Schlagwort: depression

Frau Dr. päd. Snack Bitch

frauenfiguren limonadeleben twitter 12. märz 2020
Twitter vor sechs Wochen

In der inzwischen 6. Woche bin ich mit dem K5J und dem K10J zu Hause. Meine Selbständigkeit ist für diese Zeit und die nähere Zukunft auf Eis gelegt – mein zweifelhaftes Privileg ist es ja, einen Partner mit ausreichendem Verdienst zu haben. Die Dose Würmer der fehlenden finanziellen Autonomie, Frustration und Selbstwertverlust etc. steht aber selbstverständlich hier immer mit im Raum. Im „Homeoffice“ versuche ich zumindest mein Herzensprojekt, dieses Blog, weiterzuführen. Wobei ich mir inzwischen ernsthaft die Frage stellen muss, worüber ich eher den Verstand verliere, darüber, dass ich mir selbst den Druck aufbürde, meine wöchentlichen Posts zu schaffen neben der Kinderbetreuung? Oder wenn ich doch einfach aufgebe, kapituliere, mich gänzlich in die nie gewollte Position der Hausfrau und Mutter füge, in die mich die Pandemie derzeit wieder zurückdrängt?

Seit gestern versuchen wir einen neuen Plan, weil der erste am Ende der vergangenen fünf Wochen, nach schon mehreren Parabelflügen, zu einem ernsthaften Zusammenbruch geführt hat. Wir hatten es so versucht: Vormittags arbeiten wir alle in der Küche, mit Kopfhörern, an unseren entsprechenden Aufgaben, nachmittags schauen wir alle zusammen einen Film. Alle zusammen heißt, ich und die Kinder. Mein Partner hat dankenswerterweise nach einem Probetag beschlossen, mich zu entlasten, indem er seine Arbeit weiterhin im Büro ausübt. Auch noch auf seine Befindlichkeit und Konzentration Rücksicht nehmen zu müssen in meiner Interaktion mit den Kindern, war schlimmer, als die acht Stunden am Tag mit ihnen alleine zu sein. Der neue Plan sieht vor, dass ich vormittags mit K5J bastele und für K10J bei den Schularbeiten ansprechbar bin. Dann essen wir und anschließend habe ich nachmittags zwei Stunden wirklich ganz ungestört für mich, weil die Kinder an jedem Bildschirm des Hauses freies Spiel haben. Jaja, Langeweile ist auch wichtig – aber bringt Gequengel und Diskussionen über Langeweile und dafür habe ich in dieser Zeit wirklich, wirklich keine Energie. An irgendeiner Stelle muss ich einfach sagen können, Scheiß drauf.

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Basteln und es lieben, ohne Alkohol und Zigaretten?!

A propos Scheiß drauf, neue Wörter haben die Kinder in den letzten Wochen auch gelernt. Ob ihre Erzieher:innen und Lehrer:innen allerdings zu schätzen wissen, dass Flüche wie „verf*ckte Kackscheiße“ ein Zeichen von großer Intelligenz sind? Oder sich meine Kinder mit diesem Vokabular als Zöglinge einer unfähigen, ja an ihren Aufgaben gescheiterten Mutter enttarnen? Immerhin gelingt es mir mit dem verbalen Unflat, Aggressionen abzubauen und den Kindern vorzuleben, wie wichtig es ist, Gefühle auszudrücken, für das Druckablassen und damit andere Einblicke in die eigene Seele gewinnen. Nach einem solchen Ausbruch geht es jedenfalls immer erst einmal ein bisschen besser.

Wenn ich sagen soll, was ich mir wünsche: Ich gehe da mit Frau Nguyen Kim, die mich neulich bei der Presseschau wieder sehr überzeugt hat. Ich fände es geil, wenn alle gemeinsam einfach noch mal zwei bis drei Wochen so richtig ganz ohne Lockerungen durchhalten, um danach Quarantäne nur noch für die dann überschaubaren Zahlen der tatsächlich Erkrankten durchzuziehen, Stichwort Containment. Dass meine Kinder und ich jetzt insgesamt sieben Wochen auf Kontakt mit Gleichaltrigen und Entlastung durch Großeltern verzichten und deshalb auf dem Zahnfleisch gehen, nur damit wieder Autos, Möbel und anderes Zeug verkauft werden kann, sogar vielleicht noch an einem Sonntag – nein, das fände ich ungeil. Vor allem, wenn sich am Ende herausstellen sollte, dass Kinder nicht nur kaum erkranken, sondern eventuell noch nicht mal die Superspreader sind, als die sie jetzt in der Isolation saßen? Verf*ckte Kackscheiße, dann hoffe ich, dass durch dieses Land wirklich ein gewaltiger Ruck geht.

