Kategorie: Technik

15/2019: Blanche Stuart Scott, 8. April 1889*

*Geburtsjahr wie angegeben auf ihrem Grabstein


Blanche Stuart Scott wurde als Tochter von Belle und John Scott in Rochester, New York, geboren. Ihr Vater war ein erfolgereicher Geschäftsmann, der Patentarzneimittel (patent medicine) herstellte und vertrieb. Scott begeisterte sich früh für Automobile. Ihr Vater kaufte ein Auto und Scott fuhr damit schon als Kind durch die Stadt, da zu dieser Zeit noch keine Altersvorgaben für das Führen von Automobilen galten. Um 1900 lebte die Familie in der Weld Avenue, Nr. 116, in Rochester. Scott galt als „tomboy„, also burschikoses Mädchen, und wurde deshalb von ihrer Familie in ein Mädchenpensionat geschickt. 1910 war Scott die zweite Frau, nach Alice Huyler Ramsey, die ein Automobil quer durch die USA fuhr; sie war die erste, die dies westwärts von New York City nach San Fransisco tat. Die Fahrt wurde vom Automobilhersteller Willys-Overland gesponsort, ihr Wagen hieß daher auch „Lady Overland“. Scott und ihre Beifahrerin, eine Reporterin namens Gertrude Buffington Phillips, verließen New York am 16. Mai 1910 und erreichten San Francisco am 23. Juli 1910. Die New York Times schrieb am 17. Mai 1910:

Miss Scott, mit Miss Phillips als einzige Begleiterin, startet auf die lange Fahrt mit dem Ziel zu beweisen, dass es einer Frau möglich ist, ein motorisiertes Fahrzeug über Land zu fahren und alle nötigen Reparaturen unterwegs vorzunehmen. Miss Blanche Stuart Scott begann gestern in einem Overland-Automobil ihre transkontinentale Fahrt, die in San Francisco enden wird.

Quelle: englische Wikipedia

Die Werbeaktion für ihre Automobil-Fahrt machte Jerome Fanciulli und Glenn Curtiss auf sie aufmerksam, die bereit waren, ihr in Hammondsport, New York Flugunterricht zu geben. Sie war die einzige Frau, die bei Curtiss selbst Flugstunden absolvierte. Er drosselte die Gaszufuhr in Scotts Flugzeug, sodass es nicht genug Geschwindigkeit erreichen konnte um abzuheben, wenn sie selbst am Steuer saß. An einem Tag im September versagte entweder die Drosselung oder ein Windstoß erfasste den Doppeldecker, jedenfalls hob sie bis zu einer Höhe von 12m (40feet) ab, bevor sie eine sanfte Landung ausführte. Der Flug war kurz und womöglich ungeplant, dennoch wird Scott von der Webseite Early Birds of Aviation als erste Frau gelistet, die selbst und allein ein Fugzeug geführt hat, obwohl die Aeronautical Society of America zu dieser Zeit den Flug von Bessica Medlar Raiche am 16. September als den ersten einer Frau akkreditierte.

Scott wurde schließlich eine professionelle Pilotin. Am 24. Oktober 1910 hatte sie ihren ersten Auftritt als Mitglied von Curtiss‘ Team bei einer Flugschau in Fort Wayne, Indiana. Damit war sie die erste Frau, die bei einer öffentlichen Veranstaltung ein Flugzeug flog. Ihre Darbietungen bei Flugschauen brachten ihr den Namen „Tomboy of the Air“ ein. Sie wurde eine versierte Stuntpilotin, bekannt dafür, kopfüber zu fliegen oder so genannte „death dives“ zu vollziehen, bei denen sie aus einer Höhe von 1,2 km herabstürzte, um dann 60 m vor dem Boden wieder hochzuziehen. 1911 war sie die erste Frau, die einen „Langstreckenflug“ vornahm, als sie von Mineaola, New York, aus eine Strecke von 96,5km flog. Glenn Martin nahm sie 1912 unter Vertrag, bei ihm wurde sie die erste weibliche Testpilotin, als sie Martins Prototypen steuerte, bevor die Blaupausen für das Flugzeug fertiggestellt wurden. 1913 wurde sie Mitglied eines weiteren Flugschau-Teams. Sie zog sich 1916 vom Fliegen zurück, weil sie sich daran störte, wie sehr sich die Öffentlichkeit vor allem für Abstürze interessierte, und dass die Flugindustrie Frauen keine Möglichkeiten bot, Mechanikerin oder Technikerin zu werden.

In den 1930ern schrieb Scott Drehbücher für RKO, Universal Studios und Warner Brothers in Hollywood, Kalifornien. Sie schrieb und produzierte auch Radiosendungen, die in Rochester und Kalifornien ausgestrahlt wurden. Am 6. September 1948 war sie die erste Frau, die in einem Jet als Passagier mitflog, als sie Chuck Yeager in einer TF-80C begleitete. Da Yeager ihre Vergangenheit als Stuntpilotin kannte, vollführte er mit ihr im Jet einige „gerissene Rolle“ und einen Sturzflug über 4 km Tiefe. Schließlich 1954 begann Scott, im United Air Force Museum mitzuarbeiten, sie half dort, Material zu den frühesten Versuchen der Luftfahrt zusammenzutragen.

Scott starb 84-jährig am 12. Januar 1970 in ihrer Heimat Rochester, ihr Leichnam wurde im Mount Hope Cemetery eingeäschert. Beigesetzt wurde sie auf dem Rochester’s Riverside Cemetery. Am 30. Dezember 1980 gab der United States Postal Service eine Luftpost-Briefmarke zu Ehren ihrer Errungenschaften in der Luftfahrt heraus. 2005 wurde sie in die National Women’s Hall of Fame aufgenommen.

Bei diesem Text handelt es sich um die Übersetzung des Textes zu Blanche Stuart Scott auf der englischen Wikipedia, die ich (ohne Anmeldung) als Beitrag am 14. März eingestellt habe. Stand 26. März: wartet auf Sichtung.

Edit 09. April 2019: Der Wikipedia-Beitrag ist nun freigeschaltet!

Eine etwas lebhaftere Beschreibung ihrer Persönlichkeit und Leistungen findet sich auf der Webseite des Democrat&Chronicle.

