Schlagwort: sexismus

41/2019: Carolee Schneemann, 12. Oktober 1939

Die New Yorker Künstlerin Carolee Schneemann setzte sich schon im College mit der unterschiedlichen wechselseitigen Wahrnehmung des männlichen und weiblichen Körpers auseinander. Vor allem die unterschiedliche Wertung der weiblichen Eigenwahrnehmung und -betrachtung durchzieht als Thema ihre Werke: Wie der weibliche Körper als Objekt (männlicher) künstlerischer Betrachtung geschätzt, aber als Subjekt der (weiblichen) künstlerischen Wahrnehmung verpönt ist – diese Diskrepanz begegnete ihr in ihrer Ausbildung und wurde zu einem Thema ihres Schaffens. (In diesem Artikel vom Observer wird dieser Sexismus der Kunst anhand eines Memes sehr schön dargestellt; die darin erwähnte Analyse von John Berger – Ways of Seeing, Episode 2 – habe ich auch gefunden und empfehle die Sichtung!)

„Eine Malerin, die Leinwand verlassen habe, um den Raum der Gegenwart und gelebte Zeit zu aktivieren“ (Quelle: Wikipedia) nannte Schneemann sich selbst. Der Wikipedia-Eintrag ist ausführlich und lädt zu einer weiteren Beschäftigung mit ihrer Kunst (und der ihrer Kollaborateure und Beeinflusser) ein. Ich möchte mich auf nur vier Werke beschränken, die mich persönlich besonders interessieren oder berühren.

Fuses (explizit) ist eine filmische Collage, in der Schneemann Bilder ihrer selbst und ihres damaligen Partners James Tenney nackt und bei sexuellen Handlungen, in nicht-chronologischem Schnitt und mit künstlerischer, analoger Bildbearbeitung – immer wieder erscheint auch ihre Katze wie ein neutraler Beobachter des Gezeigten. Angestoßen zur filmischen Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper in der Kunst und beim Sex wurde Schneemann von Stan Brakhage und dessen Window Water Baby Moving (explizit), welcher künstlerisch bearbeitet eine Geburt zeigt. Mit Fuses setzte sich Schneemann mit der Frage auseinander, ob die Darstellung des eigenen sexuellen Aktes sich von Prongraphie und klassischer Kunst unterscheidet. Obwohl das Video nicht ausgesprochen „pornographisch“ ist, wurden ihr Zügellosigkeit und narzisstischer Exhibitionismus vorgeworfen. Schneemann selbst merkte an, dass die künstlerische Bearbeitung für viele Betrachter hinter dem expliziten sexuellen Inhalt zurücktritt.

Ein Malerei-Happening, bei dem sich Schneemann in ein Geschirr hängte, um sie umgebende Wände mit Wachsmalstiften zu bemalen, ist Up to and Including Her Limits. Auch hier die Beschäftigung mit den Begrenzungen und Beschränkungen des weiblichen Körpers in der Kunst.

Von Interior Scroll gab es zwei Ausgaben. Eine erste fand auf einer Kunstausstellung namens Women Here and Now statt, zu Ehren des Jahres der Frau der Vereinten Nationen 1975. Schneemann stand unbekleidet bis auf ein Tuch und eine Schürze auf einem Tisch und las aus ihrem Buch Cézanne, she was a great painter, während sie wechselnde Posen einnahm, wie sie in Übungsklassen zum Aktzeichnen üblich sind. Nachdem sie die Schürze ausgezogen hatte, zog sie eine fortlaufende Papierrolle aus ihrer Vagina, von der sie einen Text vorlas, der aus einem ihrer Experimentalfilme stammte. Sie wiederholte diese Performance zwei Jahre später auf einem Filmfestival, zu dem Brakhage sie eingeladen hatte, namens The Erotic Woman. Aus Protest gegen diesen eingrenzenden Titel verlas dieses Mal von der Papierrolle eine Unterhaltung mit einem ungenannt bleibenden Filmkritiker (welchen sie später als die Filmkritikerin Annette Michelson enttarnte), in welcher sie für ihre „weibliche“ Kunst kritisiert wird. Sie wollte mit dieser Performance „die unsichtbare, marginalisierte und zutiefst unterdrückte Geschichte der Vulva [physikalisieren], diese mächtige Quelle des orgasmischen Vergnügens, der Geburten, der Transformation, der Mesntruation, der Mutterschaft, um zu zeigen, dass sie kein toter, unsichtbarer Ort ist“. (Quelle: Hyperallergic.com, Forty Years of Carolee Schneemann’s „Interior Scroll“)

Eine Variation dieser Veräußerung des vaginalen Inneren ist übrigens Casey Jenkins‘ Casting Of My Womb.

