Schlagwort: film

KW 1/2014: Dorothy Arzner, 3. Januar 1897

Wiki deutsch Wiki englisch
Einzige weibliche Regisseurin in der Übergangszeit vom Stumm- zum Tonfilm; in diesem Rahmen Erfinderin des boom mikes. Erstes weibliches Mitglied der Directors Guild of America (DGA). IMDb

Außerdem, weil es meinem Herzen nahe ist und eine Laufbahn, die ich mir auch hätte vorstellen können (wenn ich von Anfang an gewusst hätte, wie): Cutterinnen der Hollywood-Geschichte Lynzee Klingman und Thelma Schoonmaker.

the lords of salem

rob zombie, USA 2012
the lords of salem ist der erste film von rob zombie, den ich richtig richtig mag. house of 1000 corpses und devil’s rejects haben mich hauptsächlich abgestoßen, halloween war zwar stark, wenn ich mich richtig erinnere, hatte aber wenig mit mir zu tun. ein bisschen abgestoßensein gab’s auch, glaube ich.
the lords of salem ist dagegen geradezu ein frauenfilm. möglicherweise als ergebnis der dritten welle des feminismus, die rollt und rollt, tauchen verstärkt filme auf, in denen die mächtige frau, die hexe, eine umkehrung ihrer geschichte erfährt – die mächtige frau noch immer als bedrohung, aber im wesentlichen mit einem gerechtfertigten rachefeldzug und am ende obsiegend statt zur rettung der welt in ihre grenzen gewiesen. ein ähnliches beispiel dazu wäre für mich das remake von the wickerman.
ursprünglich wollte ich schreiben, dass die hexen von salem in diesem lichte gar nicht als die bösen erscheinen, aber nach einem kurzen realitäts-check muss ich revidieren: mir geht einfach die angst vor einer weltordnung ab, in der alte und  pummelige nackte frauen die herrschaft innehaben. lucifer hin oder her – auch wenn die alten hexen bedrohlich und zerstörerisch daherkommen, finde ich ihre schamlose selbstsicherheit im makelbehafteten körper ansprechend.
noch mehr gilt das für die drei ausführenden hexen der gegenwart. es ist fast sexy zu nennen, wie diese drei die machtverhältnisse in der verbalen und non-verbalen kommunikation umdrehen (und ich muss rob zombie ein lob für seine beobachtungsgabe aussprechen). zwei szenen, an denen ich das besonders fest mache:
als francis matthias (bruce davison) bei den drei schwestern lacey (judy gesson), megan (patricia „magenta“ quinn) und sonny (dee wallace) sitzt und in seiner freundlich-naiven art noch gar nicht versteht, wem er gegenüber sitzt. da sagt lacy etwas zu ihm und er lacht – unsicher, höflich, im glauben, ein gleichberechtigtes gespräch zu führen. lacey bringt ihn schnell und eiskalt auf den boden der tatsachen: „why are you laughing? i’m not laughing!“ sie bestimmt das gespräch, sie dominiert ihn und seine äußerungen. mehr noch, sie wird ihn mit den nächsten sätzen in eine unangenehme unterlegenheit zwingen, die sein geschlecht zum anlass von abscheu und ablehnung macht.
später will whitey (jeff daniel phillips) heidi (sheri moon zombie) abholen, und die drei hexen sitzen auf der treppe, die zu ihrem appartement führt. die bedrohlichkeit dieser situation mit umgekehrten vorzeichen ist festgeschrieben in die wahrnehmung jeder frau: an drei männer auf der treppe vorbeizugehen – die nicht platz machen, die taxieren und kommentieren – wird jede frau als unangenehm und bedrohlich wahrnehmen. die dominanz dieser frauen ist so deutlich, so unausweichlich, dass whitey so verletzlich wirkt wie ein teenager-mädchen, das an den alpha-männern eines sozialen wohnungsbaus vorbeigehen muss.
diese beobachtung und der schleichende, atmosphärische grusel, der nicht zuletzt durch das set design und das licht generiert werden, machen den film zu einem neuen lieblingsfilm.

KW 42/2013: Mira Nair, 15. Oktober 1957

Mira Nair

Wiki deutsch Wiki englisch
Mira Nair ist seit ihrem international gerühmten Film Salaam Bombay! eine erfolgreiche Regisseuren, Produzentin und Dozentin an der Columbia University.

Salaam Bombay! wurde fast ausschließlich mit tatsächlichen Straßenkindern gedreht, zu deren reintergration in die indische Gesellschaft die Einnahmen des Films verwendet wurden. Die damals gegründete Stiftung hilft noch heute indischen Straßenkindern, im Leben Fuß zu fassen.

Mira Nair selbst lebt in New York, betreibt jedoch auch ein Filmlabor in Kampala, Uganda, in dem junge afrikanische und indische Filmemacher lernen und sich ausprobieren können.

Sie lehnte das Regieangebot für den fünften Harry-Potter-Film ab, da sie sich eher als eine Regisseurin der Emotionen als eine der Tricktechnik sieht. Wenn ihr Erfolg im Leben an irgendetwas messbar ist, dann an dieser Integretität.

