Kategorie: Wissenschaft+Forschung

KW 46/2015: Mena Schemm-Gregory, 11. November 1976

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Mena Schemm-Gregorys Fachgebiet waren die Brachyopoden, Armfüßer, von denen ich zugegebenermaßen gerade mal weiß, dass es sie gab und gibt.

Dazu, diese junge Paläontologien als Frau der Woche zu wählen, haben mich drei Dinge bewogen: Erstens der Umfang ihrer Bildung und Arbeit. Neben Geologie und Paläontologie studierte sie auch italienische, spanische und portugiesische Philologie und arbeitete früh bereits im Forschungsinstitut Senckenberg. Sie galt mit ihren vielzähligen Forschungsarbeiten als Königin der Brachyopoden. Zweitens studierte sie z. T. zeitgleich mit mir in Marburg, was sie mir – obwohl ich ihr tatsächlich nie begegnet bin – gefühlsmäßig nahe brachte. Drittens schließlich die Tragik, dass sie bereits 2013 mit 36 Jahren verstarb. Sie hat ein kurzes Leben reichhaltig gefüllt.

KW 42/2015: Alexandrine Tinné, 17. Oktober 1835

Alexandrine Tinné

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Alexandrine Tinné ist ein Beispiel dafür, was die Freiheit von sozialen Normen für einen Unterscheid in den Entfaltungsmöglichkeiten machen. Mit 10 Jahren wurde sie durch den Tod ihres sehr alten Vaters (er war 63 bei ihrer Geburt) zur reichsten Erbin der Niederlande – und konnte sich so über die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen hinwegsetzen.

Schon ihre Mutter – die ebenfalls forsch gewesen sein muss – war mit ihr viel gereist. Mit 26 ließ sich Alexandrine mit Familie und Gefolge in Kairo nieder und verfolgte von dort ihren Jugendtraum, die Quellen des Nils zu entdecken. Mehrere Forschungsreisen unternahm sie, bei denen sie unter anderem ihre Mutter verlor, wofür sie sich lange die Schuld gab.

Als sie sich 1869 wieder auf eine Expedition zur Durchquerung der Sahara begab, geriet sie schließlich selbst – nach der wahrscheinlichsten Erklärung – zwischen die Fronten in einer politischen Intrige der Tuareg. Sie wurde wohl mit zwei Männern aus ihrem Gefolge ermordet, um den Tuareg-Fürsten zu diskreditieren, unter dessen Schutz sie stand.

Von ihren Forschungsreisen sind in Liverpool, Den Haag und Stuttgart verschiedene Dokumente und Sammlungen zurückgeblieben, wenn auch zum Teil durch den Zweiten Weltkrieg zerstört.

Bild: By Robert Jefferson Bingham – Digitaal Vrouwenlexicon van NederlandRKDimages, Art-work number 182409., Public Domain

KW 38/2015: Rahel Hirsch, 15. September 1870

Dr. Rahel Hirsch

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Rahel Hirsch erlitt das geradezu typische Schicksal der erfolgreichen Frau in der Forschung. Nachdem sie zunächst den üblichen Beruf der gebildeten Frau als Lehrerin ausübte, ließ sie sich vom deutschen Bildungssystem keine Steine in den Weg legen und studierte Medizin in der Schweiz. Als promovierte Medizinerin ließ man sie dann gerne an der Charité ihre Forschungen betreiben, zu der Durchlässigkeit der Darmschleimhaut zu den Nieren. Man ließ sie sogar als erste Frau bei der Konferenz der Gesellschaft der Chefärzte ihre Ergebnisse präsentieren.