3/2019: Anita Borg, 17. Januar 1949

Anita Borg

Anita Borg liebte schon als Kind freigeistiger Eltern die Mathematik, weil sie sie als Rätselspielerei empfand, dennoch blieb sie bei ihrem ersten Besuch eines College unentschlossen, Mathematik als Hauptfach zu wählen. Nach zwei Jahren des Herumlavierens, sie hatte inzwischen auch geheiratet, ging sie mit ihrem Mann nach New York, um zu arbeiten und mit dem Geld das Studium ihres Mannes zu finanzieren. Eine Tätigkeit, die für sie auch ohne Collegabschluss offenstand, war die Datenverarbeitung, in der die Computer gerade Einzug hielten, und so lernte sie für eine Anstellung die erste höhere Programmiersprache Fortran und für eine weitere Stelle die von Grace Hopper entwickelte Programmiersprache COBOL. Kurz darauf wurde ihre Ehe geschieden, sie kehrte zurück ans College und wusste dieses Mal, dass sie etwas studieren wollte, mit dem sie später ihren eigenen Unterhalt verdienen konnte: Das Fach Informatik bot ihr nach den Erfahrungen in der Arbeitswelt diese Sicherheit, und die Mathematik war ein integraler Bestandteil des Faches.

Sie beendete ihr Studium mit einem Doktortitel, obwohl das Stipendium, das sie auf den Pfad zum höheren Abschluss geführt hatte, auslief und sie die letzten drei Jahre neben dem Studium arbeiten musste. Sie hatte sich in ihrer Doktorarbeit mit Betriebssystemen befasst und begann anschließend, an einem fehlertoleranten Betriebssystem zu arbeiten, das schlussendlich von Nixdorf als „Targon“ auf den Markt gebracht wurde. Mit der wissenschaftlichen Arbeit, die sie über die Entwickling des Programmes schrieb, machte sie sich einen Namen in der jungen IT-Branche, wurde als Sprecherin zu Konferenzen eingeladen und bei der Digital Equipment Corporation eingestellt.

Als deren Angestellte besuchte sie 1987 ein Symposium über Betriebssysteme und stellte auch dort – wie schon zuvor im Informatikstudium – fest, wie ungleich das Geschlechterverhältnis auf dem Gebiet der IT war: Von 400 Teilnehmern waren etwa 30 weiblich. Als einige der Frauen auf der Damentoilette ins Gespräch kamen, wurde zunächst nur ein gemeinsames Essen geplant. Aus dem gemeinsamen Essen entstand Systers, eine der ersten Mailinglisten überhaupt, für Frauen, die an Betriebssystemen arbeiteten. Bald wurde die Mailingliste erweitert und war schließlich offen für alle Frauen, die technisch in der IT-Branche arbeiteten.

Die Anforderungen an Mailingsysteme vor dem Internet oder zumindest seiner frühesten Anfänge waren das, was auch Borg beruflich interessierte. Sie entwickelte mit Kollegen das Mailingsystem Mecca, in dem der Absender einer E-Mail seine Empfänger nach Bereichen filtern konnte, aber auch die Empfänger – die zum Teil nur wenig Speicherplatz hatten oder nur selten Gelegenheit, ihre E-Mails abzurufen – konnten ihre empfangenen E-Mails nach Themen und Absendern filtern. Bis dahin hatten Mailingsysteme sich auf die Mitarbeiter innerhalb eines Unternehmens konzentriert, Borg entwickelte nun eines, das für eine vielfältigere Gruppe Nutzer praktikabel sein sollte. Dabei erhielt sie von ihrem Arbeitgeber nicht so viel Unterstützung, wie ihr eigentlich zugesagt wurde, und ein Anschlussprojekt, an dem sie arbeitete, ging im Endeffekt daran zugrunde, dass ihr die Leitung nicht anvertraut wurde – weil sie eine Frau war – und der „ältere Mann“, dem die Projektleitung zugetraut wurde, kein Interesse hatte. Nach diesem Affront verließ sie DEC und begann, für die Stärkung der Frauen im IT-Bereich einzusetzen. Dabei interessierten sie nicht nur die Frauen, die Hard- und Software entwickelten, sondern auch die Perspektiven weiblicher Nutzer.

Nach verschiedenen gemeinsamen Projekten in dieser Sache gründete Borg 1997 schließlich mit Hilfe anderer erfolgreicher Frauen der IT-Branche und der finanziellen Unterstützung u.a. von Xerox und Hewlett Packard das Institute for Women and Technology (heute: AnitaB.org). Drei Jahre zuvor hatte sie mit der Grace Hopper Celebration of Women in Computing die heute noch größte Konferenz für Computerspezialistinnen weltweit ins Leben gerufen.

Anita Borg starb leider schon 2003, im Alter von 54 Jahren, an einem Hirntumor. Die lesenswerte Quelle der meisten Angaben, die ich hier mache, ist dieses Interview von 2001 (engl.).

Dank Systers gilt Borg als Vorreiterin des Cyberfeminismus. Sie selbst betonte, dass es den Frauen bei der Mailingliste um fachlichen Austausch ging; die Themen der E-Mails waren strikt auf Technik und berufliches beschränkt. Darin wird deutlich, dass das Problem der Geschlechterungleichheit in technischen Branchen nicht die Themen sind – für die sich Frauen durchaus interessieren – sondern die Form der Kommunikation. Die Frauen in Systers schufen sich einen Raum, in dem sie miteinander auf Augenhöhe waren und nicht in einem patriarchalisch geprägten Austausch entweder „männliche“ Ausdrucksformen annehmen mussten oder verdrängt würden. Mit dieser Verquickung von gebündeltem technischem Wissen einerseits und weiblich geprägter Kommunikation andererseits lieferten Borg und ihre Kolleginnen die praktische Seite des Cyberfeminismus, der im Zuge der dritten Welle des Feminismus in Kombination mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten entstand. Ich möchte hier noch auf den englischen Wikipedia-Artikel über Cyberfeminism hinweisen, der wesentlich ausführlicher ist als der deutsche und zu einer ganzen Serie über Feminismus in der englischen Wikipedia gehört.

Der Cyberfeminismus wird von den Beteiligten verstanden als postmoderne Bewegung, die die neuen Technologien dazu nutzt, die bisherigen Beschränkungen von selbst- und fremdzugeschriebenen Identitäten aufzulösen – bei der Begegnung im virtuellen Raum sind Geschlecht, Orientierung, Herkunft unbekannt und können stets neu und anders definiert werden. In der Auflösung dieser sozialen Konstrukte liege die persönliche Freiheit, somit ist der Cyberfeminismus auch der Gendertheorie verbunden. Der intersektionelle Feminismus, wie er heute im Internet formuliert wird und sich wiederum im real life in veränderten Denk- und Lebensweisen niederschlägt, ist ohne diese Vorläufer nicht denkbar.

