Kategorie: Biologie

Asha de Vos

*1979

Auf Sri Lanka geboren, ging Asha de Vos zur Schule in Colombo, der Hauptstadt des Landes. Ihre Eltern brachten ihr oft ausgelesene National Geographic Magazine mit, die sie mit Begeisterung las; sie entwickelte dabei ihren Traum von einer Abenteuer-Wissenschaftskarriere.

Sie machte ihren Schulabschluss am Ladies‘ College in Colombo und ging anschließend nach Schottland, wo sie an der University of St. Andrews Meeres– und Umweltbiologie studierte. Ihren MSc in Biowissenschaften schloss sie jedoch an der University of Oxford ab, danach setzt sie ihr Studium bis zum Doktortitel an der University of Western Australia fort. Sie war die erste Person aus Sri Lanka mit einem Doktortitel in der Erforschung von Meeressäugern.

Bei der Weltnaturschutzunion (International Union for Conversation of Nature, IUCN) war de Vos Programmleiterin in der Meeres- und Küsteneinheit. Mit dem Blauwalprojekt, das sie 2008 auf Sri Lanka gründete, führte sie die erste Langzeitstudie über Blauwale im nördlichen Indischen Ozean durch; dabei entdeckte sie eine Population von Blauwalen, die nicht wie erwartet wanderte, sondern dauerhaft in den Küstengewässern Sri Lankas verblieb. De Vos‘ Forschungseinsatz ist es zu verdanken, dass die Internationale Walfangskommission die Blauwale vor Sri Lanka als besonders schützenswert anerkannt hat.

Inzwischen war Asha de Vos Postdoc-Stipendiatin an der University of California, Santa Cruz und durfte für den National Geographic als Gastbloggerin schreiben. Sie gründete die Non-Profit-Organisation Oceanswell, die sich für den Erhalt der Meere einsetzt.

De Vos ist eine Kritikerin der `Fallschirm-Wissenschaft´, bei der ihre Kollegen aus dem globalen Norden in den Ländern des globalen Südens forschen und anschließend in ihre Heimat zurückkehren, ohne die im Forschungsgebiet lebende Bevölkerung einzubinden, sie zu bilden oder anderweitig in Schutzeinrichtungen zu investieren. Diese Praxis sei unhaltbar und behindere die Maßnahmen für den Erhalt der Umwelt.

Sie ist TED Senior Fellow und hat für ihre Arbeit zahlreiche Auszeichnungen erhalten. 2018 wurde sie in die BBC 100 Women aufgenommen. Ihre Position zu Frauen in der Wissenschaft: Sie sollten sich über ihre Fähigkeiten mehr denn über ihr Geschlecht definieren. (Quelle: National Geographic)

Dorothy Wanda Nyingi

20./21. Jhdt.

Die Kenianerin machte 1998 an der University of Nairobi ihren BSc in Zoologie, gefolgt vom MSc in Hydrobiologie an der selben Hochschule. An der Universität Montpellier II setzte sie 2004 einen MSc und 2007 den Doktortitel in Ökologischer und Evolutionärer Biologie (Link Englisch) nach, einem Fach, das sich mit den Beziehungen von Organismen untereinander sowie ihren Reaktionen auf Veränderungen in der Umwelt befasst. Ihr Studium in Montpellier absolvierte sie dank eines Stipendiums der französischen Regierung.

2013 veröffentlichte sie das erste Bestimmungsbuch für Süßwasserfische in Kenia. Ihr Forschungsgebiet während des Studiums war die morphologische (das Aussehen betreffend) und genetische Diversität der Nil-Buntbarsche.

Sie ist heute die Leiterin der ichthyologischen Abteilung der National Museums of Kenya und Partnerin der Satoyama Initiative (Link Englisch), die sich dafür einsetzt, den Naturschutz und Erhalt von Biodiversität in bewirtschaftete Landschaften zu integrieren.

Yizhi Jane Tao

20. Jhdt.

Yizhi Jane Tao schloss 1988 die First Middle High School in Changsha (Hunan, China) und begann anschließend das Studium der Biologie an der Universität Peking, das sie 1992 mit einem BSc abschloss. Zwei Jahre später setzte sie ihr Studium an der Purdue University in West Lafayette, Indiana (USA) fort.

