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15/2017: Johanna Elberskirchen, 11.4.1864

Johanna Elberskirchen

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Johanna Elberskirchen lebte bereits vor der Jahrhundertwende offen homosexuell, studierte Medizin und Jura und war Weggenossin des Sexualreformers Magnus Hirschfeld. Sie setzte sich nicht nur für die Rechte von Frauen und Homosexuellen ein, sondern auch für das Wohl von Kindern, für Mütter und die Arbeiterklasse.
Während sie als homöopathische Medizinerin tätig war, schrieb sie auch Artikel und Bücher und gab eine Zeitung für Kinderpflege heraus. Sie hatte wenig Geduld für männliche Selbstüberschätzung, wie man ihren Zitaten entnehmen kann.

Bezugnehmend auf Paul Julius Möbius´ Werk „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes„:

„Ich hätte auch schreiben können ‚Feminismus und Schwachsinn‘, denn die Kritik, die im Namen der Wissenschaft am Feminismus verbrochen wird, hat oft mit Wissenschaft wenig zu tun. Jedoch meine angeborene Courtoisie gegenüber dem männlichen Geschlecht verbot mir, auf den Wegen des Herrn Möbius zu wandeln. Meiner Ansicht nach sind die Herren Gelehrten, insbesondre die Herren Naturwissenschaftler und die Herren Mediziner die ungeeignetsten Leute, sich kritisch mit dem Feminismus zu befassen. Sie stehen dem Weibe zu persönlich und zu materialistisch gegenüber und beurteilen es aus einer ganz schiefen und recht beschränkten Perspektive, jedenfalls von ganz unwissenschaftlichen Gesichtspunkten aus.“ In: Feminismus und Wissenschaft. 1903, S. 3
„Nein, Herr Möbius, das Weib ist nicht schwach, nicht inferior, nicht ‚physiologisch schwachsinnig‘, aber das Weib ist krank – es leidet zu sehr unter der Herrschaft des männlichen Sexus.“ Ebenda, S. 18

Elberskirchen starb 1943, zehn Jahre nachdem ihre politische Tätigkeit durch die Nationalsozialisten unmöglich gemacht worden war. Ihre Lebensgefährtin Hildegard Moniac starb 1967 und einige Jahre später, 1975, soll Elberskirchens Urne heimlich in Moniacs Grabstätte verbracht worden sein. Im Jahr 2003 wurde das nun gemeinsame Grab mit einer offiziellen Gedenkveranstaltung unter Schutz gestellt.

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Johanna Elberskirchen lived openly as a homosexual before the turn of the century, studied medicine and law and was a fellow of sexual reformer Magnus Hirschfeld. She promoted not only for the rights of women and homosexuals, but for the better treatment of children, mothers and the working class.
While she worked as a homeopathic doctor, she also wrote articles and books and published a magazine on childcare. She had little patience for male hubris, as can be gleaned from her quotes.

Referring to Paul Julius Möbius‚ work „On the physiological idiocy of women“:

„I could have written ‚Feminism and Idiocy‘, because criticism, perpetrated on feminism in the name of science, often has very little to do with science. However, my innate courtoisie towards the male sex forbids me to walk on the same paths as Mister Möbius. In my view, the esteemed Scholars, especially the esteemed Natural Scientists and the esteemed Physicians, are the most unfit to concern themselves critically with feminism. They face Woman in an opinionated and materialistic manner and judge her from a completely tilted and rather parochial perspective, in any case from a wholly unscientific point of view.“ In: Feminisim and Science. 1903, p. 3
„No, Mister Möbius, women are not weak, not inferior, not ‚physiologically idiotic‘, but women are ailing – they suffer too much from the rule of the male sex.“ Ibidem, p. 18

Elberskirchen died in 1943, ten years after the National Socialst Party made it impossible for her to do political work. Her life partner Hildegard Moniac died in 1967 and a few years later, in 1975, Elberkirchen’s urn is supposed to secretly have been brought into Moniac’s burial site. In 2003 the now shared burial site was put under state’s protection in an formal memorial event.

