Schlagwort: feminismus

KW 28/2015: Daphne Marlatt, 11. Juli 1942

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Mal wieder was für die Leseliste: eine proklamierte feministische Autorin von Gedichten und Romanen. Vor allem Rings, ein Gedichtband über „Schwangerschaft, Geburt und frühe Elternschaft“ klingt für mich natürlich gerade sehr interessant.

Sonst hat Daphne Marlatt auch schon eine beachtliche Liste an Veröffentlichungen, die ich mir, wenn ich mich zu ihr durchgearbeitet habe (in 85 Jahren) dann bei Gefallen auch vornehme. *seufz*

KW 25/2015: Lalla Aicha von Marokko, 17. Juni 1930

frauenfiguren lalla aicha von marokko

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In Zeiten von Pegida und muslimischen Hasspredigern finde ich es besonders wichtig, im Rahmen meiner Möglichkeiten darauf hinzuweisen, dass nicht Kultur und Religion per se das Problem in Humanitarismus und Feminismus sind – es sind die starren Strukturen, orthodoxen Lesarten und vor allem das von Angst geprägte Denken, die jede Kultur und jede Religion – ebenso wie den Atheismus – zu aggressiven und schädlichen Ideologien verzerren können.

Die Prinzessin Lalla Aicha von Marokko trat schon früh für den Feminismus ein – eine Tatsache, die auch dadurch möglich war, dass offenbar ihre Familie ebenso von der Gleichwertigkeit und den Möglichkeiten der Frauen in der Welt überzeugt war.

Es gibt diese Frauen, es gibt den friedlichen und fortschrittlichen Islam, so wie es das friedliche und fortschrittliche Christentum und Judentum gibt. Was jemand glaubt, bestimmt nicht notwendigerweise, ob und wen er hasst, ablehnt oder unterdrücken will.

Bild: By rolbenzaken – RECIT D’UNE ENFANCE HEUREUSE A RABAT (MAROC), Public Domain

mad max: fury road

george miller, australien/usa 2015
seht diesen film. fragt nicht, geht einfach ins kino und seht ihn.
die gründe dafür können vielfältig sein. ist MM:FR der neue maßstab für actionfilme, visuell wie inhaltlich? ja. der film geht nach vorne ohne jemals zu bremsen, er flemmst euch die stoppeln vom sehnerv, bläst das kondenswasser aus den ventrikeln, brennt sein markenzeichen in die schaulust. er legt eine post-apokalyptische welt dar, die aus pop-kultur-wahnwitz und phallozentrischer technik-verehrung gebastelt wurde, lässt den erklärbär aber wunderbar gelassen im winterschlaf.
ist MM:FR auch die „feministische propaganda“, die in manchen finsteren winkeln des internets gewittert wurde? die meinungen gehen auseinander, ich aber sage laut und mit strahlendem lächeln: ja. wobei man heute eben ruhig von „feministischer propaganda“ sprechen darf, wenn männer und frauen schlicht mengenmäßig und in ihren handlungsmöglichkeiten gleichberechtigt eingesetzt werden. wenn der bechdeltest ohne die geringste schwäche bestanden wird. wenn ein actionfilm eine frau und einen mann als hauptpersonen einsetzt und diese beiden keine liebesbeziehung eingehen. wenn männer und frauen kooperieren, um ein system zu stürzen, das beide geschlechter in enge, erniedrigende und tödliche korsette zwängt.
mein neuer absoluter lieblingsfilm – er hat natürlich wieder tom hardy und er hat vor allem charlize theron. geht, seht, liebt.
The Mary Sue: MM:FR is a lovely orgasm for your eyes
We All Agree that Mad Max: Fury Road is Great. Here’s Why It’s Also Important.
7 ways ‘Mad Max: Fury Road’ sublimely subverts movie sexism
hey girl feminist mad max tumblr

KW 38/2013: Hedwig Dohm, 20. September 1831

Hedwig Dohm

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Hedwig Dohm war die zweite Frau in Deutschland, die – bereits 1873 – das Frauenwahlrecht forderte. Ihren „Kolleginnen“ der damaligen Frauenbewegung war sie, waren ihre Forderungen, zu radikal. Sie selbst typische von der Bildung ferngehaltene höhere Tochter, die erst durch die Heirat mit einem Zeitungsverleger aus der Dunstglocke des patriarchalischen Miefs fliehen konnte*. Und sie floh nach vorn: In humoristische, feministische Texte, Pamphlete, Lustspiele. In Salons, Frauenvereine.
*Wieder so ein Beispiel dafür, dass die Sehnsucht nach Gleichberechtigung auch in einer kulturellen Umgebung aufblühen kann, die jeden Gedanken daran verabscheut, siehe Phoolan Devi.

Dabei Ehefrau eines „Lebemannes“ und Mutter von 5 Kindern, davon 4 Töchter. Ebenso radikale Pazifistin wie Feministin, mit Witz und Wut.
Ihre Biografie auf Fembio ist lesenswert, besonders aber die von zwei engagierten Frauen ins Leben gerufene eigene Webseite sollte Aufmerksamkeit finden. Und noch spezieller hier die Zitateseite. Mein Liebling:

„Und hier liegt, fürchte ich, eine der Hauptquellen, aus der die Männer ihre verschrobenen Ansichten über die Frau schöpfen: Wenn sie vom „Reiz der Unwissenheit“, dem „Zauber der Naivität“ sprechen, bevölkert sich ihre Phantasie sofort mit reizenden jungen Mädchen zwischen 16-18 Jahren, während sie die Vorstellung einer wissenschaftlichen, gebildeten Frau nicht von der einer alten und hässlichen Person trennen können. Das Weib hört auf, für sie zu existieren, sobald es ihrem Vergnügen nicht mehr dient.“ In: Was die Pastoren über die Frauen denken, 1872, S.86f.