1999 erlangte Tao ihren Doktortitel in Biowissenschaften an der Purdue University mit einer Arbeit über strukturelle Virologie. Eine dreijährige Postdoc-Tätigkeit absolvierte sie an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts (USA) bei Stephen C. Harrison.

Yizhi Jane Tao leitete das Team, das erstmalig die Struktur des Nukleoproteins des Influenza-A-Virus auf atomarer Ebene darstellte. Dieser Teil des Virus ist unter anderem für die Reproduktion des Virus im erkrankten Körper zuständig, und die Darstellung auf atomarer Ebene erschloss den Aufbau, Funktionsweise und somit auch Möglichkeiten, diese Reproduktion zu verhindern. Das Team unter Taos Leitung lieferte also entscheidende Hinweise für die Entwicklung von Grippe-Medikamenten und Impfungen, da es auch nachwies, dass bereits kleinste Änderungen in der Struktur des Nukleoproteins dessen Funktion unterbrach. Die Entdeckung wurde zu ihrer Zeit sogar in den nicht-wissenschaftlichen Medien – wie hier den BBC News – besprochen. Chinesische Medien zählten Tao daraufhin zu den 10 einflussreichsten Chines:innen.

Seit 2009 ist Tao als Professorin für Biochemie und Zellbiologie an der Rice University in Houston, Texas (USA) tätig und erforscht unter anderem Influenza, Hepatitis und Birnaviridae.

Cecilia Hidalgo Tapia

20. Jhdt.

Cecilia Hidalgo Tapia machte 1965 ihren ersten Universitätsabschluss in Biochemie an der Universidad de Chile, vier Jahre später promovierte sie dort. Damit war sie die erste weibliche Doktorin einer Naturwissenschaft an dieser Universität. Ein späteres Post-doc absolvierte sie an den National Institutes of Health in den USA.

Hidalgo Tapia lehrte an verschiedenen Institutionen in Chile, von 1992 bis 1993 erhielt ein ein Guggenheim-Stipendium. Sie forscht zur Regulierung des Calciumgehalts in der Zelle.

2006 gewann sie als erste Frau den nationalen Naturwissenschaftspreis von Chile.

Leah Keshet

20. Jhdt.

Leah Keshet (Link Englisch) kam in Israel zur Welt, als sie 12 Jahre alt war, zog ihre Familie nach Kanada. An der Dalhousie University in Halifax, Nova Scotia, machte sie sowohl ihren BSc wie ihren MSc in Mathematik, einen Doktorgrad in Angewandter Mathematik erreichte sie 1982 am Weizmann-Institut für Wissenschaften in Rechovot, Israel.

An der Brown University in Providence und an der Duke University in Durham, beides USA, lehrte sie in den folgenden acht Jahren, ohne eine feste Stelle angeboten zu bekommen, eine Zeit, die sie als ‚holperig‘ beschreibt und in der sie beinahe der mathematischen Biologie den Rücken zu wandte (Quelle: s.u.). 1989 konnte sie endlich eine Stelle als Außerordentliche Professorin an der University of British Columbia in Vancouver, Kanada, antreten. Seit 1995 hat sie dort eine volle Professur inne.

frauenfiguren leah keshet cytoskelett
3-dimensionale Darstellung zweier Tochter-Mauszelle in einem späten Stadium der Zellteilung (Telophase). Zu sehen ist der Spindelapparat (anti-Tubulin-Immunfärbung; orange), Aktin-Zytoskelett (Phalloidinfärbung; grün) und das Chromatin (DAPI-Färbung; cyan).
Von Lothar Schermelleh – Lothar Schermelleh, CC BY-SA 3.0

Keshets Fachgebiete ist die mathematische (oder theoretische) Biologie – die damit befasst ist, mathematische Modelle von biologischen Vorgängen zu erstellen – und die Biophysik. Ihren Fokus richtet sie insbesondere auf die Zellmigration und das Cytoskelett, ein Netzwerk aus Proteinen innerhalb eukaryotischer Zellen (Zellen mit einem Zellkern, der die DNA enthält). Ebenso erstellt sie mathematische Modelle zu Physiologie und Krankheiten sowie zum Schwarm- und Ballungsverhalten sozialer Organismen.