Bild: By Mirabaifilms – Own work, CC BY-SA 4.0

antichrist

lars von trier, deutschland 2009
es ist schon interessant (und meiner meinung nach das merkmal eines wertvollen films), wie unterschiedlich die geschehnisse seiner handlung von unterschiedlichen zuschauern interpretiert werden. antichrist eine abrechnung von triers mit der (katholischen) religion? eine expression freudscher analysemethoden? es gibt schon einige verschiedene ansätze in den IMDb-Reviews.
ich bemühe mich während der sichtung egal welchen films zunächst mal, einfach nur aufzunehmen. schließlich kann alles, was ich im moment sehe, durch spätere noch nicht gesehene ereignisse umgekehrt, beeinflusst, verbessert werden. besonders mit analytischen deutungen halte ich mich gerne bis zum abspann zurück.
so saß ich nach Antichrist erstmal geplättet von sex&gewalt im sessel und musste überlegen, was ich da jetzt eben gesehen hatte. aber relativ schnell klackerten die murmeln an ihre plätze und war für mich glasklar: Antichrist ist ein film über das dilemma von mutter und frau in der menschlichen natur. sie veräußert zunächst ihren kampf und fürchtet die natur, aber tatsächlich ringt sie mit der unvereinbarkeit der mütterlichen fürsorge mit der mächtigen sexualität in der person, die sie vorher war und noch immer ist: eine frau, vollständig auch ohne kind. dabei jedoch erschüttert von der verlustangst, das kind wegen der sexualität und den mann wegen der mütterlichkeit zu verlieren. denn im kern braucht sie für jede ihrer zwei naturen eine bezugsperson.
so gesehen, konnte ich dem film im nachhinein einiges abgewinnen. wie immer, ist diese meine sichtweise hauptsächlich meinem eigenen empfinden und meiner eigenen biografie geschuldet. aber das schöne am film ist: er ist offen für diese interpretation und nicht mal lars von trier kann verhindern, dass ich seinen film so sehe.
übrigens: der titelgebende Antichrist ist auch nicht sie – von wegen der teufel im weibe und so. der Antichrist ist ihr sohn, nämlich von einer frau geboren, die ganz gar nicht unbefleckt ist. es geht nicht um den teufel als gegensatz zu jesus, sondern um die natürliche frau als gegensatz zu der idealen heiligen mutter, die keinerlei dilemma solcher art in sich spürt.

savages

oliver stone, USA 2012
während der sichtung hat mir der film zunächst mal gut gefallen – eine frau, die mit zwei männern zusammenleben kann und dabei nicht als dummes flittchen dargestellt wird… zwei recht ansehnliche männer, zwischen denen mir die entscheidung auch schwerfiele… eine frau, die ein ebenso harter knochen wie jeder mann in ihrer position ist und dem vorurteil einer zu weichen hand ins gesicht lacht… der film besteht sogar den bechdel-test, weil er mit o und elena zwei frauen mit ähnlichkeiten und unterschieden aufeinandertreffen lässt, die einen größeren lebensentwurf haben als „den richtigen mann zu finden“. auch wenn ihre handlungen dennoch zum großen teil von männern abhängig sind (elena führt das geschäft ihres mannes weiter, der ihr einziger liebhaber war und blieb, auch nach seinem tod, o suchte nach dem college-abbruch ein echteres leben, hat dieses jedoch als „einfache arbeiterin“ bei zwei wesentlich prominenter agierenden männern gefunden), so sprechen sie doch zumindest auch n0ch über andere dinge…
naja, jedenfalls als actionfilm mit halbwegs ausgeglichener geschlechterrepräsentanz hat mir der film also zunächst mal gut gefallen.
dann habe ich heute morgen noch mal intensiver über die frauen o und elena nachgedacht, und da kriegte das doch eher so einen bitteren beigeschmack. welche entwürfe von frauenfiguren werden da gegenübergestellt? die attraktive mutterfigur, die sich hingebungsvoll und immer sexuell nicht nur verfügbar, sondern sogar aggressiv um die beiden männer kümmert (und, mal mit meinen erfahrungen aus der realität abgeglichen: was für ein albtraum, sich ständig um zwei kiffer zu kümmern!! einer allein hat mich schon schier in den wahnsinn getrieben… und der sex leidet m.e. auch eher unter dem konsum) auf der einen seite. auf der anderen seite die frau, die jede sexualität negiert (weil eine beruflich erfolgreiche frau sexuell bedrohlich ist?) und am ende von den männern, die ihr unterstehen, hintergangen und bestraft wird – sogar der eklige fiese vergewaltiger und schläger darf überleben und sogar – perfidie! – ihren platz einnehmen.
aber es ist oliver stone, also ist die frage nötig: sexistische darstellung der welt oder darstellung der sexistischen welt?! ist oliver stone ein chauvi, der die frau als heimchen am kifferherd sehen und jede ambition nach „männlicher“ macht bestrafen will? oder lässt er elena deshalb in den knast wandern, nicht, weil sie eine frau, sondern ein drogenboss ist? immerhin gönnt er ihr so etwas wie eine versöhnung mit der lang vermissten tochter…
es ist schwer, die darstellung von frauen nicht als beurteilung von frauen zu sehen. uncertainty is driving me nuts.
eine neutralere review hat mein mann geschrieben.

wasserkraft-werk

Forced Entry auf Hard Sensations hat nun den dritten Beitrag zu verzeichnen. im gewohnt poetischen stil wird der einlauf-porno „Water Power“ rückhaltlos und freimütig besprochen.
es fasziniert mich immer wieder, wie diese texte mir ein gefallen an filmen abgewinnen, die ich gar nicht sehen möchte. wenn sylvia und maria sie mögen, dann mag ich sie auch, by proxy. und über den schlechten ruf der porno-industrie möchte ich nach der lektüre auch nur sagen: wenn sie mögen, was sie tun, wie kann es dann falsch sein.
eine kleine WARNUNG nur: die screenshots am ende des textes sind zum teil NSFW, wenn man so genau hinschaut.

WEG MIT
§218!