Übrigens, ein Gutes hat die Pandemie, für mich: Selten habe ich mich mit anderen Eltern so verbunden gefühlt, so wenig allein mit meinem vermeintlichen Versagen, das gar keines ist. Mein Beitrag zu #CoronaEltern ist mal wieder nur das, was ich in der einen Stunde hinwerfen kann, in der ich nicht pädagogische Fachkraft und Snack Bitch sein muss. Aber das wollte ich mir wirklich nicht nehmen lassen.

20 tage

I.
20 Tage also
Jeder Tag ein feines Tuch, das sich über mir ausbreitet.

Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.
Ein feines weißes Tuch.

Darunter ich.
Darunter Treibsand.

II.
Jetzt kommt die Molasse.
Nicht tröpfchenweise.
Molasseschwall auf Molasseschwall breitet sich dick aus, schwarz, Molasseblut blubbert in den Tüchern, tränkt die Tücher, alles klebt, hängt, trieft, schwer, schwerer, schwerer, schwerer, schwerer, schwererschwererschwererschwererwerwerwerwerwerwerwerwer

III.

Wo ein Ich war
Eine klaffende Leere
Das ist keine Wunde
Das ist ein Wurmloch
Das saugt
Schreit
Erstickt
Unter schwarzen Tüchern
Still und
Ich
weg
ja
bitte
weg  

Trota von Salerno

12. Jhdt.

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„Pen and wash drawing showing a standing female healer, perhaps of Trotula, clothed in red and green with a white headdress, holding up a urine flask to which she points with her right hand.“ From: Miscellanea medica XVIII, Published: Early 14th century, Folio 65 recto (=33 recto), Collection: Archives & Manuscripts, Library reference no.: and Archives and Manuscripts MS.544

Trota von Salerno (Link Englisch) war eine der „Frauen von Salerno“; medizinische Heilkundige, die an der Medizinschule von Salerno studierten. Trota war nach heutigem Kenntnisstand Mitglied der Fakultät, also Lehrende, doch mehr ist über sie nicht bekannt.

Sie schrieb jedoch mehrere medizinische Abhandlungen und Traktate, deren Rezeptionsgeschichte, Zuordnung und Neu-Zuordnung ich versuchen will, hier übersichtlich wiederzugeben.

Das am längsten mit ihrem Namen in Verbindung stehende Werk ist ein Ensemble medizinischer Texte über Frauenheilkunde, das unter dem Namen Trotula veröffentlicht und weitergegeben wurde. Obwohl der Name des Werkes übersetzt „kleines Buch der Trota“ heißt, ist sie wohl nicht Autorin eines der drei Texte. Sie wird jedoch im mittleren Teil namens De curis mulierum (Über die Versorgung der Frauen) namentlich genannt als magistra operis, also als Meisterin, von gleichem Ansehen wie ein männlicher Mediziner. Sie wird hinzugerufen in einem Fall, in dem eine Frau „Wind im Uterus“ hat, was für Außenstehende wie eine Ruptur oder wie Darmbeschwerden aussehen könne. Dieser Teil der Trotula befasst sich außerdem mit den Hemmungen, die Frauen haben, sich über ihre weiblichen Beschwerden und intime Körperteile mit männlichen Ärzten zu unterhalten, mit verschiedenen Heilmethoden für Menstruationsbeschwerden und Unfruchtbarkeit (die sie nicht allein den Frauen zuschreibt), mit der Verhütung, der Geburtshilfe und der Säuglingsversorgung. Ein Absatz befasst sich wohl auch mit der Möglichkeit, die Vulva zu verengen, um wieder „für eine Jungfrau gehalten“ werden zu können. Nunja.

