Kategorie: gesehen

el retorno del hombre lobo

paul naschy, spanien 1981
im spanischen „ungarn“ begegnet uns wieder elisabeth bathory, und wieder kann einiges über die bedrohlichkeit und unberechenbarkeit der weiblichen libido spekulieren.
besonders aufgefallen ist mir die parallele zur „gefährlichen“ figur der gelangweilten hausfrau: die gute karen, die sich in den werwolf waldemar daninsky verliebt und bei ihm lebt, während die vampirinnen um elisabeth bathory ihre kräfte sammeln und das paar nach dem prinzip „teile und herrsche“ in ihren separaten schlafzimmern besuchen. beim ersten besuch der obervampirin/-verführerin legt karen sich noch den dolch bereit, wie es ihr „gatte“ empfohlen hat („lass‘ keine fremden ins haus!“…). beim zweiten besuch versteckt sie ihn bereits selbst unter einem tuch, sichtbar angefixt von der erotischen blutsaugerei. zum ende hin zieht sie ihrem mann sogar eins über, um der vampirin zuzuarbeiten…
der albtraum eines jeden ehemannes: dass sich hinter der fassade seines geliebten weibchens, treu und fürsorglich, ein brodelnder vulkan sexueller unberechenbarkeit befindet, den er nicht anzuzapfen im stande ist, sondern – oh weh! – der von fremden besuchen zum ausbruch gebracht wird. da hilft die unkontrollierteste bestie im manne nichts, wenn sie beim weib nicht die richtigen knöpfe zu drücken weiß. 
selbstverständlich wird die gute gattin am ende zu sinnen kommen und vom einfluss des erotischen abenteuers befreit aufopferungsvoll ihr leben beenden, wenn ihr herr und gebieter das seinige aushaucht. insofern gibt’s frauenfigürlich nicht viel überraschendes aus spanien zu erzählen.
mehr und allgemeiner gibt’s wieder bei meinem mann was dazu zu lesen.

marvel's the avengers

joss whedon, USA 2012
bechdel-test hin oder her. wenn ich in filme wie diesen gehe, möchte ich auch als feministische frau keine politische diskussion der gender im 21. jahrhundert zwischen fünf starken weiblichen charakteren. da möchte ich männerarme schweißglitzernd aus engen t-shirts pulsieren, Robert Downey Jr. den arroganten tanz des lebemannes vollführen und den aalglatten, aber stilfaschistischen bösewicht fulminant in seine schranken gewiesen sehen.
wie man bei der cast-betrachtung sehen kann, gibt es hier auch eine smurfette, die ich sogar ganz erträglich finde. bin ich unemanzipiert, weil es mich nicht stört, dass mein gender als actionfigur unterrepräsentiert ist? ich sage: ich bin emanzipiert genug, um actionfilme mit vorrangig männlichen protagonisten als sozialverträgliches äquivalent zum frauenporno zu betrachten. thor, iron man, hawkeye und den hulk sehe ich mir jedenfalls lieber an als irgendwelche girliesken pseudo-actionheldinnen, die doch nur dazu dienen, männlichen phantasien eine entladungsfläche zu bieten.
mein mann hat über den superhelden-ringelpiez bei Hard Sensations geschrieben.

