarb.

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Von 187 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 9 (inklusive Maria von Ungarn) Frauen:
16.9. 16 Drusilla (Schwester des Caligula)
14.9.1485 Anna von Mecklenburg
18.9.1587 Francesca Caccini
15.9.1666 Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg
13.9.1683 Maria Victoria von Savoyen
16.9.1715 Charlotte Thouret
13.9.1752 Benedikte Naubert
13.9.1775 Laura Secord

KW 31/2016: Kōgyoku, 7. August 594

Kaiserin Kōgyoku Saimei

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Als Takara no himemiko (Prinzessin Takara) geboren, regierte Kōgyoku als 35. und 37. Tenno im Japan des 7. Jahrhunderts. Das erste Mal kam sie auf den Thron als Witwe des 34. Tenno, nach drei Jahren wurde sie von ihrem eigenen Sohn in einem Staatsstreich abgesetzt. Ihr Bruder Karu wurde japanischer Kaiser unter dem Namen Kōtoku, verstarb jedoch nach vier jahren Regierungszeit. Als der Thron wieder frei wurde, war zwar eigentlich ihr Sohn Naka no Ōe der Erbberechtigte, Takara nahm jedoch zunächst wieder die Regierung an sich, dieses Mal unter dem Namen Saimei. Sie regierte noch einmal 6 Jahre lang, gegen Ende ihrer Regierungszeit trat Japan in einen Konflikt mit Korea ein. Kōgyoku starb mit 67 Jahren, ihr Sohn wurde anschließend Kaiser Tenji.

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Von 229 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 33 (inklusive Kōgyoku) Frauen:
4.8.1469 Margarete von Sachsen
4.8.1470 Lucrezia di Lorenzo de’Medici
5.8.1581 Hedwig von Dänemark
4.8.1586 Dorothea von Ahlefeldt
1.8.1589 Alexandrine von Taxis
7.8.1600 Eleonore Marie von Anhalt-Bernburg
2.8.1612 Saskia von Uylenburgh
6.8.1619 (getauft) Barbara Strozzi
1.8.1627 Luise Christine von Savoyen-Carignan
6.8.1644 Louise de La Vallière
3.8.1662 Sophia Henriette von Waldeck
4.8.1666 Franziska Barbara
6.8.1666 Marie Sophie von der Pfalz
2.8.1684 Sophia von Sachsen-Weißenfels
4.8.1696 Maria Anna von Bayern
2.8.1704 Maria Caroline Charlotte von Ingenheim
3.8.1713 Elisabeth Albertine von Sachsen-Hildburghausen
5.8.1715 Charlotte Sophie Bentinck
7.8.1734 Maria Anna von Bayern
3.8.1735 Juliane Charlotte Friederike Grimm
3.8.1739 Dominika von Gillern
7.8.1751 Wilhelmine von Preußen
5.8.1756 Maria Gottliebin Kummer
7.8.1760 Anna Margaretha Zwanziger
4.8.1765 Rose Lacombe
1.8.1776 Francesca Scanagatta
7.8.1776 Amalie von Nassau-Weilburg
2.8.1780 Marie-Anne Gaboury
7.8.1783 Amalia von Großbritannien, Irland und Schottland
3.8.1795 Anne Bignan
3.8.1796 Anna Lühring
1.8.1799 Sophie de Ségur

