Kategorie: Astronomie

Hiranya Peiris

* 1974

Hiranya Periris kam 1974 in Sri Lanka zur Welt. Mit 24 Jahren schloss sie 1998 den Tripos in Naturwissenschaften am New Hall College der University of Cambridge ab, anschließend studierte sie Astrophysik an der Princeton University und machte dort ihren Doktortitel. Dort arbeitete sie ebenfalls, wie Jo Dunkley, an der Auswertung der Daten der Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP) mit.

Nach ihrer Promotion war sie Hubble Fellow am Kavli Institute for Cosmological Physics der University of Chicago und absolvierte diverse Postdoktorand:innen-Stellen, bis sie 2007 advanced fellow am Science and Technology Facilities Council der University of Cambridge wurde und im Folgejahr Forschungsstipenidatin am dortigen King’s College. 2009 erhielt sie eine Stelle in der Fakultät für Kosmologie des University College London; dort hält sie derzeit eine Professur für Astrophysik. Sie ist auch die Leiterin des Oskar Klein Centre for Cosmoparticle Physics (Link Englisch) in Stockholm.

2012 wurde Peiris gemeinsam mit dem WMAP-Team mit dem Gruber-Preis für Kosmologie ausgezeichnet. Stephen Hawking nannte die Erkenntnisse, zu denen Peiris unter anderem beitrug, „die aufregendste Entwicklung in der Physik seiner gesamten Karriere“.

Hiranya Peiris zeigte sich 2014 skeptisch, was die mögliche Entdeckung von Gravitationswellen des Urknalls angeht, und sollte Recht behalten: Innerhalb des folgenden Jahres stellte sich heraus, dass die Daten, die als solche gedeutet wurden, sämtlich auf Staub in unserer eigenen Galaxie zurückzuführen waren.

Für 2021 erhielt Hiranya Peiris den Göran-Gustafsson-Preis der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Sie ist Mitglied der American Physical Society und Vizepräsidentin der Royal Astronomical Society.

SIe gab 2017 bei der Künstlerin Penelope Rose Cowley das Werk Cosmoparticle in Auftrag, dessen Entstehung unten im YT-Clip nachverfolgt werden kann.

Penelope Rose Cowley: Cosmoparticle, für Hiranya Peiris

Ma Chung-pei

*1967

Der Wikipedia-Beitrag von Ma Chung-pei (Link Englisch) gibt ihr Geburtsjahr zwar nicht an, erwähnt aber, dass sie 1983 die National Violin Competition gewann, und weiter unten, dass sie dies im Alter von 16 Jahren tat.

Chung-pei kam in Taiwan zur Welt und besuchte eine Highschool in Taipeh. Sie besuchte anschließend das Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo sie 1987 ihren BSc in Physik machte. Sie setzte ihr Studium dort fort, bis sie 1993 ihren PhD machte, mit Alan Guth als Doktorvater; ihre Doktorarbeit schrieb sie zu theoretischer Kosmologie und Teilchenphysik. Im Anschluss an ihre Promotion nahm sie ein postdoktorales Stipendium am California Institute of Technology (Caltech) wahr, bis sie 1996 zunächst als Assistenz-Professorin und später als außerordentliche Professorin an der University of Pennsylvania unterrichtete und forschte. Seit 2001 ist sie Professorin für Astronomie an der University of California, Berkeley. Ihr Forschungsschwerpunkt ist hier die large-scale structure (Link Englisch) des beobachtbaren Universums, Dunkle Materie und die kosmische Hintergrundstrahlung.

2011 entdeckte das Team unter Ma Chung-peis Leitung zwei der größten bekannten Schwarzen Löcher. Sie liegen in den Zentren weit entfernter Galaxien und sind in etwa 2.500 Mal so groß wie das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie. (Quelle: phys.org)

Kathy Vivas

* 1972

Kathy Vivas (Link Englisch) hat einen Abschluss in Physik der Universidad de los Andes und einen Doktor in Astrophysik der Yale University. Bei der Forschung für ihre Dissertation entdeckte sie neue RR-Lyrae-Sterne – eine Art pulsationsveränderlicher Sterne. Eine ausführliche und sehr gemütliche Erläuterung dieser Sternenart findet sich im Clip unten von Herrn Gaßner für den Kanal von Urknall, Weltall und das Leben – der auch auf Henrietta Swan Leavitt als eine der Entdeckerinnen von Pulsaren und Lise Meitner als Opfer des Matilda-Effekts Bezug nimmt.

