Kategorie: Geowissenschaften

Sudipta Sengupta

* 1946

Der Wikipedia-Eintrag von Sudipta Sengupta (Link Englisch) ist inzwischen (seit ich meine Planung für dieses Jahr abgeschlossen habe) mit einem genauen Geburtsdatum versehen, aber… meine Planung steht nun mal.

Sudipta Sengupta kam als jüngste von drei Töchtern eines Meteorologen in Kalkutta, Indien, zur Welt. Die Familie reiste viel, für einige Jahre lebten sie auch in Nepal, wo der Vater stationiert war. Dort machte Sengupta ein Bergsteiger-Training bei Tenzing Norgay, Begleiter von Edmund Hillary und damit einer der ersten Menschen auf dem Mount Everest. Auch Sengupta machte zwei Expeditionen in den Himalaya.

Ihre Eltern, beide Akademiker, förderten ihre Bildung. Zunächst wollte Sudipta Physik studieren wie ihr Vater, doch sie hörte, dass es mit einem Abschluss in Geologie möglich wäre, wissenschaftlich zu arbeiten und gleichzeitig an abgelegene Orte zu reisen, und so entschied sie sich für dieses Fach. An der Jadavpur University (Link Englisch) in Kalkutta machte sie ihren B. Sc. und bald darauf ihren M. Sc. Mit 26 Jahren schließlich schloss sie 1972 ihr Studium mit einem PhD in Geologie ab. Bereits seit 1970 war sie beim Geological Survey of India beschäftigt, diese Tätigkeit gab sie 1973 auf, um ein Stipendium wahrzunehmen, das ihr eine dreijährige Postdoc-Stelle am Imperial College London ermöglichte. Im Anschluss daran verschlug es sie nach Uppsala in Schweden, wo sie zunächst als Dozentin an der Universität arbeitete und später als auswärtige Forschungsassistentin am Internationalen Geodynamik-Projekt von Hans Ramberg teilnahm.

Ihrer Rückkehr nach Indien 1979 war auch eine Rückkehr zum Geological Survey of India, nun als leitende Geologin. Drei Jahre später trat sie eine Dozentenstelle an der Jadavpur University an, wobei sie als Frau in einem Fachbereich, der Aufenthalte ‚im Feld‘ notwendig macht, auf einige Schwierigkeiten stieß. Die Universität war nach ihren Worten nicht ausgestattet für weibliche Expeditionsteilnehmer, ein Zustand, der sich bis in die Mitte der 1990er Jahre nicht verbesserte. 1982 bewarb sie sich auch zum ersten Mal dafür, an der indischen Antarktis-Mission beteiligt zu sein, wurde aber aufgrund ihres Geschlechtes zunächst abgelehnt.

Doch schon ein Jahr später wurde Sudipta Sengupta ausgewählt, Mitglied der dritten indischen Expedition in die Antarktis zu werden. Sie war damit, gemeinsam mit Aditi Pant, eine der ersten beiden indischen Frauen in der Südpolregion. Sengupta war beteiligt an den geologischen Studien der Schirmacher Oase, ihre Untersuchungen legten dabei den Grundstein für die weitere Erforschung der Gegend. Sie blieb von Dezember 1983 bis März 1984 und war wie Pant am Aufbau der Dakshin-Gangotri-Station beteiligt. Fünf Jahre später sollte sie noch an einer weiteren Antarktis-Expedition beteiligt sein.

In ihrer Laufbahn veröffentlichte sie zahlreiche wissenschaftliche Artikel und Büchern, ihre autobiografischer Rückblick auf ihre Zeit in der Antarktis wurde ein Bestseller in Indien. 1995 wurde sie zum Mitglied der Indian National Science Academy (Link Englisch) gewählt, die indische Regierung zeichnete sie mit mehreren Preisen aus. Inzwischen hat sie sich als Professorin zur Ruhe gesetzt und lebt in Kalkutta.

Am 31. Oktober 2019 war sie an der Diskussionsrunde Women in Science and Technology in Neu Delhi beteiligt. Dabei sprach sie von ihren Erfahrungen im Feld als junge Wissenschaftlerin und wie sie die Situation heute einschätzt. Außerdem offenbarte sie ihre Überzeugung von der Kraft der Frauen: „Ich komme aus dem Land von Durga. (Eine beliebte Göttin im Hinduismus, die Kraft, Wissen, Handeln und Weisheit repräsentiert und auch kriegerisch auftritt.) Wir beten Durga an und als Kind glaubte ich, sie lebe im Kailash (ein Berg im Transhimalaya). Inzwischen weiß ich, dass Durga in uns lebt, in allen Frauen.“ (Quelle: The Wire)

Einige biografische Details können in diesem Interview in ihren eigenen Worten gelesen werden.

Deborah Ajakaiye

* 1940

Deborah Ajakaiye (Link Englisch) kam im nigerianischen Bundesstaat Plateau als fünftes von sechs Kindern zur Welt. Die Eltern befürworteten die Gleichberechtigung der Geschlechter und verteilten die anfallenden Hausarbeiten auf die Jungen und Mädchen gleichermaßen. Sie förderten auch die Schulbildung ihrer Kinder.

Mit 22 Jahren machte Ajakaiye ihren ersten Universiätsabschluss in Physik, an der University of Idaban. Sie schloss einen M.Sc. an der University of Birmingham an und beendete ihre akademische Ausbildung 1970, mit 30 Jahren, mit einem Ph.D. in Geophysik an der Ahmadu Bello University. Während ihr wissenschaftliches Interesse ursprünglich der Mathematik gegolten hatte, hoffte sie, mit ihrer Arbeit in Geowissenschaften ihrem Heimatland besser helfen zu können.

1980 wurde Deborah Ajakaiye die erste weibliche Physik-Professorin auf dem afrikanischen Kontinent. Sie unterrichtete an der Ahmadu Bello University und an der University of Jos, wo sie auch als Dekanin für Naturwissenschaften wirkte.