Diese Ergebnisse wurden allerdings als nicht schlüssig abgewiesen; abgesehen davon, dass sie zwar schließlich den Professorentitel  und die Leitung der Poliklinik übertragen wurde – dies alles jedoch ohne Gehalt von der Charité zu erhalten. Sie konzentrierte sich daher bald auf ihre Privatpraxis; mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde ihr als Jüdin allerdings die Kassenzulassung entzogen. Nach ihrer Flucht nach England konnte sie nur noch als Laborassistentin arbeiten und verbrachte ihre letzten Lebensjahre schließlich depressiv und paranoid in einer psychiatrischen Anstalt.

Angesichts einer Lebensgeschichte, die geprägt ist von Hindernissen, die ihr aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Religion in den Weg gelegt wurden, und den Benachteiligungen, die sie aufgrunddessen hinnehmen musste, kann man sich allerdings frage, ob Paranoia und Depression krankhafte oder eher im Gegenteil völlig vernünftige Reaktionen sind.

Ihre Forschungsergebnisse wurden im Übrigen kurz nach ihrem Tod von einem Assistenten ihres damaligen Kollegen bestätigt und – immerhin – nach ihr „Hirsch-Effekt“ genannt.

Bild: By Bain News Service, publisher – Library of CongressCatalog, Image download, Original, Public Domain

KW 35/2015: Temple Grandin, 29. August 1947

Temple Grandin

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Die vielseitigen Entwicklungs- oder Informationsverarbeitungsstörungen des autistischen Spektrums und ihre Genese sind bis heute noch zu großen Teilen unverstanden. Umso aufsehenerregender ist es, wenn jemand, dem eine relativ schwere Störung im Kindesalter attestiert wurde, nicht nur eine höchst erfolgreiche Karriere hinlegt, sondern auch aus dieser „fremden Welt“ berichten und anderen Betroffenen helfen kann, in ihrer Außer-Gewöhnlichkeit besser zu leben, mithin Kontakt zwischen den Welten herstellt.

Temple Grandins Eltern ließen sich von einer „Hirnschaden“-Diagnose nicht einschüchtern und förderten ihre Tochter in allem, was möglich war. So wurde aus dem Kind, das mit drei Jahren noch nicht sprach, eine Doktorin der Tierwissenschaften, Dozentin und Aktivistin, die regelmäßig Vorträge hält. Sie erfand die hug box, die Menschen mit autistischen Störungen helfen kann, sensorische Überreizung zu lindern. Sie hilft mit ihren Einsichten in ihre Wahrnehmungswelt Eltern von betroffenen Kindern, besser zu verstehen, was in und mit diesen geschieht.

Sie hat dazu noch, in ihrer Funktion als Beraterin der Nutztierindustrie, eine mir sympathische, grundlegend richtig erscheinende Haltung gegenüber den Tieren – die sie ohne Zweifel liebt: Nämlich, dass wir sie essen sollten bzw. dürfen (wenn wir es wollen), dass wir aber auch alles verwerten sollten (siehe pink slime) und dass wir ihnen aber dafür auch ein gutes Leben und einen schmerzlosen Tod schulden.

Bild: By Steve Jurvetson from Menlo Park, USA – Rain Man’s Rainbow, CC BY 2.0

KW 33/2015: Serena Nanda, 13. August 1938

Hijra

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Die Wikipedia-Beiträge zu Serena Nanda sind leider sehr kurz. Dabei hat sie zu einem der faszinierendsten Themen der Genderforschung – für mein persönliches Interesse zumindest – ein Fachbuch geschrieben, und zwar zu den Hijras in Indien und Umgebung.

Das erste Mal bin ich dem Konzept begegnet in John Irvings Zirkuskind. Ich hielt das zunächst für dichterische Freiheit und schlug es nach; meine Faszination mit einem „dritten Geschlecht“ hat seither nicht abgenommen.

