Schlagwort: botanik

3/2020: Sofja Wassiljewna Kowalewskaja, 15. Januar 1850

Als Kind in einer russische Militärfamilie geboren, kam Sofja Wassiljewna Kowalewskaja früh und auf ungewöhnlichem Weg mit der Mathematik wortwörtlich in Kontakt: Nachdem ihr Vater, General der russischen Armee, seinen Abschied vom Dienst nahm und mit der Familie auf Land zog, wurden die Wände des Kinderzimmers neu tapeziert. Als die Tapete nicht ausreichte, griff man auf Papiere vom Dachboden des Hauses zurück. Dabei handelte es sich zufällig um das Skript einer Vorlesung, die ihr Vater in seiner Jugend bei Michail Ostrogradski gehört hatte.

Das Mädchen Sofja wurde von Gouvernanten und mit wenig familiären Begegnungen aufgezogen, dennoch entwickelte sie eine enge Bindung zu ihrer sechs Jahre älteren Schwester Anna. Ihr mathematisches Interesse wurde hingegen von einem Onkel väterlicherseits gefördert, der sich selbst laienhaft mit der Mathematik befasste und sie an seinem Zeitverterib teilhaben ließ. Sie erhielt zwar auch Unterricht in den Grundlagen der Mathematik von ihrem Hauslehrer, doch ihre Leidenschaft ging weit darüber hinaus. Als der Vater es als ungebührlich empfand, wie sehr sie in die Materie einstieg, verbot er ihr zunächst weitere Beschäftigung damit – diesem Verbot widersetzte sie sich jedoch heimlich. So bekam sie mit 15 ein Buch über Physik in die Hand, das ein Nachbar der Familie geschrieben hatte. Als sie dem Autor ihre eigenen, autodidaktischen Herleitungen erläuterte, setzte der sich dafür ein, dass sie in höherer Mathematik unterrichtet werden sollte. So durfte sie schließlich bei einem Professor in St. Petersburg Intensivkurse besuchen. In dieser Zeit entstand über ihre Schwester Anna auch ein Kontakt mit der politischen Bewegung des russischen Nihilismus.

Mit 18 Jahren war Wassiljewna entschlossen, in Europa zu studieren, da sie wie viele Frauen glaubte, bei den westlichen Nachbarn hätten sie mehr Rechte als in Russland. In ihrer Heimat durften sie weder studieren noch als Gasthörerin zu Vorlesungen gehen, sie besaßen allerdings auch keinen Reisepass und waren so als alleinstehende Frauen nachgerade gefangen. Wassiljewnas Willen, die Mathematik und Naturwissenschaften offiziell zu studieren, war so stark, dass sie gegen den Willen des Vaters eine Ehe mit Wladimir Onufrijewitsch Kowalewski einging. Ihr Ehemann war Anhänger des russischen Nihilismus und Jurastudent, er ging jedoch mit ihr nach Europa, um sich der Paläontologie zu widmen. Als reine Zweckehe unterlag die Bindung der beiden vielen räumlichen Trennungen, doch sie lebten auch immer wieder zusammen.

Zuerst ging das Ehepaar Kowalewski nach Wien, wo Sofja Physikvorlesungen hören durfte, doch das Leben dort war zu teuer. In Heidelberg durfte Kowalewskaja sich zwar auch nicht immatrikulieren, aber indem sie das persönliche Gespräch mit den Professoren suchte, konnte sie erreichen, zumindest als Gasthörerin zugelassen zu werden. Sie besuchte in dem Jahr in Heidelberg Vorlesungen von Robert Wilhelm Bunsen zur Chemie, von Hermann von Helmholtz und Gustav Kirchhoff zur Physik und Mathematik bei Paul du Bois-Reymond und Leo Koenigsberger. Letzterer empfahl ihr einen Wechsel nach Berlin, um bei Karl Weierstraß zu studieren.

