Schlagwort: ehrendoktorwürde

37/2020: Idelisa Bonnelly, 10. September 1931

Idelisa Bonnelly (Link Englisch) kam in Santiago de los Caballeros, der zweitgrößten Stadt der Dominikanischen Republik, zur Welt. Mit 22 Jahren schrieb sie sich an der Columbia University in New York ein und machte dort drei Jahre später ihre Bachelor of Science in Meeresbiologie. Anschließend studierte sie bis zu ihrem Mastertitel 1961 an der New York University, danach arbeitete sie als Forschungsassistentin am New York Aquarium (Link Englisch). Bereits im Folgejahr kehrte sie in ihre Heimat in der Karibik zurück, um an der Universidad Autónoma de Santo Domingo den ersten Fachbereich ihres Heimatlandes für das Fach Biologie zu gründen.

1966 gründete Idelisa Bonnelly das Institut für Meeresbiologie an der Universität in Santo Domingo, aus dem später das Forschungszentrum für Meeresbiologie (Centro de Investigación de Biología Marina, CIBIMA) hervorgehen sollte. Dort lehrte sie von 1967 bis 1986, im Anschluss war sie weitere sechs Jahre als Studienkoordinatorin dort tätig.

Auch die Akademie der Wissenschaft der Dominikanischen Republik gründete Bonnelly, im Jahr 1974. Sie veröffentlichte zahlreiche Arbeiten, die großen Einfluss auf den Erhalt der Meeresressourcen hatten und zur Grundlage von Umweltrecht hinsichtlich der Küste und des Meeres der Dominikanischen Republik wurden. In den 1980er Jahren war sie entscheidend beteiligt an der Schaffung eines Schutzgebiets für Buckelwale vor der Küste von Hispaniola. Dafür erhielt sie 1986 den Verdienstorden für Frauen in der Wissenschaft von der Regierung der Republik. Im folgenden Jahr wurde ihr der National Science Prize von der Akademie der Wissenschaften verliehen, die UN nahm sie in die Global 500 Roll of Honour des UNEP auf.

Ihre Universität verlieh ihr 1990 die Ehrendoktorwürde. Kurz darauf gründete sie die Dominikanische Stiftung der Meeresforschung (Fundación Dominicana de Estudios Marinos, FUNDEMAR), die auch ein Reservat für Meeressäuger betreibt. Sie schloss sich auch der Organization for Women in Science for the Developing World (TWOWS, Link Englisch) an.

Neben anderen Auszeichungen erhielt sie auch 2009 die Marie Curie Medaille der UNESCO, die BBC nannte sie 2013 eine der zehn wichtigsten weiblichen Wissenschaftlerinnen von Lateinamerika.

Ebenfalls diese Woche

7. September 1830: Mary Treat (Link Englisch)
Die amerikanische Naturkundlerin schrieb in 28 Jahren 76 Artikel zu diversen Themen, von Insektenkunde über Ornithologie bis hin zur Botanik, in der zweiten Hälfte ihres Lebens verdiente sie damit ihren Lebensunterhalt nach der Trennung von ihrem Ehemann. Über fünf Jahre, beginnend 1871, korrespondierte sie mit Charles Darwin über fleischfressende Pflanzen.

10. September 1859: Marcia Keith (Link Englisch)
Von dieser amerikanischen Physikerin wird angenommen, dass sie die individuelle Laborarbeit von Schülern der Naturwissenschaften einführte. Sie unterrichtete Mathematik und Physik und war Gründungsmitglied der American Physical Society.

10. September 1907: Dorothy Hill (Link Englisch)
Die australische Paläontologin war Australiens erste weibliche Universitätsprofessorin und die erste weibliche Präsidentin der Australian Academy of Sciences.

11. September 1845: Mary Anne Stebbing (Link Englisch)
Viele der Zeichnungen dieser botanischen Illustratorin verbrannten 1881, doch einige befinden sich noch im Archiv der Royal Botanic Gardens in Kew.

12. September 1897: Irène Joliot-Curie
Als Tochter der ersten Nobelpreisträgerin überhaupt war sie prädestiniert für große wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Chemikerin und Physikerin erhielt 1935 selbst den Nobelpreis in Chemie, gemeinsam mit ihrem Mann Frédéric Joliot-Curie, für die Entdeckung der künstlichen Radioaktivität.