les yeux sans visage

georges franju, frankreich 1960
die zwei weiblichen hauptfiguren stehen in einem merkwürdigen (stief-)mutter-tochter-verhältnis zueinander: louise, die assistentin und lebensgefährtin des dr. génessier, liebt christiane, dessen tochter, offenbar innig und scheint für die inzestuösen züge der beziehung zwischen vater und tochter blind oder zumindest unempfindlich zu sein. dies lässt sich eigentlich nur mit einer hörigkeit gegenüber ihrem erretter (sie selbst wurde ja offenbar auch von ihm „restauriert“) erklären, die mit einer identifikation ihrer selbst mit christiane einhergeht. oder, vielleicht schlüssiger, auch im verlauf der erzählung: dass sie die tochter christiane als teil des mannes liebt, quasi als verlängerung seiner person, oder auch als kunstwerk in spe.
christiane hingegen lernt in dieser sichtweise, die mutterfigur ebenso abzulehnen wie den vater. tatsächlich befindet sich christiane der ablösung von ihrem vater, der als über-vater alle jungen frauen für diesen prozess bestraft: seine tochter ist durch seine schuld so entstellt, dass sie für die welt für tot erklärt werden kann, und vorgeblich versucht er, diese schuld wiedergutzumachen, indem er ihr ein neues gesicht schenken will. es ist sicher kein zufall, dass dies damit verbunden ist, dass er junge frauen, die seiner tochter ähneln, unter dem vorwand, ein zimmer für sie zu haben (auszug von zu hause), in sein haus lockt und ihnen dort ihr gesicht (i.e. ihre identität, aber ebenso ihre existenz in der außenwelt und natürlich: attraktion für männer) nimmt.
christiane ist von ihrem vater in bann geschlagen, es gelingt ihr jedoch, die mutter – für sie: verlängerter arm des vaters – zu töten und ihn indirekt ebenso: die hunde, die sie liebt, fallen über ihn her und vernichten ihn ganz und gar.
der film ist also in ganz psychoanalytischem sinne eine geschichte über ablösung, über ich-findung (siehe hier u.a. auch zum thema einheit von gesicht und identität). über emanzipation.
und so kann man in einem denk-schreib-prozess die pro-feministischen züge dieses films erörtern.

born of fire

jamil dehlavi, england 1987
ein recht einfaches stück für mich: die frau in diesem film, die auch nur „die frau“ heißt, ist weniger charakter, als vielmehr archetyp. weise frau, irdisches prinzip, wahrsagerin, verführerin, mutter, gefäß für neues leben, aber auch für das böse. ihre handlungen beziehen sich vollständig auf die männlichen pro- und antagonisten. am ende stirbt sie: einmal als mutter – das ultimative opfer der frau, beim hervorbringen neuen lebens ihres zu geben – und zweitens wird sie als ausgeburt des bösen, als schlange und satan, durch die kreative macht des mannes vernichtet.
man kann dies dem film nicht wirklich vorwerfen, da er sich das islamische äquivalent der luzifer-geschichte zur grundlage gemacht hat. dass dabei die frauen (die herkömmliche dualität mutter:geliebte) durch eine einzige, namenlose figur repräsentiert sind, sagt ebensoviel aus über die wahrnehmung der frau im monotheistisch-christlich-islamischen kulturkreis, wie die tatsache, dass diese eine frau so viele verschiedene züge und potentiale in sich vereint.
ich könnte sehr lange über die frage nachdenken, wie und warum die patriarchalisch-maskulin dominierten monotheistischen religionen judaismus-chrsitentum-islam die dominanz oder zumindest gleichberechtigung weiblicher göttlichkeit in den meisten polytheistischen religionen nicht nur verdrängen, sondern mit gewalt und radikalität eliminieren mussten und konnten. dies übrigens nur, um im falle der katholischen kirche der frau via der mutter gottes dann doch wieder göttlichkeit einräumen zu müssen, durch starke marienkulte in vielen missionierten gebieten. welche ängste und politischen interessen sich da so ungut durchgesetzt haben, werde ich wohl nie zur gänze durchschauen.
anyway, der film ist ansonsten sehr schön anzuschauen – wenn ich die exotisch anmutende erzählung mit irgendetwas vergleichen müsste, würden mir am ehesten die märchen von rafik schami einfallen. europäische stringenz, die sich in orientalischer trance auflöst. dabei übrigens bilder wie gemalt (und das ist kein zufall), die zwar sicherlich von den unglaublichen „locations“ profitieren, aber auch die muss man in szene zu setzen wissen.

