Kategorie: Wissenschaft+Forschung

7/2020: Susan Lim, 14. Februar 1952

Lee Hong Susan Lim (Link Englisch) wurde in Seremban geboren, der Hauptstadt des malaysischen Bundesstaates Negeri Sembilan. Nachdem sie die Grundschule und die weiterführende Schule in ihrer Heimatstadt abgeschlossen hatte, ging sie 1971 nach Kuala Lumpur, um an der Universität Malaya Zoologie zu studieren. Zunächst schloss sie ihren Master of Science ab, dann arbeitete sie auf ihre Promotion hin. Sie verdiente ihren Unterhalt als Tutorin an der Universität, während sie ihre Doktorarbeit über Hakensaugwürmer bei Frischwasserfischen. Mit dieser Arbeit promovierte sie 1987, mit 35 Jahren. Zwei Jahre später wurde ihr eine Lehrstelle an der Universität angeboten, 2003 wurde sie zur Professorin am dortigen Biologischen Institut.

Lim gilt als die führende Spezialistin für Hakensaugwürmer in Südostasien. Indem sie mehr als 100 neuer Arten beschrieb und ebensoviele neu einordnete, erarbeitete sie sich den sechsten Platz auf der Liste der produktivsten Hakensaugwurm-Forscher, und die produktivste Frau in diesem Bereich überhaupt. Sie ist in ihrem Forschungsbereich auch dafür bekannt geworden, einen bis dahin unbekannten Mechanismus zu beschreiben, mit dem sich einige der Würmer an ihren Wirten befestigen, nämlich einer Art Netz, die diese aus ihren Sekreten bilden.

Lim starb 2014 im Alter von 62 Jahren an einem langen Krebsleiden.

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Ebenfalls diese Woche

12. Februar 1921: Kathleen Antonelli
Auch als Kay McNulty bekannt, gehört die diplomierte Mathematikerin zu den sechsersten Programmiererinnen des ENIAC, mit dem die US-Armee ballistische Berechnungen anstellte. Die Lebensgeschichten dieser „Computer“ genannten Frauen (und Männer) sind lesenswert, aber zu gehaltvoll für meine derzeitigen Kapazitäten.

14. Februar 1862: Agnes Pockels
Die in Venedig geborene Tochter eines deutschen Offiziers forschte als Autodidaktin zur Grenzflächenspannung, genauer: zur Oberflächenspannung. Durch ihre Beobachtungen beim Spülen (ausgerechnet!) entwickelte sie die Schieberinne, heute auch Filmwaage, die Irving Langmuir zusammen mit Katharine Blodgett weiterentwickelte. Für seine Weiterentwicklung erhielt Langmuir – und nur er – den Nobelpreis für Chemie, drei Jahre, bevor Pockels starb.

16. Februar 1880: Kono Yasui (Link Englisch)
Mit 47 Jahren wurde die Zellbiologin 1927 die erste Frau mit Doktorgrad in Japan. 22 Jahre später wurde sie Professorin an der Ochanomizu Joshi Daigaku, der Frauenuniversität Ochanomizu, 1955 wurde sie für ihre akademischen Leistungen mit der Medaille am Violetten Band geehrt.

16. Februar 1932: Archana Sharma (Link Englisch)
Die indische Botanikerin lieferte vor allem mit ihren Forschungen zu Chromosomen von Bedecktsamern einen wissenschaftlichen Durchbruch, der zu einer neuen Kategorisierung der Pflanzen führte.

Pandrosion

ca. 300 n. Chr.

An der tatsächlichen Existenz von Pandrosion (Link Englisch) besteht keinerlei Zweifel, dennoch ist oder war sie lange Zeit obskur, denn im 19. Jahrhundert wurde sie von einem Übersetzer kurzerhand zum Mann gemacht.

