Schlagwort: film

marvel's the avengers

joss whedon, USA 2012
bechdel-test hin oder her. wenn ich in filme wie diesen gehe, möchte ich auch als feministische frau keine politische diskussion der gender im 21. jahrhundert zwischen fünf starken weiblichen charakteren. da möchte ich männerarme schweißglitzernd aus engen t-shirts pulsieren, Robert Downey Jr. den arroganten tanz des lebemannes vollführen und den aalglatten, aber stilfaschistischen bösewicht fulminant in seine schranken gewiesen sehen.
wie man bei der cast-betrachtung sehen kann, gibt es hier auch eine smurfette, die ich sogar ganz erträglich finde. bin ich unemanzipiert, weil es mich nicht stört, dass mein gender als actionfigur unterrepräsentiert ist? ich sage: ich bin emanzipiert genug, um actionfilme mit vorrangig männlichen protagonisten als sozialverträgliches äquivalent zum frauenporno zu betrachten. thor, iron man, hawkeye und den hulk sehe ich mir jedenfalls lieber an als irgendwelche girliesken pseudo-actionheldinnen, die doch nur dazu dienen, männlichen phantasien eine entladungsfläche zu bieten.
mein mann hat über den superhelden-ringelpiez bei Hard Sensations geschrieben.

KW 19/2012: Amy Heckerling, 7. Mai 1954

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Ursprünglich hatte ich sie ausgewählt, weil sie als Regisseurin von A Night at the Roxbury genannt ist. Dies allerdings uncredited. Hm. Look Who’s Talking ist jetzt nicht unbedignt der ruhmreichste Eintrag in ihrer Filmographie, also bleibe ich beim ursprünglichen Plan und feiere sie schlicht mit den besten Ausschnitten (nicht von mir ausgewählt und geschnitten) aus dem grandiosen Ferrell-Kattan-Fest.

born of fire

jamil dehlavi, england 1987
ein recht einfaches stück für mich: die frau in diesem film, die auch nur „die frau“ heißt, ist weniger charakter, als vielmehr archetyp. weise frau, irdisches prinzip, wahrsagerin, verführerin, mutter, gefäß für neues leben, aber auch für das böse. ihre handlungen beziehen sich vollständig auf die männlichen pro- und antagonisten. am ende stirbt sie: einmal als mutter – das ultimative opfer der frau, beim hervorbringen neuen lebens ihres zu geben – und zweitens wird sie als ausgeburt des bösen, als schlange und satan, durch die kreative macht des mannes vernichtet.
man kann dies dem film nicht wirklich vorwerfen, da er sich das islamische äquivalent der luzifer-geschichte zur grundlage gemacht hat. dass dabei die frauen (die herkömmliche dualität mutter:geliebte) durch eine einzige, namenlose figur repräsentiert sind, sagt ebensoviel aus über die wahrnehmung der frau im monotheistisch-christlich-islamischen kulturkreis, wie die tatsache, dass diese eine frau so viele verschiedene züge und potentiale in sich vereint.
ich könnte sehr lange über die frage nachdenken, wie und warum die patriarchalisch-maskulin dominierten monotheistischen religionen judaismus-chrsitentum-islam die dominanz oder zumindest gleichberechtigung weiblicher göttlichkeit in den meisten polytheistischen religionen nicht nur verdrängen, sondern mit gewalt und radikalität eliminieren mussten und konnten. dies übrigens nur, um im falle der katholischen kirche der frau via der mutter gottes dann doch wieder göttlichkeit einräumen zu müssen, durch starke marienkulte in vielen missionierten gebieten. welche ängste und politischen interessen sich da so ungut durchgesetzt haben, werde ich wohl nie zur gänze durchschauen.
anyway, der film ist ansonsten sehr schön anzuschauen – wenn ich die exotisch anmutende erzählung mit irgendetwas vergleichen müsste, würden mir am ehesten die märchen von rafik schami einfallen. europäische stringenz, die sich in orientalischer trance auflöst. dabei übrigens bilder wie gemalt (und das ist kein zufall), die zwar sicherlich von den unglaublichen „locations“ profitieren, aber auch die muss man in szene zu setzen wissen.