Im Winter 1870 ging Kowalewskaja also ohne ihren Mann und ihre Schwester, mit denen sie in Heidelberg gelebt hatte, dorthin und bewarb sich als Schülerin bei Weierstraß. Obwohl ihre Professoren sie wärmstens empfahlen, unterzog der Mathematiker sie vorab einer schweren Prüfung. Ihre Antworten, eine Woche später geliefert, überzeugten ihn und legten den Grundstein für ein vierjähriges Privatstudium. Dabei besuchten sie sich gegenseitig jeweils einmal die Woche; da der Professor unverheiratet war und Kowalewskajas Ehe zu dieser Zeit nur auf dem Papier bestand, ist es möglich, dass sich auch eine persönliche Beziehung zwischen den beiden entwickelte. Kowalewskaja unterbrach ihr Studium nur einmal, um 1871 der Schwester Anna in Paris zur Seite zu springen (deren Ehemann wurde als politischer Aktivist verhaftet, doch die Wassiljewna-Schwestern konnten mit den Beziehungen ihres Vaters eine Freilassung erwirken). Schon im Folgejahr begann sie mit der Arbeit an drei Dissertationen gleichzeitig, unterstützt von Weierstraß und in höchster Intensität bis zu sechzehn Stunden am Tag. Dabei wusste sie noch nicht einmal, wo sie diese einreichen sollte, da sie offiziell an keiner deutschen Universität promovieren konnte – als Frau. Karl Weiertraß, der im übrigen grundsätzlich kein Freund des Studiums für Frauen war, riet ihr nach längerer Suche dazu, es an der Georg-August-Universität Göttingen zu versuchen. Als Kowalewskaja dort ihre drei Dissertationen einreichte, stellte Ernst Schering, die sie begutachtete, fest, dass sie mit jeder davon den Doktortitel verdient hatte. Sie erhielt ihre Doktorwürde schließlich 1874 summa cum laude. Damit war sie die erste Frau, die an einer europäischen Universität promovierte.

Nach diesem erfolgreichen Abschluss kehrte Kowalewskaja nach Russland zurück, doch hier erwartete sie ein Rückschlag. Doktorgrad hin oder her, ohne Magisterexamen durfte sie in Russland nicht unterrichten, und das Magisterexamen bekam sie nicht ohne Studium in Russland, zu dem sie als Frau nicht zugelassen war. Diese Enttäuschung veranlasste sie, sich von der Mathematik gänzlich abzuwenden; sie versuchte, mit ihrem Mann ein geregeltes Eheleben zu führen, und gebar 1878 eine Tochter, der sie sich in den ersten zwei Lebensjahren vollständig widmete. Doch ihr Mann verspekulierte ihr gemeinsames Geld, sodass sie sich nach sechs Jahren Mathematik-Abstinenz wieder ihrer Leidenschaft zuwandte. Sie übersetzte ihre bisher noch nicht veröffentlichte dritte Dissertation ins Russische und besuchte damit den 6. Kongress der Naturwissenschaftler und Ärzte, außerdem zog die Familie nach Moskau, wo sie regelmäßig Veranstaltungen der Moskauer Mathematischen Gesellschaft besuchte. Als ihr Mann sich schließlich mit erfolglosen Ölgeschäften vollständig finanziell ruiniert hatte, beschloss sie, sich mit der Tochter Fufa erneut nach Europa aufzumachen.

1881 ging sie zunächst nach Berlin, dann weiter nach Paris. Dorthin nahm sie jedoch ihre Tochter nicht mit, stattdessen sandte sie Fufa zurück nach Russland, wo das Kind von nun an bei ihrer Freundin und Kollegin Julia Lermontowa aufwuchs. In Paris fand sie 1882 ein anderer ehemaliger Schüler Karl Weierstraß‘, Gösta Mittag-Leffler, der sie dank seines Ansehens mit den wichtigsten französischen Mathematikern bekannt machen konnte. Das führte dazu, dass sie schon wenige Monate später in die Pariser Mathematische Gesellschaft gewählt wurde und wiederum eine Arbeit auf dem 7. Kongress der Naturwissenschaftler und Ärzte vortrug.