Der griechische Mathematiker Pappos von Alexandria spricht in seiner Mathematischen Sammlung von Pandrosion, insbesondere ihre Lösung für die Würfelverdopplung. Dies ist eines der klassischen Probleme der antiken Mathematik, neben der berühmten Quadratur des Kreises und der Dreiteilung des Winkels. Das eigentliche Problem dieser drei geometrischen Aufgaben im klassischen Griechenland lag an den eingeschränkten Mitteln: In nur einer begrenzten Anzahl von Schritten sollten diese Probleme mit den Euklidischen Werkzeugen Lineal und Zirkel gelöst werden. Bei allen dreien wurde erst im 19. Jahrhundert bewiesen, dass dies im Grunde gar nicht möglich ist.

Für die Würfelverdopplung hatte Archytas von Tarent 800 Jahre vor Pandrosion bereits eine rechnerische Lösung gefunden, an deren Visualisierung sich auch mathematisch unbewanderte Menschen (wie ich) ästhetisch erfreuen können: Mithilfe der Oberflächen eines Torus, eines Zylinders und eines Konus – die Beschränkung der Hilfsmittel auf Lineal und Zirkel galten zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Doch zurück aus der Abschweifung zu Pandrosion. Laut Pappos sei sie einer Lösung dieses Problems unter den inzwischen strengeren Regeln nahe gekommen, habe dafür aber nicht ausreichend mathematische Beweise erbracht. In seiner Sammlung widmet er eine Sektion der Korrektur von Pandrosions Fehlern; an anderer Stelle schließt er eine Methode ein, das geometrische Mittel zu exakt errechnen, die indirekt ebenfalls auf Pandrosion zurückging.

Bei seiner Übersetzung der Sammlung vom Griechischen ins Lateinische konnte sich Friedrich Hultsch 1878 schlicht nicht vorstellen, dass Pandrosion eine Frau gewesen sein könnte, und unterstellte Pappos, sich bei der weiblichen Anrede an sie geirrt zu haben. Kurzerhand „korrigierte“ er in einem Akt, der dem Matilda-Effekt ähnelt, die Anrede und so wurde Pandrosion lange Zeit männlich gelesen. Es sollte 110 Jahre dauern, bis sich ein englischer Übersetzer namens Alexander Raymond Jones 1988 für eine direkte Übersetzung ins Englische mit den griechischen Originalen befasste, und überzeugend darlegte, dass Pappos durchaus keinen Fehler gemacht hatte.

Aufgrund dieser Tatsache wissen wir heute, dass Pandrosion eine noch ältere Mathematikerin als Hypatia – möglicherweise sogar deren Lehrerin – gewesen ist. Über diese folgt der nächste Beitrag auf dem Zeitstrahl.

6/2020: Lin Lanying, 7. Februar 1918

Die Familie von Lin Lanying (Link Englisch) lässt sich bis in die Ming Dynastie, etwa 600 Jahre, zurückverfolgen. Einer ihrer Vorfahren, Lin Run (das Chinesische stellt den Familiennamen voran) war Beamter und unterstützte seinen Kaiser gegen zwei politische Gegner. Zum Dank dafür wurde er reich beschenkt und baute das Haus in Putian, in dem auch Lanying geboren wurde und aufwuchs. Als älteste Tochter der Familie putzte und kochte sie bis zu ihrem sechsten Lebensjahr für die ganze Familie – ihre später geborenen Schwestern wurden als Kinder in Zwangsheiraten gegeben oder umgebracht. Ihr Vater verließ die Familie für eine Lehrtätigkeit.

Mit sechs Jahren wollte Lin Lanying dem Schicksal der hausgebundenen Frau trotzen und zur Schule gehen. Ihre Mutter verweigerte ihr dies, bis sich Lanying in ihrem Zimmer einschloss und das Essen verweigerte. Von dieser Beharrlichkeit ließ sich die Mutter überzeugen und erlaubte ihr den Besuch der örtlichen Grundschule. Das Kind musste weiterhin alle Aufgaben im Haushalt wie bisher übernehmen, durch das Lernen für ihre durchgehend hervorragenden Noten kam sie oft nicht vor Mitternacht ins Bett. Sechs Stunden Schlaf bleiben ihr lebenslanges Pensum. Beim Wechsel auf die weiterführende Schule musste Lanying erneut mit ihrer Mutter streiten, die meinte, weitere Bildung sei für eine Frau unnötig. Wenn es sie kein Geld kosten würde, so rang Lanying ihrer Mutter das Versprechen ab, dann dürfte sie gehen. Die Schule, auf die sie gehen wollte, bot Stipendien für die drei besten Schüler:innen an, und Lanying verdiente sich eines dieser Stipendien jedes Halbjahr.