Sie ist Autorin dreier Bücher, darunter Mathematical Models in Biology (Mathematische Modelle in der Biologie), das als eine der wichtigsten Arbeitn auf dem Gebiet der theoretischen Biologie gilt. Im gleichen Jahr, in dem sie ihre volle Professur erhielt, war sie auch die erste weibliche Präsidentin der Society for Mathematical Biology. 2003 war sie die Preisträgerin des Krieger-Nelson-Preises, einem kanadischen Preis für Frauen in der Mathematik. Die Society for Industrial and Applied Mathematics nahm sie 2014 als Mitglied auf.

In diesem Artikel im sciencemag.com (Link Englisch) beschreibt Keshet ihren Lebensweg in eigenen Worten. Hier spricht sie von ihrer Zeit der beruflichen Unsicherheit, ihren Zweifeln und menschlichen Enttäuschungen, aber auch davon, wie sich ihr Leben schließlich so drehte, dass sie heute glücklich ist. Ihr Text spricht auf einer sehr persönlichen Ebene zu mir.

Aditi Pant

20. – 21. Jhdt.

Aditi Pant (Link Englisch) wurde in Nagpur, Indien, in eine Familie ländlicher Brahmanen geboren; dies bedeutete einen hohen gesellschaftlichen Status über die Kaste, doch wohlhabend war Pants Familie nicht. Ihre wirtschaftlichen Umstände sowie die vernachlässigte Bildung junger Mädchen ließen Aditi in ihrer Jugend nicht an eine Chance auf höhere Bildung glauben.

Dennoch machte sie ihren BSc an der University of Pune. Sie studierte Meereskunde, nachdem ein Freund der Familie ihr The Open Sea von Alister Hardy zu lesen gab. Ein Stipendium der US-Regierung ermöglichte es Aditi Pant, an der University of Hawai’i ihr Studium bis zum MSc weiterzuverfolgen. Ihre Masterarbeit schrieb sie über die Photosynthese in Plankton-Lebensgemeinschaften, genauer: Über die Auswirkung tropischer Lichtintensität auf die Photosynthese in Plankton-Lebensgemeinschaften und die Gegebenheiten des Kohlenstoff-Austausches zwischen Phytoplankton und Bakterien. Nachdem sich ihre Studien auf offener See als sehr herausfordernd und anstrengend herausgestellt hatten, konzentrierte sich Pant nach Absprache mit ihrem Doktorvater auf ein Modell mit einer Bakterienart.

Nach ihrem Masterabschluss auf Hawai’i verfolgte Aditi Pant schließlich auch noch das Doktorandenstudium und machte ihren PhD in Meereskunde zur Physiologie von Meeresalgen. Um die Zeit ihrer Promotion lernte sie Professor N.K. Panikkar kennen, den Gründer des National Institute of Oceanography (NIO, Link Englisch) in Goa. Dort nahm Pant am Antarktis-Projekt teil, das insgesamt über zehn Jahre lief. Gemeinsam mit Sudipta Sengupta war Aditi Pant 1983 eine der ersten beiden indischen Frauen in der Antarktis, sie erforschten dort die Abläufe von Nahrungsketten sowie chemische und biologische Vorgänge im Südlichen Ozean. Außerdem waren die beiden Wissenschaftlerinnen am Bau der ersten indischen Forschungsstation in der Nähe des Südpols, Dakshin Gangotri, 2.500km entfernt vom Pol. Pant und Sengupta blieben von Dezember 1983 bis März 1984, Pant kehrte später im Jahr 1984 noch einmal in die Antarktis zurück.

Insgesamt 17 Jahre arbeitete Pant am NIO, dann wechselte sie 1990 an das National Chemical Laboratory (Link Englisch) in Pune. Hier erforschte sie die Enzymologie (die biochemischen Vorgänge) von salztoleranten und salzliebenden Mikroben in der marinen Nahrungskette.

Aditi Pant ist Inhaberin von fünf Patenten und Autorin oder Ko-Autorin von mehr als 67 wissenschaftlichen Publikationen. Von der indischen Regierung wurde sie gemeinsam mit Sengupta und zwei weiteren Kolleginnen mit dem Antarctica Award ausgezeichnet.

Ihren Lebenslauf in eigenen, persönlicheren Worten schildert Aditi Pant in diesem Beitrag zu An Oceanographer’s Life.