frauenfiguren zeitstrahl der frauen in der wissenschaft trota von salerno normannen
Karte des normannischen Herrschaftsgebietes im 12. Jahrhundert
Von Captain Blood – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Über die Motivation für die Entstehung der Trotula sowie die Gründe, warum darin von Trota in der dritten Person und mehrfach von einem unkonkreten „Wir“ die Rede ist, hat die Trota-Forscherin Monica Green (Link Englisch) eine schlüssige Theorie formuliert. Denn tatsächlich konnten die meisten Frauen, an die sich das Werk in Trotas Umkreis hätte richten können, nicht lesen. Stattdessen machte eine solche Niederschrift der medizinischen Kenntnisse nur Sinn zur Weitergabe an Fachpersonal, das sich nicht im Umkreis befand. Im Text finden sich jedoch einige Worte englischer Herkunft, und zu Lebzeiten Trotas waren sowohl Teile Englands wie auch Süditalien unter normannischer Herrschaft, was einen regen kulturellen Austausch zur Folge hatte. Es kursierte im 13. Jahrhundert auch bereits ein anglonormannischer Kosmetikratgeber namens Ornatus mulierum (Über die Ausstattung der Frau), der „Dame Trota“ als Quelle für seinen Wissensfundus angibt. Green vermutet daher, dass Trota bereits einen Ruf als Fachfrau für weibliche Gesundheitsthemen über die Grenzen Salernos hinaus hatte und eine englischsprachige Person aufgrund ihres Ruhmes einen Besuch in Salerno zum Anlass nahm, die Erkenntnisse der Medizinerin niederzuschreiben.

Bereits kurz nach seiner Erstellung gab es Kopien der Trotula, die unter dem Namen eines Johannes Platearius veröffentlicht wurden; ein Jahrhundert später nahm eine andere salernische Medizinierin Kürzungen und Änderungen am Text vor. Trotz seiner vielseitigen Erscheinungsformen galt das Ensemble bis ins 16. Jahrhundert hinein als medizinisches Standardwerk.

1544 bearbeitete der Verleger Georg Kraut die Trotula derartig, dass es erschien, als seien alle drei Texte von einer einzelnen Person, dabei entfernte er auch alle Namensnennungen von Personen vor dem 3. Jahrhundert, sodass der Text wesentliche älter erschien. Diese Fassung wurde später von einem Casper Wolf noch dazu unter dem Autorennamen Eros Julia verlegt – dem Hausarzt der Tochter Kaiser Augustus‘ aus der Zeit um Christi Geburt. Andere Verleger veränderten den Namen noch weiter zu Erotian.

Es bestand zwar stets die Theorie, dass der Text von einer Frau geschrieben sein könnte, doch genauso hartnäckig hielten sich die diversen Theorien, warum das auf keinen Fall so sein könnte. Zum Beispiel erklärte der Medizinhistoriker Karl Sudhoff 1921, dass die lehrenden Frauen von Salerno keine Ärztinnen, sondern („nur“) Hebammen und Krankenschwestern gewesen sein konnten und – logischerweise – deshalb auch keine medizinischen Abhandlung hätten schreiben können. Sein Kollege Charles Singer ging 1928 gar so weit, den Text weniger für ein wissenschaftliches Traktat als vielmehr für Pornografie zu halten – der erotische Reiz sei durch den Autor, einen Arzt namens Trottus, mit der behaupteten weiblichen Quelle gesteigert worden. Ein entscheidender Aspekt, der von Gegnern der Autorin-Theorie hervorgebracht wurde, war die direkte und klare Sprache in Bezug auf weibliche Anatomie, wie etwa der oben genannte Ratschlag zur Verengung der Vulva. Die Herren der Wissenschaft kannten das weibliche Sprechen über den weiblichen Körper vermutlich nur verschämt und verklausuliert; dass Frauen untereinander wesentlich deutlicher und weniger schamhaft sein könnten, ging über ihre Vorstellungskraft hinaus. Wie so oft machten die beschränkte Sichtweise, moralische Empörung und systematische Misogynie männlicher Wissenschaftler eine Wissenschaftlerin zum Opfer des Matilda-Effektes (dessen frühestes Opfer Pandrosion habe ich vor fast genau vier Wochen hier vorgestellt).

Die beiden genannten Medizinhistoriker bezogen sich inzwischen allerdings auch nicht mehr nur auf den mitteleren Text der Trotula. 1837 wurde die Existenz einer Sammlung medizinischer Abhandlung bekannt, des Codex Salernitanus (der Salernische Kodex). Einer der sieben darin enthaltenen Texte, De egritudinum curatione (Zur Behandung von Krankheiten), sowie mehrere Anmerkungen in anderen stammten von einer mit ‚Trot.‘ verkürzt benannten Person. Die Beschreibung praktischer Eingriffe im Codex sowie die Tatsache, dass Geburtsthilfe nur am Rande vorkam, belegten nach Karl Sudhoff, dass keine Frau als Autorin in Frage kam. Er ließ einige der Texte von Studenten überarbeiten, einer davon, Conrad Hiersemann, überarbeitete den Text 1921 erneut und setzte für ‚Trot.‘ den männlichen Namen Trottus ein. Er nahm – nach heutigem Kenntnisstand – richtig an, dass ‚Trot.‘ ein Werk über Medizin und Pathologie geschrieben hat und der Text im Codex eine verkürzte Fassung der wichtigsten Abschnitte darstellte. Auch er schloss aus der Tatsache, dass die Geburtshilfe nicht das vorwiegende Thema war, eine weibliche Autorin aus. (Quelle: Virus – Beiträge zur Sozialgeschichte der Medizin 4)

