Kategorie: Klassik

08/2018

3. August 1902: Regina Jonas

Regina Jonas kam als Tochter eines Kaufmanns im stark jüdisch geprägten Berliner Scheunenviertel (heute Mitte) geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf; als sie elf Jahre alt war, starb ihr Vater. Sie besuchte das Lyzeum in Berlin-Weißensee und erlangte eine Lehrerlaubnis für höhere Mädchenschulen. Mit dem Unterricht an verschiedenen anderen Lyzeen finanzierte sie sich ein Studium an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, mit dem erklärten Ziel, Rabbinerin zu werden.

Nach zwölf Semestern schloss sie 1930 das Studium mit einer Arbeit ab, die den provokanten Titel „Kann eine Frau das rabbinische Amt bekleiden?“ trug, und zumindest zwei ihrer Prüfer, Dr. Leo Baeck und Eduard Baneth, unterstützten sie wohl in ihrem Ehrgeiz. Baneth verstarb leider plötzlich und konnte ihr nicht mehr das Diplom des Rabbiners erteilen. Fünf Jahre lang erprobte sie ihre Fähigkeiten mit Übungspredigten und Unterricht in religiösen Einrichtungen. Schließlich erklärte sich der Offenbacher Rabbiner Max Dienemann bereit, entgegen die Vorbehalte in der deutschen jüdischen Gemeinde, ihr die mündliche Prüfung abzunehmen und, nach Bestehen, sie zu ordinieren. Ihr ehemaliger Doktorvater Baeck begrüßte sie am nächsten Tag mit „Liebes Fräulein Kollegin“. Trotzdem sie als Rabbi voll ausgebildet und geprüft war, setzte die Berliner jüdische Gemeinde sie weiterhin hauptsächlich für den Religionsunterricht ein; auch seelsorgerische Betreuung durfte sie nun ausüben und religiöse Feste im Ornat leiten, doch nicht einmal die schriftlichen Anfragen von Gemeindemitgliedern, sie als Rabbi auf den Kanzeln der Synagogen oder bei religiösgesetzlichen Zeremonien zu sehen, konnten diese letzte Hürde des männlichen Monopols einreißen. Dahingegen erlangte sie die Aufmerksamkeit und Anerkennung der jüdischen Frauenvereinigungen wie der WIZO.

Ihre Argumentation, dass sie als Frau zur Rabbinerin geeignet war, basierte nicht so sehr auf der feministischen Theorie der Gleichberechtigung der Frau, als vielmehr darauf, dass Gott die Menschheit in zwei Geschlchtern geschaffen habe, die beide ihren geschlechtsspezifischen Beitrag zur Förderung der Menschheit beitragen können – gegen eine Frau als Rabbiner spräche „außer Vorurteil und Ungewohntsein fast nichts“. Sie befürwortete die Keuschheit und Ehelosigkeit der Rabbinerin sowie die Geschlechterttrennung in der Synagoge, doch manche Dinge könne sie als Frau von der Kanzel oder bei der Jugend sagen, die ein Mann nicht sagen könne.

Erst 1938, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, als der nationalsozialistische Druck auf die jüdischen Gemeinden die Zahl auch der Rabbiner in Deutschland durch Ausreise oder Deprotation dezimiert hatte, wurde sie neben der Seelsorge auch als voll anerkannter Rabbi eingesetzt und zwar im ganzen Land. Wohl weil ihre noch immer lebende Mutter zu alt für die Reisestrapazen war, machte sie selbst keine Anstalten, Deutschland zu verlassen. So wurde sie zunächst 1942 zu Zwangsarbeit verpflichtet und Ende des Jahres nach Theresienstadt deportiert. Dort hatte der jüdische Psychiater Viktor Frankl ein Referat „für psychische Hygiene“ eingerichtet, das den KZ-Häftlingen bei der Verarbeitung des Schocks helfen und ihre Überlebenschancen somit verbessern sollte. In diesem Referat hielt Jonas in zwei Jahren mindestens 44 aktenkundige Vorträge, bis sie am 12. Oktober 1944 nach Auschwitz-Birkenau verbracht und dort zwei Monate später ermordet wurde.

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6. August 1965: Yuki Kaijura

Die japanische Komponistin ist vor allem für zahlreiche Anime-Soundtracks verantwortlich.