Der Selbstmord ihres Mannes traf sie zwar als persönliches Ereignis, doch ermöglichte ihr der Witwenstatus nun etwas, was weder als alleinstehende noch als verheiratete Frau möglich gewesen war: Sie war nun auf respektable Weise unabhängig und für sich selbst verantwortlich. So konnte Mittag-Leffler sie endlich als Privatdozentin an der Universität Stockholm einladen, eine Tatsache, die Schweden unverhältnismäßig stark bewegte. Die Zeitung befassten sich mit der Frau, die alleine für eine Dozentur in ein ihr völlig unbekanntes Land zog; es war jedoch nicht nur Bewunderung, die laut wurde. August Strindberg (alter weißer Mann seiner Zeit) schrieb über ihre Professur:

Ein weiblicher Mathematikprofessor ist eine gefährliche und unerfreuliche Erscheinung, man kann ruhig sagen, eine Ungeheuerlichkeit. Ihre Einladung in ein Land, in dem es so viele ihr weit überlegene männliche Mathematiker gibt, kann man nur mit der Galanterie der Schweden dem weiblichen Geschlecht gegenüber erklären.

Quelle: Wikipedia

Kowalewskaja nahm es gelassen; sie hatte Grund genug für ein stabiles Selbstbewusstsein, nicht nur aufgrund ihrer mathematischen Fähigkeiten, sie hielt auch bereits nach einem Jahr, in dem sie zu erst auf Deutsch (für sie Fremdsprache) unterrichtete, ihre Vorlesungen auf Schwedisch. Das Strindbergs Urteil sie nicht verunsicherte, beweist ein Brief, den sie an Mittag-Leffler schrieb:

Als Weihnachtsgeschenk erhielt ich von Ihrer Schwester einen Artikel von Strindberg, in dem er so klar beweist, wie zweimal zwei vier ist, daß eine solche Ungeheuerlichkeit wie ein weiblicher Professor der Mathematik schädlich, unnütz und unangenehm ist. Ich finde, daß er im Grunde ganz recht hat, nur gegen eines protestiere ich, daß nämlich in Schweden eine große Anzahl Mathematiker leben soll, die mir weit überlegen seien und daß man mich nur aus Galanterie berufen habe.

Quelle: Wikipedia

In Mittag-Lefflers Auftrag trug sie für Acta Mathematica, die einzige mathematische Fachzeitschrift Skandinaviens, verschiedene Veröffentlichungen russischer, deutscher und französischer Mathematiker zusammen und wurde in Folge 1884 die erste Frau, die als Herausgeberin an einer wissenschaftlichen Zeitung beteiligt war. Im gleichen Jahr wurde ihre Privatdozentur in eine ordentliche Dozentur umgewandelt – nicht ohne Widerstand der männlichen Kollegen und auf fünf Jahre befristet. Damit war sie die erste Professorin in Europa seit fast hundert Jahren, als verspätete Nachfolgerin von Laura Bassi (1776 Professorin für Physik in Bologna) und Maria Gaetana Agnesi (1748 ebenfalls für Physik in Bologna, jedoch ohne Lehrtätigkeit).

1886 löste Kowalewskaja ein in der Mathematik bestehendes Problem in der Rotation fester Körper. Soweit ich das als mathematisch völlig Ahnungslose verstehen kann, fand sie einen Kreiseltypen, dessen Bewegungen sich mathematisch berechnen und vorhersagen lässt, unabhängig davon, wie die Bewegung anfänglich aussieht. Dies war in zwei anderen Fällen vorher nur Leonhard Euler (1707-1783) und Joseph-Louis Lagrange (1736-1813) gelungen, nach Kowalewskaja nur noch Dmitri Nikanorowitsch Gorjatschew (1867-1949) und Sergei Alexejewitsch Tschaplygin (1862-1942). Als sich diese Entdeckung herumsprach, wurde der renommierte Bordin-Preis der Académie des sciences im Jahr 1888 ausdrücklich für einen Beitrag zur Rotation fester Körper ausgeschrieben – damit Kowalewskaja ihn gewinnen konnte. Die Einreichungen für den Preis waren grundsätzlich anonym, doch Kowalewskajas Abhandlung wurde nicht nur als beste gekürt, der Preis wurde aufgrund der Qualität ihrer Arbeit von den üblichen 3.000 auf 5.000 Francs hochgesetzt. Ihre Erkenntnis ist heute als Kowalewskaja-Kreisel bekannt.