Diese falsche Annahme von einem männlichen Arzt als Autor dieser beiden Texte hielt sich bis 1985. In diesem Jahr entdeckte der Historiker John F. Benton einen Text namens Practicam secundum Trotam (Medizinische Praxis nach Trota) in einem Manuskript in Madrid, das mit mit großer Wahrscheinlichkeit zu Beginn des 13. Jahrhunderts geschrieben wurde. Ein zweite Teilkopie dieser Abhandlung fand seine Kollegin Monica Green (s.o.) später in einem Manuskript in Oxford. Anhand der Überschneidungen dieses Textes mit De egritudinum curatione konnte Benton die Existenz der weiblichen Medizinerin Trota als Autorin beider Texte eindeutig belegen; er war dennoch weiterhin der Meinung, dass die drei Texte der Trotula alle nicht von ihr, sondern, wie er nachwies, von drei unterschiedlichen männlichen Autoren stammten. Green, die nach Bentons Tod 1988 seine Forschungen fortsetzte, stellte jedoch neben der großen Übereinstimmung des Practicam secundum Trotam mit De curis mulierum in der Trotula auch Deckungsgleichheit fest mit De egritudinum curatione und den Kosmetikratgebern, in denen die ‚Dame Trota‘ erwähnt wird. Sie konnte damit beweisen, dass sich die medizinische Kenntnis der Trota von Salerno über fast alle medizinischen Gebiete erstreckte, von der praktischen Chirurgie abgesehen. Practicam secundum Trotam befasst sich zu drei Viertel seines Inhaltes mit allen möglichen anderen medizinischen Themen als der Frauenheilkunde.

Monika Green glaubt jedoch nicht, dass damit auch bewiesen ist, dass Trota von Salerno und ihre Kolleginnen wenigstens zu ihrer Zeit ein entsprechendes Ansehen an der Fakultät und in der Wissenschaft hatten. So erwähnt Trota in ihren Texten mehrfach männliche Kollegen und Referenzen, in deren Texten ist jedoch durchgängig verallgemeinernd von den „Frauen von Salerno“ die Rede. Sie mag als praktische Medizinerin einen hohen Status gehabt haben, als Fachfrau, Lehrende und Wissenschaftlerin war und wurde sie jedoch kaum anerkannt. Green führt das darauf zurück, dass sich Trota an der Schwelle zur Ausbildung der akademischen Medizin befand – und die akademische Arbeit wurde bereits damals von Männern dominiert, die die praktische Erfahrung der Frauen im theoretischen und lehrenden Kontext nicht wertschätzten.

Trota von Salerno reiht sich somit ein in die Mulieres Salernitanae (Link Englisch), die es nachweislich gab, die jedoch kaum Texte schrieben oder, wie im Fall von Abella (die eigentlich auch auf den Zeitstrahl der Frauen in der Wissenschaft gehören würde), deren Texte einfach verloren gingen. Abella schrieb mindestens zwei Texte in Versform, einen über die Schwarze Galle und einen über den menschlichen Samen. Salvatore de Renzi (Link Englisch), ein italienischer Arzt, nannte in einer Arbeit über die Medizinschule von Salerno neben Abella noch Rebecca de Guarna (Link Englisch), Mercuriade (Link Englisch) und Constance Calenda (Link Englisch).

Judy Chicago widmete Abella als Repräsentantin der Salernischen Frauen eine Bodenfliese im Heritage Floor ihrer Installation The Dinner Party, wo auch Aglaonike einen Platz hat.

Mom Is Sad

Why I talked about suicidal ideation to my 9yo

dieser text entstand ursprünglich für die kunstgalerie beeldend gesproken in Amsterdam, die sich auf werke von künstlern mit psychischen krankheiten spezialisiert hat. da sich die veröffentlichung dort noch etwas verzögern wird, hat mir meine auftraggeberin freundlicherweise erlaubt, den text hier vorab zu veröffentlichen.

