Kategorie: Malerei

KW 1/2016: Elisabetta Sirani, 8. Januar 1638

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Elisabetta Sirani war eine von den Damen, die sich vom Mangel an Möglichkeit nicht abschrecken ließen und einfach ihre eigene Möglichkeit schufen. Mit Talent und Selbstbewusstsein ausgestattet, arbeitete sie bereits 17jährig als professionelle Malerin – natürlich gingen alle ihre Einnahmen in die Familienkasse (sprich: in die Kasse des Vaters), statt wie die der anderen Mitarbeiter anteilig in ihre eigene Kasse. Um für sich selbst und ihre Mutter zu sorgen, malte und verkaufte sie unter der Hand weitere Bilder. Da sie als Frau nicht an einer regulären Kunstakademie studieren konnte, gründete sie kurzerhand eine eigene Kunstakademie, an der sie mindestens 14 andere Künstlerinnen unterrichtete und förderte. Mit 27 Jahren verstarb sie wahrscheinlich an den Folgen eines durchgebrochenen Magengeschwürs.

Bild: By Elisabetta Sirani, Public Domain

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Um die Überschaubarkeit weiblicher Rollenvorbilder besonders in den Jahren vor dem 19. Jahrhundert zu demonstrieren, liste ich (versuche ich zu listen) in diesem Jahr alle Frauen der Woche vor 1800, denen einen Wikipedia-Artikel gewidmet ist.

Von um die 230 relevanten Personen vor 1800 sind diese 15 (inklusive Elisabetta Sirani) Frauen:
06.01.1256 Gertrud von Helfta
06.01.1412 Jeanne d’Arc
10.01.1480 Margarete von Österreich
07.01.1528 Jeanne d’Albret
07.01.1591 Dorothea von Sachsen
09.01.1624 Meishō
06.01.1655 Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg
10.01.1748 Franziska von Hohenheim
07.01.1753 Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg
05.01.1762 Constanze Mozart
05.01.1763 Johanne Justine Renner
05.01.1780 Claire Élisabeth Jeanne Gravier de Vergennes
07.01.1796 Charlotte Augusta von Wales
10.01.1797 Annette von Droste-Hülshoff

KW 51/2015: Annemie Fontana, 14. Dezember 1925

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Weil ich gerade einen Run habe und man ja nicht weiß, was bis Jahresende noch dazwischenkommt, mache ich es mir diese Woche mit einer visuell ansprechenden Künsterin leicht.
Fontanas Werk umfasst Siebdrucke sowie Skulpturen aus Metall und Polyester.

Google-Ergebnisse Annemie Fontana

Google-Ergebnisse Annemie Fontana

KW 45/2015: Erika Abels d’Albert, 3. November 1896

Erika Abels d'Albert

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In meinem Wunsch, die Frauen sichtbar zu machen, die in der Geschichte gewirkt und unter den Massen berühmter Männer unsichtbar geworden sind, helfen mir natürlich eigentlich diejenigen Figuren, über die möglichst viel bekannt ist. Je klarer ein Profil zu zeichnen ist, desto deutlicher scheint es hervor.

Gleichzeitig sind natürlich die Frauen, von denen wir wenig wissen können, nur, dass es sie gab und sie in irgendeiner Form einen Abdruck hinterlassen haben, in ihrer mysteriösen Ungreifbarkeit spannend und wecken die Neugier. Je weniger diese befriedigt werden kann, desto nachhaltiger ihre Faszination – wie ein Rätsel, das man nicht lösen kann und zu dem man deshalb immer wieder zurückkehren muss.

Erika Abels d’Albert war eine Künstlerin, die in den 1920er Jahren arbeitete und ausstellte. Von ihren Werken sind heute noch drei in gesicherter Originalität in Museen vorhanden – Fotos davon sucht man im Netz vergeblich.

Um einen höheren Bekanntheitsgrad für sie bemüht ist eine Webseite, auf der auf einen Blick alle sieben (!) von ihr existenten Fotografien zu sehen sind. Ich würde mich freuen, wenn sich in Zukunft mehr einfinden würde. Vor allem von ihr entworfene Mode würde mich interessieren.