42/2020: Katharine Foot, 14. Oktober 1852

frauenfiguren katharine foot
Group photo of researchers of the Marine Biology laboratory. First row, seated on ground (left to right): Howard S. Erode, Arnold Graf, John P. Munson, Robert P. Bigelow, Gary N. Calkins. Second row, seated (left to right): W. H. Dudley, Walter M. Rankin, A. D. Mead, Edmund B. Wilson, C. O. Whitman, E. G. Conklin, Hermon C. Bumpus, F. S. Lee. Third row, standing (left to right): – —(?), Pierre A. Fish, Cornelia M. Clapp, Sho Wakase, Katharine Foot, A. D. Morrill, Joseph C. Thompson (?), Esther F. Byrnes. Back row, standing (left to right): M. A. Brannon, Bradley M. Davis, Clara Langenbeck, S. Emma Keith, Margaret Lewis, Louise B. Wallace, J. L.“ Kellogg, George W. Field, Frank R. Lillie, O. S. Strong, Mary M. Sturges, John McCrae.
Autor unbekannt – Popular Science Monthly Volume 79, Gemeinfrei

Katharine Foot (CN politisch inkorrekte Bezeichnung für Amerikanische Ureinwohner) kam in Geneva, New York, zur Welt und besuchte in ihrer Kindheit und Jugend Privatschulen. Sie war Mitglied des New Yorker Clubs zur Förderung von Frauen ‚Sorosis‘, wo sie Alice Fletcher kennenlernte, mit der sie ein Interesse für die Belange der nordamerikanischen Ureinwohner teilte. Sie begleitete die Ethnologin sogar (vermutlich 1886) nach Alaska, um das Gespräch mit den dortigen Ureinwohnern zu suchen.

In den 1890er Jahren lebte Foot beim Gründer der Northwestern University in Evanston, Illinois. Im Jahr 1892 ließ sie sich für die Mitarbeit am Marine Biological Laboratory ausbilden, wo sie zeit ihres Lebens Mitglied bleiben sollte. Nach einem sechswöchigen Kurs über Wirbellose erhielt sie von Zoologe Charles Ottis Whitman den Auftrag, die Reifung und Befruchtung von Regenwurmeiern der Gattung Allolobophora foetida zu untersuchen. Über die Ergebnisse dieser Untersuchung schrieb sie 1894 einen Artikel, zwei Jahre später durfte sie als erste Frau des Labor dorts einen Vortrag halten, ihr Thema: „Die Zentrosomen des befruchteten Eis von Allolobophora foetida„.

Im Folgejahr, 1897, wurde Ella Church Strobell ihre Assistentin, nach zweijähriger Zusammenarbeit veröffentlichten die beiden Frauen gleichberechtigt als Ko-Autorinnen. Foot und Strobell gehörten in dieser Zeit zu den ersten Wissenschaftler:innen, die die Bilder ihrer Untersuchungsobjekte nicht mehr zeichneten, sondern fotografierten. Sie erarbeiteten auch eine neue, bahnbrechende Technik, wie in niedrigeren Temperaturen dünnere und damit einsichtigere Materialproben hergestellt werden konnten.

1906 wurde Katharine Foot in der ersten Ausgabe der Sammlung American Men of Science (Link Englisch) (sic! Erst 1971 wurde daraus American Men and Women of Science) als eine der 1.000 wichtigsten Wissenschaftler:innen des Jahres genannt – die deutschen Wikipedia-Einträge zu Katharine Foot, Grace Andrews und Charlotte Angas Scott lassen keinen genauen Schluss zu, ob Foot bereits in der Erstausgabe als eine von zwei oder drei Frauen erwähnt wurde oder ob sie erst später aufgenommen wurde. Andrews und Scott gelten nach ihren Wiki-Einträgen als die ersten beiden Frauen in der biografischen Nachschlagewerke.

Foot und Strobell arbeiteten von 1906 bis 1913, möglicherweise in einem eigenen Labor, an der Erforschung der unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Kürbiswanzen. Sie untersuchten wie Nettie Stevens die Rolle von Chromosomen bei erblichen, geschlechtsgebundenen Merkmalen und verteidigten ihre Thesen darüber auch gegenüber Thomas Hunt Morgan, der als Entdecker der Chromosomen als Geschlechtsphänoytp bestimmender Faktoren gilt – obwohl er erst nach Foot, Strobell und Stevens zu dieser Meinung kam.

