Schlagwort: kunst

building body love, bit by bit

wer’s wegen facebook-abstinenz oder aus anderen gründen noch nicht gesehen hat, der kann sich auf der homepage des künstlers Jamie McCartney die gesammelten materialien zu seiner Wall of Vagina ansehen. oder, etwas wengier umständlich, direkt auf der seite des kunstprojekts Great Wall of Vagina.
in einer welt, in der immer mehr des weiblichen körpers der beurteilung und bearbeitung anheimfällt, ist es sehr angenehm, die große variabilität von 400 vulven zu sehen und darinzu erkennen, dass alles mögliche normal ist – unser eigener körper also wahrscheinlich auch. dabei ist es wunderbar frei von unangebrachter fetischisierung, von objektifizierung durch einen dominant männlichen blick und von exotizismus – sie sind alle unterschiedlich und ihrer einzigartigkeit schön und „normal“.

KW 8/2013: Yoko Ono, 18. Februar 1933

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Ich weiß von Yoko Ono viel weniger als ich sollte, um meine Sympathie für sie zu rechtfertigen. Als junge Beatles-Hörerin wurde sie mir selbstverständlich bekannt als „die Frau, die die Beatles kaputtgemacht hat“. Wobei ich nicht einmal in meiner schwärmerischsten, pubertärsten Phase daran geglaubt habe, dass eine Person, wie bösartig sie auch sei, erstens in der Lage noch zweitens willens sein könnte, die Beatles absichtlich zu ruinieren.

Als ich alt genug war, um der Frage „Wer ist Yoko Ono eigentlich?“ nachzugehen, war das Internet noch nicht so weit, mir dies zu beantworten.
Jetzt sind endlich das Internet und ich so gute Freunde, dass ich die Frage gründlich beantworten konnte und mich ab jetzt als Yoko-Fan bezeichnen werde.

Zu dem ganzen Beatles-Thema ist nur folgendes zu sagen:

1. Yoko Ono hatte die Beziehung zu John Lennon nicht nötig, sie war bereits eine vielversprechende Künstlerin und hatte in ihrer Welt – von der die zahlreichen Beatles-Fans bei ihrem Auftauchen höchstwahrsheinlich unbeleckt waren – nicht nur Erfolg, sondern bekannte und geschätzte Kollaboranten. John Lennon konnte sich, so muss man es eigentlich sehen, glücklich schätzen, dass er Yoko begegnete, als er gerade dabei war, sich selbst neu zu (er)finden; tatsächlich bin ich überzeugt, dass ihre Beziehung auf der Ebenbürtigkeit der beiden als Künstler beruhte.

Und 2. Leute, die behaupten, Yoko Ono sei schuld am Zerbrechen der Beatles, sagt etwas sehr sehr Übles über John Lennon, nämlich dass er selbst nicht Rückgrat genug hatte, um seine Beziehung zu seinen Bandkollegen entgegen den Intrigen seiner Geliebten zu retten. Es mag sein, dass John seine Beziehung mit Yoko zum Anlass genommen hat, sich weiter von den Beatles fortzuentwickeln – das ist aber noch immer seine und nicht ihre Verantwortung. Und inzwischen wissen wir ja nun alle, dass es schon vor Yoko Ono bei den Beatles gekriselt hat.

Yoko Ono ist eine Frau mit einer sehr eigenen, faszinierenden Geschichte und einem vielseitigen Portfolio an Werken. Zu manchen davon mag der Zugang schwierig sein, zu anderen leichter – sie ist jedoch in keiner Hinsicht eine selbstpostulierte Künstlerin. Fluxus-Künstler, Jazz-Musiker und Filmemacher haben mit ihr gearbeitet, schon bevor sie mit dem Beatle liiert war. Und dass sie ihre Schaffenskraft auch darauf verwendet, ihre eigenen Erinnerungen und die der Welt an John Lennon zu zelebrieren und seinen Tod zu verarbeiten, kann man ihr meines Erachtens nicht vorwerfen.

Ein paar Beispiele ihrer Kunst mal vorgestellt: Ihr Cut Piece ist Performance Art der ersten Stunde. Mit ihrem Wishtree vereint sie omnikulturelle Vorstellungen von der Kraft, die Wünschen innewohnt, mit einem globalen Happening. Sie kämpft für die Gleichberechtigung von Mann und Frau, hat Humor und setzt sich generell für die richtigen Dinge ein (Akzeptanz von Homosexualität, den Kampf gegen HIV/AIDS). Dass so viele sie unerträglich finden, liegt vielleicht nur daran, dass es uns schwerfällt, eine Frau zu akzeptieren, die so ohne Zögern und Scheu ihr Ding durchzieht. More power to you, Yoko.

