Kategorie: Kunst

KW 36/2012: Gala Éluard Dalí, 7. September 1894

Gala Élouard Dalí

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Über Gala ist sicherlich schon ausreichend geschrieben worden. Ich möchte nur dazu einladen, das Geschriebene zu lesen: Mich hat der Artikel auf Wikipedia schon gefesselt und daher konnte ich auch nicht widerstehen, sie zur Frau dieser Woche zu küren.

Man sehe sich nur dieses Portrait von ihr an. Das ist die Muse, die mehrere Künstler – Dichter und Maler – verwirrt, betört, erhoben und gebannt hat. Man würde eine überirdische Schönheit oder zumindest eine verführerisch zurechtgemachte  Diva erwarten – ich zumindest. Doch stattdessen blickt uns eine durchschnittlich attraktive, schlichte Person entgegen; mit entschlossener Klarheit und entblößter Brust zwar, aber doch nicht mehr als eine einfache Frau.

Um mich angesichts des langen verlinkten Wiki-Textes kurz zu fassen: Gala Dalí fasziniert mich als Frau, die für ihre Zeit modern und ungewöhnlich bissig gewesen zu sein scheint. Ein Gegenbeispiel für den „angeborenen“ und „unausweichlichen“ Mutterinstinkt. Keine Muse, die durch bloße Anwesenheit und ätherische Schönheit, sondern durch fordernde Schubkraft und Selbstinszenierung ihrer selbst den jeweiligen männlichen Künstler an ihrer Seite zum Erfolg trieb. Eine Frau, die keine Hemmungen hatte, Beziehungen einzugehen und parallel zu unterhalten zu den Männern, von denen sie sich auch Erfüllung ihrer eigenen Bedürfnisse – nach Ruhm, nach Anerkennung – versprach. Und schließlich eine Frau, die in der Lage war, ihre Position realistisch zu betrachten und die Funktion der Muse zumindest an eine Jüngere abzutreten – ohne dabei auf Eitelkeit zu verzichten und die Liebe ihres Lebensgefährten zu verlieren.
Manchmal muss man schlicht seinen Impulsen folgen. Auch wenn dann die Worte fehlen, den Impuls zu begründen.

Bild: „Galarina“; 1944 portrait of Gala Dalí by Salvador Dalí. The original painting is in the Teatre Museu Gala Salvador Dalí in Figueres, Catalonia, Spain.

immortals

tarsem singh, USA 2011
anlässlich der sichtung dieses finster-raphaelitischen gemäldes von einem film möchte ich mal über eine frau sprechen, deren arbeit im film, wenn man es weiß, unverkennbar und unabdingbar für die tarsem-ästhetik ist.
eiko ishioka ist die kostümbildnerin von tarsem singh für the cell, the fall, immortals und mirror, mirror gewesen. davor hat sie als kostümbildnerin schon coppolas bram stoker’s dracula optisch geprägt. davor hat sie paul schraders mishima – a life in four chapters ausgestattet. und bevor sie kostümbildnerin beim film wurde, hatte sie sich bereits in japan mit werbung und modedesign einen namen gemacht. leider ist sie anfang diesen jahres verstorben, wie ich bei der recherche bei der new york times lesen musste. kurze artikel zu ihr gibt es auch bei Wiki deutsch und Wiki englisch.
über jemanden, dessen lebenswerk so im visuellen besteht, will ich aber nicht weiter schreiben, lieber bilder teilen. nur kurz sei gesagt: wegen der phantastischen kostüme, aber auch der gesamten inszenierung, fand ich immortals unglaublich stark und die wirkung seiner bilder über seine dauer hinweg anhaltend. die liberal gehandhabte griechische mythologie beiseite, ist die merkwürdig tableauartige bildgestaltung, die mich manches mal an luxuriös ausgestattete bühnenbilder erinnerte, im nachhinein der einzig denkbare weg, mythologie, archtypen und kulturelle memes im film darzustellen. alles ist gewichtig und gravitätisch, mit einer unglaublichen wucht, die einem jedes einzelne jahr des pergamon-altars und des ischtar-tores auf die seele legt. mein mann ist da relativ d’accord, wie ich meine.

werbung für parco, idee und design von eiko ishioka:

kostüme und production design für mishima- a life in four chapters:

bram stoker’s dracula:


the cell:


the fall:


immortals:

KW 35/2012: vier Malerinnen

30. August 1855: Evelyn de Morgan
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Evelyn de Morgan: The Love Potion

WDM27975 The Love Potion, 1903; by Morgan, Evelyn De (1855-1919); oil on canvas; 104.1×52.1 cm; © The De Morgan Centre, London; English, out of copyright

 

Evelyn de Morgan: The Storm Spirits

By Evelyn De Morgan – [1], Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1147007