Edit 4. Mai 2020: Wegen Corona habe ich gerade nicht viel anderes zu tun als dieses Blog (und für nicht viel mehr die Zeit), daher habe ich diesen Text, den ich immer noch sehr mag und der in der Krise aktueller ist denn je, als Audiodatei eingesprochen. Ich entschuldige mich für meine Aussprache, meine Ps und Ss und für die nicht optimale Tonqualität generell. Eigentlich wollte ich dies als Clip auch bei YouTube hochladen, aber dafür ist es 1min06sek zu lang. Und für eine gute Bearbeitung oder eine neue Aufnahme fehlen mit Technik und Zeit. Aber wer lieber hört als liest, kann sich den vorliegenden Text jetzt also von der Autorin gelesen zu Gemüte führen.

Mom is sad

“Mom, do you use drugs?”
My 9yo has a knack for asking hard questions at bedtime, right when I’m about to turn off the light. I on the other hand am incapable of giving short, evasive or postponing answers to these hard questions – I mom like that. So of course, I sat down at her bedside and did my best to explain the general understanding of “drugs” to my daughter, how and why human beings use drugs and whether I personally “use drugs”. While I was confused at first as to how she came to ask this question, it dawned on me during our conversation that she was worried about me taking CBD oil. I had started it at the beginning of the year to help with my depressive episodes, brought on by the combination of my adjustment disorder, which is currently in a chronic state due to my professional situation, and a semi-mild case of Pre-Menstrual Disphoric Disorder (PMDD), which pulls me down several notches for two or three days on a monthly basis.

The adjustment disorder has been a part of my life since puberty; it manifests in depressive episodes following transformative events. There had been several of those in my life before I had children, and despite all hopes, having my first child did not cure me. On the contrary, I had a near burnout a year after her birth, when I had to return to my job in advertising that wasn’t very rewarding. I went to therapy, switched agencies and things seemed to be better. Then I had a second child and lost my job shortly after; since then, I have been trying to find a source of income, which is the main reason for my current mental fragility. PMDD with its cycle-related crises is relatively new in comparison, like a hormonal cherry on top of the adjustment disorder cake. In the last five years, the fact that “mom is sad” has unfortunately come to be a constant in my children’s life.

When I realized what the reason was for her initial question, I focused on drugs in terms of medication, specifically why I am taking CBD oil. Accepting my disorders as illnesses and experiencing my depressive episodes as symptoms – treatable symptoms! –  has helped me weather the worst times recently. I’m hoping that CBD oil will help me with the physical aspect of my illness, bringing a chemical balance to the brain that I cannot naturally achieve. Getting enough sleep, sometimes taking a break from my duties (also sometimes allowing the kids more screen time than I actually deem “okay”) and generally treating myself with care are other ways to handle my mental illness when it flares up. My daughter was intrigued by the aspect of chemical balance in the brain and asked me fearfully whether that meant I was “impaired”, and whether it was hereditary, so she might also have this illness. This was a bit difficult, since I see her hypersensitivity and tendency for anxiety, and recognize myself as a child, hypochondria and all. I told her it is a possibility but that didn’t have to mean she will be as affected by it as I am. I assured her I will always have an eye on her especially because of this and that it’s why I often take time to talk to her about her feelings and her self-image.

Nevertheless, the thorough girl wanted to know what exactly goes on in my head when I feel depressed. So I told her, there is this voice – that I know is the illness – telling me that I’m not good at what I do, that I am failing as a professional, or worse, as a mother, that things will always stay this bleak and nothing I do will change it. I wasn’t going to talk about suicidal ideation (the occurrence of suicidal thoughts), as I knew it would scare her, but alas, she is thorough and needs to know all if she knows one thing. She asked me point blank: “But did you ever not want to live anymore?”

With this, I had to make a decision on the spot: Do I stick to my principle of honesty and completeness, with the risk of scaring my child, or do I tell her a lie, saving her from the burden of knowledge? Since my default mode is honesty, and hesitation is an answer in itself, I answered: “Yes, that is a thought that sometimes comes along with the others.” I knew right at that moment that I was going to have to explain this decision to at least one person – her father, who does not have the same experience with mental illness as I do – but I also knew instantly that I made the right decision, for both myself and my daughter.