Bild: CC BY-SA 3.0

14/2017: Flora Tristan, 7.4.1803

Flora Tristan

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Die Tochter eines peruanischen Adligen und einer Französin, in Paris geboren, kam nur in den ersten vier Jahren ihres Lebens in den Genuss eines aristokratischen Lebensstiles. Nachdem ihr Vater starb, verblieb sie mit der Mutter in einfachsten Verhältnissen und musste mit 15 Jahren in einer Graveurwerkstatt arbeiten. Drei Jahre später heiratete sie aus „Vernunftgründen“, also aus wirtschaftlicher Not, ihren Arbeitgeber, André Chazal. Dieser entpuppte sich als brutaler und skrupelloser Gewalttäter; als sie ihn vier Jahre später verließ, hatte sie allerdings unter dem napoleonischen Code civil kein Recht auf eine Scheidung, und so war sie es, die sich in den folgenden Jahren mit ihren drei Kindern vor dem rachedurstigen Ehemann und der Justiz verborgen halten musste. Ihre zwei Söhne starben in dieser Zeit, die Tochter Aline (die später Mutter von Paul Gauguin werden sollte) konnte sie mit einer Tätigkeit als Reisebegleiterin ernähren.

Zu ihrem 30. Geburtstag schließlich nahm Tristan mit ihrer Tochter die Reise nach Peru auf, wo sie in Arequipa, der Geburtsstadt ihres Vaters, auf eine Vereinigung mit dieser Seite ihrer Familie hoffte. In dem von der frisch erlangten Unabhängigkeit bewegten Land lebte sie in der aristokratischen Welt ihrer Familie, strebte jedoch aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte immer wieder nach den Begegnungen mit dem Gegensatz, mit den Sklaven, den Armen und Arbeitern. Wenn sie jemals eine Chance auf ihr Erbe gehabt hatte, verspielte sie es sich mit ihrer Solidarität mit den Unterdrückten endgültig. So musste sie zwar unverrichteter Dinge nach Frankreich zurückkehren, doch aus ihren Erfahrungen entstand ihr erstes Buch „Pérégrinations d’une paria“, in etwa „Wanderungen einer Ausgestoßenen„.

Bevor Tristan sich jedoch ganz ihrer schriftstellerischen und politischen Ambition widmen konnte, musste sie zunächst noch eine familiäre Tragödie überstehen: Ihr Mann begann wiederum, sie zu verfolgen. Er entführte die gemeinsame Tochter und bekam zunächst auch das Sorgerecht zugesprochen – Aline schrieb ihrer Mutter jedoch heimlich und erzählte von inzestuösen Übergriffen. Tristan verklagte ihren Mann und erhielt selbst das Sorgerecht, doch gewalttätige Ehemänner nehmen Kontrollverlust nicht einfach hin. In diesem Fall griff der Mann zur Waffe und schoss auf die Mutter seiner Kinder – sie überlebte den Anschlag, doch litt zeitlebens an den Folgen einer Schussverletzung in der Schulter. Immerhin war der Sadist enttarnt und wurde zu Deportation und 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt; Tristan wurde endlich rechtskräftig geschieden.

In den letzten sechs Jahren ihres Lebens schrieb Tristan weitere vier Bücher und mehrere Reiseberichte und Reportagen. Sie führte die Gedanken anderer utopischer Sozialisten wie Charles Fourier (mit dem sie persönlich bekannt war) und Henri de Saint-Simon zusammen mit der Idee, dass die Befreiung der Arbeiterklassen nicht ohne die Gleichberechtigung der Frau zu erreichen sei. Sie führte die Idee einer Arbeiterunion ein, in der die Arbeiter sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam Interessen verfolgen; dabei betonte sie immer die Notwendigkeit, die Frauen den Männer gleichwertig zu betrachten. Ihr Glaube, dass die Emanzipation der Frau den Klassenkampf erleichtern und beschleunigen würde, legte unter anderem die Basis für die Bewegung des Feminismus. 40 Jahre vor Friedrich Engels verglich sie die Beziehung zwischen Frau und Familie mit der zwischen Bourgeoisie und Proletariat: „Selbst der unterdrückteste Mann findet noch jemand, den er unterdrücken kann, seine Frau: sie ist das Proletariat des Proletariats.“ Doch angesichts der Veränderungen, die die französische Revolution im vergangenen Jahrhundert mit sich gebracht hatte, sah sie der Zukunft hoffnungsvoll entgegen: „Was mit dem Proletariat geschehen ist, darüber muss man sich einig sein, ist ein gutes Omen für Frauen, wenn ihr ‚1789‚ ausgeläutet wird.“

Ihre politische Arbeit wurde von der konservativen Presse mit Hohn verfolgt, bei ihren Vortragsreisen durch Frankreich, um die Arbeiter zu organisieren, wurde sie bespitzelt und gegängelt. Mit 41 Jahren starb sie an Typhus (TW Bild).

