Schlagwort: astronomie

KW 11/2016: Caroline Herschel, 16. März 1750

Caroline Herschel

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Der Lebensweg von Caroline Herschel ist wunderbar gewunden und eng an die Männer in ihrem Leben geknüpft. Die Mutter legte Wert auf ihre Ausbildung im Haushalt, der Vater bot die musikalische Ausbildung und Karriere. Die Musik und Mathematik sowie die Astronomie waren die Bildungsangebote ihres Vaters, auf die sie sich stürzte, um den ungeliebten Handarbeiten und traditionellen weiblichen Aufgaben im Haus zu entkommen. Als ihr Bruder Friedrich Wilhem als Organist und Konzertleiter nach England ging, folgte sie ihm als Haushälterin, um dann zunächst eine Karriere als Sängerin zu beginnen. Sie war sogar so erfolgreich, dass sie sich von ihrem Bruder unabhängig hätte machen können; ihre enge geschwisterliche Beziehung sowie die gemeinsame Leidenschaft Astronomie, der sie beide frönten, ließen sie jedoch Angebote für ein eigenständiges Engagement ablehnen. Wenn sie nicht sang oder den Haushalt führte, stellte Caroline Teleskope her und wartete die bereits betriebenen – bis ihr Bruder eher zufällig den Planeten Uranus entdeckte.
Als Entdecker eines neuen Planeten wurde aus dem Organist und Konzertleiter Friedrich Wilhelm Herschel ein königlicher Astronom, und aus Caroline seine Assistentin. Sie gab das Singen ganz auf und widmete sich unter den Fittichen ihres Bruders ganz der Sternenkunde. Sie unterstütze ihn nicht nur in der Ordnung, Datenaufnahme und -sortierung, der Kartierung und Katalogisierung, sie selbst beobachtete und durchforschte den Nachthimmel und machte dabei einige eigene Entdeckungen. Diese wurden in der Liste ihres Bruders mit ihrem Kürzel (CH) versehen: hier kann man eine ausführliche, kommentierte Liste der von ihr gefundenen Sternenhaufen, Galaxien und Nebel finden.
Nachdem ihr Bruder 1822 gestorben war, kehrte sie in ihre Heimat Hannover zurück, wo sie bis zu ihrem Tod 1848 lebte, forschte und ihrem Neffen John half, die Arbeit seines Vaters fortzusetzen. Sie wurde in ihren späten Jahren als einflussreiche Größe in der Astronomie von ihren Kollegen anerkannt und verehrt, erhielt die Goldmedaillen der Royal Astronomical Society und der Preußischen Akademie der Wissenschaften und wurde zum Mitgleid der Königlichen Irischen Akademie der Wissenschaft ernannt.

Bild: Von Ölgemälde: Melchior Gommar Tieleman; Foto des gemeinfreien Gemäldes: unbekannt – Michael Hoskin: Discoverers of the Universe: William and Caroline Herschel, Gemeinfrei

Weil sie so schön sind, hier Bilder zweier von ihr entdeckten Galaxien und eines Nebels:

NGC 253

NGC 253

Bild: Von NASA, ESA, J. Dalcanton and B. Williams (University of Washington), T.A. Rector/University of Alaska Anchorage, T. Abbott and NOAO/AURA/NSF –  direct link, CC BY 3.0

NGC 7380

NGC 7380

Bild: Von Hewholooks – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

NGC 891

N891s

Bild: Von Credit Line and Copyright Adam Block/Mount Lemmon SkyCenter/University of Arizona, CC BY-SA 3.0 us

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Von 178 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 18 (inklusive Caroline Herschel) Frauen:

14.3.1478 Anastasia von Brandenburg
18.3.1496 Mary Tudor (Frankreich)
16.3.1596 Ebba Brahe
18.3.1598 Anna Sophia von Brandenburg
19.3.1647 Anna Elisabeth von Anhalt-Bernburg
18.3.1654/55 Catharina Charlotta De La Gardie
16.3.1687 Sophie Dorothea von Hannover
17.3.1714 Anna Charlotte von Lothringen
16.3.1729 Maria Luise Albertine zu Leiningen-Dagsburg-Falkenburg
15.3.1737 Amarindra
17.3.1754 Madame Roland
15.3.1768 Maria Anna Czartoryska
17.3.1782 Sophie von Kühn
14.3.1788 Lulu von Thürheim
20.3.1791 Marie Ellenrieder
15.3.1792 Virginie Ancelot
16.3.1799 Anna Atkins

KW 50/2012: Annie Jump Cannon, 11. Dezember 1863

Annie Jump Cannon

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Nachdem Annie Jump Cannon ein Physikstudium abgeschlossen hatte, während dessen sie auch noch auf beiden Ohren fast taub geworden war (durch eine Scharlacherkrankung), musste sie mit 21 ins Haus der Eltern zurückkehren und ein Leben als „Jungfer“ fristen. Erst 10 Jahre später, als ihre Mutter gestorben war, bewarb sie sich – 31jährig und mit einer Behinderung – bei einem ihrer früheren Physikprofessoren als Assistentin. Dass dieser sie tatsächlich einstellte, war der Beginn einer Karriere als Astronomin: Sie arbeitete zunächst als Assistentin und half in dieser Funktion bei der Kategorisierung von Sternen. Aufgrund eines Zwistes zweier Kolleginnen über das System, nach welchem Sterne kategorisiert werden sollten, kam es dazu, dass Annie Jump Cannon das System entwickelte, das als Kompromiss und Revolution bis heute Gültigkeit hat. Der Merksatz dafür: Oh Be A Fine Guy/Girl Kiss Me.

Zu dem Zeitpunkt, als Annie dieses System entwickelte, verdiente sie als Assistentin mit 25 Cent pro Stunde weniger als die Sekretärinnen der Universität. Ich weiß nicht, warum dieser Punkt mir so besonders wichtig ist… Vielleicht, weil er zeigt, wie wenig schon früher (so wie wohl leider heute noch immer) das Gehalt (von Frauen insbesondere) von Leistung, intellektueller Anforderung und Bedeutung für die Allgemeinheit abhängt – und wieviel mehr von – ja, was eigentlich? Prestige? Öffentlichkeitswirksamkeit? Wer weiß das schon.

In jedem Fall war Annie Jump Cannon nicht nur offensichtlich jemand, die schön, strukturiert und zielführend denken konnte, sondern war sie auch als Person optimistisch und zielstrebig. Von Krankheit, Taubheit und sozialen Konventionen sowie langfristiger Isolation hat sie sich nicht unterkriegen lassen, um dann 40 Jahre weiter zu arbeiten und zu forschen, bis sie schließlich die Ehrendoktorwürde erhielt.

Eine Lobeshymne auf ihr Werk gibt es auf der Seite des San Diego Supercomputer Center. Die an und für sich interessante Seite NNDB widmet ihr einen Eintrag. Ebenso: Biography.com und das Wellesley College.

Bild: Von Smithsonian Institution from United States – Annie Jump Cannon (1863-1941), sitting at desk, No restrictions

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