Bild: By Source, Fair use

R.I.P. Evelyn Berezin

Via Punky Moms wird mir gerade die Todesnachricht von Evelyn Berezin in den Feed gespült — die Erfinderin des ersten Word Processors, also die Urheberin der computerisierten Textverarbeitung. Sie starb am 8. Dezember mit 93 Jahren in ihrer Wohnung in New York.

12/2018

2. Dezember 1083: Anna Komnena

Die Tochter des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos mit dessen Frau Irene Dukaina kam als ältestes von sieben Kindern in der Porphyra zur Welt, dem aus rotem Gestein erbauten Gebäude innerhalb des Großen Palastes in Konstantinopel, das für die Geburten der kaiserlichen Nachkommen vorbehalten war. (Es ist nicht klar zu benennen, ob der Begriff der Purpurgeburt – einer Geburt innerhalb der Herrschaft des Vaters – auf dieses Gebäude zurückgeht oder ob das Gebäude deshalb aus purpurem Gestein gebaut wurde, weil diese Farbe die kaiserliche Herrschaft symbolisierte.)

Direkt nach der Geburt wurde sie mit Konstantin Dukas verlobt, der als Sohn des Michael VII. zu diesem Zeitpunkt noch Mitkaiser und Thronfolger war. Diese Verbindung sollte vor allem die Rechtmäßigkeit der Herrschaft Alexios‘ I. untermauern, der den Thron vom Vorgänger usurpiert hatte; die adelige Dukas-Familie hatte mehrere byzantinische Kaiser gestellt. Wie für ihre Kultur üblich, wuchs Anna im Haus ihrer Schwiegermutter auf – Maria von Alanien, der pikanterweise ein Verhältnis mit Alexios I. nachgesagt wird. Als jedoch Annas Bruder Kaloioannes geboren wurde, gab es einen blutsverwandten Thronfolger: Alexios I. entzog Konstantin die Regentschaft und schickte Maria von Alanien ins Kloster (möglicherweise auch, weil sie Intrigen spann, ihn zu entmachten). Konstantin nahm diese Entscheidungen nicht übel und zog sich dem Kaiser weiterhin wohlgesonnen nach Zentralmakedonien zurück.

Anna wurde entgegen den eigenen Vorstellungen mit Nikephoros Bryennios, einem Militär und Geschichtsschreiber, verheiratet. Sie genoss eine ausführliche Bildung in Naturwissenschaften, Philosophie und Musik und war mehr an eigenen Projekten interessiert als an der Ehe. Ihr Vater hatte ihr die Leitung eines Krankenhauses und Waisenhauses anvertraut und sie unterrichtete dort auch; außerdem war sie eine Expertin für Gicht und pflegte ihren daran erkrankten Vater. Von ihren Lehrern und Zeitgenossen wurde sie als gebildete und intelligente Person hoch geschätzt.

Nicht ganz so uninteressiert war sie jedoch an ihrem eigenen Status, da sie gegen ihren Bruder und, seit dem Alter von fünf Jahren, offiziellen Thronfolger Kaloioannes („der schöne Johannes“) eine Abneigung pflegte und mit ihrer Mutter darauf hinarbeitete, ihm den Thron vorzuenthalten. Über die Weigerung ihres Mannes, gegen den inzwischen bettlägerigen Kaiser Alexios I. und seinen Thronfolger zu intrigieren, klagte sie, ihre Geschlechter seien vertauscht, da er von ihnen beiden die Frau hätte sein sollen. Kaloioannes erhielt jedoch – auf welche Weise auch immer – den Siegelring seines Vaters und wurde nach dessen Tod zum Kaiser gekrönt. Obwohl Anna und ihre Mutter erneut versuchten, Nikephoros zur Usurpation zu bewegen, scheiterte ihr Vorhaben und Kaloioannes verbannte die beiden Frauen in Kloster.

In dieser politisch stillgelegten Situation übernahm sie, nachdem ihr Mann starb und ein unvollständiges Werk über die byzantinische Geschichte hinterließ, die Geschichtsschreibung über die Regierungszeit ihres Vaters. Vieles in der 15 Bücher starken Alexiade konnte sie nur aus Erzählungen und Augenzeugenberichten zusammentragen, wobei sie natürlich vor allem das gute Bild ihres Vaters als Befehlshaber und Kaiser im Sinn hatte. Dennoch ist ihr Werk historisch unschätzbar wertvoll, da es die einzige Nacherzählung des Ersten Kreuzzuges aus Sicht der Byzantiner darstellt.

Anna Komnena starb in den frühen 50er Jahren des 12. Jahrhunderts und hinterließ mit der Alexiade ein auch literarisch hochwertiges Geschichtswerk, in dem sie in attischem Griechisch, mit Zitaten aus der Bibel und von Homer gespickt, nicht nur historische Ereignisse schildert, sondern auch Einblicke in ihre eigene Gedanken- und Gefühlswelt gibt.

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8. Dezember 1880: Rokeya Sakhawat Hussain

Geboren wurde Rokeya mit dem Nachnamen Khatun in dem Teil von Britisch-Indien, das heute Bangladesch ist. Ihre Eltern waren wohlhabende, gebildete Moslems und zogen es vor, Persisch oder Arabisch zu sprechen, Bengalisch war zwar die Sprache der Massen, aber eben darum auch in der Oberschicht verpönt. Als ihre ältere Schwester Karimunnesa, später ebenfalls Schriftstellerin, Bengalisch studieren wollte, untersagten ihre Eltern dies; der älteste Bruder Ibrahim jedoch unterrichtete seine beide Schwesten in der Sprache und hatte damit großen Einfluss auf ihre Entwicklung und ihren Erfolg.

Mit 16 heiratete Rokeya Khan Bahadur Sakhawat Hussain, einen Friedensrichter, der selbst Urdu, die „Sprache des gebildeten Hofes“ sprach. Wie ihr älterer Bruder, so ermunterte sie auch ihr Mann in ihrer Bildung und literarischen Entwicklung. Auf seinen Vorschlag hin schrieb sie ihr erstes Buch, „Pipasa“ (Durst), auf Bengalisch, sodass sie eine breite Bevölkerung erreichen konnte. Unter anderem schrieb sie danach ein Buch namens Sultanas Traum, das sich von seiner Zusammenfassung liest wie eine frühere, bengalische Version von Gerd Brantenbergs „Töchter Egalias“: die Geschlechtervorzeichen sind verdreht, die Frauen das dominierende Geschlecht.