Bild: Von unbekannt, PD-alt-100

das wort mächtiger

auf Zeit Online unterhalten sich die rapperin Sookee und der rapper Megaloh über die macht der sprache und die ohnmacht der gesellschaft. tollster satz von Sookee: „ich fände es auch super, keine feministin sein zu müssen.“
erstaunlich dann, dass der mann davon spricht, dass hiphop für ihn emanzipation bedeutete – als schwarzer (seine eigene wortwahl) fand er in der kultur raum, sich gleichberechtigt bewegen zu können. dass dies in vielen, wenn nicht den meisten gesellschaftlichen räumen für frauen nicht der fall ist, dafür fehlt ihm zugegebenermaßen die erfahrung am eigenen leib. seine einschätzung, dass es mehr an filmen und computerspielen liegt, was „mit der jugend heute los ist“, spiegelt ebenfalls ein verkürztes denken – filme und computerspiele sind am ach so schlimmen niedergang der jugend ebenso sehr oder ebenso wenig schuld wie seine oder irgendeine andere musik. inzwischen sollte es doch durchgedrungen sein, dass kein unschuldiges kind auf einen film, ein computerspiel oder einen hiphop-song trifft und danach amok läuft oder zum gangsta wird. jedoch: das perpetuieren von vorgefunden strukturen in den medien, das ist ein problem, weshalb es die verantwortung von medien ist, verantwortungsvoll mit dem vorgefundenen umzugehen. hieße in diesem fall: zu erkennen, was für männlichkeits- und weiblichkeitsbilder bei der jugend vorherrschen und die engen rahmen mit ihren texten aufzubrechen. als vorbilder zu zeigen, dass es eben nicht so sein muss, nicht immer und nicht unter sanktionen. wenn Megaloh dann sagt: „bestimmte verhaltensweisen muss man lernen, wenn man mitspielen will“, frage ich mich, wie man da von emanzipation, egal wovon, sprechen kann. ist echte emanzipation, echte autarkie nicht, solche arbiträren regeln wie die gangsta-bitch/ho-polarität zu unterwandern, zu brechen und dem spiel neue regeln zu geben?!
in Sookees beschreibung ihrer jugend und rollenfindung als frau in einer männlich dominierten welt finde ich mich dann wieder – die ablehnung von „weiblichen“ attributen, das erst allmähliche zurückfinden zur stärke, die im vertrauen auf die eigenen gefühle und auch im äußern der eigenen befindlichkeit liegt. das interessante: dass beide rapper in ihrer vergangenheit bedauern, frauen/mädchen nicht gut behandelt zu haben. da liegt eben das problem, das maskulinisten nicht erkennen: dass es den feminismus gibt, weil egal wer diskriminiert in der männer/frauen-frage, die leidtragenden sind bisher hauptsächlich die frauen gewesen. mädchen sein ist schlechter als junge sein. es geht nicht darum, die lage umzukehren, sondern die unterschiede auszugleichen. und die geschirre, die beiden geschlechtern durch weitergetragene klischees angelegt werden, zu durchtrennen – Sookee bringt es auf den punkt:

Es geht um Einsichten. Ich wünsche mir, dass Männer in den Momenten, in denen sie realisieren, wie anstrengend es ist, ständig ihr Geschlecht zu performen, checken, wie Frauen sich fühlen. Und umgekehrt. Von mir aus soll es auch diese krassen Muskelmännlichkeiten geben, nur nicht in der Ausschließlichkeit. Es geht also nicht darum, Männlichkeit als Ganzes zu verwerfen, sondern die Dominanz einer bestimmten vorherrschenden Form von Männlichkeit ein bisschen aufzubrechen.

im weiteren spricht sie sich für eine frauenquote aus, deren notwendigkeit Megaloh mit einem verzeihlichen fehlschluss in frage stellt: qualität setze sich seiner erfahrung nach durch. wie ich an anderer stelle auch schon mal schrieb, geht es bei einer frauenquote nicht darum, unbefähigte menschen allein wegen ihres geschlechtes zu (be-)fördern. sondern befähigte menschen zu fördern, die aufgrund ihres geschlechtes sonst keine chance bekommen – das ist die krux! die argumentation, wie Megaloh sie führt, geht fälschlicherweise davon aus, dass es keinen unterschied in den chancen für männer und frauen gibt. vielleicht meinen menschen wie er, weil es im gesetzbuch steht, ist es bereits realität. tatsächlich ist die benachteiligung von frauen vielseitiger, subtiler und nachhaltiger, als dass man sie umfassend erklären könnte. man kann nur bei jedem puzzlestück, das einem selbst begegnet, darauf hinweisen.
Sookee kontert seine plattitüde im übrigen effektiv. der rest ist das übliche „die jugend von heute retten“-theorisieren.

waffen töten keine menschen, feministinnen töten menschen (vor allem die kinder)

ich will nicht zu einem artikel mit ausgemachtem unfug verlinken, den ich auch gar nicht gelesen habe, sondern zu dem wortgewaltigen und oh so wahren und berechtigten rant von Rochus Wolff im genderblog.
die argumentation des unfug-artikels ist daraus zu entnehmen, ein weiterklicken kann also ausblieben – keine klicks für dumme texte. aber das enthaltene video ist sehr interessant und birgt erhellendes.

WEG MIT
§219a!