Schlagwort: naturforschung

42/2020: Katharine Foot, 14. Oktober 1852

frauenfiguren katharine foot
Group photo of researchers of the Marine Biology laboratory. First row, seated on ground (left to right): Howard S. Erode, Arnold Graf, John P. Munson, Robert P. Bigelow, Gary N. Calkins. Second row, seated (left to right): W. H. Dudley, Walter M. Rankin, A. D. Mead, Edmund B. Wilson, C. O. Whitman, E. G. Conklin, Hermon C. Bumpus, F. S. Lee. Third row, standing (left to right): – —(?), Pierre A. Fish, Cornelia M. Clapp, Sho Wakase, Katharine Foot, A. D. Morrill, Joseph C. Thompson (?), Esther F. Byrnes. Back row, standing (left to right): M. A. Brannon, Bradley M. Davis, Clara Langenbeck, S. Emma Keith, Margaret Lewis, Louise B. Wallace, J. L.“ Kellogg, George W. Field, Frank R. Lillie, O. S. Strong, Mary M. Sturges, John McCrae.
Autor unbekannt – Popular Science Monthly Volume 79, Gemeinfrei

Katharine Foot (CN politisch inkorrekte Bezeichnung für Amerikanische Ureinwohner) kam in Geneva, New York, zur Welt und besuchte in ihrer Kindheit und Jugend Privatschulen. Sie war Mitglied des New Yorker Clubs zur Förderung von Frauen ‚Sorosis‘, wo sie Alice Fletcher kennenlernte, mit der sie ein Interesse für die Belange der nordamerikanischen Ureinwohner teilte. Sie begleitete die Ethnologin sogar (vermutlich 1886) nach Alaska, um das Gespräch mit den dortigen Ureinwohnern zu suchen.

In den 1890er Jahren lebte Foot beim Gründer der Northwestern University in Evanston, Illinois. Im Jahr 1892 ließ sie sich für die Mitarbeit am Marine Biological Laboratory ausbilden, wo sie zeit ihres Lebens Mitglied bleiben sollte. Nach einem sechswöchigen Kurs über Wirbellose erhielt sie von Zoologe Charles Ottis Whitman den Auftrag, die Reifung und Befruchtung von Regenwurmeiern der Gattung Allolobophora foetida zu untersuchen. Über die Ergebnisse dieser Untersuchung schrieb sie 1894 einen Artikel, zwei Jahre später durfte sie als erste Frau des Labor dorts einen Vortrag halten, ihr Thema: „Die Zentrosomen des befruchteten Eis von Allolobophora foetida„.

Im Folgejahr, 1897, wurde Ella Church Strobell ihre Assistentin, nach zweijähriger Zusammenarbeit veröffentlichten die beiden Frauen gleichberechtigt als Ko-Autorinnen. Foot und Strobell gehörten in dieser Zeit zu den ersten Wissenschaftler:innen, die die Bilder ihrer Untersuchungsobjekte nicht mehr zeichneten, sondern fotografierten. Sie erarbeiteten auch eine neue, bahnbrechende Technik, wie in niedrigeren Temperaturen dünnere und damit einsichtigere Materialproben hergestellt werden konnten.

1906 wurde Katharine Foot in der ersten Ausgabe der Sammlung American Men of Science (Link Englisch) (sic! Erst 1971 wurde daraus American Men and Women of Science) als eine der 1.000 wichtigsten Wissenschaftler:innen des Jahres genannt – die deutschen Wikipedia-Einträge zu Katharine Foot, Grace Andrews und Charlotte Angas Scott lassen keinen genauen Schluss zu, ob Foot bereits in der Erstausgabe als eine von zwei oder drei Frauen erwähnt wurde oder ob sie erst später aufgenommen wurde. Andrews und Scott gelten nach ihren Wiki-Einträgen als die ersten beiden Frauen in der biografischen Nachschlagewerke.

Foot und Strobell arbeiteten von 1906 bis 1913, möglicherweise in einem eigenen Labor, an der Erforschung der unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Kürbiswanzen. Sie untersuchten wie Nettie Stevens die Rolle von Chromosomen bei erblichen, geschlechtsgebundenen Merkmalen und verteidigten ihre Thesen darüber auch gegenüber Thomas Hunt Morgan, der als Entdecker der Chromosomen als Geschlechtsphänoytp bestimmender Faktoren gilt – obwohl er erst nach Foot, Strobell und Stevens zu dieser Meinung kam.