Nach 13 Jahren Ehe starb ihr Mann. Zu Lebzeiten hatte er ihr ermöglicht, Geld für eine Schule zur Seite zu legen, an der sie muslimische Mädchen unterrichten könnte. Nach seinem Tod schritt sie zur Tat und gründete das Sakhawat-Denkmal-Mädchengymnasium in der Heimatstadt ihres Mannes Baghalpur. Nach Erbstreitigkeiten mit der Familie ihres Mannes musste sie die Schule aus dem urdusprachigen Gebiet in die bengalische Stadt Kolkata verlegen; dort ist die Schule noch heute eines der beliebtesten Gymnasien der Stadt.

Sakhawat Hussain schrieb neben ihren Romanen auch vielseitige Formate zur Verbreitung ihres islamischen Feminismus. Sie legte besonderes Augenmerk auf die Unterdrückung bengalischer Frauen und vertrat die Ansicht, dass Frauen Allah am besten die Ehre erweisen könnten, wenn sie sich ganz als Person entfalten dürfen. Nur mit der freien Berufswahl der Frauen könnte die Entwicklung der gesamten muslimischen Bevölkerung des indischen Subkontinents voranschreiten. Sie gründete den Anjuman-e-Khawateen-e-Islam, den islamischen Frauenverband, der sich mit Konferenzen und Podiumsdiskussionen für diese Sache einsetzte.

Sie starb mit auf den Tag 52 Jahren an einem Herzleiden. Ihr Todestag, der 9. Dezember, wird in Bangladesch zu ihren Ehren gefeiert.

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15. Dezember 1948: Patricia Cowings

Die afroamerikanische Tochter eines Lebensmittelhändlers und einer Kindergärtnerin kam in der Bronx (New York) zur Welt, zu einem Zeitpunkt, als diese sich von einem Bezirk der Mittelschicht in ein Arbeitviertel verwandelte. In den 1960er Jahren, als Cowings schulpflichtiger Teenager war, galt die Bronx dann als sozialer Brennpunkt und war berüchtigt für ihre hohe Kriminalitätsrate. Cowings Eltern legten daher als Ausweg aus diesem Umfeld großen Wert auf ihre schulische Bildung. Sie entdeckte früh ihre Liebe zu den Naturwissenschaften und studierte Psychologie, später auch Psychophysiologie an einer Universität in New York; ihre Tante, die einen Doktortitel innehatte, inspirierte und motivierte sie dabei, sodass auch Cowings schließlich mit einem Doktortitel abschloss.

In einem Ingenieurskurs, der den Aufbau des Space Shuttles zum Inhalt hatte, machte sie mit ihren spezifischen Beiträgen aus psychologischer Sicht Eindruck, und entdeckte sie ihre Begeisterung für die Raumfahrt. Sie wurde als erste Afroamerikanerin als Wissenschaftsastronautin ausgebildet, kam aber nie zum praktischen Einsatz. Stattdessen jedoch trug sie maßgeblich zur Verbesserung der Gesundheit von Astronauten bei: Sie entwickelte erfolgreich ein System autogenetischer Feedback-Übungen (AFTE, autogenetic feedback training exercises), mit dem die Menschen in der Schwerelosigkeit innerhalb von sechs Stunden lernen konnten, bis zu 20 Körperfunktionen zu erkennen und zu beeinflussen, die für die Raumkrankheit verantwortlich sind. Mit Hilfe dieser Übungen können die Astronauten die unangenehmen Symptome wie Übelkeit, Schwindel und Ohnmacht vermeiden.

Cowings Übungssystem hilft inzwischen auch Krebspatienten, die unter Chemotherapie mit den gleichen Nebenwirkungen zu kämpfen haben.

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19. Dezember 1875: Mileva Marić

Als Kind wohlhabender Eltern in Titel, damals Österreich-Ungarn, heute Serbien, genoss Marić eine gute schulische Ausbildung, die ihr Vater während mehrer Orts- und Schulwechsel besonders förderte. Vor allem ihre Noten in Mathematik und Physik waren ausgezeichnet. Nach einer Krankheit, die sie in der Schweiz auskurierte, legte sie mit 21 Jahren in Bern ihre Matura ab und begann ein Medizinstudium in Zürich. Nach einem Semester jedoch wechselte sie an das Polytechnikum, um dort als einzige Frau ihres Jahrgangs Mathematik und Physik zu studieren. Sie besuchte die gleichen Kurse wie Albert Einstein, mit dem sie sich bald anfreundete. Während er seine zweite Diplomprüfung bestand, fiel sie beim ersten Versuch durch – beim zweiten Versuch, ein Jahr später, war sie im ersten Trimester mit Einsteins Tochter schwanger und fiel erneut durch. Für die Geburt von „Lieserl“ kehrte sie in die Vojvodina zurück; das Kind erlitt dort mit einem Jahr eine Scharlacherkrankung, über ihr weiteres Schicksal herrscht Unklarheit.

Zurück in der Schweiz, heiratete Marić Einstein, obwohl seine Familie sie ablehnte. In den folgenden elf Jahren gebar Marić Einstein zwei Söhne und folgte ihm an jeden Ort, an den ihn sein Lehrberuf verschlug. Doch schon bevor sie ihn 1914 auch nach Berlin begleitete, hatte er einen Briefwechsel und wahrscheinlich auch eine Affäre mit seiner Cousine Elsa begonnen – die auch seiner Familie eine lieber gesehene, weil standesgemäße Partnerin war. Die räumliche Nähe des unfreiwilligen Liebesdreiecks führte bald zum Bruch und Marić kehrte mit ihren beiden Söhnen nach Zürich zurück. Aber erst fünf Jahre später, nachdem Einstein ihr das Preisgeld des Nobelpreises zusicherte, den bald gewinnen würde, willigte Marić in die Scheidung ein. Nur wenige Monate danach heiratete Einstein in Berlin Elsa, obwohl das Züricher Gericht, das die Scheidung rechtskräftig erkläret hatte, ihm eine zweijährige Heiratssperre auferlegt hatte.

Mit dem Geld des Nobelpreises, den Einstein tatsächlich 1922 gewann, erwarb Marić drei Mietshäuser; in einem davon lebte sie, die anderen dienten dem Unterhalt. Doch als ihr Sohn Eduard 1932 mit Schizophrenie diagnostiziert wurde, schmolzen ihre Ressourcen bald dahin: Sie musste zwei Häuser verkaufen, eines überschrieb sie ihrem Ex-Ehemann, behielt aber die Vollmacht darüber. Einstein sorgte zwar, inzwischen in den USA lebend, weiterhin für seinen Sohn und sie, doch es reichte nur für bescheidene Verhältnisse. Marić starb mit 72 in einer Züricher Privatklinik.