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7. August 1913: Carmen Velasquez

Carmen Velasquez‘ Entdeckung der Fadenwurmart Capillaria philippensis rettete seit 1963 unzähligen Menschen auf den Philippinen das Leben. Dort starben die Menschen an einer unbekannten Krankheit, die sich mit Magenknurren, Bauchschmerzen und Durchfall bemerkbar machte. Velasquez stellte den bis dahin unbekannten Parasiten als Auslöser fest; seither können Befallene bereits bei Verdacht einer Infektion behandelt werden.

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10. August 1889: Zofia Kossak-Szczucka

Die polnische Autorin und Gewinnerin zweier Literaturpreise erlebte mit 50 Jahren in Warschau den Überfall Deutschlands auf Polen, mit dem der Zweite Weltkrieg begann. Die Katholikin wurde sofort im Untergrund aktiv als Redakteurin einer Zeitung des Widerstands.

1942, einige Wochen, nachdem die Deutschen mit der „Liquidation“ des Warschauer Ghettos, also mit den Deportationen in das Vernichtungslager Treblinka begonnen hatten, schrieb und veröffentlichte Kossak eine Protestschrift gegen die Duldung dieser Tatsachen in Polen und der interanationalen Gemeinschaft. 5.000 Exemplare von „Protest!“ wurden gedruckt; Kossak machte darin durchaus keinen Hehl aus dem generell noch bestehenden Antisemitismus der katholischen Polen, doch seien sie als Christen von Gott dazu verpflichtet, gegen die Greuel, die verübt wurden, zu protestieren. Dadurch, dass die Polen und die Weltgemeinschaft zu dem schweige, was die Deutschen den Juden antaten, würden sie zu Komplizen.

Nach dieser Protestschrift begründete sie die Widerstandsorganisation Zegota, die zwischen 1942 und 1945 daran beteiligt war, Juden vor der Ermordung in Konzentrationslagern zu retten: In Warschau allein rettete die Zegota an die 4.000 Juden, darunter 2.500 Kinder aus dem Ghetto, in ganz Polen geht die höchste Schätzung an die 75.000 Menschen. Für ihre Beteiligung am Widerstand wurde Kossak 1943 verhaftet und nach Auschwitz-Birkenau deportiert, dem polnischen Untergrund gelang es jedoch, sie zunächst in ein Frauengefängnis überführen zu lassen, aus dem sie schließlich entlassen wurde. So konnte sie 1944 am Warschauer Aufstand teilnehmen.

Die kommunistische Regierung Polens nach dem Krieg war den nicht-kommunistischen Widerstandskämpfern nicht freundlich gesonnen. Kossak verdankte es nun ihrem Einsatz für die jüdische Bevölkerung, dass sie einer Inhaftierung mit möglicher Todesfolge entkam: Der jüdisch-stämmige Innenminister der neuen Regierung wusste von seinem Bruder, was Kossak geleistet hatte, und warnte sie, sodass sie einer Verfolgung nach England entkam. Sie ging zunächst nach London und lebte dann 12 Jahre lang in Cornwall. 1957 konnte sie nach Polen zurückkehren, schrieb und lebte dort bis zu ihrem Tod 1968.

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15. August 1830: Mária Lebstück

Die Kroatin kam mit 13 Jahren nach Wien und schloss sich mit 18, als Mann verkleidet, den Juristen-Corps in der Revolution gegen die Monarchie an. Im späteren Verlauf ihrer Karriere in Ungarn schaffte sie es bis zum Rang des Oberleutnants, gleichzeitig brachte sie eine Eheschließung und Schwangerschaft unter. Letztere verriet jedoch ihre Verkleidung und sie musste ihr Kind in Kriegsgefangenschaft zur Welt bringen. Ihr Mann wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt und starb im Gefängnis, sie selbst wurde nach Kroatien ausgewiesen, kehrte jedoch drei Jahre später nach Ungarn zurück und heiratete erneut. Nachdem ihr zweiter Mann gestorben war, ging sie mit ihrem Sohn nach Budapest, wo sie mit 62 Jahren starb. Obwohl (oder weil?) ich mich eher als Pazifistin betrachte, stellen Soldatinnen für mich ein besonderes Faszinosum dar. Es braucht doch ein ordentliches Maß an Chuzpe und den sprichwörtlichen Gonaden, so eine Verkleidung unter solchen Umständen zu erwägen und auszuführen.