KW 18/2016: Katharina II. Die Große, 2. Mai 1729

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Katharina II. Die Große


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Katharinas Karriere als „Die Große“ begann, als die 16jährige Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst mit dem Neffen der russischen Zarin Elisabeth, Peter Fjodorowitsch, verheiratet wurde, der später Zar Peter III. wurde. Kaum in Moskau angekommen, konvertierte sie, die bereits eifrig Russisch gelernt hatte, zum orthodoxen Glauben und wurde Jekaterina Alexejewna – zum Ärger ihrer Mutter. Ob es zunächst nur Pflichtbewusstsein war, zu dem sie als Adelige erzogen wurde, den Anforderungen an die Frau eines Zaren gerecht zu werden – in jedem Fall zeigte Katharina II. bald Ehrgeiz, strategisches Talent und Ausdauer. Nach 17 Jahren Ehe mit zwei (wahrscheinlich und einem definitiv unehelichen) Kindern und dem Antreten Peters III. als Zar nach dem Tod seiner Tante führte sie mit Hilfe des Militärs und diverser Adliger einen Staatsstreich aus und stürzte ihren Mann vom Thron; bald darauf wurde dieser umgebracht, womit sie jedoch nicht in Verbindung gebracht wird.
In den 34 Jahren ihrer Regentschaft als Zarin konnte sie einige Erfolge verbuchen – die Ausweitung der Territorien im Süden und Westen Russlands, die Annektion der Krim (der Blick zurück in die Geschichte erklärt einiges in der Gegenwart), 20 Jahre Frieden mit Schweden nach 2 Jahren Krieg mit schweren Verlusten auf beiden Seiten, die Einführung von Papiergeld, das noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet wurde. Manche ihrer ehrgeizigen Pläne scheiterten aber wohl an ihrer Modernität, an der Zähigkeit, mit der sich große Umwälzungen nur betreiben lassen, und an Katharinas eigenem Gesinnungswechsel: viele Ideen der französischen Aufklärung übernahm sie, pflegte Brieffreundschaft mit Voltaire und nahm Diderot schützend bei sich auf, doch nach der französischen Revolution erkannte sie das für die herrschenden Verhältnisse gefährliche Potential dieser Ideen und verwarf ihre eigenen aufklärerischen Gedanken.
Sie nahm den Adel in den Regionen ihres riesigen Reiches in die Pflicht bei der Regierung, teilte das Land in Distrikte und führte eine dezentralisierte Bürokratie ein; sie wollte Russland modernisieren und das russische zu einem „neuen Volk“ machen, indem sie Bildung für alle (außer Leibeigenen und Juden) zugänglich machen wollte. Leider scheiterten viele dieser Pläne an eben der dezentralisierten Bürokratie, die sie zur Erneuerung des Landes installiert hatte.
Wie an ihrer passionslosen Konvertierung vom Christentum in die Orthodoxie sichtbar wird, nahm sie eine eher pragmatische Haltung zur Religion ein. Sie versuchte, die drei Religionen Christentum, Orthodoxe und Islam gleichberechtigt und liberal zu behandeln, vor allem, um den Frieden in den östlichen Gebieten zu wahren – diese Vesuche scheiterten oft an der wesentlich emotionaleren Haltung des Volkes zur Religion. Die Juden hatten es auch hier grundsätzlich schwerer – auf finanzielle Dienstleistungen beschränkt, waren sie beim Volk unbeliebt und wurden schließlich von Katharina II. ganz zu Ausländern erklärt, was ihnen jegliche Gleichberechtigung im russischen Reich entzog.
Was immer ihre politischen Errungenschaften jedoch waren, was zunächst hauptsächlich von ihr im Gedächtnis blieb waren die vielen, oft jüngeren Liebhaber die sie sich nahm. Bei einem männlichen Herrscher dieses Ranges wäre das natürlich nicht mehr als eine Randnotiz – bei einer Frau jedoch wird eine frei und ungehindert ausgelebte Libido zum Hauptmerkmal und Anzeichen ihrer generellen Devianz. Die Entschlusskraft, ihren Mann vom Thron zu stoßen und selbst die Regentschaft zu übernehmen, der politische Wille, die Intelligenz, die Voltaire in ihr bewunderte, die Freiheit, ihr Privatleben nach ihrer Lust zu gestalten – Abartigkeiten in einer Frau, die in der Ansicht ihrer männlichen Zeitgenossen ohne zu zögern mit Perversion und Maßlosigkeit gleichzusetzen waren. Denn es war und ist immer gängige Praxis, Frauen über die Beschämung ihrer Sexualität in ihre Schranken zu weisen.