les lèvres rouges

harry kümel, belgien 1971
die weibliche sexualität ist etwas bedrohliches. soviel ist sicher.
die geschlechterverhältnisse in diesem film sind vielsagend und spannungsreich. beziehungen bestehen zwischen drei frauen und zwei männern, in den unterschiedlichen paarungen von mann und frau, frau und frau, mann und mann werden verschiedene möglichkeiten der sexualität und des gender gezeigt und gegenübergestellt. (ausnahmsweise, weil es in diesem kontext nicht nur anders unmöglich wäre, sondern auch interessant und relevant ist, betrachte ich die männliche hauptfigur mal ebenso genau.)
beginnen wir, chronologisch, mit valerie – eine blonde schönheit, frisch verheiratet mit stefan und spürbar sehnsüchtig nach anerkennung und liebe, ein musterbeispiel für weibliche weichheit. nicht nur von ihm will sie geliebt werden, auch von der schwiegermutter, die er ihr als strenge, repressive übermutter vorgaukelt. noch dazu hat sie  „vergangenheit“, wie es einmal angedeutet wird, ein ebenso schamvolles manko als ehefrau und schwiegertochter wie hinweis auf das potential, für den mann sexuell überwältigend zu sein. stefan hat sie wohl geheiratet, ohne ihn zu lange zu kennen, abgesehen von der körperlichen intimität scheinen die beiden sich noch völlig fremd zu sein. so erfährt sie erst durch die morde an jungen frauen in brügge – in den schlagzeilen der zeitung und bei einer begegnung in brügge an einem neuen tatort – von stefans faszination mit dem tod. was sie nicht weiß, wir aber erfahren: stefans „mutter“ ist sein erfahrener freund, ein älterer mann, mit dem er eigentlich in england zusammenlebt und der aus ersichtlichen, wenn auch auch ganz anderen gründen als eine echte mutter, von der neuigkeit nicht begeistert ist, dass stefan derzeit mit seiner frisch angetrauten in oostende weilt. während stefan also in der beziehung zu valerie seine harte „männliche“ seite auslebt, ist seine existenz in der heimat wohl eher von unterordnung geprägt. sicher nicht zuletzt aus diesem grund kommen im laufe der zeit immer dunklere, aggressivere züge an ihm zum vorschein. stefans wachsende spannung zwischen der geschnupperten morgenluft als macho und der erwarteten demütigung zuhause, ebenso wie die ungeklärte frage, wie er beide seiten, beide leben miteinander vereinen will und kann, bricht sich schließlich in der physischen attacke gegen valerie bahn.
stefan gegenübergestellt haben wir die grande dame des films, elisabeth bathory. eine herbe, fast androgyne frau und – natürlich – als vampirin metaphorischer scheitelpunkt bedrohlicher weiblicher sexualität. zu ihr gehört die stille ilona, die in ihrer fügsamkeit das schwächste glied in dieser erotischen kette darstellt und dementsprechend den starken trieben der beiden dominanten persönlichkeiten unterworfen und zum opfer gemacht wird. in elisabeth bathory und ilona spiegelt sich stefan mithin im extrem, die beiden frauen repräsentieren überdeutlich die persönlichkeiten, die unvereint in ihm schlummern. stilistisch ist dieses wechselspiel wunderschön zu sehen in den roten kleidungsstücken. stefan trägt rot, wenn er mit valerie allein ist – roter bademantel, rote lederjacke -, dies zeichnet ihn als sexuellen aggressor aus. doch in der szene, in der stefan und valerie mit elisabeth im hotel zusammensitzen und elisabeth aktiv beginnt, einfluss auf ihre beziehung zu nehmen, trägt er weiß – elisabeth hingegen ein flammend rotes kleid. sie ist der stärkere aggressor und sie nutzt stefans zwiespältigkeit aus, um ihn und valerie seelisch voneinander zu entfernen: sie zieht in auf ihre seite, schlägt ihn geradezu in bann mit ihren schilderungen der folter, die ihre vorfahrin (oder sie) den jungen mädchen der legende nach hat angedeihen lassen – eine ungemütliche szene für valerie, die bereits von stefans verhalten verunsichert ist. und sie führt ihm ilona gerdazu vor, die für ihn als submissives extrem höchst attraktiv ist, was wiederum seine beziehung zu valerie stört. sie schickt ilona zu ihm, während sie valerie an der abreise hindert, wirft ihm quasi den köder aus, vielleicht sogar berechnend, dass dies ilona das leben kosten kann (die möglichkeit, dass er sich als frauenmörder entpuppen wird, besteht schließlich durchaus). sie ergreift die initiative und dirigiert schließlich sowohl valerie wie auch stefan wie puppen, nachdem ihre beziehung an seinem ausbruch, seinem fremdgehen und seinem „mord“ offensichtlich zerbrochen ist. bereits wenige stunden, nachdem stefan ilona getötet hat, nimmt valerie ganz und gar ihren platz in elisabeths leben ein. stefan ist bereits als das nun schwächste glied dem untergang geweiht, ja, er ist im grunde bereits tot – elisabeth macht daraus keinen hehl, als sie ihn zu ilonas leiche ins grab stößt. seine letzten versuche, an valeries vorherige unterwürfigkeit zu appellieren, helfen ihm nichts, er wird von den beiden frauen verschlungen.
während stefan also noch immer mitten in der selbstfindung steckt und dabei recht planlos agiert, verfolgt elisabeth bathory ihr ziel, valerie zu gefährtin zu machen und stefan auszubluten, mit unerbittlicher genauigkeit. ins allgemein-geschlechtliche übertragen, könnte man sagen: der mann ist selbst in seiner physischen aggressivität noch nicht so stark wie die frau, die ihre sexualität kennt, lebt und einsetzt.
und es ist diese gelebte sexualität, die alle geschicke bestimmt und die vor allem unendlich ist und sich beständig perpetuiert. die schwachen: männer und unterwürfige frauen fallen ihr zum opfer, und wenn die stärkste der starken frauen abtritt, steht bereits die nächste bereit, ihren platz einzunehmen. phallische durchbohrung hin oder her.
wenn man bedenkt, dass ich den film ursprünglich nicht sehen wollte – „erotischer vampirfilm“ reizt mich nicht so sehr, da mein interesse an brüsten sich auf meine eigenen beschränkt – ist es erfreulich, wie anders sich der film tatsächlich darstellt. ein fast eher feministischer vampirfilm.
PS: mein mann hat natürlich auch darüber geschrieben.
PPS: obwohl wir 3 frauen als hauptfigur sehen und nur einen mann, kann auch dieser film den bechdel-test nur mit einem humpeln bestehen. zu großen teilen drehen sich die gespräche der frauen um den einen mann, oder doch zumindest um potentielle geschlechtspartner. ich habe nicht mitnotiert und würde daher das urteil nicht fällen wollen.

