Kategorie: Kunst

building body love, bit by bit

wer’s wegen facebook-abstinenz oder aus anderen gründen noch nicht gesehen hat, der kann sich auf der homepage des künstlers Jamie McCartney die gesammelten materialien zu seiner Wall of Vagina ansehen. oder, etwas wengier umständlich, direkt auf der seite des kunstprojekts Great Wall of Vagina.
in einer welt, in der immer mehr des weiblichen körpers der beurteilung und bearbeitung anheimfällt, ist es sehr angenehm, die große variabilität von 400 vulven zu sehen und darinzu erkennen, dass alles mögliche normal ist – unser eigener körper also wahrscheinlich auch. dabei ist es wunderbar frei von unangebrachter fetischisierung, von objektifizierung durch einen dominant männlichen blick und von exotizismus – sie sind alle unterschiedlich und ihrer einzigartigkeit schön und „normal“.

KW 44/2013: Zaha Hadid, 31. Oktober 1950

Zaha Hadid

Wiki deutsch Wiki englisch
Das ist der zu Recht stolze Blick der ersten Frau, die 2004 den Pritzker Achitektur-Preis gewann (der sowas wie das Architekten-Äquivalent des Nobelpreises ist). Die geborene Irakerin hat schon als Kind ihr Kinderzimmer selbst entworfenen und einen Abschluss in Mathematik. Nachtrag: Im Jahr 2016 erlag Hadid 66-jährig einem Herzinfarkt.

Von ihr entworfene Gebäude sind überall auf der Welt zu finden und an den kühnen Linien und kybernetisch anmutenden Kompositionen zu erkennen.
Eine Auswahl ihrer abgeschlossenen Projekte:

Das Phaeno-Center in Wolfsburg:

Google-Ergebnisse für Phaeno Wolfsburg

Google-Ergebnisse für Phaeno Wolfsburg

Annex zum Ordrupgaard Museum Kopenhagen:

Google-Ergebnisse für Ordrupgaard Museum Kopenhagen

Google-Ergebnisse für Ordrupgaard Museum Kopenhagen

MAXXI National Museum of the 21st Century Arts in Rom:

Maxxi Museum of 21st Century Art Rom

Maxxi Museum of 21st Century Art Rom

Opernhaus in Guangzhou:

Google-Ergebnisse für Opera Gangzhou

Google-Ergebnisse für Opera Gangzhou

Aquatics Centre for 2012 Summer Olympics in London:

Google-Ergebnisse für Aquatics Centre London

Google-Ergebnisse für Aquatics Centre London

Heydar Aliyev Kulturzentrum in Baku, Aserbaidschan:

Google-Ergebnisse für Heydar Aliyev

Google-Ergebnisse für Heydar Aliyev

Bild: Von Dmitry Ternovoy, FAL

KW 40/2013: Ida Rubinstein, 5. Oktober 1885

Wiki deutsch Wiki englisch
Wenn Igor Strawinski, ein Mann, der ungeachtet seiner kompositionellen Erfolge offenbar ein chauvinistisches Arschloch war, sie als „die dämlichste Frau der Kunstwelt“ bezeichnet, ist das eigentlich eine Adelung, etwas, was eine Frau wie Ida Rubinstein wie einen Orden am Revers tragen sollte.

Sie war keine ausgebildete Tänzerin, aber sie wurde in die Ballets Russes aufgenommen. Sie war groß und schlank und offenbar – typisch für eine Frau im frühen 20. Jahrhundert – künstlerisch und sexuell selbstbewusst. Sie war höchst gebildet und gleichzeitig die erste Frau, etwa 20 Jahre vor der skandalösen Josephine Baker, die fast nackt auf der Bühne unverhüllt erotisch tanzte.