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The daughter of a Peruvian aristocrat and a Frenchwoman, born in Paris, the had the pleasure of an aristocratic lifesyle for the first four years of her life only. After her father died, she remained in narrow circumstances with her mother and had to take up work in an engraver’s shop at 15 years old. Three years later she married her employer, André Chazal, out of convenience, meaning economic necessecity. Her husband turned out to be a brutal and ruthless thug; when she left him four years later, under the Napoleonic Code she nonetheless was not entitled to a divorce, and so it was her who with her three kids had to stay in hiding from the revengeful husband and the law in the following years. Her two sons died during that time, the daughter Aline (who later gave birth to Paul Gauguin) was fed through Tristan’s work as a travel companion.

For her 30th birthday at last, Tristan along with her daughter took upon herself the journey to Peru , where she hoped to be reunited with her paternal family in Arequipa, her father’s birthtown. In the country that was moved by its recently achieved independence, she lived in the aristocratic world of her family, but because of her own history, she frequently sought out the encounter with the opposite, the slaves, the poor and the workers. If she had ever had any chance on her inheritance, she gambled it away with her solidarity with the oppressed. Thus she had to return to France without having achieved her goal, but from her experiences she wrote her first book, „Peregrinations of a paria“.

Before Tristan could fully devote herself to her literary and political work, she had to weather one more familial tragedy: Her husband took it up yet again to haunt her. He abducted their daughter and was granted custody to begin with – yet, Aline secretly corresponded with her mother and told of incestuous assaults. Tristan sued her husband and was granted custody in turn, but abusive husband don’t take kindly to loss of control. In this case, her husband went for the gun and shot at the mother of his children – she survived the attack, but suffered from the consequences of a gunshot to her shoulder for the rest of her life. For all that, the sadist was exposed and sentenced to deportation and 20 years of hard labour; Tristan was after all lawfully divorced.

In the last six years o her life, Tristan wrote four more books and several travelougues and commentaries. She combined the thoughts of other Utopian Socialists such as Charles Fourier (with whom she was personally acquainted) and Henri de Saint-Simon with the idea that the liberation of the working classes was not achievable without equality for women. She introduced the idea of a workers‘ union, in which the workers would support each other and prosecuted shared interests; meanwhile stressing the necessity of viewing women as equals to men. Her belief that the emancipation of women would facilitate and expedite the class struggle laid the basics of feminism. 40 years earlier than Friedrich Engels, she compared the relationship between woman and family with the one between bourgeoisie and proletariat: „The most oppressed man finds a being to oppress, his wife: she is the proletarian of the proletarian.“ Still, in view of the changes that the French Revolution had brought upon, she looked forward with hope: „What happened to the proletariat, it must be agreed, is a good omen for women when their ‚1789‚ rings out.“
Her political work was mocked by the conservative press, during her lectures given throughout France to move the workers to unionise she was spied on and harassed. She died of typhus (TW graphic images) with 41 years of age.

Bild: By Unknown – Messieurs de Balzac, Roger de Beauvoir, and Raymond Brucker, Les Belles Femmes de Paris et de la Province (Paris, Au Bureau, 1839-40); Microfilm, History of Women, Reel 154, no. 980., Public Domain

12/2017: Matilda Joslyn Gage, 24.3.1826

Matilda Joslyn Gage

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Matilda Joslyn Gage war eine amerikanische Frauenrechtlerin, die mehrere Bücher zu den umgebenden Themen der Frauenbewegung veröffentlichte, etwa zur Trennung von Staat und Kirche und zu den Rechten der amerikanischen Ureinwohner. Ihre liberalen und inklusiven Ansichten verbreitete sie unter anderem auch in ihrer Zeitschrift The National Citizen and Ballot Box.

Als sich 1890 die zwei größten, konservativ-christlich motivierten Frauenrechtsorganisationen NWSA und AWSA zu NAWSA zusammenschlossen, waren sie geeint in dem Bestreben, das Frauenwahlrecht zu erlangen, weil die weibliche Mäßigung die Politik beeinflussen und christliche Werte einbringen sollte. Gage war weder mit der einseitigen Priorität des Frauenwahlrechts noch mit dem Wunsch nach christlicher Einflussnahme einverstanden und gründete die Woman’s National Liberal Union.