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Von 184 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 11 (inklusive Katharina II.) Frauen:
3.5.1415 Cecily Neville
2.5.1458 Eleonore von Portugal
5.5.1487 Anna von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach
2.5.1700 Charlotte von Hanau-Lichtenberg
4.5.1744 Marianna von Martines
7.5.1748 Olympe de Gouges
3.5.1764 Élisabeth Philippine Marie Hélène de Bourbon
5.5.1764 Therese Huber
5.5.1775 Maria Clementine Martin
6.5.1800 Amalie Haizinger

KW 16/2016: Isabella I. von Kastilien, 22. April 1451

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Isabella I. von Kastilien


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Isabella I. von Kastilien ist eine spannungsreiche Figur. Die Mutter, Isabella von Portugal, vom Stiefsohn Heinrich IV. von Kastilien nach dem Tod ihres Mannes Johann II. von Kastilien vom Hof verjagt, litt unter Depressionen und vernachlässigte ihre Kinder; ihr noch dreizehnjähriger Sohn stieß den Halbbruder zwar vom Thron, verstarb aber kurz darauf.  Heinrich IV., wieder König, wollte seine Halbschwester gewinnbringend verheiraten, jedoch verstarben zwei der Kandidaten, gegen einen weiteren setzte sich die Jugendliche zur Wehr – nachdem Heinrich sie als seine Thronfolgerin akzeptiert hatte, weil ihm selbst außer einer umstrittenen Tochter (möglicherweise nicht von ihm) keine Nachkommen geboren wurden. Die Halbgeschwister einigten sich auf einen Konsensvertrag, der keinem der beiden gestattete, Isabella an jemanden zu verheiraten ohne die Zustimmung des jeweils anderen. Bevor sie 18jährig einem von Heinrich vorgeschlagenen Kandidaten zustimmen musste, erwählte sie sich selbst den zukünftigen König von Aragon, Ferdinand II., zum Ehemann. Nicht nur, weil er große Teile der spanischen Halbinsel beherrschen würde und mit dieser Ehe die beiden Reiche Kastilien und Aragon verbunden würden, was geografisch nahelag, sondern auch, weil er ihren Vorstellungen eines Mannes und Königs entsprach, schlug Isabella selbst ihm, ungewöhnlich emanzipiert für diese Zeit, die Heirat vor. Ferdinand nahm an und die beiden schloßen hinter dem Rücken ihres Halbbruders heimlich den Bund der Ehe.
Isabella I. wurde in ihrer Regentschaft die spanische Königin, die Christoph Kolumbus‘ „Entdeckung“ (aus europäischer Sicht) des amerikanischen Kontinents möglich machte; sie rettete Spanien damit aus einer finanziellen Krise, die aus den dominierenden Seerechten Portugals nach dem Krieg gegen Spanien entstand. Sie hatte sich durch die Sicherung der Thronfolge ihrer Tochter sowie durch die Geburt eines männlichen Thronfolgers bereits sicher als Regentin etabliert, auch durch die Niederschlagung eines Aufstandes mit  persönlichem Einreiten in die rebellierende Stadt Segovia als willens- und kampfstarke Führungspersönlichkeit gezeigt. Nun setzte sie dringend nötige Reformen durch, die dem Staat Sicherheit und Ressourcen wiederbrachten.
Allerdings ist Isabella I. von Kastilien in diesem Zuge auch die Initiatorin der Spanischen Inquisition, von der zunächst die Conversos (auch Marranen = Schweine) betroffen waren: zum Christentum konvertierte sephardische Juden, die verdächtigt wurden, unter dem Anschein des Katholizismus weiterhin ihre „heidnische“ Religion zu pflegen. Mit dieser juden- und islamfeindlichen Religionspolitik ging die Reconquista, die Rückeroberung der maurischen Gebiete Spaniens durch Christen, einher. Unter der Politik Isabellas I. wurde die sephardische und muslimische Bevölkerung Spaniens brutal dezimiert. Die Unmöglichkeit, der Spanischen Inquistion zu entkommen, die mit ihren Catch-22-Methoden jeden zermalmte, der in die Machinerie geriet, ist auch dank Monty Python sprichwörtlich geworden.