In der Oberstufe hatte ihre Mutter endlich akzeptiert, dass Lin Lanying zur Schule ging. Für ein Jahr besuchte sie die Oberstufe in Putian, doch die politischen Unruhen zu dieser Zeit – Japan marschierte 1937 in China ein – machten die Schule unsicher, deren Schüler:innen sich politisch engagierten. Lin wechselte auf eine reine Mädchenschule, wo sie eine amerikanische Lehrerin hatte, die nur schlecht Chinesisch sprach. Lin begann, für die Lehrerin zu übersetzen und wurde schließlich deren Assistentin, was ihr den Beinamen „kleine Lehrerin“ einbrachte. Von dieser Schule ging sie ab an die Universität Fukien Christian University, heute Fujian Normal University (Link Englisch). Mit 22 Jahren machte sie ihren Bachelor-Abschluss in Physik, als eine der besten Absolvent:innen. Sie arbeitete dort weiter acht Jahre, vier davon als Lehrassistentin für Basiskurse zum Beispiel für Mechanik. Ihr erstes Buch Lehrgang für Experimente der Optik diente ihr als Promotion zum Professor.

Ihre Universität betrieb einen Austausch mit der New York University, aber weil Lin keine Christin war, war sie davon ausgeschlossen. Stattdessen bewarb sie sich um ein Stipendium am Dickison College, das sie mit Hilfe eines Studienfreundes auch erhielt. In Amerika schloss sie einen weiteren Bachelor in Mathematik an. 1955 erarbeitete sie sich einen weiteren Doktortitel in Festkörperphysik, danach wollte sie in ihre Heimat zurückkehren. Doch die politische Lage in China war schwierig, in Amerika gab es gute berufliche Chancen und chinesischen Studenten wurde auch die Ausreise verweigert. Lin wurde mit der Empfehlung eines ihrer Professoren Oberingenieurin in einem Unternehmen, das versuchte, monokristallines Silicium herzustellen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Versuche gescheitert, unter Lins Leitung gelang es schließlich.

Als ein Jahr später China das Abkommen der Indochinakonferenz unterzeichnete, war es Lin schließlich möglich, die Heimreise anzutreten. Kurz vor ihrem Abflug kam laut Wikipedia ein FBI-Agent auf sie zu und drohte, ihr Konto mit ihrem Jahresgehalt einzufrieren, wenn sie nach China flöge. Lin habe diese Sanktion hingenommen.

In China unterstützte Lin ihre Familie, zwei Brüder und zwei Nichten, mit dem kargen Gehalt von umgerechnet 20 Dollar im Monat, das sie beim chinesischen Institut für Halbleiterforschung verdiente. Dort gelang es 1957 mit ihrer Hilfe zum ersten Mal, monokristallines Germanium herzustellen. Trotz dem Mangel an Instrumenten und Ausstattung, der in China wegen diverser Handelsembargos herrschte, fand sie 1958 eine weitere Methode zur Herstellung von monokristallinem Silicium, womit China zur dritten Nation wurde, die diesen Einkristall erzeugen konnte. 1962 entwarf sie den Einkristall-Ofen, der seither von China weltweit exportiert wird, und stellte monokristallines Galliumarsenid her.