PS: Zu ihrem Geburtstag lädt Yoko Ono ihre Fans (auf Facebook und Instagramm) ein, an ihrem weltumgreifenden Projekt smilesfilm mitzuwirken und ihr ein Foto zum Geburtstag zu schicken.

Bild: By Marcela Cataldi Cipolla – Own work, CC BY 3.0

KW 47/2012: Germain Krull & Alice Aycock, 20. November 1897/1946

Diese Woche gibt es eine kühne Kombi der Kunst. Aus dem einfachen Grunde, dass die eine, Germaine Krull, erst 1985 in einer der nächstgrößeren Städte meines Heimatortes verstorben ist und eine Fotoserie „Métal“ gemacht hat und die andere, Alice Aycock, wunderbar weibliche Skulpturen aus Metall macht.

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Germain Krull, 20. November 1897
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Google-Ergebnisse Germaine Krull

Google-Ergebnisse Germaine Krull

auch bei fembio

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Alice Aycock, 20. November 1946

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Google-Ergebnisse Alice Aycock

Google-Ergebnisse Alice Aycock

Website der Künstlerin

bronson

nicolas winding refn, GB 2008
die letzten beiden wochen waren geprägt von einer heißen verbal-affäre, die ich mit refns erstem nicht-skandinavischen film eingehen durfte. ich habe dafür keine entschuldigung als die, das er selbst seinen film als „feminin“ bezeichnet… hm. vielleicht, weil er nicht rational und geradeaus eine chronologie erzählt, sondern eher auf der gefühlsebene und verschachtelt eine emotionale reaktion generiert? das soll ja nach der feministischen literaturtheorie ein eher weibliches merkmal sein – wenn man an den alten geschlechter-eigenschaften hängen bleiben will.
auf jeden fall ist der ausgang dieser affäre bei Hard Sensations nachzulesen.

KW 37/2012: Sandy Skoglund, 11. September 1946

Sandy Skoglund

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Wie sehr ich mich gefreut habe, bei meiner Recherche auf diese Künstlerin gestoßen zu sein! Nicht nur, weil mir ihre Kunst gefällt – und zwar fast alles von den frühen bis zu den neueren Werken – sondern auch, weil es ein Bild gibt von einer ihrer Installationen, mit dem meine eigene private kleine Kreativität ihren Anfang nahm: Revenge of the Goldfish.

Sandy Skoglund "Revenge of the Goldfish"

Dieses Bild von ihr/ihrer Installation muss einmal in einem ZeitMagazin veröffentlicht worden sein und es hat mich damals mit der Komposition und seinen Farben so sehr angesprochen, dass ich es ausschneiden und aufheben musste. Und damit kam die Frage: Was tun mit diesem kleinen Bildausschnitt? Klar, an die Wand hängen, aber das war mir irgendwie nicht genug – dieses Bild schrie nach Verwendung. Und wenn dieses Bild so aufgehoben werden musste, warum dann nicht auch die vielen anderen schönen Bilder aus dem ZeitMagazin ausschneiden? Gleichzeitig fielen meine Agendas (aka Schülerkalender) gegen Ende des Schuljahres immer auseinander ob der eingeklebten Erinnerungen. So war meine Sucht geboren, jedes Jahr mein neues Agenda in selbstgestaltete Umschläge zu verpacken (Facebook-Link).

Sandy Skoglund ist (immer) noch aktiv und hat eine umfassende Website.

Bild Sandy Skoglund: Von BurnAway – Artist Sandy Skoglund (left) in conversation with a gallery visitor, CC BY 2.0

Bild Revenge of the Goldfish: By Source (WP:NFCC#4), Sandy Skoglund „Revenge of the Goldfish“ Fair use

KW 36/2012: Gala Éluard Dalí, 7. September 1894

Gala Élouard Dalí

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Über Gala ist sicherlich schon ausreichend geschrieben worden. Ich möchte nur dazu einladen, das Geschriebene zu lesen: Mich hat der Artikel auf Wikipedia schon gefesselt und daher konnte ich auch nicht widerstehen, sie zur Frau dieser Woche zu küren.

Man sehe sich nur dieses Portrait von ihr an. Das ist die Muse, die mehrere Künstler – Dichter und Maler – verwirrt, betört, erhoben und gebannt hat. Man würde eine überirdische Schönheit oder zumindest eine verführerisch zurechtgemachte  Diva erwarten – ich zumindest. Doch stattdessen blickt uns eine durchschnittlich attraktive, schlichte Person entgegen; mit entschlossener Klarheit und entblößter Brust zwar, aber doch nicht mehr als eine einfache Frau.