Im Jahr zuvor war ihre Schwester gestorben, die Trauer darüber hatte sie mit der vertieften Arbeit für den Bordin-Preis verarbeitet. Nachdem sie die Ausschreibung gewonnen hatte, schrieb sie ihre Kindheitserinnerungen und veröffentlichte sie mit großem Erfolg in Schweden, ebenso verfasste sie Jugenderinnerungen und eine Novelle mit dem absolut charmanten Namen „Die Nihilistin“. 1889 lief ihre Professur in Stockholm eigentlich aus und sie bewarb sich in Frankreich und Russland auf andere Stellen. Wieder war es Mittag-Leffler, der ihr zu Hilfe kam, durch seinen Einsatz wurde ihre Professur in Stockholm doch auf Lebenszeit verlängert. Weder in Frankreich noch in Russland hätte sie eine Beschäftigung gefunden; Frankreich ehrte sie nur mit einer Urkunde, in Russland wurde sie nur zum „korrespondierenden Mitglied Russischen Akademie der Wissenschaft“ gewählt.

Bereits zwei Jahre später jedoch zog sie sich in Cannes eine Grippe zu, die sich auf dem Heimweg nach Stockholm über Paris und Berlin zu einer Lungenentzündung auswuchs. Nach ihrer Ankunft in der schwedischen Heimat starb sie daran, mit nur 41 Jahren. Ein Kollege, Leopold Kronecker (der ein halbes Jahr später ebenfalls an Bronchitis starb), schrieb in seinem Nachruf:

Die Geschichte der Mathematik wird von ihr als einer der merkwürdigsten Erscheinungen unter den überhaupt äusserst seltenen Forscherinnen zu berichten haben.

Quelle: Wikipedia

*

Ebenfalls diese Woche

Januar 1968: Zeng Fanyi (Link Englisch)
Die in Shanghai tätige Genetikerin bewies 2009 mit ihrem Team, dass sich ein vollständiger Säugetierkörper aus induzierten pluripotenten Stammzellen heranzüchten lässt.

14. Januar 1862: Carrie Derick (Link Englisch)
Die Botanikerin und Genetikerin war die erste Professorin an einer kanadischen Universität.

14. Januar 1938: Indira Nath
Als Spezialistin in der Pathologie, Immunologie und Infektiologie forscht Nath zur Immunantwort und Nervenschädigung, die eine Infektion mit Lepra auf zellulärer Ebene anrichtet.

17. Januar 1647: Elisabetha Hevelius
Nach der Heirat mit dem Bierbrauer und Astronom Johannes Hevelius assistierte sie ihm bei der Errichtung einer Sternwarte und der Erstellung eines Sternenkatalogs, den sie nach seinem Tod allein fertigstellte.

17. Januar 1877: Marie Zdenka Baborová-Čiháková (Link Englisch)
Sie war die erste Botanikerin und Zoologin Tschechiens.

17. Januar 1917: Ruth Smith Lloyd (Link Englisch)
1941 erhielt die Medizinerin als erste Afroamerikanerin die Doktorwürde, an der Western Reserve University im Fach Anatomie. Sie forschte zur weiblichen Fruchtbarkeit, dem Einfluss der Geschlechtshormone auf das Körperwachstum und zum weiblichen Zyklus.

19. Januar 1859: Alice Eastwood
Die kanadisch-stämmige Botanikerin rettete die Typus-Sammlung des Herbariums der California Academy of Science vor dem Feuer, ausgelöst durch das große Erdbeben von San Francisco 1906.

Hatschepsut

ca. 1495 – 14. Januar 1457 v. Chr.

Hatschepsut war – wie bei den Regierenden des Alten Ägypten üblich – Halbschwester und Ehefrau des Pharaos Thutmosis II.; beide waren Kinder des Thutmosis I., doch Thutmosis II. wurde von ihm mit einer Nebenfrau gezeugt, während Hatschepsut Tochter der ersten Ehefrau Ahmose war (Thutmosis I. hatte tatsächlich nur durch die Eheschließung mit ihr, einer Tochter eines Pharaos, die Legitimation als Herrscher erhalten). Hatschepsut jedoch berief sich auch auf eine göttliche Herkunft ähnlich der griechischen Halbgötter, nämlich dass Amun-Re in Gestalt des Thutmosis I. zu ihrer Mutter gekommen sei und sie gezeugt habe. Thutmosis II. starb jung, im Jahr 1479 v. Chr. mit 20bis 30 Jahren. Der gemeinsame Sohn Thutmosis III. war zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind, die Forschung ist sich nicht einig, ob etwa 3 bis 4 Jahre oder bereits 7 Jahre alt. Hatschepsut nahm daher für ihn den Pharaonenthron ein und regierte 21 oder 22 Jahre erfolgreich. 1457 v. Chr. starb sie mit etwa 35 Jahren eines natürlichen Todes (mögliche Ursachen könnten Krebs oder Diabetes gewesen sein).

