Kategorie: Politik

frauen, wollt ihr ewig (so) leben…?

mit dank an Thomas, der mich auf diesen interessanten artikel aufmerksam gemacht hat.
vielleicht die richtige gelegenheit, mal einen gedanken niederzuschreiben, den ich sonst nirgendwo unter bekomme, und einen eigenen eintrag ist er nun auch nicht wert…
meine antwort auf die kritiker und kritikerinnen der frauenquote, die immer sagen, dann wüssten die (armen) erfolgreichen frauen ja nie, ob sie wirklich so gut seien oder nur der quote dienten: das hat jahrhundertlang doch auch die vielen männer nicht gestört, die auch nicht über ihre qualifikation an die guten positionen gekommen sind. wie viele stellen sind besetzt worden, weil der anwärter mit den entscheidern zur uni ging, zur selben verbindung gehörte, ein freund der familie war? von den vielen entscheidungen in neuerer zeit, die eher für den mann als für die frau ausgefallen sind, ganz zu schweigen?
warum soll uns frauen das was ausmachen, wenn es auch den männern so lange nichts ausgemacht hat? haben die sich alle in der illusion gebadet, dass ihr erfolg nichts mit ihrem geschlecht, ihrer uni oder verbindung, ihren guten beziehungen oder denen ihrer eltern zu tun hat, sondern dass sie einfach so gut sind? das eine ist, wie jemand in eine position kommt, und das andere, wie er oder sie sie ausfüllt. natürlich gibt es auch die männer, die über beziehung in eine position kommen, diese dann aber auch sehr gut ausfüllen konnten. aber ebenso gab und gibt es die frauen, die wegen ihres geschlechtes nicht in positionen gekommen sind und kommen, diese aber besser ausgefüllt hätten als der männliche anwärter mit dem richtigen familiennamen oder den richtigen farben an der mütze. es geht um die chance, das beweisen zu können, um die möglichkeit, überhaupt antreten zu können. und ja, da scheint es eben den bedarf zu geben, denn in männerdominierten branchen kann es für eine frau schwierig sein, überhaupt in die lage zu kommen, ihre qualifikation unter beweis zu stellen – wenn ihr diese von vorneherein wegen ihres geschlechtes vielleicht sogar abgesprochen wird.
so.

KW 4/2013: Mairead Corrigan Maguire, 27. Januar 1944

Mairead CorriganWiki deutsch Wiki englisch
Mairead Corrigan ist eine Friedensnobelpreisträgerin, die mit Betty Williams die Grenze zwischen Protestanten und Katholiken in ihrer Bewegung für den Frieden in Nordirland durchstieß. Beide standen im Zusammenhang mit dem Tod dreier Kinder (und dem späteren, nur allzu verständlichen Selbstmord derer Mutter), als britische Soldaten einen jungen Iren in seinem Wagen erschossen, der daraufhin ungebremst in die Familie raste: Betty Williams (eine Protestantin) war Zeugin und Mairead Corrigan (eine Katholikin) die Tante der Getöteten. Beide gründeten mit einer spontanen Friedensdemonstration die Organisation, die im Lauf der Zeit als Peace People bekannt wurde, in dem Glauben und dem Versuch, Frieden zu schaffen, indem nicht nach Schuldigen, sondern der unvoreingenommene Dialog gesucht würde.

Mairead Corrigan Maguire ist im Laufe der Zeit mit den Peace People auch in anderen Unruhe- und Krisengebieten aktiv gewesen. Meine Begeisterung für sie als Person und ihre Überzeugung, wie die Welt ein besserer Ort werden könnte, ist allerdings durch die Tatsache geschmälert, dass sie ebenfalls Mitglied der Gruppe Consistent Life Ethics ist, die sich zwar konsistent, aber leider meines Erachtens undifferenziert für den Erhalt jeglichen Lebens einsetzt, in welcher (Leidens-)Form auch immer.

Wie andere Beispiele, die mir bei der Recherche für dieses Blogs begegnet sind, kann man auch an Mairead Corrigan Maguire gut erkennen, dass ein Einsatz für eine gute Sache, über die man Konsens erreichen kann, nicht bedeutet, dass dieser Konsens sich auf alle Fragen bezüglich Ethik, Moral, Vernunft und Humanismus erstreckt. Das sollte allerdings nicht davon abhalten – wie ihre unterschiedliche religiöse Orientierung Mairead und Betty nicht von einer Zusammanarbeit für den Frieden abgehalten hat – sich für die gute Sache, über die Konsens erreicht wird, einzusetzen. Alles weitere lässt sich ja vielleicht im nächsten Schritt friedlich klären…

Selbstverständlich gibt es zu Mairead Corrigan Maguire einiges zu lesen, so ihr Eintrag auf der Seite der Peace People, komplett mit Kontaktdaten, auf der Seite der Nobelpreis-Organisation, am schönsten allerdings liest sich dieser Text einer Teilnehmerin am von Peace People organisierten Austauschprogramm, Project Children.