Dann kam die Kulturrevolution. Lin wurde im Rahmen der Verfolgung der „Ausbeuterklasse“, zu der Mao auch Intellektuelle zählte, unter Hausarrest gestellt, ihr Vater wurde totgeschlagen. Dennoch begann sie 1976, nach dem Ende der Kulturrevolution, mit fast 60 Jahren erneut an zu arbeiten. Sie arbeitete erneut mit Galliumarsenid und konnte dessen Qualität in chinesischer Produktion verbessern – die Details kann ich leider nicht nachvollziehen. Nach dieser Errungenschaft benannte China schließlich ein Galliumarsenid-Produktionsunternehmen nach ihr.

1996 wurde bei ihr Krebs festgestellt. Sie wünschte sich noch weitere zehn Jahr, um ihre Arbeit an der Halbleiterherstellung in Südchina fertigzustellen. Sie erreichte ihr Ziel nicht ganz, sieben Jahre später starb sie im Alter von 85 Jahren.

Die „Mutter der Halbleiter“ veröffentlichte zahlreiche Forschungsarbeiten und war auch teilweise für die Gleichberechtigung der Frau aktiv; allerdings war auch ihre Position, dass Frauen ebenso fähig zu wissenschaftlicher Arbeit sind, begleitet von den Stereotypen der Zeit, nämlich, dass sie sich dennoch mehr anstrengen müssten, weil sie leichter abzulenken seien.

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Ebenfalls diese Woche

3. Februar 1835: Marianna Paulucci (Link Englisch)
In 32 Arbeiten beschrieb die italienische Malakologin zwei Gattungen und 159 Arten von Mollusken.

3. Februar 1918: Moira Dunbar (Link Englisch)
Sie war die erste, die Forschungen von kanadischen Eisbrechern aus durchführte, eine der ersten Frauen, die über den Nordpol flog, und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zum Arktischen Eis und zur Glaziologie.

9. Februar 1919: Irene Stegun
Die Mathematikerin ist durch ihre Mitarbeit an dem Buch Handbook with Mathematial Functions, Graphs, and Mathematical Tables bekannt, das sie nach dem Tod des ersten Projektleiters Milton Abramowitz fertigstellte und herausbrachte.

Maria Prophitessa (Maria die Jüdin)

1. bis 3. Jahrhundert n. Chr.

Diese erste westliche Alchemistin ist ebensowenig wie ihre östlichen Vorgängerinnen selbst schriftlich in Erscheindung getreten. Der griechische Alchemist Zosimus aus Panopolis benennt Maria die Jüdin im 4. Jahrhundert als „eine der Weisen“ und beschreibt einige ihrer Instrumente und Experimente. Georgios Synkellos, ein byzantinischer Chronist im 8. Jahrhundert, stellt sie als Lehrerin von Demokrit dar, den sie zur Lebenszeit Perikles in Memphis, Ägypten getroffen haben soll. Der schiitische Gelehrte Ibn an-Nadīm bezeichnet sie als eine der berühmtesten 52 Alchemist:innen und schrieb, sie sei in der Lage gewesen, caput mortuum herzustellen, ein rotes Pigment aus Eisenoxid.

Zosimus schrieb ihr drei Erfindungen zu, die in der Alchemie verwendet wurden: Ein dreibeiniger Destillierapparat namens Tribikos, ein Gefäß namens kerotakis, in dem Substanzen erhitzt und Dämpfe aufgefangen werden konnten (ein Vorläufer des Soxhlet-Aufsatzes) und das nach ihr benannte beheizbare Wasserbecken Bain-Marie. Die Sulfide, die als Rückstände in Rückflussfiltern (wie dem Soxhlet-Aufsatz) entstehen, heißen in der Chemie noch heute das Schwarz der Maria.

Während es alchemistische Texte unter ihrem Namen gibt, ist ein nachweislich zugewiesenes Werk von Maria nicht vorhanden. Dennoch geht auf sie ein kryptischer Ausspruch zurück, der in der deutschen Literatur und Psychologie wiederkehrte: Das Axiom der Maria Prophitessa.