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24. August 1890 oder 1894: Jean Rhys

Die Tochter eines Walisers und einer dominicanischen Kreolin hieß in Wirklichkeit Ella Gwendolyn Rees Williams und lebte bis zu ihrem 16. Lebensjahr in der Karibik und wurde dann für eine weiterführende Schulbildung nach England geschickt, wo sie bei einer Tante lebte. In der Schule wurde sie für ihren Akzent gehänselt und auch in der Schauspielschule in London sah man 1909 aufgrund ihrer Redeweise keine Chance für ihren Erfolg. Sie arbeitete zunächst als Revuetänzerin (chorus girl, also Teil der größeren Produktion); nachdem ihr Vater 1910 starb, kämpfte sie gegen die Armut, indem sie sich „aushalten ließ“. Der Börsenmakler, dessen Geliebte sie wurde, heiratete si ezwar nicht, unterstützte sie aber über die Jahre immer wieder finanziell. In den folgenden 13 Jahren arbeitete sie zeitweise als Nacktmodel, wurde schwanger und trieb ab, arbeitete während des Ersten Weltkriegs in einer Militärkantine und nach dem Krieg im Versorgungsamt; sie lebte in England und auf dem europäischen Festland, heiratete und bekam zwei Kinder, von denen eines starb; sie entwickelte eine Alkoholsucht und begann zu schreiben. Sie ließ sich von ihrem ersten Mann scheiden und unterhielt eine Verbindung zum Autoren und Verleger Ford Madox Ford, der sie zwar künstlerisch förderte, ihr auch zum Pseudonym riet, aber im Privatleben wenig wertschätzend mit ihr umging.

Bis 1939 schrieb sie vier Romane und mehrere Erzählungen. Sie heiratete erneut und wurde 1945 Witwe, heiratete anschließend ein drittes Mal und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Tatsächlich arbeitete sie an einem weiteren Roman, der 1967 erschien, ein Jahr, nachdem sie ein zweites Mal verwitwete. Ihr letzter Roman „Sargassomeer“ ist eine Vor-Geschichte zu Charlotte Brontës „Jane Eyre“ und brachte ihr schließlich größeren Erfolg: Sie wurde als postkoloniale Autorin vor allem in feministischen Leserkreisen gefeiert.

Sie empfand Enttäuschung über den „zu späten“ Ruhm und äußerte einmal, dass sie bei einer zweiten Chance wohl ein glückliches Leben dem Schriftstellertum vorgezogen hätte. Sie starb mit 88 Jahren, bevor sie ihre Autobiografie beenden konnte.

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27. August 1916: Halet Çambel

Die dritte Tochter türkischer Eltern wurde in Berlin geboren – der Großvater mütterlicherseits war türkischer Botschafter, der Vater Militärattaché in der deutschen Hauptstadt. Nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Gründung der Republik lebte die Familie in Österreich und der Schweiz, 1922 ließen sie sich in Istanbul nieder. Halet besuchte die amerikanische High School for Girls im Stadtteil Arnavutköy, in dieser Zeit entwickelte sich ihr Interesse für Geschichte sowie ihr sportlicher Ehrgeiz im Fechten. 1933 bis 1939 studierte sie an der Pariser Sorbonne unter anderem Archäologie, 1936 war sie eine der ersten Frauen, die bei Olympia antrat, in der Disziplin Fechten.

Ab 1940, inzwischen verheiratet, arbeitete sie an der Universität Istanbul als Assistentin und schrieb an ihrer Doktorarbeit, die sie 1944 beendete. 1946 wurde im Süden der Türkei die neo-hethitische Ruinenstätte Karatepe-Arslantas entdeckt und im Auftrag der Universität Istanbul vom Entdecker Helmuth Theodor Bossert und Çambel erforscht. Sie trug maßgeblich zur Entschlüsselung des Hethitischen bei, indem sie die Bilingue von Karatepe mit übersetzte. Sie wurde Vorreiterin des Vor-Ort-Schutzmodells in der Türkei, als sie die türkische Regierung überzeugen konnte, die Ruinen von Karatepe nicht in eine Museum abtransportieren zu lassen, sondern aus der Stätte selbst ein Museum zu machen.

1960 wurde Çambel eine der ersten weiblichen Professoren der Türkei, als sie den den Lehrstuhl für Vorderasiatische Archäologie übernahm. Sie wurde 1984 emeritiert und starb erst 2014 in Istanbul.