Ida Rubinstein war die Tänzerin, für die Ravel den Boléro schrieb. Meine Lieblingsanekdote aus dem Wiki-Artikel: Wie Ravel auf den schockierten Ausruf einer Zuschauerin „Hilfe, ein Verrückter!“ erwiderte: „Die hat’s kapiert.“ So gut schreiben heute nicht mal mehr Drehbuchautoren.

Wer im Boléro nicht eine eindeutig sexuelle Komponente entdeckt, hat möglicherweise keinen Unterleib. Um es aber ganz deutlich zu zeigen, habe ich mich mal nach Performances des Boléro umgeschaut und bin dabei auf eine gestoßen von einer Ballerina (heißt das so oder ist das politisch inkorrekt?), die nicht nur sehr beeindruckend in ihrem Körperausdruck ist, sondern sogar, wie mir scheint, Ähnlichkeit mit Ida Rubinstein hat. Ihre Interpretation des Boléro – eine Choreographie für eine Frau und 20 (!) Männer – hat so viel Lebensenergie, Sex und Schwung. Wie ihr strenger Gesichtsausdruck höchster Konzentration sich in den letzten Minuten in einem befreiten Lachen voller Lust am Körper auflöst, das ist Glück.

Ravel Bolero Maya Plisetskaya

KW 37/2013: Elsa Schiaparelli, 10. September 1890

Wiki deutsch Wiki englisch
Ein reiner Lustbeitrag – als Grenzgängerin kann ich Elsa Schiaparelli höchstens geltend machen für ihren Flirt mit und ihren Einfluss auf die Kunst des Dadaismus.

So hat sie unter anderem mit Dalí an Kleidern gearbeitet, die in die Modegeschichte eingingen:

Elsa Schiaparelli Designs Google-Ergebnisse

Warum ich solche Lust auf sie hatte? Weil sie ihren Eintritt in die Modewelt hatte mit einem selbstgestrickten Pullover. Das legt sie mir näher ans Herz als alle anderen Kandidatinnen diese Woche, etwa Irène Joliot-Curie oder Laura Secord. Das hier ist der Pullover:

Else Schiaparelli Bowknot Sweater Google-Ergebnisse

Inspiriert davon habe ich sogar mal ein Wollkleid für meine Tochter (das leider nur sehr wenig getragen wurde):

Eigenes Design inspiriert von Elsa Schiaparelli (gestrickt)
Eigenes Design inspiriert von Elsa Schiaparelli (gestrickt)

KW 26/2013: Aloise Corbaz, 28. Juni 1886

Wiki deutsch Wiki englisch Wiki französisch
Aloise Corbaz ist eine Künstlerin der Art Brut oder Outsider Art. In dem Großteil ihres Lebens, den sie wegen Schizophrenie in Psychiatrischen Anstalten verbrachte, zeichnete und malte sie ihre kruden, üppigen und überfüllten Bilder, die durch den Künstler Jean Dubuffet gesammelt und als Werke der Art Brut ausgestellt wurden.

Während schon „gesunde“ Künstler einen ästhetisch-analytischen Blick auf die Gesellschaft haben, in der sie leben, ist es der fast außerirdische Blick auf die Gesellschaft – und die ab-normen (= abweichend von dem, was wir gewohnt sind) Einblicke ins Innenleben – der Art Brut Künstler, der an den Bildern so faszinierend ist. Das Leid, unfreiwillig aus dem Rahmen zu fallen, und die obsessive Notwendigkeit, diesem Leid Ausdruck zu verleihen, ist in diesen Bildern offenbar.