Pulsationsveränderliche Sterne, erklärt von Josef Gaßner; Urknall, Weltall und das Leben

Mit der Kombination eines Wide-Field-Teleskops und einer Megapixel-Kamera entdeckte Vivas an die 100 von diesen Sternen in sehr weiter Entfernung von der Erde, zwischen 13.000 und 220.000 Lichtjahre von unserer Sonne entfernt und somit wohl die ältesten Sterne unserer Galaxie, der Milchstraße. Nach der aktuellen Theorie entstand zuerst der ‚Heiligenschein‘, der Galaktische Halo, vor mehr als 13 Milliarden Jahren; die Galaktische Scheibe und die Spiralarme entstanden erst in der Folgezeit. So ermöglichte Vivas‘ Entdeckung die weitere Erforschung der Struktur und Eigenschaften der äußeren Teile der Milchstraße.

Ihre Forschungsergebnisse präsentierte sie am 12. Januar 2000 beim Treffen der American Astronomical Society in Atlanta.

Nobelpreis für Physik 2020

Jetzt hätte ich mich beinahe als Ausführende des Matilda-Effektes schuldig gemacht und eine Wissenschaftlerin unterschlagen, weil sie den Nobelpreis für Physik mit Männern teilt! Ihr wisst es alle schon, der Vollständigkeit halber sage ich aber trotzdem noch mal, dass Andrea Ghez dieses Jahr gemeinsam mit anderen ausgezeichnet wurde für die Entdeckung des supermassiven kompakten Objektes (aka Schwarzes Loch) im Zentrum unserer Galaxie.

Thereza Dillwyn Llewellyn

* 1821 • † 21. Februar 1926

Thereza Dillwyn Llewelyn (Link Englisch) war die Tochter des Botanikers und Fotografen John Dillwyn Llewelyn, als älteste von sechs Kindern kam sie in Glamorgan in Wales zur Welt. In einer Familie, in der sich mehrere männliche und weibliche Verwandte professionell mit der Fotografie beschäftigten, kam auch Thereza früh mit dem neuartigen Medium in Berührung.

Weil sich Thereza für die Astronomie interessierte, baute ihr Vater ihr zu ihrem 16. Geburtstag ein äquatoriales Observatorium (s.u. zur Erklärung ein 5-minütiges Video einer Herstellerfirma von optischen Geräten). Auf dem Landsitz bei Penllergaer baute die Familie gemeinsam an der Forschungsstätte des ältestens Kindes. In diesem machte Thereza Dillwyn Llewelyn verschiedene Experimente mit dem Fotografieren von Himmelskörpern, darunter etwa einige der ersten Fotografien des Mondes in den 1850er Jahren. Dillwyn Llewelyn musste dafür das Teleskop beständig leicht fortbewegen, um dem Mond lange genug für eine ausreichende Belichtung des Materials zu folgen. Auch eine Methode, Schneeflocken zu fotografieren, entwickelte sie gemeinsam mit ihrem Vater.

Beide waren auch in der Meteorologie tätig, indem sie in einer der von Freiwilligen betriebenen Wetterstationen der British Association for the Advancement of Science Daten sammelte. Sie hoffte auch, ihre Ergebnisse einmal bei einem Treffen der Association persönlich vortragen zu dürfen, doch dies wiederum gestattete ihr Vater ihr nicht.

Möglicherweise beobachtete Dillwyn Llewelyn 1858 Donatis Kometen (Link English) bereits, bevor er von seinem italienischen Namensgeber, Giambattista Donati angekündigt wurde. Im gleichen Jahr heiratete sie Nevil Story Maskelyne, mit dem sie zwei Töchter hatte und gemeinsame Experimente in der Chemie und Fotografie durchführte. Sie erstellte auch ein Herbarium und schrieb eine Arbeit, die in der Linnean Society of London vorgetragen wurde.

Auf der Fotografie oben, die ihr Vater von ihr machte, verwendete er auch die Technik des Fotogramms, dies übernahm auch Thereza für einige private Fotografien.