Um mich angesichts des langen verlinkten Wiki-Textes kurz zu fassen: Gala Dalí fasziniert mich als Frau, die für ihre Zeit modern und ungewöhnlich bissig gewesen zu sein scheint. Ein Gegenbeispiel für den „angeborenen“ und „unausweichlichen“ Mutterinstinkt. Keine Muse, die durch bloße Anwesenheit und ätherische Schönheit, sondern durch fordernde Schubkraft und Selbstinszenierung ihrer selbst den jeweiligen männlichen Künstler an ihrer Seite zum Erfolg trieb. Eine Frau, die keine Hemmungen hatte, Beziehungen einzugehen und parallel zu unterhalten zu den Männern, von denen sie sich auch Erfüllung ihrer eigenen Bedürfnisse – nach Ruhm, nach Anerkennung – versprach. Und schließlich eine Frau, die in der Lage war, ihre Position realistisch zu betrachten und die Funktion der Muse zumindest an eine Jüngere abzutreten – ohne dabei auf Eitelkeit zu verzichten und die Liebe ihres Lebensgefährten zu verlieren.
Manchmal muss man schlicht seinen Impulsen folgen. Auch wenn dann die Worte fehlen, den Impuls zu begründen.

Bild: „Galarina“; 1944 portrait of Gala Dalí by Salvador Dalí. The original painting is in the Teatre Museu Gala Salvador Dalí in Figueres, Catalonia, Spain.

immortals

tarsem singh, USA 2011
anlässlich der sichtung dieses finster-raphaelitischen gemäldes von einem film möchte ich mal über eine frau sprechen, deren arbeit im film, wenn man es weiß, unverkennbar und unabdingbar für die tarsem-ästhetik ist.
eiko ishioka ist die kostümbildnerin von tarsem singh für the cell, the fall, immortals und mirror, mirror gewesen. davor hat sie als kostümbildnerin schon coppolas bram stoker’s dracula optisch geprägt. davor hat sie paul schraders mishima – a life in four chapters ausgestattet. und bevor sie kostümbildnerin beim film wurde, hatte sie sich bereits in japan mit werbung und modedesign einen namen gemacht. leider ist sie anfang diesen jahres verstorben, wie ich bei der recherche bei der new york times lesen musste. kurze artikel zu ihr gibt es auch bei Wiki deutsch und Wiki englisch.
über jemanden, dessen lebenswerk so im visuellen besteht, will ich aber nicht weiter schreiben, lieber bilder teilen. nur kurz sei gesagt: wegen der phantastischen kostüme, aber auch der gesamten inszenierung, fand ich immortals unglaublich stark und die wirkung seiner bilder über seine dauer hinweg anhaltend. die liberal gehandhabte griechische mythologie beiseite, ist die merkwürdig tableauartige bildgestaltung, die mich manches mal an luxuriös ausgestattete bühnenbilder erinnerte, im nachhinein der einzig denkbare weg, mythologie, archtypen und kulturelle memes im film darzustellen. alles ist gewichtig und gravitätisch, mit einer unglaublichen wucht, die einem jedes einzelne jahr des pergamon-altars und des ischtar-tores auf die seele legt. mein mann ist da relativ d’accord, wie ich meine.

werbung für parco, idee und design von eiko ishioka:

kostüme und production design für mishima- a life in four chapters:

bram stoker’s dracula:


the cell:


the fall:


immortals:

KW 35/2012: vier Malerinnen

30. August 1855: Evelyn de Morgan
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Evelyn de Morgan: The Love Potion

WDM27975 The Love Potion, 1903; by Morgan, Evelyn De (1855-1919); oil on canvas; 104.1×52.1 cm; © The De Morgan Centre, London; English, out of copyright

 

Evelyn de Morgan: The Storm Spirits

By Evelyn De Morgan – [1], Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1147007


30. August 1908: Leonor Fini
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Leonor Fini Google-Ergebnisse Frauenfiguren
01. September 1886: Tarsila do Amaral
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Tarsila do Amaral Google-Ergebnisse Frauenfiguren
02. September 1864: Séraphine Louis
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Séraphine Louis Google-Ergebnisse Frauenfiguren

mann, konstruiert

am donnerstag, 19. juni, läuft die gender-experiment-dokumentation Man For A Day von Katarina Peters in den kinos an. Peters hat einen workshop von gender-aktivistin Diane Torr in berlin mit der kamera begleitet, in dem frauen sich, zunächst äußerlich, in männer verwandeln konnten. sicher eine interessante erfahrung, dabei gewesen zu sein. den film zu sehen, könnte daher auch interessant sein.

Diane Torr hat natürlich auch eine eigene webiste.

WEG MIT
§218!