rocker

klaus lemke, deutschland 1972
die welt der rocker im deutschland der 1970er jahre ist eine männerwelt – das kann man sich ausrechnen. dementsprechend sind die frauenfiguren in „rocker“ überschaubar. ohne dem film einen vorwurf machen zu wollen – denn ich habe ihn als sensibel und liebevoll wahrgenommen – sind die frauen, die auftreten, im wesentlichen vertreterinnen zweier schablonen.
sonja, gerds ex- und ullis aktuelle freundin (oder „torte“), ist die einzige rockerbraut mit dialog. gemeinhin bevölkert die rockerbraut stumm die sozios (? soziusse?) der motorräder (oder „öfen“) der rockergang; sonja hingegen ist aus der szene ausgestiegen, arbeitet brav im kittel in einem kaufhaus und unterhält dennoch den tagedieb und kleinkriminellen ulli, der auch lederjacke trägt. als gerd wieder vor ihrer tür steht, will sie zwar definitiv nicht zurück zu ihm und in die szene, unterwirft sich den gesetzen der gruppe aber dennoch insoweit, dass sie sich in die kluft schmeißt, um ihrem ex choram publico das ende der beziehung offiziell anzumelden. doch gerd wird im clubhaus von einigen maskierten überfallen und sonja findet ihn an einen baum gebunden und verprügelt vor dem brennenden schuppen – in dieser dramatischen lage werden offenbar alte romantische gefühle wach. sonja bekommt jedoch keine chance, sich zu entscheiden: von gerd wird sie abgewiesen und ulli wird totgeschlagen. sonjas letzte szenen sind von einer vielsagenden sprachlosigkeit; ullis tod versetzt sie in einen schockzustand, der sich auch in ihrer abschließenden begegnung mit gerd, bei dem sie offenbar eigentlich unterstützung und trost sucht, nicht auflöst. ihre unfähigkeit, die hürde in der kommunikation mit gerd zu überwinden, nimmt angesichts seiner vorangegangenen verbalen und physischen drangsalierungen nicht wunder. so verläßt sonja die szene und den film stumm, die genugtuung für den mord an ulli wird dem kleinen bruder und nachwuchsrocker mark überlassen.
die andere schablone der frau in „rocker“ ist die der spießerin, die den rebellierenden männern diametral gegenüber steht. hervorstechendes beispiel ist ullis und marks ältere schwester, bei der ulli geld „organisieren“ will und vor der mark in die gesellschaft seines bruders flüchtet. tatsächlich erweckt sie den eindruck eines verbitterten, harten drachens ohne mitgefühl und verständnis für die rebellischen brüder. ich erlaube mir jedoch zu spekulieren, dass diese strenge allein versteinerte sorge ist, ein form von resignation und depression. mir tat sie jedenfalls leid, in ihrer position als repräsentantin der spießigkeit.
ein paar bordsteinschwalben und leichte mädchen gibt’s noch – die schülerin, mit der ulli auf der kneipentoilette eine erotische begegnung hat, wirkt weniger wie eine figur als wie ein accessoir, um die sexuelle freilebigkeit und gleichzeitige anonymität der großstadtszene zu attestieren. sex ja, aber bitte keine intimität.
wie gesagt: der film hat mir in seiner rauhbeinigen sensibilität sehr gefallen. nur den bechdel-test besteht er nicht.
abschließend noch ein schönes wort, dass ich aus „rocker“ gelernt habe: „pflaumenspeicher“ für ein internat für höhere töchter. ich hatte es erst als frauenknast verstanden, aber das ist ja eigentlich jacke wie hose. du klappstuhl.
PS: einen ausführlicheren text zum gesamtwerk hat mein mann geschrieben. auf der angesprochenen weltreise werde ich ihn, soweit in reichweite, versuchen zu begleiten.

KW 16/2012: Minna Suoniemi, 17. April 1972

Wiki deutsch
In Betrachtung der Werke der finnischen Künstlerin würde ich sagen, sie stellt die Möglichkeit von Perfektion in Frage, und ganz sicher die Erwartungshaltung an das Weibliche.

Sie zeigt gnadenlos die Verzerrung des Fleisches in der Fliehkraft und vereint das Opfer Rotkäppchen mit dem Täter Wolf, lässt weibliches und männliches Prinzip miteinander ringen und bringt das Dämonische ins Unschuldige. Völlig offene Videokunst, umso faszinierender.
Ein nicht ganz einzusehendes Archiv ihrer Werke ist auf der Seite AV-arkki zu finden und sie hat eine eigene Website mit beeindruckendem CV.

hey girl

ein originelles feministisches blog, dass aussagen und anregungen zum nachdenken für „nicht-feministinnen“ mundgerecht anbietet, indem sie sie auf portraits von Ryan Gosling präsentiert und immer mit „hey girl“ beginnt – eine phrase, die er als hauptfigur in Nicolas Winding Refns Drive verwendet.
außerdem strickt sie in ihrer freizeit. sehr sympathisch.