In der Diskussion hierzulande über „Gender-Gaga“ (diese Formulierung muss ich selbst immer wieder mit sarkastischem Tonfall verwenden, damit ihre Existenz mich nicht rasend macht) werden die alten, kulturell akzeptierten Formen der Genderfluidität bzw. -transgression wohl deshalb nicht herangezogen, weil es sich dabei um nicht-abendländische Kulturen handelt. Da gibt es die Burnesha in Albanien und eben die Hijras im südostasiatischen Kulturkreis. Selbst eine Machokultur wie die mexikanische hat die Muxes (kommt vom altspanischen Wort für Frau – diese Menschen leben in einer Kultur, die noch unter stärkerem Einfluss der Zapotheken steht als der spanischen – katholischen – „Einwanderer“).

Aber wir hier müssen natürlich alle nach den gleichen Prinzipien des römischen-katholischen Menschenbildes leben und fühlen – nur am äußersten Rand der Skala von Männlich- und Weiblichkeit gibt es eine dünne Marge der „Normalität“, wenn es nach der Vorstellung mancher geht. Nunja. Wenn wir uns als Kultur langsam unter dem Schirm der abendländischen Religion herausbewegen können – in Richtung eines offenen, auch nicht religiösen Humanismus –, bleiben solche Normierungen vielleicht auch zurück.

Bild: By Mgarten at English Wikipedia, CC BY 3.0

KW 32/2015: Shirley Ann Jackson, 5. August 1946

Shirley Ann Jackson

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Von der Forschungsarbeit und deren Erkenntnissen von Shirley Ann Jackson verstehe ich leider ausgesprochen wenig.
Was ich aber verstehe, sind die Titel und Positionen, die sie als afro-amerikanische Frau innehat: erste afro-amerikanische Doktorin am MIT, zweite afro-amerikanische Doktorin in den Vereinigten Staaten, erste Frau, erster Mensch afro-amerikanischer Herkunft mit der Präsidentschaft über das Rensselaer Polytechnic Institute.

Bild: By Shirley_Ann_Jackson_-_Annual_Meeting_of_the_New_Champions_Tianjin_2010.jpg: World Economic Forum (Qilai Shen)derivative work: Gobonobo (talk) – Shirley_Ann_Jackson_-_Annual_Meeting_of_the_New_Champions_Tianjin_2010.jpg, CC BY-SA 2.0

KW 31/2015: Ingeborg Eichler, 28. Juli 1923

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Die Geschichte um Thalidomid bzw. Contergan, die Entstehung der Katastrophe und ihre langfristigen Konsequenzen kann einen sprachlos machen.

Da sitzen Nazis (ehemalig kann man sie wohl nicht wirklich nennen) als Pharmakologen und Aufsichtsräte in einer Pharma-Firma und betreiben aus, man kann es nicht anders sagen, Profitgier (und offensichtlichem Menschlichkeitsneglekt) den Verkauf eines Medikamentes an Schwangere – die sich wenig sehnlicher wünschen als ein Ende der Übelkeit -, dessen Nebenwirkungen nicht ausreichend untersucht sind. Aber: es wird sich verkaufen wie geschnitten Brot, was soll es also, raus damit.

Dass damit um die 4.000 Menschen in Deutschland schon vor ihrer Geburt chemikalisch verstümmelt werden und einem Leben voller Schwierigkeiten und Schmerzen entgegensahen, während die Mütter mit einem Schuldgefühl leben mussten, das ich mir unerträglich vorstelle*, ist der größte Skandal. Die weitere, lange über das Leben der Geschädigten hinaus problematische Konsequenz ist der Beitrag zum Ärzte- und Pharmakologie-Misstrauen, von dem die heutige Impf-Trägheit, nein: eine echte Impf-Paranoia nur ein, aber bedeutender Teil ist. Die Pharmakonzerne, die ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Kinder ihre Chemie verkaufen will: da war sie wirklich zugange.

Ingeborg Eichler reichte als Einzige ihr Veto ein als es um die Einführung von Thalidomid in Österreich ging, womit sie quasi im Alleingang die Zahl der Geschädigten auf 12 begrenzen konnte.