Erläuterung einer äquatorialen oder parallaktischen Montierung (Quelle: YouTube/Firma Bresser)

30/2020: Vera Rubin, 23. Juli 1928

frauenfiguren vera rubin
vlnr: Anne Kinney, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Md.; Vera Rubin, Dept. of Terrestrial Magnetism, Carnegie Institute of Washington; Nancy Grace Roman Retired NASA Goddard; Kerri Cahoy, NASA Ames Research Center, Moffett Field, Calif.; Randi Ludwig, University of Texas, Austin, Texas. Photo taken during the NASA Sponsors Women in Astronomy and Space Science 2009 Conference, held at the University of Maryland University College (UMUC) Inn and Conference Center, Adelphi, Md, October 21-23 2009
By NASA

Vera Rubin kam in Philadelphia, Pennsylvania zur Welt als Tochter zweier jüdischer Immigranten: Ihr Vater stammte aus Vilnius (damals Polen, heute Litauen) ihre Mutter aus Bessarabien (in der Region des heutigen Moldavien und der Ukraine). Sie zeigte schon mit 10 Jahren Interesse an der Astronomie und beobachtete mit einem selbstgebauten Teleskop aus Pappe Meteoren.

Nachdem sie 1944 die High School abgeschlossen hatte, beschloss sie, am Vassar College zu studieren, weil ihr Vorbild Maria Mitchell dort Professorin gewesen war. Vier Jahre später machte sie dort mit 20 Jahren ihren Bachelor of Science als einzige Absolventin in der Astronomie. Sie wollte sich anschließend in Princeton einschreiben, doch Frauen waren dort damals – und noch für weitere 27 Jahre – nicht zugelassen. Einer Einladung von Harvard folgte Rubin nicht, sondern schrieb sich an der Cornell University in New York ein, da ihr Ehemann Robert dort ebenfalls studierte.

An der Cornell University untersuchte Vera Rubin für ihre Masterarbeit die Bewegungen von 109 Galaxien; dabei war sie eine der ersten Menschen, die Abweichungen von der Hubble-Konstante beobachtete. Kurz gefasst beschreibt die Hubble-Konstante, oder heute: der Hubble-Parameter, die Rate der Expansion des Universums. Durch ihre Beobachtungen kam sie zunächst zu der These, dass es in der Expansion eine Orbitalbewegung des Universums um einen Pol gäbe – eine These, die widerlegt wurde. Doch Rubins Ableitung aus ihren Ergebnissen, dass die Galaxien sich grundsätzlich im Universum fortbewegen, stellte sich als wahr heraus und war Grundlage für weitere Forschungen in dieser Hinsicht. Rubin lieferte mit den Ergebnissen auch einen Beweis für eine Supergalaktische Ebene, die wiederum die Basis bildet für das Supergalaktische Koordinatensystem.

Vera Rubin schloss mit ihrer Forschungsarbeit 1951 ihren Mastertitel ab. Sie trat auch den Kampf an, ihre als kontrovers betrachteten Ergebnisse auch bei der American Astronomical Society zu präsentieren, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt ein Kind hatte und mit dem zweiten schwanger war. Sie wurde jedoch abgelehnt, ihre Arbeit wurde übersehen.

Weder von diesem Rückschlag noch vom Elterndasein ließ sich Rubin davon abhalten, ihre Karriere fortzusetzen. Sie schrieb sich für ein Doktorandenstudium an der Georgetown University ein, als Doktorvater betreute sie George Gamow. In den drei Jahren, in denen sie an ihrer Dissertation schrieb, wurde ihr unter anderem einmal untersagt, ihren Doktorvater in seinem Büro zu treffen, weil Frauen diesen Bereich der Universität nicht betreten durften. Ihren Doktortitel erlangte sie 1954 mit einer Dissertation, in der sie die Theorie aufstellte, dass Galaxien in Clustern oder Haufen auftreten, statt zufällig über das Universum verteilt zu sein. Auch dieser Gedanke Rubin war zu diesem Zeitpunkt kontrovers zum allgemeinen Wissensstand und wurde in den folgenden 20 Jahren nicht weiter verfolgt.