feminist frequency on youtube

ich habe vor kurzem in meiner blogroll einen link hinzugefügt, der zum youtube-channel von feminist frequency führt, und möchte auch noch mal aktiv mit einem post auf diese engagierte dame hinweisen.
mein lieber bruder wies mich auf den clip hin, in dem der Bechdel Test erläutert wird – eine maßnahme zur beurteilung der „sichtungswürdigkeit“ von filmen auf basis der folgenden fragen:
1. gibt es mindestens zwei frauen mit namentlich genanntem charakter?
2. die miteinander sprechen?
3. über etwas anderes als einen mann/männer?
benannt ist der test nach seiner erfinderin, der comiczeichnerin Alison Bechdel, die ihn in einer episode ihres comics Dykes to Watch Out For vorstellt. inzwischen gibt es die seite Bechdel Test Movie List, auf der man selber filme für den test einreichen kann oder aufgelistete mit kommentaren versehen und beurteilungen diskutieren kann. auf dem blog talk to her kann man rezensionen lesen, die nach dem Bechdel Test mit PASS versehen wurden, oder auch nicht. (der von mir bisher sehr gemochte Monster über Aileen Wuornos bekommt allerdings nur gelbes licht…) allerdings ist das blog quasi discontinued, und natürlich sitzt auch dort nur ein mensch an den tasten, dessen urteil über die filme im gesamten bestenfalls subjektiv, im schlimmsten fall von strengen emanzipationserwartungen beeinflusst ist.
über die durchführbarkeit einer filmdiät, basierend auf dem test, lässt sich mithin streiten; umso mehr jedoch weist der test mit seinen kriterien auf ein großes problem der medialen emanzipation hin: frauen als Charaktere (mit großem C), deren existenz nicht durch ihre verbindung zu einem mann als agent gerechtfertigt ist, sind dünn gesät. dies perpetuiert sich selbst, denn die filme, die den test bestehen, sind im zweifel auch die, die eben eine gender-problematik zum thema haben – und die wollen sich schließlich auch größtenteils nicht mal die frauen auf ihrer „lady’s night“ mit prosecco und douglas-pröbchen anschauen. die wollen dann auch lieber rom-coms, die sich immer gut verkaufen, bei denen es aber schwierig sein dürfte, dialoge zwischen frauen zu finden, in denen es nicht um einen mann/männer geht…
ein anderes, serienmäßig besprochenes thema sind auf feminist frequency die kürzlich von mir entdeckten und seither innig geliebten tropes. hervorgehoben werden 6 als besonders misogyn betrachtete tropes, einsichtig diskutiert und mit anschaulichen beispielen. aber auch hier fällt mir – bei aller begeisterten unterstützung feministischer vertreterinnen im mediendiskurs – schwer, den hohen anspruch und die erzieherische strenge mit meiner erlebten und vorgestellten realität überein zu bringen.
schon im allgemeinen sind die tropes ja nichts anderes als archtypen in modernen erzählungen: so wie es in mythologien und vielgötter-religionen funktionen und figuren gibt, die sich durch alle weltkulturen ziehen (z.b. der trickster), es in der Commedia dell’arte typen und masken gab und sich generell in geschichten zu jeder zeit vereinfachte charaktere für eine konsens-schaffung und dramaturgische abkürzungen finden lassen, ja, notwendig waren, um den situationsrahmen zu schaffen, in dem die eigentliche problematik und entwicklung sich abspielt. in unserer von erzählungen überfluteten gegenwart sind diese archetypen sogar eigentlich viel differenzierter ausgefächert und die erwartungen an erzählte figuren wesentlich höher – an die tiefe der charaktere, an ihre denk- und handlungsmöglichkeiten -, als sie es jemals zuvor in der geschichte der erzählten geschichte waren. insofern sind die tropes ein segensreicher zeitvertreib sicher, eine hilfestellung bei der charaktererschaffung oder -erkennung vielleicht, ein maßstab für kritik: eher nicht.
nichtsdestotrotz finde ich den gedanken löblich, die versteckten und verdrängten stereotypien und vorurteile, die in den tropes zum vorschein kommen, kenntlich zu machen und immer wieder neu anzusprechen. so auch die tropes, die feminist frequency sich gesondert vornimmt. in fast allen von ihnen zeigen sich frauenfeindliche simplifizierungen oder zumindest problematische auffassungen von weiblichkeit, weiblicher identität, weiblichen handlungsweisen oder der weiblichen natur.