Die Erinnerungen an Hatschepsut als Pharao – ihre Namenskartusche auf Reliefs und Statuen – wurden irgendwann in der Folgezeit zu großen Teilen zerstört; ihr Sohn war zunächst im Verdacht, ihm wurde ein Groll gegen seine Stiefmutter unterstellt, weil sie so lange statt seiner geherrscht habe. Da die Zerstörungen inzwischen aber genauer datiert werden konnten und jüngeren Datums sind, wird derzeit angenommen, dass ein späterer Regent die Erinnerung an eine weibliche Pharao, noch dazu mit derartigen Errungschaften, wie sie Hatschepsut zu verzeichnen hat, nicht ertragen konnte. (Dieses Phänomen nennt sich Damnatio memoriae, wie ich just lerne.)

Auf dem Zeitstrahl der Frauen in der Wissenschaft hat Hatschepsut einen Platz als erste Initiatiorin einer botanischen Expedition. In ihrem neunten Regierungsjahr entsandte sie ihren Schatzmeister mit Gefolgschaft nach Punt – einem an Boden- und pflanzlichen Schätzen reichen Land, von dem heute nicht sicher ist, wo es genau lag. Wahrscheinlich östlich von Ägypten am Meer, die heutigen Erkenntnisse über die Einwohner Punts beschränken sich darauf, dass sie nach ihren Frisuren und Kleidern zu urteilen in drei Bevölkerungsgruppen geteilt waren und in Pfahlbauten lebten. Hatschepsuts Expeditionsgruppe kehrte vor allem mit Myrrhe, Zedern, Weihrauch und Ebenholz nach Ägypten zurück; an der Wand einer Pfeilerhalle in Hatschepsuts Totentempel ist die Expedition raumgreifend dargestellt.

Auf diesem Relief ist auch Ati, die Königin des Landes Punt dargestellt, deren Körperform auf den Bildern, so die englische Wikipedia, „verhältnismäßig groß und großzügig proportioniert, mit großen Brüsten und Speckrollen am Körper“ ist. Aufgrund dieser Bilder wird von manchen angenommen, dass sie eine Steatopygie hatte. Nun ist schon der deutsche Begriff dafür, „Fettsteiß“, unschön, die Annahme, dass es sich um etwas pathologisches oder abnormes handelt, noch mehr. Interessant bei der Suche nach einem Bild der afrikanischen Königin fand ich bei academia.edu die Synopsis einer Arbeit, die Ati „ent-hottentottisieren“ möchte. Außerdem auch noch einen Blogbeitrag, der die Lage Punts etwas enger einzugrenzen behauptet.

2/2020: Edith Anne Stoney, 6. Januar 1869

Edith Anne Stoney (Link Englisch) wurde in eine Familie von Wissenschaftlern geboren: Ihr Vater war der Physiker George Johnstone Stoney, der der Elementarladung den Namen Elektron gab, ihr Onkel Bindon Blood Stoney war Ingenieur, ebenso wie einer ihrer beiden Brüder, und ihre Schwester Florence Stoney wurde die erste Radiologin des Vereinigten Königreichs.

Edith war begabte Mathematikerin, sie studierte mit Stipendium an einem College in Cambridge bis zum Bestehen der ersten Abschlussprüfungen 1893 – einen akademischen Grad erwarb sie allerding nicht, da die Universität Cambridge offizielle Abschlüsse von Frauen erst 1948 zuließ. Das Trinity College in Dublin verlieh jedoch ihr einen Bachelor of Arts und einen Master of Arts, nachdem dort 1904 Frauen zum Studium zugelassen wurden.