Ihre Arbeit zur Geovisualisierung diente in Nigeria zur Lokalisierung von Mineralien und Grundwasser unter der Oberfläche. Außerdem legte sie gemeinsam mit Studentinnen eine Karte der Schwerkraft von Nigeria an. Seitdem sie als Professorin im Ruhestand ist, widmet sie ihre Zeit vollständig der wohltätigen Organisation, die sie ins Leben gerufen hat, der CCWA, der Christian Care for Widows, Widowers, Aged and Orphans.

Deborah Ajakaiye war die erste Frau, die von der Nigerianischen Gesellschaft für Bergbau und Geowissenschaften mit einem Preis ausgezeichnet wurde; außerdem war sie die erste Schwarze Frau afrikanischer Herkunft, die als Fellow in der Geological Society of London aufgenommen wurde – leider konnte ich nicht ermitteln, in welchem Jahr das war.

Dieser Artikel auf African Women in Leadership Stories scheint leider der letzte überhaup auf diesem Blog zu sein, mit einem Veröffentlichungsdatum am 17. März 2019. Vielleicht nimmt das Blog ja seine Arbeit wieder auf, wenn die Corona-Krise vorüber ist.

Eliza Maria Gordon-Cumming

* 1795 • † 21. April 1842

Eliza Maria Gordon-Cumming (Link Englisch) kam im schottischen Inveraray als Tochter eines Politikers und einer Romanautorin zur Welt. Sie hatte ein großes künstlerisches Talent, das sie darauf verwendete, Fossilien zu zeichnen. Sie begann 1839, am Moray Firth, die Fossilien von Fischen zu sammeln, die vor allem aus dem Devon (vor etwa 400 Millionen Jahren) stammten. Sie stellte auch Spekulationen über die Entwicklungen der Fische an, die sich später als falsch herausstellen sollten, vor allem aber beeindruckte sie andere Wissenschaftler mit der Detailtreue und Sorgfalt, mit der sie ihre Illustrationen anfertigte. Gordon-Cumming stand in Korrespondenz mit mehreren bekannten Geologen ihrer Zeit; Louis Agassiz, William Buckland und Roderick Murchison besuchten sie in Schottland, um ihre Sammlung zu sehen. Agassiz benannte einen Knochenfisch nach ihr, er bestimmte zahlreiche ihrer Funde.

Nebenher hatte Eliza Marie Gordon-Cumming auch noch 13 Kinder, sie starb mit 47 Jahren an Komplikationen nach der letzten Geburt. Ihre Sammlung befindet sich heute in drei Museen, dem National Museum of Scotland, dem Natural History Museum und dem Museum der Universität Neuchâtel.

22/2020: Claudia Alexander, 30. Mai 1959

Claudia Alexander (Link Englisch) kam in Vancouver in Kanada, zur Welt, wuchs jedoch in Santa Clara (Kalifornien), auf. Ihr eigentlicher Berufswunsch war Journalistin, doch ihre Eltern – eine Bibliothekarin und ein Sozialarbeiter – finanzierten das Studium und wollten, dass sie Ingenieurin werde. Sie fügte sich und arbeitete in einem Nebenjob in den Sommerferien im Ames Research Center, einem Forschungscenter der NASA. Dort arbeitete sie in der technischen Abteilung, doch sie begann sich auch für die Planetologie zu interessieren; sie schlich sich also in die wissenschaftliche Abteilung, um dort auszuhelfen, und stellte fest, dass ihr die Arbeit dort besser gefiel und leichter von der Hand ging.

So machte sie 1983 ihren Bachelor-Abschluss an der University of California, Berkeley, in Geophysik, weil sie dieses Fach für eine gute Basis in der Planetologie hielt. Zwei Jahre später machte sie ihren M.A. in Geo- und Astrophysik an der University of California, Los Angeles. In ihrer Abschlussarbeit untersuchte sie die Auswirkungen des magnetischen Zyklus der Sonne und der Sonnenwinde auf die Ionosphäre der Venus. Bis ins Folgejahr 1986 war sie sowohl am United States Geological Survey tätig, in der Erforschung von Plattentektonik, wie am Ames Research Center bei der Beobachtung der Jupitermonde. 1987 wechselte sie zur NASA, wo sie im Labor für Düsenantriebe zunächst als wissenschaftliche Koordinatorin arbeitete.

Sie erlangte 1993 ihren Doktortitel in Atmosphären-, Ozean- und Astro-Wissenschaften (Atmospheric, Oceanic and Space Sciences), speziell zum Thema astrophysisches Plasma (Link Englisch). In der finalen Phase der Galileo-Mission war sie als Projekt Managerin unter anderem für den kontrollierten Absturz der Sonde 2003 in die Atmosphäre des Jupiter verantwortlich. Die Galileo entdeckte 21 neue Jupitermonde und eine Atmosphäre („oberflächengebundene Exosphäre“) auf dem Mond Ganymed.

Neben den Jupitermonden, Plattentektonik, der Venus und dem astrophysischen Plasma forschte sie auch zur Entstehung und dem physikalischen Aufbau von Kometen, Magnetosphären und zur Unstetigkeit und Ausbreitung der Sonnenwinde. Sie war wissenschaftliche Koordinatorin bei der Cassini-Huygens-Mission zum Saturn und Co-Autorin von 14 wissenschaftlichen Schriften. Auch an der Rosetta-Mission der ESA, einer Sonde, die auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko landete, war sie als Projektwissenschaftlerin beteiligt.

Claudia Alexander setzte sich auch dafür ein, Frauen und Minderheiten verstärkt in die MINT-Fächer zu bringen – so schrieb sie unter anderem Kinderbücher und Science-Fiction-Romane. In ihrem TED-Talk „The Compelling Nature of Locomotion and the Strange Case of Childhood Education“ demonstrierte sie anhand des Themas der Lokomotion, wie sie wissenschaftlichen Unterricht für Kinder gestaltete.