les lèvres rouges

harry kümel, belgien 1971
die weibliche sexualität ist etwas bedrohliches. soviel ist sicher.
die geschlechterverhältnisse in diesem film sind vielsagend und spannungsreich. beziehungen bestehen zwischen drei frauen und zwei männern, in den unterschiedlichen paarungen von mann und frau, frau und frau, mann und mann werden verschiedene möglichkeiten der sexualität und des gender gezeigt und gegenübergestellt. (ausnahmsweise, weil es in diesem kontext nicht nur anders unmöglich wäre, sondern auch interessant und relevant ist, betrachte ich die männliche hauptfigur mal ebenso genau.)
beginnen wir, chronologisch, mit valerie – eine blonde schönheit, frisch verheiratet mit stefan und spürbar sehnsüchtig nach anerkennung und liebe, ein musterbeispiel für weibliche weichheit. nicht nur von ihm will sie geliebt werden, auch von der schwiegermutter, die er ihr als strenge, repressive übermutter vorgaukelt. noch dazu hat sie  „vergangenheit“, wie es einmal angedeutet wird, ein ebenso schamvolles manko als ehefrau und schwiegertochter wie hinweis auf das potential, für den mann sexuell überwältigend zu sein. stefan hat sie wohl geheiratet, ohne ihn zu lange zu kennen, abgesehen von der körperlichen intimität scheinen die beiden sich noch völlig fremd zu sein. so erfährt sie erst durch die morde an jungen frauen in brügge – in den schlagzeilen der zeitung und bei einer begegnung in brügge an einem neuen tatort – von stefans faszination mit dem tod. was sie nicht weiß, wir aber erfahren: stefans „mutter“ ist sein erfahrener freund, ein älterer mann, mit dem er eigentlich in england zusammenlebt und der aus ersichtlichen, wenn auch auch ganz anderen gründen als eine echte mutter, von der neuigkeit nicht begeistert ist, dass stefan derzeit mit seiner frisch angetrauten in oostende weilt. während stefan also in der beziehung zu valerie seine harte „männliche“ seite auslebt, ist seine existenz in der heimat wohl eher von unterordnung geprägt. sicher nicht zuletzt aus diesem grund kommen im laufe der zeit immer dunklere, aggressivere züge an ihm zum vorschein. stefans wachsende spannung zwischen der geschnupperten morgenluft als macho und der erwarteten demütigung zuhause, ebenso wie die ungeklärte frage, wie er beide seiten, beide leben miteinander vereinen will und kann, bricht sich schließlich in der physischen attacke gegen valerie bahn.
stefan gegenübergestellt haben wir die grande dame des films, elisabeth bathory. eine herbe, fast androgyne frau und – natürlich – als vampirin metaphorischer scheitelpunkt bedrohlicher weiblicher sexualität. zu ihr gehört die stille ilona, die in ihrer fügsamkeit das schwächste glied in dieser erotischen kette darstellt und dementsprechend den starken trieben der beiden dominanten persönlichkeiten unterworfen und zum opfer gemacht wird. in elisabeth bathory und ilona spiegelt sich stefan mithin im extrem, die beiden frauen repräsentieren überdeutlich die persönlichkeiten, die unvereint in ihm schlummern. stilistisch ist dieses wechselspiel wunderschön zu sehen in den roten kleidungsstücken. stefan trägt rot, wenn er mit valerie allein ist – roter bademantel, rote lederjacke -, dies zeichnet ihn als sexuellen aggressor aus. doch in der szene, in der stefan und valerie mit elisabeth im hotel zusammensitzen und elisabeth aktiv beginnt, einfluss auf ihre beziehung zu nehmen, trägt er weiß – elisabeth hingegen ein flammend rotes kleid. sie ist der stärkere aggressor und sie nutzt stefans zwiespältigkeit aus, um ihn und valerie seelisch voneinander zu entfernen: sie zieht in auf ihre seite, schlägt ihn geradezu in bann mit ihren schilderungen der folter, die ihre vorfahrin (oder sie) den jungen mädchen der legende nach hat angedeihen lassen – eine ungemütliche szene für valerie, die bereits von stefans verhalten verunsichert ist. und sie führt ihm ilona gerdazu vor, die für ihn als submissives extrem höchst attraktiv ist, was wiederum seine beziehung zu valerie stört. sie schickt ilona zu ihm, während sie valerie an der abreise hindert, wirft ihm quasi den köder aus, vielleicht sogar berechnend, dass dies ilona das leben kosten kann (die möglichkeit, dass er sich als frauenmörder entpuppen wird, besteht schließlich durchaus). sie ergreift die initiative und dirigiert schließlich sowohl valerie wie auch stefan wie puppen, nachdem ihre beziehung an seinem ausbruch, seinem fremdgehen und seinem „mord“ offensichtlich zerbrochen ist. bereits wenige stunden, nachdem stefan ilona getötet hat, nimmt valerie ganz und gar ihren platz in elisabeths leben ein. stefan ist bereits als das nun schwächste glied dem untergang geweiht, ja, er ist im grunde bereits tot – elisabeth macht daraus keinen hehl, als sie ihn zu ilonas leiche ins grab stößt. seine letzten versuche, an valeries vorherige unterwürfigkeit zu appellieren, helfen ihm nichts, er wird von den beiden frauen verschlungen.
während stefan also noch immer mitten in der selbstfindung steckt und dabei recht planlos agiert, verfolgt elisabeth bathory ihr ziel, valerie zu gefährtin zu machen und stefan auszubluten, mit unerbittlicher genauigkeit. ins allgemein-geschlechtliche übertragen, könnte man sagen: der mann ist selbst in seiner physischen aggressivität noch nicht so stark wie die frau, die ihre sexualität kennt, lebt und einsetzt.
und es ist diese gelebte sexualität, die alle geschicke bestimmt und die vor allem unendlich ist und sich beständig perpetuiert. die schwachen: männer und unterwürfige frauen fallen ihr zum opfer, und wenn die stärkste der starken frauen abtritt, steht bereits die nächste bereit, ihren platz einzunehmen. phallische durchbohrung hin oder her.
wenn man bedenkt, dass ich den film ursprünglich nicht sehen wollte – „erotischer vampirfilm“ reizt mich nicht so sehr, da mein interesse an brüsten sich auf meine eigenen beschränkt – ist es erfreulich, wie anders sich der film tatsächlich darstellt. ein fast eher feministischer vampirfilm.
PS: mein mann hat natürlich auch darüber geschrieben.
PPS: obwohl wir 3 frauen als hauptfigur sehen und nur einen mann, kann auch dieser film den bechdel-test nur mit einem humpeln bestehen. zu großen teilen drehen sich die gespräche der frauen um den einen mann, oder doch zumindest um potentielle geschlechtspartner. ich habe nicht mitnotiert und würde daher das urteil nicht fällen wollen.