30. August 1908: Leonor Fini
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Leonor Fini Google-Ergebnisse Frauenfiguren
01. September 1886: Tarsila do Amaral
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Tarsila do Amaral Google-Ergebnisse Frauenfiguren
02. September 1864: Séraphine Louis
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Séraphine Louis Google-Ergebnisse Frauenfiguren

KW 32/2012: eine Möbeldesignerin, eine Keramikdesignerin

Eileen Gray, 9. August 1878
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Eileen Gray Google-Ergebnis Frauenfiguren

Margerete Heymann-Loebenstein-Marks, 10. August 1899
Wiki deutsch
Margarete Loebenstein-Marks Google-Ergebnis Frauenfiguren

Sie interessiert mich nicht nur wegen ihrer umwerfenden schönen, klaren und farbenfrohen Designs, sondern auch, weil die Geschichte um ihre Enteignung im Dritten Reich und die anderen Frauen, die dabei eine Rolle spielten, nämlich Hedwig Bollhagen und Gretel Schulte-Hostedden (die 2 Tage und 3 Jahre später, am 12. August 1902 geboren wurde und also auch ein Geburtstagskind dieser Woche ist), mich fesselt. Die Frage, die mich dabei beschäftigt, ist, wie problematisch ich das sehe, dass die beiden anderen Designerinnen von dieser Enteignung so profitiert haben – auch wenn Gretel Schulte-Hostedden sich ganz klar gegen das Naziregime geäußert hat. Da sind so viele Grauzonen drin, dass ich mit meinen Überlegungen zu keinem Schluss kommen kann.
Übrigens gibt es einen schönen Beitrag über sie bei Margaret Almon, bei dem ich auch die Bilder oben gefunden habe.

KW 31/2012: Gerda Taro, 1. August 1910

Gerda Taro-Anonymous

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Mal wieder eine Fotografin… Dieses Mal aber nicht nur wegen des schnellen Artikels mit wenig Text, sondern weil sie mich an eine der wenigen Lektüren in meinem Studium erinnert, bei der ich wirklich ein „Schuppen von den Augen“-Gefühl hatte, was politische Geschichte angeht. Aber dazu gleich.

Gerda Taro war eine Fotografin, die sich vor allem durch ihre Bildzeugnisse aus dem Spanischen Bürgerkrieg einen Namen machte und die erste (?) Kriegsreporterin, die diesem Konflikt im weiteren Sinn zum Opfer fiel (sie wurde in einem Unfall eines Krankentransportes mit einem Panzer tödlich verletzt).

Sie hat dieses eine Foto geschossen, dass (nicht nur) ich ganz besonders toll finde – ohne mich dabei für bewaffnete Konflikte aussprechen zu wollen (schon aber pro Revolution, wenn die Umstände es verlangen).

Vom Spanischen Bürgerkrieg habe ich mir erst so richtig ein Bild machen können, als ich George Orwells Homage to Catalonia (Mein Katalonien) gelesen habe. Mit Sicherheit nicht eines seiner literarisch besten Bücher, aber ein erschütternder Einblick in die zerrütteten Verhältnisse der Linken im damaligen Europa. Inklusive der Erkenntnis, dass es den Alliierten beim Krieg gegen Hitler nicht so sehr um seine Rassen- als vielmehr um die Expansionspolitik ging… das war mir bis zu dem Zeitpunkt nie so klar gewesen, dass da rein wirtschaftliche Interesse der Antrieb waren. Die im isolierten Spanien keine Rolle spielten, in dem doch auch massenweise Menschen aufgrund ihrer politischen Orientierung (oder auch ihrer Religion, von anderer Seite, dies soll nicht verschwiegen werden) umgebracht wurden. Dass der Faschist Franko noch jahrelang Kommunisten und Regimekritiker umbringen konnte, ohne dass ihm die Alliierten auch nur auf die Finger gehauen hätten, hing dann natürlich auch noch mit dem Kalten Krieg zusammen. George Orwells Desillusionierung im Spanischen Bürgerkrieg ist jedenfalls dann 1984 geschuldet. Wenige Bücher haben meine politische Meinungsbildung aber so sehr geprägt wie sein Erfahrungsbericht aus Katalonien.

Eine Erläuterung, warum Taro so lange unbekannt im Schatten ihres Kollegen und Geliebten Robert Capa blieb, bietet ein Artikel beim Telegraph. Und die Bildersuche nach Gerda Taro hat mich zu diesem ausgesprochen interessanten und differenzierten Artikel gebracht, der die Frage stellt, ob Männer und Frauen unterschiedliche Fotos machen… eine Frage, die mit vielerlei Argumenten unbeantwortet bleibt.