Matilda Joslyn Gage hatte stets mehr als Frauenwahlrecht im Blick, ihre Ziele waren grundsätzlicherer und umfassender Natur. Für ihren Einsatz für die Rechte der Haudenosaunee, bei denen sie gelebt hatte und deren Gesellschaftsform sie als Beispiel für ein Matriachat studiert hatte, wurde sie in deren Rat der Mütter aufgenommen.

In ihrem Essay Die Frau als Erfinderin (1870) beschrieb sie einen Effekt, der 1993 von der Wissenschaftshistorikerin Margaret W. Rossiter nach ihr benannt wurde: dass die Erkenntnisse und Errungenschaften von Frauen in Wissenschaft und Forschung entweder an den Rand gedrängt, heruntergespielt und/oder im Laufe der Zeit männlichen Kollegen zugeschrieben werden. Bekannteste Beispiele hierfür sind Marie Curie, Lise Meitner und Rosalind Franklin.

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Matilda Joslyn Gage was an American suffragette who published several books on the surrounding topics of the women’s movement, e.g. on the separation of church and state and on the rights of Native Americans. She spread her liberal and inclusive opinion in her paper The National Citizen and Ballot Box, among other publications.

When in 1890 two of the largest women’s rights organisations with conservative Christian motivations, the NWSA and the AWSA, merged to form the NAWSA, they were united in their effort for women’s right to vote because the feminine temperance was supposed to influence politics and install Christian values. Gage did not agree with the singular priority of voting rights nor with the desire for Christian influence, and founded the Woman’s National Liberal Union.

Matilda Joslyn Gage always had her sights on more than voting rights, her goals were of a more fundamental and global nature. For her support of the Haudenosaunee’s struggle, with whom she had lived to study their society as an example of the matriarchy, she was admitted to their Council of Matrons.

In her essay Woman as Inventor (1870) she described an effect that in 1993 was named after her by science historian Margaret W. Rossiter: how discoveries and achievements of women in science and research are either marginalised, downplayed and/or attributed to their male colleagues over time. Wellknown examples for this are Marie Curie, Lise Meitner and Rosalind Franklin.

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The Gage Home – The Matilda Joslyn Gage Foundation

Bild: Von 19th century photograph, Gemeinfrei

11/2017: Emilie Kempin-Spyri, 18.3.1853

Emilie Kempin-Spyri

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Als die Nichte der Heidi-Autorin Johanna Spyri im Jahr 1887 als erste Frau in der Schweiz zur Doktorin der Rechte promovierte, galten Frauen dort leider noch nicht als Bürger – der Begriff „Schweizer“, der die Inhaber von Aktivbürgerrechten beschrieb, meinte nur die Männer. Emilie Kempin-Spyris Vorschlag, dass das generische Maskulinum auch die weibliche Bevölkerung umfassen sollte, wurde als „ebenso neu wie kühn“ abgelehnt. Sie konnte also in ihrer Heimat weder als Anwältin praktizieren noch an der Universität dozieren, daher wanderte sie nach New York aus. Dort arbeitete sie nicht nur als Anwältin, sondern gründete auch eine Rechtsschule für Frauen.

Ihr Mann litt jedoch unter starkem Heimweh und kehrte mit den gemeinsamen Kindern nach Zürich zurück, Emilie folgte ihm bald darauf. Sie konnte aber in der Kanzlei ihres Mannes nur beratend tätig sein, sie stellte also erneut ein Habilitationsgesuch an die Universität. Es wurde ihr daraufhin lediglich gestattet, einige Stunden in der Woche zu unterrichten, gegen ein so geringes Gehalt, dass es nicht zum Leben reichen konnte. Unter diesen Umständen und aufgrund der scheiternden Ehe schrieb sie sich zunächst als Hörerin an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität ein, nach einigen Jahren zog sie ganz nach Berlin und unterrichtete dort. Kurz darauf allerdings musste sie den ständigen Kampf um die Anerkennung als Juristin ganz aufgeben; sie wurde in eine Heilanstalt eingewiesen und später entmündigt. Mit 48 Jahren starb sie verarmt in einer psychiatrischen Anstalt an Gebärmutterkrebs.

Immerhin führten ihre Bemühungen dazu, dass noch zu ihren Lebzeiten in Zürich das Anwaltsgesetz hinsichtlich der Arbeitsrechte für Frauen reformiert wurde – sie hatte selbst nichts mehr davon und erst im Jahr 1923 war diese Reformation bundesweit umgesetzt.