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Von 209 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 21 (inklusive Isabella I. von Kastilien) Frauen:
18.4.1115 Gertrud von Sachsen
22.4.1444 Elizabeth of York
23.4.1464 Jeanne de Valois
18.4.1480 Lucrezia Borgia
24.4.1492 Sabina von Bayern
20.4.1516 Sophia von Alvensleben
23.4.1522 Caterina de‘ Ricci
23.4.1532 Anna Maria von Braunschweig-Calenberg-Göttingen
20.4.1586 Rosa von Lima
22.4.1635 Laura Martinozzi
22.4.1640 Soror Mariana Alcoforado
19.4.1666 Sarah Kemble Knight
21.4.1673 Wilhelmine Amalie von Braunschweig-Lüneburg
22.4.1696 Antoinette Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel
22.4.1738 Anna Elisabeth Luise von Brandenburg-Schwedt
19.4.1752 Friederike Brion
21.4.1755 Maria Johanna von Aachen
22.4.1766 Anne Louise Germaine de Staël
24.4.1777 Maria Klementine von Österreich
22.4. 1780 Henriette von Nassau-Weilburg

KW 15/2016: Caterina de' Medici, 13. April 1519

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Caterina de‘ Medici


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Caterina de‘ Medicis Lebensgeschichte ist wieder einmal so voll mit Namen und Ereignissen, dass ich sie unmöglich sinnig verkürzt wiedergeben kann (große Regentinnen haben das so an sich). Ich konzentriere mich daher auf drei Einzelheiten.
Zunächst mal, als Beispiel, wie hart und schrecklich die Welt für alle, aber speziell junge Mädchen in vergangenen Jahrhunderten war, die Geschichte, wie Caterina als elfjähriges Kind von republikanischen Aufständischen in Florenz als Geisel gehalten wurde. Ihr Verwandter, Papst Clemens VII., lag im Konflikt mit dem Kaiser von Spanien und des römisch-deutschen Reiches; währenddessen bemächtigten sich Republikaner der Stadt Florenz. Caterina wurde zunächst in verschiedenen Konventen verwahrt. Als der Papst und der Kaiser einen Friedensvertrag schlossen, wurde wiederum Florenz von gemeinsamen Truppen des Papstes und des Kaisers belagert – Caterina befand sich jedoch noch immer in der Stadt und war für den Papst ein wichtiges Element für seine Politik, wollte er sie doch strategisch verheiraten. Florenz litt neben der Belagerung auch noch an Hunger und an der Pest; dennoch blieb Gelegenheit, über das Schicksal des Kindes zu diskutieren. Man wollte die ehrgeizigen Pläne des Papstes durchkreuzen, indem man unter anderem das Mädchen nackt in einem Korb über die Stadtmauer herabließe, sodass sie von den Kanonen der eigenen und kaiserlichen Truppen getroffen würde – oder sie in einem Bordell zur Prositution zwingen, sodass sie danach nicht mehr verheiratet werden könne. Sie war, ich betone es noch einmal, elf Jahre alt. Sie wurde schließlich nur in ein weiteres Konvent überführt und schließlich von den Truppen ihres Verwandten gerettet; die Medici übernahmen wieder die Regierung der Stadt Florenz.
Drei Jahre später hatte ihr Verwandter, der Papst, schließlich Erfolg mit seinen Heiratsplänen. Nach vielen vielversprechenden Angeboten wurde Caterina 14jährig an den ebenfalls 14jährigen jüngeren Sohn Heinrich des Königs von Frankreich, Franz II., verheiratet. Heinrich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Aussicht darauf König zu werden – sein älterer Bruder Franz (III.) war Dauphin – weshalb die Eheschließung mit einer, wenn auch reichen, Bürgerlichen unproblematisch erschien. Dann jedoch starb der Papst ein Jahr nach der Hochzeit, ohne die Versprechungen des Ehevertrages (sowohl territoriale wie finanzielle) erfüllt zu haben, sein Nachfolger wollte mit der ganzen Sache nichts zu tun haben. Caterinas Wert am Hof sank, doch sie verstand sich hervorragend mit ihrem Schweigervater, dem König, und konnte so ihre Ehe retten – obwohl ihr Mann ihr nicht zugetan war und eine enge Beziehung zu einer Mätresse pflegte.