Nach ihrer Promotion arbeitete Rubin in den folgenden elf Jahren an diversen Instituten als Lehrerin, Forschungsastronomin und Assistenzprofessorin; da sie auch insgesamt vier Kinder hatte, übte sie große Teile ihres Berufs von zu Hause aus. 1963 arbeitete sie für ein Jahr mit Geoffrey und Margaret Burbidge zusammen an der Erforschung der Galaxienrotation am McDonald Observatory in Texas. Mit Burbidge sollte sie auch danach der allgemeine politische Einsatz für Frauen in der Wissenschaft verbinden. 1965 wurde Rubin Angestellte der Carnegie Institution of Washington, heute Carnegie Institution of Science. Im Rahmen dieser Anstellung ersuchte sie auch um die Möglichkeit, am Palomar Observatory in San Diego zu arbeiten. Dort angekommen, musste sie feststellen, dass es vor Ort keine „facilities“, also Schlaf- und Sanitärräume für Frauen gab. Vera Rubin schnitt ein Stück Papier in Form eines Rocks aus, klebte dieses über eine der ‚männlichen‘ Türschilder und schuf so die Verhältnisse, die ihr einen Aufenthalt erleichtern würden (so schildert es dieser Artikel in The Atlantic).

Ebenfalls bei ihrer Tätigkeit an der Carnegie Institution traf sie auf Kent Ford, der astronomische Instrumente herstellte. Unter anderem hatte er ein optisches Spektrometer gebaut, das die Spektren jener Himmelskörper optisch verstärkte, die bisher zu dunkel waren, um sie zu deuten. Mit den Instrumenten von Ford machte Rubin unter anderem an der Andromedagalaxie unter anderem eine Beobachtung, die als Rubin-Ford-Effekt (Link Englisch) bekannt wurde: Eine Anisotropie in der Expansion des Universums, beobachtet allerdings an einer begrenzten Anzahl Galaxien und heute zu einem nur augenscheinlichen, nicht tatsächlichen Phänomen erklärt. (Eine Anisotropie ist eine Eigenschaft, die von der Richtung einer Bewegung abhängig ist.) Die Ergebnisse ihrer Forschungen wurden jedoch wieder einmal als zu kontrovers von der wissenschaftlichen Gemeinschaft abgelehnt. 1976 veröffentlichte Rubin eine Arbeit, in dem sie die Theorie einer Pekuliargeschwindigkeit nicht nur für Sterne, sondern auch für Galaxien aufstellte, die anfangs abgelehnt, aber heute als ‚large streaming scale‚ akzeptiert ist.

frauenfiguren rotationskurve
Tatsächliche Rotationskurve der Spiralgalaxie Messier 33 (gelbe und blaue Punkte mit Fehlerbalken) und eine aufgrund der Verteilung sichtbarer Materie vorhergesagte (graue Linie).
Von Mario De Leo – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Für eine kurze Zeit befassten sich Rubin und Ford auch mit Quasaren, die gerade erst entdeckt worden waren. Sie wandte sich jedoch lieber einem Forschungsbereich zu, in dem sie hoffte, weniger Ablehnung zu erfahren, und untersuchte schließlich die Rotation von Galaxien und ihren Außenbezirken. Sie beobachtete hierbei flache Rotationskurven im Gegensatz zu den wieder abfallenden Kurven, die nach optisch erfassbaren Tatsachen zu erwarten waren. In den Außenbezirken müsste sich eine Galaxie nach dieser Erwartung langsamer drehen – stattdessen beobachtete Rubin, dass sich die äußeren Arem von Spiralgalaxien ebenso schnell um den Mittelpunkt drehen wie die inneren Bereiche. Außerdem drehen sich die Galaxien so schnell, dass sie auseinanderfliegen müssten, wenn der einzige Zusammenhalt, den sie haben, die Schwerkraft ihrer Sterne wäre. Diese beiden Beobachtungen ließen Vera Rubin schließen, dass diese Galaxien Dunkle Materie enthalten müssen und von einem Halo, einem ‚Heiligenschein‘ aus Dunkler Materie umgeben sein müssen. (Der Artikel zu Dunkler Materie enthält auch die schöne Videodatei, welche Bewegung ohne Dunkle Materie zu erwarten wäre und welche tatsächlich vorgefunden wird.) Nach ihren Berechnungen müssten Galaxien etwa fünf bis zehn Mal so viel Dunkle wie gewöhnliche Materie enthalten. Mit ihren Forschungsergebnissen lieferte sie die erste überzeugende Hinweise für diese Theorie, die in den 1930ern erstmals von zwei Astronomen, Jan Hendrik Oort und Fritz Zwicky postuliert wurde.

Später sollte Vera Rubins These durch die Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung und des Gravitationslinseneffektes bestätigt werden. Ihre ebenfalls auf diesen Ergebnissen basierende Theorie über nicht-Newtonsche Schwerkraft, die auf Galaxien wirkt, ist nicht wissenschaftlich akzeptiert oder bewiesen. Zur gleichen Zeit erforschte Vera Rubin das Phänomen des Gegenrotation in Galaxien und lieferte erste Nachweise dafür, dass Galaxien durch ihre Bewegung im Universum fusionieren, sowie zum Prozess, mit welchem Galaxien entstehen.