Before I lay out my reasons here, let me say that, yes, my answer made her cry, but our conversation continued until I was able to soothe and comfort her, so when I left her bedside, she was calm and in her usual 9yo bedtime mood. I pondered over our exchange, realizing and formulating the reasons for my instinctive decision in hindsight as well as foreknowledge of the discussions I was going to have about it. It was already the next day that I had the opportunity for a test run of my argumentation. My daughter’s teacher called me around noon, telling me the child had had a crying fit during school hours because “my mom doesn’t want to live anymore”. She was by then comforted and playing with her friends, but the teacher had wanted to check the urgency of my situation. The reasoning I am laying out here is almost completely based on my exchange with the teacher, a caring person who I greatly respect for prioritizing her students’ well-being above all.

As I mentioned, honesty and age-appropriate completeness are my most valued guidelines in conversations with my children. Honesty goes without saying, simply because I want my children to keep on trusting me through puberty and in their adult lives; absolute, yet kind honesty is the only certain way I know how to ensure that. What’s age-appropriate and what is not may be debatable, but in my experience, if they can ask the question, they can handle the answer. Phrasing it in a way their growing mind can work with is my task as a responsible parent. Yet, I don’t practice honesty purely on principle, but also to unburden the hard topics from shame. In child-rearing, mental health is as fraught with taboo as sexuality – if not more, since the generally accepted guideline for today’s parents is to call the private body parts by their official names so as to free them from said shame. Part of the thinking behind it is, when you can talk about body parts and occurrences “shamelessly”, when you can give it a name and are well-informed about its function, you are consequently able to discuss variation and distinguish healthy from unhealthy, thus tackling medical issues before they become catastrophes.

This understanding we have in sexual education, in my opinion, should be transferred to mental health education, and that is what I did at the time. To wit, when my daughter was shocked about the fact that I sometimes don’t want to live anymore, I was very quick to point out to her that it is only that: Ideation that I do not gladly or willfully conjure, but that rises up along with the other (untrue) ideas about myself or rather, as the tail end of my self-deprecation, and as such it is a symptom of my illness. I reiterated to her what I learned from my meditation app (thank you Headspace), that our minds are as the sky, neutrally existing, and our thoughts and feelings are clouds passing over it. They can be the white clouds of a summer’s day, and they can be a dark and threatening hailstorm, but whatever they are, they pass, leaving the mind ultimately untouched. This framing has helped myself tremendously when experiencing suicidal ideation, and I hope learning about it so early in life will enable my daughter to manage her own mental health journey far better than I did. Writing about it now and admittedly riding my comparison of mental health education and sexual education to death, I’m inclined to say: Suicidal ideation is the fetid discharge of a depressed brain, and not being able to put a name to it, not being able to talk about it because of shame, prevents us from seeking help and will only lead to aggravation; in the case of mental health, this aggravation can be deadly.

My daughter’s teacher rightfully pointed out that knowing about these thoughts is a heavy burden for a child; the burden is not heavy, though, due to suicidal ideation itself being so rare or inevitably leading to suicidal acts. It isn’t, and it doesn’t, but our society has difficulties making the distinction between one of the symptoms of depression and its incidental outcome. Certainly, this is in line with the general taboo around mental health issues that still prevails, often doubling the burden for the person suffering. Despite being a very common and widespread illness that afflicts persons from all walks of life, depression is not a topic generally discussed in its prevalence and, to the media, rather boring manifestation of exhaustion, lack of motivation and hopelessness. Except of course when a public figure commits the “interesting” act of suicide and, as witnessed again and again, the media and minds of the public are suddenly full of commiseration with and facts about depression. As I said to my daughter’s teacher: Society speaks about suicide and depression only when someone prominent has committed the ultimate act, but there is silence around the many sufferers of depression who continually have suicidal thoughts without taking action. In all our minds, the idea of suicide is considered one with the action because we do not talk about the desire to die. It is taboo for many reasons, suicide being a cardinal sin in our basically Christian value system among the most harmful.

During our initial conversation, I had stressed the fact to my daughter that a thought, even one as “I don’t want to live anymore”, is very different from plans and even more so from actions. Making this distinction wasn’t only important for our current situation, me being the mother with suicidal ideation and her my worried daughter. It was also important for the eventuality in our future that she is affected by mental health issues as I was and am, during puberty and beyond. I not only needed her to understand right now that I wasn’t in a constant state of wanting to die, but that suicidal thoughts occur in crisis and pass as the crisis does, that while it isn’t pleasant or to be taken lightly, it is very much not an actual suicide plan. Just as much, I needed her to understand that should she herself experience depression and suicidal ideation, it would not mean that her path then was inevitably set towards suicide – which is what had frightened me most when I felt I didn’t want to live anymore for the first time in my youth. At the time, I had no one explain to me the difference between the thought and the act, I had no grasp of the symptoms of depression, I did not even know myself that I was suffering from depression. All I knew was that people who died by suicide may or may have not been thinking and speaking about it before. What lies between the thought and the act was a blank to me, just as much as the number of people who are going through their whole lives or at least phases with suicidal ideation who never form a genuine plan. The wish of not wanting to live anymore, to me, felt like the last and only step on the way to actual suicide; I had no one explain to me that there are a lot more steps between this sad and painful feeling and hands-on termination of one’s own life, which I may never feel inclined to take. This I needed my daughter to know before she came to that point herself, so she feels safe to come to me for understanding and support.