Als der Dauphin ein weiteres Jahr später überraschend verstarb und Caterinas Mann 16jährig Thronanwärter wurde, sie aber noch keine zukünftigen Erben produziert hatte (warum bloß?!), gingen Caterinas Nachteile für den französischen Hof ins Bodenlose. Es war ausgerechnet die Mätresse ihres Mann, Diana von Poitiers, die sich für sie einsetzte – denn eine neue, besser angemessene Königin hätte ihre eigene Position geschwächt. (Man sollte sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen, dass Diana 20 Jahre älter war als ihr König: er war zu diesem Zeitpunkt 16, sie 36.) Als reife Frau, die scheinbar eigene Ziele für ihr Leben verfolgte, sorgte Diana dafür, dass Heinrich nicht nur mit Caterina verheiratet blieb, sondern auch regelmäßig mit ihr schlief, sodass schließlich, nach elf Ehejahren, das erste Kind Franz II. geboren wurde. Allerdings tat auch Caterina alles in ihrer Macht stehende, sich dem franzöischen Königshaus gefällig zu zeigen, unter anderem, indem sie sich  König Franz vor die Füße warf und nur darum bat, bei einer Neuverheiratung ihres Mannes als deren Hofdame bleiben zu dürfen. Diese (kalkulierte) Demütigung machte sie ihrem Schweigervater so sympathisch, dass alle Fragen nach einer Scheidung vom Tisch waren.
Caterine gebar in den folgenden 12 Jahren weitere 9 Kinder. Für drei von ihren fünf Söhnen (einer überlebte allerdings sein erstes Jahr nicht) musste sie nach dem Tod ihres Mannes im Alter von 40 Jahren die Regentschaft antreten – in einem Land, das finanziell geschwächt, politisch in unterschiedliche Konflikte verwickelt und von einem religiösen Konflikt zerrissen war. Entgegen der Behauptungen, sie sei verantwortlich für die Massaker an Protestanten in der französischen Bartholomäusnacht hat sie allerdings in der ganzen Zeit ihres politischen Einflusses auf Einigung und Kompromiss hingearbeitet. Wie es die Zusammenfassung des ausführlichen Artikels treffend sagt, schwelten die Konflikte zwischen den Konfessionen beständig und hatten sich in drei Kriegen bereits Bahn geschlagen, in den folgenden 30 Jahren sollten noch fünf weitere kriegerische Auseinandersetzungen folgen. Caterina hatte sich in allen diesbezüglichen Verhandlungen an Frieden und Entgegenkommen interessiert gezeigt; es waren die katholischen Teilnehmer an der Politik, die dies erschwerten. Schließlich war die Bartholomäusnacht auch die Hochzeitsnacht ihrer eigenen Tochter Margarete von Valois mit dem Hugenottenführer Heinrich von Navarra – mit dieser Eheschließung sollte gemeinsamer Boden geschaffen werden. Tatsächlich hatte Caterina nichts mit den Massakern zu tun, stattdessen kam bei der Ermordung tausender Protestanten in Paris und im folgenden in vielen anderen französischen Städten die Frustration des Volkes mit der religions-politischen Lage und den beständigen Notzuständen durch Kriege im Inneren und Äußeren zu ihrem blutigen Ausdruck. Ihr Sohn Karl IX. übernahm später die Verantwortung für die Ereignisse, als Reaktion auf ein Komplott zu seiner Ermordung.
Caterinas letzte Jahre waren schließlich auch weiterhin von den Hugenottenkriegen geprägt: während ihr Sohn Heinrich III., nach dem Tod seines Bruders zwei Jahre nach der Bartholomäusnacht auf den Thron gekommen, sich nicht so recht als französischer König positionierte, blieb sie in beständigen Verhandlungen mit ihrem Schweigersohn, der die Interessen der Hugenotten vertrat. Sie starb schließlich mit 70 Jahren.
Abgesehen von alle diesem ist sie auch noch verantwortlich für die Einführung des Damensattels, mit dem Damen auch tatsächlich reiten konnten, und vielerlei Eigenschaften dessen, was man heute gemeinhin als „französische Küche“ versteht, aber eigentlich seine Wurzeln in Caterinas italienischer Heimat hat.