Am College war sie für das Teleskop der Schule zuständig, nach dem Studium arbeitete sie kurz für den Erfinder der Dampfturbine, Charles Algernon Parsons, bis sie eine Stelle als Mathematiklehrerin am Cheltenham Ladies‘ College antrat. In der Zwischenzeit hatte ihre Schwester Florence an der London School of Medicine for Women (Link Englisch) studiert und ihren Abschluss gemacht – eine Schule, die bereits 1874 unter anderem von Elizabeth Blackwell gegründet worden war, in Voraussicht auf den UK Medical Act von 1876, der die Geschlechterdiskriminierung beim Zugang zu medizinischen Ausbildungsgängen verbot. Die London School of Medicine for Women wurde Teil der University of London, die klinischen Anteile der Ausbildung fanden am Royal Free Hospital statt. 1899 wurde Edith Anne Stoney dort als Physiklehrerin eingestellt. Sie richtete ein Labor für 20 Studentinnen ein und legte die Inhalte der Physikkurse fest.

Zwei Jahre später wurde Florence Stoney zur „medizinischen Elektrikerin“ in Teilzeit am Free Royal Hospital berufen. Zusammen eröffneten die Schwestern Stoney im April 1901 einen Röntgen-Dienst im Krankenhaus.

Beide Stoney-Schwestern boten dem Britischen Roten Kreuz ihre Dienste als Radiologinnen für die britischen Soldaten im Ersten Weltkrieg an, sie wurden dort jedoch aufgrund ihres Geschlechtes abgelehnt. Die beiden gründeten kurzerhand ihre eigene Abteilung innerhalb Women’s Imperial Service League, mit Florence im kriegsgeschüttelten Europa, während Edith in London für den Materialbedarf zuständig war. 1915 legte Edith Stoney ihre Lehrtätigkeit nieder, zum gleichen Zeitpunkt kehrte Florence aus Europa nach London zurück. In Zusammenarbeit mit einem Krankenhaus, das von der Suffragetten-Bewegung mitfinanziert wurde, konnten sie ein 250-Betten-Lazarett in Nordfrankreich einrichten, in dem Edith als Radiologin tätig wurde. Sie lokalisierte Kugeln und Bombenschrapnelle in Verwundeten und führte auch die Röntgendiagnose von Wundbrand (Gangrän, CW Bild) ein: Bei Gasgangrän stellt das Vorhandensein von Gas im Gewebe, das im Röntgenbild erkennbar ist, eine Indikation für eine Amputation der Extremitäten dar, um Überlebenschancen zu erhalten.

Die gesamte medizinische Einheit im Lazarett war weiblich bis auf zwei Fahrer und Stoneys Assistent. Im September 1915 war die Front so nah an das Lazarett gerückt, dass der nahgelegene Ort vollständig evakuiert war und sie nachts die Artillerie hören konnten. Per weiterer Anweisungen arbeiteten die Stoney-Schwestern anschließend in Serbien und Griechenland, wo sie unter schwierigsten Umständen und mit großem Materialmangel Soldaten röntgen, versorgten und bei der Genesung unterstützten. Nach einem Krankheitsurlaub im September 1916 kehrte Edith nach Griechenland zurück, ein Jahr später arbeitete sie erneut in Frankreich als Leiterin der Röntgenabteilungen mehrerer Lazarette.

Für ihre medizinischen Leistungen im Ersten Weltkrieg wurde sie von Frankreich, Serbien und England mit diversen Medaillen geehrt. Nach dem Ende des Krieges nahm Edith Anne Stoney ihre Lehrtätigkeit wieder auf. 1925 setzte sie sich zur Ruhe, war jedoch im Ruhestand noch rege aktiv in der Womens‘ Engineering Society (Link Englisch) und reiste um die Welt. Sie hatte sich Zeit ihres Lebens für das Recht der Frauen auf Bildung eingesetzt und hielt zu diesem Thema Vorträge, außerdem rief sie einen Wohltätigkeitsverband ins Leben, der Studentinnen an ihrem alten College finanziell bei Auslandsaufenthalten unterstützt.

Edith Anne Stoney starb 1938 mit 69 Jahren. Sie gilt heute als Pionierin der Medizinischen Physik.

Ausgerechnet die Newcastle University, an der sie nur kurz zusammen mit Parsons arbeitete, widmet ihr eine Biografie.

*

Ebenfalls diese Woche

7. Januar 1863: Anna Murray Vail (Link Englisch)
Die Botanikerin studierte bei Nathaniel Lord Britton (Ehemann von Elizabeht Gertrude Britton) und war an der Gründung des New York Botanical Garden beteiligt, unter anderem als dessen erste Bibliothekarin.