Google-Ergebnisse für Aloise Corbaz

KW 11/2013: Diane Arbus, 14. März 1923

Wiki deutsch Wiki englisch
Diane Arbus interessierte sich bei ihren Motiven für die Randexistenzen, die Exzentriker – und inszenierte auch die, die nicht dazu gehörten, auf die gleiche Weise: als merkwürdig normal in ihrer individuell gestalteten ‚Abartigkeit‘. So wirkt die ganze Welt in Arbus‘ Bildern wie das, was am treffendsten mit dem amerikanischen Carneval beschrieben ist – eine Mischung aus unserem deutschen Zirkus und Kirmes, ein reisendes Sammelsurium an Außenseitern, Rastlosen und Andersartigen.
Das macht sie in meinen Augen nicht weniger schön – zu ihren Bildern höre ich einen Soundtrack aus Tom Waits und Nick Cave, da weht ein kühler Wind von Einsamkeit, die auch Freiheit bedeutet, eine Lossagung vom comme-il-faut.

Einen Artikel zu einer Ausstellung vergangenen Sommer, gespickt mit ein paar Details und schönen Zitaten, kann man auf Zeit Online lesen.

Google-Ergebnisse für Diane Arbus

KW 8/2013: Yoko Ono, 18. Februar 1933

Wiki deutschYoko Ono Wiki englisch

Ich weiß von Yoko Ono viel weniger als ich sollte, um meine Sympathie für sie zu rechtfertigen. Als junge Beatles-Hörerin wurde sie mir selbstverständlich bekannt als „die Frau, die die Beatles kaputtgemacht hat“. Wobei ich nicht einmal in meiner schwärmerischsten, pubertärsten Phase daran geglaubt habe, dass eine Person, wie bösartig sie auch sei, erstens in der Lage noch zweitens willens sein könnte, die Beatles absichtlich zu ruinieren.

Als ich alt genug war, um der Frage „Wer ist Yoko Ono eigentlich?“ nachzugehen, war das Internet noch nicht so weit, mir dies zu beantworten.
Jetzt sind endlich das Internet und ich so gute Freunde, dass ich die Frage gründlich beantworten konnte und mich ab jetzt als Yoko-Fan bezeichnen werde.

Zu dem ganzen Beatles-Thema ist nur folgendes zu sagen:

1. Yoko Ono hatte die Beziehung zu John Lennon nicht nötig, sie war bereits eine vielversprechende Künstlerin und hatte in ihrer Welt – von der die zahlreichen Beatles-Fans bei ihrem Auftauchen höchstwahrsheinlich unbeleckt waren – nicht nur Erfolg, sondern bekannte und geschätzte Kollaboranten. John Lennon konnte sich, so muss man es eigentlich sehen, glücklich schätzen, dass er Yoko begegnete, als er gerade dabei war, sich selbst neu zu (er)finden; tatsächlich bin ich überzeugt, dass ihre Beziehung auf der Ebenbürtigkeit der beiden als Künstler beruhte.

Und 2. Leute, die behaupten, Yoko Ono sei schuld am Zerbrechen der Beatles, sagt etwas sehr sehr Übles über John Lennon, nämlich dass er selbst nicht Rückgrat genug hatte, um seine Beziehung zu seinen Bandkollegen entgegen den Intrigen seiner Geliebten zu retten. Es mag sein, dass John seine Beziehung mit Yoko zum Anlass genommen hat, sich weiter von den Beatles fortzuentwickeln – das ist aber noch immer seine und nicht ihre Verantwortung. Und inzwischen wissen wir ja nun alle, dass es schon vor Yoko Ono bei den Beatles gekriselt hat.

Yoko Ono ist eine Frau mit einer sehr eigenen, faszinierenden Geschichte und einem vielseitigen Portfolio an Werken. Zu manchen davon mag der Zugang schwierig sein, zu anderen leichter – sie ist jedoch in keiner Hinsicht eine selbstpostulierte Künstlerin. Fluxus-Künstler, Jazz-Musiker und Filmemacher haben mit ihr gearbeitet, schon bevor sie mit dem Beatle liiert war. Und dass sie ihre Schaffenskraft auch darauf verwendet, ihre eigenen Erinnerungen und die der Welt an John Lennon zu zelebrieren und seinen Tod zu verarbeiten, kann man ihr meines Erachtens nicht vorwerfen.