My daughter’s teacher – maybe because she had no experience to compare and argue with – conceded and we ended the conversation amicably, with me promising to pick it up with my daughter for closure. When my daughter came home, I gently repeated these important points to her: It is not a constant state of mind, I am not in acute danger of killing myself, it is an occasional symptom of my condition that should prompt me to take care of my mental health.

It turned out later, when I spoke to my mother about it all, that she supported my decision for these exact same reasons. She had experienced suicidal ideation herself during puberty and hadn’t felt able to speak to her parents about it; if I had known this during my youth, I would have felt free to come to her then, when I was in the situation for the first time. My mental health journey would have been less lonely, less scary from the beginning. Of course, my mother’s silence, as much as her parents’ silence around the hereditary affliction on their side, wasn’t malevolent. It was borne out of shame which in turn was borne out of ignorance. “Not being right in the head” was still something to be shamefully silent about for my grandparents, depression still put people into asylums in my parents’ generation. Suffering from depression and suicidal thoughts was definitely nothing to be discussed liberally, least so with the children. The societal taboo around mental illness created a silence between parents and kids, in my own generation still. This silence between fellow depressives in a family, in my opinion, causes far worse issues than I could have done by being open with my daughter – seeing as she may have walked on eggshells around me and was exceedingly cheerful, obliging and helpful for three days after our conversation, but soon returned to her natural headstrong and obstinate self, healthily lacking any worry about how her occasional “being difficult” could affect my mental health. What remained was a sensitive intuition when “mom is sad”; she will reach out her hand or come to hug me, and I will gratefully accept her comfort, hoping that she will allow me to repay it if she should ever fall into the same darkness.

Months now after having the initial conversation with her, I am more convinced than ever that my blunt honesty has not traumatized her but laid the groundwork for clear and open communication about feelings and mental health. We still butt heads and have tiresome discussions over bedtime and screen time, as you do. She is heading towards puberty and adequately scared and elated at the prospects of her future. I am still taking CBD oil; I am still struggling through days and weeks of depressive episodes. I am still fending off suicidal thoughts with the most effective argument against killing myself: I need to model for my children that you can make it through, that sadness, hopelessness and suicidal ideation passes, that sometimes showing up and breathing is all you can and need to do to make it another day. That suicide is not the way “out”, and that I will always be there for them.

mutters abschied

wie ich schon das eine oder andere mal erwähnt habe, habe ich auch einen schwarzen hund. an manchen tagen ist er sehr groß, schwer und träge. aber wenn ich schon diesen schwarzen hund habe, kann ich wenigstens artistischen nutzen daraus ziehen. was ist die beste suicidal ideation wert, wenn man nicht darüber schreiben kann? wer ganz starke nerven hat und keine fremdscham kennt, kann sich das originaldiktat anhören.
wenn ich gehe, dann will ich es nicht leise tun
es soll nicht wie ein unfall aussehen
mit einem großen messer will ich mir den hals aufschlitzen
rot besudeln die welt
mit allem, was in mir war
auf die gewischten fliesen
auf die saubere wäsche
alles, was ich nicht sagen konnte
was keiner hören wollte
nur meinen kindern sagt ihr nichts
meine kinder beschützt ihr vor mir
sagt ihnen
mama hat sie lieb, aber sie musste gehen
es war nicht genug
 

35/2017: Hilda Rix Nicholas, 1.9.1884

Hilda Rix Nicholas

English below
{kein deutsches Wiki}
Die Australierin war bereits vor dem Ersten Weltkrieg in Europa als Künstlerin erfolgreich. Wegen des Krieges emigrierte sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester von Frankreich nach England – wo ihre Schwester und kurz darauf ihre Mutter an Ruhr erkrankten und starben. Zwei Jahre später fand ein junger australischer Offizier die schwer niedergeschlagene Frau, der von ihr gehört und ihre Bilder bewundert hatte, die beiden heirateten während seines Fronturlaubs und verlebten drei Tage als Ehepaar, dann kehrte er nach Frankreich zurück und wurde fünf Wochen später im Gefecht getötet.