Während Marić selbst keine wissenschaftlichen Arbeiten hinterließ, ist umstritten, wie sehr sie an den Arbeiten Einsteins beteiligt war, die ihn ihm Wunderjahr 1905 berühmt machten. Die Vermutung basieren vor allem auf den Formulierungen von „unserer Arbeit“, die Einstein in Briefen verwendet, sowie darauf, dass der Name des Autors dreier der Arbeiten, deren Originale verschollen sind, Einstein-Marity (der ungarischen Form von Marić) lautete. Beweisen lässt es sich nicht, doch sind einige Vorlesungsunterlagen Einsteins in Marićs Handschrift verfasst. Schließlich ist es nicht unmöglich, dass eine Frau, die selbst offensichtlich so interessiert und gebildet in Mathematik und Physik war wie Marić, zumindest als verständige Zuhörerin und ebenbürtige Gesprächspartnerin an der Entstehung seines Genies in immaterieller Form beteilig war. Im Einklang mit diesem Gedanken wurde Mileva Marić 2005 von ihrer ehemaligen Hochschule, inzwischen die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich und der Gesellschaft zu Fraumünster als „Mitentwicklerin der Relativitätstheorie“ geehrt.

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23. Dezember 1983: Máret Ánne Sara

Die samisch-norwegische Künstlerin nahm 2017 an der documenta 14 teil, mit einer Weiterentwicklung ihrer ersten Installation, „Pile o’Sápmi“: Einer Installation aus Rentierschädeln mit Einschusslöchern. Der erste „Pile o’Sápmi“ entstand 2016, kurz bevor ihr Bruder vom Obersten Gerichtshof in Norwegen gezwungen wurde, sein Rentierzucht per Tötung zu reduzieren. Die Rentierzucht gehört traditionell zur Lebensweise der Samen und wird von der norwegischen Regierung stark reguliert – aufgrund der Überweidung der Finnmark, sagt die Regierung, wegen der Gier nach Bodenschätzen, die gehoben werden können, wenn keine Rentiere mehr dort weiden, sagt Saras Bruder.

Der Titel des Werkes nimmt Bezug auf ein Foto (Link englischsprachig), das einen Berg Büffelschädel zeigt, den Cree-Indianer im kanadischen Regina zusammengetragen hatten. Sie zog damit die Parallele zwischen der Vertreibung der amerikanischen Ureinwohner und der Unterdrückung der Samen in den Gesellschaften der Länder, über deren Gebiet sich der Lebensraum der Samen erstreckt.

Google-Ergebnisse Máret Ánne Sara

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26. Dezember 1926: Marija Atanassowa

Kurz und knackig zum Schluss: Die Bulgarin war die erste Zivilpilotin ihres Landes, die erste weibliche Kapitänin für schwere Flugzeugtypen und die erste Frau, die ein Verkehrsflugzeug auf dem Flughafen London Heathrow landete.

03/2018

4. März 1913: Anna Vavak
Die in Wien lebende Tschechin wurde 1941 als ein aktives Mitglied der „Tschechoslowakischen Widerstandstruppe“ von der Gestapo verhaftet. Im Oktober 1942 wurde sie über verschiedene Stationen in das Konzentrationslager Ravensbrück verbracht, wo sie sich für die Arbeit im Rüstungsbetrieb des Siemenslager-Ravensbrück meldete. Im außerhalb des Konzentrationslagers liegenden Betrieb arbeiteten KZ-Insassinnen und Zivilisten zusammen an Fernsprech-, Radio und Meßgeräten für den Einsatz an der Front. Die Wochenarbeitszeit der KZ-Insassinnen betrug anfangs 48 Stunden und wurde später auf 62 Stunden hochgesetzt; dazu kamen ausfallende „Mahlzeiten“ im Konzentrationslager, weil der Weg hin und zurück die „Pause“ zumeist aufbrauchte. Später wurden Wohnbaracken für die dort arbeitenden KZ-Insassinnen gebaut, sodass sich die Wegzeit verkürzte (und die Arbeitszeit verlängerte).
Anna Vavak meldete sich freiwillig zur Arbeit im Betrieb, um mit den Zivilisten in Kontakt zu kommen und ihnen von den Zuständen im Konzentrationslager berichten zu können. Mit der Unterstützung anderer Arbeiterinnen erreichte sie bald die Position der Hauptanweiserin der Schreiberinnen. Das ermöglichte es ihr nicht nur, einzelnen Frauen das Leben zu retten, indem sie die Angaben über deren Produktionsquoten manipulierte, sondern machte sie zum Schutzengel anderer aktiver Sabotageakte, die die Zwangsarbeiterinnen im Betrieb vornahmen. So setzte sie ihren Widerstand gegen die Nationalsozialisten auch in der Haft weiter fort.
Anna Vavak konnte nach der Evakuierung des KZ Ravensbrück beim Todesmarsch Richtung Malchow entkommen. Sie heiratete ein Jahr nach Kriegsende einen anderen Holocaust-Überlebenden, Hans Maršálek, der später als Chronist des KZ Mauthausen tätig war. Sie starb mit 46 Jahren und wurde in Wien beerdigt.