1914 gingen Foot und Strobell nach England, um ihre Forschungen am New College in Oxford fortzusetzen. Dort erkrankte Strobell jedoch drei Jahre später, womit ihre gemeinsame Arbeit endete. Katharine Foot meldete sich zum Ende des Ersten Weltkrieges als Freiwillige beim Amerikanischen Roten Kreuz und untersuchte für diese Organisation den Lebenszyklus der Kleiderlaus. Ella Church Strobell starb 1920, Foot lebte noch in den 1930er in London, doch zog im Laufe des Zweiten Weltkrieges zurück in die USA. Dort starb sie 1944 in Camden, South Carolina, mit 92 Jahren.

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Ebenfalls diese Woche

frauenfiguren large-scale structure
Zur Veranschaulichung der Großen Struktur des Kosmos werden die Wachstumsstrukturen von Schleimpilzen herangezogen
By ESA/Hubble, CC BY 4.0

12. Oktober 1861: Kristine Meyer (Link Englisch)
Als erste dänische Frau ihres Landes erlangte die Physikerin einen Doktorgrad in Naturwissenschaften.

14. Oktober 1971: Licia Verde (Link Englisch)
Die italienische Kosmologin und Theoretische Physikerin ist bekannt für ihre Forschung zur Großen Struktur des Kosmos (wie Galaxien und Materie im Kosmos verteilt sind) und Dunkler Materie.

17. Oktober 1720: Geneviève Thiroux d’Arconville
Ihre Erforschung von Fäulnisprozessen der französischen Naturforscherin stellt den Grundstein für diesen Bereich der Chemie dar. Auch sie wurde Opfer des Matilda-Effektes und schrieb über ihre eigene Beobachtung dazu: „Im Privatleben [im Sinne von: außerhalb gesellschaftlicher Normen] spielen Frauen nicht ungestraft eine Rolle. Sind sie galant? Sie werden verachtet. Sind sie intrigant? Sie werden gefürchtet. Sollten sie Wissen oder Witz zeigen? Wenn ihre Werke schlecht sind, werden sie ausgepfiffen; sind sie hingegen gut, werden sie ihnen gestohlen und sie werden lächerlich gemacht, wenn sie die Arbeit als ihre eigene beanspruchen.“ (Quelle: Wiki) Viele ihrer Manuskripte waren bis 2007 verschollen.

22/2020: Claudia Alexander, 30. Mai 1959

Claudia Alexander (Link Englisch) kam in Vancouver in Kanada, zur Welt, wuchs jedoch in Santa Clara (Kalifornien), auf. Ihr eigentlicher Berufswunsch war Journalistin, doch ihre Eltern – eine Bibliothekarin und ein Sozialarbeiter – finanzierten das Studium und wollten, dass sie Ingenieurin werde. Sie fügte sich und arbeitete in einem Nebenjob in den Sommerferien im Ames Research Center, einem Forschungscenter der NASA. Dort arbeitete sie in der technischen Abteilung, doch sie begann sich auch für die Planetologie zu interessieren; sie schlich sich also in die wissenschaftliche Abteilung, um dort auszuhelfen, und stellte fest, dass ihr die Arbeit dort besser gefiel und leichter von der Hand ging.

So machte sie 1983 ihren Bachelor-Abschluss an der University of California, Berkeley, in Geophysik, weil sie dieses Fach für eine gute Basis in der Planetologie hielt. Zwei Jahre später machte sie ihren M.A. in Geo- und Astrophysik an der University of California, Los Angeles. In ihrer Abschlussarbeit untersuchte sie die Auswirkungen des magnetischen Zyklus der Sonne und der Sonnenwinde auf die Ionosphäre der Venus. Bis ins Folgejahr 1986 war sie sowohl am United States Geological Survey tätig, in der Erforschung von Plattentektonik, wie am Ames Research Center bei der Beobachtung der Jupitermonde. 1987 wechselte sie zur NASA, wo sie im Labor für Düsenantriebe zunächst als wissenschaftliche Koordinatorin arbeitete.

Sie erlangte 1993 ihren Doktortitel in Atmosphären-, Ozean- und Astro-Wissenschaften (Atmospheric, Oceanic and Space Sciences), speziell zum Thema astrophysisches Plasma (Link Englisch). In der finalen Phase der Galileo-Mission war sie als Projekt Managerin unter anderem für den kontrollierten Absturz der Sonde 2003 in die Atmosphäre des Jupiter verantwortlich. Die Galileo entdeckte 21 neue Jupitermonde und eine Atmosphäre („oberflächengebundene Exosphäre“) auf dem Mond Ganymed.

Neben den Jupitermonden, Plattentektonik, der Venus und dem astrophysischen Plasma forschte sie auch zur Entstehung und dem physikalischen Aufbau von Kometen, Magnetosphären und zur Unstetigkeit und Ausbreitung der Sonnenwinde. Sie war wissenschaftliche Koordinatorin bei der Cassini-Huygens-Mission zum Saturn und Co-Autorin von 14 wissenschaftlichen Schriften. Auch an der Rosetta-Mission der ESA, einer Sonde, die auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko landete, war sie als Projektwissenschaftlerin beteiligt.