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When the niece of Heidi-author Johanna Spyri graduated as the first woman in Switzerland to be a doctor of law, unfortunately women did not count as citizens there yet – the words „Swiss citizen“, describing the proprietors of active citizen’s rights, only meant „men“. Emilie Kempin Spyri’s proposal that the generic masculinum (masculine versions of words referring to persons of all genders) should include women was rejected as „as novel as audacious“. She therefore could neither practice as a lawyer nor teach at university, so she emigratd to New York. There she not only worked as a lawyer but founded a law school for women.

Her husband though suffered from severe homesickness and returned to Zurich with their kids, Emilie followed him soon after. Alas, in his law firm she could only function as a councellor, so she petitioned for habilitation at the university again. She was then only allowed to teach a few hours per week, for a salary that was less than a living. Under these circumstances and with her marriage failing, she enrolled at Friedrich-Wilhelm-University in Berlin as a student at first, a few years later she moved to Berlin completely to teach there. Shortly after she had to give up her constant struggle for acceptance as a lawyer; she was committed to a sanatorium and later placed under disability. At 48 years old she died, impoverished in a psychiatric institute, of uterine cancer.

At least her efforts led to a reform of the attorney’s statute in Zurich during her lifetime in regards of women’s right to work – she did not profit of that herself and it was only in 1923 that this reform was carried out in the whole of Switzerland.

Emilie Kempin-Spyri – film

Bild: Von Unbekannt, Gemeinfrei

10/2017: Josephine Cochrane, 8.3.1839

Josephine Cochran

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Wie man Privileg nutzen kann: Josephine Cochrane war eine wohlhabend verheiratete Frau, die sich darüber ärgerte, dass ihre Bediensteten das Geschirr, das sie bei ihren Soirées auflegen ließ, zerbrachen. Natürlich kam selbst spülen ebenfalls nicht in Frage, und so konzipierte und konstruierte die Nachfahrin eines Erfinders mit Hilfe eines Mechanikers die erste wirklich praktische Geschirrspülmaschine. Ihr Produkt nutzte als erstes keine beweglichen Bürsten, sondern Wasserdruck, um das Geschirr zu reinigen.

Aus ihrer Firma Cochran’s Crescent Washing Machine Company wurde später KitchenAid. 2006 – 93 Jahre nach ihrem Tod, 120 Jahre nach der Patenteintragung – wurde sie in die National Inventors Hall of Fame eingetragen.

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How to use your privilege: Josephine Cochrane was a wealthy wife who was annoyed that her servants broke the dishes she used for her soirées. Of course cleaning them herself was out of the question as well, so the progeny of an inventor conceived and, with the help of a mechanic, constructed the first truly practical dishwasher. Her product was the first to not use moving brushes, but water pressure to clean the dishes.

Her company Cochran’s Crescent Washing Machine Company later became KitchenAid. In 2006 – 93 years after her death, 120 years after the granting of the patent – she was inducted to the National Inventors Hall of Fame.

Bild: Von unbekannt, PD-alt-100

09/2017: Beatrice Wood, 3.3.1893

Beatrice Wood Marcel Duchamp English below
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Herausgeberin des Kunstmagazins The Blind Man, Mama des Dada, Inspiration für Marcel Duchamp, Vorbild für Titanics Rose.
Lieblingszitat:

Ich verdanke alles den Büchern über Kunst, der Schokolade und jungen Männern.

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Founder and editor of The Blind Man, Mama of Dada, inspiration for Marcel Duchamp, model for the character of Titanic’s Rose.

Favourite quote:

I owe it all to art books, chocolate and young men.

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Google-Ergebnisse Beatrice Wood art

Google-Ergebnisse Beatrice Wood art

Beatrice Wood Center for the Arts

Bild Beatrice Wood mit Marcel Duchamp: Von Unbekannt, Gemeinfrei

08/2017: Lydia Becker, 24.2.1827

Lydia BeckerEnglish below
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Die englische Nachfahrin deutscher Einwanderer (ihr Großvater war Thüringer) in England pflegte im privaten Unterricht zu Hause ihre Leidenschaft für die Biologie und Astronomie. Sie veröffentlichte mit 37 Jahren ein Buch, „Botanik für Anfänger“, und stand in regem Kontakt mit Charles Darwin. Erste Schritte in die Suffragetten-Bewegung machte sie bereits mit der Gründung einer Ladies‘ Literary Society in Manchester; auch an ihrem besonderen Interesse an zwei- oder wechselgeschlechtlichen Pflanzen lässt sich ihre Haltung zur „natürlichen Rangordnung der Geschlechter“ erkennen.

