Monat: Dezember 2012

KW 1/2013: Nina Kraft, 31. Dezember 1968

Nina Kraft

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Ja, das neue Jahr fängt mit einem leichten Beitrag an – die Feiertage, die Zeit mit der Familie, etc. pp.
Nichtsdestotrotz eine beeindruckende Person, in diesem Fall Grenzgängerin über die Möglichkeiten des physischen Einsatzes – mehrfache Ironman-Gewinnerin, auch nachdem sie aufgrund aufgedeckten EPO-Doping auch über die Grenzen des psychisch Erträglichen gemobbt wurde.

Für jemanden wie mich, die schon nach einigen Runden Fangenspielen mit der Tochter die Beine hochlegen muss (ja, ich bin nicht mehr so gut in Form…), ist die Vorstellung, einen Ironman auch nur anzutreten, schon mit Herzrasen und Brechreiz verbunden. Eine mit Anstand überwundene Dopinggeschichte und ein bravouröses Comeback mit 39 (3 Jahre älter als ich jetzt!) machen Nina Kraft zu einer Vorzeige-Sportlerin. Warum eigentlich IronMAN?

Nachtrag Oktober 2022: Zwei Jahre nach diesem Blogbeitrag holte Nina Kraft sich eine dritte Goldmedaille, sie war mit 45 die bislang älteste Ironman-Gewinnerin. Am 16. August 2020 verstarb sie unter ungeklärten Umständen.

Bild: Von Michael Gardner, CC BY-SA 2.0

rückblick – ausblick

nach dem ersten jahr dieses blogs ist es gelegenheit, jahreszeitengemäß einmal zurückzublicken.
auf der positiven seite: ich habe im kalender das geschafft, was ich mir vorgenommen habe – jede woche habe ich die mir selbst auferlegte pflicht erfüllt (dass mir jetzt keiner unkt: „das ist ja wohl das mindeste!“). jetzt, wo sich eine gewisse routine eingestellt hat und ich die arbeit und mich realistisch einschätzen kann, nehme ich mir experimentierfreudig für’s nächste jahr mal ein grob umrissenes themengebiet vor: im nächsten jahr soll sich mein kalender mit „grenzgängerinnen“ befassen – ich lasse mir wie gehabt die freiheit, den begriff lose zu fassen, also die grenze wörtlich oder metaphorisch, als körperlich, geistig oder moralisch zu interpretieren.
auf der verbesserungsfähigen seite muss ich feststellen, dass ich lange nicht so oft und so ausführlich über frauenfiguren im film geschrieben habe, wie das eigentlich auch mal der plan war. um das zu ändern, tut die evaluierung not der gründe, die mich davon abgehalten haben. da ist zum einen klar eine gewisse behäbigkeit, mit der ich mich auf das bequem zu beackernde feld des kalenders beschränkt habe. dann auch die menge an filmen, die bei uns geschaut wird – nicht umsonst habe ich damals mein filmtagebuch aufgegeben, weil ich zwischen dem beständigen hinterherhinken und meinem zwanghaften vollständigkeitswillen zerrissen war. für dieses blog könnte und wollte ich eigentlich auch mal nur ein, zwei sätze über die frauenfiguren in gesehenen filmen hinwerfen… schlussendlich ist es wohl aber auch der mangel an immediateness, die zu bequemlichkeit und mangelndem ansporn führt. direkt nach sichtung eines films habe ich manchmal konsistente, manchmal auch zerfaserte gedanken zum gesehenen, aber dies erwächst oder verdichtet sich selten zu einem schreibwürdigen blogeintrag, vor allem, wenn ich erst am nächsten oder übernächsten tag am computer sitze.
ob sich dieses problem mit dem neuen smartphone beheben lässt? einfach mal über die app die gedanken notieren, vielleicht sogar als reine schnipsel direkt veröffentlichen? der spott meines mannes über das smartphone-gefummel ist mir sicher…  ist er mir allerdings sowieso. und dann ist das „schreiben“ auf einer „daumenfreundlichen“ tastatur nicht wirklich verlockend, das neudeutsche wort „texten“ trifft es da ja eher… aber einen versuch ist es wert. schließlich habe ich mir noch neulich ob nur halb gelungener herzhafter muffins selbst auf die schultern geklopft, dass ein scheitern immerhin einen ausgeführten versuch voraussetzt.

