Schlagwort: sexismus

hört die scheiße niemals auf?

ich bin so naiv. ich dachte, wenn man es zu einem gewissen grad an karriere geschafft hat, hört es auf mit den geschlechter-vorurteilen, den subtilen und offenen anmachen und dem dilemma, als frau nicht zu freundlich (= nicht ernstzunehmend), aber auch nicht zu streng (= muttihaft oder unweiblich) sein zu dürfen. turns out i was wrong.
überall.

waffen töten keine menschen, feministinnen töten menschen (vor allem die kinder)

ich will nicht zu einem artikel mit ausgemachtem unfug verlinken, den ich auch gar nicht gelesen habe, sondern zu dem wortgewaltigen und oh so wahren und berechtigten rant von Rochus Wolff im genderblog.
die argumentation des unfug-artikels ist daraus zu entnehmen, ein weiterklicken kann also ausblieben – keine klicks für dumme texte. aber das enthaltene video ist sehr interessant und birgt erhellendes.

KW 48/2012: zwei Regisseurinnen

Kathryn Bigelow

By Sgt. Michael Connors – 302nd Mobile Public Affairs Detachment – This file has been extracted from another file: 82nd Academy Awards, Kathryn Bigelow – army mil-66453-2010-03-09-180354.jpg, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22163463

Kathryn Bigelow, 27. November 1951
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Kathryn Bigelow ist die Quotenfrau unter Hollywood-Starregisseuren.
Mein Lieblingszitat: „If there’s specific resistance to women making movies, I just choose to ignore that as an obstacle for two reasons: I can’t change my gender, and I refuse to stop making movies. It’s irrelevant who or what directed a movie, the important thing is that you either respond to it or you don’t. There should be more women directing; I think there’s just not the awareness that it’s really possible. It is.
Filme:
The Loveless (mit Willem Dafoe in seiner ersten Hauptrolle), Near Dark , Blue Steel, Point Break, Strange Days, The Weight of Water, K-19: The Widowmaker, The Hurt Locker
Mit The Hurt Locker war Kathryn Bigelow die erste weibliche Regisseurin, die einen Academy Award für den Besten Film erhielt (und insgesamt stach sie  Avatar von ihren Ex-Mann James Cameron mit drei Oscars mehr aus); ein endgültiger Beweis, falls dieser nach Point Break noch nötig gewesen sein sollte, dass eine Frau auf dem Regiestuhl nicht notgedrungen chick flick bedeutet.

Penelope Spheeris

By Suzanne Allison – Photosub 2015072710020664, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42287042

Penelope Spheeris, 2. Dezember 1945
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Penelope Spheeris ist sowas wie die Vivienne Westwood des Films – the original punk rocker, sozusagen.
Mein Lieblingszitat: „After I did Wayne’s World (1992) – I tried like hell to direct movies I had written and books that I wanted to adapt for film. I tried so hard to do something beside television remakes but I couldn’t get anything going. That is where the sexism in the film industry becomes all too apparent. If I was a guy, I swear to God I would have been able to get my own shit going after „Wayne’s World“.
Filme:
The Decline of Western Civilization, Suburbia, The Boys Next Door, Hollywood Vice Squad, Dudes, The Decline of Western Civilization II: The Metal Years, Wayne’s World, The Beverly Hillbillies, The Little Rascals, Black Sheep, Senseless, Balls to the Wall
In Gegenüberstellung mit Kathryn Bigelows Zitat könnte man sich fragen, ob Penelope Spheeris da nicht auf den falschen zeigt, wenn sie die mangelnde Qualität ihrer Filme auf den Sexismus in Hollywood schiebt. Andererseits würde ich schon unterstellen, dass es diesen gibt, und es kann nun mal nicht jede Frau Kathryn Bigelow sein. In jedem Fall kann man an Spheeris‘ frühen Filmen erkennen, was eigentlich in ihr steckt, und hoffen, dass ihr noch einmal eine Chance für eigene Projekte gegeben wird.
(Im Blog meines Mannes gibt es zu zweien ihrer Filme Einträge.)

jeden tag

als ich meinem mann mal von den erlebnissen erzählte, die ich mit sexueller belästigung hatte (die früheste, wenn ich mich nicht täusche, schon im grundschulalter), war er angemessen betreten und fremd-beschämt. aber ich denke, gleichermaßen überrascht von der tatsache, dass es tatsächlich diese kleinen ekligen oder schmerzhaften momente auch in meinem leben gegeben hat. ich habe ihm diese anekdoten nur deswegen erzählt, weil wir zuvor ein gespräch darüber geführt hatten, wie schmerzhaft es für mich ist zu wissen, dass ich meine tochter vor diesen momenten nicht werde beschützen können, weil ich weiß, dass jede frau in ihrem leben mehr oder wengier traumatische erlebnisse hat.
in meinem fall waren es zwar nur „kleinigkeiten“ im vergleich zu den massiven übergriffen, die manche frauen erleiden. nichtsdestotrotz haben sie mich – als mensch, aber auch als frau – geprägt. sie haben dazu beigetragen, dass ich bestimmte situationen, körperhaltungen, ja, auch kleidungsstücke meide. ich definiere meine motivation dabei so, dass ich den tätern ihre sache so schwer wie möglich machen will; aber wir alle wissen, dass es auch immer wieder das opfer ist, das beschuldigt wird: „warum gehst du auch nachts alleine nach hause!“, „warum streckst du deinen po auch so heraus!“, „warum trägst du auch so kurze röcke!“
die tätlichen übergriffe, aber auch die mehr oder weniger subtilen verbalen sexismen unseres alltags werden aus aller welt auf der seite des everyday sexism project gesammelt. was man da liest, treibt einem die zornesröte ins gesicht. und es kann vielleicht auch befreiend sein, seine eigene geschichte, seinen eigenen ärger beizutragen. auf dass es manchem vielleicht noch die augen öffne.