Mit einem jüngeren Werk stieß Schneemann wiederum auf Sensibilität: Die Bilder von Terminal Velocity entstanden wenige Monate nach dem 11. September 2001. Schneemann scannte Zeitungsfotos von neun Menschen, die aus dem World Trade Center in den Tod sprangen, und zoomte mit digitaler Technik soweit in die Bilder, dass diese als Individuen in einer verzweifelten Situation begreifbar wurden. Kritik erntete sie dafür aufgrund der Möglichkeit, dass diese Personen auf den Bildern von ihren Angehörigen erkannt werden könnten und damit Leid verursacht würde.

Carolee Schneemann starb am 6. März dieses Jahres. Deutschlandfunk Kultur führte anlässlich ihres Todes ein Interview mit Sabine Breitwieser, die Schneemanns Kunst 2015 für das Museum der Moderne in Salzburg kuratierte.

26/2019: Katherine Dunham, 24. Juni 1909

Katherine Dunham
By Carl Van Vechten – This image is available from the United States Library of Congress’s Prints and Photographs divisionunder the digital ID cph.3b46690. This tag does not indicate the copyright status of the attached work. A normal copyright tag is still required. See Commons:Licensing for more information., Public Domain

Leider habe ich für eine Frau wie Katherine Dunham gerade viel zu wenig Zeit. Ich werde mein Bestes tun, ihre volle und vielseitige Biografie so zusammenzufassen, dass es Lust macht, mehr zu erfahren.

An der Tochter eines Afro-Amerikaners mit Vorfahren aus West-Afrika und Madagaskar und einer Franko-Kanadierin mit familiärem Hintergrund in den First Nations ging auch eine Anthropologin verloren. Zwar war das Tanzen von Kindheit an eine Leidenschaft, gründete sie mit 18 Jahren bereits eine Ballettschule für afro-amerikanische Kinder – 1928 war die Segregation sehr lebendig in den USA – und studierte selbst Ballett bei verschiedenen Größen der Kunst; gleichzeitig aber verfolgte sie in ihrem Studium den Tanz vor allem von ethnographischer Seite. Erst 1938, nachdem sie bereits ein Jahr lang für ihre Studien auf Jamaica, Martinique, Trinidad und Tobago sowie Haiti unterwegs gewesen war, eine Arbeit über die Tänze der Haitianer eingereicht und kurz vor ihrer Abschlussprüfung stand, beschloss sie, dass sich doch lieber der aktiven Performance als der wissenschaftlichen Untersuchung widmen wollte. Sie ließ sich zu diesem Zeitpunkt auch von ihrem ersten Mann, einem afro-amerikanischen Postbeamten, scheiden.

Mit dieser Entscheidung startete sie sofort in ihrer Tanzkarriere durch. Nachdem sie bereits als Tänzerin in mehreren Produktionen aufgetreten war, dies aber für ihre Universitätsarbeit unterbrechen musste, brachte sie nun ihre erste eigene Produktion auf die Bühne, L’Ag’Ya, von der sogar noch Bildmaterial vorhanden ist:

Bei dieser Produktion begann ihre Zusammenarbeit mit John Pratt, einem weißen Kanadier, der von dem Zeitpunkt an sämtliche ihrer Kostüme entwarf. Die beiden wurden auch privat ein Paar. In den folgenden zehn Jahren feierte Katherine Dunham zahlreiche Erfolge mit ihrem afro-amerikanischen Ensemble und verschiedenen Produktionen, in denen sie klassisches Ballett mit den Einflüssen karibischer und afrikanischer Kulturen kombinierte. Vom Broadway über Las Vegas bis nach Hollywood füllte Dunham die Säle und trat auch in einigen Filmen auf.