1981 wurde Vera Rubin zum Mitglied der National Academy of Sciences gewählt, als zweite weibliche Astronomin nach ihrer Kollegin Margaret Burbidge. 1996 wurde ihr die Goldmedaille der Royal Astronomical Society verliehen – als zweiter Frau, 168 Jahre nach der ersten Frau, der diese Ehrung zuteil wurde: Caroline Herschel. Das Dicovery Magazin nannte sie 2002 als eine der 50 wichtigsten Frauen in der Wissenschaft. Sie gewann nie einen Nobelpreis, was die Physikerin Lisa Randall und Astronomin Emily Levesque (Link Englisch) für eine Nachlässigkeit halten. Vera Rubin wird von jüngeren Kolleginnen wie Sandra M. Faber und Neta Bahcall (Link Englisch) als wichtiger Einfluss für ihre Wissenschaftskarrieren genannt, als eine derjenigen, die den Weg vorgaben für Frauen in der Wissenschaft, ein Leuchtfeuer für diejenigen, die Familie und eine Karriere in der Astronomie wollten. Rebecca Oppenheimer (Link Englisch), eine der Kuratorinnen für Astrophysik am American Museum of Natural History in New York, nennt Rubins Mentorinnenschaft als entscheidend für ihre Karriere.

Vera Rubin hatte vier Kinder, denen sie nach deren Aussagen vorlebte, dass „ein Leben in der Wissenschaft Spaß mache und erstrebenswert sei“ (Quelle: Wiki), was alle vier veranlasste, ebenfalls Wissenschaftler:innen zu werden. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Burbidge setzte sich Rubin für die Repräsentation von Frauen in wissenschaftlichen Institutionen ein, die wenigen weiblichen Mitglieder in der National Academy of Science nannte sie „das Traurigste in ihrem Leben“. Sie starb am 25. Dezember 2016 an Komplikationen ihrer Demenzerkrankung.

Die Carnegie Institution of Science rief ihr zu Ehren ein Forschungsstipendium für Postdoktoranden ins Leben; die Division on Dynamical Astronomy der American Astronomical Society verleiht den Vera Rubin Early Career Prize. Im Dezember 2019 wurde das Large Synoptic Survey Telescope, das auf einem Gipfel des Cerro Panchon in Chile gebaut wird, als Vera C. Rubin Observatory umbenannt. Es soll im kommenden Jahr 2021 first light haben, endgültig fertiggestellt wird es nach Plan 2022.

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Ebenfalls diese Woche

22. Juli 1776: Etheldred Benett
Der britischen Paläontologin wurde von Zar Nikolaus I. die Ehrendoktorwürde der Universität St. Petersburg verliehen; er wusste wohl nicht, dass es sich bei ihr um eine Frau handelte.

25. Juli 1920: Rosalind Franklin
Quasi das Postergirl des Matilda-Effekts; von ihr nutzten Watson und Crick ungefragt und unauthorisiert Röntgenstrukturanalysen, die ihnen zur Entschlüsselung der DNA-Struktur verhalfen. Jahrelang wurde in wissenschaftlichen und biografischen Texten herablassend mit ihr umgegangen.

25. Juli 1956: Frances H. Arnold
Für ihre Pionierarbeit auf dem Gebiet der Gerichteten Evolution wurde der Biochemikerin 2018 der Nobelpreis für Chemie verliehen.

Margaret Bryan

18.-19. Jahrhundert

Von Margaret Bryan ist bekannt, dass sie verheiratet war und zwei Töchter hatte, außerdem sei sie eine talentierte Schulleiterin gewesen. Drei verschiedenen Schulen stand sie im Lauf ihres Lebens mindestens vor: Einer Mädchenschule in Blackheath, einer im Londoner West End in der Nähe des Hyde Park und einer in Margate an der Ostseeküste Englands.

1797 veröffentlichte Bryan zunächst im Quartoformat ihr Lehrbuch A compendious System of Astronomy‚ (Link Englisch), mit dem Titelbild, das sie und ihre beiden Töchter zeigt. Der Stich von William Nutter entstand nach einer Miniatur von Samuel Shelley (Link Englisch). Später kam das Buch auch in einer Fassung im kleineren Oktavformat heraus.