TED-Talk von Claudia Alexander: „The Compelling Nature of Locomotion and the Strange Case of Childhood Education“

Leider erlag die vielseitige Planetologin am 11. Juli 2015 dem zehnjährigen Kampf gegen den Brustkrebs.

Die zwei Folgen „Ein wachsendes Problem“ (20a) und „Das ausgebrochene Bärtierchen“ (20b) der Kinder-TV-Serie Miles von Morgen sind ihr gewidmet.

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Ebenfalls diese Woche

26. Mai 1821: Amalie Dietrich
Wenn ich mich recht entsinne, steht die Naturforscherin – zugegebenermaßen eine beeindruckend entschlossene Frau – auch in der Kritik, da sie neben botanischen Exemplaren auch menschliche Schädel aus Australien an Museen in der deutschen Heimat sandte.

27. Mai 1676: Maria Clara Eimmart
Die eigenen Beobachtungen stellte die Astronomin und ausgebildete Kupferstecherin in detaillierten Zeichnungen dar; darunter die Mondphasen sowie verschiedene Ansichten des Merkur, der Venus, des Mars, Jupiter und Saturn, einige Kometenformen und – nebenstehend – das Phänomen des Nebenmondes und der Nebensonne.

27. Mai 1959: Donna Strickland
Die Laserphysikerin erhielt als dritte Frau überhaupt 2018, gemeinsam mit zwei Kollegen, den Nobelpreis für Physik.

31. Mai 1887: Ethel Doidge (Link Englisch)
Die Fellow der Linnean Society of London trug als Mykologin und Bakteriologin zur Bekanntheit eines Phytopathogens bei, das Mangos befällt.

31. Mai 1912: Chien-Shiung Wu
Dafür, dass sie 1956 im Wu-Experiment die Paritätsverletzung bei schwacher Wechselwirkung nachwies und damit empirisch eine Hypothese bewies, dass in der Elementarteilchenphysik eine Vertauschung von rechts und links einen Unterschied machen kann – dafür hätte die Physikerin ebenfalls den Nobelpreis für Physik erhalten müssen; sie wurde dafür jedoch gar nicht erst nominiert. Sie erhielt jedoch 1963 den Comstock-Preis für Physik, 1975 die National Medal of Science und 1978 den Wolf-Preis in Physik.

Martine (de) Bertereau

* ca. 1590-1600 • † 1642

Martine de Bertereau, Baronin von Beausoleil, wurde als weibliche Pionierin des Bergbaus und der Mineralogie bekannt. Sie stammte aus einer Familie in der Touraine, die auch traditionell im Montanwesen tätig war, und genoß eine für Frauen der Zeit recht weitreichende Bildung. Von Haus aus beherrschte sie Latein und Hebräisch und war in Astrologie und Alchemie bewandert. Mit ihrem Ehemann Jean de Châtelet (Link Englisch), dem Aufseher über die ungarischen Bergwerke von Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, bereiste sie ganz Europa, kam aber auch bis nach Südamerika. Sie lernte in dieser Zeit auch noch Spanisch, Italienisch und Deutsch.

Heinrich IV. beauftragte Châtelet 1626, in Frankreich nach Bodenschätzen zu suchen und den Bergbau im Land zu fördern. Gemeinsam mit ihrem Ehemann ließ sich de Bertereau in Morlaix in der Bretagne nieder, doch waren sie dort von den Amtsträgern in Kirche und Verwaltung nicht gerne gesehen. Schließlich wurden die beiden der Hexerei verdächtigt. Bei einer Durchsuchung ihres Heims wurde zwar keine „Beweise“ gefunden, dennoch sahen sich die beiden aufgrund der Verfolgung gezwungen, Fankreich zu verlassen. Ihr gesamter Besitz wurde daraufhin beschlagnahmt. 1629 waren Châtelet und de Bertereau wieder in Ungarn tätig, bis Heinrichs Sohn Ludwig XIII. (den die ebenfalls hier besprochene Hebamme Louise Bourgeois Boursier auf die Welt gehoben hatte) sie wieder nach Frankreich einlud. Tatsächlich kehrte das Mineralogen-Ehepaar zurück, während ihr ältester Sohn ihre Aufgaben in Ungarn übernahm. Unter aufwändigen Eigeninvestitionen und mit einem Stab in Deutschland rekrutierter Mitarbeiter nahmen sie ihre Suche nach Bodenschätzen in Frankreich wieder auf.

Von Martine de Bertereau sind aus dieser Zeit zwei Schriftstücke bekannt. Zum Einen beschrieb sie 150 Minen, die das Ehepaar auf seinen Erkundungen in entdeckt hatte, in ihrer Veröffentlichung Véritable déclaration de découverte des mines et minières von 1632. Zwei Jahre später wurde ihr Mann für kurze Zeit Generalinspektor des französischen Bergbaus, doch Zahlungen für ihre Unkosten und Tätigkeit blieben aus, und schließlich verlor Châtelet die Stelle auch wieder.

Das zweite Werk de Bertereaus ist ein Bittgedicht von 1640, gerichtet an den Kardinal Richelieu, in dem sie für ihren Mann und sich um die Erstattung der Aufwendungen und Verluste sowie eine Entlohnung für ihrer Dienste ersuchte. In diesem Werk richtet sie sich auch gegen Kritiker ihrer Person, als Frau im Bergbau, indem sie darauf verweist, dass schon die Griechen und Römer Frauen kannten, die Kriegshandwerk und Wissenschaften betrieben (siehe den englischen Wikipediabeitrag).

Es ist möglich, dass es diese Forderung nach Geld war, die sie und ihren Mann schließlich das Leben kosteten. Statt einer Vergütung wurden die beiden wiederum der Hexerei bezichtigt und inhaftiert, Châtelet in der Bastille, de Bertereau in Vincennes. Beide starben in ihrem jeweiligen Gefängnis.