1914 gingen Foot und Strobell nach England, um ihre Forschungen am New College in Oxford fortzusetzen. Dort erkrankte Strobell jedoch drei Jahre später, womit ihre gemeinsame Arbeit endete. Katharine Foot meldete sich zum Ende des Ersten Weltkrieges als Freiwillige beim Amerikanischen Roten Kreuz und untersuchte für diese Organisation den Lebenszyklus der Kleiderlaus. Ella Church Strobell starb 1920, Foot lebte noch in den 1930er in London, doch zog im Laufe des Zweiten Weltkrieges zurück in die USA. Dort starb sie 1944 in Camden, South Carolina, mit 92 Jahren.

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Ebenfalls diese Woche

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Zur Veranschaulichung der Großen Struktur des Kosmos werden die Wachstumsstrukturen von Schleimpilzen herangezogen
By ESA/Hubble, CC BY 4.0

12. Oktober 1861: Kristine Meyer (Link Englisch)
Als erste dänische Frau ihres Landes erlangte die Physikerin einen Doktorgrad in Naturwissenschaften.

14. Oktober 1971: Licia Verde (Link Englisch)
Die italienische Kosmologin und Theoretische Physikerin ist bekannt für ihre Forschung zur Großen Struktur des Kosmos (wie Galaxien und Materie im Kosmos verteilt sind) und Dunkler Materie.

17. Oktober 1720: Geneviève Thiroux d’Arconville
Ihre Erforschung von Fäulnisprozessen der französischen Naturforscherin stellt den Grundstein für diesen Bereich der Chemie dar. Auch sie wurde Opfer des Matilda-Effektes und schrieb über ihre eigene Beobachtung dazu: „Im Privatleben [im Sinne von: außerhalb gesellschaftlicher Normen] spielen Frauen nicht ungestraft eine Rolle. Sind sie galant? Sie werden verachtet. Sind sie intrigant? Sie werden gefürchtet. Sollten sie Wissen oder Witz zeigen? Wenn ihre Werke schlecht sind, werden sie ausgepfiffen; sind sie hingegen gut, werden sie ihnen gestohlen und sie werden lächerlich gemacht, wenn sie die Arbeit als ihre eigene beanspruchen.“ (Quelle: Wiki) Viele ihrer Manuskripte waren bis 2007 verschollen.

Anna Coble

* 1936 • † 3. März 2009

Anna Coble (Link Englisch) war die Tochter eines Dozenten an der St. Augustine’s University (Link Englisch) in Raleigh, North Carolina, einer Hochschule für PoC (Afro–Amerikaner). Anna interessierte sich früh für Mathematik und Physik, daher studierte sie schließlich Mathematik an der Howard University, ebenfalls eine für PoC gegründete Hochschule. Sie erreichte dort mit 22 Jahren ihren Bachelor of Science und drei Jahre später ihren Master of Science. Nach diesem Abschluss im Jahr 1961 unterrichtete sie zunächst für vier Jahre Physik an der North Carolina Agricultural and Technical State University.

1965 begann sie dann ein postgraduales Studium an der University of Illinois at Urbana-Champaign. Sie wurde hier eine Fürsprecherin für Studierende, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Minderheit oder als Frauen benachteiligt waren. Als Anna Coble hier 1973 schließlich ihren Doktortitel erlangte, war sie die erste WoC (Afro-Amerikanerin), die diesen akademischen Grad in Biophysik erhielt. Sie erforschte anschließend an der Washington University in St. Louis die Auswirkungen von hochintensivem Ultraschall auf Frösche.

Als Coble an die Howard University zurückkehrte, dieses Mal als Dozentin, war sie die erste WoC, die dort eingestellt wurde – Mitte der 1970er Jahre. In ihrem ersten Sommer dort stellte sie ihre eigenen Forschungen zunächst zurück, um für die etwa 200 Studenten of Color Wohnungen zu organisieren. Sie fand auch für sich selbst eher suboptimale Voraussetzungen vor, in ihrer Zeit an der Howard University wurden die staatlichen Förderungen für die Forschung dort um an die 40% gekürzt. Coble wurde schließlich im Lauf ihrer Karriere zur Associate Professor berufen.