the fast and the furious

rob cohen, USA 2001
bevor ich anfange: es muss klar sein, dass ich von dem film keine tiefenanalytischen erkenntnisse über die rolle der frau in der autobranche erwartet habe.
dennoch finde ich einige dinge an diesem filmgewordenen werkstatt-kalender bemerkenswert.
zum einen: trotz massenweise angehäufter klischees gelingt es dem film, sympathien für seine protagonisten zu wecken und in der autojagd zum höhepunkt echte spannung zu erzeugen. ich habe sogar zeitweise mein strickzeug ruhen lassen…
zum anderen fällt aus dem rahmen, dass michelle rodriguez, die sonst gerne in der rolle der verkappten oder auch offenen butch-lesbe besetzt wird, hier nicht nur wie immer die smurfette, sondern sogar den love interest von vin diesel spielen darf.
überhaupt ist das smurfette-prinzip in diesem (und auch den nachfolge-filmen) extrem ausgeprägt. es ist (fast… i’m looking at you, part 4!) immer eine frau dabei, die sich ebenso für autos interessiert, ebenso eine technikerin ist und ebenso gut autofahren kann wie die männlichen protagonisten. diese frauen unterscheiden sich sowohl im gehabe wie auch in ihrer kleidung auffällig vom stöckelwild, das die asphaltweiden des films sonst begrast. die frage, die mich dabei bewegt: gibt es diese frauenfiguren, um die weiblichen begleitpersonen der im publikum angesprochenen männer zu besänftigen? oder tatsächlich, um die randzielgruppe der schraubenden frauen anzusprechen? beides wäre in irgendeiner form wohl begrüßenswert…
(dass dem smurfette-prinzip auch eine gewisse realitätsnähe zuzusprechen ist, sage ich jetzt mal in klammern, weil ich mich damit nicht so lang auseinandersetzen will.)
worüber ich mir nicht im klaren bin: ob ich michelle rodriguez dafür applaudieren soll, die übliche tough broad auch in einem solchen male-gaze-vehikel* darzustellen (für die leidenschaftliche szene mit vin diesel applaudiere ich ihr, definitiv, ungefragt, unangefochten)? oder ob ich es nicht traurig und doof finde, dass sie sich diese rolle nicht für weniger sexistische, techno-erotische sci-fi- und ähnliche actioner aufhebt und sich diesem wirklich zum teil ekligen männer-frauen-bild zum werkzeug macht. andererseits: sie darf halt auch vin diesel küssen…
*male gaze: es fällt schon stark ins auge, dass die kamera ihre liebkosenden, intimen aufnahmen immer auf stromlinien-ebene der autos entlangfährt, wo sich zufälliger- und praktischerweise auch die brüste (oben) und hintern (unten) der frauen befinden, während ihre köpfe im limbo des bildschirmrandes verschwinden. die werden damit nicht nur zu gesichtsloser fleischmasse, sondern auch unverhohlen reduziert zu gebrauchsgegenständen und statussymbolen, wie autos eben. das ist mit sicherheit keine neue und bestechende erkenntnis, ich will es aber nicht unerwähnt lassen.
mein mann streift in seiner rezension auch immer wieder das unausweichliche, in diesem film wirklich aufdringliche thema der  geschlechterklischees, natürlich ohne sich darauf zu beschränken. er hat auch die weiteren teile 2 fast, 2 furious und the fast and the furious: tokyo drift besprochen. zu der anmerkung seinerseits, dass letzterer eine von den frauen über die ressource sex kontrollierte welt darstellt, möchte ich anmerken, dass diese welt aber auch die frauen nicht glücklicher machen kann – es handelt sich um eine absolute lose-lose-situation. denn ich sehe keine einzige frau, die weniger als kleidergröße 0 trägt oder im alter mehr als die zahl 2 vorne stehen hat – ganz abgesehen davon, dass die schwanzkontrolle auch nur funktioniert, wenn sich die frauen an die erwartungen der männer anpassen, wovon sie sich kontrollieren lassen. im overall, mit fettigen haaren und unrasierten beinen wird keine frau die kerle in dem film zu irgendwelchen tollkühnen rennen verführen können. wir können also als fazit festhalten: in der welt von tokyo drift ist eigentlich nur der/diejenige glücklich, der gerade im mondschein über japanische serpentinen driftet. und wer kann das schon die ganze zeit tun?