9. Januar 1858: Elizabeth Gertrude Britton (Link Englisch)
Sie war mit ihrem Ehemann zeichnen mit der Erhebung von Spendengeldern maßgeblich verantwortlich für die Gründung des New York Botanical Gardens, außerdem war sie Mitbegründerin der Vorgängervereinigung der American Bryological and Lichenological Society. Mit 170 Schriften trug sie einiges zur Literatur über Moose bei.

12. Januar 1914: Doris Malkin Curtis (Link Englisch)
Die US-amerikanische Paläontologin, Stratigraphin und Geologin war die erste weibliche Präsidentin der Geological Society of America.

8/2019: Agnes Arber, 23. Februar 1879

Agnes Arber

Agnes Arber – in Kürze – war 1946 die erste Botanikerin, die als „Fellow“ in die Royal Society (bestehend seit 1660) gewählt wurde (die erste Frau überhaupt war 1945 Kathleen Lonsdale, eine Kristallographin, die zweite 1946 die Biochemikerin Marjory Stephenson) und 1948 die erste Frau, die die Gold-Medaille der Linnean Society of London erhielt (Vergabe der Medaille seit 1888), bei der sie seit 1908 Mitglied war.

Die Tochter eines Lehrers und Künstlers lernte bei ihrem Vater das Zeichnen, das ihr später erlaubte, ihre Werke selbst zu illustrieren. Ihr Interesse an Botanik erweckte ihre Lehrerin Edith Aitken. Mit 15 Jahren gewann sie ein Stipendium für ihre botanischen Untersuchungen und traf im Wissenschaftsclub ihrer Schule auf Ethel Sargant, Botanikerin und später erste Frau im Vorstand der Linnean Society. Die 16 Jahre ältere Wissenschaftlerin sollte Arber zur Mentorin und Fördererin werden.

Mit 18 begann Arber ihr Studium am University College London, nach einem Bachelor-of-Science-Abschluss dort ging mit sie mit einem Stipendium an das Newnham College der Universität Cambridge. Insgesamt schloss sie ihr Studium 1905 an beiden Universitäten mit einem Magister Artium und einem Doctor of Science ab. Schon während ihres Studiums und im Anschluss daran arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Sargants Botaniklabor.

Bis 1942 war die Morphologie und vergleichende Anatomie vor allem der Einkeimblättrigen ihr Forschungsgebiet. Nach einem ersten Buch über die Geschichte und Entwicklung von Kräuterbüchern im Jahr 1912 veröffentlichte sie bis 1934 drei Bücher über Einkeimblättrige, Wasserpflanzen (aquatic angiosperms) und Süßgräser (Graminae). Die Forschungen dazu betrieb sie zu großen Teilen in ihrem eigenen Labor zu Hause. Als der Zweite Weltkrieg die Materialien knapp werden ließ, wandte sie sich der Wissenschaftsphilosophie zu. Sie schrieb über historische Botaniker und befasste sich mit Goethes Gedanken zur Botanik. In ihrem vorletzten Buch erarbeitete sie eine Methodik der biologischen Untersuchungen, darin greift sie der Erkenntnis Thomas S. Kuhns vor, dass die Interpretation von Forschungsergebnissen unter dem Einfluss der bestehenden wissenschafltichen Erkenntnisse und Meinungen stattfindet. Ihr letztes Buch bringt künstlerische, wissenschaftliche und philosophische Gedanken zusammen, um ihre holistische Erfahrungen zu verarbeiten.

Agnes Arber war in kurzer, aber glücklicher Ehe verheiratet mit einem Paläobotaniker (er starb jung) und hatte aus dieser Beziehung eine Tochter. Sie starb 1960 im Alter von 81 Jahren. Die Seite famousscientists.org hält eine weitere Biografie bereit; die Masters of Malt haben einen Gin im Sortiment zu ihren Ehren, der allerdings lecker klingt.

Bild: By Source, Fair use

43/2017: Marianne North, 24.10.1830

Marianne NorthEnglish below
Wiki deutsch
Marianne North reiste dank eines beträchtlichen Erbes in der zweiten Hälfte ihres Lebens durch die ganze Welt und zeichnete Blumen und Pflanzen. Ihr Werk ist deshalb so maßgeblich, weil sie vor der Erfindung der Fotografie detailreich die Artenvielfalt dokumentierte, die sich schon seit ihrer Lebenszeit im Schwinden befindet.