wie gesagt, in fast allen. der eine beitrag, der in mir widerspruch regt – oder: mehr als die anderen – ist „#6: The Mystical Pregancy“. schon der ansatz, diese trope als misogyn auszulegen, ist mir fremd – ja, schwangerschaft ist etwas, das hauptsächlich frauen passiert, dementsprechend häufig ist die frequenz der unnatürlichen schwangerschaften unter weiblichen charakteren. dass der umstand anderer umstände aber in den beispielen dieser trope als so fremd, beängstigend, ekelhaft, demütigend und/oder abormal dargestellt wird, kann ich nicht interpretieren als einen herabwürdigenden blick auf die betroffenen.
es wird nicht umsonst „das wunder des lebens“ genannt, und wer schon mal schwanger war, im eigenen körper oder mit dem körper der partnerin, der weiß, dass auch eine normale, gut verlaufende schwangerschaft zu zeiten etwas fremdes, beängstigendes, ekelhaftes und demütigendes sein kann (würgend über dem klo, mit ausbeulungen im prall gespannten trommelbauch, in aussicht auf die passage einer honigmelone durch eine zitronengroße öffnung), und auch im normalerweise nicht-schwangeren leben der modernen frau etwas sehr, sehr abnormales. etwas ist in den weiblichen – in meinen! – körper gebracht worden, ernährt sich von mir und wächst in mir heran, auf kosten meiner eigenen lebenserhaltung; ein wesen, das zu teilen aus mir, zu teilen aus einem anderen wesen besteht, und doch ganz eigenes wesen, bis jetzt noch unbekannt. wem das keine sorgen bereitet oder bemerkenswert vorkommt, macht sich vielleicht auch sonst nicht viele gedanken über die eigene identität und natur – solche menschen soll es und muss es auch geben.
meines erachtens also äußert sich in dieser trope nichts weiter als die faszination, das erschauern und sicher auch das erzittern vor dem immer noch unerklärlichen phänomen, wie neue menschen in die welt kommen. es ist sicher vorhersehbar, dass serien wie Akte X oder Dr. Who oder ähnliche beispiele, die generell von der angst vor dem fremden, unbekannten leben, den grusel vor der menschlichen natur kombinieren mit dem horror vor aliens oder parapsychologischen erscheinungen, aber deswegen ist es nicht minder interessant als kulturelles betrachtungsobjekt. frauenverachtend – finde ich eigentlich weniger.
und das ausgesprochen wenig interpretatorisch erarbeitete beispiel von Rosemary’s Baby finde ich auf basis dieser überlegung dann besonders fehl am platze: der film erzählt ja nicht nur, bzw. nur auf der ersten ebene, davon, wie eine frau unter mitwirkung ihrer nachbarn und ihres ehemannes vom teufel geschwängert wird. der film erzählt von der angst der frau vor dem wesen, dass ihr eingepflanzt wurde, und von ihrem dennoch unbedingten mutterinstinkt, wenn dieses wesen auf der welt ist. dass dies eien trope ist, erkenne ich, aber dass dies aus feministischer sicht problematisch sein soll, fällt mri aus den oben genannten gründen schwer.
jetzt könnte der geneigte leser sich fragen: wenn ich doch an allem, was feminist frequency so tut, etwas auszusetzen habe, warum verlinke ich sie dann und beschäftige mich überhaupt damit? ganz einfach, lieber leser: weil ich es gut finde, dass ich von feminist frequency – wie hoffentlich viele andere – dazu angeregt werde, mich überhaupt damit auseinanderzusetzen. weil ich finde, dass es diese sehr kritischen stimmen geben muss, ebensosehr wie nachsichtigere, so lange sie nur nicht gleichgültig dem thema gegenüber sind. weil ich denkanstöße und starke feministische kritik wie diese brauche, um für mich selbst herauszufinden, wo ich mich als frau diskriminiert, diskreditiert und objektiviert empfinde, udn weil ich denke, die welt braucht diese lauten frauenstimmen, um nicht zu vergessen, das die emanzipation der frau auch in der modernen ein noch immer nciht (und vielleicht niemals) abgeschlossener prozess ist.
also, draufklicken und drüber nachdenken.

