Kategorie: Internet

mädchen brauchen keine eigenen eier

bevor das ganze völlig vorüber ist – ich gebe zu, ich war schlicht faul in der letzten zeit – will ich hier natürlich und dringend noch auf die petition gegen die pinken ü-eier hinweisen, die Pinkstinks Germany ins leben gerufen hat.
auf der facebook-seite von Pinkstinks Germany sind einige mehr oder weniger hervorragende artikel zum thema verlinkt.
besonders in mir anklang gefunden hat der artikel, der die these aufstellt, es ist viel weniger ein hinweis für mädchen, welche ü-eier sie kaufen sollen, sondern eine warnung für jungs, welche sie auf keinen fall kaufen sollten. aus meinem eigenen nähkästchen geplaudert, habe auch ich als pink-hassende mutter (ich mag tatsächlich die farbe nicht, will aber auch die genderfizierung meiner tochter gerne so gering wie möglich halten) es nicht geschafft, rosa völlig aus dem kleiderschrank und kinderzimmer meiner tochter fernzuhalten. das ist aber auch kein problem: denn ich selbst verstehe, wie andernorts schon gesagt, den wahren feminismus auch als die wahl, sich einmal „feminin“ zu geben und bei anderer gelegenheit die geschlechterrolle zu durchbrechen und mir traditionell eher „männliche“ kleidung, verhaltensweisen oder vorlieben anzueignen. was ich allerdings an mir selbst bemerke: die rosanen oder lilanen kleidungsstücke mit blumen würde ich einem potentiellen neugeborenen jungen aus der verwandtschaft oder dem freundeskreis nicht weitervererben. denn rosa geht an mädchen genausogut wie urban camouflage. am jungen geht aber irgendwie dann doch nur urban camouflage…
wenn ich selbst über diese innere hürde komme, dann bin ich ein ganzes stück weiter, glaube ich.

it's about choice

man lernt jeden tag was neues. ich habe gelernt, dass die frau von neil gaiman eine musikerin und kabarettistin namens Amanda Palmer ist. erfreulich daran: ihre ansicht, was feminismus eigentlich ist, deckt sich mit dem, was sich so gerade an fragen, möglichkeiten und hoffnungen in meinem kopfherz bewegt.
ich für meinen teil weiß auch nicht, ob feminismus unbedingt männerhass und geschlechterkampf sein muss; wenn, dann kann ich auf die bezeichnung „feministin“ verzichten. bevorzugen würde ich, wenn feminismus bedeutet, dass ich als frau frei bin davon, dass mir aufgrund meines geschlechtes bezüglich äußerem, verhalten und vorlieben vorschriften gemacht werden. sowohl von seiten der konservativen rollenklischees wie auch der kämpferinnen für den „guten kampf“. diese freiheit würde ich dann selbstverständlich auch für männer ersehnen – eine kommentatorin des verlinkten artikels sagt sehr treffend, dass es beim feminismus ursprünglich um die gleichen rechte für frauen wie für männer geht; das heißt, dass er auch beinhaltet, die männer von ihren nachteiligen zwängen zu befreien. von daher ist das wort feminismus dann tatsächlich irreführend, aber bis jemand mit einem besseren wort kommt, dass sich durchsetzt, bleiben wir halt dabei. (vielleicht suche ich auch nur eine entschuldigung dafür, warum ich nicht widerstehen kann, meiner tochter auch die zehennägel zu lackieren, wenn sie „will auch!“ sagt. nach meinem gefühl jedenfalls geht es nicht darum, sich als frau so oder so verhalten zu müssen, sondern die freiheit der wahl zu haben, die freiheit, ein individuum zu sein. also: lackierte zehennägel zu haben, aber lieber turnschuhe als highheels zu tragen. als beispiel.)

ScissorSheldon.com

sarah silverman – um bei den wichtigen punkten anzufangen: sie ist klug und witzig. sie hat eine meinung (die ich günstigerweise oft teile). und – das ist ja ebenso wichtig, um aus einer erfolgreichen, starken frau keinen pseudo-mann zu machen: sie ist attraktiv und weiß sich „feminin“ in szene zu setzen.
sie hat jetzt eine seite gestartet – ernsthaft betrachtet: um darauf hinzuweisen, wie die konservativen milliardäre in den USA ihr geld in die wahlkampagnen des republikaners mitt romney pumpen. da werden natürlich klare interessen erkennbar.
es ist ihr humor, der das ganze so unschlagbar macht und die unterstützer der unterschiedlichen parteien so klar gegeneinander stellt: sie macht einem der milliadäre ein angebot, das er eigentlich kaum ausschlagen kann…

hier auch gleich der link zur seite!
PS: hier ein kritischer text dazu. jedes ding hat zwei seiten – ich find’s trotzdem noch lustig.