1866 begann sie sich nach einer Versammlung der National Association for the Advancement of Social Science für die Erringung des Stimmrechts der Frauen zu begeistern. Mit der Gründung des Committees „Manchester National Society for Women’s Suffrage“ war sie eine der ersten, die die politische Frauenbewegung in Gang setzte. Einige Monate später wusste sie einen administrativen Fehler für ihre Ziele zu nutzen: eine verwitwete Ladeninhaberin war fälschlicherweise im Wählerregister eingetragen worden. Becker holte die Dame ab und begleitete sie zur Wahlstation, wo der eingetragenen Wählerin die Stimmabgabe gestattet wurde. Aus diesem Fall wusste Becker ein Exempel zu statuieren, sie begann damit den Kampf um das Frauenwahlrecht, wenn auch zunächst mit einigen Niederlagen.

Becker gründete das Women’s Suffrage Journal mit ihrer Freundin Jessie Boucherett und beeindruckte bei einem Auftritt in Manchester die junge Emmeline Pankhurst. Sie setzte sich für den Rest ihres Lebens für gleichberechtigte, nicht geschlechtsspezifische Bildung und das Frauenwahlrecht ein, bis zu ihrem Tod an Diphterie (TW Bild) 1890. Erst 1928 errangen ihre Mitstreiterinnen und Nachfolgerinnen das allgemeine Frauenwahlrecht in Großbritannien.

Link: Frauenwahlrecht in Deutschland

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The British descendant of German immigrants (her grandfather was a Thuringian) cultivated her passion for biology and astronomy in homeschooling. At 37 years old, she published a book, „Botany for Novices“, and was in brisk correspondence with Charles Darwin. She took her first steps in the direction of the Suffragettes with the founding of a Ladies‘ Literary Society in Manchester; her special interest in bisexual and hermaphroditic plants also reflects her stance on a „natural hierarchy of sexes“.

In 1866, after a meeting of the National Association for the Advancement of Social Science, she became enthusiastic for the voting rights for women. Founding the Manchester Women’s Suffrage Committee, she was one of the first to set in motion the women’s political movement. Some months later she was able to use a slip-up in administration for her goals: a widowed shop owner had been wrongly entered in the voters‘ register. Becker picked the lady up to accompany her to the polling station, where the registered female was granted her vote. Out of this case Becker knew to make a case, she advanced the struggle for women’s voting rights, though with several defeats in the early years.

Becker along with her friend Jessie Boucherett founded the Women’s Suffrage Journal and impressed the young Emmeline Packhurst during an appearance in Manchester. For the rest of her life, she fought for equal opportunity, non-gendered education and women’s right to vote, until her death of diphtheria (TW images) in 1890. In 1928 only her combattantes and followers won the case for general voting rights for women.

Link: Woman Suffrage Memorabilia
Bild: Von Isaac Wilde, Gemeinfrei

07/2017: Lola Montez, 17.2.1821

Lola Montez

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Bis aus Elizabeth Rosanna Gilbert die Lola Montez wurde, die in die Geschichte einging, verbrachte die Tochter eines schottischen Vaters und einer irischen Mutter mehrere Jahre ihrer Kindheit in Indien, dann in Schottland und England, bis sie mit 16 wiederum mit ihrem jungen englischen Ehemann nach Indien ging. Die Ehe scheiterte innerhalb der ersten fünf Jahre, und aus Elizabeth James, née Gilbert, wurde bei ihrer Ankunft in London 1843 die spanische Tänzerin Lola Montez.

Schon kurz nach ihrem Debut wurde sie als Engländerin enttarnt und floh nach Paris. Wie ein freigeistiger Tornado in Frauengestalt hinterließ sie Liebhaber mit mehr oder weniger Schaden, darunter wahrscheinlich Franz Liszt (der den freizügigen Damen offenbar zugeneigt war, mit der Duplessis verkehrte er auch), Alexandre Dumas – sowohl der Ältere wie der Jüngere (der auch mit der Duplessis verbandelt war) – und ein Zeitungsherausgeber und Theaterkritiker namens Dujarier, mit dessen Hilfe sie ihre Tänzerinnenkarriere neu startete und der später bei einem Duell um ihre Gunst erschossen wurde.