Sie beeinflusste eine Generation von türkischen und internationalen Archäologiestudenten im Umgang mit den Anwohnern und lokalen Helfern an Grabungsstätten. Ihre burschikose Art verhinderte sexuelle Ambiguität im patriarchalisch geprägten Grabungsumfeld von Karatepe, sie galt als ehrlich und direkt und wurde dafür von den Menschen auf dem Land respektiert. Außerdem setzte sie sich sehr für die Bildung der Kinder ihrer lokalen Helfer ein.

06/2018

2. Juni 1978: Yi So-yeon

Mit 30 Jahren wurde Yi So-yeon zuerst Doktorin der Biotechnologie und kurz darauf der erste Mensch koreanischer Nationalität im All.

Zwei Jahre zuvor hatte sie gemeinsam mit einem männlichen Kollegen alle Phasen des Aufnahmeverfahrens für Raumfahrer auf der Internationalen Raumstation ISS bestanden und durchlief in Folge mit Ko San, ihrem Kollegen, das 15-monatige Training für Raumfahrer in Russland. Zunächst wurde sie nur als Ersatz für Ko trainiert, doch der verstieß mehrfach gegen Richtlinien des russischen Ausbildungszentrums, weshalb die russische Raumfahrtbehörde Einspruch gegen seinen Einsatz erhob.

So begann Yi, vier Wochen nach ihrer Promotion in Abwesenheit, ihren achttägigen Aufenthalt auf der ISS, während dessen sie insgesamt 18 Experimente durchführte. Sie war die dritte Asiatin im All nach Chiaki Mukai aus Japan und Anousheh Ansari aus dem Iran.

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12. Juni 1956: Onutė Narbutaitė

Die freischaffende litauische Komponistin lernte bei den litauischen Komponisten Bronius Kutavičius und Julius Juzeliūnas.

Ihrer Komposition „Open the Gates of Oblivion“ für Streicherquartett von 1980:

Ihre Komposition „Vijoklis“ für zwei Klaviere von 1988:

 

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20. Juni 1930: Magdalena Abakanowicz

Die Tochter eines Lipka-Tartaren (in Litauen angesiedelte Turk) wurde 1930 in eine polnische Adelsfamilie hineingeboren. Sie studierte an den Kunstakademien in Danzig und Warschau; zunächst interessierte sie sich mehr für die Malerei, doch unter den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen im Polen der 1950er Jahre entwickelte sie ihr Talent, aus gewachsenen oder gefunden Materialien Skulpturen zu schaffen.

In den 1960ern erlangte sie internationale Erfolge mit ihren Abakans, dreidimensionale Skulpturen aus Gewebe, hergestellt in einer Technik, die Abakanowicz selbst entwickelt hatte. Eine Dekade später ging sie zu menschenförmigen Skulpturen über, Gewebe verschwanden nach und nach aus ihrem Repertoire, dafür arbeitete sie mehr mit wetterfesten Materialien für großflächige Außeninstallationen.

Die Künstlerin verstarb am 20. April vergangenen Jahres.

Magdalena Abakanowicz

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22. Juni 1939: Ada Yonath

Ada Yonath wurde 1939 in Jerusalem geboren, sechs Jahre, nachdem ihre Eltern vor der Verfolgung durch die Nazis aus Polen geflohen waren. 1968 machte sie ihren Doktortitel in Röntgenkristallographie und arbeitete zunächst im Fachbereich Chemie, 1974 wechselte sie in den Fachbereich Strukturbiologie.

Ihr gelang es, ein Verfahren zur Kristallisation – also zur strukturierten Vermehrung bestimmter Moleküle – von Ribosomen zu entwickeln; Ribosomen sind die DNA-Kopierstationen innerhalb organischer Zellen. Da diese Moleküle sehr groß sind, ist ihre Kristallisation kompliziert, Yonath arbeitete erst mit den Ribosomen von Bakterien, die an heißen Quellen leben, da sie richtig vermutete, dass diese eine besonders stabile Molekülstruktur haben. Später entwickelte sie Techniken des Schockgefrierens, um auch anderen Ribosomen molekulare Stabilität zu verleihen.

Dank ihrer Forschung konnten nicht nur die Wirkungsweisen von mehr als 20 Antibiotika auf molekularer Ebene erkannt werden, sondern dementsprechend auch neue Antibiotika entwickelt werden. Für diese Forschungsleistung wurde ihr 2009 gemeinsam mit Thomas A. Steitz und Venkatraman Ramakrishnan der Nobelpreis für Chemie zuerkannt.