dicke, hässliche nutten außerhalb der küche

meine eigene erfahrung mit computerspielen begrenzt sich ja auf Civilization IV (oder so) auf dem eMac, ICO und Shadow of the Colossus auf der PS2 und einige harmlose Wii-Spiele. passiv noch ein paar PS2- und Wii-Spiele mehr. mit MPOG, MMOG oder MMPORG habe ich überhaupt keine erfahrung.
ich kann mir aber sowohl die faszination erklären als auch vorstellen, dass das einen heidenspaß macht, sowohl männern wie frauen. allerdings, nach dem, was ich in der letzten zeit gelesen habe, ist es für frauen doch ratsam, sich bei diesen gelegenheiten zumindest als ungeschlechtlich, wenn nicht gar als männlich auszugeben. denn in der gamer-community, unterstützt durch den online disinhibition effect, ist ein rüder, unangenehm diskriminierender umgangston normalzustand, der rassistische, homophobe und vor allem sexistische äußerung, belästigungen bis hin zum stalkertum und generelle scham-/charmelosigkleit begünstigt. das reicht von verhältnismäßig harmlosen fragen wie „zeigst du mir deine titten?“ oder „willst du meinen schwanz sehen?“ über die bezichtigung, als gamerin hässlich, fett oder besonders leicht zu haben sein zu müssen, weiter über einfallslose bitten, doch lieber in der küche ein sandwich zuzubereiten,  bis hin zu konkreten, wenn auch unrealistischen vergewaltigungs- und tötungsdrohungen oder -wünschen.
es wäre erschreckend, es wäre niederschmetternd, es wäre ein anlass, am guten im menschen – vor allem im menschen online – zu zweifeln. wenn es nicht die damen von fat, ugly or slutty und Not in the Kitchen Anymore gäbe. diese onlinegamerinnen haben es sich zur aufgabe gemacht, den sexismus in der gamer-community anhand täglich offensichtlich zahlreich eintrudelnder beispiele in ihren blogs zu dokumentieren und ihre weniger intellektuell priviligierten männlichen (und zum teil auch weiblichen) gamerkollegen allein durch die macht der eigenen dummheit zu diskreditieren. diese blogs sind das beste beispiel dafür, dass schamvolles schweigen die schlechteste reaktion auf diskirminierung ist und souveränes lachen über die beschränkten denkwelten anderer die beste. wie es eine bloggerin bei fat, ugly or slutty in einem beitrag schreibt: früher hat sie mit den schlimmsten befürchtungen ihr game-postfach geöffnet – nun freut sie sich geradezu, wenn sie mal wieder eine merkwürdige nachricht erhalten hat, weil sie sie auf dem blog teilen kann, um öffentlich mit anderen darüber zu lachen.*
bei manchen einträgen in beiden blogs stockt einem der atem über das ausmaß an dummbeutelei. aber einmal herzlich darüber gelacht, und schon fällt das atmen wieder leichter.
*es ist auch auf diesem blog, dass sich ein kleiner erfolg des anprangerns abzeichnet: in einem beitrag berichtet eine bloggerin darüber, dass ein ehemaliger onlinegamer sie kontaktiert hat mit der bitte, den beitrag, der auch seinen nickname verzeichnet, zu löschen – er sei jung und dumm gewesen und wolle nicht noch nach jahren der reifung als dieser idiot im internet zu finden sein. vielleicht werden noch mehr der übeltäter eines tages die pubertät hinter sich lassen und sich für ihre (jugendliche?) dummheit schämen. wenigstens ein paar.
PS: bei Cracked.com gibt es ganz frisch auch einen artikel über die rassistischen, sexistischen und homophoben züge von videospielen: 5 Prejudices That Video Games Can’t Seem to Get Over. lesenswert.

EXERGIE – butter dance von Melati Suryodarmo

an experimentalkunst scheiden sich ja die geister. das erörtert tairthea in diesem beitrag sehr schön. ich selbst entscheide da ganz aus dem bauch, was mir gefällt – ob etwas kunst sei oder nicht, würde ich mir nicht anmaßen wollen zu entscheiden. zu dieser performance jedoch kann ich nur sagen, dass sie mich schlicht gefesselt hat – der ausdruck des erschreckens in ihrem gesicht, wenn sie aus dem gleichgewicht gerät, und der der absoluten entschlossenheit gegen ende, wenn sie immer noch mal wieder aufsteht… mich trifft das einfach weniger im kopf als im bauch. irgendwie erkenne ich mich darin wieder – oder vielleicht auch nur ein wunschbild von mir selbst.

home is a place to start…

dat ass!


danke an onkel mo.

WEG MIT
§218!