Bild: By Free Gaza movement – Mairead at press conferenceUploaded by Pieter Kuiper, CC BY-SA 2.0

KW 40/2012: Uta Ranke-Heinemann, 2. Oktober 1927

Uta Ranke-Heinemann

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In Uta Ranke-Heinemanns Leben die Sternstunde ermitteln zu wollen, ist müßig. Ihr kritischer Geist hat sie Zeit ihres Lebens und noch jetzt im hohen Alter dazu befähigt, mit Verve gegen das zu anzutreten, was ihrem Verständnis von christlicher Nächstenliebe (bzw. einem allgemein humanistischen Verständnis von tolerantem Miteinander) und dem gesunden Menschenverstand widerspricht.
Ob es das Anzweifeln der Jungfrauengeburt ist, die Kritik am Zölibat und dem Umgang mit Pädophilie in der katholischen Kirche oder der Kampf für Toleranz gegenüber Homosexualität, diese Standpunkte spiegeln eine Person wider, die selbst unter Umständen, die Subversion nicht gerade fördern, ihre eigenen gedanklichen Wege geht. Dass so etwas innerhalb eines christlichen (katholischen) Glaubensbekenntnisses möglich ist, macht mir die Kirche fast wieder sympathisch.

Als ich Uta Ranke-Heinemann das erste Mal im Fernsehen sah, dachte ich, sie sei so eine Art Dr. Ruth und fragte mich, wie sie bisher unter meinem Radar hatte bleiben können. Da ich mich ansonsten herzlich wenig um kirchliche Belange kümmere, begegne ich ihr zwar entsprechend selten im alltäglichen Medienkonsum, aber alles, was ich von ihr lese und höre, nimmt mich für sie ein.

Eins der lesenswertesten Interviews mit ihr – weil es vor allem auch die immer wiederkehrenden Anekdoten enthält – ist bei VICE zu lesen. Ansonsten will ich eigentlich nur zu ihren Zitaten verlinken.

Bild: Von Stuart Mentiply – Eigenes Werk, GFDL 1.2

KW 38/2012: Elisabeth Selbert, 22. September 1896

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Elisabeth Selberts Sternstunde war es ohne Zweifel und Konkurrenz, 1949 den Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ als Artikel 3 des Grundgesetz für die BRD durchzusetzen. Aus der Verfassung der Weimarer Republik sollte ursprünglich der Satz „Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten“ übernommen werden. Elisabeth Selbert gelang es in gemeinschaftlicher Arbeit mit den anderen Müttern des Grundgesetzes (Friederike Nadig, Helene Weber und Helene Wessel) und – wie ich gerüchteweise einem anderen Blog entnommen habe – mittels eines Radioaufrufes an die Frauen Deutschlands – den entscheidenden Wortlaut gegen die Väter des Grundgesetzes zu verteidigen.

Der Gleichberechtigung, die dieser Satz gesetzlich festschrieb, stand noch bis 1957 der Gehorsamsparagraph entgegen, der dadurch, dass dem Mann in der Ehe das alleinige Entscheidungsrecht zugebilligt wurde, auch verhinderte, dass Ehefauen ohne die schriftliche Einverständniserklärung ihres Gatten eine Stelle antreten oder ein eigenes Konto eröffnen konnten. Der Widerspruch zwischen Artikel 3 und dem Gehorsamsparagraphen blieb in den Jahren zwischen 1949 und 1957 unaufgelöst, sodass in dieser Zeit eigentlich ein gesetzloser Zustand herrschte. (Ich nehme an, dies bedeutet, wenn sich Frauen gegen diese Abhängigkeit in der Ehe juristisch wehrten, war es absolut von der Haltung und dem Wohlwollen des Richters abhängig, welche Spielräume ihr gewährt wurden.) 1957 trat dann ein Gesetzesentwurf von 1952 (!) in Kraft.

Neben dem langen Weg der Entwicklung, den die gesetzliche Grundlage zum Mutterschutz, zur Empfängnisverhütung und zum eingeschränkt legalen Schwangerschaftsabbruch (§218) hinter sich bringen musste, gibt es zwei Stationen in der gesetzlichen Gleichberechtigung von Männern und Frauen, bei denen mir immer wieder die Kinnlade und der Glaube an die Menschheit herunterfällt:

1977 – in meinem Geburtsjahr – trat das Erste Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts in Kraft. Dieses regelte neuerdings (!), dass die Frau nicht mehr nur dann arbeiten durfte, wenn sie dafür ihre „hausfraulichen Pflichten“ nicht vernachlässigte, sondern dass die Vereinbarung den Eheleuten überlassen bleibt und die Haushaltsführung dem finanziellen Unterhalt gleichgestellt ist.

1997, das lasse man sich auf der Zunge zergehen: vor 15 Jahren erst, wurde die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt. Bis dahin galt: den ehelichen Beischlaf darf sich der Mann mit Gewalt erzwingen und seine Ehefrau hat keine strafrechtlichen Mittel, ihn davon abzuhalten bzw. dafür zur Verantwortung zu ziehen. Kein Wunder, dass manche Frauen lieber nicht heiraten wollten!