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26. Juni 1815: Mariana Grajales

Die posthum als „Mutter Kubas“ geehrte Grajales gebar dreizehn Kinder – das letzte im Alter von 52 Jahren –, von denen zwei, José und Antonio Maceo Grajales, als Generäle im Guerra Chicita (Kleinen Krieg) für die Unabhängigkeit Kubas von Spanien kämpften. Insgesamt war Grajales in allen drei Unabhängigkeitskriegen aktiv; der kubanische Poet José Martí prägte den Satz „In Gegenwart solcher Frauen ist es leicht, ein Held zu sein“, als er sah, wie Mariana mit ihrer Schwiegertochter den verwundeten Antonio auf dem Schlachtfeld versorgten.

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26. Juni 1956: Amma Darko

Die Ghanaerin machte mit 24 Jahren ihr Diplom in Industriedesign – lieber hätte sie Kreatvies Schreiben studiert, doch dies war und ist bis heute in ihrem Land kein Studienfach. Sie arbeitete zunächst am Technologie-Beratungszentrum der Universität von Kumasi, doch 1981 floh sie ins politische Asyl nach Deutschland. Hier wurde sie nur als Hilfsarbeiterin eingestellt; ihre Erfahrungen verarbeitete sie in ihrem ersten Roman „Der verkaufte Traum“, den sie während ihrer Zeit in Deutschland bis 1987 schrieb und der 1988 zuerst in deutscher Sprache veröffentlicht wurde.

Darko ist seitdem nach Ghana zurückgekehrt lebt in Accra und arbeitet als Steuerbeamte. Dem ersten Roman folgte ein zwei weitere Bücher, die in Deutschland verlegt wurden, und schließlich „Die Gesichtslosen“, der als erstes ihrer Bücher auch in Ghana veröffentlicht wurde. Nach zwei weiteren Romanen schrieb Darko schließlich noch ein Jugendbuch, „Das Halsband der Geschichten“.

02/2017: Marie Duplessis, 15.1.1824

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Marie Duplessis


English below
Wiki deutsch
Marie Duplessis, in ärmste Verhältnisse geboren als Alphonsine Plessis, stieg vom Bauernmädchen in der Putzmacherei zur Geliebten eines Kaufmannes auf und arbeitete sich mit der dadurch gewonnen finanziellen Unterstützung zur gefragten und verehrten Kurtisane auf. Sie holte die von Haus aus mangelnde Bildung auf eigene Initiative nach, setzte sich selbst das adlige „du“ in den herkömmlichen Nachnamen und bewegte sich schließlich selbstverständlich in den intellektuellen Kreisen von Alexandre Dumas dem Jüngeren und Franz Liszt.
Ihre Schönheit und die ihr entgegengebrachte Verehrung konnten jedoch nicht verhindern, dass sie mit 23 Jahren bereits an Schwindsucht verstarb; kurz vorher hatte sie noch einen jungen Grafen geheiratet und das Leben in vollen Zügen genossen.
Nach ihrem Tod wurde ihr Hausrat rasch zur Tilgung von Schulden versteigert und ein knappes Jahr später hatte ihr Freund Dumas sie in seinem Roman „Die Kameliendame“ verewigt. Vier Jahre später hatte er auch ein Bühnenstück daraus gemacht und basierend darauf schrieb Guiseppe Verdi La Traviata. Dank dieser kulturellen Unsterblichkeit ist ihr Grab auch heute noch stets mit frischen Blumen geschmückt.
Zur Verewigung ihrer Person in Literatur und Kunst gibt es allerdings auch kritische Stimmen. Nicht nur machten die Herren, die basierend auf ihr Kunst schufen, aus traurigen Tatsachen Romantik: Die Duplessis machte durch Prostitution Karriere, und dies kann als Unangepasstheit und Entschlossenheit, empowerment, betrachtet werden, doch ist es auch nicht zu leugnen, dass einem Mädchen aus ihren Verhältnissen kein anderer Weg in einen gehobeneren Lebensstil blieb; die Autonomie dieses Lebensstils blieb also in gewisser Weise begrenzt. Außerdem wurde der Kurtisane, dem gefallenen Mädchen, in Dumas‘ Roman und Bühnenstück und in Verdis Oper noch rasch ein moralisch aufgebessertes Ende verpasst – sie durfte oder musste in ihrem fiktiven Leben noch die wahre, reine Liebe finden und sich gegen ihren vorherigen Lebensstil entscheiden. So spielen Die Kameliendame und La Travaita stark mit der Dichotomie der Hure und der Heiligen. Die reale, wirtschaftliche Not vieler junger Frauen wurde für die männliche Betrachtungsweise romantisiert und gleichzeitig die Gefahr ihrer möglichen Autonomie entschärft, indem sie doch durch einen Mann zumindest moralisch gerettet wird. Dazu schreibt auch Maggie McNeill in ihrem Blog The Honest Courtesan (sie erwähnt in Marie Duplessis Jugend allerdings auch noch eine Entführung durch „Zigeuner“, die ich nach meiner kurzen Recherche nicht bestätigen oder widerlegen kann) und der Musikjournalist Thomas May in seinem Beitrag über La Traviata.