Claudia Alexander setzte sich auch dafür ein, Frauen und Minderheiten verstärkt in die MINT-Fächer zu bringen – so schrieb sie unter anderem Kinderbücher und Science-Fiction-Romane. In ihrem TED-Talk „The Compelling Nature of Locomotion and the Strange Case of Childhood Education“ demonstrierte sie anhand des Themas der Lokomotion, wie sie wissenschaftlichen Unterricht für Kinder gestaltete.

TED-Talk von Claudia Alexander: „The Compelling Nature of Locomotion and the Strange Case of Childhood Education“

Leider erlag die vielseitige Planetologin am 11. Juli 2015 dem zehnjährigen Kampf gegen den Brustkrebs.

Die zwei Folgen „Ein wachsendes Problem“ (20a) und „Das ausgebrochene Bärtierchen“ (20b) der Kinder-TV-Serie Miles von Morgen sind ihr gewidmet.

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Ebenfalls diese Woche

26. Mai 1821: Amalie Dietrich
Wenn ich mich recht entsinne, steht die Naturforscherin – zugegebenermaßen eine beeindruckend entschlossene Frau – auch in der Kritik, da sie neben botanischen Exemplaren auch menschliche Schädel aus Australien an Museen in der deutschen Heimat sandte.

27. Mai 1676: Maria Clara Eimmart
Die eigenen Beobachtungen stellte die Astronomin und ausgebildete Kupferstecherin in detaillierten Zeichnungen dar; darunter die Mondphasen sowie verschiedene Ansichten des Merkur, der Venus, des Mars, Jupiter und Saturn, einige Kometenformen und – nebenstehend – das Phänomen des Nebenmondes und der Nebensonne.

27. Mai 1959: Donna Strickland
Die Laserphysikerin erhielt als dritte Frau überhaupt 2018, gemeinsam mit zwei Kollegen, den Nobelpreis für Physik.

31. Mai 1887: Ethel Doidge (Link Englisch)
Die Fellow der Linnean Society of London trug als Mykologin und Bakteriologin zur Bekanntheit eines Phytopathogens bei, das Mangos befällt.

31. Mai 1912: Chien-Shiung Wu
Dafür, dass sie 1956 im Wu-Experiment die Paritätsverletzung bei schwacher Wechselwirkung nachwies und damit empirisch eine Hypothese bewies, dass in der Elementarteilchenphysik eine Vertauschung von rechts und links einen Unterschied machen kann – dafür hätte die Physikerin ebenfalls den Nobelpreis für Physik erhalten müssen; sie wurde dafür jedoch gar nicht erst nominiert. Sie erhielt jedoch 1963 den Comstock-Preis für Physik, 1975 die National Medal of Science und 1978 den Wolf-Preis in Physik.

KW 30/2013: Jeanne Baret, 27. Juli 1740

Jeanne Barret Madlla Bare

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Geschichten von Frauen, die sich in alten Zeiten als Männer verkleidet haben und so erfolgreich eine Karriere verfolgten, gibt es einige. Sie klingen immer alle irgendwie nach Märchen; heutzutage sind solche Geschichten meist nur Anlass für günstig produzierte Fernsehfilme, alte Witze über die achso typischen männlichen und weiblichen Verhaltensweisen aufzuwärmen, um am Ende doch wieder jeden glücklich in seiner Normrolle zu platzieren.

Jeanne Baret verkleidete sich als Mann, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und ging als erste Frau in Männermontur auf Weltreise. Keiner der Mitreisenden – außer ihrem Dienstherren Commerçon, der wohl sowieso ihr Liebhaber war – bemerkte es. Stattdessen brauchte es die „unzivilisierten“ Tahitianer, um zu entdecken, dass es sich um eine Frau handelte. Jeanne Baret unterstützte ihren Dienstherren bei seinen Expeditionen und Forschungen und ersetzte ihn später sogar im Krankheitsfall. Sie leistete alle Arbeit, als sei sie der Mann, als der sie sich verkleidete.

Wie üblich beim Matilda-Effekt (über den ich im Artikel über Rosalind Franklin erfuhr) wurde ihr Beitrag zu Geschichte der Naturforschung lange und vollständig unterschlagen. Gottseidank finden sich immer noch unbenannte Spezies auf unserem Planeten, sodass 2012 endlich eine Pflanze nach ihr benannt wurde.

Bild: By Cristoforo Dall’Acqua (1734-1787) [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

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