rückblick – ausblick

frauenfiguren portrait der autorinmit kopfhörern im onesie
ich, die person hinter frauenfiguren

was für ein jahr! und das nicht nur ganz allgemein, sondern auch für frauenfiguren und mich persönlich.

mit dem thema Wissenschaftlerinnen und einem zufälligen kurzen moment des ruhmes auf twitter kamen überraschend viele neue followys. der zusätzliche Zeitstrahl Frauen in der Wissenschaft hielt mich ziemlich auf trab. das war ja auch von vorneherein das ziel gewesen (mehr disziplin, weil mehr druck), hatte aber auch seine schattenseiten, in diesem jahr besonders, in dem ich wesentlich mehr zeit mit kindern zu hause war als vorher gedacht.

weil die planung für nächstes jahr noch lückenhaft ist – dazu komme ich gleich – und weil es sich nicht immer gut angefühlt hat, so vorangetrieben zu werden von der selbstgestellten aufgabe, gibt es im nächsten jahr wieder `nur´eine frau pro woche. dafür werde ich eventuell an anderer stelle (*hust*Instagram*hust*) versuchen, mehr auf ältere inhalte einzugehen. in jedem fall werde ich mehr andere dinge versuchen, die auf frauenfiguren aufmerksam machen sollen, ohne mir jedoch zu viel energie für die eigentliche arbeit am blog zu rauben.

ich möchte bald auch einmal etwas persönlicher werden und von meiner situation erzählen, die für dieses blog eine rolle spielt und für die dieses blog auch eine große rolle spielt. ich bin eine einzelne person hinter frauenfiguren, die leidenschaft und zeit hineinsteckt, und ich will und werde das weiterhin tun. gleichzeitig fühlt sich die etwas anonyme und meist wenig kommunikative arbeit hinter der seite oft einsam an. sehr oft frage ich mich, ob die arbeitet wirklich einen sinn hat, ob es eigentlich wirklich jemensch interessiert, ob dieser blick auf frauenfiguren in geschichte und geschichten vielleicht nicht zeitgemäß und völlig überholt ist – wo die feministische arbeit zum beispiel auf Instagram eine ganz andere, aktivistischere ist. sehr oft in diesem jahr habe ich mich gefragt, ob ich auch in diesem bereich meines lebens, der mir doch so am herzen liegt, überflüssig bin, fühle mich aussortiert als `feministin alter schule´und stelle mir trotzig vor, wie ich mich ganz und gar ins private zurückziehe, mit dem einzigen ehrgeiz, meine eigenen kinder feministisch zu erziehen.

das ist natürlich auch meine dysthymie, die daraus spricht, und noch will ich mich nicht völlig geschlagen geben von logarithmen und meiner unfähigkeit, serotonin zu verarbeiten. deswegen schluss auch jetzt mit dem selbstmitleid und her mit dem ausblick auf das kommende jahr. schon immer habe ich nach möglichkeit meine überzeugung als intersektionale feministin deutlich gemacht, BiWoC und queeren frauen, wenn sie zur wahl standen, den vorrang gegeben vor den weißen cis hetero frauen, die in der weißen cis-hetero-normativen welt schon einen vorsprung haben. im nächsten jahr wird es auf frauenfiguren jedoch im kalender allein um aktivistinnen bzw. aktivistys des intersektionalen feminismus gehen – der queeren/LGBTQA+ community, des antirassismus, der body positivity und ähnlichem. weil diese personen zu oft in anderen themenbereichen nicht vorkommen, und weil es meine überzeugung ist: my feminism will be intersectional or it will be shit.

ich werde hoffentlich bald zwei neue seiten veröffentlichen, die die alte `über/about´ersetzen sollen – `Über dieses Blog´, mit einer leichteren verlinkungen zu den themen der vergangenen acht jahre sowie der klaren positionierung zum intersektionalen feminismus, und `Über mich´, mit einem einblick in mein leben hinter frauenfiguren. außerdem möchte ich mehr andere texte – für dieses blog, aber vielleicht auch anderswo – schreiben, über filme, bücher, comics oder auch einfach nur über mein leben als feministische mutter, das mit den wachsenden kindern nicht weniger herausforderungen bietet. ich freue mich über alle, die bleiben und die vielleicht auch im nächsten jahr neu dazu kommen.

2 Comments

silke

Das klingt total spannend, und ich freue mich schon auf die frauenfiguren 2021! Persönlich finde ich deine Arbeit hier unglaublich spannend, lehrreich und bereichernd. Ich denke aber auch, dass diese Art des Feminismus über meine persönliche Meinung hinaus wichtig ist.

Klar, wir brauchen Aktivismus, wir brauchen nach vorn gerichtete Ideen – aber wir brauchen auch den Blick zurück, auf Frauenfiguren, die uns vorangegangen sind oder aktuell mit uns gehen. Das ist einerseits eine Frage der Gerechtigkeit – so viele tolle Frauen, die von der Geschichte vernachlässigt wurden, warum sollten wir ihnen auch noch diese späte Anerkennung verweigern? – und andererseits eine Gelegenheit zu lernen. Geschichte ist ein riesiges Tutorial für die Zukunft. Wenn wir von denen lernen, die vor uns Widerstände überwunden haben (oder an ihnen gescheitert sind), müssen wir nicht in jeder Generation das Rad neu erfinden. Feminismus sollte kooperativ und solidarisch sein – über Grenzen, Klassen, Ethnien, aber auch über die Zeit hinweg.

Deshalb finde ich deinen Blog richtig und wichtig. Feministische Arbeit hat viele Gesichter, viele Formen, und das ist gut. Es gibt so viel zu tun. Niemand kann alles abdecken, aber jeder Beitrag zählt.

Und: Ist nicht ein Ziel des Feminismus, der menschlichen Vielfalt Raum zu geben? Dann müssen wir auch im Feminismus selbst Vielfalt zulassen, Vielfalt in den Menschen, mit denen zusammen wir uns engagieren und in der Art unseres Engagements.

Langer Rede kurzer Sinn: Du und die frauenfiguren seid weder überflüssig noch überholt, sondern eine Bereicherung. Ich hoffe, dass du das eigentlich weißt – aber ich weiß, dass du das vermutlich trotzdem manchmal hören musst. Deshalb: Ganz viel Liebe für dich und deine Arbeit!

LeenaMPeters

Liebe Silke, ich danke dir für deine lieben, aufbauenden und, ja, hilfreichen Worte!
Ich glaube, ich vergesse beim Blick in die sozialen Medien zu oft, dass meine Abonnent:innen hier auf Blog ja tatsächlich Menschen sind, die zumindest regelmäßig mit Interesse hier vorbeischauen — und einige davon vielleicht auch gar nicht auf Instagram oder Facebook oder Twitter unterwegs sind! Mein Blick ist zu oft verstellt vom Impostor Syndrom und dem falschen Vergleich mit anderen auf anderen Kanälen. Dieses Blog hat mir in dunklen Zeiten geholfen und das war ganz zu Anfang ja mein eigentliches Ziel: Etwas zu tun, dass für mich richtig und wichtig ist.
Es wird jedenfalls weitergehen und sich wie indem letzten acht Jahren auch immer weiterentwickeln!

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