rocker

klaus lemke, deutschland 1972
die welt der rocker im deutschland der 1970er jahre ist eine männerwelt – das kann man sich ausrechnen. dementsprechend sind die frauenfiguren in „rocker“ überschaubar. ohne dem film einen vorwurf machen zu wollen – denn ich habe ihn als sensibel und liebevoll wahrgenommen – sind die frauen, die auftreten, im wesentlichen vertreterinnen zweier schablonen.
sonja, gerds ex- und ullis aktuelle freundin (oder „torte“), ist die einzige rockerbraut mit dialog. gemeinhin bevölkert die rockerbraut stumm die sozios (? soziusse?) der motorräder (oder „öfen“) der rockergang; sonja hingegen ist aus der szene ausgestiegen, arbeitet brav im kittel in einem kaufhaus und unterhält dennoch den tagedieb und kleinkriminellen ulli, der auch lederjacke trägt. als gerd wieder vor ihrer tür steht, will sie zwar definitiv nicht zurück zu ihm und in die szene, unterwirft sich den gesetzen der gruppe aber dennoch insoweit, dass sie sich in die kluft schmeißt, um ihrem ex choram publico das ende der beziehung offiziell anzumelden. doch gerd wird im clubhaus von einigen maskierten überfallen und sonja findet ihn an einen baum gebunden und verprügelt vor dem brennenden schuppen – in dieser dramatischen lage werden offenbar alte romantische gefühle wach. sonja bekommt jedoch keine chance, sich zu entscheiden: von gerd wird sie abgewiesen und ulli wird totgeschlagen. sonjas letzte szenen sind von einer vielsagenden sprachlosigkeit; ullis tod versetzt sie in einen schockzustand, der sich auch in ihrer abschließenden begegnung mit gerd, bei dem sie offenbar eigentlich unterstützung und trost sucht, nicht auflöst. ihre unfähigkeit, die hürde in der kommunikation mit gerd zu überwinden, nimmt angesichts seiner vorangegangenen verbalen und physischen drangsalierungen nicht wunder. so verläßt sonja die szene und den film stumm, die genugtuung für den mord an ulli wird dem kleinen bruder und nachwuchsrocker mark überlassen.
die andere schablone der frau in „rocker“ ist die der spießerin, die den rebellierenden männern diametral gegenüber steht. hervorstechendes beispiel ist ullis und marks ältere schwester, bei der ulli geld „organisieren“ will und vor der mark in die gesellschaft seines bruders flüchtet. tatsächlich erweckt sie den eindruck eines verbitterten, harten drachens ohne mitgefühl und verständnis für die rebellischen brüder. ich erlaube mir jedoch zu spekulieren, dass diese strenge allein versteinerte sorge ist, ein form von resignation und depression. mir tat sie jedenfalls leid, in ihrer position als repräsentantin der spießigkeit.
ein paar bordsteinschwalben und leichte mädchen gibt’s noch – die schülerin, mit der ulli auf der kneipentoilette eine erotische begegnung hat, wirkt weniger wie eine figur als wie ein accessoir, um die sexuelle freilebigkeit und gleichzeitige anonymität der großstadtszene zu attestieren. sex ja, aber bitte keine intimität.
wie gesagt: der film hat mir in seiner rauhbeinigen sensibilität sehr gefallen. nur den bechdel-test besteht er nicht.
abschließend noch ein schönes wort, dass ich aus „rocker“ gelernt habe: „pflaumenspeicher“ für ein internat für höhere töchter. ich hatte es erst als frauenknast verstanden, aber das ist ja eigentlich jacke wie hose. du klappstuhl.
PS: einen ausführlicheren text zum gesamtwerk hat mein mann geschrieben. auf der angesprochenen weltreise werde ich ihn, soweit in reichweite, versuchen zu begleiten.

red sonja

richard fleischer, USA 1985
da war doch noch was vor weihnachten… zwischen weihnachtsfeier des arbeitgebers und putz-überstunden vor den feiertagen durfte ich diesen kleinen sonntagnachmittagsfilm geniessen (allerdings nicht sonntag nachmittag).

so ein schwert- und lederschurz-film mit einer rot gefärbten busen-prominenz könnte ja ziemlich mau werden und anlass zum augenverdrehen bieten. das hatte ich jedenfalls erwartet, in der weiblichen version des CONAN-klassikers.