Einen Rückblick zum 60. Geburtstag des Grundgesetzes mit Fokus auf Elisabeth Selbert kann man bei youtube sehen (3sat-Beitrag von 2009).

ScissorSheldon.com

sarah silverman – um bei den wichtigen punkten anzufangen: sie ist klug und witzig. sie hat eine meinung (die ich günstigerweise oft teile). und – das ist ja ebenso wichtig, um aus einer erfolgreichen, starken frau keinen pseudo-mann zu machen: sie ist attraktiv und weiß sich „feminin“ in szene zu setzen.
sie hat jetzt eine seite gestartet – ernsthaft betrachtet: um darauf hinzuweisen, wie die konservativen milliardäre in den USA ihr geld in die wahlkampagnen des republikaners mitt romney pumpen. da werden natürlich klare interessen erkennbar.
es ist ihr humor, der das ganze so unschlagbar macht und die unterstützer der unterschiedlichen parteien so klar gegeneinander stellt: sie macht einem der milliadäre ein angebot, das er eigentlich kaum ausschlagen kann…

hier auch gleich der link zur seite!
PS: hier ein kritischer text dazu. jedes ding hat zwei seiten – ich find’s trotzdem noch lustig.

KW 13/2012: Wangari Maathai, 1. April 1940

Wangari Maathai

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Im Jahr 2004 erhielt Wangari Maathai den Friedensnobelpreis als erste afrikanische Frau (erstmals ging der Preis in zwei aufeinander folgenden Jahren an eine Frau) für ihren Widerstand gegen die ehemalige kenianische Regierung und ihr Engagement als Gründerin des Green Belt Movement.

Die Green Belt Bewegung hat nicht nur mit 30 Millionen gepflanzten Bäumen afrikanische Nutzfläche vor Erosion geschützt, sondern mit der Ausbildung von mehr als 30.000 Frauen in den unterschiedlichsten Berufen auch viel für die Emanzipation der afrikanischen Frau geleistet. Maathais Ehemann, der kenianische Regionalpolitiker Mwangi Mathai, ließ sich von ihr scheiden, weil sie „zu gebildet, zu stark, zu erfolgreich, zu dickköpfig und zu schwer unter Kontrolle zu halten“ sei – ein Meisterbrief für die unbequeme Frau.

Wangari Maathai hat viele Male als politisch verfolgte Frau in kenianischen Gefängnissen gesessen – und dennoch gibt es fast nur Bilder von ihr, auf denen sie strahlend lacht. Sie hatte manches Mal Glück in ihrem Leben – als ihr Bruder fragte, warum sie nicht in die Schule gehe und ihr Mutter keine Gründe zu nennen wusste, als sie nach ihrem High School Abschluss durch das „Airlift“ der Joseph P. Kennedy Jr. Foundation die Möglichkeit erhielt, in den USA und Deutschland zu studieren. Sie hat aber auch diese glücklichen Fügungen zu nutzen gewusst und den Mut gehabt, für ihr Glück und ihre Überzeugungen zu kämpfen. Diese Lebensfreude und -kraft macht sie zu einer prototypischen Erdmutter, und so wird sie auch auf Kisuaheli „Mama Miti“, Mutter der Bäume, genannt.

Ein Nachruf anlässlich ihres Todes am 25. September 2011 auf Zeit Online fasst ihre Biografie noch einmal zusammen. Auch die Seite von Green Belt Movement eröffnet mit einem Nachruf auf die kürzlich Verstorbene, allerdings mit der hoffnungsvollen und erfreulichen Nachricht, dass der bisherige African Environment Day, der 3. März, von diesem Jahr an der Wangari Maathai Day heißt. Auf der Seite der Nobelstiftung ist ebenfalls eien Kurzbiografie zu lesen. Auch bei fembio und womenshistory ist sie vertreten. Bei Spiegel Online hat sie eine Thema-Seite.

Bild: By Kingkongphoto & www.celebrity-photos.com from Laurel Maryland, USA – Wangari Maathai 2004 Nobel Peace prize winner, CC BY-SA 2.0

KW 12/2012: Pieke Biermann, 22. März 1950

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Zu Pieke Biermann will ich gar nicht viel schreiben – sie ist „eigentlich“ Autorin, Übersetzerin und Journalistin, für die Frau der Woche hat sie sich aber qualifiziert mit ihrer Rolle in der Hurenbewegung und der Organisation des Ersten Berliner Hurenballes 1988.
Der eingetragenen Verein Hydra e.V., in dessen Vorstand sie zum damaligen Zeitpunkt saß, existiert und arbeitet noch immer in Aufklärung, Beratung und Betreuung von in Deutschland arbeitenden Prosituierten. Weil ich das für eine unterstützenswerte Tätigkeit halte, habe ich Pieke Biermanns Geburtstag diese Woche zum Anlass genommen, diesem Verein einen Link in meinem blog zu widmen.
Ein lustiges zeitgenössisches Interview mit Pieke Biermann zur Promotion des Ersten Berliner Hurenballs mit dem Spiegel kann man hier lesen.

WEG MIT
§218!