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Wiki english
Marie Duplessis, born into poverty as Alphonsine Plessis, rose from peasant girl working at a dress shop to lover of a merchant and, with financial backing from that relationship, she worked herself up to a desired courtesan in high demand. She caught up on the education she lacked in her upbringing, added the noble „du“ to her name and finally moved naturally in the intellectual circles of Alexandre Dumas, fils, and Franz Liszt.
Her beauty and the adoration she received could not however prevent her dying from consumption at age 23; shortly before her death she had just married a young count and enjoyed life to the fullest.
After her death, her possession were quickly auctioned off to pay off her debts, and about  a year later her friend Dumas had immortalized her in his novel Camille. Four years later he had made a play out of his novel and based on that play, Guiseppe Verdi wrote La Traviata. Thanks to this cultural immortality, her grave to this day still is adorned with fresh flowers always.
Yet, there are critical voices too when it comes to the perpetuation of her person in literature and art. Not only did the gentlemen who created art based on her life romanticise the sad facts: the Duplessis made a career of prostitution, and this can be seen as maladjustment and determination, as empowerment, but it cannot be denied that there was no other way for a girl from her origin to have a better life; thus the autonomy of this lifestyle was limited in a way. They both also gave the courtesan, the fallen girl, in Dumas‘ novel and play and Verdi’s opera an ending that is morally improved – she was allowed or forced to finding the true, pure love in these fictional lives and turn against her former ways. With this, Camille and La Traviata are playing heavily on the dichotomy of the Madonna and the whore. The real economic hardship of many young women was romanticised for the perception of the male audience and the danger of her possible autonomy was defused by having her saved – morally, at least – by a man. Maggie McNeill writes about this in her blog The Honest Courtesan (she also writes about an abduction by „gypsies“ in Marie Duplessis youth which after my short research I can neither confirm nor refute) and so does music journalist Thomas May in his post on La Traviata.

KW 36/2016: Isabella Leonarda, 6. September 1620

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Isabella Leonarda


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Isabella Leonarda ist eine der ersten Komponistinnen von Instrumentalstücken. Eine Tochter aus gutem Hause, ging sie mit 16 in ein Kloster und verbrachte dort den Rest ihres Lebens. Viel weiß man nicht über sie; sie hielt verschiedene Titel innerhalb des Klostersystems und unterrichtete die anderen Nonnen wohl in Musik. Sie schrieb unterschiedliche Formen von Musikstücken, die im Barock gängig waren. Die unten eingefügte Sonate Nr. 12 ist ihr bekanntestes Stück.

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Von 243 (Wikipedia) relevanten Persönlichkeiten vor dem 19. Jahrhundert sind diese 22 (inklusive Isabella Leonarda) Frauen:
8.9.1413 Katharina von Bologna
5.9.1451 Isabella Neville
7.9.1457 Stephana Quinzani
5.9.1500 Maria (Jever)
7.9.1533 Elisabeth I.
8.9.1591 Angelika Arnaud
7.9.1633 Catharina Regina von Greiffenberg
10.9.1638 Maria Theresia von Österreich
11.9.1656 Ulrike Eleonore von Dänemark
7.9.1683 Maria Anna von Österreich
11.9.1699 Anna Maria von Liechtenstein
9.9.1739 Friderika Baldinger
8.9.1749 Marie-Louise von Savoyen-Carignan
11.9.1751 Charlotte von Sachsen-Meiningen
6.9.1761 Marie-Gabrielle Capet
11.9.1762 Joanna Baillie
5.9.1764 Henriette Herz
10.9.1771 Caroline Vanhove
8.9.1774 Anna Katharina Emmerick
6.9.1787 Émilie de Rodat
10.9.1788 Wilhelmine von Baden