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7. März 1858: Cecilie Thoresen
Die Tochter eines norwegischen Arztes und Gutsbesitzers genoß mit ihren Brüdern gemeinsam eine private Erziehung. Sie las bereits als Jugendliche die zeitgenössische Literatur, wozu auch eine Übersetzung von John Stuart Mills Die Hörigkeit der Frau gehörte. Dennoch entschloss sie sich erst mit 20 Jahren, einen Mittelschulabschluss zu machen, um berufliche Perspektive zu gewinnen. Zunächst besuchte sie einen „Kurs für Bürodamen“ an einer Handelsschule, wo sie sich allerdings langweilte und nach acht Tagen (eigenen Angaben zufolge) die Ausbildung abbrach.
Ihr Vater setzte sich auf ihren Wunsch dafür ein, dass ihr das für ein Universitätsstudium nötige Examen ermöglicht werden sollte, das zu diesem Zeitpunkt (1880) nicht für Frauen offenstand. Das zuständige Kirchen- und Unterrichtsministerium verweigerte ihr jedoch diesen Wunsch. Als Cecilie selbst sich an den Kirchenminister wandte, leitete dieser die Anfrage an die Universität in Kristiania (heute Oslo) weiter, die einzige Universität des Landes. Doch auch hier wurde sie abgewiesen.
Thoresen ließ nicht locker und kontaktierte Hagbard Berner, einen Mitarbeiter des oppositionellen Politikers Johan Sverdrup. Dieser brachte einen privaten Gesetzesentwurf dahingehend in das norwegische Parlament, das zwar Bedenken hatte – aus der Arbeit der Frau könne nur „voller Nutzen“ gezogen werden, wenn bei Erziehung und Ausbildung Rücksicht auf ihre „natürlichen Dispositionen, ihr eigentümliches Gemütsleben sowie auf ihre Anlagen und Vorzüge“ genommen werde –, aber Mitte 1882 dann doch ein neues Gesetz beschloss, welches das Examen für das Universitätsstudium auch Frauen eröffnete. Thoresen legte noch eine Zusatzprüfung ab, da sie Mathematikunterricht nur im für Mädchen üblichen Rahmen erhalten hatte, und bestand diese mit Erfolg. Im Alter von 24 Jahren bestand sie ihr Examen als erste Frau Norwegens, und zwar in allen Fächern mit „sehr gut“. Gleich im Anschluss schrieb sie sich unter großem nationalen Aufsehen an der Universität Kristiania ein und studierte später sogar für ein Auslandsjahr in Kopenhagen.
Auch wenn sie selbst aufgrund von Heirat und der Geburt dreier Kinder ihr Studium nicht abschloss, hatte sie den Mädchen und jungen Frauen Norwegens den Bildungsweg an der Universität eröffnet. Sie engagierte sich auch im späteren Verlauf ihres Lebens für die Frauenbewegung, war an der Gründung der Norwegischen Frauenrechtsvereinigung und der Frauen-Wahlrechtsvereinigung beteiligt und auch die norwegische Sektion des Internationalen Frauenrats geht auf ihre Initiative zurück.
Den Erfolg ihrer Arbeit erlebte sie nicht mehr; sie verstarb 1911 im Alter von 53 Jahren, das Frauenwahlrecht wurde in Norwegen – als einem der ersten Länder Europas – erst 1913 eingeführt.

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22. März 1913: Sabiha Gökçen
Die Tochter eines Amtsschreibers, der vom drittletzten Sultan der Türkei ins Exil verbannt worden war, konnte ihre schulische Ausbildung zunächst dank der Unterstützung ihrer Geschwister weiterführen. Mit 12 Jahren traf sie den Begründer der gerade zwei Jahre alten Republik der Türkei, Mustafa Kemal Atatürk. Der Präsident war von dem Mädchen beeindruckt, dass aus ärmlichsten Verhältnissen kam und dennoch den Ehrgeiz pflegte, die höhere Schule besuchen zu wollen. Er adoptierte Sabiha (neben elf anderen jungen Mädchen und Frauen) und förderte ihre Ausbildung.
Mit 22 Jahren begann Gökçen ihre Politinnenausbildung, mit späterer Weiterbildung in der Sowjetunion. Ein Jahr später machte sie ihren ersten Soloflug, um dann bei der türkischen Luftwaffe ihre Ausbildung zur Militärpilotin abzuschließen. Dazu gehörte auch das Fallschirmspringen – zu diesem Zeitpunkt war der Fallschirmsprung die einzige Möglichkeit, ein abstürzendes Flugzeug zu verlassen.
Sie flog ihre ersten Einsätze im letzten großen Kurdenaufstand in der Türkei; für ihre Einsätze im Korea-Krieg erhielt sie die Beförderung in den Rang eines Majors. Während und nach ihrer aktiven Zeit im Lilitärflugdienst war sie verantwortlich für die Kampfpilotenausbildung der türkischen Luftwaffe, danach flog sie in einer Kunstflugstaffel.
Nur wenige Monate vor ihrem Tod im Jahr 2001 wurde der zweite Istanbuler Flughafen nach ihr benannt. Die Pilotin, die in ihrer aktive Zeit insgesamt 22 verschiedene Flugzeugtypen flog, ist eine spannungsreiche Figur: Sie diente als Exemplar für Atatürks moderne Frauenpolitik, doch verstand sie sich und die türkische Frau an sich als Kind einer „soldatischen Nation“. Sie sprach sich gegen den politischen Islam aus, doch war sie auch daran beteiligt, Bomben auf alevitische Kurden zu werfen. Gökçen kann als reine Galleonsfigur der modernen, ethnisch türkischen Frau gesehen werden – andere Frauen konnten erst wesentlich später (in den 1990er Jahren) den Militärdienst antreten, außerdem symbolisiert sie die Unterdrückung aller türkischen Minderheiten, insbesondere der Kurden. Als drei Jahre nach ihrem Tod Vermutungen aufkamen, dass sie eventuell armenischer Abstammung sein könnte, sorgte das für große Unruhe und zum Teil klare rassistische Äußerungen in der Türkei.

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27. März 1945: Anna Mae Aquash
Auch unter dem Mi’kmaq-Namen Naguset Eask, nahm Anna Mae Aquash als Mitglied des American Indian Movement (AIM) an verschiedenen Protestaktionen teil, wie der Besetzung der Mayflower II im Bostoner Hafen an Thanksgiving 1970 und der Besetzung von Wounded Knee.
Ende 1975 wurde sie vom AIM einigen Verhören unterzogen, wohl, weil man vermutete, sie spiele im Fall des Pine Ridge Shoot-outs der Polizei Informationen über den flüchtigen Tatverdächtigen Leonard Peltier zu. Im September 1975 verschwand sie; im Februar 1976 wurde ihr Leichnam auf der Pine Ridge Reservation gefunden. Zunächst wurde sie als nicht identifizierte Erfrorene unter dem Namen Jane Doe beerdigt, nur ihre Hände wurden abgetrennt und für Fingerabdruck zum FBI gesandt. Dadurch wurde sie acht Tage später als Aquash identifiziert und auf Wunsch ihrer Angehörigen, darunter ihre zwei Töchter, exhumiert. Bei der zweiten Obduktion wurde auch die Schusswunde am Kopf entdeckt, die auf eine Exekution hindeutete.
Es vergingen 27 Jahre, bevor für diesen Mord Tatverdächtige verhaftet wurden. Die Mitglieder und Führungspersonen des AIM, die vermutlich mit der Beseitigung einer vermeintlichen Informantin der Polizei in Zusammenhang stehen, beschuldigen sich gegenseitig. Ein tatsächlicher Tathergang ist bis heute ungeklärt.