Aus Eins wird Zwei, aus Zwei wird Drei, und das Eine des Dritten ist das Vierte; so werden die zwei eins.

oder

Die Eins wird zur Zwei, die Zwei zur Drei, und aus dem Dritten wird das Eine als Viertes.

Quelle: Wikipedia

Goethe baute darauf das Hexeneinmaleins in Faust I auf, C. G. Jung betrachtete diesen Spruch als Metapher für die Individuation, den Prozess, in dem sich ein Mensch zu einem Individuum entwickelt.

Fang

1. Jhdt. v. Chr.

Die Timeline of women in science listet unter diesem Namen eine „Frau, die unter dem Namen Fang bekannt ist“ und der die Entdeckung zugeschrieben wurde „wie Quecksilber in Silber verwandelt werden kann“, möglicherweise Beschreibung des chemischen Prozesses, Quecksilber bei der Gewinnung von Silber aus Erz einzusetzen.

Über einige Umwege – über den Beitrag über Alchemie, zum Hauptartiekl über Chinesische Alchemie und dessen englisches Gegenstück Chinese alchemy (Link Englisch) – findet sich schließlich ein Kapitel über Chinese women alchemists (Link Englisch), in dem Fang ebenfalls prominent erwähnt wird. Über ihr Leben schrieb mehr als 400 Jahre später der Autor und Alchemist Ge Hong. Er erzählt ebenfalls, dass es ihr gelungen sei, durch das Erhitzen von Quecksilber Silber aus Erz zu gewinnen, und dass ihr Mann Cheng Wei ihr Geheimnis so unbedingt erfahren wollte, dass er sie misshandelt habe; schließlich sei sie darüber wahnsinnig geworden und habe Selbstmord begangen.

Die Seite Women Alchemists widmet ihr auch einen Platz in der Liste der Chinese Women Alchemists.

5/2020: Alice Catherine Evans, 29. Januar 1881

Alice Catherine Evans wurde anfangs auf der Farm ihres Vaters in Pennsylvania, USA, von ihrer Mutter, einer Lehrerin, unterrichtet. Später besuchte sie nahegelegene Schule, die aus einem Klassenzimmer bestand. Sie hatte gute Schulnoten und begann eine Ausbildung zur Lehrerin; später schrieb sie in ihren Memoiren, dass sie diesen Weg nur einschlug, weil Lehrerin der einzige denkbare Beruf für Frauen zu diesem Zeitpunkt war. Allerdings langweilte sie sich in dieser Tätigkeit und nahm nach vier Jahren als Lehrerin das Angebot der Cornell University für Landlehrer:innen an, weitere Universitätskurse zu besuchen. Sie erhielt ein Stipendium und schloss 1909 einen Bachelor of Sciences in Bakteriologie ab, um anschließend an der University of Madison-Wisconsin als erste Frau mit einem Bakteriologiestipendium bis zum Master of Sciences zu studieren. Anschließend war sie auch die erste Wissenschaftlerin, die als Bakteriologin beim Landwirtschaftsministerium der USA fest angestellt wurde, sie wurde dort Beamtin und arbeitete an der Verfeinerung des Herstellungsprozesses von Käse und Butter. Außerdem untersuchte sie die Ursachen bakterieller Verunreinigung von Milchprodukten.

Im Rahmen dieser Untersuchungen beschäftigte sie sich vor allem mit der Brucellose. Dieser Infekt verursacht Fehlgeburten bei Tieren, Evans erforschte den Zusammenhang des Infektes mit Fieber, das bei Menschen auftrat, die nicht pasteurisierte Milch getrunken hatten. Die Bakterien konnten sowohl bei erkrankten wie bei symptomfreien Kühen nachgewiesen werden, daher war es möglich, dass sich Menschen auch über die Milch gesund erscheinender Tiere anstecken konnten. Ihr warnender Beitrag im Journal of Infectious Diseases im Jahr 1918, dass Milch nicht mehr ohne Pasteruisierung konsumiert werden sollte, stieß bei ihren Fachkollegen auf Skepsis – weil sie eine Frau war und auch keinen Doktorgrad innehatte.