Sie war neben ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit auch sozial engagiert. So gehörte sie zum Vorstand einer Organisation, die Wohnheime für vernachlässigte weibliche Teenager leitete. Da politische und soziale Diskriminierung auch in ihrem wissenschaftlichen Fachgebiet eine Rolle spielte, gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der National Society of Black Physicists (Link Englisch). Mit der National Academy of Sciences und dem National Research Council entwickelte sie Lehrmaterialien, bei der American Association for the Advancement of Science setzte sie sich für die stärkere Unterstützung unterrepräsentierter Gruppierungen ein, namentlich der Frauen und ethnischer Minderheiten.

Anna Coble starb am 3. März 2009 im Alter von 73 Jahren.

39/2020: Asima Chatterjee, 23. September 1917

Asima Chatterjee (Link Englisch) war die Tochter eines Arztes, die in der gebildeten Mittelschicht Kolkatas zur Welt kam und deren akademische Karriere von der Familie gefördert wurde. Ihr Vater gab sein Interesse an der Botanik an sie weiter.

Mit 19 Jahren machte Chatterjee den Abschluss der weiterführenden Schule am Scottish Church College der University of Calcutta, mit einer besonderen Würdigung im Fach Chemie. Sie studierte anschließend Organische Chemie am Rajabazar Science College der Universität, wo sie 1938, mit 21 Jahren, ihren Master of Science machte und sechs Jahre später als erste Frau Indiens einen wissenschaftlichen Doktortitel holte. Ihre Doktorarbeit scrieb sie über die Chemie von Pflanzenprodukten und synthetische organische Chemie. Sie lernte in ihrem Studium unter anderem von Prafulla Chandra Ray (Link Englisch), der als der Vater der modernen Chemie in Indien gilt. (Der Wikipedia-Beitrag nennt einen ihrer Lehrer auch als Satyendranath Bose, einen Physiker, der mit Albert Einstein zusammenarbeitete und nach dem unter anderem die Bosonen benannt sind. Dieser Artikel auf feministindia.com nennt allerdings Prafulla Kumar Bose als ihren einflussreichen Lehrer.)

Asima Chatterjee erforschte in ihrer 40-jährigen Karriere natürliche chemische Produkte, insbesondere Alkaloide, wie etwa Vincaalkaloide, die das Wachstum von Krebszellen verhindern können. Sie untersuchte die antikonvulsive Wirkung einer Kleefarn-Art (Marsilea minuta), sowie die Wirkung gegen Malaria des Teufelsbaumes (Alstonia scholaris), einer Enzian-Art (Swertia chirata), einer Wegerich-Art (Picrorhiza kurroa) und der Caesalpinien (Caesaplinia crista). Ihre Arbeit führte zur Entwicklung einer Medizin gegen Epilepsie und mehreren Medikamenten gegen Malaria.

Sie erhielt zahlreiche Ehrungen des indischen Staates, gründete den Fachbereich für Chemie am Frauencollege Bethune College (Link Englisch) und erreicht neben den oben genannten noch zahlreiche andere Erkenntnisse über die medizinische Wirkung diverser Pflanzenwirkstoffe.

Sie starb am 22. November 2006 mit 89 Jahren.

Dieser Listicle von feministindia.com erwähnt sie neben anderen interessanten indischen Wissenschaftlerinnen.

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Ebenfalls diese Woche

24. September 1794: Jeanne Villepreux-Power
Eigentlich gelernte Schneiderin, machte die französische Hobby-Meeresbiologin erst Experimente mit Wasserorganismen in Aquarien.

24. September 1946: Maria Teresa Ruiz
Die chilenische Astronomin entdeckte Kelu-1 (Link Englisch), ein System zweier Brauner Zwerge im Sternbild der Hydra.

26. September 1832: Zsófia Torma
Als Hobby-Archäologin fand die Ungarin einige Lehmbruchstücke der Vinča-Kultur, die 5.400 bis etwa 4.600 vor unserer Zeitrechnung im heutigen Serbien, West-Rumänien, Süd-Ungarn und dem östlichen Bosnien angesiedelt war.

