36/2019: Charline Arthur, 2. September 1929

Charline Arthur feierte in den 1950ern in den USA ein paar Jahre Erfolge als Musikerin im Honky Tonk, einer Unterart der Country-Musik und Vorläufer des Rockabilly und Rock’n’Roll. Sie begann ihre Karriere nach einer Kindheit in Paris, Texas, mit 15 Jahren, nachdem sie einen Talentwettbewerb gewonnen hatte. Sie tourte zunächst mit einer medicine show, heiratete den Bassisten der Band, der sie später auch managte, und nahm 1950 ihre erste Schallplatte auf. Anschließend arbeitete sie kurzzeitig als Radio-DJ, bis sie Colonel Tom Parker entdeckt wurde, der fünf Jahre später auch Elvis Karriere maßgeblich antrieb.

Parker holte sie nach Nashville, wo sie bei RCA unter Vertrag genommen wurde. Am Höhepunkt ihrer Karriere 1955 tourte sie mit Elvis Presley, Johnny Cash, Jerry Lee Lewis und anderen, hatte zahlreiche Auftritte in Texas und in Radiosendern der benachbarten Staaten. Ein Auftritt bei Grand Ole Opry, der langlebigsten Radiosendung der US-Rundfunkgeschichte, gilt darunter als besondere Auszeichnung.

Bereits das Jahr darauf war von Trennungen geprägt. Ihr Produzenten in Nashville fanden sie „zu schwierig“, sie selbst ließ sich von ihrem Mann scheiden. Ihre Platten verkauften sich nicht gut und sie passte nicht in das Rollenschema, das in der Country-Musik für Frauen vorgesehen war. Sie trug Hosenanzüge statt Kleider, ihre eigenen Lieder – die eigentlich am erfolgreichsten waren – verstießen mit Anzüglichkeiten gegen den „guten Ton“, bei Live-Auftritten verhielt sie sich, wie es bei ihren männlichen Nachfolgern bejubelt wurde: Sie schwang „unverschämt“ die Hüften und sprang wild über die Bühne. Zwei Historiker, die sich mit ihr befassten, schrieben dazu: „Arthur kämpfte um das Recht, die erste wirklich aggressive, unabhängige Frau der Country-Musik der Nachkriegszeit zu werden. Letztendlich hat sie verloren.“

Sie machte noch einen Versuch in einer Band mit zwei ihrer Schwestern, doch der Erfolg blieb aus. Nach einem kurzen Abstecher nach Salt Lake City verhalf ihr ein Fan zu einem regelmäßigen Engagement in Idaho. Dort spielte sie bis in die Mitte der 1960er, dann spielte sie einige Zeit an der Westküste der USA. 1978 kehrte sie nach Idaho zurück und lebte dort bis zum ihrem Tod von einer kleinen Invaliditätsrente, da sie an Arthritis litt. 1986 brachte das deutsche Label Bear Family Records eine Kompliation ihrer Aufnahmen der Jahre zwischen 1949 und 1957 heraus, über die sie sich gerührt zeigte. Ein Jahr später verstarb sie 58-jährig eines natürlichen Todes.

Seit den 1990er Jahren stieg das Interesse an ihr als einer weiblichen Vorgängerin der großen Rock’n’Roll- und Rockabilly-Stars, die in ihrer künstlerischen Expressivität eingeschränkt und der Konsequenz vergessen wurde.