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22/2020: Claudia Alexander, 30. Mai 1959

Claudia Alexander (Link Englisch) kam in Vancouver in Kanada, zur Welt, wuchs jedoch in Santa Clara (Kalifornien), auf. Ihr eigentlicher Berufswunsch war Journalistin, doch ihre Eltern – eine Bibliothekarin und ein Sozialarbeiter – finanzierten das Studium und wollten, dass sie Ingenieurin werde. Sie fügte sich und arbeitete in einem Nebenjob in den Sommerferien im Ames Research Center, einem Forschungscenter der NASA. Dort arbeitete sie in der technischen Abteilung, doch sie begann sich auch für die Planetologie zu interessieren; sie schlich sich also in die wissenschaftliche Abteilung, um dort auszuhelfen, und stellte fest, dass ihr die Arbeit dort besser gefiel und leichter von der Hand ging.

So machte sie 1983 ihren Bachelor-Abschluss an der University of California, Berkeley, in Geophysik, weil sie dieses Fach für eine gute Basis in der Planetologie hielt. Zwei Jahre später machte sie ihren M.A. in Geo- und Astrophysik an der University of California, Los Angeles. In ihrer Abschlussarbeit untersuchte sie die Auswirkungen des magnetischen Zyklus der Sonne und der Sonnenwinde auf die Ionosphäre der Venus. Bis ins Folgejahr 1986 war sie sowohl am United States Geological Survey tätig, in der Erforschung von Plattentektonik, wie am Ames Research Center bei der Beobachtung der Jupitermonde. 1987 wechselte sie zur NASA, wo sie im Labor für Düsenantriebe zunächst als wissenschaftliche Koordinatorin arbeitete.

Sie erlangte 1993 ihren Doktortitel in Atmosphären-, Ozean- und Astro-Wissenschaften (Atmospheric, Oceanic and Space Sciences), speziell zum Thema astrophysisches Plasma (Link Englisch). In der finalen Phase der Galileo-Mission war sie als Projekt Managerin unter anderem für den kontrollierten Absturz der Sonde 2003 in die Atmosphäre des Jupiter verantwortlich. Die Galileo entdeckte 21 neue Jupitermonde und eine Atmosphäre („oberflächengebundene Exosphäre“) auf dem Mond Ganymed.

Neben den Jupitermonden, Plattentektonik, der Venus und dem astrophysischen Plasma forschte sie auch zur Entstehung und dem physikalischen Aufbau von Kometen, Magnetosphären und zur Unstetigkeit und Ausbreitung der Sonnenwinde. Sie war wissenschaftliche Koordinatorin bei der Cassini-Huygens-Mission zum Saturn und Co-Autorin von 14 wissenschaftlichen Schriften. Auch an der Rosetta-Mission der ESA, einer Sonde, die auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko landete, war sie als Projektwissenschaftlerin beteiligt.

Claudia Alexander setzte sich auch dafür ein, Frauen und Minderheiten verstärkt in die MINT-Fächer zu bringen – so schrieb sie unter anderem Kinderbücher und Science-Fiction-Romane. In ihrem TED-Talk „The Compelling Nature of Locomotion and the Strange Case of Childhood Education“ demonstrierte sie anhand des Themas der Lokomotion, wie sie wissenschaftlichen Unterricht für Kinder gestaltete.

TED-Talk von Claudia Alexander: „The Compelling Nature of Locomotion and the Strange Case of Childhood Education“

Leider erlag die vielseitige Planetologin am 11. Juli 2015 dem zehnjährigen Kampf gegen den Brustkrebs.

Die zwei Folgen „Ein wachsendes Problem“ (20a) und „Das ausgebrochene Bärtierchen“ (20b) der Kinder-TV-Serie Miles von Morgen sind ihr gewidmet.

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Ebenfalls diese Woche

26. Mai 1821: Amalie Dietrich
Wenn ich mich recht entsinne, steht die Naturforscherin – zugegebenermaßen eine beeindruckend entschlossene Frau – auch in der Kritik, da sie neben botanischen Exemplaren auch menschliche Schädel aus Australien an Museen in der deutschen Heimat sandte.

27. Mai 1676: Maria Clara Eimmart
Die eigenen Beobachtungen stellte die Astronomin und ausgebildete Kupferstecherin in detaillierten Zeichnungen dar; darunter die Mondphasen sowie verschiedene Ansichten des Merkur, der Venus, des Mars, Jupiter und Saturn, einige Kometenformen und – nebenstehend – das Phänomen des Nebenmondes und der Nebensonne.

27. Mai 1959: Donna Strickland
Die Laserphysikerin erhielt als dritte Frau überhaupt 2018, gemeinsam mit zwei Kollegen, den Nobelpreis für Physik.