14/2020: Sophie Germain, 1. April 1776

Sophie Germain wurde in Paris geboren, ihr Vater war wahrscheinlich Textilkaufmann, in jedem Fall wohlhabend. Als die Französische Revolution ausbrach, war Sophie 13 – und durch die gewaltvollen Vorgänge in den Straßen dazu gezwungen, in ihren eigenen vier Wänden zu bleiben. Ihr Vater wurde einer der Vertreter der Bourgeoisie in der Nationalversammlung. In der Zeit der politischen Unsicherheit wandte sich Sophie der Sicherheit in der Bibliothek ihres Vaters zu. Eines der Bücher mit dem größten Einfluss auf ihre spätere Karriere war Histoires des mathématiques (Geschichte der Mathematik) von Jean-Étienne Montucla, die Geschichte von Archimedes und seinem Tod beeindruckte sie besonders.

Ihre Faszination für die Mathematik wurde von ihren Eltern zunächst nicht begrüßt, da sich dies zur damaligen Zeit für eine junge Dame nicht schicke. Sie versuchten, sie von weiterer Beschäftigung damit abzuhalten, indem sie ihr Zimmer nachts nicht mehr heizten und beleuchteten – doch Sophie setzte sich mit mehreren Decken und Kerzen an ihren Schreibtisch. Morgens fanden die Eltern sie schlafend am Schreibtisch, der mit mathematischen Formeln bedeckt war, die Tinte gefroren im Glas. Dieser Entschlossenheit wollten sie sich nicht mehr entgegenstellen und gestatteten ihr das Studium der Mathematik, ihre Mutter unterstützte sie schließlich aktiv in ihrer Bildung. Sophie Germain brachte sich zusätzlich auch Latein und Griechisch bei, um die Werke von Isaac Newton und Johann Albrecht Euler lesen zu können.

1794, noch vor Ende der Revolution, wurde die École polytechnique gegründet – doch der inzwischen 18-jährigen Germain war es wegen ihres Geschlechts nicht erlaubt, die Schule zu besuchen. Ein befreundeter Student der Schule, Antoine-Auguste LeBlanc, beschaffte ihr die Vorlesungsunterlagen. Als LeBlanc in den Auseinandersetzungen der Revolution starb, setzte sie ihr Studium ohne seine Unterstützung fort. Sie verwendete den Namen LeBlanc, um Lösungen für die mathematischen Probleme einzureichen, die der Professor Joseph-Louis Lagrange seinen Studenten stellte. Von der Intelligenz seines ‚Schülers‘ LeBlanc angetan, wollte er ‚ihn‘ treffen und war zwar überrascht, aber nichtsdestotrotz begeistert von Sophie Germain. Er wurde einer ihrer ausdauerndsten Unterstützer und Förderer.

Aufgrund der Veröffentlichung eines Essays zur Zahlentheorie von Adrien-Marie Legendre begann sich auch Germain für diesen Bereich der Mathematik zu interessieren. Sie nahm Kontakt mit ihm auf, um sich auszutauschen. Einige Zeit später veröffentlichte Carl Friedrich Gauß die Disquisitiones Arithmeticae (Zahlentheoretische Untersuchungen); nachdem sie sich drei Jahre mit den Aufgaben und Fragen beschäftigt hatte, sie sein Werk aufstellte, begann sie unter dem Pseudonym LeBlanc auch mit ihm eine Korrespondenz. Als 1806 Braunschweig von Napoleon besetzt wurde, war Germain um den dort lebenden Gauß besorgt und nutzte ihre gesellschaftliche Stellung, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Der französische Kommandant Penetry war ein Freund der Familie, ihn bat sie, Gauß vor einem archimedischen Schicksal zu schützen. Als er dies gegenüber dem Schützling Gauß erwähnte, konnte dieser mit dem Namen Sophie Germain nichts anfangen, da er sie als Antoine-Auguste LeBlanc kannte. Erst drei Monate später offenbarte Germain Gauß ihre Identität, dessen Anerkennung daraufhin wuchs, denn schließlich hätten Frauen weit größere Hürden zu überwinden bei der Verfolgung ihrer wissenschaftlichen Ziele. Doch obwohl er ihre Arbeit schätzte, war die Korrespondenz meist einseitig, Gauß erwähnte keine von Germains Schriften in seinen Arbeiten und auch der Briefwechsel endete kurze Zeit nach Germains Offenbarung.

Stattdessen wandte sich Germain zunächst dem Thema der Elastizität zu, anlässlich einer Preisausschreibung der Académie des sciences, angeregt von Ernst Florens Friedrich Chladnis Experimenten mit schwingenden elastischen Platten. Die Herausforderung war, zu diesen Schwingungen eine mathematische Theorie zu entwickeln. 1809 begann Sophie Germain an diesem Problem zu arbeiten, zunächst mit nur einem Konkurrenten um den Preis, Siméon Denis Poisson, der jedoch noch vor dem Ablauf des Wettbewerbs in die Académe aufgenommen wurde und somit vom Mitstreiter zum Preisrichter aufstieg. Germains Einreichung 1811 war die einzige, doch die Jury empfand ihre Gleichungen als nicht hinreichend begründet und verlieh den Preis nicht; Joseph-Louis Lagrange war allerdings auf der Basis von Germains Berechnungen in der Lage, eine Gleichung zu erstellen, die ‚unter bestimmten Voraussetzungen‘ gültig war.