1806 folgte wiederum im Quartoformat ein Lehrbuch ‚Lectures on Natural Philosophy‘, das 13 Lektionen enthielt zu den Themen Hydrostatik, Optik, Pneumatik und Akustik. Neun Jahre später erschien wiederum in einem dünnen Oktavformat ‚Astronomical and Geographical Class Book for Schools‘, und damit endet das Wissen über Margaret Bryan.

Wang Zhenyi

* 1768 • † 1797

Die Vorfahren von Wang Zhenyi – ihre Familie väterlicherseits – stammten aus der Provinz Anhui im Südosten Chinas. Ihr Großvater war Gouverneur von Xuanhua gewesen und lebte mit seiner Familie jetzt in Nanjing, wo auch Zhenyi zur Welt kam. Ihr Vater hatte eine Aufnahmeprüfung für Beamte nicht bestanden und war nun als Mediziner tätig. Von ihren Großeltern und ihrem Vater – die Mutter war nicht mehr anwesend – erhielt Zhenyi eine breitgefächerte Bildung: Der Großvater lehrte sie Mathematik und Astronomie, der Vater Medizin und Geographie und die Großmutter brachte ihr die Lyrik nahe.

Um 1780 (der englische Wikipediabeitrag sagt 1782, der deutsche sagt, sie sei 11 Jahre alt gewesen) wurde ihr Großvater nach Jilin verbannt und starb kurz darauf. Zhenyi begleitete ihre Großmutter in den Nordosten Chinas und blieb mit ihr fünf Jahre dort. In dieser Zeit las sie die 75 Bücher ihres Großvaters, außerdem lernte sie Kampfkunst, Reiten und Bogenschießen von der Ehefrau eines mongolischen Generals namens Aa. Auch andere gebildete Frauen traf sie in Jilin, die großen Einfluss auf ihre Entwicklung hatten. So studierte sie die Sprachen der Han-Chinesen bei Bu Qianyao und stand im Austausch mit Bai Hexian und Chen Wanyu (zu keiner dieser Frauen gibt es deutsche oder englische Wikipediabeiträge, die Namen sind vermutlich dem Buch Notable Women of China entnommen).

Als Wang Zhenyi 16 Jahre alt war, kehrte sie zu ihrem Vater nach Nanjing zurück, doch unternahm sie auch ausgedehnte Reisen mit ihm, bei denen sie vielseitige Eindrücke vom kontrastreichen Leben in China sammelte. Das Reisen als eine aktive, mithin „männlich“ konnotierte Tätigkeit mit den Entbehrungen, die es zu dieser Zeit bedeutete, prägte einerseits ihren lyrischen Stil – die „weibliche“ Lyrik in China ist von blumiger Sprache bestimmt – und legte andererseits den Grundstein für Wangs Überzeugung, dass Frauen den Männern in allem ebenbürtig seien.

frauenfiguren wang zhenyi präzession äquinoktium
Präzession der irdischen Rotationsachse relativ zur Sonne bei Perihel und Aphel. Dies bewirkt eine Datumsverschiebung für diese Ereignisse sowie der Tagundnachtgleichen. By Robert Simmon, NASA GSFC – Earth Observatory / NASA, Public Domain

Mit 18 begann sich Wang Zhenyi eingehend mit der Mathematik und der Astronomie zu beschäftigen. Sie ließ sich in Jiangning, einem Stadtteil Nanjings, nieder und nannte sich Jiangning Nüshi, Gelehrte aus Jiangning. In den folgenden Jahren schrieb sie mindestens 14 wissenschaftliche Arbeiten, unter anderem einen Artikel, in dem sie die Präzession der Äquinoktialpunkte erklärte – die Wanderung der Sonnenposition an den Tagundnachtgleichen über mehrere Jahre; sie wies nach, wie diese verlaufen und wie sie für die Zukunft berechnet werden könnten. In einem anderen Artikel erläuterte sie anhand eines Experiments das Phänomen der Mondfinsternis: Sie stellte einen runden Tisch in einem Gartenpavillion auf, der die Erde darstellte, hing eine Kristalllampe von der Decke, die die Sonne nachstellte, und einen Spiegel als Mond. Diese bewegte sie nun im Verhältnis zueinander und machte dieses Naturereignis so wissenschaftlich nachvollziehbar.