All dies lag bereits hinter ihr, als sie 1846 nach München kam und dank ihrer charismatischen Auftritte die Geliebte des bayerischen Königs Ludwig I. wurde. Man kann Lola Montez nicht allein die Verantwortung für die folgenden Umbrüche zuschreiben – soziale Unzufriedenheit und die anti-revolutionäre Politik Ludwigs I. hatten die bestehende Gesellschaftsordnung bereits Jahre zuvor zermürbt. Dennoch übte sie als Mätresse des Königs einigen Einfluss aus und das unverfrorene Ausnutzen der Gunst des Königs für ihre eigene finanzielle Sicherheit und ihren sozialen Status verärgerte viele unterschiedliche Bevölkerungs- und Regierungsgruppen. So ließ sie sich vom König nicht nur zur Gräfin von Landsfeld erheben, ließ sich vertraglich Unterhalt zusichern für so lange, wie sie unverheiratet blieb, erhielt Residenzen zum Geschenk und beeinflusste den König im Sinne liberaler Politik. Ludwig wollte sie zur bayerischen Staatsbürgerin machen, was ihm gegen den Widerstand der Minister dagegen, bis hin zur völligen Auflösung des Kabinetts, gelang. Als sie Ende 1847 für ihre selbstverliebt inszenierten Auftritte in der Öffentlichkeit mit Zigarre und Dogge, eine Studentencorps als Leibwache engagierte, kam es zu offenen Auseinandersetzungen zwischen Studenten, und Ludwig I. ließ Anfang 1848 die Universitäten zeitweise schließen. Es kam zu heftigen Protesten, die Lola schließlich zur Flucht in die Schweiz bewegten. An der im März 1848 beginnenden Märzrevolution hatte sie schon keinerlei Anteil mehr.

Lola hoffte, in der Schweiz lebend, noch einige Zeit auf eine Wiedervereinigung mit Ludwig und bezog auch noch weiterhin Unterhalt von ihm. Doch das schon abkühlende Verhältnis kam zu seinem Ende mit Ludwigs Erkenntnis, dass Lola nicht nur zu ihm intime Verbindungen gepflegt hatte, sondern auch mit Herren, die sich ihre Fürsprache beim König erhofft hatten, und vor allem mit einem der Corpsstudenten. Im folgenden Jahr 1849 ging sie wieder nach London, heiratete einen Engländer in Bigamie (ihr zweiter Mann ertrank, nachdem diese Ehe nach zwei Jahren bereits gescheitert war) und floh wiederum nach Europa und weiter in die USA. Dort konnte sie ihre Bühnenkarriere tatsächlich noch einmal aufleben lassen, indem sie sich selbst in einer Broadwayrevue (Lola Montez in Bavaria) spielte, und beide Küsten sowie eine Tour in Goldgräberstädten Australiens bespielen. Nachdem sie down under noch einmal mit ihrem down under für einen Skandal gesorgt hatte, setzte sie sich mit ihrem dritten, legitimen Ehemann in einer kalifornischen Kleinstadt zur Ruhe. In ihrer noch verbleibenden Zeit fand sie – scheinbar – zu Gott, gab Lesungen für einen protestantischen Geistlichen und kümmerte sich um „gefallene Mädchen“. Einen Monat vor ihrem 40. Geburtstag verstarb sie, wohl an den tertiären Folgen einer Syphilis (TW Bild).

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Before Elizabeth Rosanna Gilbert became the Lola Montez who went down in history, the daughter of a Scottish father and an Irisch mother spent several years of her childhood in India, then Scotland and England, until at 16 years she went back to India with her young English husband. The marriage failed within its first five years, and Elizabeth James, née Gilbert, became Lola Montez the Spanish dancer upon her arrival in London in 1843.

Shortly after her debut she was exposed as an Englishwoman and she fled to Paris. Like a free-spirited tornado in female form she left lovers behind with more or less damage, such as probably Franz Liszt (who seems to have had a disposition for promiscuous ladies, he consorted also with the lady Duplessis), Alexandre Dumas – père as well as fils (who was also an item with Duplessis) – and a newspaper editor and theatre critic by the name of Dujarier, who helped her restart her dancing career and was later shot in a duel over her favour.