Bild: By Anonymous (icp.org) [Public domain], via Wikimedia Commons

KW 28/2012: Aiga Rasch, 9. Juli 1941

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Meine Gefühle für Aiga Rasch sind jenseits der Worte.

Aiga Rasch
Nur vier ihrer Coverkunstwerke für die drei ???. Sie hat eine eigene Website, es gibt natürlich eine ???-Fanseite und für mich als ursprüngliche ???-Leserin (!) ist diese Liste wichtig. Aufschlussreich für einige Popkulturreferenzen ist der Eintrag über die ??? beim englischen Wikipedia: Jupiter Jones ist der englische Justus Jonas.

Jetzt habe ich Lust, die Bücher alle noch mal zu lesen. Leider sind sie zum Teil einer Kellerüberschwemmung zum Opfer gefallen. (Mein Herz blutet, wenn mir das wieder einfällt.)

Bild: By Lapathia – Own work, CC BY-SA 3.0

KW 24/2012: zwei Künstlerinnen

Anni Albers, Textildesignerin/Weberin, 12. Juni 1899
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Es gibt eine Albers Foundation, einen Eintrag bei FemBio und auf der Bauhaus-Seite (Anni Albers, fotografiert von Lucia Moholy).

Google-Ergebnisse für Anni Albers Textile

Ilse Schüle, Typografin, 17. Juni 1903
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Ilse Schüle entwarf die Schrift Rhapsodie:

Google-Ergebnisse für Ilse Schüle Rhapsodie

Ich hatte noch nie eine Typografin im Kalender… Einige Informationen zur Schrift findet man auf Fraktur.de. Wenn man „Ilse Schüle Rhapsodie“ googlet, findet man unheimlich viele Bilder von wunderschönen bis irrwitzigen Schriften.

EXERGIE – butter dance von Melati Suryodarmo

an experimentalkunst scheiden sich ja die geister. das erörtert tairthea in diesem beitrag sehr schön. ich selbst entscheide da ganz aus dem bauch, was mir gefällt – ob etwas kunst sei oder nicht, würde ich mir nicht anmaßen wollen zu entscheiden. zu dieser performance jedoch kann ich nur sagen, dass sie mich schlicht gefesselt hat – der ausdruck des erschreckens in ihrem gesicht, wenn sie aus dem gleichgewicht gerät, und der der absoluten entschlossenheit gegen ende, wenn sie immer noch mal wieder aufsteht… mich trifft das einfach weniger im kopf als im bauch. irgendwie erkenne ich mich darin wieder – oder vielleicht auch nur ein wunschbild von mir selbst.

home is a place to start…

KW 21/2012: Katharina Szelinski-Singer, 24. Mai 1918

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Wenn ich so auf der Suche nach der Frau der anstehenden Woche durch die Geburtstagsliste auf Wikipedia klicke, überspringe ich „deutsche Bildhauerin“ meistens, weil mir bei dieser Wortkombination nur sperrige Beton-Kupfer-Skulpturen vorschweben, an denen man sich in Fußgängerzonen oder an  Parkwegen vorbeiducken muss, damit sie einem nicht das Auge oder die Leber ausstechen. Aufgrund völlig irrational bestehender gute Laune und entspannter Arbeitslage habe ich mir – schon gar bei dem Namen Szelinski-Singer – erlauben wollen, meine Vorurteile zu bestätigen.
Hat sich was. Katharina Szelinski-Singer hat nicht nur schöne Skulpturen gemacht, sie hat in ihrem Lebenswerk auch etwas mit mir bzw. diesem blog gemein, nämlich die Frauenfiguren. Dem kann ich selbstverständlich nicht widerstehen.
Am besten gefällt mir von ihr eine eher untypische Kleinplastik namens Die Last. Vielleicht, weil sie mich an meine Tochter erinnert, die auch gerne mit schweren Taschen und Köfferchen durch die Wohnung spaziert und dabei „Tschüß, bis heute abend!“ ruft. Vielleicht auch, weil die Haltung so natürlich ist, die getragene Last durch das unterstützende Knie sehr deutlich spürbar ist und dennoch der zur Balance ausgetreckte Arm der Figur etwas Leichtfüßiges, Schwebendes gibt.

Bild: Von Katharina Szelinski-Singer als Bildhauerin, Peter Trubiroha als Fotograf – photo taken by Peter Trubiroha, CC BY-SA 3.0

Bekannt, wenn man es so nennen kann, ist sie für ihre Skulptur Trümmerfrau in Berlin, der frühe (verfrühte?) Höhepunkt ihrer Karriere (siehe Wikipedia).

Bild: Von Lienhard Schulz – Eigenes Werk, CC BY 2.5

Der Tagesspiegel hat einen Nachruf auf sie geschrieben.

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