Bild: Von Carl Pietzner (* 1853, † 1927) – Zeitschrift Sport und Salon, 06. 12. 1913, S. 11, Bild-PD-alt

KW 26/2013: Aloise Corbaz, 28. Juni 1886

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Aloise Corbaz ist eine Künstlerin der Art Brut oder Outsider Art. In dem Großteil ihres Lebens, den sie wegen Schizophrenie in Psychiatrischen Anstalten verbrachte, zeichnete und malte sie ihre kruden, üppigen und überfüllten Bilder, die durch den Künstler Jean Dubuffet gesammelt und als Werke der Art Brut ausgestellt wurden.

Während schon „gesunde“ Künstler einen ästhetisch-analytischen Blick auf die Gesellschaft haben, in der sie leben, ist es der fast außerirdische Blick auf die Gesellschaft – und die ab-normen (= abweichend von dem, was wir gewohnt sind) Einblicke ins Innenleben – der Art Brut Künstler, der an den Bildern so faszinierend ist. Das Leid, unfreiwillig aus dem Rahmen zu fallen, und die obsessive Notwendigkeit, diesem Leid Ausdruck zu verleihen, ist in diesen Bildern offenbar.

Google-Ergebnisse für Aloise Corbaz

KW 8/2013: Yoko Ono, 18. Februar 1933

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Ich weiß von Yoko Ono viel weniger als ich sollte, um meine Sympathie für sie zu rechtfertigen. Als junge Beatles-Hörerin wurde sie mir selbstverständlich bekannt als „die Frau, die die Beatles kaputtgemacht hat“. Wobei ich nicht einmal in meiner schwärmerischsten, pubertärsten Phase daran geglaubt habe, dass eine Person, wie bösartig sie auch sei, erstens in der Lage noch zweitens willens sein könnte, die Beatles absichtlich zu ruinieren.

Als ich alt genug war, um der Frage „Wer ist Yoko Ono eigentlich?“ nachzugehen, war das Internet noch nicht so weit, mir dies zu beantworten.
Jetzt sind endlich das Internet und ich so gute Freunde, dass ich die Frage gründlich beantworten konnte und mich ab jetzt als Yoko-Fan bezeichnen werde.

Zu dem ganzen Beatles-Thema ist nur folgendes zu sagen:

1. Yoko Ono hatte die Beziehung zu John Lennon nicht nötig, sie war bereits eine vielversprechende Künstlerin und hatte in ihrer Welt – von der die zahlreichen Beatles-Fans bei ihrem Auftauchen höchstwahrsheinlich unbeleckt waren – nicht nur Erfolg, sondern bekannte und geschätzte Kollaboranten. John Lennon konnte sich, so muss man es eigentlich sehen, glücklich schätzen, dass er Yoko begegnete, als er gerade dabei war, sich selbst neu zu (er)finden; tatsächlich bin ich überzeugt, dass ihre Beziehung auf der Ebenbürtigkeit der beiden als Künstler beruhte.

Und 2. Leute, die behaupten, Yoko Ono sei schuld am Zerbrechen der Beatles, sagt etwas sehr sehr Übles über John Lennon, nämlich dass er selbst nicht Rückgrat genug hatte, um seine Beziehung zu seinen Bandkollegen entgegen den Intrigen seiner Geliebten zu retten. Es mag sein, dass John seine Beziehung mit Yoko zum Anlass genommen hat, sich weiter von den Beatles fortzuentwickeln – das ist aber noch immer seine und nicht ihre Verantwortung. Und inzwischen wissen wir ja nun alle, dass es schon vor Yoko Ono bei den Beatles gekriselt hat.

Yoko Ono ist eine Frau mit einer sehr eigenen, faszinierenden Geschichte und einem vielseitigen Portfolio an Werken. Zu manchen davon mag der Zugang schwierig sein, zu anderen leichter – sie ist jedoch in keiner Hinsicht eine selbstpostulierte Künstlerin. Fluxus-Künstler, Jazz-Musiker und Filmemacher haben mit ihr gearbeitet, schon bevor sie mit dem Beatle liiert war. Und dass sie ihre Schaffenskraft auch darauf verwendet, ihre eigenen Erinnerungen und die der Welt an John Lennon zu zelebrieren und seinen Tod zu verarbeiten, kann man ihr meines Erachtens nicht vorwerfen.