stattdessen hatte ich ganz ungetrübten spaß an voll durchdesignten kostümen und settings, herzergreifenden matte paintings und den gemütlich-eingetretenen, belanglosen pfaden, die das drehbuch ging. ja, dies ist kein meisterwerk, aber ein märchenfilm für erwachsene, und die frauenrolle, verkörpert von der ikonischen brigitte nielsen, ist mitnichten ein schablönchen für D’n’D-fixierte spanner. unsere heldin ist eine kriegerin aus fleisch und blut, nicht wengier leicht bekleidet als ihr männlicher gegenpart conan – äh, entschuldigung, kalidor (aber beide haben ja auch was herzuzeigen) und von jeder zickigkeit oder prätentiösität befreit. ihre gegnerin – ebenfalls weiblich – hat ihr das unangenehmste angedeihen lassen, was sich eine frau für eine andere frau ausdenken kann: sie hat sie durch ihre soldaten vergewaltigen lassen – dennoch ist red sonja keine frustrierte männerhasserin mit schwanz-ab-mentalität.

nein, diese titelheldin gefällt mir durch und durch. es war eine erleichterung und eine freude zu sehen, dass eine leading lady so ganz ohne die üblichen klischees diesen fantasy-film beherrschen kann. und dass sie gegen arnie um die chance auf eine romanze im schwertkampf antritt, den sie – wie ein nebencharakter bemerkt – gar nicht gewinnen will, aber dennoch bis zur erschöpfung ausficht, das ist lustig und rührend zugleich, ohne herablassend zu wirken.

kurz: ich habe mich ganz und gar nicht geärgert, sondern habe ab der hälfte immer wieder betont, wie sehr ich den film mag.

goldfinger (fragment)

guy hamilton, USA 1964
nur ein kurzer exkurs, schließlich habe ich weder den anfang noch den schluss des films gesehen. innerhalb der 45-60min., die ich von dem film gesehen habe, bin ich jedenfalls in den genuss der szene gekommen, die meine gesamte haltung zu den connery-bonds erklärt. schon als mädchen hatte ich zu connerys bond ein sehr gespaltenes verhältnis: natürlich, attraktiv fand ich ihn, in dem rahmen, was eine prä-pubertierende oder auch pubertierende so an fantasie mit einem voll ausgewachsenen anzugträger zulassen kann. aber: immer auch irgendwie eklig, klebrig, mit einem leichten widerwillen. und jetzt weiß ich, glaube ich, warum.

also, mal abgesehen davon, dass der name Pussy Galore eigentlich nur als geusenwort / reappropriation wieder richtig cool sein kann – im film aber eindeutig vom männlichen autor über den männlichen regisseur zum männlichen schauspiel-partner eine ziemlich simple, schon eigentlich nicht mal chauvinistische, sondern nur schuljungen-doofe eigenschaftszuweisung ist, was sogar bond’s eigene reaktion darauf bezeugt. wer denkt sich denn sowas aus?

auch wenn mir als mädchen – bis zum heutigen tage sogar – nicht klar war, dass pussy galore nicht nur spröde, sondern downright lesbisch sein soll, ist die szene, wie bond mit ihr im pferdestall erst einen judo-schlagabtausch hin- und sie dann gegen ihren anfänglichen widerwillen flachlegt, der inbegriff dessen, was meinen widerwillen gegen diesen bond ausmacht. als mädchen ließ ich mir das noch so verkaufen: sie will es ja eigentlich auch – vor dem hintergrund meiner eigenen erwachenden sexualität war das sogar irgendwie logisch, schließlich war ich selbst zugleich neugierig und ansatzweise lüstern wie auch ängstlich und voller misstrauen gegen das, was einem da so aus den gesichtern und hosen des anderen geschlechts entgegen kam.