Im Laufe der 1920er kamen jedoch Forscher weltweit zu den gleichen Ergebnissen, in den 1930ern wurde die Pasteurisierung in der Milchwirtschaft als Standard eingeführt und die Brucellose als Erkrankung so entscheidend bekämpft.

Evans wechselte 1918 vom Landwirtschafsministerium zum Public Health Service, dort forschte sie zu epidemischen Infektionskrankheiten wie Influenza und Meningitis und steckte sich 1922 dort selbst mit dem Maltafieber an, unter den Spätfolgen litt sie für den Rest ihres Lebens. 1945 setzte sie sich beruflich zur Ruhe, doch blieb sie aktiv: Sie wurde eine beliebte Vortragsrednerin in Frauengruppen zur Karriere in der Wissenschaft. Mit 94 Jahren starb sie 1975 an den Folgen eines Schlaganfalls.

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Ebenfalls diese Woche

28. Januar 1929: Edith M. Flanigen
Über die Chemikerin habe ich 2019 geschrieben.

29. Januar 1947: Linda B. Buck
Für ihre Forschungen zum Riechsystem wurde die Neurophysiologin 2004 gemeinsam mit ihrem Kollegen Richard Axel mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. Sie entdeckte, wie Riechen neurophysiologisch funktioniert, welche Gene die Vorlagen für die Rezeptoren des Geruchssinns enthalten und die Grundlagen für die molekulargenetische Erforschung des Geruchssinns.

1. Februar 1945: Jane Plant (Link Englisch)
Die Geochemikerin war eine Pionierin auf ihrem Gebiet und Commander of the Most Excellent Order of the British Empire, Fellow of the Royal Academy of Engineering, Fellow of the Royal Society of Edinburgh udn Fellow of the Royal Society of Arts.

Aglaonike

ca. 1. Jhdt. v. Chr.

Plutarch betrachtete die Legende von Aglaonike als Mystifizierung einer vorgeschichtlichen Astronomin, die Mondfinsternisse vorhersagen konnte.

In der griechischen Mythologie war Aglaonike eine Zauberin, die den Mond herabziehen konnte und von den Göttern dafür bestraft wurde. Die Einschätzung der Zeit ihrer Existenz beruht auf dem Rahmen, dass es vor dem 1. Jahrhundert vor Christus gewesen sein muss, damit Plutarch über sie schreiben konnte, aber nicht länger her als das 3. Jahrhundert vor Christus, weil von dieser Zeit bekannt ist, dass babylonische Astronomen erstmal fähig waren, Mondfinsternisse vorherzusagen. Außerdem gab es zwischen dem 2. und 1. Jahrhundert wohl einige dieser astronomischen Ereignisse, die besonders dunkel ausfielen, sodass der Mond tatsächlich nicht mehr zu sehen gewesen sein dürfte. Diesen Umstand hätten sich Menschen wie Aglaonike zu Nutze machen können, um vor den Menschen als zauberkundig zu erscheinen: Sie hatten ja den Mond vom Himmel genommen.

Bei ihrer Installation The Dinner Party widmete Judy Chicago Aglaonike eine Bodenfliese.