Ein paar Beispiele ihrer Kunst mal vorgestellt: Ihr Cut Piece ist Performance Art der ersten Stunde. Mit ihrem Wishtree vereint sie omnikulturelle Vorstellungen von der Kraft, die Wünschen innewohnt, mit einem globalen Happening. Sie kämpft für die Gleichberechtigung von Mann und Frau, hat Humor und setzt sich generell für die richtigen Dinge ein (Akzeptanz von Homosexualität, den Kampf gegen HIV/AIDS). Dass so viele sie unerträglich finden, liegt vielleicht nur daran, dass es uns schwerfällt, eine Frau zu akzeptieren, die so ohne Zögern und Scheu ihr Ding durchzieht. More power to you, Yoko.

PS: Zu ihrem Geburtstag lädt Yoko Ono ihre Fans (auf Facebook und Instagramm) ein, an ihrem weltumgreifenden Projekt smilesfilm mitzuwirken und ihr ein Foto zum Geburtstag zu schicken.

Bild: By Marcela Cataldi Cipolla – Own work, CC BY 3.0

KW 47/2012: Germain Krull & Alice Aycock, 20. November 1897/1946

Diese Woche gibt es eine kühne Kombi der Kunst. Aus dem einfachen Grunde, dass die eine, Germaine Krull, erst 1985 in einer der nächstgrößeren Städte meines Heimatortes verstorben ist und eine Fotoserie „Métal“ gemacht hat und die andere, Alice Aycock, wunderbar weibliche Skulpturen aus Metall macht.

*

Germain Krull, 20. November 1897
Wiki deutsch Wiki englisch

Google-Ergebnisse Germaine Krull

Google-Ergebnisse Germaine Krull

auch bei fembio

*

Alice Aycock, 20. November 1946

Wiki deutsch Wiki englisch

Google-Ergebnisse Alice Aycock

Google-Ergebnisse Alice Aycock

Website der Künstlerin

KW 37/2012: Sandy Skoglund, 11. September 1946

Sandy Skoglund

Wiki deutsch Wiki englisch
Wie sehr ich mich gefreut habe, bei meiner Recherche auf diese Künstlerin gestoßen zu sein! Nicht nur, weil mir ihre Kunst gefällt – und zwar fast alles von den frühen bis zu den neueren Werken – sondern auch, weil es ein Bild gibt von einer ihrer Installationen, mit dem meine eigene private kleine Kreativität ihren Anfang nahm: Revenge of the Goldfish.

Sandy Skoglund "Revenge of the Goldfish"

Dieses Bild von ihr/ihrer Installation muss einmal in einem ZeitMagazin veröffentlicht worden sein und es hat mich damals mit der Komposition und seinen Farben so sehr angesprochen, dass ich es ausschneiden und aufheben musste. Und damit kam die Frage: Was tun mit diesem kleinen Bildausschnitt? Klar, an die Wand hängen, aber das war mir irgendwie nicht genug – dieses Bild schrie nach Verwendung. Und wenn dieses Bild so aufgehoben werden musste, warum dann nicht auch die vielen anderen schönen Bilder aus dem ZeitMagazin ausschneiden? Gleichzeitig fielen meine Agendas (aka Schülerkalender) gegen Ende des Schuljahres immer auseinander ob der eingeklebten Erinnerungen. So war meine Sucht geboren, jedes Jahr mein neues Agenda in selbstgestaltete Umschläge zu verpacken (Facebook-Link).

Sandy Skoglund ist (immer) noch aktiv und hat eine umfassende Website.

Bild Sandy Skoglund: Von BurnAway – Artist Sandy Skoglund (left) in conversation with a gallery visitor, CC BY 2.0

Bild Revenge of the Goldfish: By Source (WP:NFCC#4), Sandy Skoglund „Revenge of the Goldfish“ Fair use

WEG MIT
§218!