mit den augen der erwachsenen frau, die ich nun gestern gerade in gebrauch hatte, sieht die szene aber ganz anders aus. da ist eine erwachsene frau, die einen männerberuf hat, ganz offenbar auch weiß, zu wem sie sich hingezogen fühlt und zu wem nicht, die ihrem oberbösen brötchengeber auch schon mal die meinung sagt; die muss sich jetzt für die sache dem schürzenjäger, dem sie schon mehrere nasenstüber verpasst hat, wie ein fleisch-accessoir an den arm hängen und ihm *winkwink, nudgenudge* die pferdeställe zeigen. dort wehrt sie sich gegen seine zudringlichkeiten mit unbestreitbarer klarheit und demonstriert dabei wenn nicht überlegenheit, dann doch ebenbürtigkeit. kaum hat er ihre abwehr aber soweit durchbrochen, dass seine lippen in reichweite der ihren kommen, schiebt er ihr die zunge in den hals – und prompt hat sie’s natürlich „eigentlich so gewollt“.

eine solche szene ist meines erachtens schlimmer und abträglicher für die emanzipation und das verständnis weiblicher sexualität als so mancher porno. was mir als mädchen schon eklig am bond war: da wird mir ein kerl als unwiderstehlich verkauft, der eigentlich ein triebtäter ist. und mir als heranwachsende frau wird vermittelt: wenn so einer nur toll genug küssen kann, dann spielt dein wille keine rolle mehr. für diese subtile manipulation hatte ich also auch als mädchen schon ein gefühl…

gottseidank konnte ich bei einer kurzen recherche feststellen, dass ich diese szene nicht nur wegen meiner pseudo-feministischen empfindsamkeit / hysterie so sehe und deshalb fies finde. auf der seite tvtropes.org findet sich GOLDFINGER unter folgenden tropes: Rape As Backstory, Rape Is Love und It’s Not Rape If You Enjoyed It. wie toll ist diese seite eigentlich?

mandingo

richard fleischer, USA 1975
oh boy. oh boy oh boy oh boy.
das war die zweite sichtung dieses films in den vergangenen fünf bis sieben jahren, und zumindest konnte ich ihn dieses mal ertragen, ohne mich im sitz zu winden; ob das abstumpfung oder gereifte distanz ist, kann ich nicht sagen. jedenfalls ist es schwer, bei diesem film nicht die darstellung für’s dargestellte zu hassen, quasi dem boten nicht den kopf abzuschlagen.
es kann vielleicht den beigeschmack von exploitation haben, wenn in szenen mit (sexueller) gewalt gegen frauen nicht diskret geschwenkt wird, sondern die kamera regungslos aufzeichnet; tatsächlich aber lassen sich die möglicherweise lüsternen bilder im rahmen dieses extrem schonungslosen period piece nicht lustvoll rezipieren, nicht von gesunden geistern jedenfalls. das enge korsett der verworrenen rassen- und geschlechtermoral schmerzt mit der konsequenz, mit der es vermeintlich erhabene und vermeintlich unterworfene ins verderben führt – am schluss gibt es nur noch unterworfene oder tote.

zwei frauen stehen sich in diesem plot diametral gegenüber: die sklavin ellen und die ehefrau und neue hausherrin blanche. ellen, die – im rahmen des möglichen in der rassistisch verzerrten welt des weißen herren – geliebt wird, ist per definitionem objekt: als schwarze frau wird von den weißen männern über sie verfügt, wird sie verliehen, verkauft, hierhin und dorthin geschickt und geholt und schließlich auch vom besitzer, den sie schon für den geliebten hielt, in den dreck gestoßen.
blanche hingegen ist, ja, auch ein opfer – der umstände, der moral, der männer. schon bevor wir sie das erste mal sehen, ist ihre erfüllte sexualität dem untergang geweiht, denn hammond wird von seinem vater gewarnt, sich einer weißen frau niemals gänzlich nackt zu zeigen: sie könne den anblick nicht ertragen. dass ihr mann über allein die möglichkeit, dass sie bereits mit einem anderen geschlafen haben könnte, so von ihr entsetzt und angewidert ist, dass er sie danach nicht mehr anfasst, ist die logische konsequenz. (sein entsetzen mag auch daher rühren, dass ihm unter der selbstgerechten empörung von vorneherein klar ist, dass es ihr bruder war – auch so ein trauriges ergebnis der zeiten und gegebenheiten, in denen kindern keine anderen „rassisch ebenbürtigen“ sexualpartner zur verfügung standen als ihre eigenen geschwister. dass das bei den sklaven dann als kein problem angesehen wird, wenn geschwister kinder miteinander zeugen, schließt wieder den kreis zu rassistischer entmenschlichung…) abgesehen von der tatsache, dass sie wirklich keine jungfrau mehr ist – nach einem einmaligen kontakt mit 13 jahren ist das nicht von der hand zu weisen – schließt hammonds weltsicht die möglichkeit völlig aus, dass eine weiße frau freude an der sexualität haben kann – bei den „vertierten“ sklavinnen ist es animalischer instinkt, die frauen der herrenrasse hingegen müssen, sollen darüber stehen.