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25. März 1953: Souhaila Andrawes*
Die im Libanon zum christlichen Glauben der Eltern erzogene Exil-Palästinenserin wollte eigentlich Nonne werden, was im vorwiegend muslimischen Kuwait, wo sie am Ende ihrer Schulzeit lebte, so gut wie unmöglich war. Sie konnte dort auch nicht studieren und ihr Plan, nach Jerusalem zu gehen, wurde vom Sechstagekrieg 1967 durchkreuzt. So ging sie schließlich zurück in den Libanon, um dort Englische Sprache und Literatur zu studieren.
Unter dem Einfluss ihrer palästinensischen Verwandtschaft, vor allem aber durch die Begegnung mit der ersten weiblichen Flugzeugentführerin, Leila Chaled, die in der arabischen Welt als Heldin gefeiert wurde, politisierte sich die 16jährige Andrawes und fand Anschluss an die palästinensische Widerstandsbewegung. Als sie mit 22 Jahren vor dem libanesischen Bürgerkrieg nach Kuwait zurück floh, nahm sie dort bald Kontakt zur Volksfront zur Befreiung Palästinas auf. Während ihrer militärischen Ausbildung 1977 in Aden (Jemen) lernte sie den hochrangigen PFLP-Funktionär Zaki Helou und dessen deutsche Frau Monika Haas kennen, die später unter Verdacht stand, mit ihr zusammengearbeitet zu haben. Vom Jemen über Kuwait und Bagdad erreichte Andrawes schließlich Mallorca, um dort im Auftrag Wadi Haddads mit anderen militanten PFLP-Mitgliedern das Kommando Martyr Hamileh durchzuführen: die Entführung des Lufthansa-Fluges LH 181 Landshut.
Andrawes war die einzige Überlebende der „Operation Feuerzauber“, wie die Befreiung der Geiseln in Mogadishu in der Planung der GSG 9 bezeichnet wurde. Sie wurde von Schüssen in Lunge und Beine getroffen; beim Abtransport auf einer Bahre durch den Flughafen hielt sie den Fernsehkameras das Victory-Zeichen entgegen und rief: „Tötet mich, wir werden siegen!“
Sie wurde im Folgejahr in Somalia zu 20 Jahren Haft verurteilt, die sie zunächst dort antrat, doch schon Monate später wurde sie in den Irak abgeschoben. Von dort aus wurde sie mehrfach in die Tschechoslowakei gesandt, um die Spätfolgen ihrer Schussverletzungen zu behandeln. Sie konnte im Irak ihr abgebrochenes Studium fortsetzen, doch floh bald vor den israelischen Kräften, die im libanesischen Bürgerkrieg eingriffen, nach Damaskus. Dort lernte sie 1983 ihren Ehemann kennen, mit dem sie zwei Jahre später eine Tochter hatte; 1990 wurden sie aus Syrien nach Zypern ausgewiesen und fanden schließlich in Norwegen politisches Asyl.
1994, auf den Tag 17 Jahre nach der Befreiung der Landshut wurde sie von deutschen Fahndern in Oslo festgenommen und im Folgejahr nach Deutschland ausgeliefert. 1996 wurde sie in Hamburg zu 12 Jahren Haft verurteilt, für die Beteiligung an Mord, Menschenraub, Flugzeugentführung und Geiselnahme. Ein Jahr später wurde ihr erlaubt, ihre Reststrafe in Norwegen abzusitzen; bereits zwei Jare darauf wurde sie aufgrund ihres Gesundheitszustandes, beeinträchtigt von den langfristigen Schäden durch die Schussverletzungen, vorzeitig entlassen. Seitdem lebt sie mit ihrer Familie in Oslo.

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*Disclaimer: Zur Erinnerung, es geht mir auf diesem Blog nicht ausschließlich um bewundernswerte Frauen, die Gutes taten/tun und die als Vorbild dienen können. Es geht mir auch darum, die volle Bandbreite persönlicher Eigenschaften abzubilden, die Frauen als menschliche Wesen innehaben können. Eine palästinensische Terroristin zu besprechen, gehört für mich deswegen ebenso dazu wie Massenmörderinnen (I und II) und KZ-Mitarbeiterinnen. Nach dem immer noch vorherrschenden Vorurteil sind Frauen friedliche, fürsorgliche Wesen, Aggressivität und Verbrechen von Frauen wird noch stets als schrecklicher, schockierender und widernatürlicher betrachtet als von Männern. Somit gehören diese aus der Norm herausragenden Frauen für mich selbstverständlich zum Themenkomplex Frauenfiguren, mit dem ich versuche, die dominierende Binarität Mann/Frau ein wenig aufzuweichen.

KW 43/2015: Beate Uhse, 25. Oktober 1919

Beate Uhse

Von Rob C. Croes / Anefo – Nationaal Archief, CC BY-SA 3.0 nl, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27237956

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Der Name Beate Uhse ist durch ihr bekanntes Unternehmen „für Ehehygiene“ natürlich untrennbar mit Sexspielzeug verbunden. Noch in meiner Jugend hatte der Name den Klang von verschämtem Papiertütenrascheln, in denen Kataloge oder unaussprechliche Gegenstände, gleichzeitig abstoßend und faszinierend, verhüllt wurden.
In der heutigen Zeit macht man sich gar kein Bild mehr davon, was für eine Chuzpe dazu gehörte, als Frau in der Nachkriegszeit Frauen mit Wissen und Handwerkszeug für sexuelle Freiheit zu versorgen. Das Sexspielzeug folgte schließlich erst mit der Befreiung einer ganzen Generation, an der der Freigeist Uhse maßgeblich beiteiligt war. Dildos und Plüschhandschellen dienen im weitesten Sinne zwar auch einer „Ehehygiene“ – begonnen hat es aber mit der Belehrung der Frauen über die Knaus-Ogino-Methode. Diese Kenntnis über den eigenen Körper war in den 1950er Jahren revolutionär; Kondome für unverheiratete oder verwitwete Frauen unerreichbar.
Beate Uhse half der weiblichen deutschen Bevölkerung, sexuell aktiv zu bleiben ohne schwanger zu werden, in aufgewühlten Zeiten, in denen ein Großteil der männlichen Bevölkerung verstorben oder in Gefangenschaft war, Beziehungen zerbrochen und nur flüchtig neu eingegangen wurden. Ohne sie gäbe es die anderen Sexspielzeugläden nicht, zumindest nicht in dieser Form.
DIe Sache ist, dass die Geschichte ihres Unternehmens nur ein Ausdruck ihrer willensstarken und kompromisslosen Wesensart ist. Bevor sie die sexuelle Revolution vorbereitete, war sie vor dem und im Zweiten Weltkrieg Pilotin, unter anderem im Rang eines Hauptmanns. Als Pilotin rettete sie ihren Sohn, ihr Kindermädchen und vier weitere Personen vor den einmarschierenden Russen in Gatow.
Und nachdem sie ihr Unternehmen aufgebaut, ein weiteres Kind bekommen und Magenkrebs überlebt hatte, machte sie mit 75 Jahren noch ihren Tauchschein.
Respekt, Beate Uhse. Respekt.

