Isabella Cortese

16. Jhdt.

Von Isabella Cortese ist wieder einmal so gut wie nichts bekannt außer einem Schriftstück: I secreta de la Signora Isabella Cortese (Die Geheimnisse der Signora Isabella Cortese) erschien 1561 und enthält (al-)chemistische, heilkundliche und kosmetische Rezepte. Bis ins Jahr 1677 wurde es elf Mal wiederaufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt, zwei Ausgaben existieren auf Deutsch.

Von der Goldherstellung über die ‘Entgiftung‘ der Gesichtshaut, Zahncremes, Seife, Kleber und einem Mittel gegen erektile Dysfunktion trug Isabelle Cortese zahlreiche ‘Geheimnisse‘ zusammen; sie erwähnt, die Werke anderer Alchemisten, namentlich Geber, de Villanova und Llull, gelesen zu haben, doch hätte sie davon nichts gewonnen als die Wahrscheinlichkeit, früher zu sterben. Stattdessen habe sie ihre Erkenntnisse alle aus eigener Forschung gewonnen, ihren Leser:innen riet sie zum eigenen Vorteil, die aus der Lektüre gewonnenen Erkenntnisse nicht weiterzuerzählen.

Der englische Wikipedia-Beitrag zu Isabella Cortese ist hier zwar nicht biografisch ergiebiger, enthält jedoch eine interessante Abhandlung über die ‘Geheimnis-Kultur‘ der Wissenschaft im 16. Jahrhundert: Wie ‘geheim‘ und ‘Experiment‘ zu dieser Zeit im Prinzip synonym waren, ‘geheim‘ aber nicht hieß, dass niemand davon wusste, sondern, dass das Experiment funktionierte. Derartige wissenschaftlichen ‘Geheim-Experimente‘ konnten wie eine Art Währung verwendet werden, um Schulden zu begleichen, sich Vorteile zu verschaffen oder gar in höhere soziale Kreise aufzusteigen.

In einer Umkehrung der üblichen Geschlechtermimikri besteht bei Isabella Cortese die Möglichkeit, dass es sich beim Autor des Buches um einen Mann handelte. Während Männer Zugang zu Bildung und Wissenschaft hatten, blieb die Kenntnis über weibliche Anatomie und Gesundheit ein Privileg der Frauen; dies versetzte die gesamte weibliche Gesundheitsfürsorge in eine ‘unwissenschaftliche‘ Nische, doch von Interesse für die weniger gebildete (weibliche) Bevölkerung. Ein weibliches Pseudonym für die Geheimnisse der Isabella Cortese könnte also dem doppelten Zweck gedient haben, die enthaltenen Kenntnisse wissenschaftlich zu diskreditieren und gleichzeitig für die weiblichen Leser glaubwürdig zu machen.