15/2020: Mary Emilie Holmes, 10. April 1850

Mary Emilie Holmes (Link Englisch) kam als Kind eines presbyterianischen Priesters in Ohio zur Welt, ihre Mutter war ebenfalls in der Kirche tätig und leitete zwei Jahre lang ein theologisches Seminar für Frauen. Mary Emilie war sehr sprachbegabt und an Naturwissenschaften interessiert. Schon mit 5 Jahren legte sie ein erster Herbarium an. Sie hatte einen neun Jahre älteren Bruder, der jedoch früh starb.

Die Familie zog nach Rockford, Illionois, als Mary Emilie 13 Jahre alt war. Dort waren ihre Eltern politisch und in der Kirche aktiv darin, befreite Sklav:innen zu unterstützen, die nach dem Ende des Sezessionskrieges Bildung und Unterhalt benötigten. Mit 14 Jahren besuchte sie das Rockford Female Seminary, das heute die Rockford University ist. Vier Jahre später schloss ihre Ausbildung dort zunächst mit einem Zertifikat ab. Während sie noch zwei weitere Jahre für ein Zertifikat als Organistin studierte, unterrichtete sie nebenher Spencerian Penmanship. Nach ihrem zweiten Abschluss arbeitete sie mehrere Jahre mit ihren Eltern in der Sozialarbeit für befreite Sklav:innen der presbyterianischen Kirche.

1877 ging sie zurück an die Universität, um dort Botanik und Chemie zu unterrichten. Als das Seminar im Schuljahr 1881/82 auch den Bachelor-Grad einführte, strebte Holmes diesen an; einige Mitglieder der Fakultät waren der Ansicht, sie müsse unter den gegebenen Umständen, dass sie bereits seit Jahren als Lehrende tätig war, den Titel B.A. erhalten, ohne weitere Arbeiten und Prüfungen abzulegen. Da jedoch darüber keine Einigkeit herrschte, legte sie schließlich doch einige Examen ab und erhielt 1882 den Bachelor.

Drei Jahre später beendete sie ihre Lehrtätigkeit, um an der University of Michigan zunächst einen Master in Literatur zu machen, weitere zwei Jahre später errang sie mit einer Dissertation über die Morphologie der Korallen als erste Frau an dieser Einrichtung einen Doktortitel in einem geowissenschaftlichen Fach. Schon von 1887 an unternahm sie zahlreiche geologische Expeditionen, bei denen sie zahlreiche Proben verschiedener botanischer und biologischer Arten sammelte und katalogisierte. Als begabte Künstlerin fertigte sie auch Zeichnungen an.

Als sie 1889 als erste Frau Fellow der Geological Society of America wurde, stand sie schon beinahe am Ende ihrer naturwissenschaftlichen Karriere. Diese Ehre wurde ihr zuteil einerseits, da sie in diesem Gebiet einen Doktorgrad erlangt hatte, und andererseits als Würdigung ihrer wissenschaftlichen Forschungsarbeit. In dieser Funktion hielt sie 1892 noch eine Rede auf der World’s Columbian Exposition, bei der sie forderte, Geologie frühzeitig als Fach in der Schule einzuführen. Doch im gleichen Jahr wandte sie sich bereits vollständig ihrer kirchlichen Arbeit zu.

Bereits 1890, nachdem ihre Mutter gestorben war, hatte sie mit ihrem Vater die Planung einer Schule für junge afro-amerikanische Frauen (WoC) begonnen. Diesen Plan setzten die beiden nun im Rahmen ihrer Kirchenarbeit in die Tat um. Eine erste Schule, die sie eröffneten, wurde bald darauf wieder geschlossen, weil der Direktor Morddrohung erhielt. 1892 gründete Holmes nun das nach ihrer Mutter benannte Mary Holmes Seminary, an dem WoC in Literatur, Grammatik, Geschichte, Naturwissenschaften, Mathematik, Musik, Bibellehre und Haushaltslehre unterrichtet wurden. Die Schule überstand zwei schwere Brände, 1895 und 1899, und musste jeweils mit Spenden, für die Holmes sich einsetzte, wiederaufgebaut werden. 1959 öffnete sich das Seminar von einem privaten Institut mit ausgewählten Schülerinnen zu einem öffentlichen Institut, bis 2005 blieb es unter dem Namen Mary Holmes College in dieser Form geöffnet.

Mary Holmes starb bereits 1906 im Alter von 55 Jahren.

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Ebenfalls diese Woche

7. April 1782: Marie-Anne Libert
Die belgische Mykologin war die erste, die verschiedene Schlauchpilze beschrieb, die Pflanzen befallen können, außerdem das erste weibliche Mitglied der Société Royale des sciences Botaniques de Belgique.

13/2020: Regina Fleszarowa, 28. März 1888

Regina Fleszarowa (Link Englisch) wurde unter ihrem Mädchennamen Danysz auf einem kleinen Hof in Wiśniew geboren und wuchs dort auch auf. Nach der Grundschule setzte sie ihre Bildung in Warschau und Kiew fort. In Zürich begann sie sich auf die Geografie zu konzentrieren, mit 19 Jahren ging sie 1907 nach Paris, um dort Vorlesungen in Geographie und Geologie zu besuchen. An der Universität von Paris machte sie 1910 ihren Bachelor, doch setzte ihr Studium fort mit dem Ziel zu promovieren. Als Doktorarbeit lieferte sie eine ‚Kritische Studie einer alten Landkarte von Polen aus der Hand von Stanislas Staszic‘ über dessen topologische Untersuchung der Karpaten. Mit dieser Dissertation erlangte sie 1913, mit 25 Jahren, als erste polnische Frau einen Doktortitel in Naturwissenschaften.