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Von 163 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 10 (inklusive Caterina de‘ Medici) Frauen:

12.4.1432 Anna von Österreich
11.4.1492 Margarete von Navarra
14.4.1606 Juliane von Hessen-Darmstadt
13.4.1648 Jeanne Marie Guyon de Chesnoy
15.4.1684 Katharina I. (Russland)
16.4.1693 Anna Sophie von Reventlow
17.4.1724 Salomé de Gélieu
14.4.1765 Auguste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt
17.4.1799 Eliza Acton

KW 14/2016: Margarete, Jungfrau von Norwegen, 9. April 1283

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Margarete Jungfrau von Norwegen


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Margarete wurde nur sieben Jahre alt, und doch spielt sie eine große politische Rolle in der Geschichte Schottlands. Sie war die letzte lebende Verwandte von Alexander III. von Schottland, dessen Enkelin sie war.
Alexander hatte nach seiner Tochter Margrete, die bei der Geburt ihrer Tochter mit Erik II. von Norwegen verstarb, auch seinen jüngsten Sohn David verloren und schließlich auch noch seinen Thronfolger Alexander, den Prinzen von Schottland. Als Alexander III. 1284 gänzlich ohne Kinder dastand, überzeugte er die „Estates„, das schottische Parlament, seine dreijährige Enkelin Margarete als Thronfolgerin zu akzeptieren, sollte er nicht noch weitere Kinder mit seiner zweiten Frau Jolanda von Dreux zeugen. Als er zwei Jahre später bei einem Ritt von den Klippen stürzte und ums Leben kam, sah es zunächst so aus, als folge noch ein Kind – Jolandas Schwangerschaft führte aber nicht zu einem lebenden Nachkommen. Daher war nun die dreijährige Margarete die Königin von Schottland. Sie lebte mit ihrem Vater in Norwegen und sollte so rasch wie möglich ihre Position in Schottland einnehmen. Der König von England sah die Gelegenheit, sein Königreich mit Schottland zu vereinen, und drängte darauf, seinen zweijährigen Sohn Eduard II. mit Margarete zu verheiraten. Nachdem der Papst Dispens für die frühe Verheiratung erteilt hatte und die Schotten – ohne Regent und ohne Einfluss auf die Entscheidung, mit wem der König von Norwegen seine Tochter verheiraten dürfe – sich mit dem Versprechen, der englische König werde die Unabhängigkeit Schottlands respektieren, überzeugen ließen, schiffte Margarete siebenjährig nach Schottland ein – doch schon auf der Reise erkrankte sie und starb in der Nähe der Orkneys.
Der Tod der kleinen Prinzessin und die Unklarheit der Situation – sie war zwar als Königin deklariert, aber nicht gekrönt worden – sowie die Anzahl weiter hergeholter Anwärter auf den schottischen Thron führte auf lange Sicht, nachdem auch der König von England versuchte hatte, die Lage für seinen Machtgewinn auszunutzen, zum ersten schottischen Unabhängigkeitskrieg.