KW 1/2012: Florence Lawrence, 2. Januar 1886

By Unknown - http://www.probertencyclopaedia.com/browse/CZF.HTM, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10542597

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Mit der Hauptrolle in dem Film Resurrection von 1909 erlangte Florence Lawrence mit 23 Jahren als erste Filmschauspielerin und als erste:r Darsteller:in im damals jungen Medium überhaupt eine Fangemeinde. Nach 107 Filmen in den Jahren zwischen 1906 und 1909 – in denen ihr Name wie damals üblich stets unerwähnt blieb – hatte sie in der Rolle des zum Verbrechen verführten Mädchens einen so hohen Wiedererkennungswert, dass begeisterte Zuschauer das Studio Biograph anschrieben, um ihren Namen zu erfahren. Auf diesen ungewöhnlichen Vorgang reagierte das Studio mit wohldurchdachter Vorsicht und betitelte sie schlicht mit The Biograph Girl. Das genügte dann auch für eine ganze Weile – bis der IMP– (später Universal-)Studiogründer Carl Laemmle sie für seinen neuesten Film The Broken Oath damit unter Vertrag lockte, dass er ihren Namen auf den Aushängeschildern der Filmtheater nennen würde.

Der Marketingfuchs Laemmle wusste dann auch daraus Kapital zu schlagen, dass sich seine Zuschauer für seine Hauptdarstellerin interessierten: er inszenierte den ersten publicity stunt der Filmgeschichte. Er ließ durch Kanäle, die nicht leicht zu ihm zurückzuverfolgen waren, verlautbaren, Florence Lawrence sei in New York City von einer Straßenbahn überfahren worden. Nachdem diese Fehlmeldung genug buzz generierte hatte (wie man das heute sagen würde), schaltete er empörte Anzeigen: We nail a lie! Darin ließ er auch gleich vermelden, Florence gehe es nicht nur gut, sondern sie drehe auch gerade einen neuen Film für ihn. Ihr Erfolg als Darstellerin führte zu den Anfängen des Starrummels, der Marketingstrategie und PR in der Filmbranche. Vor allem aber haben es heutige Filmschauspieler ihr zu verdanken, dass sie solche zum Teil unglaublichen Summen an Gage verdienen:

Als das Kino in den Kinderschuhen steckte, verdienten die Darsteller zwar verhältnismäßig gut, aber auch gerade nur so viel, dass sie davon ein Auskommen haben konnten, kein Vergleich zu heutigen Verhältnissen. Ihre Position in der Produktionsbranche war einerseits im eigenen, doch auch im Interesse der Produzenten die eines heimlichen Helfers. Die Darsteller fürchteten um ihre Theaterengagements, sollte es öffentlich werden, dass sie mit dem Schmuddelkind der Thalia spielten; die Produzenten fürchteten – berechtigt, wie man sieht – ein Ansteigen der Gagen, sollten die Darsteller die Unabdingbarkeit ihrer Anwesenheit erkennen und demzufolge Forderungen stellen.

Florence Lawrence tat genau dies, als klar wurde, dass ihr Gesicht und später ihr Name Eintrittsgelder einbrachten. Leider konnte sie ihre Karriere nicht so vielversprechend fortführen, wie sie begonnen hatte, doch auch damit war sie Pionierin: Sie wurde die erste has-been und das erste Opfer des Syndroms des Vergangenen Ruhms. Nach einem Unfall am Set, der zu einem schweren Rückenleiden führte, mehreren gescheiterten Ehen und dem Versuch, an alte Erfolge anzuknüpfen, eröffnete sie einen Schönheitssalon, litt inzwischen jedoch an Osteomyelofibrose und nahm sich 52jährig das Leben mit Ameisengift.