Sie unterrichtete zunächst Topologie, dann forschte sie mit einem ukrainischen Kollegen zu atmosphärischen Niederschlägen über Polen. Nach der Veröffentlichung ihrer Studie zog sie nach Zakopane, wo sie im Polnischen Frauenrat tätig war, Albin Fleszar heiratete und einen Sohn bekam. 1916 starb ihr Mann bereits und sie ging mit ihrem Sohn nach Warschau. Dort gründete sie zwei Jahre später die Polnische Geographische Gesellschaft, ein weiteres Jahr später wurde sie leitende Bibliothekarin am Nationalen Geologischen Institut in Warschau. In dieser Position blieb sie bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges und baute den Bestand der Bibliothek in dieser Zeit um 30.000 Bände aus. Sie schrieb außerdem im Lauf ihres Leben mehr als 100 Artikel und Arbeiten zur Wissenschaftsgeschichte und Geographie Polens.

1935 wurde Fleszarowa eine der Senator:innen der Zweiten Polnischen Republik und setzte sich für die bessere Organisation wissenschaftlicher Arbeit sowie für die Bürgerrechte ein. Als Deutschland 1938 in Polen einmarschierte, ging sie in den Untergrund und wurde Mitglied der Polnischen Heimatarmee, wo sie unter anderem half, polnische Juden zu verstecken. Auch im Widerstand lag ihr die Wissenschaft und das Bibliothekswesen am Herzen, sie organisierte geheime Treffen, um die Archive der Polnischen Bibliothekarischen Vereinigung vor den Deutschen zu retten. Nachdem 1944 der Warschauer Aufstand der Heimatarmee von den Deutschen niedergeschlagen worden war, floh Fleszarowa nach Lublin. Im dort gegründeten Polnischen Komitee der Nationalen Befreiung wurde sie Leiterin der Abteilung für Bibliotheken im Bildungsministerium. Als 1945 der Krieg beendet war, wandte sie sich im innenpolitischen Bereich der Neuorganisation des polnischen Frauenbund zu. Gleichzeitig wurde sie im Außenministerium eingesetzt als eine der Kartograf:innen, die die Westgrenze Polens festlegten. Anschließend war sie bis 1948 im Warschauer Stadtrat tätig.

1951 schließlich begann sie am Museum der Erde in Warschau zu arbeiten, das zur Polnischen Akademie der Wissenschaften gehört. Zwischen ihrem Antritt dort und ihrer Pensionierung 1958 trug sie eine Bibliografie zu den Geowissenschaften in Polen zusammen, die in fünf Bänden 200 Jahre polnische erdkundliche Forschungen abdeckte. Der erste Band erschien 1957 und umfasste die Literatur des 20. Jahrhunderts, der letzte, der Material bis ins Ende des 19. Jahrhunderts enthielt, erschien 1966 mit der Unterstützung ihrer Nachfolger:innen am Museum.

Regina Fleszarowa blieb auch im Ruhestand noch im Frauenbund und den Akademie der Wissenschaften aktiv, bis sie 1969, am 30. Juni oder 1. Juli, bei einer Schiffsreise auf der Weichsel plötzlich verstarb.

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Ebenfalls diese Woche

23. März 1882: Emmy Noether
Über die Mathematikerin habe ich 2013 geschrieben.

24. März 1884: Chika Kuroda (Link Englisch)
Als erste Japanerin, die 1916 ihren Bachelor of Science machte, und zwar ebenfalls in Chemie, ist sie eine Wegbereiterin für Katsuko Saruhashi. Sie forschte zu natürlichen Pigmenten.

24. März 1891: Kathleen E. Carpenter (Link Englisch)
Die britische Ökologin untersuchte in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts die Schwermetallbelastung von walisischen Flüssen und schrieb mit Life in Inland Waters das erste Buch, das sich vollständig mit der Ökologie von Süßwasser befasste.

27. März 1724: Jane Colden (Link Englisch)
Obwohl sie botanischen Fachschriften keine Anerkennung fand, galt und gilt die Amerikanerin als erste Frau, die in ihrem Land in diesem Fachgebiet arbeitete. Sie hinterließ ein unbetiteltes Manuskript zur Flora der Region New York.

20/2019: Kate Marsden, 13. Mai 1859

Über die Kindheit von Kate Marsden ist nicht viel bekannt, außer dass sie früh verwaiste. Mit 16 Jahren wurde sie Krankenschwester, eine Tätigkeit, die sie mit 18 bereits nach Bulgarien brachte, wo sie für das Rote Kreuz im Russisch-Osmanischen Krieg Verwundete versorgte. Dort begegnete sie den ersten Leprakranken (Link TW Bild) ihres Lebens, die sie davon überzeugten, dass die Heilung der Krankheit ihre Lebensaufgabe sei. Der Lepraerreger war erst wenige Jahre zuvor entdeckt worden; Lepröse wurden noch immer als unheilbar, vor allem aber hochansteckend betrachtet und lebten daher meistens unter extrem schlechten hygienischen Bedingungen, von der restlichen Gesellschaft verstoßen.

Nach dem Ende des Krieges kehrte sie zunächst nach England zurück, um ihre an Tuberkulose erkrankten Geschwister zu pflegen. Auch ihre Schwester in Neuseeland litt daran und so reiste Marsden 1884 mit ihrer Mutter dorthin. Nach dem Tod der Schwester verblieb sie zunächst in Wellington und leitete ein Krankenhaus, außerdem gründete sie die erste Zweigstelle der Johanniter in dem Inselstaat. Dann starb 1889 der „Apostel der Leprakranken“ Pater Damian, ein in der Sache besonders engagierter Geistlicher, der auf der hawai’ianischen Insel Moloka’i gearbeitet hatte. Marsden kehrte nach England zurück mit dem Wunsch, in den englischen Kolonien seine Arbeit fortzusetzen. Als sie im Folgejahr vom Roten Kreuz eine Einladung nach Sankt Petersburg erhielt, um von Zarin Maria Feodorowna einen Orden für ihre Aufopferung im Russisch-Osmanischen Krieg verliehen zu bekommen, bot sich ihr eine große Chance. Vor ihrer Abreise ersuchte sie ein Unterstützungsschreiben der Königin Victoria und deren Schwiegertochter Alexandra von Dänemark, die auch die ältere Schwester der Zarin war. Mit diesen Schreiben ausgestattet reiste sie nach Sankt Petersburg und erlangte dort nicht nur einen offiziellen Brief der Zarin, der ihre Forschungen zur Lepraheilung in Russland unterstützte, sondern auch finanzielle Förderung dafür.