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Von 184 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 11 (inklusive Margarete) Frauen:

4.4.1436 Amalia von Sachsen
5.4.1447 Katharina von Genua
5.4.1472 Bianca Maria Sforza
5.4.1598 Anna Elisabeth von Anhalt-Dessau
5.4.1692 Adrienne Lecouvreur
7.4.1750 Maria Beatrice d’Este
10.4.1783 Hortense de Beauharnais
4.4.1785 Bettina von Arnim
9.4.1798 Giuditta Pasta
10.4.1798 Amalie Luise von Arenberg

KW 12/2016: Margarete von Anjou, 23. März 1430

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Margarete von Anjou

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Margarete von Anjou war als Ehefrau des Königs Heinrich VI. von England eine der Hauptakteure des englischen Rosenkrieges – einem Zwist zweier Adelshäuser, dem der Lancaster und dem der York – um den Königsthron.

Anlass für den Streit um den Thron im direkten Sinne war die offenbare Geisteskrankheit und politische Schwäche des Königs, außerdem gab es Gerüchte, Margaretes Sohn Edward sei dem König untergeschoben; indirekt und als lange gärende Motivation ist es wichtig zu wissen, dass Heinrichs Großvater, Heinrich IV., 1399 als erster König aus dem Hause Lancaster den Thron besetzte, obwohl ein anderer Anwärter, Edmund Mortimer, 5. Earl of March, das gleiche oder sogar mehr Anrecht darauf gehabt hätte. Edmunds Neffe und Erbe, Richard Plantagenet, war Duke of York und begründete seinen Anspruch auf den englischen Thron zu einem Zeitpunkt, als König Heinrich VI. sowohl politisch durch Niederlagen im Krieg gegen Frankreich und vertraglich festgelegte Verluste auf dem französischen Festland wie auch durch seine angegriffene psychische Gesundheit besonders angreifbar war.

Margarete von Anjou ergriff die Regierung und die militärische Leitung, als ihr Ehemann dazu nicht in der Lage war, um seinen Thron, und damit den Anspruch ihres Sohnes darauf, zu bewahren. Zunächst errang sie einige Siege, bei denen unter anderem der erste Anführer Richard Plantagenet fiel und sein Verbündeter Richard Neville unterlag. Es gelang ihr jedoch nicht, Plantagenets Sohn Eduard vom Thron zu stoßen und den ihren darauf zu setzen. Sie floh mit ihm über Schottland nach Frankreich und erhielt da unter Verzicht auf englisches Territorium auf dem Festland militärische Unterstützung; vollends ihr Ziel erreichen konnte sie allerdings erst, nachdem sie sich mit Richard Neville (Earl von Warwick, dem „Königsmacher“) aussöhnte, der Eduard vom Thron verdrängte und ihren Mann Heinrich wieder darauf setzte. In einer vorletzten Schlacht wurde jedoch Warwick getötet, in der letzten Schlacht schließlich starb ihr Sohn Edward und sie wurde gefangen genommen. Kurz darauf starb ihr Mann im Tower, sie selbst wurde nach Fürsprache durch den französischen König aus der Gefangenschaft entlassen und durfte nach Frankreich exilieren, wo sie als verarmte Verwandte des Regenten verstarb.

(Wem jetzt der Kopf schwirrt, der sei getröstet: Um diesen kurzen Text zu verfassen, habe ich versucht, sämtliche verlinkte Texte im Scan-Modus zu überfliegen. Ohne Erdnussbutterbrötchen ein Ding der Unmöglichkeit.)

Margarete von Anjou war eine Person, die Bildung befürwortete, weshalb sie das Queen’s College in Cambridge gründete.

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Von 219 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 14 (inklusive Margarete von Anjou) Frauen:
25.3.1347 Katharina von Siena
25.3.1408 Agnes von Baden
25.3.1567 Anna Margarete von Braunschweig-Harburg
24.3.1613 Antonia von Württemberg
24.3.1628 Sophie Amalie von Braunschweig-Calenberg
22.3.1736 Eva König
21.3.1745 Marianne von der Leyen
25.3.1749 Johanne Friederike Lohmann
24.3.1756 Franziska Lebrun
24.3.1768 Gabriele von Baumberg
27.3.1770 Sophie Mereau
24.3.1775 Pauline Auzou
25.3.1782 Caroline Bonaparte