KW 50/2013: Ada Lovelace, 10. Dezember 1815

Ada Lovelace

Von Margaret Sarah Carpenter – Art Work Details page.Original upload was at English wikipedia at en:File:Ada_Lovelace.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=354077

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Ada Lovelace war, unwahrscheinlicherweise als einziges eheliches Kind des berühmt-berüchtigten Lord Byron, eine Mathematikerin und die erste Computerprogrammiererin der Geschichte.
Dank ihrer alleinerziehenden Mutter, die mathematisch begabt war und Geografie und Astronomie studiert hatte, wurde Adas intellektuelle Neigung gepflegt und gefördert. Und sie hatte das Glück, einen Mann zu heiraten, der ihre Bildung nicht nur akzeptierte, sondern sogar unterstützte, indem er Mitglied der Royal Society wurde, nur um für sie mathematische Artikel aus der Bibliothek zu kopieren – die sie als Frau nicht betreten durfte (ganz davon abgesehen, dass sie als Frau nicht selbst Mitgleid werden konnte). Dennoch war sie unglücklich, da selbst unter diesen günstigen Voraussetzungen nach ihrem Empfinden zu viel Zeit ihres Lebens in Kindererzieung und Haushalt investiert werden musste statt in ihre geliebte Mathematik.
Als der Mathematiker Charles Babbage begann, eine Rechenmaschine zu planen, die die Bernouille-Zahlen ermitteln könnte, arbeitete Ada Lovelace eng mit ihm zusammen an der Programmierung dieser Maschine. Der erste Computer der Geschichte scheiterte zu diesem Zeitpunkt nicht an den Fähigkeiten seiner Entwickler, sondern an den Feinheiten der Technik, die handwerklich noch nicht hergestellt werden konnten.
Als die Technologie schließlich weit genug fortgeschritten war, benannte der Erfinder der ersten nutzbaren Programmiersprache diese ihr zu ehren Ada. Das rheinlandpfälzische Mentoring-Netzwerk zur Förderung von Frauen in MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik)-Fächern nennt sich das Ada-Lovelace-Projekt.

KW 19/2013: Harriet Quimby, 11. Mai 1875

Harriet QuimbyHarriet Quimby war die erste Frau in Amerika, die einen Flugschein erhielt, und sie war die erste Pilotin, die über den Ärmelkanal flog. Dieser Flug blieb allerdings weitgehend unbeachtet, weil zwei Tage zuvor die Titanic gesunken war.

Warum nach der Autofahrerin nicht auch mal wieder eine Pilotin – die nebenher auch als Journalistin tätig war und mehrere Drehbücher schrieb, die von David W. Griffith verfilmt wurden.

Als Frau, die Amelia Earhart inspirierte und generell den Zeitgeist des beginnenden 20. Jahrhunderts repräsentierte, geht Harriet Quimby noch immer gut als Vorbild für Frauen von heute durch: Einfach machen und nicht nach den Steinen kucken, die einem in den Weg gelegt werden. Bzw. seinen Weg einfach drüber oder drumrum machen.

Women’s History bei about.com widmet ihr eine Biographie. Eine Aviationsbegeisterte führt eine Webseite, deren genaue Aufgabe ich noch nicht ganz durchschaut habe. Außerdem ist sie vertreten bei Famous Scientists und Eyewitness to History.

Bild: By George Grantham Bain Collection – Library of CongressCatalog; Image download, Original url, Public Domain

KW 18/2013: Bertha Benz, 3. Mai 1849

Bertha Benz

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Die entzückende junge Dame rechts ist die erste Person, die sich traute, eine Fernfahrt mit dem so genannten Automobil zu machen.

Nachdem ihr Mann Carl Benz das Auto erfunden hatte, fand es nicht so reißenden Absatz wie erhofft – die Menschen trauten dem Gefährt nicht. Also setzte sich Bertha mit ihren zwei Söhnen, ohne das Wissen ihres Mannes, in den Wagen und legte die Strecke zwischen Mannheim und Pforzheim zurück. Sie bewies damit nicht nur die Sicherheit und Bequemlichkeit der Erfindung ihres Mannes – was den Erfolg des Produktes maßgeblich beeinflußte –, sondern vor allem Pioniergeist und Entschlossenheit.

Das sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn wir das nächste Mal „Frau am Steuer“ hören (oder sagen…) – Frauen waren das erste Geschlecht am Steuer, und die Fahrt ging ohne Unfälle und Beulen ab. Außerdem bedeutet es, dass das Interesse daran, dass Autos umweltfreundlich fährt und einwandfrei funktionieren, ebenfalls genderunspezifisch sein sollte. Wenigstens den Reifen sollte jeder Mensch, der ein Auto hat, wechseln können. Und es schadet auch Männern nicht, eine Nylonstrumpfhose bei sich zu haben…

Es gibt eine eigene Webseite für die Bertha Benz Memorial Route – von touristischem Interesse – sowie eine Seite für die alljährliche (?) Bertha-Benz-Fahrt. Demgegenüber gibt es auch eine Bertha-Benz-Challenge für nachhaltiges Autofahren. Und schließlich gibt es noch den Bertha-Benz-Preis der Daimler und Benz Stiftung, der jährlich einer jungen Ingenieurin zukommt.

Bild: By Unidentified photographer – Daimler.com, Public Domain

KW 3/2013: Shannon Lucid, 14. Januar 1943

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Space – the final frontier.
Shannon Lucid gehörte zum ersten Team von NASA-Astronauten, in der Frauen zugelassen wurden,  im Jahr 1978. Sie war nicht die erste Frau im Weltall, nicht mal die erste Amerikanerin.
Sie war jedoch bis 2007 die Frau, die den Frauen-Rekord für Tage im Orbit um die Welt hielt (223 Tage). Außerdem, noch passender für eine Grenzgängerin, ist sie die einzige Amerikanerin, die auf der MIR gearbeitet hat, und mit 188 Tagen die amerikanische Person mit der längsten Arbeitszeit auf der MIR.
Nebenher hat sie übrigens auch noch drei Kinder bekommen. Hut ab.
Auf der Homepage der NASA gibt’s die ultimative Lobhudelei und ein Feature zu ihrer Rückkher in ihr Geburtsland China.

Bild: Von NASA, Gemeinfrei