Schlagwort: film

das finstere tal

andreas prochaska, österreich/deutschland 2014
das patriarchat frisst seine kinder.
über frauenfiguren lässt sich zwar nicht sprechen – oder nur kaum, obwohl zwei frauen antrieb des plots sind. nichtsdestotrotz spreche ich eine starke empfehlung aus – nicht nur, weil der film (nicht unbekannte) fehlerhafte strukturen einer übermäßig patriarchalischen gesellschaft thematisiert, sondern weil er einfach fantastisch aussieht und eine erfrischende abwechslung zum seichten, leichten deutschsprachigen kino darstellt, wie es zu großen teilen die säle füllt. ohne seine herkunft zu verraten, stellt Das Finstere Tal einen bezug zum internationalen kino her und lässt hoffen, dass es immer wieder und weiterhin alternativen zur schweigerschen selbstbeweihräucherung geben wird.
allerdings braucht der film zuschauer, zuschauer, zuschauer. pilgert zahlreich in die kleinen kinos, in denen er läuft. es lohnt sich.

KW 9/2014: Joanne Woodward, 27. Februar 1930

Joanne Woodward The Long Hot Summer

Wiki deutsch Wiki englisch

Erste Person überhaupt, die mit einem Stern auf dem Hollywood Walk Of Fame geehrt wurde; außerdem erste, einzige und überlebende Ehefrau von Paul Newman *seufz*. IMDb

Runner-up: Brigitte Grothum – Zu Brigitte Grothum muss ich kurz schreiben, dass ich sie zuletzt in einigen Edgar-Wallace-Filmen sah, vor allem aber in dem grandios schönen, tragischen, viel tieferen, als sein Titel vermuten ließe, Der rote Rausch. Dieser kam ursprünglich wohl nicht beim Publikum an – möglich, dass das an einer Fehlvermarktung als Wallace-Reihenbeitrag lag, oder auch daran, dass das Publikum mit einer so differenzierten Darstellung einer reißerisch verkauften Psychokiller-Geschichte nicht zurecht kam.

Klaus Kinski spielt darin den psychopathischen Frauenmörder Josef Stief, der vier Frauen erwürgt hat – alle diese Frauen trugen rote Korallenketten. Nach Jahren in einer psychiatrischen Anstalt, in der man sich nicht anders zu helfen wusste als seine psychopathischen Wesenszüge völlig schizophren abzuspalten und ihn alle Gründe für seine Gefangenschaft vergessen zu lassen, nach Jahren völlig unschuldigen Eingesperrtseins in seinen Augen also gelingt ihm die Flucht. Brigitte Grothum spielt die Landwirtin und zukünftig wohlhabende Hoferbin Katrin, die den Flüchtigen aufnimmt, im Glauben, er sei „von drüben“ – von der anderen Seite der Landesgrenze, an der sie vor 8 Jahren ihren geliebten Ehemann Martin verloren hat.

Katrin ist eine Gefangene wie Josef (der sich Martin nennt), nur in ihren eigenen Strukturen. Sie ist Gefangene der Möglichkeit, dass ihr Mann noch leben könnte und sie einen unverzeihlichen Verrat an ihrer Liebe begehen würde, wenn sie ihn für tot erklären ließe; sie ist Gefangene der Gesellschaft, die von ihr erwartet, dass sie diese Liebe loslässt und endlich – vernünftigerweise – dem Werben des gutaussehenden, kernigen, männlichen Karl nachgibt, der der wichtigste Arbeiter auf ihrem Hof ist. In der Unfreiheit unter den Erwartungen ihrer Umwelt verliebt sich Katrin in den sensiblen, gehetzten Josef/Martin; die Leere seiner Lebensgeschichte dient ihr als Projektionsfläche, seine Andersartigkeit ist die ideale Ausweichmöglichkeit für sie, sowohl das zu tun, was alle von ihr wollen – sich fortzuentwickeln, neu anzufangen – und gleichzeitig die Herrschaft über ihr eigenes Leben zu behalten, indem sie einen Mann liebt, den sie sich allein ausgesucht hat, der von außen kommt und den sie ihrem ersten Geliebten nah empfindet.

Ihre Liebe ist in all diesen unbewussten Motivationen jedoch wahrhaftig und übersteht die Erkenntnis, einem geisteskranken Mörder zu gelten – sie erkennt ihn als Opfer, wie sie selbst Opfer der Umstände ist.

Ein Rausch, dieser Film, ja, aber kein blutiger, aus niederen Beweggründen – stattdessen ein Blick auf den Umgang unserer Gesellschaft mit denen, die auf den ersten Blick eine Bedrohung darstellen und auf einen zweiten und jeden weiteren selbst Opfer sind, die unser Mitgefühl verdienen. Außerdem ein merk-würdiger Zeitzeuge der Anfangsjahre deutscher Trennung.

Bild: By Trailer screenshot – The Long, Hot Summer trailer, Public Domain

KW 6/2014: Jenette Goldstein, 4. Februar 1960

Wiki deutsch Wiki englisch

Jenette Goldstein war die zweite durchsetzungs- und nervenstarke Frau, die die Alien-Reihe uns Filmzuschauern schenkte. Nach Weaver’s Ripley – einer ausgebildeten Astronautin und Führungspersönlichkeit – gab uns Jenette Goldstein die weibliche Soldatin, die unter den Attacken eines fremdartigen, unberechenbaren Gegners resilienter agierte als ihre männlichen Kollegen (großartige Gegenbesetzung: Bill Paxton, der unnachahmlich Großmäuligkeit mit Hosenschisserei vereinen kann). Sie ist das Latina Action Girl, das m.E. Michelle Rodriguez‚ Karriere möglich gemacht hat. More power to them. IMDb
Runner-up: Grande Dame Zsa Zsa Gabor

KW 4/2014: Geena Davis, 21. Januar 1956

Geena DavisWiki deutsch Wiki englisch

Schauspielerin, Bogenschützin, Gründerin des Geena Davis Insitute on Gender in Media. IMDb

Viel Vergnügen bei diesem Clip, in dem sie ihre Profession, ihren Sport und ihre medienpädagogische Initiative unter einen Hut bringt. Weiterschauen lohnt sich: danach kommt ein Clip, in dem Susan Sarandon die Penisse weißer Männer als Lebenshilfe anpreist.

Runner-up: Irene Sharaff, Kostümbildnerin unter anderem für Cleopatra
WEG MIT
§218!