Mit diesen Hilfsmitteln ausgestattet, kehrte sie zuerst nach England zurück, schiffte sich dann nach Ägypten ein und reiste über Alexandria, Jaffa, Jerusalem und Zypern nach Konstantinopel. Dort traf sie auf einen englischen Arzt, der ihr von einem angeblichen Heilkraut gegen Lepra erzählte, das in Sibirien zu finden sei. Nach dieser Begegnung reiste Marsden erneut nach Moskau, um von dort aus mit weiterer Unterstützung der Zarin und in Begleitung einer Übersetzerin nach Sibirien aufzubrechen. Ihr Reisegepäck beinhaltete so viele Schichten an Kleidung, dass sie in voller Montur ihre Knie nicht mehr beugen konnte und von drei Männern in den Schlitten gehoben werden musste, außerdem 18 Kilogramm Christmas Pudding – mit dem einfachen Argument, dass dieser ein unverderbliches Nahrungsmittel darstellte und sie ihn gerne aß.

Moskau - Irkutsk - zu Fuß
Google Maps: Auf dieser Route gibt es eine Fährstrecke. Diese Route verläuft durch Kasachstan. Dein Ziel liegt in einer anderen Zeitzone.

Die Reise der beiden Frauen dauerte zwei Monate allein bis Omsk (Google gibt auch heute für die Reisedauer zu Fuß 508 Stunden an). Dort musste Marsden wegen Krankheit pausieren und ihre Übersetzerin warf gänzlich das Handtuch. Nach der Genesung setzte die entschlossene Krankenschwester ihre Mission nach Jakutien alleine (also ohne Begleitung außerhalb der rekrutierten Einheimischen) fort. Das zweite Drittel ihrer Reise führte sie nach Irkutsk am Baikalsee, wo sie ein Kommittee zur Bekämpfung der Lepra gründete; schließlich brachte sie das letzte Drittel bis Jakutsk an der Lena, von wo aus sie sich noch in das nördliche Sibirien vorwagte – auf dem Pferd, teilweise abenteuerlich durch brennende Torffelder, auf der Suche nach dem Wunderkraut. Während ihrer ganzen Reise half sie neben Leprakranken auch anderen Bedürftigen, wie Strafgefangenen auf dem Weg ins Exil, insbesondere den Frauen darunter.

Sie fand in den Tiefen Sibiriens wohl ein Kraut, kutchutka, das dort gegen die Symptome der Lepra verwendet wurde, doch weit entfernt von einem Heilmittel war. Nach elf Monaten Reise durch Russland kam sie wieder in Moskau an und begann sofort, Spenden zu sammeln für eine Leprastation, in der Erkrankte unter menschenwürdigen Bedingungen versorgt werden könnten. Zurück in England, erhielt sie von Queen Victoria eine Brosche in Form eines Engels und sie wurde als eine der ersten weiblichen Fellows in die Royal Geographical Society aufgenommen. Im Folgejahr brachte sie ihren Reisebericht On Sledge and Horsback to Ouscast Siberian Lepers heraus, außerdem hielt sie diverse Vorträge, in denen sie auf die Zustände in den sibirischen Leprakolonien aufmerksam machte und Spenden sammelte. 1895 konnte dann in Wiljuisk eine moderne Leprastation nach ihren Plänen erbaut werden.

Ihr Ruhm als Abenteurerin und Erfolg als Wohltäterin zog jedoch Missgunst auf sich. Einige Kritiker meinten, es sei unglaubwürdig, dass sie als Frau diese ausgesprochen schwierige Reise angetreten und überstanden hätte. Schlimmer jedoch für ihre Position waren zwei Vorwürfe, die sie moralisch fragwürdig erscheinen ließen. Einerseits warf ihr eine ehemalige Reisegefährtin aus der Zeit in Neuseeland vor, eine Betrügerin zu sein, die womöglich auch die Spendengelder für die Leprakranken für den eigenen finanziellen Gewinn nutze. Eine amerikanische Russland-Expertin, Isabel Hapgood, griff diese Vorwürfe auf und bezichtigte Mardsen öffentlich der Veruntreuung. Auch wenn Marsden tatsächlich in ihrem Privatleben nicht den zuverlässigsten Umgang mit Geld, insbesondere Schulden hatte, konnten die Untersuchungskommissionen – sowohl in England wie in Russland – keine Unregelmäßigkeiten in ihrer Verwendung der Spenden feststellen. Nichtsdestotrotz war ihr Ruf als Wohltäterin geschädigt.

Diese üble Nachrede hätte Marsden vielleicht überstehen können, insbesondere nach der offiziellen Unschuldserklärung, doch sie ging Hand in Hand mit einem weniger juristischen als moralischen Vorwurf. Unter anderem die ehemalige Reisebegleiterin, aber auch ein engslischsprechender Pastor in Sankt Petersburg berichteten von der Homosexualität Marsdens – und Marsden selbst gab zu, die Avancen anderer Frauen nicht abgewiesen zu haben. Zwar war weibliche Homosexualität in England im Gegensatz zu männlicher nicht strafbar, aber gutgeheißen wurde sie auch nicht. William T. Stead, der erste Vertreter des investigativen Journalismus, war an vorderster Front bei der Schmierkampagne gegen Marsden. Sie dachte über eine Verleumdungsklage gegen den Sankt Petersburger Pastor nach und, nachdem dieser die Ergebnisse der russischen Spendenkommission als „Schönfärberei“ abtat, strengte auch eine solche an, doch ihre finanzielle Situation machte es unmöglich, diese juristische Handhabe weiterzuverfolgen. An Oscar Wilde, der im gleichen Jahr mit einer Verleumdungsklage scheiterte und vom Kläger zum Angeklagten wurde (später für Unzucht mit Prostituierten zu zwei Jahren harter Zwangsarbeit verurteilt, die langfristig seinen Tod verursachte), hatte sie ein warnendes Beispiel für die hohen Kosten und gleichzeitig schlechten Erfolgschancen einer solchen Klage.