37/2020: Idelisa Bonnelly, 10. September 1931

Idelisa Bonnelly (Link Englisch) kam in Santiago de los Caballeros, der zweitgrößten Stadt der Dominikanischen Republik, zur Welt. Mit 22 Jahren schrieb sie sich an der Columbia University in New York ein und machte dort drei Jahre später ihre Bachelor of Science in Meeresbiologie. Anschließend studierte sie bis zu ihrem Mastertitel 1961 an der New York University, danach arbeitete sie als Forschungsassistentin am New York Aquarium (Link Englisch). Bereits im Folgejahr kehrte sie in ihre Heimat in der Karibik zurück, um an der Universidad Autónoma de Santo Domingo den ersten Fachbereich ihres Heimatlandes für das Fach Biologie zu gründen.

1966 gründete Idelisa Bonnelly das Institut für Meeresbiologie an der Universität in Santo Domingo, aus dem später das Forschungszentrum für Meeresbiologie (Centro de Investigación de Biología Marina, CIBIMA) hervorgehen sollte. Dort lehrte sie von 1967 bis 1986, im Anschluss war sie weitere sechs Jahre als Studienkoordinatorin dort tätig.

Auch die Akademie der Wissenschaft der Dominikanischen Republik gründete Bonnelly, im Jahr 1974. Sie veröffentlichte zahlreiche Arbeiten, die großen Einfluss auf den Erhalt der Meeresressourcen hatten und zur Grundlage von Umweltrecht hinsichtlich der Küste und des Meeres der Dominikanischen Republik wurden. In den 1980er Jahren war sie entscheidend beteiligt an der Schaffung eines Schutzgebiets für Buckelwale vor der Küste von Hispaniola. Dafür erhielt sie 1986 den Verdienstorden für Frauen in der Wissenschaft von der Regierung der Republik. Im folgenden Jahr wurde ihr der National Science Prize von der Akademie der Wissenschaften verliehen, die UN nahm sie in die Global 500 Roll of Honour des UNEP auf.

Ihre Universität verlieh ihr 1990 die Ehrendoktorwürde. Kurz darauf gründete sie die Dominikanische Stiftung der Meeresforschung (Fundación Dominicana de Estudios Marinos, FUNDEMAR), die auch ein Reservat für Meeressäuger betreibt. Sie schloss sich auch der Organization for Women in Science for the Developing World (TWOWS, Link Englisch) an.

Neben anderen Auszeichungen erhielt sie auch 2009 die Marie Curie Medaille der UNESCO, die BBC nannte sie 2013 eine der zehn wichtigsten weiblichen Wissenschaftlerinnen von Lateinamerika.

Ebenfalls diese Woche

7. September 1830: Mary Treat (Link Englisch)
Die amerikanische Naturkundlerin schrieb in 28 Jahren 76 Artikel zu diversen Themen, von Insektenkunde über Ornithologie bis hin zur Botanik, in der zweiten Hälfte ihres Lebens verdiente sie damit ihren Lebensunterhalt nach der Trennung von ihrem Ehemann. Über fünf Jahre, beginnend 1871, korrespondierte sie mit Charles Darwin über fleischfressende Pflanzen.

10. September 1859: Marcia Keith (Link Englisch)
Von dieser amerikanischen Physikerin wird angenommen, dass sie die individuelle Laborarbeit von Schülern der Naturwissenschaften einführte. Sie unterrichtete Mathematik und Physik und war Gründungsmitglied der American Physical Society.

10. September 1907: Dorothy Hill (Link Englisch)
Die australische Paläontologin war Australiens erste weibliche Universitätsprofessorin und die erste weibliche Präsidentin der Australian Academy of Sciences.

11. September 1845: Mary Anne Stebbing (Link Englisch)
Viele der Zeichnungen dieser botanischen Illustratorin verbrannten 1881, doch einige befinden sich noch im Archiv der Royal Botanic Gardens in Kew.

12. September 1897: Irène Joliot-Curie
Als Tochter der ersten Nobelpreisträgerin überhaupt war sie prädestiniert für große wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Chemikerin und Physikerin erhielt 1935 selbst den Nobelpreis in Chemie, gemeinsam mit ihrem Mann Frédéric Joliot-Curie, für die Entdeckung der künstlichen Radioaktivität.