in dieser – meiner radikalen – betrachtungsweise des films ist es die unterdrückte weibliche sexualität, die mit ihrer sich bahn schlagenden kraft das wacklige macht- und moralgefüge ihrer umgebung stürzt. denn blanche ist ein opfer, das sich rächt, eine frau, die methoden findet, ihre bedürfnisse zu befriedigen – nach zuneigung, anerkennung, mutterschaft.
so unschuldig ellen daran ist, was zwischen blanche und hammond schief läuft, ist es doch verständlich, wenn auch traurig, dass blanche die rivalin körperlich angreift und in der vernichtung der konkurrierenden leibesfrucht triumphiert. die krasseste maßnahme ihrer rache jedoch ist es, sich den mandingo mede ins bett zu holen. sie übt die perfideste erpressung an ihm aus, indem sie ihm mit einer vergewaltigungs-beschuldigung droht, wenn er nicht mit ihr schläft; sie schwingt sich zur „höhe“ der weißen männer auf, indem sie den sklaven für die erfüllung ihrer sexuellen bedürfnisse mehrfach zu sich bestellt.

hammond nimmt den tod seines kindes mit der sklavin recht gelassen hin, da er es ohnehin als sklaven weiterverkaufen wollte, nur für ellen hätte er es behalten. als aber mit der geburt des milchkaffee-farbenen säuglings von blanche ans tageslicht kommt, dass seine frau, eine weiße frau, sex mit einem schwarzen mann hatte – mehr als ein mal, wie sich herausstellt – bricht für hammond die welt zusammen. in einer verschwörung der unfassbarkeiten sind dinge geschehen, die nicht sein dürften. die angst des weißen mannes vor der sexualität sowohl des schwarzen mannes wie auch der frau im allgemeinen ist verkettet mit der angst um seine machtposition, wenn sklaven sich über die gesetze der sklavenhalter hinwegsetzen, sich verweigern oder, wie ellen, wünsche äußern oder ihm gar sagen wollen, was er tun oder lassen solle. wenn all dies möglich ist, obwohl es nach den regeln seiner welt nicht möglich sein sollte, sind alle grenzen des möglichen gesprengt – deshalb muss er die bedrohung vernichten, um sich in allem, was er bisher für möglich gehalten hat, zu beschützen.

es ist blanches unterdrückte und sich recht verschaffende sexualität, die dieses exemplar der weißen, männlichen unterdrückung erodiert, den vater umbringt und den sohn handlungsunfähig zurücklässt. leider hat sie nichts mehr davon – nachdem ihr sohn in der wiege erstickt wurde, reicht hammond ihr einen becher wein, vermischt mit einem gift, dass der arzt sonst zur tötung arbeitsunfähig gewordener sklaven bei sich trägt. durch die gelebte sexualität mit einem schwarzen und dem gebären eines mischlingskindes ist sie verdorben; das frau-sein nach ihrer natur kostet sie in dieser welt das leben.

PS: mein mann hat natürlich auch über den film geschrieben, hier.

WEG MIT
§218!