Eine Tanzszene aus Stormy Weather, die auch auf Facebook immer wieder ihre RUnden macht. Einer der wenigen Filme der Ära, in dem Afro-Amerikaner in Hauptrollen auftraten. Katherine Dunham und ihr Tanzensemble sind ebensfalls darin zu sehen (nicht in dieser Szene).

Nachdem 1941 eine Tour beendet war, reiste Dunham mit Pratt nach Mexiko, um dort zu heiraten – „gemischte“ Ehen waren in den USA noch nicht allgemein akzeptiert und tatsächlich galt auch ihre Heiratsurkunde in der Heimat nicht als gültig. Dennoch gaben die beiden stets das Datum von 1941 als ihren Hochzeitstag an. Vollkommen legal auch in den Vereinigten Staaten machten sie ihre Ehe erst acht Jahre später, um die Adoption eines kleinen Mädchens zu ermöglichen, dem einzigen Kind ihrer Ehe.

Von 1948 an tourte Katherine Dunham mit ihrem Ensemble zwanzig Jahre lang rund um die Welt – überall, nur nicht in den USA. Sie entwickelte und verwirklichte stets neue Tanzproduktionen, da sie aber von den Einkünften das gesamte Personal unterhalten und verschicken musste, erlitten sie auch wirtschaftlich schlechte Zeiten. So endete 1960 eine ihrer Tourneen in Wien, das Geld reichte jedoch nicht mehr, um allen Beteiligten die Heimreise zu ermöglichen. Mit einem Fernsehauftritt für den WDR, Karibische Rhythmen, holte Dunham gerade die Gage herein, um ihre Truppe wieder in die USA zu befördern.

Die andauernden Tourneen wurden jedoch durchaus von Aufenthalten in der Heimat unterbrochen. Während dieser gründete sie „nebenbei“ 1945 die Katherine Dunham Dance School in New York. Schüler dieses Studios waren unter anderem Eartha Kitt, die von Anfang an ein Mitglied ihres Ensembles gewesen war, und spätere Filmstars wie James Dean, Gregory Peck, Sydney Poitier und Shirley MacLaine. Sie entwickelte als Pädagogin ihre eigene Technik, die noch heute als Dunham technique bekannt ist, eine Kombination aus Ballett und afrikanisch-karibischen Bewegungsmustern.

Die Strapazen der langen Tourjahre und gleichzeitiger Tätigkeit als Lehrerin kurierte sie 1957 mit einem Jahr in Japan aus, während dessen sie ihre Memoiren schrieb. 1963 wurde sie als Choreographin für die Produktion von Aida mit Leontyne Price an der Metropolitan Opera in New York berufen; sie war die erste Afro-Amerikanerin in dieser Position und verlieh dem Stück, das in Nordafrika spielt, mit ihren Choreographien große Authentizität. Bei der Premiere saß der damalige Präsident der Vereinigten Staaten Lyndon B. Johnson im Publikum, der sie zwei Jahre später zur technischen Kulturberaterin der senegalesischen Regierung ernannte.

Ende der 1960er Jahre gründete sie eine weitere Tanzschule, diese in East St. Louis, einer armen Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit, wo sie versuchte, die Jugend mit der Hinleitung zum Tanz vor Kriminalität zu bewahren. Als nach Martin Luther King Jr.s Ermordung die Stadt von Protesten erschüttert wurde, lud sie führende Mitglieder der städtischen Gangs in ihre Schule ein, um ihrer Wut und Frustration mit Trommeln und Tanz Ausdruck zu verleihen. Für diesen mutigen Akt wurde sie zunächst verhaftet, was internationale Empörung hervorrief.