Der Wettbewerb wurde um zwei Jahre verlängert und Germain machte sich gleich an eine Überarbeitung ihrer Schrift. Während sie in der ersten Runde noch die Unterstützung von Adrien-Marie Legendre gehabt hatte, war sie nun auf sich allein gestellt, und ihre zweite Einreichung 1813 war voller Berechnungsfehler. Sie erhielt eine ehrenhafte Erwähnung, doch der Wettbewerb wurde ein weiteres Mal um zwei Jahre verlängert.

Dieses dritte Mal ließ sie sich zunächst von Poisson beraten, doch dieser veröffentlichte 1814 eine eigene Arbeit zum Thema, in der er mit keinem Wort erwähnte, dass seine Berechnungen in Zusammenarbeit mit Germain zustande gekommen waren und er als Mitglied der Académie Zugang zu ihren Vorarbeiten gehabt hatte. Sophie Germain sollte ihren dritten Versuch 1815 schließlich auch unter ihrem eigenen Namen einreichen und endlich 1816 als erste Frau in der Geschichte einen Preis der Académie des sciences gewinnen. Aus Protest gegen die Behinderung und Herabsetzung, die sie von einigen der Preisrichter hatte hinnehmen müssen, blieb Germain der Preisverleihung fern. Und einen Zugang zu den Versammlungen der Académie verschaffte ihr der gewonnene Preis auch nicht – den hatten nur die ausschließlich männlichen Mitglieder und deren Ehefrauen. Erst sieben Jahre später konnte die preisgekrönte Mathematikerin an den Sitzungen teilnehmen, weil Joseph Fourier, mit dem sie sich angefreundet hatte, ihr Eintrittskarten organisierte.

Ihre gekürte Arbeit zur Elastizität veröffentlichte sie 1821 auf eigene Kosten, um ihre Beteiligung an Poissons Schrift von 1814 zu verdeutlichen, eine überarbeitete Fassung erschien fünf Jahre später.

Nachdem der Preis zum Thema Elastizität verliehen war, schrieb die Académie einen Preis aus für den Beweis des Satzes von Fermat. Damit wandte sich auch Germain diesem Bereich der Zahlentheorie zu und sie nahm nach zehn Jahren des Schweigens die Korrespondenz zu Gauß wieder auf. In ihrem Brief an ihn beschrieb sie eine Strategie für den Beweis des Satzes, der zeigt, dass sie einer Lösung für das Problem auf der Spur war; doch Gauß antwortete nie auf ihren Brief. Germain schrieb stattdessen ein Manuskript, das jedoch nie veröffentlicht wurde; darin bewies sie, dass der 1. Fall des Fermat’schen Satzes für bestimmte Primzahlen zutraf. Ihre Beweisführung wurde nur dadurch überhaupt bekannt, dass Legendre diesen Beweis in einer Fußnote seiner eigenen Arbeit erwähnte. Diese Primzahlen, mit denen Germain ihren Beweis erbrachte, heißen heute Sophie-Germain-Primzahlen.

Sophie Germain arbeitete noch einige Jahre an diesem und anderen mathematischen Themen, ebenso beschäftigte sie sich mit Philosophie und Psychologie. Ihr Anliegen war es, mathematische Methoden auch auf diese Bereiche anwendbar zu machen. 1829 erhielt sie eine Brustkrebsdiagnose und 1831 starb sie mit 55 Jahren an der Krankheit. Trotz seiner Zurückhaltung im Briefwechsel mit ihr klagte Gauß sechs Jahre nach ihrem Tod, dass sie eine Ehrendoktorwürde der Universität Göttingen verdient hätte: „Sie bewies der Welt, dass sogar eine Frau etwas erwähnenswertes erreichen kann in der exaktesten und abstraktesten Form der Wissenschaft.“ (Quelle: Wiki)

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Ebenfalls diese Woche

2. April 1647: Maria Sybilla Merian
Über die „Mutter der Entomologie“ schrieb ich 2016.

3. April 1943: Jane Goodall
Mit dem Jane-Goodall-Institut setzt sich die britische Verhaltensforscherin für den Schutz von Primaten und der Erhalt ihrer Habitate ein.

4. April 1868: Philippa Fawcett
Die britische Mathematikerin war 1890 die erste Frau, die beim Mathematical Tripos von Cambridge die höchste Punktzahl erreichte; siehe auch Hertha Ayrton.