Marsden führte ihre Arbeit noch einige Zeit weiter, doch konnte sie sich vom Ansehensverlust nicht erholen. 1914 war sie noch ursprünglich an der Gründung eines Museums in Bexhill beteiligt, zu dessen Sammlung sie selbst Stücke beitrug und sie überzeugte einen Bekannten, seine ägyptischen Artefakte zur Verfügung zu stellen, außerdem organisierte sie Versammlungen zur Unterstützung des Museums. Dann kontaktierte der Bürgermeister der Stadt das Gründungskommittee und wies auf den Jahre zurückliegenden Skandal in Marsdens Geschichte hin. Daraufhin musste sie sich von ihrer Tätigkeit zurückziehen, weil sie „nicht geeignet“ sei, Spenden zu verwalten.

1921 schrieb sie noch eine Verteidigungsschrift, My Mission in Sibiria, A Vindication, um gegen die Unterstellungen und ihren Ansehensverlust vorzugehen, blieb jedoch erfolglos. Sie starb demenzkrank 1931 in London.

Das Krankenhaus, das sie in Jakutien gründete, wurde 1962 geschlossen, doch Marsden wird dort noch immer erinnert und verehrt. Ein 55-Karat schwerer Diamant, der in Jakutien gefunden wurde, erhielt nach ihr den Namen Sister of Mercy Kate Marsden. Atlas Obscura (Link engl.) hat einen ausführlichen Artikel zu ihr online, einen Teil ihres Reiseberichts, der sich zu lesen lohnt, ist bei thelongridersguilt (Link engl.) zu finden.

19/2017: Inge Lehmann, 13.5.1888

English below
Wiki deutsch
Inge Lehmann brauchte, wohl aufgrund äußerer und innerer Umstände, eine lange Zeit, um zu ihrer Berufung als Seismologin zu finden. Sie studierte ausgedehnt und von Phasen der beruflichen Tätigkeit unterbrochen Mathematik; die Schwierigkeiten, die einer Frau in einem männlich dominierten Umfeld begegnen, dürften nicht unerheblich zu ihren seelischen Problemen beigetragen haben, die sie vom Studium in die einträgliche und unauffällige Arbeit bei Versicherungsgesellschaften trieben.

Nachdem sie schließlich ihr Studium der Mathematik abgeschlossen hatte, arbeitete sie in der Geodäsie, wohin es sie durch die Arbeit mit dem Geodäten Nørlund verschlagen hatte.

Ihre Erkenntnis, dass der Erdkern nicht vollständig flüssig sei, sondern einen festen inneren Kern haben muss, veröffentlichte sie 1936 mit 48 Jahren in einem Artikel mit der Überschrift P‘ – denn sie war anhand des Studiums der P-Wellen auf Seismogrammen zu dieser Erkenntnis gekommen. Dies wurde recht bald von anderen Wissenschaftlern akzeptiert, fand aber erst weitere Verbreitung, nachdem die These 1971 mithilfe von Computern berechnet und bestätigt werden konnte.

Der Zweite Weltkrieg und einige persönliche Enttäuschungen führten zu einem unruhigen späteren Lebenslauf, immerhin jedoch führte dieser jedoch zur Entdeckung einer weiteren Diskontinuität, die dann auch nach Inge Lehmann benannt wurde.

Lieblingszitat:

Sie sollten wissen, mit wie vielen inkompetenten Männern ich konkurrieren musste – vergeblich.

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Wiki english
Inge Lehmann needed a long time, assumably due to inner and outer circumstances, to find her calling as a seismologist. Her study of math was prolinged and disrupted by times of working a job; the difficulties a woman meets in a male dominated field will  have been a negligible contribution to her mental helath issues, which drove her from her studies into a profitable and inconspicuous job at insurance companies.

After finishing her degreein math she worked in geodesy, to which she was brouht by her work with the geodesist Nørlund.

She published her finding that earth’s core is not completely liquid, but with a solid inner core, in 1936 at age 48 in an article headlined P‘ – because it was was her study of P-waves on seismograms that led her to it. Other scientists accepted it quite quickly, but it only found wider distribution after the theory was calculated and proven with the help of computers in 1971.

World War II and several personal disappointments led to a restless course of life later on, at least though it brought her to the discovery of another discontinuity which sure enough was named after Inge Lehmann.

Favourite quote:

You should know how many incompetent men I had to compete with – in vain.

01/2017: Fanny Bullock Workman, 8.1.1859

Fanny Bullock Workman

English below
Wiki deutsch
Fanny Bullock wurde in priviligierte Umstände geboren und genoss eine tiefgreifende Ausbildung in den Vereinigten Staaten (New York), Frankreich (Paris) und Deutschland (Dresden). Schon in ihrer Schulzeit war sie von Abenteuerlust und Fernweh getrieben.

Mit 22 Jahren heiratete sie Hunter Workman, der ihre Expeditionsfreude teilte und ihre Begeisterung für das Bergsteigen weckte. Es war dabei ihr Vorteil, dass amerikanische Bergsteiger-Clubs, anders als die europäischen, für Frauen offen waren. Fannys feministische Überzeugung wurde von dieser Tatsache geprägt; das Thema der Möglichkeiten und Rechte der Frau blieb für sie Zeit ihres Lebens mit dem des Bergsteigens verbunden.