Katherine Dunham war und blieb zeit ihres Lebens aktiv im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung. An einem Abend im Oktober 1944, nach einem Auftritt in Louisville, Kentucky – einem der Südstaaten, in denen die Segregation scharf durchgeführt wurde – erhielt sie vom vollständig aus Weißen bestehenden Publikum stehende Ovationen. Dunham erklärte jedoch, sie würden dort nicht noch einmal auftreten, da das Management Menschen wie ihrem Ensemble nicht erlauben würde, auf den gleichen Plätzen zu sitzen. Ihre Truppe hatte insbesondere im Süden der USA des öfteren Schwierigkeiten, aufgrund ihrer Hautfarbe ein Hotel zu finden. Auch während einer Tour 1950 in Brasilien wurde ihnen in einem hochklassigen Hotel in São Paulo der Aufenthelt verwehrt, weil es sich bei ihr und ihrem Ensemble mehrheitlich um Schwarze handelte. Dunham machte diesen Zwischenfall öffentlich und löste eine politische Debatte im Land aus, die zum Afonso-Arinos-Gesetz gegen Rassendiskriminierung führte.

Noch mit 83 Jahren trat Katherine Dunham in Hungerstreik, um auf die Politik der USA im Umgang mit haitianischen Bootsflüchtlingen aufmerksam zu machen. Erst nach 47 Tagen, als der haitianische Präsident selbst sie bat, nicht ihr Leben für dieses Thema aufs Spiel zu setzen, beendete sie ihr Fasten; sie hatte damit bereits die mediale Aufmerksamkeit erlangt.

Dunham lebte neben den USA und Japan auch zeitweise auf Haiti und im Senegal; sie schrieb neben ihrer Lehrtätigkeit im Tanz Bücher und Artikel zur Ethnographie des Tanzes und war seit ihrer Zeit in Europa mit dem Psychoanalytiker und Philosophen Erich Fromm befreundet. Auch mit Harry Belafonte und seiner zweiten Frau Julie war sie als Künstlerin, Bürgerrechtlerin und Mensch eng verbunden. Die „Matriarchin und Mutter des black dance“ starb 2006, mit 96 Jahren, an Altersschwäche.

Eine guten Eindruck in das „Zeitkolorit“, wie Katherine Dunham und ihr Tanzensemble zum Beispiel im Deutschland der 1950er Jahre wahrgenommen wurden, bietet diese Besprechung der Karibischen Rhapsodie aus dem SpiegelOnline-Archiv – ich möchte eine Inhaltswarnung aussprechen, denn der Text trieft nicht nur auf sprachlicher Ebene vor Rassismus und Sexismus. Die gute alte Zeit eben, als „man“ noch alles sagen durfte.
Einblicke in die Dunham technique gibt ein kurzes Video von 1983, erhalten in der Library of Congress. Im Jahr 2000 war Dunham, ihr Leben, Tanzen und ihre politische Tätigkeit Thema der Titelgeschichte des Dance-Magazins: „One-Woman Revolution Katherine Dunham“. Ein Nachruf zwei Tage nach ihrem Tod in der New York Times würdigt ihren Einfluss auf die amerikanische Kultur und ihr lebenslanges Streben nach Gerechtigkeit für Menschen aller Hautfarben.

Hatte doch mehr Zeit, ist doch länger geworden.

Wikis frauenproblem

Der Link liegt hier jetzt schon seit ein paar Tagen in den gespeicherten Artikeln, und ich möchte das jetzt mal abhaken. Gerade heute kam das Thema auch wieder bei Facebook auf.

Ich habe das Blog damals vor sieben (7!!) Jahren angefangen mit dem Gedanken: Gegen die dauernde Behauptung, wie Frauen+ sind und was Frauen+ können, hilft für mich nur, hartnäckig darauf hinzuweisen, wie und was Frauen alles in der Geschichte bis heute gewesen sind. Vorbilder bzw. diverse Rollenbilder zu schaffen erschien mir (und erscheint mir noch immer) für mich produktiver als mich auf kleinliche Diskussionen mit engstirnigen Trollen einzulassen.

Weil ich dies jedoch als Hobby verstand – ein bisschen kam es auch meiner grundsätzlichen historischen Neugier entgegen –, habe ich mich von Anfang an vornehmlich in der Recherche auf Wikipedia verlassen. Für lange Forschung im Netz oder in Bibliotheken hatte und habe ich weder Zeit noch Ressourcen. Ich fand und finde auch den Grundgedanken von Wikipedia fantastisch, und manches Mal habe ich auch überlegt, ob ich nicht einfach/auch für Wikipedia schreiben soll. Meine Profilneurose (ich mag es, wenn mein Name mit meinen Texten in Verbindung gesehen wird), die zu Recht strengen Regeln der Artikelerstellung, die meinem individuellen Stil entgegenstehen, und eben mein Mangel an Ehrgeiz, anderweitig zu recherchieren und zu forschen, hielten mich davon ab.