Nach einer Phase der Depression brachte sie ihre Verzweiflung und Trauer in einer Triade von Bildern zum Ausdruck, die leider in den 1930ern bei einem Brand zerstört wurden. Es existieren nur noch Skizzen oder Abbildungen der Originale. Die Bilder und mehr Details zu ihrer Biografie sind unter dem Link unten zu finden.

Hilda Rix Nicholas malte noch viele Jahre, heiratete wieder und hatte einen Sohn, der ebenfalls Künstler wurde. Sie starb mit 77 Jahren in ihrem Geburtsland.

Bild: By Unknown, Public Domain

*

Wiki english
The Australian was already successful as a painter before World War I. Because of the war, she emigrated from France to England with her mother and sister – where her sister and shortly after also her mother fell ill with dysentery and succumbed to it. Two years later a young Australian officer found the heavily beaten-down woman, who had heard about her and admired her paintings, the two married and lived three days as a couple, then he went back to France and was killed in battle five weeks later.
After a phase of depression she expressed her despair and grief in a triad of paintings, which unfortunately were destroyed in a fire in the 1930s. Only sketches and reproductions of the originals exist. Those and more details on Rix Nicholas‘ biography can be found at the link below.
Hilda Rix Nicholas kept on painting for many years, married again and had a son who also became an artist. She died at 77 years of age in her birth country.
Meditations on loss

KW 41/2016: Anna Waser, 16. Oktober 1678 (Taufdatum)

Anna Waser

Wiki deutsch Wiki englisch

Anna Waser war Kind eines Züricher Amtsmannes, der dank seiner eigenen Bildung das Talent seiner Tochter erkannte und förderte. Bereits mit 14 Jahren verließ sie ihre Familie und Heimat, um in Bern bei Joseph Werner zu lernen. Sie blieb vier Jahre als einzige weibliche Schülerin bei ihm und kehrte dann zunächst nach Zürich zurück, bereits mit einem Ruhm bis über die Stadtgrenzen hinaus ausgestattet.

Drei Jahre später wurde sie von einem kunstinteressierten Adligen in ein kleines Städtchen in Hessen, Deutschland berufen: Wilhelm-Moritz von Solms-Braunfels lud sie nach Braunfels ein, wo sie als Hofmalerin ihre Karriere hätte fortsetzen können. Leider kam es anders: Ihre Mutter erkrankte und ihr Bruder, der bis dahin als Hauslehrer ebenfalls in Braunfels tätig gewesen war, ging als Feldprediger nach Holland. So musste Anna Waser nach Zürich zurückkehren, um ihre Mutter zu pflegen und den Haushalt des Vater zu übernehmen. Neben diesen „weiblichen“ Pflichten blieb ihr wenig Muße für ihre Kunst, nur kleinere Arbeiten konnte sie noch ab und an ausführen. Als auch ihre Eintragung in ein Künstlerlexikon mit Autobiographie, Selbstportrait und anderen Werken fehlschlug, verlor sie offenbar den Kampf gegen eine Depression. In einer Chronik wird über die verhinderte Künstlerin gesagt: „Mit 30 Jahren verlor sie ihre Leibs- und Gemütskräfte.“ Fünf Jahre später bereits starb sie an den Folgen eines Sturzes.

Bild: By Anna Waser (1678-1714) – Kunsthaus Zürich, Public Domain

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Von 172 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 18 (inklusive Anna Waser) Frauen:
15.10.1290 Anna Premyslovna
16.10.1456 Ludmilla von Podiebrad
13.10.1498 Claude de France
11.10.1523 Eleonore von Fürstenberg
15.10.1607 Madeleine de Scudéry
13.10.1630 Sophie von der Pfalz
12.10.1664 Praskowja Fjodorowna Saltykowa
13.10.1679 Magdalena Augusta von Anhalt-Zerbst
13.10.1690 Katharina Opalińska
13.10.1710 Anna Charlotte Amalie von Nassau-Dietz-Oranien
11.10.1727 Elizabeth Griffith
11.10.1730 Hannah Lightfoot
13.10.1785 Maria Anna Amalie von Hessen-Homburg
11.10.1797 Emilie Linder
13.10.1797 Ida Pfeiffer
11.10.1798 Ida Arenhold
11.10.1799 Paula Montal Fornés

WEG MIT
§219a!