Ihre Geschichte ist nicht nur in dieser Hinsicht eng verknüpft mit dem Phänomen Hollywood. Es war Carl Laemmle, der als einer der ersten mit seiner Filmproduktion an die Westküste, nach Hollywood, zog. An der Ostküste nämlich beherrschte Thomas Edison mit seinem Oligopol Motion Picture Patents Company (Edison Trust) die Filmbranche und erschwerte unabhängigen Filmemachern die Arbeit. Diese hatten durch Edison Lizensierungssystem keine Möglichkeit, mit den von ihm entwickelten Kameras zu arbeiten, und Edison übte gewaltigen Druck auf die Studios, die Verleiher und Filmtheater an der Ostküste aus, seine Gesellschaft als alleinige Macht in der Filmbranche zu akzeptieren – juristisch und, wenn nötig, auch mit Schlägertrupps. Währenddessen genoss D.W. Griffith, der 1908 an die 60 Filme mit Florence Lawrence bei Biograph Studios gedreht hatte, die Freiheit und Weitläufigkeit der Fläche, die Hollywood damals darstellte. Die Existenz des künstlerischen und klimatischen Paradieses sprach sich herum, und so wurden in Hollywood immer mehr Studios gegründet, ihre Angestellten und Darsteller mit sich ziehend. In Hollywood war nicht nur beständig schönes Wetter: Man war auch so weit wie innerhalb der Landesgrenzen möglich entfernt von Edison und seinen Schergen (außerdem war das Exil Mexiko nicht weit, sollte tatsächlich ein Gerichtsprozess angestrengt werden und zum negativen Ende kommen).

Alles, was Hollywood jetzt ist, hängt in irgendeiner Form mit Florence Lawrence zusammen. Allein das macht sie interessant; sie bringt so viele filmgeschichtliche Assoziationen auf, dass ich sie gar nicht alle aufführen kann.

Um wenigstens ein bisschen weiterzulinken: Florence auf der Seite der Biograph Company, bei Queens of Vintage, ein einminütiger Film über sie bei histori.ca und eine Kurzbiographie sowie ein Foto ihres Grabsteins (gespendet von Roddy MacDowall) bei cemeteryguide.

Bild: By Unknown – http://www.probertencyclopaedia.com/browse/CZF.HTM, Public Domain

red sonja

richard fleischer, USA 1985
da war doch noch was vor weihnachten… zwischen weihnachtsfeier des arbeitgebers und putz-überstunden vor den feiertagen durfte ich diesen kleinen sonntagnachmittagsfilm geniessen (allerdings nicht sonntag nachmittag).

so ein schwert- und lederschurz-film mit einer rot gefärbten busen-prominenz könnte ja ziemlich mau werden und anlass zum augenverdrehen bieten. das hatte ich jedenfalls erwartet, in der weiblichen version des CONAN-klassikers.

stattdessen hatte ich ganz ungetrübten spaß an voll durchdesignten kostümen und settings, herzergreifenden matte paintings und den gemütlich-eingetretenen, belanglosen pfaden, die das drehbuch ging. ja, dies ist kein meisterwerk, aber ein märchenfilm für erwachsene, und die frauenrolle, verkörpert von der ikonischen brigitte nielsen, ist mitnichten ein schablönchen für D’n’D-fixierte spanner. unsere heldin ist eine kriegerin aus fleisch und blut, nicht wengier leicht bekleidet als ihr männlicher gegenpart conan – äh, entschuldigung, kalidor (aber beide haben ja auch was herzuzeigen) und von jeder zickigkeit oder prätentiösität befreit. ihre gegnerin – ebenfalls weiblich – hat ihr das unangenehmste angedeihen lassen, was sich eine frau für eine andere frau ausdenken kann: sie hat sie durch ihre soldaten vergewaltigen lassen – dennoch ist red sonja keine frustrierte männerhasserin mit schwanz-ab-mentalität.

nein, diese titelheldin gefällt mir durch und durch. es war eine erleichterung und eine freude zu sehen, dass eine leading lady so ganz ohne die üblichen klischees diesen fantasy-film beherrschen kann. und dass sie gegen arnie um die chance auf eine romanze im schwertkampf antritt, den sie – wie ein nebencharakter bemerkt – gar nicht gewinnen will, aber dennoch bis zur erschöpfung ausficht, das ist lustig und rührend zugleich, ohne herablassend zu wirken.

kurz: ich habe mich ganz und gar nicht geärgert, sondern habe ab der hälfte immer wieder betont, wie sehr ich den film mag.

WEG MIT
§218!