Im Bereich der Mathematik war sie ebenso aufklärend tätig. In einem Artikel vollzog sie den Satz des Pythagoras nach und erklärte die Trigonometrie. Außerdem übersetzte sie das Werk des von ihr verehrten Mei Wending (Link Englisch), ‚Die Prinzipien der Kalkulation‘, aus dem adligen Hochchinesisch in einfaches Chinesisch und brachte sie unter dem Titel ‚Die Notwendigkeiten der Kalkulation‘ heraus. Mit 24 veröffentlichte sie ‚Die Einfachen Prinzipien der Kalkulation‘, das ebenfalls auf Meis Werk basierte, doch Wang hatte die Mulitplikation und Division vereinfacht.

Neben all diesen wissenschaftlichen Arbeiten schrieb sie auch ihr Leben lang Gedichte, die für ihren klaren, „maskulinen“ Stil geschätzt wurden. In ihnen formulierte sie nicht nur ihre feministischen Gedanken, sondern beschrieb neben Landschaftseindrücken auch soziale Ungerechtigkeiten in China.

Mit 25 Jahren heiratete sie und zog mit ihrem Mann nach Xuancheng, wo sie Mathematik und Astronomie unterrichtete. Sie wurde wohl krank, denn in der Vorahnung ihres Todes sandte sämtliche ihrer Manuskripte an ihre Freundin Qian Yuling (auch: Madam Kuai). Wang Zhenyi starb mit 29 Jahren. Sechs Jahre später übergab Madam Kuai die Werke ihrer Freundin an ihren Neffen Qian Yiji. Dieser brachte die Texte erneut unter dem Titel ‚Die Einfachen Prinzipien der Kalkulation‘ heraus, im Vorwort nannte er Wang Zhenyi „die gelehrteste Frau seit Ban Zhao„.

Christine und Margaretha Kirch

Christine * April 1697 • † 6. Mai 1782
Margaretha * ca. 1703 • † nach 1744

Christine und Margaretha Kirch waren beide Töchter der Astronomin Maria Margaretha Kirch (die auch einen eigenen Beitrag verdient hätte – bisher habe ich sie nur unter „Ebenfalls diese Woche“ erwähnt) und ihrem Ehemann Gottfried. Beide lernten bei ihren Eltern früh die Grundlagen und Techniken der Astronomie.

Christine assistierte als Kind der Mutter an der Berliner (damals: Könglichen) Sternwarte, indem sie die Ergebnisse ihrer Beobachtungen notierte, aber selbst ebenfalls Beobachtungen anstellte. Margaretha wiederum assistierte bereits mit zehn Jahren dem älteren Bruder Christfried. Nach dessen Tod 1740 mussten Christine und Margaretha zunächst als Bittstellerinnen an der Preußischen Akademie der Wissenschaft auftreten, um ihren Unterhalt zu sichern, doch da sie als seine ehemaligen Assistentinnen seine Arbeit fortsetzen konnten, wurde insbesondere Christine die Nachfolgerin des Königlichen Astronoms; als solche erhielt sie ein regelmäßiges Gehalt von der Akademie.

Margaretha entdeckte am 3. Januar 1744 den Großen Kometen C/1743 X1 als erste Beobachterin in Berlin, sie war auch die erste, nämlich bereits am 5. März dieses Jahres, die Aufteilung des Kometenschweifes in Streifen – ein Kupferstich vom 7. März bestätigt dies, womit sie ihren Kollegen Delisle, Heinsius und de Chéseaux zuvorkam.

Christine und Margarethe bezogen für ihre Arbeit an der Berliner Sternwarte jeweils ein Grundgehalt von 25 Reichstalern pro Quartal, Christine erhielt für die Erstellung des Kalenders für Schlesien noch einmal 150 Reichstaler (vermutlich pro Jahr). Ab 1759 sind nur noch Bezüge von Christine bekannt – möglicherweise, weil Margaretha verstorben war, deren Todesdatum nicht näher bekannt ist als „nach 1744“. Christine war „Vorstand des Astronomenhaushaltes“, dem insgesamt 400 Reichstaler pro Jahr zur Verfügung standen, für den Unterhalt der Familienmitglieder, aber auch der Angestellten, wie etwa einem Schreiber.

1772 begann Christine das Alter zu spüren und lernte den jungen Johann Bode zunächst als Gehilfen an, ein Jahr später wurde er ihr Nachfolger, als sie emeritierte.

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