Inzwischen fühle ich mich dafür noch ein bisschen schlechter, weil nun ja ziemlich bekannt ist, dass es hinter den Kulissen auf Wikipedia – mit nachvollziehbaren Folgen im Frontend – ziemlich schlimm für Frauen als Autorinnen und als Thema von Artikeln aussieht.

Der Artikel im innenansicht-magazin.de, der den Anstoß für diesen Post gab

Das muss anders werden, aber: Mein eigener Kampf ist das nicht. Ich möchte die Energie, die von meinen beruflichen Versuchen und meinem Privatleben übrig bleibt, in dieses Blog stecken. Ich möchte eher ein Wegweiser hin zu den Artikeln auf Wikipedia sein: Schaut mal, diese Frau+ gab/gibt es. Vielleicht interessiert dich das. Oftmals beziehe ich meine Informationen aus den englischsprachigen Artikeln – die englisch-sprachige Wikipedia hat das sexistische Problem zwar auch, aber in Kombination mit der deutschen ergibt sich ein etwas breiteres Spektrum für meine „Recherche“.

Ich weiß nicht, was ich bewirken will mit diesem Post. Vielleicht will ich nur sagen: Ich weiß, dass Wikipedia eigentlich für eine feministisches Blog als Quelle ziemlich scheiße ist. Vielleicht will ich mich dafür entschuldigen, dass meine Recherche so schlicht und kurzsichtig ist. Einzige Entschuldigung dafür: Ich will nicht mehr als Neugier anregen.

Vielleicht will ich auch diejenigen unter den Leser:innen, die davon noch nicht wussten, auf dieses spezielle Problem hinweisen. Vielleicht möchte ich einige unter Euch, die von Dingen Ahnung haben, die aufgrund des Sexismus-Problems bei Wikipedia zu kurz kommen, dazu ermuntern, Artikel zu schreiben; Wikipedia einfach mit der Notwendigkeit zu fluten, Frauen nicht mehr an den Rand drängen zu können.

Jedenfalls wollte ich den Text vom innenansicht magazin teilen. So.

hört die scheiße niemals auf?

ich bin so naiv. ich dachte, wenn man es zu einem gewissen grad an karriere geschafft hat, hört es auf mit den geschlechter-vorurteilen, den subtilen und offenen anmachen und dem dilemma, als frau nicht zu freundlich (= nicht ernstzunehmend), aber auch nicht zu streng (= muttihaft oder unweiblich) sein zu dürfen. turns out i was wrong.
überall.

waffen töten keine menschen, feministinnen töten menschen (vor allem die kinder)

ich will nicht zu einem artikel mit ausgemachtem unfug verlinken, den ich auch gar nicht gelesen habe, sondern zu dem wortgewaltigen und oh so wahren und berechtigten rant von Rochus Wolff im genderblog.
die argumentation des unfug-artikels ist daraus zu entnehmen, ein weiterklicken kann also ausblieben – keine klicks für dumme texte. aber das enthaltene video ist sehr interessant und birgt erhellendes.

KW 48/2012: zwei Regisseurinnen

Kathryn Bigelow

Kathryn Bigelow, 27. November 1951
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Kathryn Bigelow ist die Quotenfrau unter Hollywood-Starregisseuren.

Mein Lieblingszitat: „If there’s specific resistance to women making movies, I just choose to ignore that as an obstacle for two reasons: I can’t change my gender, and I refuse to stop making movies. It’s irrelevant who or what directed a movie, the important thing is that you either respond to it or you don’t. There should be more women directing; I think there’s just not the awareness that it’s really possible. It is.