31. Mai 1887: Ethel Doidge (Link Englisch)
Die Fellow der Linnean Society of London trug als Mykologin und Bakteriologin zur Bekanntheit eines Phytopathogens bei, das Mangos befällt.

31. Mai 1912: Chien-Shiung Wu
Dafür, dass sie 1956 im Wu-Experiment die Paritätsverletzung bei schwacher Wechselwirkung nachwies und damit empirisch eine Hypothese bewies, dass in der Elementarteilchenphysik eine Vertauschung von rechts und links einen Unterschied machen kann – dafür hätte die Physikerin ebenfalls den Nobelpreis für Physik erhalten müssen; sie wurde dafür jedoch gar nicht erst nominiert. Sie erhielt jedoch 1963 den Comstock-Preis für Physik, 1975 die National Medal of Science und 1978 den Wolf-Preis in Physik.

KW 38/2016: Elisabeth von Adlerflycht, 23. September 1775

Rheinpanorama von Elisabeth von Adlerflycht

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Zu Elisabeth von Adlerflycht gibt es kein Bild und nicht viel zu sagen, aber ich brauchte einfach eine Pause von den ganzen Adligen und wollte gerne etwas machen, das mir naheliegt. Das von Elisabeth von Adlerflycht erfundene Rheinpanorama ist sozusagen meine heutige Heimat, und die Darstellungsform finde ich gleichzeitig so skurril wie naheliegend, dass mich ihr Erfunden-werden-müssen amüsiert.

Elisabeth von Adlerflycht war die Tochter eines Frankfurter Malers und zeichnete auf einer Rheinfahrt im Jahr 1811 ein Panorama des Rheins zwischen Nahe und Mosel. Daraus entstand im Laufe der Zeit der im praktischen Leporelloformat herausgebrachte Rheinfahrtbegleiter.

Bild: By Elisabeth Susanna Maria Rebecca von Adlerflycht (1811): Historisches Museum Francfort, Public Domain

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Von 141 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 13 (inklusive Elisabeth von Adlerflycht) Frauen:
21.9.1051 Bertha von Savoyen
21.9.1154/55 Sancha von Kastilien
21.9.1457 Hedwig Jagiellonica
22.9.1515 Anna von Kleve
21.9.1568 Salome Alt
23.9.1598 Eleonora Gonzaga
22.9.1601 Anna von Österreich
22.9.1634 Christiana von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg
22.9.1701 Anna Magdalena Bach
23.9.1740 Go-Sakuramachi
23.9.1780 Clara Anschel
25.9.1799 Luisa Cáceres de Arismendi

KW 1/2016: Elisabetta Sirani, 8. Januar 1638

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Elisabetta Sirani war eine von den Damen, die sich vom Mangel an Möglichkeit nicht abschrecken ließen und einfach ihre eigene Möglichkeit schufen. Mit Talent und Selbstbewusstsein ausgestattet, arbeitete sie bereits 17jährig als professionelle Malerin – natürlich gingen alle ihre Einnahmen in die Familienkasse (sprich: in die Kasse des Vaters), statt wie die der anderen Mitarbeiter anteilig in ihre eigene Kasse. Um für sich selbst und ihre Mutter zu sorgen, malte und verkaufte sie unter der Hand weitere Bilder. Da sie als Frau nicht an einer regulären Kunstakademie studieren konnte, gründete sie kurzerhand eine eigene Kunstakademie, an der sie mindestens 14 andere Künstlerinnen unterrichtete und förderte. Mit 27 Jahren verstarb sie wahrscheinlich an den Folgen eines durchgebrochenen Magengeschwürs.

Bild: By Elisabetta Sirani, Public Domain

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Um die Überschaubarkeit weiblicher Rollenvorbilder besonders in den Jahren vor dem 19. Jahrhundert zu demonstrieren, liste ich (versuche ich zu listen) in diesem Jahr alle Frauen der Woche vor 1800, denen einen Wikipedia-Artikel gewidmet ist.

Von um die 230 relevanten Personen vor 1800 sind diese 15 (inklusive Elisabetta Sirani) Frauen:
06.01.1256 Gertrud von Helfta
06.01.1412 Jeanne d’Arc
10.01.1480 Margarete von Österreich
07.01.1528 Jeanne d’Albret
07.01.1591 Dorothea von Sachsen
09.01.1624 Meishō
06.01.1655 Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg
10.01.1748 Franziska von Hohenheim
07.01.1753 Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg
05.01.1762 Constanze Mozart
05.01.1763 Johanne Justine Renner
05.01.1780 Claire Élisabeth Jeanne Gravier de Vergennes
07.01.1796 Charlotte Augusta von Wales
10.01.1797 Annette von Droste-Hülshoff