All of this was already behind her when she came to Munich in 1846 and, grace of her charismatic appearances, became the mistress of the king Ludwig I. of Bavaria. She can not be made responsible for all of the following upheavals – social discontentment and the anti-revolutionary policy of Ludwig’s had eroded the established social orderfor years already. Still, she exercised quite some influence over the king as his mistress, and her blatant exploit of his favour for her own financial security and social status disgruntled various groups in the populace and the administration. For instance, she had him lift her into nobility as Countess of Landsfeld, ensured herself a contract over a maintenance for as long as she remained unmarried, reveived residences as gifts and influenced the king in favour of liberal policies. Ludwig strove to make her a Bavarian citizen, which he succeeded in against the resistance of his ministers, going so far as to disband the entire cabinet. When at the end of 1847, she recruited a student fraternity as bodyguards for her narcissistically staged public appearances with cigar and her Great Dane, it led to open altercations between students, and Ludwig I. had universities closed temporarily at the beginning of 1848. There were some vehement protests, that moved Lola to flee to Switzerland, finally. She had no share in the revolutions of 1848 starting in March that year.

Living in Switzerland, Lola held up hope for a while to be reunited with Ludwig, and she still drew a maintenance from him. The relationship had already cooled down before it ended with his discovery that she had had intimate relationships not only with him, but also with gentlemen who hoped for her advocacy towards him and notably one of the fraternity students. The following year, 1849, she went back to London, bigamously married an Englishman (her second husband drowned two years after the marriage had already failed) and again fled to Europe and further, to the United States. Indeed, she could revive her career on stage by playing herself in a Browadway revue (Lola Montez in Bavaria), and manage tours on both coasts and several gold-mining towns in Australia. After creating a scandal again down under with her own down under, she settled in a Californian town with her third, legitimate husband. For the rest of her years she – seemingly – found God, gave lectures for a protestant Reverend and took care of „fallen women“. A month short of her 40th year she died, probably due to tertiary effects of syphilis (TW graphic image).

Bild: Von Southworth & Hawes – Collection of the Metropolitan Museum of Art, New York, USA, Gemeinfrei

06/2017: Anne Spencer, 6.2.1882

Anne SpencerEnglish below
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Anne Spencer war Teil der ersten Generation Afroamerikaner nach der Sklavenbefreiung des Sezessionskrieges; ihr Vater war zwanzig Jahre zuvor noch als Sklave geboren worden. Bis zu ihrem 11. Lebensjahr nicht im Lesen oder anderen Schulfächern unterrichtet, schrieb ihre Mutter sie auf Druck des Vaters in ein theologisches Seminar der Episkopalkirche ein. Nach sechs Jahren schloss sie die Schule als Abschlussrednerin ihres Jahrgangs ab.

Sie heiratete einen Mitschüler, zog nach Lynchburg, gebar drei Kinder und arbeitete als Lehrerin und Bibliothekarin. Sie schrieb ihre Gedichte auf jede verfügbare Oberfläche, doch blieb unentdeckt, bis sie 40 Jahre alt war. Als eine Abteilung des NAACP in Lynchburg gegründet werden sollte, wohnte der Repräsentant dieser Organisation James Weldon Johnson für einige Zeit bei ihr und entdeckte ihre Poesie. Er verhalf ihr zu ihrer ersten Veröffentlichung und führte sie in den Kreis der Harlem Renaissance ein, in der sie zu einer wichtigen Beitragenden wurde.

Anne Spencer schrieb bis zu ihrem Tod in hohem Alter Gedichte. Eine Liste mit Seiten, auf denen einige Gedichte zu finden sind, folgt am Ende dieses Beitrags.

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Anne Spencer was part of the first generation of African Americans after the emancipation following the Civil War; her father twenty years early had still been born a slave. Not educated in reading or any other school activity until she was 11, her mother enrolled her in the Virginia Seminary because of pressure from Anne’s father. Six years later she finished school as the valedictorian of her class.

She married one of her co-students, moved to Lynchburg, gave birth to three children and worked as a teacher and librarian. She wrote her poems on any available surface but remained undiscovered until she was 40 years old. When a chapter of the NAACP was planned to be founded in Lynchburg, James Weldon Johnson, a representative of the organisation, lived at her house for some tme and discovered her poetry. He helped to her first publication and introduced her to the circle of the Harlem Renaissance, to which she became an important contributor.

Anne Spencer wrote poems until her death of old age. A list of pages where some of her poems can be found can be found below.

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The Harlem Renaissance on U.S. History
Anne Spencer’s Biography and Poems on AfroPoets, poets.org, and on African American Registry
The Anne Spencer House and Garden Museum

Bild: Von Unbekannt – Beinecke Rare Book & Manuscript Library, Yale University [1], Gemeinfrei

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