Filme:
The Loveless (mit Willem Dafoe in seiner ersten Hauptrolle), Near Dark , Blue Steel, Point Break, Strange Days, The Weight of Water, K-19: The Widowmaker, The Hurt Locker

Mit The Hurt Locker war Kathryn Bigelow die erste weibliche Regisseurin, die einen Academy Award für den Besten Film erhielt (und insgesamt stach sie Avatar von ihren Ex-Mann James Cameron mit drei Oscars mehr aus); ein endgültiger Beweis, falls dieser nach Point Break noch nötig gewesen sein sollte, dass eine Frau auf dem Regiestuhl nicht notgedrungen chick flick bedeutet.

Bild: By Sgt. Michael Connors – 302nd Mobile Public Affairs Detachment – This file has been extracted from another file: 82nd Academy Awards, Kathryn Bigelow – army mil-66453-2010-03-09-180354.jpg, Public Domain

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Penelope Spheeris

Penelope Spheeris, 2. Dezember 1945
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Penelope Spheeris ist sowas wie die Vivienne Westwood des Films – the original punk rocker, sozusagen.

Mein Lieblingszitat: „After I did Wayne’s World (1992) – I tried like hell to direct movies I had written and books that I wanted to adapt for film. I tried so hard to do something beside television remakes but I couldn’t get anything going. That is where the sexism in the film industry becomes all too apparent. If I was a guy, I swear to God I would have been able to get my own shit going after „Wayne’s World“.

Filme:
The Decline of Western Civilization, Suburbia, The Boys Next Door, Hollywood Vice Squad, Dudes, The Decline of Western Civilization II: The Metal Years, Wayne’s World, The Beverly Hillbillies, The Little Rascals, Black Sheep, Senseless, Balls to the Wall

In Gegenüberstellung mit Kathryn Bigelows Zitat könnte man sich fragen, ob Penelope Spheeris da nicht auf den falschen zeigt, wenn sie die mangelnde Qualität ihrer Filme auf den Sexismus in Hollywood schiebt. Andererseits würde ich schon unterstellen, dass es diesen gibt, und es kann nun mal nicht jede Frau Kathryn Bigelow sein. In jedem Fall kann man an Spheeris‘ frühen Filmen erkennen, was eigentlich in ihr steckt, und hoffen, dass ihr noch einmal eine Chance für eigene Projekte gegeben wird.

Bild: By Suzanne Allison – Photosub 2015072710020664, CC BY-SA 4.0

jeden tag

als ich meinem mann mal von den erlebnissen erzählte, die ich mit sexueller belästigung hatte (die früheste, wenn ich mich nicht täusche, schon im grundschulalter), war er angemessen betreten und fremd-beschämt. aber ich denke, gleichermaßen überrascht von der tatsache, dass es tatsächlich diese kleinen ekligen oder schmerzhaften momente auch in meinem leben gegeben hat. ich habe ihm diese anekdoten nur deswegen erzählt, weil wir zuvor ein gespräch darüber geführt hatten, wie schmerzhaft es für mich ist zu wissen, dass ich meine tochter vor diesen momenten nicht werde beschützen können, weil ich weiß, dass jede frau in ihrem leben mehr oder wengier traumatische erlebnisse hat.
in meinem fall waren es zwar nur „kleinigkeiten“ im vergleich zu den massiven übergriffen, die manche frauen erleiden. nichtsdestotrotz haben sie mich – als mensch, aber auch als frau – geprägt. sie haben dazu beigetragen, dass ich bestimmte situationen, körperhaltungen, ja, auch kleidungsstücke meide. ich definiere meine motivation dabei so, dass ich den tätern ihre sache so schwer wie möglich machen will; aber wir alle wissen, dass es auch immer wieder das opfer ist, das beschuldigt wird: „warum gehst du auch nachts alleine nach hause!“, „warum streckst du deinen po auch so heraus!“, „warum trägst du auch so kurze röcke!“
die tätlichen übergriffe, aber auch die mehr oder weniger subtilen verbalen sexismen unseres alltags werden aus aller welt auf der seite des everyday sexism project gesammelt. was man da liest, treibt einem die zornesröte ins gesicht. und es kann vielleicht auch befreiend sein, seine eigene geschichte, seinen eigenen ärger beizutragen. auf dass es manchem vielleicht noch die augen öffne.