Die Ehe brachte auch zwei Kinder hervor. Die Tochter Rachel, 1884 in Worcester, Mass. geboren, jedoch in Internaten und von Kindermädchen großgezogen wurde und der Sohn Siegfried, 1889 in Dresden geboren, mit etwa 4 Jahren an Lungenentzündung starb. Fanny sah sich selbst als eine Neue Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt nicht mit den traditionellen Rollen und Verhaltensmustern der Frauen zufriedengab. Dementsprechend hatte sie keinen Ehrgeiz für häusliche Pflichten und Kindererziehung. Ihrer Tochter schadete dieses Vorbild keineswegs.

Die Workmans verlegten nach dem Tod ihrer beider Eltern, der sie wirtschaftlich auf Lebzeiten absicherte, ihren Wohnsitz nach Deutschland und begannen von dort aus zunächst, die umgebenden Länder mit dem Fahrrad zu erkunden und darüber Reiseberichte zu schreiben. Ihre ersten Fahrradtouren führten in die Niederlande, Frankreich, Italien und die Schweiz; sie unternahmen eine einjährige Fahrradexpedition nach Spanien und Marokko und brachten dabei 4.500km unter die Reifen. Weiterhin durchquerten sie Palästina, Syrien und die Türkei und legten dabei in 10 Jahren 22.500km mit dem Rad zurück. Von dort aus wendeten sie sich schließlich dem Orient zu und bereisten, auf Fannys Initiative hin, Indien und den Himalaya.

In den folgenden 14 Jahren erkundete und erkletterte Fanny mit ihrem Mann große Teile des Himalaya und fügte ihren bisherigen Rekorden weitere hinzu. In den europäischen Jahren hatte sie als eine der ersten Frauen bereits den Mont Blanc, die Jungfrau und das Matterhorn bestiegen. Im Himalaya bestieg sie als erste Frau den Pinnacle Peak und stellte damit den Höhenrekord für Frauen auf, bei 6.930m. Sie bestieg als erste Frau den Koser Gunge und als erste Frau aus dem Westen den Siachengletscher, den sie mit ihrem Mann auch kartografierte.

Fanny Bullock Workman gründete 1902 den American Alpine Club mit, war die zweite Frau, die Mitglied der Royal Geographical Society werden durfte, und nachdem sie und ihr Mann ihre Expeditionstätigkeit hauptsächlich wegen des Ersten Weltkrieges aufgeben mussten, war sie die erste Frau, die an der Sorbonne in Paris Vorlesungen halten durfte – dies tat sie je nach Publikum auf Englisch, Deutsch oder Französisch.

Insgesamt veröffentlichte sie mit ihrem Mann acht Bücher über ihre Reisen, von denen sieben als Online-Lesematerial zu finden sind. Trotz oder gerade wegen ihrer eigenen priviligierten Herkunft und Situation hatte sie stets einen Blick für die Schwierigkeiten der Frauen in den Ländern, die sie bereiste, und setzte sich für Gleichberechtigung, bessere Bildungschancen für Mädchen und gemäß ihrer anderen Leidenschaft für frauengerechte, praktische Bergsteigerbekleidung. Sie selbst absolvierte ihre Expeditionen und Höhenrekorde in Röcken.

1925 starb sie in Cannes.

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Wiki english

Fanny Bullock was born into privilege and received a profound education in the US (New York) France (Paris) and Germany (Dresden). Already during her school years she was driven by a zest for adventure and wanderlust.

When she was 22, she married Hunter Workman, who shared her joy in expeditioning and aroused her enhusiasm for mountaineering. It was to her advantage that the American climbing clubs allowed women, as the European did not. Fanny’s feminist conviction was shaped by this fact; the topic of possibilities for and rights of women were for her connected to the topic of climbing throughout her life. 

The marriage produced two children as well. The daughter Rachel, born 1884 in Worcester, Mass. , was raised in private schools and by nannies, and the son Siegfried, born 1889 in Dresden, died of pneumonia at about 4 years old. Fanny saw herself as one of the New Women, who weren’t satisfied with traditional roles and behaviour patterns of a male dominated world. Correspondingly she had no ambition in chores or parenting. It doesn’t seem that her daughter took harm from her example.

After both their parents had died, financially securing them for the rest of their lives, the Workmans changed their place of residence to Germany and started at first to eyplore the neighbouring countries be bike and writing travel books about it. Their first bike tours took them to the Netherlands, France, Italy, and Switzerland; they ventured on a year-long bike expedition to Spain and Marocco, cycling a good 2,800m. Furthermore they crossed the Palestine, Syria and Turkey and by that covered a distance of approx. 14.000miles in ten years. From there they turned to the rient and traveled to Indiy and the Himalaya region, mainly on Fanny’s initiative.

In the following 14 years, Fanny and her husband explored and climbed wide parts of the Himalayas, adding more to her previous records. During the European years, she had climbed the summit of the Mont Blanc, the Jungfrau and the Matterhorn as the first woman to do so. In the Himalayas, she was the first woman to climb Pinnacle Peak, setting the altitude record for women at the time at 22,735feet. She was the first woman to climb the Koser Gunge and the first Western woman on the Siachen glacier, which she mapped with her husband.

In 1902, Fanny Bullock Workman co-founded the American Alpine Club, was the second woman to be allowed a member of the Royal Geographical Society, and after she and her husband had to abandoned their expeditioning, mainly due to the First World War, she was the first woman to lecture at the Sorbonne in Paris – she did this in English, German or French, depending on the audience.

She and her husband published eight books about their travels, seven of which can be found and read online. Despite or maybe because of her own privileged origin and situation, she always had an eye for the struggles of women in the countries she visited, and promoted equality, better education for girls and, in accordance with her other passion, practical and suitable climbing attire for women. She herself got through her expeditions and altitude records in skirts.

She died in Cannes in 1925.

Bild: By William Hunter Workman – Two summers in the ice-wilds of eastern Karakoram. The exploration of nineteen hundred square miles of mountain and glacier by Fanny Bullock Workman and William Hunter Workman with three maps and one hundred and forty-one illustrations by the authors. New York : E.P. Dutton & Company, [1917], opposite p. 128., Public Domain