Google-Ergebnisse für Marianne North botanische Kunst botanic Art

Google-Ergebnisse für Marianne North botanische Kunst botanic Art

*
Wiki english
Marianne North traveled the world in the second half of her life, thanks to a considerable inheritance, and drew flowers and plants. Her work is of significance as  before the invention of photography, she documented ecological diversity that was already in the decline during her own lifetime.

Bild: By Julia Margaret Cameron (1815-1879), Public Domain

08/2017: Lydia Becker, 24.2.1827

Lydia BeckerEnglish below
Wiki deutsch
Die englische Nachfahrin deutscher Einwanderer (ihr Großvater war Thüringer) in England pflegte im privaten Unterricht zu Hause ihre Leidenschaft für die Biologie und Astronomie. Sie veröffentlichte mit 37 Jahren ein Buch, „Botanik für Anfänger“, und stand in regem Kontakt mit Charles Darwin. Erste Schritte in die Suffragetten-Bewegung machte sie bereits mit der Gründung einer Ladies‘ Literary Society in Manchester; auch an ihrem besonderen Interesse an zwei- oder wechselgeschlechtlichen Pflanzen lässt sich ihre Haltung zur „natürlichen Rangordnung der Geschlechter“ erkennen.

1866 begann sie sich nach einer Versammlung der National Association for the Advancement of Social Science für die Erringung des Stimmrechts der Frauen zu begeistern. Mit der Gründung des Committees „Manchester National Society for Women’s Suffrage“ war sie eine der ersten, die die politische Frauenbewegung in Gang setzte. Einige Monate später wusste sie einen administrativen Fehler für ihre Ziele zu nutzen: eine verwitwete Ladeninhaberin war fälschlicherweise im Wählerregister eingetragen worden. Becker holte die Dame ab und begleitete sie zur Wahlstation, wo der eingetragenen Wählerin die Stimmabgabe gestattet wurde. Aus diesem Fall wusste Becker ein Exempel zu statuieren, sie begann damit den Kampf um das Frauenwahlrecht, wenn auch zunächst mit einigen Niederlagen.

Becker gründete das Women’s Suffrage Journal mit ihrer Freundin Jessie Boucherett und beeindruckte bei einem Auftritt in Manchester die junge Emmeline Pankhurst. Sie setzte sich für den Rest ihres Lebens für gleichberechtigte, nicht geschlechtsspezifische Bildung und das Frauenwahlrecht ein, bis zu ihrem Tod an Diphterie (TW Bild) 1890. Erst 1928 errangen ihre Mitstreiterinnen und Nachfolgerinnen das allgemeine Frauenwahlrecht in Großbritannien.

Link: Frauenwahlrecht in Deutschland

*

Wiki englisch
The British descendant of German immigrants (her grandfather was a Thuringian) cultivated her passion for biology and astronomy in homeschooling. At 37 years old, she published a book, „Botany for Novices“, and was in brisk correspondence with Charles Darwin. She took her first steps in the direction of the Suffragettes with the founding of a Ladies‘ Literary Society in Manchester; her special interest in bisexual and hermaphroditic plants also reflects her stance on a „natural hierarchy of sexes“.

In 1866, after a meeting of the National Association for the Advancement of Social Science, she became enthusiastic for the voting rights for women. Founding the Manchester Women’s Suffrage Committee, she was one of the first to set in motion the women’s political movement. Some months later she was able to use a slip-up in administration for her goals: a widowed shop owner had been wrongly entered in the voters‘ register. Becker picked the lady up to accompany her to the polling station, where the registered female was granted her vote. Out of this case Becker knew to make a case, she advanced the struggle for women’s voting rights, though with several defeats in the early years.

Becker along with her friend Jessie Boucherett founded the Women’s Suffrage Journal and impressed the young Emmeline Packhurst during an appearance in Manchester. For the rest of her life, she fought for equal opportunity, non-gendered education and women’s right to vote, until her death of diphtheria (TW images) in 1890. In 1928 only her combattantes and followers won the case for general voting rights for women.

Link: Woman Suffrage Memorabilia
Bild: Von Isaac Wilde, Gemeinfrei

WEG MIT
§218!