KW 52/2012: Carolina Eyck, 26. Dezember 1987

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Ja, auch ich bin im Weihnachtsstress, mit allem Drum und Dran wie winterlichen Erkrankungen in der Familie und Geschenkenotstand. Daher gibt’s zum Heiligen Abend – wo ihr sowieso hoffentlich alle offline bleibt – nur noch eine weitere Musikerin, eine junge Dame, die mein Lieblingsinstrument virtuos spielt und auch netterweise eine kleine Einführung in das Spiel gibt.

Frohes Fest!

nah am wasser gebaut

nah am wasser gebaut
diese hutzelige fischverkäuferin steht in stade am fischmarkt – wo sonst

wolle mer se reinlasse?

die großartige Silvia Szymanski, von der ich jederzeit gerne texte lese über filme, die ich eigentlich nicht sehen möchte, und Maria Wildeisen haben es sich bei Hard Sensations zur aufgabe gemacht, dem thema angemessen ängstlich-erregt, einige so genannte „vergewaltigungsfilme“ zu besprechen – also filme, in denen ein mann einer frau gegen ihren willen sexuell beiwohnt.
ich will von vorneherein eine lanze dafür brechen und ausdrücklich betonen: es geht hierbei nicht um gespräche über wahrhaftig stattgefundene vergewaltigungen. es geht um die behandlung des themas im film. ein medium, das ermöglicht und gestattet, phantasien, auch weibliche, zu bildern zu machen. ehrlich und authentisch darüber zu sprechen, dass ein genommen-werden gegen den ursprünglichen willen in einer weiblichen phantasie nicht nur mit angst, sondern auch mit erregung besetzt sein kann, ist nicht: ein plädoyer für sexualverbrecher oder victim-blaming. es ist: der umgang damit, dass der mensch, auch der weibliche, komplex ist und sich dinge in der phantasie vorstellen kann, die in der realität nicht wünschenswert sind. in einem satz: wir sprechen über film, nicht über verbrechen.
kleine anmerkung meinerseits, was die frage „wie kann frau nur von vergewaltigung phantasieren?“ angeht: ich glaube, der entscheidende unterschied (Silvia spricht es im einführungstext an) ist, dass wir uns die überwältigung in der phantasie durch jemanden ausmalen, den wir selbst wählen, also mithin sowieso attraktiv finden – der wunsch ist also vielleicht eher der, dass dieser mann uns so verflucht geil finden soll, dass er sich nicht mehr bändigen kann. in der realität sind es meistens aber einfach nur irgendwelche männer, die sich die opfer eben nicht ausgesucht haben. in diesem sinne: nein heißt nein.

waffen töten keine menschen, feministinnen töten menschen (vor allem die kinder)

ich will nicht zu einem artikel mit ausgemachtem unfug verlinken, den ich auch gar nicht gelesen habe, sondern zu dem wortgewaltigen und oh so wahren und berechtigten rant von Rochus Wolff im genderblog.
die argumentation des unfug-artikels ist daraus zu entnehmen, ein weiterklicken kann also ausblieben – keine klicks für dumme texte. aber das enthaltene video ist sehr interessant und birgt erhellendes.

KW 51/2012: Penelope Houston, 17. Dezember 1958

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Der erste Song, den ich von ihr hörte – dank Klaus Walters „Der Ball ist rund“ im hr3 – war „Harry Dean“, eine Liebeserklärung an Harry Dean Stanton (etwas, was ich total nachvollziehen kann).

Die CD, die ich mir daraufhin von ihr kaufte, war Karmal Apple. Diese ist vollständig auf YouTube hörbar, hier ‚Snakebite‘ und ‚Ride‘.

Eine schöne Platte, die ich immer noch gerne höre, besonders das letzte Stück „Make Me“. (Snychronizitätsbonus: eines meiner Lieblingsstücke von Blumfeld, der ultimative Liebeskummer-Beendigungssong, heißt „You Make Me„.)