4/2020: Gertrude B. Elion, 23. Januar 1918

Die Eltern von Gertrude B. Elion waren als Kinder in die USA eingewandert, ihre Mutter aus Polen, ihr Vater stammte aus einer jüdischen Familie in Litauen. Er war Zahnarzt in New York, verlor jedoch sein gesamtes Vermögen am Schwarzen Donnerstag, den 24. Oktober 1929 (dazu gehört in der Folge auch der Schwarze Dienstag, der 29.Oktober; dass dieses Ereignis in Deutschland als Schwarzer Freitag bekannt ist, liegt daran, dass durch die Zeitverschiebung der Absturz des Börsenkurses in unseren Breiten in den frühen Morgenstunden des Freitag stattfand). Doch da Getrude hervorragende Noten hatte, konnte sie ohne Studiengebühren am Hunter College Chemie studieren. Sie hatte bereits mit 15 beschlossen, in der Krebsforschung zu arbeiten, nachdem ihr Großvater an Krebs gestorben war. 1937, mit 19 Jahren, machte sie als einzige Frau vor 1939 ihren Bachelor an der New Yorker Universität. Da sie keine Anstellung als Chemikerin fand, schloss sie ein Studium zum Master of Sciences an, während sie tagsüber als High-School-Lehrerin arbeitete. Später äußerte sie die Vermutung, dass sie als junges Mädchen überhaupt nur eine Hochschulbildung genießen konnte, weil sie dank guter Noten umsonst studieren konnte – sie bewarb sich fünfzehn Male um finanzielle Unterstützung, doch alle wurden aufgrund ihres Geschlechtes abgelehnt. Sie hatte sich bereits in einer Schule für Sekretärinen eingeschrieben und diese sechs Wochen besucht, bevor sie eine bezahlte Stelle fand. (Quelle: Wikipedia) 1941 machte sie ihren Abschluss als M.Sc., im gleichen Jahr verlor sie ihren Verlobten durch eine bakterielle Endokarditis, eine Herzentzündung. Nach eigener Aussage verstärkte dies ihren Wunsch, Pharmakologin zu werden.

Da sie keine Arbeit in der akademischen Forschung fand, arbeitete sie zunächst in der Lebensmittelforschung, namentlich bei der Supermarktkette A&P; dort prüfte sie als Qualitätsmanager den Säuregehalt der Gurken und Eidotter, die in Mayonaise verarbeitet wurden. Erst drei Jahre später, 1944, konnte sie bei Burroughs Wellcome & Company (heute GlaxoSmithKline) als Laborassistentin tätig werden. Sie arbeitete hier mit dem Biochemiker George Herbert Hitchings zusammen an „rationaler Wirkstoffplanung“: Statt sich auf trial & error zu verlassen, also zu experimentieren und aus den gescheiterten Experimenten zu lernen, untersuchte das Team aus Hitchings, Elion und James W. Black die Unterschiede zwischen menschlichen Zellen und Krankheitserregern, um von vorneherein Wirkstoffe herzustellen, die nur die Erreger zerstörten und nicht gesundes menschliches Gewebe angriffen.

In ihrer Zeit bei Burroughs Wellcome & Company, zwischen 1944 und 1983, war sie an der Entwicklung diverser Medikamente beteiltigt, etwa Zytostatika zur Behandlung von Leukämie, einem Mittel zur Behandlung von Malaria, und dem ersten Immunsuppressivum, das nach Organtransplantationen zum Einsatz kommt. Besonders hervorzuheben unter Elions Forschungsergebnissen ist jedoch Aciclovir, das bei Infektionen mit Viren der Art Herpes Simplex gegeben wird. Nachdem sie sich bereits als Mitarbeiterin von inzwischen GlaxoSmithKline zur Ruhe gesetzt hatte, war sie auch an der Weiterentwicklung von AZT (Zidovudin) beteiligt, das erste Medikament, das zur Behandlung von AIDS eingesetzt wurde und noch heute zur antiretroviralen Therapie bei HIV1-infizierten Patienten gehört.

1967 wurde sie zur Leiterin der Abteilung für Experimentelle Therapie bei GlaxoSmithKline. Sie machte auch erste Schritte hin zu einem Doktortitel, doch war ihr die praktische Forschung im Unternehmen wichtiger als der akademische Grad, und so promivierte sie nie. Nachdem sie jedoch 1988 gemeinsam mit Hitchings den Nobelpreis für Physiologie und Medizin (für die „Entdeckung zu wichtigen biochemischen Prinzipien der Arzneimitteltherapie“) erhalten hatte, verlieh ihr die Polytechnic University of New York 1989 die Ehrendoktorwürde, neun Jahre später folgte auch die Harvard University.