Dass es auch solche Pharmakologen gab und gibt wie Ingeborg Eichler, und dass es die Menschen ihrer Überzeugung sind, die besonders nach dem Thalidomid-Skandal die Richtlinien in der Medizin schreiben, ist schwer zu glauben nach den Erfahrungen. (Ich persönlich bin jedoch dieser Meinung.) In der allgemeinen Stimmung sind es die bösen Pharmakonzerne, die uns und unsere Kinder wissentlich krankmachen wollen, wenn sie uns Stoffe verabreichen wollen, deren Funktionen und Wirkungsweisen wir nicht verstehen (können). Die „Naturheilkundler“ als Gegenpol dazu werden als Heilsbringer und Nonplusultra verstanden, wobei deren Mittel und Methoden zum Teil weniger geprüft werden und deren Heilsamkeit eher episodisch belegt und individuelle Glückssache ist. Menschen, Kinder, erkranken – und sterben unglücklicherweise – wieder  an Krankheiten, die es gar nicht mehr geben müsste, auch, weil vor 60 Jahren Menschen, denen die Gesundheit anderer das höchste Gut hätte sein sollen, mehr an ihren persönlichen Gewinn dachten.

*In meiner zweiten Schwangerschaft hatte ich, dank Kindergartenkind, in jedem Trimenon mindestens eine Erkältung, schlussendlich auch mit schmerzhafter Kieferhöhlenvereiterung. Es blieb nicht aus, dass ich Nasentropfen verwendete, um schlimmeres abzuwenden – immer unter Absprache mit meiner Frauenärztin.

Als mein Sohn mit einem mittelschweren Klumpfuß auf die Welt kam, war selbstverständlich die Angst und das schlechte Gewissen da, dass ich daran Schuld sein könnte, weil ich unverantwortlicherweise Medikamente genommen hatte. Der Orthopäde hat mich dahingehend „freigesprochen“ (die Genese dieser Fehlstellung ist nicht eindeutig geklärt, aber an Nasentropfen liegt es definitiv nicht), aber die Augenblicke der Angst gaben mir eine Ahnung, was die Mütter der Contergan-Geschädigten haben durchmachen müssen für den Rest ihres Lebens.

Nachtrag: Diesen Artikel hatte ich vorbereitet, nun kommt einige Tage vor seiner Veröffentlichung diese Nachricht heraus… Es ist eine ewige Arbeit, die gute Sache zu verteidigen. Es ist niemand zu schaden gekommen. Mein Glaube an das Gute bleibt ungebrochen.

KW 29/2015: Rosalyn Sussman Yalow, 19. Juli 1921

Rosalyn Sussman Yalow Frauenfiguren

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Die Nobelpreisträgerin für Medizin (1977) entwickelte mit Solomon Berson die Methode des Radioimmunassays, mit dem man (heute: unter anderem) den Insulinspiegel im Blut messen kann.
Bemerkenswert vor allem an dieser Entwicklung war, dass die beiden ihre Methode nicht patentieren ließen – dies bedeutete, das die Methode für alle zugänglich und nicht von einem Unternehmen monopolisierbar war.

Bild: By US Information Agency (see image credits at the end) – Women of Influence, pg. 28, Public Domain

Mathematikerin!!

Mit Maryam Mirzakhani ist gerade der ersten Frau (und der ersten Person aus dem Iran) die Field’s Medal verliehen worden.
Something’s moving.

KW 4/2014: Geena Davis, 21. Januar 1956

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Schauspielerin, Bogenschützin, Gründerin des Geena Davis Insitute on Gender in Media. IMDb

Viel Vergnügen bei diesem Clip, in dem sie ihre Profession, ihren Sport und ihre medienpädagogische Initiative unter einen Hut bringt. Weiterschauen lohnt sich: danach kommt ein Clip, in dem Susan Sarandon die Penisse weißer Männer als Lebenshilfe anpreist.

Runner-up: Irene Sharaff, Kostümbildnerin unter anderem für Cleopatra
WEG MIT
§218!