Ein paar Beispiele ihrer Kunst mal vorgestellt: Ihr Cut Piece ist Performance Art der ersten Stunde. Mit ihrem Wishtree vereint sie omnikulturelle Vorstellungen von der Kraft, die Wünschen innewohnt, mit einem globalen Happening. Sie kämpft für die Gleichberechtigung von Mann und Frau, hat Humor und setzt sich generell für die richtigen Dinge ein (Akzeptanz von Homosexualität, den Kampf gegen HIV/AIDS). Dass so viele sie unerträglich finden, liegt vielleicht nur daran, dass es uns schwerfällt, eine Frau zu akzeptieren, die so ohne Zögern und Scheu ihr Ding durchzieht. More power to you, Yoko.

PS: Zu ihrem Geburtstag lädt Yoko Ono ihre Fans (auf Facebook und Instagramm) ein, an ihrem weltumgreifenden Projekt smilesfilm mitzuwirken und ihr ein Foto zum Geburtstag zu schicken.

Bild: By Marcela Cataldi Cipolla – Own work, CC BY 3.0

KW 36/2012: Gala Éluard Dalí, 7. September 1894

Gala Élouard Dalí

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Über Gala ist sicherlich schon ausreichend geschrieben worden. Ich möchte nur dazu einladen, das Geschriebene zu lesen: Mich hat der Artikel auf Wikipedia schon gefesselt und daher konnte ich auch nicht widerstehen, sie zur Frau dieser Woche zu küren.

Man sehe sich nur dieses Portrait von ihr an. Das ist die Muse, die mehrere Künstler – Dichter und Maler – verwirrt, betört, erhoben und gebannt hat. Man würde eine überirdische Schönheit oder zumindest eine verführerisch zurechtgemachte  Diva erwarten – ich zumindest. Doch stattdessen blickt uns eine durchschnittlich attraktive, schlichte Person entgegen; mit entschlossener Klarheit und entblößter Brust zwar, aber doch nicht mehr als eine einfache Frau.

Um mich angesichts des langen verlinkten Wiki-Textes kurz zu fassen: Gala Dalí fasziniert mich als Frau, die für ihre Zeit modern und ungewöhnlich bissig gewesen zu sein scheint. Ein Gegenbeispiel für den „angeborenen“ und „unausweichlichen“ Mutterinstinkt. Keine Muse, die durch bloße Anwesenheit und ätherische Schönheit, sondern durch fordernde Schubkraft und Selbstinszenierung ihrer selbst den jeweiligen männlichen Künstler an ihrer Seite zum Erfolg trieb. Eine Frau, die keine Hemmungen hatte, Beziehungen einzugehen und parallel zu unterhalten zu den Männern, von denen sie sich auch Erfüllung ihrer eigenen Bedürfnisse – nach Ruhm, nach Anerkennung – versprach. Und schließlich eine Frau, die in der Lage war, ihre Position realistisch zu betrachten und die Funktion der Muse zumindest an eine Jüngere abzutreten – ohne dabei auf Eitelkeit zu verzichten und die Liebe ihres Lebensgefährten zu verlieren.
Manchmal muss man schlicht seinen Impulsen folgen. Auch wenn dann die Worte fehlen, den Impuls zu begründen.

Bild: „Galarina“; 1944 portrait of Gala Dalí by Salvador Dalí. The original painting is in the Teatre Museu Gala Salvador Dalí in Figueres, Catalonia, Spain.

KW 35/2012: vier Malerinnen

30. August 1855: Evelyn de Morgan
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Evelyn de Morgan: The Love Potion

WDM27975 The Love Potion, 1903; by Morgan, Evelyn De (1855-1919); oil on canvas; 104.1×52.1 cm; © The De Morgan Centre, London; English, out of copyright

 

Evelyn de Morgan: The Storm Spirits

By Evelyn De Morgan – [1], Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1147007


30. August 1908: Leonor Fini
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Leonor Fini Google-Ergebnisse Frauenfiguren
01. September 1886: Tarsila do Amaral
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Tarsila do Amaral Google-Ergebnisse Frauenfiguren
02. September 1864: Séraphine Louis
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Séraphine Louis Google-Ergebnisse Frauenfiguren

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