Es brauchte allerdings dieses Blog und diesen Kalender, um mir klarzumachen, dass Penelope Houston vor der sanften, milde femi-aggressiven Folkphase mit den Avengers semi-erfolgreich Punkmusik gemacht hatte. Auch das hier ist Penelope Houston:

KW 50/2012: Annie Jump Cannon, 11. Dezember 1863

Annie Jump Cannon

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Nachdem Annie Jump Cannon ein Physikstudium abgeschlossen hatte, während dessen sie auch noch auf beiden Ohren fast taub geworden war (durch eine Scharlacherkrankung), musste sie mit 21 ins Haus der Eltern zurückkehren und ein Leben als „Jungfer“ fristen. Erst 10 Jahre später, als ihre Mutter gestorben war, bewarb sie sich – 31jährig und mit einer Behinderung – bei einem ihrer früheren Physikprofessoren als Assistentin. Dass dieser sie tatsächlich einstellte, war der Beginn einer Karriere als Astronomin: Sie arbeitete zunächst als Assistentin und half in dieser Funktion bei der Kategorisierung von Sternen. Aufgrund eines Zwistes zweier Kolleginnen über das System, nach welchem Sterne kategorisiert werden sollten, kam es dazu, dass Annie Jump Cannon das System entwickelte, das als Kompromiss und Revolution bis heute Gültigkeit hat. Der Merksatz dafür: Oh Be A Fine Guy/Girl Kiss Me.

Zu dem Zeitpunkt, als Annie dieses System entwickelte, verdiente sie als Assistentin mit 25 Cent pro Stunde weniger als die Sekretärinnen der Universität. Ich weiß nicht, warum dieser Punkt mir so besonders wichtig ist… Vielleicht, weil er zeigt, wie wenig schon früher (so wie wohl leider heute noch immer) das Gehalt (von Frauen insbesondere) von Leistung, intellektueller Anforderung und Bedeutung für die Allgemeinheit abhängt – und wieviel mehr von – ja, was eigentlich? Prestige? Öffentlichkeitswirksamkeit? Wer weiß das schon.

In jedem Fall war Annie Jump Cannon nicht nur offensichtlich jemand, die schön, strukturiert und zielführend denken konnte, sondern war sie auch als Person optimistisch und zielstrebig. Von Krankheit, Taubheit und sozialen Konventionen sowie langfristiger Isolation hat sie sich nicht unterkriegen lassen, um dann 40 Jahre weiter zu arbeiten und zu forschen, bis sie schließlich die Ehrendoktorwürde erhielt.

Eine Lobeshymne auf ihr Werk gibt es auf der Seite des San Diego Supercomputer Center. Die an und für sich interessante Seite NNDB widmet ihr einen Eintrag. Ebenso: Biography.com und das Wellesley College.

Bild: Von Smithsonian Institution from United States – Annie Jump Cannon (1863-1941), sitting at desk, No restrictions

KW 49/2012: Grace Hopper, 9. Dezember 1906

Grace Hopper

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Diese ehrwürdige alte Dame machte es möglich, dass ich diesen Text schreibe und Menschen, die ich nicht mal kenne, zugänglich mache: Grace Hopper entwickelte den ersten funktionierenden Compiler.

Da ich keine Technikkennerin bin, kann ich nicht erklären, was genau das bedeutet, aber es ist mir klar, dass Grace Hopper dafür gesorgt hat, dass Computer nicht nur große Rechenmaschinen sind, sondern auch komplexere Befehle ausführen können und aus dem „simplen“ Binärcode so etwas Tolles wie das Internet machen können.

Die Tatsache, dass schon in den 50er Jahren auch Frauen die Möglichkeit hatten, so technikaffin zu sein und vor allem unbekannterweise so viel zur Entwicklung unserer heutigen Kultur und Welt beizutragen, ist an sich ein Faszinosum. Man muss es möglicherweise der optimalen Ressourcenausnutzung des Militärs danken, dass sie einen großen Geist nicht aufgrund des zugewiesenen Geschlechtes bremsen und ausschließen…

Selbstverständlich gibt es zu ihr einen Beitrag auf frauen-informatik-geschichte.de und eine relativ ausführliche Biographie auf der Seite der Yale Universität (die sich damit natürlich brüsten, dass Grace Hopper dort Mathematik studiert hat). In ihrem Andenken wird jährlich der Grace Murray Hopper Award an junge (unter 35) Computerexperten verliehen, die sich durch besondere Leistungen hervorgetan haben. Außerdem feiert das Anita Borg Institute for Women and Technology alljährlich die Grace Hopper Celebration of Women in Computing.

Bild: Von James S. Davis – Naval History and Heritage Command NH 96919-KN (jpg), Gemeinfrei

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