KW 6/2013: Leontyne Price, 10. Februar 1927

Leontyne Price


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Leontyne Price war die erste afro-amerikanische Opernsängerin (coll.: Diva), die in einer Hauptrolle in der Mailänder Scala auftrat. Sie hat in ihrer Karriere nicht nur die Grenze der Rassendiskriminierung, sondern auch die Grenze zwischen europäischer und amerikanischer Hochkultur erfolgreich überschritten.
Aber nach meinem alten Motto soll man über Musikerinnen nicht so viel lesen, sondern lieber hören.
Die youtube-Ergebnisse für den Suchbegriff „Leontyne Price“ sind ausreichend, um sich den Nachmittag mit schöner Musik zu vertreiben. Hervorheben will ich nur ihre Interpretation des von mir aus unerfindlichen Gründen sehr geliebten „Ave Maria“.

KW 52/2012: Carolina Eyck, 26. Dezember 1987

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Ja, auch ich bin im Weihnachtsstress, mit allem Drum und Dran wie winterlichen Erkrankungen in der Familie und Geschenkenotstand. Daher gibt’s zum Heiligen Abend – wo ihr sowieso hoffentlich alle offline bleibt – nur noch eine weitere Musikerin, eine junge Dame, die mein Lieblingsinstrument virtuos spielt und auch netterweise eine kleine Einführung in das Spiel gibt.




Frohes Fest!

KW 46/2012: Fanny Hensel, 14. November 1805

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Fanny Hensel musste 42 Jahre alt werden, bis sie sich selbst gestatte, sich über die chauvinistische Grundhaltung ihrer Zeitgenossen, auch ihres Vaters und ihres Bruders, hinwegzusetzen und ihr Talent und ihre Leidenschaft in eine Profession zu führen. Zeit ihres Lebens war es für sie als Frau „nicht schicklich“, mit öffentlichen Konzerten oder der Drucklegung eigener Kompositionen Geld zu verdienen, obwohl sie ebenso begabt war wie ihr Bruder, Felix Mendelssohn Bartholdy. Ein halbes Jahr nach ihrer ersten Veröffentlichung verstarb sie an einem Schlaganfall – bis dahin hatte sie nur im privaten Kreis Konzerte gegeben und ansonsten ihren Bruder in seiner Karriere unterstützt. Folgerichtig sind Fanny Hensels Kompositionen bis heute weitgehend unbekannt, ganz im Gegensatz zu denen ihres Bruders.
Diese Biographie macht Fanny Hensel zum Musterbeispiel für die traditionelle und systematische Unterdrückung und Verdrängung der Frau aus der professionellen Konkurrenz bzw. der Chance auf Anerkennung, deren Auswirkungen wir heute noch spüren. Schließlich wurde auch mir noch die Frage gestellt: “ Wenn Frauen X genauso gut können wie Männer, warum gibt es dann keine berühmten Frauen im Bereich des professionellen X?!“ Machen wir uns nichts vor: Die Behinderung der Frauen in allen Lebensbereichen in den vergangenen Jahrhunderten ist die Basis für die heutige Frage nach der Notwendigkeit von Frauenquoten.
Um jetzt nicht verbittert zu klingen: Es hat sich weiß Gott auch schon einiges getan. Es gilt jetzt nur noch, die Nachwirkungen zu verarbeiten und bei künstlerischen wie politischen, wirtschaftlichen und etlichen anderen professionellen und kreativen Qualitäten das Geschlecht/Gender als unerheblich zu verbannen. Auch Fanny Hensel wurde irgendwann – und wird noch – entdeckt, und ich kann hier meinen kleinen Beitrag zur Wiedergutmachung am eigenen Geschlecht beitragen.
Es gibt bereits eine eigene Website für sie, eine recht ausführliche Biographie gibt es bei Dieter Wunderlich zu lesen. Aber über eine Komponisten sollte man nicht zu viel lesen, sondern ihre Werke hören. Da ich selbst keine große Freundin von Liedern bin, hier eine Auswahl an textlosen Kompositionen. Aber es gibt auch Lieder von ihr, die unweigerlich in der youtube-Vorschlagliste auftauchen.