Die Liste ihrer Auszeichnungen ist lang. Im direkten Anschluss an ihre Pensionierung war sie Präsidentin der American Association for Cancer Research, und im beruflichen Ruhestand forschte sie weiter nach Mitteln gegen HIV und AIDS. Sie war die fünfte weibliche Nobelpreisträgerin für Medizin und die neunte weibliche überhaupt. Sie wurde in den Jahren 1990 und 1991 zum Mitglied der National Academy of Sciences, der National Academy of Medicine und der American Academy of Arts and Sciences, erhielt (unter anderem) die US-amerikanische National Medal of Science und wurde in die National Inventors Hall of Fame und die National Women’s Hall of Fame aufgenommen.

1999 starb sie im Alter von 91 Jahren.

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Ebenfalls diese Woche

21. Januar 1714: Anna Morandi Manzolini
Ihre ersten zwanzig Wachsmodelle von menschlichen Organen waren die unterschiedlichen Ausbildungen des Uterus während einer Schwangerschaft. Manzolini wurde weltbekannt für ihre exakten Wachsnachbildungen menschlicher Anatomie, später lehrte sie auch als Honorarprofessorin an der Universität Bologna.

22. Januar 1909: Tikvah Alper (Link Englisch)
Die südafrikanische Physikerin studierte 1930-1932 bei Lise Meitner. Sie entdeckte, dass der Scrapie-Erreger, bei uns auch Traberkrankheit, keine Nukleinsäuren enthält und sich nicht durch Strahlung vernichten lässt. Die Schlussfolgerung, dass es sich nicht um einen Virus handeln konnte, führte zur Entwicklung der Prionentheorie.

24. Januar 1904: Berta Karlik
Die österreichische Physikerin wies in den 1940er Jahren die drei Isotope 215, 216 und 218 des Elementes Astat nach.

26. Januar 1839: Rachel Lloyd (Link Englisch)
1886 war sie die erste Amerikanerin, die einen Doktortitel in Chemie erhielt – an der Universität Zürich – und die zweite Frau in diesem Gebiet überhaupt nach Julia Lermontowa.

Theano

6. bis frühes 5. Jhdt. v. Chr.

Bei der Pythagoreerin handelt es sich wiederum um eine Frau, deren Existenz nicht nachweislich gesichert ist bzw. die sich möglicherweise aus zwei verschiedenen weiblichen Personen zusammensetzt. Es ist unklar, ob sie von Kreta stammte, aus Crotone oder aus Metapont, ob sie Tochter oder die Ehefrau eines Pythagoreers namens Brontinos war, ob sie Pythagoras‚ Frau, Angebetete oder nur Anhängerin war. Möglicherweise war sie Mutter von drei oder vier Kindern.

In der römischen Kaiserzeit, also gute 400 Jahre, nachdem sie gelebt haben soll, wurden Schriften in ihrem Namen verbreitet, die die Philosophie Pythagoras‘ auf das Leben der Frauen anwendbar machen sollten. Von sieben erhaltenen Pseudepigraphen richten sich fünf an Frauen selbst; sie behandeln Themen wie die Aufgaben einer Frau und Mutter, wie eine Frau auf den Ehebruch ihres Mannes reagiere solle und Umgang mit dem Gesinde und den Kindern – die sollen z.B. nicht verwöhnt werden. Aus diesen Schriften entstand das Bild einer Frau, die besonders tugendhaft und weise im Sinne der Pythagoreeischen Philosophie gewesen sein soll. Da diese Philosophie auf der Annahme ruht, dass der Kosmos von einer auf Zahlen und Zahlenverhältnissen beruhenden Harmonie beherrscht ist und auch die Menschen in ihrem Tun nach dieser Harmonie streben sollten, könnte Theano, so sie existierte, als mathematische Philosophin gelten – auch wenn mit großer Sicherheit feststeht, dass die Schriften nicht tatsächlich aus der Feder einer Frau stammten, die in welchem Verhältnis auch immer zu Pythagoras stand.

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